Habe den neuen Star Wars Film (TFA) auch kurz nach Weihnachten gesehen. Und wenn mir einer vor nem halben Jahr erzählt hätte, wie viel Zeit in den letzten Wochen drauf gegangen ist um mit Kumpels beim Bierchen und so über diesen Film zu labern und zu philosophieren, dann hätte ich ihn zumindest geohrfeigt. Denn mit SW konnte ich bisher nix anfangen, weder mit der bejubelten Originaltrilogie noch mit der ausgebuhten Prequeltrilogie. Und nach einmaligem Schauen des Films ging ich aus dem Kino und dachte mir: Ja, das war gerade nen guter Film! Und das hätte ich nach den 3 miesen letzten SW-Filmen und dem nur noch nervenden Hype seit Disney die Rechte hat für nicht mehr nötig gehalten.
Daher ist TFA eindeutig der bisher beste SW-Film! (imo)
Ehe jetzt einige Schnappatmung bekommen (ja, habe mir die bisherigen Beiträge durchgelesen ^^), möchte ich kurz begründen warum.
EP I bis III sind meiner Meinung nach einfach schlechte Filme, die eine hanebüchene Story mit Logiklücken erzählen, da passen der Todesstern UND die neue "Starkiller-Base" rein. Und ja, es gibt auch einiges, was positiv erwähnt sein soll: Die sehenswerten Schauwerte (Coruscant, Kamino, ...), das Doppel-Lichtschwert-Duell in EP I und Darth Maul (bis er zu früh starb) und die Raumschlacht zu Beginn von EP III - jedoch ergibt dies mehr einen Haufen interessanter Prämissen, die Story dahinter funktioniert für mich nicht. Und zwar nicht nur dank Mediklorianer und Jar-Jar-Binks (und ähnlich rassistischen Stereotypen), sondern weil die Figurenzeichnung, die Macht an sich und der Bösewicht misslungen sind (oder misslungen dargestellt sind), imo.
EP IV bis VI sind meiner Meinung aus heutiger Sicht einfach keine guten Sci-Fi-Filme, auch wenn ich vollkommen d'accord gehe, dass diese Filme sowohl SciFi als auch Hollywood allgemein gewaltig auf den Kopf gestellt haben. Vielleicht bin ich eine oder zwei Generation zu spät geboren, vielleicht fände ich die ersten 3 Filme trotzdem nicht so gut, wenn ich sie in den 70ern/80ern im Kino gesehen hätte - jedenfalls kann ich absolut nichts von der Faszination nachvollziehen mit der Luke, Leia und Han gefeiert werden. Oder auch Darth Vader, der komischerweise immer in der Liste der bösesten Filmschurken auftaucht. Die Story von EP IV ist so was von stereotyp: Ein talentierter, aber frustrierter junger Kerl mit dem Herz am rechten Fleck und einem geheimnisvollen Vater bekommt von seinem Mentor (Achtung! Freund vom Vater!) ein magisches Schwert, findet im Film Unterstützung durch hilfreiche Sidekicks (Han Solo) und rettet nicht nur die Galaxie, sondern auch die Prinzessin vor dem Schwarzen Ritter, äh, ich meine den Typ in der schwarzen Rüstung mit dem Samurai-Helm und dem Gameboy auf der Brust ... Bis auf die außerirdischen Handlungsorte ist das alles sehr irdisch und die Blaupause für so ziemlich jede mittelalterliche Heldengeschichte, die in EP V und VI dann nochmal erzählt wird. Damit hätte ich auch noch kein Problem, wenn diese Story wenigstens
interessant erzählt werden würde, aber je mehr ich mit Leuten drüber rede desto platter kommt mir das alles vor: Natürlich ist Luke der Machtbegabte, natürlich rettet er die Prinzessin und natürlich haut Han Solo erst mal ab bevor er genau zum richtigen Zeitpunkt wiederkommt und natürlich zerstört auch Luke den Todesstern - indem er durch den Lüftungsschacht fliegt! Dieses Detail bringt übrigens auch die meisten meiner Kumpels, die SW richtig doll mögen, in Bedrängnis. Darüber reden sie nicht gerne. Schlimmer sind nur die Ewoks
Und aus diesen allen Gründen (und noch viel mehr) wollte ich TFA als Fortsetzung von 6 Filmen mit denen ich nix anfangen kann auch gar nicht angucken. Aber dann brachte mich nen Kumpel auf die Idee es einfach als Popcorn-Feuerwerk anzuschauen und so war ich doch im Kino zu TFA gelandet.
Achtung! SPOILER.Warnung für TFA!
Und die ersten 30 Minuten (bis der Millenium-Falke Jakku verlässt) waren auch großartiges Kino - da stimme ich wahrscheinlich mit sehr vielen Kritikern überein - weil alle gezeigten Elemente sich wunderbar ineinander fügten, ich meine sogar beinah perfekt: Die Chemie zwischen Poe und Finn stimmte, der Bösewicht wurde eingeführt (plus kurzem Standoff zwischen Kylo und Finn auf Jakku, der schon mal richtig Appetit auf das Finale machte), es wird mal ein Roboter eingeführt, der nicht nervt (!) und trotzdem drollig ist, und Rey ist keine Damsel in Distress sondern eine fähige Kämpfern und Pilotin, die Finn rettet (und nicht umgedreht), aber trotzdem ihr Säckchen zu tragen hat (auch wenn wir noch nicht wissen, wieso sie auf Jakku ausgesetzt wurde ...), die Schauwerte passen (abgestürzter Zerstörer im Sand!) und und und.
Danach kam Han Solo ins Bild, dieser Schwachsinn mit der Schmugglerverarscherei ging wieder los und als die Monster über den Gang hüpften hätte bloß noch irgendeine Rummelmusik gefehlt, dann wäre der Wahnsinn komplett gewesen - und ab diesem Punkt, wo immer wieder Elemente der alten Trilogie, damit meine ich Charaktere, Orte, Institutionen usw., dem neuen Cast Konkurrenz machten, wurde der Film für mich spürbar schlechter. Z.B.:
Die Kantinen-Szene von Maz Kanata? Gabs auch schon in EP IV auf Tattoine, und das fand ich damals schon albern. Und Maz Kanata war mir auch zu sehr Yoda 2.0.
Starkiller-Base zerstört ganze Sternensysteme? Aha, also ein Todesstern v2.0, wie originell.
Das zerstörte Sternensystem waren Planeten der, äh, Republik? Also einer Fraktion, die sonst gar nicht weiter im Film vorkam. Hat da jemand Alderan gehustet?
Wiedermal ist irgendein Kühlsystem der Schwachpunkt dieser exorbitant großen Starkiller-Station? Echt jetzt? Gibts in SW keine fähigen Ingenieure oder wie?
Ums kurz zu machen: Alles was mit der Originaltrilogie zu tun hatte, fand ich lahm und doof. Alles was die neuen Charaktere reinbrachten, fand ich erfrischend und toll.
Vor allem, dass Finn, Rey und Poe als Ensemble funktionieren und das Abenteuer zusammen bestreiten und gewinnen ist für mich eine so viel besser erzählte Geschichte als die vom omnipräsenten Luke in EP IV. Klar, die Zerstörung der Starkiller-Base war jetzt wieder mal ein Facepalm-Moment, aber wenigstens hat nicht Rye alle zum Schluss allein besiegt, sondern Poe den X-Wing geflogen. Auch der Laserschwertkampf am Ende war klasse, zumal Finn fast gestorben wäre (der liegt ja immer noch im Koma) und Rey den verletzten Kylo überhaupt nur besiegen konnte, weil der physisch und psychisch angeschlagen war. Letzteres durch den Tod seines Vaters Han, den er in einer meiner Meinung nach fantastischen Szene verschuldet hat. Das war mal ein würdiger Tod eines typischen Cowboys, der sich nach jahrelangem Herumdrücken schließlich seiner Vergangenheit stellt und dafür den ultimativen Preis bezahlt. Dazu die Wolken die den Laserstrahl verschlingen, so wie die dunkle Seite in Kylo die helle verdrängt und dieser doppeldeutige Satz - ja, vielleicht isses mir beim 2. Mal sehen auch etwas zu viel Holzhammer, aber in diesem Moment war ich dann doch froh, dass Han Solo in diesem Film dabei war. Nämlich um derart grandios abzutreten anstatt als 70jähriger Cowboy die Oneliner abzurattern - SW ist immerhin kein Expendables!
Und viel besser fand ich in diesem Zusammenhang auch Kylo Ren aka Ben Solo als Bösewicht. Gerade weil er nicht der unantastbare, komplett dunkle Lord ist, sondern zur Abwechslung ja mal von der hellen Seite verführt wird (was ich mal ne nette Idee finde!), konnte sich so ein dynamischer Endkampf entwickeln. Über das Aussehen des Schauspielers, seine Maske, den Reveal seines Gesichts und seiner Identität - ja, da habe ich auch meine Bauchschmerzen mit einigen Punkten, aber wenn ich die Wahl habe zwischen Darth Vader (Beschreibung siehe oben) und einem mehrdimensionalen Schurken, der noch auf dem Weg ist einer zu werden, dann überlege ich trotz nicht-verschwitzter Haartolle keine Sekunde wen ich lieber in dem Film hätte. Na gut, Darth Maul wäre wahrscheinlich noch besser ^^
Das Laserschwert von Kylo fand ich ebenfalls toll (auch wenn ich mich nach dem 1. Trailer wie viele über die Parierstangen lustig gemacht habe) und den Stil der Kämpfe hart und ruppig, da flogen Bäume um, Schnee und Eis verdampften usw.. Überhaupt ist TFA den 6 Vorgängern visuell in jeder Hinsicht überlegen: Vom Design der Raumschiffe und den Sturmtruppen bis zum Knistern des funkenschlagenden Laserschwerts. Ja sogar der dämliche Angriff der Starkiller-Base sah mal richtig bedrohlich nach Apokalypse aus. Auf dem ersten Blick mag es total unfair erscheinen einen gerade erschienenen Blockbuster mit einem Film aus den 70ern zu vergleichen, dennoch bleibt das Ergebnis das TFA besser aussieht und nicht alle Designentscheidungen altern gleich schnell. Bin mal gespannt wie wir alle in paar Jahren auf TFA zurückschauen, vor allem in Bezug auf die Prequeltrilogie.
Ich persönlich fand es also lohnenswert diesen Film im Kino zu sehen und finde TFA deshalb so gut, weil ich die bisherigen SW-Filme eben nicht gut fand wie der Rest der Welt immer behauptet. Ich sehe aber keinen Grund für grenzenlosen Optimismus, im Gegenteil: TFA endete mit einem stummen, nicht endenwollenden Blick zwischen Luke und Rey, und da bin ich ja mal gespannt wie Rey letztendlich zur Skywalker-Famlie passt. Wir haben im Freundeskreis schon einige gute Theorien (aber dafür ist der Post hier schon zu lang) und einige zum Brüllen schreiende (Kind von Luke und Leia oder Zwillingsschwester von Kylo

). Die Fallhöhe nach TFA ist nicht so niedrig wie viele denken, wer weiß wie EP VIII und IX verrissen werden. Ich habs nem Kumpel schon gesagt, dass bei SW alles möglich ist, von episch genial bis abgrundtief grottenschlecht. Und wenn er dann im Mai 2017 im Kino sitzt und Luke erklärt Rey, dass er sie "durch die Mediklorianer aus der Macht erschaffen hat und dadurch ihr Vater sei", dann kotzt er direkt im Strahl - ins Kino
