California Department of Fair Employment gegen Blizzard

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Early
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Early »

Torgau hat geschrieben: 28. Jul 2021, 05:35
Man kann eine Geschlechterfrage dann daraus machen, sobald die Arbeit an eine bestimmte Personengruppe delegiert wurde.
Dein Post ist dank der ergänzenden Aussagen von unverständlich zu fragwürdig gerückt.
Offensichtlich bekommt eine Mitarbeitergruppe ihr Zeug auf Grund eines Anfalls von Wochenendparty nicht gerallt, legt während der Arbeitszeit die Füße auf den Tisch und andere müssen dafür unfreiwillig herhalten.
Es ist mir wirklich fremd, was es an dieser Situation zu verteidigen gibt. Wer sich in die Arbeitsunfähigkeit zu bugsieren meint, hat es mit seinen eigenen Patscherchen wieder aufzuholen.
Aus Erfahrung weiß ich, dass solche Eindrücke auch aufgrund von schlechter Kommunikation entstehen können. Natürlich kann es auch unfair sein. Auf der anderen Seite ist es aber auch die Aufgabe des Vorgesetzten, dementsprechende Aufgabe zu delegieren. Wenn der Vorgesetzte seinen Angestellten vermittelt, dass er selbst eigentlich nichts hackelt, ist das sicher nicht optimal bzw. vernünftig. Aber einen Grund zur Klage kann ich rein aus dieser Situation nicht wirklich erkennen.
Torgau hat geschrieben: 28. Jul 2021, 05:35Was Witze - alle Witze betrifft - bin ich generell der Meinung, dass das Recht einer Person auf Circlejerk gegenüber dem Recht einer anderen Person auf subjektives Sicherheitsbedürfnis zurücktreten wird. Zumal es in einer Arbeitsumgebung geschah, in der es sichtlich zu Übergriffen kam und man nicht lediglich von Subjektivität sprechen kann. Beim Freundeskreis wird man sich eher aussuchen können, welche Pappnasen man um sich herum haben möchte.

Es gibt übrigens mittlerweile eine Antwort auf die Antwort von Blizzard, nicht sicher ob sie schon gepostet wurde.
https://www.bloomberg.com/news/articles ... on-lawsuit
Wenn das mit den Übergriffen stimmt, dann stehen diese Rape jokes natürlich in einem noch schlechteren Licht als sie eh schon stehen. Keine Frage. Und dann sind sie natürlich auch klar zu verurteilen. Die Reaktionen von Blizzard-Seite scheinen eh auch diese Vorwürfe zu bestätigen. Zumindest hab ich mittlerweile diesen Eindruck. Von daher: Alles okay. Ich fand nur die meisten Punkte der Anklageschrift etwas komisch und pingelig. Aber im gesamten Kontext sollen sie wahrscheinlich die heftigen Punkte noch mal unterstreichen bzw. hervorhaben.
Zuletzt geändert von Early am 2. Aug 2021, 09:55, insgesamt 1-mal geändert.
meieiro
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von meieiro »

Early hat geschrieben: 28. Jul 2021, 08:20 Aber im gesamten Kontext sollen sie wahrscheinlich die heftigen Punkte noch mal unterstreichen bzw. hervorhaben.
Das ist meiner Ansicht nach der entscheidende Punkt. Man muss das als Ganzes betrachten. Es geht hier eben nicht um den einzelnen unpassenden Witze, oder den Vorgesetzten der mal unfair die Aufgaben verteilt hat, usw. Wenn einer dieser Punkte mal passiert, dann ist das nicht auch nicht gut, aber das kann man evtl. runterschlucken, oder sich mal dagegen stellen.
Aber so wie das bisher geschildert wurde, geht es ja um ein grundsätzlich toxisches Arbeitsklima für Frauen. Und wenn dann der Typ der dich schon mal begrapscht hat, noch befördert wird und mit dem Abteilungsleiter Witze über Vergewaltigungen oder ähnliches reist.
Dann kannst du halt auch nicht zum Vorgesetzten gehen und die beschwehren, der ist ja Teil davon.
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Felidae
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Felidae »

meieiro hat geschrieben: 28. Jul 2021, 08:59
Das ist meiner Ansicht nach der entscheidende Punkt. Man muss das als Ganzes betrachten. Es geht hier eben nicht um den einzelnen unpassenden Witze, oder den Vorgesetzten der mal unfair die Aufgaben verteilt hat, usw.
.. und eben deshalb hinterlässt es halt ein sehr ungutes Gefühl, wenn Diskussionsteilnehmer nur einzelne Punkte rausgreifen und zu denen dann sinngemäß sagen, "Wo ist denn bitte das Problem, das ist doch echt noch harmlos". Selbst wenn die einzelnen Punkte für sich genommen unstrittig harmlos wären (und der Thread zeigt - auch das ist nicht der Fall): Es WIRKT dann eben wie ein runterspielen der Situation.
(Man beachte das große "WIRKT".)
Tom
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Tom »

Grundsätzlich ist mir bei dieser Sache zunächst sauer aufgestoßen, dass hier eine Anklageschrift so aufgenommen wird, als wäre das Urteil schon gefallen.

Das Twitterecho auf die Anklage beruhigt mich aber immerhin dadurch, dass es dort wo raucht wohl auch tatsächlich gebrannt hat:

https://twitter.com/Kristin_wrote/statu ... 0228551680
>>https://twitter.com/Petmorr/status/1418940979671875584

https://twitter.com/skrutsick/status/14 ... 3495762944

https://twitter.com/cherthedev/status/1 ... 3840341002

https://twitter.com/itskayteemkay/statu ... 2692409350

Schwierig finde ich immer noch den Schluss von einzelnen Ereignissen / Personen auf die ganze Firmenkultur. Die Anklage ist ja einer verdichtete Zusammenstellung der schlimmsten Vorfälle einer zweijährigen Untersuchung eines noch größeren Zeitraums einer Firma mit einer vierstelligen Zahl an Angestellten.

Ich bin mir aber auch nicht sicher, wie das eine oder das andere bewiesen werden könnte, und nehme auch an, dass es im Rahmen des Prozesses nicht geklärt werden wird. Dort wird es vornehmlich um Gehälter und Beförderungen gehen.
Rince81 hat geschrieben: 24. Jul 2021, 20:06 Gerade bei Twitter drüber gestolpert:
https://twitter.com/chrisbratt/status/1 ... 25761?s=19

Wow...
Das Video sollte man in seinem zeitlichen Kontext sehen. Im Jahr 2010 (prä-MeToo, prä-Gamergate, prä-Anita Sarkeesian), war die Forderung nach dieser Art von Inklusion eine Randgruppenforderung, über die kaum jemand nachgedacht oder diskutiert hat. Entsprechend schwer tun sich die Entwickler auch mit ihrer Antwort, die zwar ulkend, aber auch nicht übermäßig abweisend ist. Wäre es ihnen in den Sinn gekommen hätten sie auch auf die Figuren von Zwerginnen und Gnominnen verweisen können.

--

Bezüglich der Unternehmenskultur stellt sich mMn vor allem die Frage, ab wann sich ein Unternehmen vorwerfen lassen muss, ein sexistisches Klima geschaffen zu haben. Sollte es z.B. möglich sein, im Unternehmen zu erlauben dass zu regelmäßigen Anlässen am Arbeitsplatz Alkohol getrunken und rumgeblödelt werden darf (cube crawls)? Oder macht das sexuelle Übergriffe, unpassende Sprüche, etc. so viel wahrscheinlicher, dass so ein Verhalten auf jeden Fall verboten gehört? Oder sollte es sogar Richtlinien gegen Beziehungen zwischen Angestellten geben (In den USA üblich, in D AFAIK nicht erlaubt)?
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Felidae
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Felidae »

Tom hat geschrieben: 28. Jul 2021, 18:34
Das Video sollte man in seinem zeitlichen Kontext sehen. Im Jahr 2010 (prä-MeToo, prä-Gamergate, prä-Anita Sarkeesian), war die Forderung nach dieser Art von Inklusion eine Randgruppenforderung, über die kaum jemand nachgedacht oder diskutiert hat. Entsprechend schwer tun sich die Entwickler auch mit ihrer Antwort, die zwar ulkend, aber auch nicht übermäßig abweisend ist. Wäre es ihnen in den Sinn gekommen hätten sie auch auf die Figuren von Zwerginnen und Gnominnen verweisen können.
Das mit dem zeitlichen Kontext stimmt natürlich in gewisser Weise - trotzdem ist es erschreckend, dass das grade mal zehn Jahre her ist. Und nicht aus den dunklen 80ern oder so stammt.

Ganz abgesehen davon beweist es eindrucksvoll, dass MeToo (im weiteren Sinne), Sarkeesian und andere entsprechende Bewegungen ihre Bechtigung hatten und haben. Was von einer bestimmten (Spieler-)Klientel ja nach wie vor vehement bestritten wird.
Asgon
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Asgon »

Etwas mehr Infos zur "Cosby-Suite" und zur "Blizzcon Cosby Crew".

https://kotaku.com/inside-blizzard-deve ... 1847378762
Tom
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Tom »

Asgon hat geschrieben: 28. Jul 2021, 22:29 Etwas mehr Infos zur "Cosby-Suite" und zur "Blizzcon Cosby Crew".

https://kotaku.com/inside-blizzard-deve ... 1847378762
Hmmm...

Aus den Kommentaren:
Parliamentarian of Crows > Ethan Gach
7/28/21 2:25pm
[...]No one in fall of 2013 holding a picture of Bill Cosby could possibly be confused about the message they were sending.[...]

Chinju > Parliamentarian of Crows
7/28/21 2:49pm
You could certainly be confused in fall of 2013. Bill Cosby’s fall from grace happened at the end of 2014 (prompted by a Hannibal Buress clip going viral, of all things). Bill Cosby was still putting out comedy specials at the end of 2013 and generally thought of as an adorable elderly figure, going on the talk show circuit and hamming it up with Jimmy Fallon and so on to promote his new comedy special “Bill Cosby: Far from Finished”. I remember watching those talk show appearances and later watching that special with my family over Christmas 2013. “Bill Cosby = rapist” was not at all the default Bill Cosby association yet.
Keine Ahnung, wer von beiden hier Recht hat, aber davon hängt mMn die Interpretation der Situation ab.
Asgon
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Asgon »

Tom hat geschrieben: 28. Jul 2021, 23:16
Asgon hat geschrieben: 28. Jul 2021, 22:29 Etwas mehr Infos zur "Cosby-Suite" und zur "Blizzcon Cosby Crew".

https://kotaku.com/inside-blizzard-deve ... 1847378762
Hmmm...

Aus den Kommentaren:
Parliamentarian of Crows > Ethan Gach
7/28/21 2:25pm
[...]No one in fall of 2013 holding a picture of Bill Cosby could possibly be confused about the message they were sending.[...]

Chinju > Parliamentarian of Crows
7/28/21 2:49pm
You could certainly be confused in fall of 2013. Bill Cosby’s fall from grace happened at the end of 2014 (prompted by a Hannibal Buress clip going viral, of all things). Bill Cosby was still putting out comedy specials at the end of 2013 and generally thought of as an adorable elderly figure, going on the talk show circuit and hamming it up with Jimmy Fallon and so on to promote his new comedy special “Bill Cosby: Far from Finished”. I remember watching those talk show appearances and later watching that special with my family over Christmas 2013. “Bill Cosby = rapist” was not at all the default Bill Cosby association yet.
Keine Ahnung, wer von beiden hier Recht hat, aber davon hängt mMn die Interpretation der Situation ab.
Zumindest gab es schon seit den frühen 2000er Anschuldigungen gegenüber Cosby. Auch hat er bei einer Befragung schonmal zugegeben (allerdings nur bei einem Fall) bereits eine Frau mit Medikamenten ruhig gestellt zu haben. Was wiederum außergerichtlich beigelegt wurde.
https://www.zeit.de/kultur/film/2015-07 ... ewaltigung

Ich glaube im Gegensatz zum Rest der Welt war seine "andere" Seite in den USA vermutlich schon viel früher bekannt, als das was bei uns dann in 2013/2014 über den großen Teich ans Infos rüberschwappte.
Rick Wertz
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Rick Wertz »

Bis 2014 wurde die Cosby-Show allerdings auch im US-Fernsehen noch dauernd wiederholt, und dass Cosby vor 2014 mit "Vergewaltiger" gleichgesetzt wurde, daran kann ich mich auch nicht erinnern. Kontrovers war damals sein "pull up your pants"-Sager, seine Ansage an junge Schwarze ihre Hosen ordentlich zu tragen.

Ein US-Computerforum, in dem ich damals schrieb, hatte auch einen "Cosby"-Knopf als Witz. Der 2014 dann entfernt wurde.
Rince81
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Rince81 »

Hier ein Artikel von 2005, da war eine Frau in der Today Show - ausgerechnet bei Matt Lauer...
https://www.today.com/id/wbna6945190#.VBc3AudRHfO
For more than 30 years, the media has covered the life and career of Bill Cosby. In January, sexual-assault allegations were leveled against him by a Canadian woman and are currently being investigated by authorities in Pennsylvania.

In the public charges, the woman alleges that Cosby drugged and groped her in January 2004. This is a story he categorically denies. In addition, a second woman, a California lawyer named Tamara Green, is claiming Cosby did the same thing to her in the 1970s

Ebenfalls 2005, der nächste Fall.
https://freerepublic.com/focus/f-news/1429395/posts
About 21 years ago, after she ended a months-long consensual affair with the entertainer, she says he drugged her when she visited him before a performance in Denver.
2006 war da dann ein Bericht im People Magazine.
https://people.com/archive/bill-cosby-u ... -66-no-25/

Der Oktober 2014 viral gegangen Video Clip waren keine neuen Vorwürfe, sondern nur eine Wiederholung der längst bekannten....

Hier ist eine schöne Timeline:
https://abcnews.go.com/Entertainment/bi ... d=47799458
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Joschi
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Joschi »

Also ich finde in diesem Kontext, insbesondere wenn man sich auch noch die Chats aus dem Artikel anschaut, ist klar wie das gemeint ist.... da kann man sich auch nicht rausreden damit, dass Cosby zu diesem Zeitpunkt noch nicht verurteilt war.

Mich stört an der ganzen Sache auch, dass oft "nur" auf die sexuellen Belästigungen geschaut wird. Sich ans Gesetz zu halten und Verbrecher zu entlassen sind die "low hanging fruits". Die Arbeitsbedingungen darüber hinaus sind schlecht z.B. durch Schikane oder schlechte Bezahlung. Letztes Jahr Massenentlassungen des Support Personals um dann einen Teil günstiger wieder anzustellen etc. Dann ist es auch kein Wunder, dass die Produkte in den letzten Jahren so schlecht geworden sind, in so einer Atmosphäre kann keiner kreativ arbeiten.

In allen Statements von Blizzard höre ich bis jetzt nur Marketing Sprech ..."wir wollen diverser werden" ... als ob das, dass Problem wäre und die nicht Gaming Medien kaufen das denen auch noch ab ... Golem schrieb heute "Sexismus: Entwickler wollen Inhalte von World of Warcraft ändern" .... Super! Alexstrasza bekommt dann eine Hose spendiert und Jaina ein kleineres Dekolletee, aber die Schikane geht weiter, der GM muss immer noch mit einem Hungerlohn auskommen und ob der Sexismus hört davon auch nicht auf.

Die sollen aufhören abzulenken und ihre Unternehmenskultur in Ordnung bringen, aber das würde ja Geld kosten.
Rick Wertz
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Rick Wertz »

Vor 2014 war Cosby trotzdem nicht als Vergewaltiger verschrien, das kam erst mit der Anklage und Gerichtsverhandlungen. Dass es bereits früher Anschuldigungen gab ändert daran nichts.

Abgesehen davon scheint es mir auch sehr schwer zu glauben, dass so viele Menschen vor einem Portrait von Cosby sich fotografieren liessen und damit explizit den "Vergewaltiger"-Kontext meinten. Das wird wohl eher ein dummer Witz gewesen sein. Macht die ganze Situation natürlich nicht besser, und soll auch niemanden entlasten. Aus diesem Foto gleich alles Mögliche in modernem Kontext zu lesen erscheint mir aber doch etwas zu weit.
Rince81
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Rince81 »

Rick Wertz hat geschrieben: 29. Jul 2021, 08:38 Abgesehen davon scheint es mir auch sehr schwer zu glauben, dass so viele Menschen vor einem Portrait von Cosby sich fotografieren liessen und damit explizit den "Vergewaltiger"-Kontext meinten.
Ich glaube da muss Kontext rein.
Die Vorwürfe gegen Cosby waren bekannt, das was Cosby gemacht hat wurde gesellschaftlich aber nicht als Vergewaltigung gesehen. Vergewaltigungen sind das, was nachts in dunklen Straßen passiert, wenn ein Fremder mit Maske einer Frau auflauert und Gewalt gebraucht. Aber doch nicht, wenn man mit einer Bekannten oder Kollegin schläft, selbst wenn die zu viel getrunken oder Drogen genommen hat. Das macht man doch seit Collegetagen mit seinen Peers, das ist doch normal, oder?

Die haben sich doch nicht selbst als Vergewaltiger gesehen. Das war das, was sich bei Cosby nach dem Video 2014 geändert hat. Das jemand auf der Bühne stand und die altbekannten Vorwürfe gegen Cosby das genannt hat was sie sind - Vergewaltigungen. DAS war der neue Teil ab 2014.
Zuletzt geändert von Rince81 am 29. Jul 2021, 14:06, insgesamt 2-mal geändert.
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meieiro
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von meieiro »

Tom hat geschrieben: 28. Jul 2021, 18:34 Das Video sollte man in seinem zeitlichen Kontext sehen. Im Jahr 2010 (prä-MeToo, prä-Gamergate, prä-Anita Sarkeesian), war die Forderung nach dieser Art von Inklusion eine Randgruppenforderung, über die kaum jemand nachgedacht oder diskutiert hat. Entsprechend schwer tun sich die Entwickler auch mit ihrer Antwort, die zwar ulkend, aber auch nicht übermäßig abweisend ist. Wäre es ihnen in den Sinn gekommen hätten sie auch auf die Figuren von Zwerginnen und Gnominnen verweisen können.
Des sehe ich ganz anders. Ich finde das Verhalten der Leute da auf der Bühne furchtbar.
Die Frau, die offensichtlich großer Fan ist, steht da vorne und stellt eine Frage, die für sie wichtig ist. Die sie sich für ihr Lieblingsspiel wünschen würde. Und es wird sich nur über sie lustig gemacht. Sie müssen nicht sagen, dass sie das gleich nächste Woche ändern.
Aber man sollte doch die Wünsch seiner Fans zumindest ernst nehmen.
Ich weiß nicht wie man das noch abweisender hätte machen können.
Phliege
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Registriert: 20. Mai 2021, 16:14

Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Phliege »

Tom hat geschrieben: 28. Jul 2021, 18:34
Das Video sollte man in seinem zeitlichen Kontext sehen. Im Jahr 2010 (prä-MeToo, prä-Gamergate, prä-Anita Sarkeesian), war die Forderung nach dieser Art von Inklusion eine Randgruppenforderung, über die kaum jemand nachgedacht oder diskutiert hat. Entsprechend schwer tun sich die Entwickler auch mit ihrer Antwort, die zwar ulkend, aber auch nicht übermäßig abweisend ist. Wäre es ihnen in den Sinn gekommen hätten sie auch auf die Figuren von Zwerginnen und Gnominnen verweisen können.
Du sprichst von Randgruppen. Meines Wissens nach waren 2010 ungefähr ein Viertel der Spieler von WoW Frauen. Korrigier mich gerne, wenn ich da falsch liege. Aber die Wahrnehmungen von Frauen in Games als Randgruppe finde ich problematisch. Die Folge davon sieht man ja in dem Video. Und es hätte definitiv respektvollere Arten gegeben mit der Frage umzugehen. Auch schon in 2010. Das bezeugt schon ein gewisses Mindset. Mich erinnert dieses Video jedenfalls schmerzhaft daran, wieso ich WoW damals nach ein paar Wochen weggelegt und nie wieder angefasst habe.
Tom hat geschrieben: 28. Jul 2021, 18:34
Bezüglich der Unternehmenskultur stellt sich mMn vor allem die Frage, ab wann sich ein Unternehmen vorwerfen lassen muss, ein sexistisches Klima geschaffen zu haben. Sollte es z.B. möglich sein, im Unternehmen zu erlauben dass zu regelmäßigen Anlässen am Arbeitsplatz Alkohol getrunken und rumgeblödelt werden darf (cube crawls)?
Rumblödeln mit diesen Cube Crawls gleichzusetzen finde ich grob fahrlässig und wenig sensibel den Betroffenen gegenüber. Ich bin mir doch auch ziemlich sicher, dass du doch bestimmt auch noch nicht vergleichbares auf Arbeit erlebt oder gmacht hast. Und das hat auch einen sehr guten Grund! Außerdem geht es bei Blizzard ja nicht um Einzelfälle. Dieses Verhalten ist häufig genug aufgetreten, dass es einen eigenen Namen hat!

Übrigens solte auch "Rumblödeln" einen gewissen Kontext erfüllen, wie im Thread schon öfter besprochen. Hier ein dürftiger und vielleicht provokanter Leitfaden, wann etwas Rumblödeln ist und wann etwas gefährlich in Richtung Belästigung kippt:

1. Das, was man vorhat, unterschreitet den menschlichen Sicherheitsabstand oder erfordert irgendeine Form der Berührung.
a) Man kennt die Person sehr gut, sie zählt zum engeren Bekanntenkreis und fühlt sich in der Öffentlichkeit damit wohl. Ganz sicher -> Ja, okay
b) Wenn nicht a) dann: Einfach nein. Berührungen und Nähe nie ohne Zustimmung. Niemals. No. Finger weg. Außer bei CPR-Maßnahmen und anderen Lebensrettenden Maßnahmen.

2. Man will einen sexistischen/rassistischen/antisemitischen/homofeindlichen/o.Ä. Witz machen/Spruch bringen?
a) Man ist unter Freunden und alle sind einverstanden damit. -> Ganz sicher? ->Ja, okay.
b) Man ist auf Arbeit? -> Lieber nicht.

3. Ja, aberman kennt die Kollegen und sie zählen auch irgendwie zu Freunden o.Ä.?
a) Nur besagte Kollegen können zuhören und man ist ganz sicher, dass alle Beteiligten das lustig finden? -> Ja, okay.
b) Es sind andere Kollegen im Raum, bei denen man die Grenzen nicht ausgelotet hat, die man nicht einschätzen kannt, die neu sind oder denen gegenüber man weisungsberechtigt ist? -> Lieber nicht.

4. Ja, aber es ist wirklich witzig!
a) Man kannt gut und respektvoll damit umgehen, wenn Kollegen darauf hinweisen, dass der Spruch unangemessen war. Man akzeptiert die Grenzen der anderen, auch wenn man anderer Meinung ist und muss nicht unbedingt noch nachsetzen? -> Wenn man so verständnisvoll ist: Nicht riskieren.
b) Es ist egal was andere sagen und denken, man will sein Ding unbedingt durchziehen; die anderen sollen sich mal nicht so blöd haben? -> Definitiv 100% nein!

Generell gilt: Eine "Blödelei" kann sicher mal daneben gehen. Wahrnehmungen sind unterschiedlich, Grenzen nicht für jeden gleich ersichtlich. Dann ist der Arbeitgeber aber in der Pflicht, diese Konflikte respektvoll und rücksichtsvoll zu lösen und eine professionelle Arbeitsumgebung zu schaffen. Er muss Beschwerden ernst nehmen! Fälle von Sexismus am Arbeitsplatz müssen ja nicht automatisch auf eine sexistische Unternehmenskultur hinweisen. Dazu muss aber der Wille da sein, diese Vorfälle vernünftig aufzuarbeiten. Bei Blizzard wurde das offensichtlich nicht getan und das schlechte Abreitsklima noch gefördert und unterstützt.

Ich verstehe ja wirklich, dass man Dinge diskutiert, um sie zu verstehen. Aber mich macht die Diskussion im Thread echt fertig. Ich weiß, da stehen keine bösen Absichten dahinter. Aber das Gefühl, dass solch ein Verhalten verteidigt wird, ist furchtbar. Jeder von uns hat bestimmt schon unangebrachte Sprüche gerissen (mich eingeschlossen). Aber das, was bei Blizzard passiert ist, heißt doch niemand hier gut, oder? So verhält sich hier doch bestimmt niemand auf Arbeit? Warum wird dann über die Legitimität der Vorwürfe diskutiert? Warum sprechen wir dann hier über einzelne Aspekte?
Tom
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Tom »

Phliege hat geschrieben: 29. Jul 2021, 13:59 Aber die Wahrnehmungen von Frauen in Games als Randgruppe finde ich problematisch.
Nicht Frauen waren eine Randgruppe, sondern der Teil der Spielerschaft, der diversere Frauenfiguren forderte. Und diese Gruppe war jedenfalls in meiner Wahrnehmung mal damals noch recht klein und leise.
Phliege hat geschrieben: 29. Jul 2021, 13:59 Rumblödeln mit diesen Cube Crawls gleichzusetzen finde ich grob fahrlässig und wenig sensibel den Betroffenen gegenüber. Ich bin mir doch auch ziemlich sicher, dass du doch bestimmt auch noch nicht vergleichbares auf Arbeit erlebt oder gmacht hast. Und das hat auch einen sehr guten Grund! Außerdem geht es bei Blizzard ja nicht um Einzelfälle. Dieses Verhalten ist häufig genug aufgetreten, dass es einen eigenen Namen hat!
Der Name "Cube Crawl" ist eine Abwandlung von "Pub Crawl = Kneipentour, Sauftour". Nach meinem Sprachverständnis geht daraus noch nicht hervor, dass dabei Frauen belästigt werden.
Phliege hat geschrieben: 29. Jul 2021, 13:59 Ich verstehe ja wirklich, dass man Dinge diskutiert, um sie zu verstehen. Aber mich macht die Diskussion im Thread echt fertig. Ich weiß, da stehen keine bösen Absichten dahinter. Aber das Gefühl, dass solch ein Verhalten verteidigt wird, ist furchtbar. Jeder von uns hat bestimmt schon unangebrachte Sprüche gerissen (mich eingeschlossen). Aber das, was bei Blizzard passiert ist, heißt doch niemand hier gut, oder? So verhält sich hier doch bestimmt niemand auf Arbeit? Warum wird dann über die Legitimität der Vorwürfe diskutiert? Warum sprechen wir dann hier über einzelne Aspekte?
Also ich versuche hier nicht die Legitimität der Vorwürfe abzusprechen, sondern ein paar Fakten und Gedanken einzubringen, die hoffentlich zu einer sachlichen Diskussion beitragen, ein klareres Bild der Vorgänge vermitteln und zu einer fairen Bewertung darüber führen, was passiert ist.

Es ist ja ok, sich über sexuelle Belästigung zu empören, aber doch bitte auf Basis von Fakten. Beispielsweise glauben das Narrativ, dass die Cosby Suite von Anfang an ihren Namen hatte, weil damit auf die Vorwürfe gegen Bill Cosby angespielt werden sollte, noch nicht mal die Opfer:

https://twitter.com/cherthedev/status/1 ... 1650067458
https://twitter.com/cherthedev/status/1 ... 5494572034

Auch, dass das Ganze evtl. subtiler war, als sich das so mancher vorstellt, kommt zum Ausdruck:

https://twitter.com/stinamc/status/1419408786872168450
Rince81
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Rince81 »

Tom hat geschrieben: 30. Jul 2021, 00:53 Der Name "Cube Crawl" ist eine Abwandlung von "Pub Crawl = Kneipentour, Sauftour". Nach meinem Sprachverständnis geht daraus noch nicht hervor, dass dabei Frauen belästigt werden.
In der Klageschrift steht:
Female employees are subjected to constant sexual harassment, including having to continually fend off unwanted sexual comments and advances by their male co-workers and supervisors and being groped at the “cube crawls” and other company events.
Was sagt dein Sprachverständnis dazu?
Die "Gesendet von meinem HTC11 Life mit Tapatalk"-Signatur
Tom
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Tom »

Dass es während der Cube Crawls zu sexuellen Übergriffen gekommen ist.
Decius
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Re: California Department of Fair Employment gegen Blizzard

Beitrag von Decius »

Rince81 hat geschrieben: 30. Jul 2021, 01:21
Was sagt dein Sprachverständnis dazu?

Beim Cube Crawl ging es wohl ums Saufen - wie eben ein Pub Crawl, da hat Tom schon recht. Es ist wohl kein "wir gehen jetzt durch die Büros Frauen belästigen" in seiner Grundidee. Das ist leider was oft bei Frat Boys ohne Regeln und Alkohol dabei rauskommt.

Wenn dich wer zur Sauftour einlädt, dann ist auch nicht dein erster Gedanke "wir gehen jetzt Frauen belästigen". Zumindest nicht bis es das erste Mal passiert, dort ja anscheinend vor allen Augen. Wie es danach ein weiteres Mal passieren kann, ohne dass jemand der dabei anwesend ist, beim Vorgesetzten steht um das zu melden, ist eher die Frage.

Aber das ist eben die Frat Boy-Kultur, die anscheinend in amerikanischen Spielestudios viel zu viel drinnen ist (und das bei den angeblichen Nerds). Siehe die Berichte von Riot, wo Scott Gelb rumlief und den Leuten in den Schritt oder an den Hintern griff oder ins Gesicht furzte, oder was bei Ubisoft ablief oder bei Quantic Dream. Alles anscheined nicht verborgen, und keiner hat eingegriffen. Ich kann ja noch verstehen, wenn über Jahre nix passiert, wenn jemand im Hinterzimmer unter Druck einzelne Personen missbraucht oder belästigt, und das verborgen bleibt. Aber wenn das - wie anscheinend nicht selten in der Branche - ganz offen vor allen anderen - passiert? Und keiner greift ein, kein Vorgesetzter, keine HR? Betriebsrat etc. gibt es natürlich eh nicht, weil es ist ja jeder eine spezielle Schneeflocke in der Spielebranche, die sich nicht von Gewerkschaften anketten lassen will.

Greg Street
@Ghostcrawler
There’s a 10 year old Blizzcon video going around of players doing a Q&A with a panel of devs of which I was a member. Look, it was a shitty answer at the time and it certainly hasn’t aged well. I wish I had said something better then.
3:50 AM · Jul 24, 2021

Ja, ja, die wilden, ungezähmten 2010er, wo man noch Frauen schön ignorieren und sich drüber lustig machen konnte. Ewig her, das ganze. Praktisch eine andere Generation, damals knapp nach dem Krieg.
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