Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

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Axel
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Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Axel »

Ich höre gerade den neuen Mailbag und diese Diskussion, dass man ja erst was über Soundtracks oder über Artdesign sprechen kann, wenn man sich damit auskennt, finde ich so ziemlich typisch Deutsch. Welcher Musikkritiker hat je schonmal ein Instrument gespielt, geschweige denn ein Album produziert? Welcher Kunstkritiker hat je etwas selbst gezeichnet? Welcher Filmkritiker einen eigenen Film gedreht? Welcher Spielekritiker ein eigenes Spiel designt und programmiert?

Es ist wirklich okay bei der Bewertung von Musik oder Artwork / Grafikdesign subjektiv zu sein. Es braucht da auch keine Fremdwörter, da die eh niemand versteht. Es ist absolut ausreichend die eigenen Emotionen bei Musik oder Grafik mit den ureigenen Wörtern rüberzubringen. So funktioniert die ganze Musikkritik seit immer - wie gesagt: Kaum ein Musikjournalist den ich kenne, hat je selbst mal Hand angelegt oder wüsste auch nur ein Begriff aus dem Musikstudium. Darum geht es bei Kritik ja auch nicht. Tatsächlich ist es sogar so, dass ich kaum Musiker in den letzten 15 Jahren begegnet bin, die sich trauen würden öffentlich das Werk eines anderen zu rezensieren. Weil da die Falle schnell zuschnappt seine eigene Herangehensweise an Musik zu überhöhen.

Ich möchte es vestehen: Woher diese Zweifel? Woher diese Angst?
Ingoknito
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Ingoknito »

hatte ähnliche Gedanken. dieses Expertentum in Form einer objektiven Wahrheit halte ich für nicht sinnvoll. man kann auch über etwas sprechen ohne die Fachbegriffe parat zu haben, gerade das kann wertvoll sein.
In eine ähnliche Richtung ging auch die Diskussion bei der Frage ob Entwickler viele Spiele gespielt haben sollten. Viel zu spielen bedeuten nicht automatisch viel Ahnung zu haben, weder über das gespielte Spiel, noch über Videospiele allgemein.
Es gibt tatsächlich anerkannte Filmemacher/innen, die nur eine Hand voll Filme geschaut haben bevor sie selbst Filme gemacht haben wie z.B Agnes Varda. Die Gleichförmigkeit lässt sich eher auf kapitalistische Ursachen zurückführen.
Mauswanderer
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Mauswanderer »

Finde auch, dass die Beschreibung der Wahrnehmung von z. B. Hintergrundmusik aus einer "unfachlichen" Perspektive sehr gewinnbringend sein kann. Die Art, wie Sound und Art Design auf den Spielekritiker wirken, beeinflusst ja im Grunde unvermeidbar seine Rezeption des Spiels, sobald er sich von rein technischer Beschreibung des Spiels entfernt. Das wäre also mitunter sehr hilfreicher Kontext, um die Meinung zum Spiel (und ich schätze mal, das ist es, was die meisten eurer Hörer interessiert) einzuordnen.

Da, wo ihr bisher auf sowas eingegangen seid, ist es mir nie negativ, dafür oftmals positiv aufgefallen.
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Indii
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Indii »

Ich geh da grundsätzlich mit: Notwendig ist detailliertes Fachwissen nicht für eine Kritik. Ich möchte aber schon sagen, dass es von Vorteil sein kann, wenn man entweder Praxiswissen hat, weil man ein Instrument oder vielleicht sogar in einer Band spielt, oder tiefergehendes theoretisches Wissen, weil man vielleicht Filmwissenschaften studiert hat. Jochen hat ja auch schon öfter mal sein Wissen aus dem Studium eingebracht, wenn es um Aspekte des Erzählens geht. Da geht es ja nicht einmal primär darum, die "richtigen" Schlussfolgerungen zu ziehen, sondern ganz banal erstmal um den aktiven Wortschatz im Hinblick zum Beispiel auf Kompositionstechniken.

Ich würde Axel auch gerade im Bereich Musik widersprechen: In der Bubble der Musikjournalisten, in der ich bis vor einigen Jahren war, spielten schon recht viele ein Instrument oder eben sogar in einer Band. Wenn man mal ein paar Songs geschrieben hat oder in einem Aufnahmestudio war, hat man schon ein besseres Gefühlt für den ganzen Entstehungsprozess und die Denkweisen dahinter. Ich bin mir sicher, das wäre bei Filmen ähnlich, da fehlt mir nur die entsprechende Erfahrung komplett. Der Bereich Musik ist in der Hinsicht aber auch derjenige mit den niedrigsten Hürden. Ein Song schreibt sich schneller als ein Spiel (auch wenn der Vergleich natürlich stark hinkt).
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Axel
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Axel »

Indii hat geschrieben: 29. Nov 2022, 17:26 Wenn man mal ein paar Songs geschrieben hat oder in einem Aufnahmestudio war, hat man schon ein besseres Gefühlt für den ganzen Entstehungsprozess und die Denkweisen dahinter.
Natürlich. Gar keine Frage und solch ein Wissen wird dann auch notwendig, wenn ich beispielsweise eine komplexe Jazz-Aufnahme tiefer besprechen möchte. Oder ein konzeptionelles Klassik-Album. Aber: Wir sprechen ja über Musik in Games. Diese haben meistens den Anspruch zu unterhalten, vielleicht noch Spielerführung zu unterstützen - in jedem Fall aber Emotionen zu wecken. Sei es eine Emotion der Freude, der Traurigkeit oder den Spieler in eine Art Trance zu versetzen. Lumines ist da so ein wundervolles Beispiel für. Vom Gameplay her ist das ein äußerst gewöhnliches Falling Block Puzzle a la Tetris. Der Reiz kommt erst durch den vielseitigen Electro-Pop-Soundtrack, der den Spieler bestenfalls in einen trancartigen Zustand versetzt.

Musik in Games will immer die Emotion wecken. Will natürlich auch traditionelle Musik, keine Frage. Aber in Games rezipiert man Musik noch mal sehr viel stärker auf der emotionalen Ebene, da man nebenbei ja auch mit Gameplay & Co. beschäftigt ist. Deswegen ist es auch sehr gerechtfertigt Musik in Games auf subjektive, emotionale Weise zu besprechen. Häufig ist es IMO auch allgemein nicht so gut, verkopft an Musikrezeption heranzugehen. Dann kommen meist nur sehr elitäre Sichtweisen heraus. Dabei gilt gerade bei Musikwahrnehmung: Jede Sichtweise ist richtig. Es gibt da keine falsche Wahrnehmung!
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Axel
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Axel »

Ingoknito hat geschrieben: 29. Nov 2022, 16:44 In eine ähnliche Richtung ging auch die Diskussion bei der Frage ob Entwickler viele Spiele gespielt haben sollten.
Es gibt tatsächlich anerkannte Filmemacher/innen, die nur eine Hand voll Filme geschaut haben bevor sie selbst Filme gemacht haben wie z.B Agnes Varda. Die Gleichförmigkeit lässt sich eher auf kapitalistische Ursachen zurückführen.
Richtig! Nehmen wir mal einen der ungewöhnlichsten und emotionalsten Filme, den ich in den letzten 10+ Jahren gesehen habe: Systemsprenger. Klar, die Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Fingscheidt wird über das Thema über Jahre stark recherchiert haben. Aber wie man so ein komplexes, schwieriges Thema als Film umsetzt? Da fällt mir kein Referenzfilm ein. Und deswegen ist der Film auch so ungewöhnlich, weil die Bilder und der Schnitt für ein Drama sehr anders sind - und sich eher den Charakter der Hauptfigur unterordnen.

Und sowas sind dann ja auch die besten Filme IMO. Wo man eben nicht andere kopiert, sondern eine eigene Bildsprache entwickelt. Ich würde sogar meinen, dass da zu viel Konsum von Filmen sogar hinderlichen sein könnte...?
Irgendwer Anders
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Irgendwer Anders »

Was soll man denn besprechen, wenn man über ein "Gefällt mir/Gefällt mir nicht" nicht hinauskommt, weil man es nicht begründen kann? Podcaster A findet, der Soundtrack mache traurig, Podcaster B findet das nicht - und das Warum dürfen sich die Hörer*innen dann selbst dazu dichten.

Es stellt sich auch individuell die Frage, ob man Aspekte, die für einen nicht mehr sind als ein vager Oberbegriff, überhaupt hinreichend wahrnimmt, um ihnen bestimmte Empfindungen zuordnen zu können.
Mauswanderer
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Mauswanderer »

Irgendwer Anders hat geschrieben: 29. Nov 2022, 19:18 Was soll man denn besprechen, wenn man über ein "Gefällt mir/Gefällt mir nicht" nicht hinauskommt, weil man es nicht begründen kann? Podcaster A findet, der Soundtrack mache traurig, Podcaster B findet das nicht - und das Warum dürfen sich die Hörer*innen dann selbst dazu dichten.

Es stellt sich auch individuell die Frage, ob man Aspekte, die für einen nicht mehr sind als ein vager Oberbegriff, überhaupt hinreichend wahrnimmt, um ihnen bestimmte Empfindungen zuordnen zu können.
Natürlich kann einem der Podcaster eher nicht völlig das "Geschmacksurteil" abnehmen. Auch stimme ich dir zu, dass sich die Wahrnehmung nicht immer gut im Podcast transportieren lässt.

So wie ich Axel verstehe, geht es ihm aber ja nicht darum, dem in jeder Spielebesprechung ein Kapitel zu widmen, sondern dann, wenn jemand was dazu zu sagen hat, sich nicht von fehlender "Fachexpertise" abschrecken zu lassen.

Ich fand beispielsweise Andrés Ausführungen zum Art Style von Cuphead gut. Das war eine extrem individuelle Wahrnehmung, deren Umstände so wohl nur auf einen winzigen Teil des Publikums 1:1 übertragbar waren, aber ich fand es (vielleicht gerade deswegen?) zum einen interessant, zum anderen auch hilfreich für das Verständnis seines Gesamteindrucks des Spiels.
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CybernetikFrozone
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von CybernetikFrozone »

Ich bin auch kein Musikexperte, aber ich kann ja verschiedene Werke in meiner Besprechung einfließen lassen. Was finde ich besser,was schlechter und warum finde ich das,wer hat den Soundtrack gemacht,wenn Lieder vorhanden sind,wer hat es gesungen,wo singt er noch mit. Kennt man die Band oder Einzelsänger? Wo hatte der OST stärken,wo schwächen,was ist mit Soundeffekten?
Mache ich bei meinen Reviews genauso.
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Axel
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Axel »

Irgendwer Anders hat geschrieben: 29. Nov 2022, 19:18 Was soll man denn besprechen, wenn man über ein "Gefällt mir/Gefällt mir nicht" nicht hinauskommt, weil man es nicht begründen kann?
Man kann immer begründen - mit den eigenen Worten eben. Und wenn am Ende eine sehr blumige Umschreibung bei rauskommt, ist das häufig sogar ehrlicher und für den - häufig ja ebenfalls laienhaften - Hörer nachvollziehbarer, als wenn man mit einem Schwall Fachjargons um sich wirft. Am Ende fußt JEDE Musikkritik auf "gefällt mir / gefällt mir nicht" - auch wenn das manche nicht wahr haben wollen.

Ich habe einfach folgendes Anliegen: Bei Games wird man immer unterbewusst von Musik und Artdesign gelenkt und auch die Wahrnehmung eines Spiels hängt ganz häufig von beiden ab. Ich wünsche mir, dass man da immer mal wieder bewusst drauf achtet. Und wenn man dann in ein paar Sätzen drauf eingeht, mit der eigenen Sprache, dann ist das gut und ausreichend! Wie Mauswanderer schon sagte: Mir geht es darum, dass man sich nicht von fehlender "Fachexpertise" abschrecken lässt.
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DieTomate
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von DieTomate »

Ich hätte auch nichts dagegen, wenn bei einer Wertschätzung zwischendurch mal Musik oder Sound aus dem Spiel eingespielt wird.
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Smutje187
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Smutje187 »

Was ja zumindest immer geht, ist mit ein bisschen Recherche eine Verbindung zum Rest der Welt darzustellen - dass Cuphead wie alte Disney-Sachen aussieht, geschenkt, aber dass „Der grafische Stil des Spiels [Breath of the Wild] ist laut Aonuma von Gouache und der Freilichtmalerei inspiriert, um die weite, offene Welt zur Geltung zu bringen.“ hat mich dann doch ins nächste Wikipedia-Loch fallen lassen :D
Mauswanderer
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Mauswanderer »

Smutje187 hat geschrieben: 30. Nov 2022, 11:54 Was ja zumindest immer geht, ist mit ein bisschen Recherche eine Verbindung zum Rest der Welt darzustellen - dass Cuphead wie alte Disney-Sachen aussieht, geschenkt, aber dass „Der grafische Stil des Spiels [Breath of the Wild] ist laut Aonuma von Gouache und der Freilichtmalerei inspiriert, um die weite, offene Welt zur Geltung zu bringen.“ hat mich dann doch ins nächste Wikipedia-Loch fallen lassen :D
Das ist ehrlich gesagt etwas, was mich total kalt lässt, sofern nicht irgendein kurioser, lustiger oder menschliche-interessanter Rückbezug oder eine Relevanz für das Spiel und/oder die Wahrnehmung desselbigen durch den Podcaster besteht.
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Smutje187
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Smutje187 »

Mauswanderer hat geschrieben: 30. Nov 2022, 12:32
Smutje187 hat geschrieben: 30. Nov 2022, 11:54 Was ja zumindest immer geht, ist mit ein bisschen Recherche eine Verbindung zum Rest der Welt darzustellen - dass Cuphead wie alte Disney-Sachen aussieht, geschenkt, aber dass „Der grafische Stil des Spiels [Breath of the Wild] ist laut Aonuma von Gouache und der Freilichtmalerei inspiriert, um die weite, offene Welt zur Geltung zu bringen.“ hat mich dann doch ins nächste Wikipedia-Loch fallen lassen :D
Das ist ehrlich gesagt etwas, was mich total kalt lässt, sofern nicht irgendein kurioser, lustiger oder menschliche-interessanter Rückbezug oder eine Relevanz für das Spiel und/oder die Wahrnehmung desselbigen durch den Podcaster besteht.
Hm, aber dann gehen Besprechungen im Podcast doch nicht über ein „Ich mag den Artstyle von Cuphead“, „Joa, ich nicht“ hinaus, was ist dann der Sinn davon, wenn’s nicht mal um die Einordnung geht (was ja in anderen Bereichen, zum Beispiel Gameplay, auch gemacht wird)?

Wenn ein Artstyle dagegen Emotionen transportiert, dann wäre es für mich interessant zu wissen wieso (Kindheitserinnerungen, tolle Zeit, erste Freundin), sonst ohne Kontext bleibt Erkenntnisgewinn eher begrenzt.
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Mauswanderer »

Smutje187 hat geschrieben: 30. Nov 2022, 14:13
Mauswanderer hat geschrieben: 30. Nov 2022, 12:32
Smutje187 hat geschrieben: 30. Nov 2022, 11:54 Was ja zumindest immer geht, ist mit ein bisschen Recherche eine Verbindung zum Rest der Welt darzustellen - dass Cuphead wie alte Disney-Sachen aussieht, geschenkt, aber dass „Der grafische Stil des Spiels [Breath of the Wild] ist laut Aonuma von Gouache und der Freilichtmalerei inspiriert, um die weite, offene Welt zur Geltung zu bringen.“ hat mich dann doch ins nächste Wikipedia-Loch fallen lassen :D
Das ist ehrlich gesagt etwas, was mich total kalt lässt, sofern nicht irgendein kurioser, lustiger oder menschliche-interessanter Rückbezug oder eine Relevanz für das Spiel und/oder die Wahrnehmung desselbigen durch den Podcaster besteht.
Hm, aber dann gehen Besprechungen im Podcast doch nicht über ein „Ich mag den Artstyle von Cuphead“, „Joa, ich nicht“ hinaus, was ist dann der Sinn davon, wenn’s nicht mal um die Einordnung geht (was ja in anderen Bereichen, zum Beispiel Gameplay, auch gemacht wird)?

Wenn ein Artstyle dagegen Emotionen transportiert, dann wäre es für mich interessant zu wissen wieso (Kindheitserinnerungen, tolle Zeit, erste Freundin), sonst ohne Kontext bleibt Erkenntnisgewinn eher begrenzt.
Genau das hat André bei Cuphead gemacht, daher das Beispiel.
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Smutje187 »

Ja, aber ohne die Information dass sich die Emotionen auf (ich vermute mal) alte Disney-Cartoons beziehen ist die Information an sich wenig sinnvoll für mich als „André gefällt Cuphead weil früher“ - mit der Einordnung zu Disney kann ich das hingegen nachvollziehen, auch ohne bei Andrés Kindheit dabeigewesen zu sein - nichts anderes meinte ich mit „in Kontext setzen“, ob der Kontext bei Cuphead Disney ist oder bei Zelda die Freilichtmalerei :)
Mauswanderer
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Mauswanderer »

Es ging um seine aktuelle Auseinandersetzung mit rassistischen Stereotypen dieser Cartoons im Rahmen einer Recherche zu einem anderen Thema. Und was das mit ihm bezüglich der Rezeption von Cuphead gemacht hat.
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Terranigma
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von Terranigma »

Smutje187 hat geschrieben: 30. Nov 2022, 11:54 Was ja zumindest immer geht, ist mit ein bisschen Recherche eine Verbindung zum Rest der Welt darzustellen - dass Cuphead wie alte Disney-Sachen aussieht, geschenkt, aber dass „Der grafische Stil des Spiels [Breath of the Wild] ist laut Aonuma von Gouache und der Freilichtmalerei inspiriert, um die weite, offene Welt zur Geltung zu bringen.“ hat mich dann doch ins nächste Wikipedia-Loch fallen lassen :D
Apropos Wikipedia-Loch und Zelda: Breath of the Wild! Wusstest du übrigens, dass ...

... das Design der Sheikah-Kultur sehr stark von der Kunst der Jômon-Periode in der jap. Geschichte inspiriert wurde? So sind beispielsweise die Schreine in Zelda der Idee nach Keramiken - insb. die s.g. 火焔型土器 kaen-gata-doki - der Jômon-Periode, welche lediglich auf den Kopf gedreht wurden. Und eine Apparatur im Dorf Hateno ist 1:1 einem 土偶 dôgu entlehnt, während die Ästhetik der Wächter dort auch ihren Ursprung haben. Der zuständige Artdirector Takizawa Satoru hat dies damit begründet, dass die Sheikah-Kultur in Zelda: BotW den Bewohnern größtenteils mysteriös und unbekannt erscheint, und dass auch die historische Jômon-Periode als schriftlose Zeit weiterhin sehr unbekannt und dunkel sei. Das wiederkehrende Augen-Motiv, welches mit der Sheikah-Kultur in Zelda in Verbindung steht, ist übrigens auf den Künstler Tarô Okamoto zurückzuführen, welcher seinerseits wiederum die Jômon-Kultur in seiner modernen Kunst thematisierte und dabei das Auge-Motiv erfand und oft verwendete, welches wiederum von Takizawa Satoru aufgegriffen und erstmalig in Zelda: Ocarina of Time - auch seinem ersten Zelda-Titel - als Hommage verwendet wurde.

... viel Spaß auf Wikipedia.
:D
Sitting quietly and doing nothing,
Spring comes, and the grass
grows by itself.
GoodLord
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von GoodLord »

Axel hat geschrieben: 30. Nov 2022, 04:00
Irgendwer Anders hat geschrieben: 29. Nov 2022, 19:18 Was soll man denn besprechen, wenn man über ein "Gefällt mir/Gefällt mir nicht" nicht hinauskommt, weil man es nicht begründen kann?
Man kann immer begründen - mit den eigenen Worten eben.
Also ich kann bei Musik wirklich häufig nicht mehr sagen, als gefällt mir/ gefällt mir nicht /löst Emotion X aus/ist mir egal.
SirGaiwan&TheGreenT
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Re: Habt bitte keine Angst vor Stilkritiken!

Beitrag von SirGaiwan&TheGreenT »

GoodLord hat geschrieben: 30. Nov 2022, 21:08
Axel hat geschrieben: 30. Nov 2022, 04:00
Irgendwer Anders hat geschrieben: 29. Nov 2022, 19:18 Was soll man denn besprechen, wenn man über ein "Gefällt mir/Gefällt mir nicht" nicht hinauskommt, weil man es nicht begründen kann?
Man kann immer begründen - mit den eigenen Worten eben.
Also ich kann bei Musik wirklich häufig nicht mehr sagen, als gefällt mir/ gefällt mir nicht /löst Emotion X aus/ist mir egal.
Eine Wertung ist ja nicht das einzige, was man zu einem Soundtrack oder einem Art Style sagen kann. Zu einer Kritik kann es auch gehören, dass man Werk in einen größeren Rahmen einordnet. Das kann man spielehistorisch, als auch kunsthistorisch machen.

Die Nachgeforscht-Folge zur Japanischen Ästhetik bei Zelda und den From Software Spielen war da ein Paradebeispiel und ich fand die Folge spannend und stark. Ein weiterer offensichtlicher aktueller Kandidat wäre z.B. Pentiment. Genauso könnte man den Art Style oder den graphischen Stil eines Spiels im Kontext von Spielen einordnen, a la "Spiel XY orientiert sich in seiner Gestaltung an japanischen Horrorspielen der 90er, dass erkennt man an folgenden Merkmalen ... " und dann diskutiert man die Merkmale einfach mal.

Das Gleiche lässt sich mit Soundtracks machen. Man kann z.B. analysieren, ob der Soundtrack eines Spiels im historischen Setting der Quellenlage und dem Forschungsstand zur Musik der Epoche entspricht, oder ob der Soundtrack mit Versatzstücken arbeitet, welche medial vorgeprätge Rezipienten/innen im Zusammenhang mit der Epoche erwarten.

Oder man kann sich z.B. Fragen, wieso wird der Soundtrack der neueren Doom-Spiele so hervorgehoben. Was ist bei diesem Soundtrack anders als bei denen in anderen Shootern. Man könnte beschreiben, welche Wirkung ein Soundtrack versucht zu erzielen und mit welchen Mitteln. Warum arbeiten z.B. keine Soundtracks heute mehr mit atonaler Musik, wo mit Musik Bewegung und emotionale Zustände unterstrichen wurden (Bei allen problematischen Darstellung in den Looney Tunes, die Soundtracks entsprachen damals stellenweise der Avantgarde der Neuen Musik.). Was könnten z.B. Spiele dadurch gewinnen, wenn sie weniger auf Musik, als auf Klangbilder setzen? Hat der Spielesoundtrack eigene Merkmale oder wird er durch Filmsoundtracks vordefiniert, bzw. orientiert sich die Musik des Fantasy-Rollenspiels XY an der Handschrift von Howard Shore und seines Mittelerde-Soundtracks.

Solche Ähnlichkeiten muss man ja nicht mal auf der Notenebene nachweisen, man kann ja auch von Eindrücken und der Wirkung sprechen. Man kann ganz einfach mal offen diskutieren, ob AC Valhalla atmosphärisch davon profitiert, dass es sich stellenweise an der Musik der Serie Vikings orientiert oder verliert es dadurch zu viel Eigenständigkeit.

Und das alles sind nur einige Beispiele. Möglichkeiten jenseits eines gefällt mir oder gefällt mir nicht gibt es unzählige. Man muss dafür auch nicht mit Fachwörtern um sich schmeißen können. Nur etwas auskennen sollte man sich, sonst kann es verwirrend werden. (So frage ich mich z.B., ob Andre bei seinem Verweis auf Marc Chagalls Pferdebilder nicht eigentlich die (blauen) Pferde von Franz Marc meinte, denn Marc Chagall hat zwar auch hier und da Pferde gemalt, aber keine so ikonischen wie Franz Marc.)

Und selbst wenn sich das The Pod-Team nicht sattelfest genug für eine allgemeine kunst-, bzw. musikhistorische Einordnung fühlt, sie haben ja genug Spielereferenzen um so eine Einordnung im Spielekosmos vorzunehmen. Warum auch nicht mal hin und wieder eine steile These. Manchmal bringen ja diese das Forum zur Wallung, dass dann dort wieder interessante Sichtweisen und Verweise zu Tage gefördert werden. Also ja, bitte mehr Stilkritik.
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