Ja, also... david_chaos hat mir
"Into The Breach" gewichtelt und ist damit etwas in eine Falle getappt: ich besitze ca. 5 Spiele auf der Switch und Into The Breach ist eins davon. Trotzdem hab ich dankend angenommen, weil ich das Spiel sehr besprechenswert finde und schon immer mal auf dem PC haben wollte. Ich hab jetzt nochmal 7 Stunden reingesteckt und hatte meinen Spaß.
Kontext: Into The Breach ist das neueste Spiel von Subset Games, den Machern von Faster Than Light. Wie FTL ist Into The Breach ein run-basiertes Spiel mit Taktikelementen, aber sonst ziemlich anders. Zwischen den einzelnen Missionen gibt es
Worum gehts? Die Story ist von Chris Avallone, aber nicht der Rede wert: die Welt wird von Insektenaliens überrannt und wir sind die letzte Hoffnung, den Ausbruch zu stoppen. Und zwar, indem wir mit 3 Mechs in der Zeit zurückreisen, nachdem das ganze schon geschehen ist. Verliert man das Spiel, flieht man in eine andere Zeitlinie. Gewinnt man das Spiel...
flieht man in eine andere Zeitlinie, aber aus einem anderen Grund.
So far, so rogue-like. Die Story reicht als Motivation, ist aber weit weg vom Hauptaugenmerk.
Spielprinzip:Der Vergleich von Into The Breach zu Schach liegt nahe. Der taktische Teil des Spiels findet auf einem 8x8-Brett statt, jedes Feld ist dabei entweder mit Landschaft oder Gebäuden versehen. Hier bekriegen sich 2 Parteien: unsere 3 Mechs und die anstürmenden Veks. Gebäude sind
immer wichtig, werden zuviele davon beschädigt, ist das Spiel vorbei. Die Landschaft ist intuitiv: Berge können nicht betreten werden, Wasser können nur bestimmte Einheiten betreten (andere ertrinken darin), Wald kann (mit der darin befindlichen Einheit) in Brand gesetzt werden, etc... Es werden nur sehr wenige Züge (4-5) gespielt. Dabei ziehen immer die Vek zuerst und sagen ihre Angriffe an. Dann liegt es an mir, meine Mechs so einzusetzen, dass diese Intentionen so gut wie möglich vereitelt werden. Ist mein Zug gemacht, werden die verbleibenden Züge der Vek durchgeführt und eventueller Schaden angerichtet.
Zurück zum Schachvergleich: Into the Breach ist aus meiner Sicht eher das klassische Schachproblem aus der Sonntagszeitung. Jeder Zug der Vek stellt mich vor ein neues Problem, das mich mehr oder weniger rätseln lässt. Und hier kommt der Kniff: Die Waffensysteme in Into The Breach machen nicht nur Schaden, sondern verschieben Gegner häufig auf dem Spielfeld. Die Artillerie des ersten Sets Mechs macht zum Beispiel am Einschlagsort schaden, drückt aber alle umliegenden Felder 1 Feld vom Einschlag weg. Sagt ein Gegner einen Fernangriff auf ein Gebäude an? Schaden machen? Oder schieße ich ins Feld daneben, schubse ich ihn schnell zur Seite, in die Schusslinie eines anderen Gegners und zack - er schießt ins Leere und der andere Gegner in seine Seite. Das macht einen diebischen Spaß und häufig gibt es neben dem naheliegenden Zug noch einen besseren Zug. Der Gegner steht neben dem Wasser? Hinein mit ihm, damit er ertrinkt. Aber Vorsicht: ist ein Feld blockiert, kriegt der Gegner und das Feld schaden - schlecht, wenn das ein eigenes Gebäude ist. Und dann gibts noch in jeder Mission die Nebenziele, die kriegsentscheidende Boni bringen... Die Zusammenhänge sind facettenreich, aber immer logisch und schnell gelernt, mir kommen nach kurzem wieder Eingewöhnen wirklich selten Fehler aus mangendem Verständnis unter.
Und hier liegt die große Stärke des Spiels: Wenns klappt (und das tut es häufig), generiert das Spiel auf seinen kleinen, zufallsgenerierten Schlachtfeldern vorzügliche kleine Probleme, die schön die Hirnrinde kitzeln. Wo Spiele häufig versagen - nämlich mit Zufall wirkliche Herausforderungen zu schaffen, trifft Into The Breach zwar nicht voll ins Gold, aber schon knapp daneben. Und das lässt sich wirklich nicht genug betonen - das spielt sich richtig, richtig angenehm. Das Spiel eskaliert über seine 4-5 Runden pro Taktikrunde richtig kräfig, auch das macht Spaß - die letzte Runde ist meist richtig spannend.
Dazu kommt, dass sich das Spiel nicht perfekt spielen lässt, und das ist okay. Manchmal muss man sich hart entscheiden, ob ein Mech leiden muss (z.B. indem die Maschine zwischen einem Schuss und einem Haus steht) oder man Schaden an einem Haus annimmt. Solche Entscheidungen manchen sehr klar, dass hier auf Messers Schneide hantiert wird. Ganz alleine bin ich hier allerdings nicht: ich kann Züge teilweise zurücknehmen oder einmal pro Partie eine Runde komplett neu spielen.
Ich will nicht zu sehr drauf eingehen, aber natülich hat Into The Breach ein Spiel, das die Gefechte verbindet. Zwischen den Missionen landen wir auf einer Landkarte. Hier können wir die nächsten Missionen wählen, unsere Mechs (und deren Piloten) upgraden und eventuell verlorene Gebäudetreffer wiederherstellen. Interessant ist hier, wie die Upgrades der Mechs massive Auswirkungen haben. Hat z.B. der Tank 2 Lebenspunkte mehr, wir es schnell zu einer Taktik, ihn aktiv Schaden fressen zu lassen. Waren Trefferpunkte vorher kostbar, sind sie plötzlich zumindest verhandelbar. Allerdings kippt das taktische Spiel dadurch nie - der Ansturm der Vek bleibt immer knifflig.
Frustrierend wird das Spiel allerdings, wenns mal nicht klappt. Es kann durchaus passieren, dass die Vek ein Angriffsmuster wählen, das wirklich kaum zu knacken ist - hier kennt Into The Breach keine Gnade. Leider passiert das über die Länge eines Runs schon manchmal. Allerdings gilt auch hier: was am Anfang unschaffbar scheint, wird mit zunehmender Erfahrung doch zumindest managebarer - vor allem, nachdem ich besser verstanden habe, wie ich Dinge kompetent opfere.
Ist der Run verloren, kann man sich einen seiner Piloten mitnehmen in den nächsten und ein anderes Set Mechs auswählen. Mech-Sets bezahlt man mit Münzen, die man durch Achievements verdient. Diese Mechanik mag ich nicht besonders - die Matches verlangen einem eh schon viel ab, sich auch noch an Achievements zu erinnern, nervt. Die Sets sind super, spielen sich sehr unterschiedlich und machen daher echt Freude. Die Progression lohnt sich also - ich werde mit mehr Spiel belohnt.
Bedienung/Grafik/Spielgefühl: Into The Breach kommt in funktionaler Pixeloptik. Die Felder und Figuren sind groß und sehr klar unterscheidbar und das tut dem Spiel gut. Die Grafik trifft einen sehr guten Punkt - sie ist nicht hässlich, aber auch nicht hübsch, aber immer gut lesbar. Und bei einem Spiel, in dem man Runde um Runde detaillierte Entscheidungen treffen muss, ist das super. Das Spiel lässt sich komplett mit der linken Maustaste und Tastatur spielen (als Feind der rechten Maustaste passt mir das sehr). Alle wichtigen Informationen sind schnell und ohne Klick einblendbar. Wenn ich zum Beispiel eine Entscheidung treffen muss, die von der Handlungsreihenfolge der Gegner abhängt (eventuell erlebt ja dann der eine seine Handlung nicht mehr...), reicht es einfach, die Maus über eine große Fläche oben an der Karte zu legen, gleich kriege ich alle Infos schnell eingeblendet.
Ich habe selten ein Spiel gesehen, in dem offenbar so viele Gedanken in die Präsentation der Information geflossen ist. Das wichtigste ist sofort erkennbar. Alles andere ist sofort zuschaltbar. Das Spiel steht meinen Entscheidungen nie im Weg. Gerade im Vergleich zu Subsets erstem Spiel FTL, das gerne mal fitzelig war, ist das sehr wohltuend.
Die 8x8-Karte sorgt dafür, dass alles immer im Blick ist und hält die Situationen klein - das Grobe ist auf einen Blick erkannt... die Details... Schachrätsel halt!
Dasselbe lässt sich für Animationen sagen: schnell und erkennbar - ich weiss ja schon, was passiert. Die Animationen sind in wenigen Sekunden vorbei und geben mir nach einer Runde eine kurze Verschnaufpause. Oder halt die Schamesröte im Gesicht, wenn ich doch was übersehen habe.
Meine Piloten und andere Personen kommentieren hin und wieder meine Aktionen (z.B. wenn ich gekonnt 2 Vek auf einmal ausschalte), aber das stört nie und blockiert nie den Flow. Besonders erbauend fand ich die Kommentare allerdings nie.
Schwierigkeitsgrad: Into The Breach ist ein
schweres Spiel, schon der normal Schwierigkeitsgrad ist ziemlich knackig. Es ist keine Schande, den einfachen zu wählen.
Mobilität: Ich spiele viel unterwegs und mag daher kleine, portionierbare Spiele. Into The Breach ist hier perfekt, es läuft ohne murren auf jedem Laptop, und lässt sich jederzeit beenden. Startet in Sekunden. Mitten im Zug wenn der Zug hält? "Quit" drücken, es geht sofort da weiter. Spielt sich super mit dem Touchpad. Wechselt fließend zwischen Vollbild und Fenster. Top.
Sound: Nicht der Rede wert und man vermisst nichts, wenn der Rechner gemuted ist.
Soundtrack: Wir sind ja im Forum des Musikbanausenpodcasts, daher mal: Holla, macht Ben Prunty gute Soundtracks. Wie schon bei bei FTL brilliert er hier. Beide Soundtracks waren lange Zeit meine Arbeitssoundtracks. Angenehm, gut zum mehrfach hören und funktionieren vor allem gut im Hintergrund. Subset Games haben da der richtigen Person den Auftrag gegeben. Wenn ihr Into The Breach und FTL nicht spielen solltest, hört euch zumindest die Soundtracks auf der Platform eurerer Wahl an.
Persönliches Fazit: Into The Breach ist speziell. Ich kenne kein Spiel, dass sich so spielt. Manchmal frustrierend, aber häufig einfach fordernd und
immer mit einer Situation, die ich noch nicht gesehen habe. Für mich ist das Spiel seit Jahren ein Dauerbrenner - aber auch ein Spiel, für das ich in Laune sein muss. Ne Weile hab ichs auch richtig gehend gehasst - weil ich gerne mal in manchen Partien einfach kein Land gesehen habe. Aber wenn alles klappt und ich einen Zug nochmal überdenke und die Vek so richtig von der Karte fege, gibt Into The Breach halt auch etwas, was schwer vergleichbar mit anderen Spielen ist. Gerade die Leistung, prozedural
interessante taktische Probleme am laufenden Band zu generieren, finde ich schlichtweg beeindruckend.
Wertschätzung: Wen das oben anspricht, kauft Vollpreis, wer Taktikspiele auch nur irgendwie mag, sollte unbedingt mal bei nem Sale zuschlagen.
Zum Schluß: auch wenn ich das Spiel schon kannte, hats mir richtig Spaß gemacht, es über die Weihnachtstage nochmal auszupacken, neu anzufangen, ein paar Sachen anders zu machen und es mir etwas genauer anzusehen.