Runde #078: Neid, Zaster und Videos (ft. Fabian Siegismund)

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Faselwesen
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Faselwesen »

@Axel: Nur indirekt, da ich selbst zur Zeit nichts schaue. Als er noch aktiv war, habe ich FreshCuppa sehr gern gesehen, war unaufgeregt und bezüglich der Spiele auch sehr informativ. Mein Vater schaut z.B. Steinwallen, Writing Bull, tom.io und Kill Ten Rats; ich könnte mir denken, dass die zum Teil sehr ausführlich sind, was Hintergründe etc. angeht, kann es aber nicht bestätigen, da ich die Kanäle selbst nicht weiter kenne. (Ich kann aber bei Gelegenheit gern einmal konkret danach fragen, ob er Empfehlungen hat!)
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Barry Lyndon
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Barry Lyndon »

Faselwesen hat geschrieben:@Axel: Nur indirekt, da ich selbst zur Zeit nichts schaue. Als er noch aktiv war, habe ich FreshCuppa sehr gern gesehen, war unaufgeregt und bezüglich der Spiele auch sehr informativ. Mein Vater schaut z.B. Steinwallen, Writing Bull, tom.io und Kill Ten Rats; ich könnte mir denken, dass die zum Teil sehr ausführlich sind, was Hintergründe etc. angeht, kann es aber nicht bestätigen, da ich die Kanäle selbst nicht weiter kenne. (Ich kann aber bei Gelegenheit gern einmal konkret danach fragen, ob er Empfehlungen hat!)
Ah, sehr gute Empfehlungen. Also Steinwallen macht wirklich sehr gute Videos. Sehr ruhig, seriös, angenehm anzuhören und erklärt auch gerne einmal historische oder spielmechanische Hintergründe. Vor allem spielt er seine Strategiespiele immer ein bisschen "rollenspielerisch", also ohne zwingend die aus spielmechanischer Sicht besten Entscheidungen zu treffen, sondern eher, wie sie von der Geschichte seiner Spiele her sinnvoll wären.

tom.io ist auch sehr angenehm anzuhören. Er macht das Ganze auch sehr unaufgeregt und der österreichische Dialekt trägt viel dazu bei. Er nimmt sich auch immer viel Zeit, um die Hintergründe seiner Entscheidungen in den WiSim- oder Indiespielen zu erklären.

Writing Bull passt auch in diese Kategorien, allerdings bin ich persönlich nicht der größte Fan. Aber tom.io, und ganz vor allem Steinwallen kann ich wirklich als Positivbeispiel für einen Let's-Player empfehlen ;)

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qwrtzp
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von qwrtzp »

Angenehme Folge und gute Unterhaltung. Oder eher Interview, von euch beiden kamen ja eher die Fragen. Soll ja auch so sein.

Dieser Facebook-Post und die Kommentare dazu kann ich echt kaum fassen. Ich beschäftige mich jetzt prinzipiell nicht mit der deutschen Spielepresse, deren Rolle hat der Englische Teil des Internets für mich übernommen. Aber dass das wirklich so ein widerlicher, vergrämter Haufen dummer alter Männer ist, hat mich doch überrascht. Andre und Jochen sagen ja öfter mal vom Stammtisch, aber dieses Niveau wird ja nicht erreicht, weder intellektuell noch bezüglich der Boshaftigkeit. Das erklärt aber auch so einiges über das, was von den Leuten produziert wird (oder eben nicht produziert wird).

Was ich in der Diskussion auch noch anmerken wollte, ist dass Entertainer eben auch einen anderen Berufsweg haben als Journalisten. Die Halbwertzeit ist da so viel geringer. Und ich meine das auch gar nicht im Bezug auf Youtube, also so wie die in alteingesessenen Medien sagen: "die Youtuber sind eh alle in 5/10/100/1000 Jahren weg und dann lesen die Leute wieder Testmagazine".
Egal ob Youtube, Musik, Literatur, Comedy oder Film. Leute, die sich da lange halten können und ihr Leben lang von dem, was sie da machen, leben können, sind rar. Die Youtuber mögen da zwar Tausende verdienen für ein Event oder ein gesponsortes Video, aber die können nicht damit rechnen, dass das ewig so weitergeht. Die haben keine Festanstellung bis zur Rente. Es ist schwierig aus dem Meer von Streamern und Youtubern aufzusteigen und es geht auch erschreckend schnell wieder abzusteigen und mit ein paar Euros im Monat dazustehen ohne Ausbildung, Berufserfahrung oder Erspartes (wenn man es dumm angestellt hat).

Außerdem werden Youtuber auch für gesponsorte Inhalte gestraft. Ich kann eigentlich unter jedem dieser offensichtlich gesponsorten Videos einen hochgewerteten "Sellout"-Kommentar lesen. Sehr häufig kommt die Meinung zum Ausdruck, dass dieses ganze Internet-Entertainment nur aus Spaß und Nächstenliebe produziert werden sollte. Das wäre dann ja authentisch. Sicherlich eine leichte Meinung, wenn man bei den Eltern zuhause wohnt und keine Verpflichtungen oder Kosten hat.

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Vinter
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Vinter »

Ich fand die Folge nur so halb gut. Fabian hat seine Sache gut gemacht und schön die Bigotterie in der Spielepresse aufgezeigt. Aber die Folge war deutlich zu einseitig, weil er schön seine Sichtweise darlegen durfte und so gut wie gar nicht kritisch dazwischen gegrätscht wurde. Deswegen hat er auch immer alles lang und breit relativieren können. Insbesondere bei der Sache mit der Bezahlung für YouTuber hat er ellenlang drum rum reden dürfen und mit dem Finger auf die Presse gezeigt und am Ende nur so einen mini-Nachsatz nachschieben müssen, dass die fehlende Kennzeichnung bei YouTubern nicht i.o. wäre. Dabei ist imho DAS doch der Kern der Kontroverse: Irgendwelche Typen spielen den Kids auf YouTube ihre Streed Credibility vor, werden aber erste Klasse nach LA kutschiert und mehr als ordentlich dafür bezahlt, um nett über die Produkte des Publishers zu reden - und wessen Brot ich ess'.... (Und ganz ehrlich: Wenn ich da höre um was für Beträge es da geht, da krieg ich auch Bock auf YouTube....)
Das ist natürlich seine Aufgabe, aber ihr zwei habt ihm den Ball kaum abgenommen um die Gegenseite zu repräsentieren.

Stammbräu
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Stammbräu »

Dass man sich auch LetsPlays als älterer Spieler ansieht, wage ich nicht zu bezweifeln, weil das mache ich ja selbst auch. Nur haben diese Videos dann einen informativen Anspruch oder der Unterhaltungswert übersteigt das pubertäre Gequatsche.
Mir ist aber bewusst dass ich innerhalb einer Zuschauernische bin.

Im Großen und Ganzen halte ich es aber doch für eine ziemlich banale Sache.
Wieviele Menschen lesen wirklich regelmäßig Bücher?
Wieviel Kohle haben ShadesOfGrey oder Transformers eingespielt?
Verkauft sich "Call Of Duty" eigentlich gut?
Mario Barth - Olympiastadion und so...

Alles beim Alten?

Ich erinnere mich gerade an eine Folge in der Jochen gesagt hat, dass monetärer Reichtum heute ja nicht mehr so positiv besetzt wäre...
Wenn ich mir die Dekadenz vieler YouTube-Kids ansehe, habe ich Zweifel daran, ob das für die Mehrheit gilt.
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derFuchsi
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von derFuchsi »

Könnt ihr vielleicht in der Beschreibung der Podcasts generell die entsprechenden Beiträge und Videos verlinken um die es geht?
(Hier Fabians Rant, der Artikel auf den sich der Rant bezog und das Ubisoft Video)?
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Jochen

Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Jochen »

derFuchsi hat geschrieben:Könnt ihr vielleicht in der Beschreibung der Podcasts generell die entsprechenden Beiträge und Videos verlinken um die es geht?
(Hier Fabians Rant, der Artikel auf den sich der Rant bezog und das Ubisoft Video)?
Ich habe die Beschreibung gerade um die beiden Links ergänzt. Und ja, das sollten wir standardmäßig so machen und haben es auch standardmäßig immer vor ... aber dann vergehen zwischen dem Aufzeichnen und dem Beitragschreiben und Onlinestellen ein paar Tage und die Links geraten in Vergessenheit. Das soll keine Entschuldigung sein, da müssen wir uns einen Weg überlegen, damit das nicht passiert.

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Andre Peschke
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Andre Peschke »

Jochen hat geschrieben:
derFuchsi hat geschrieben:Ich habe die Beschreibung gerade um die beiden Links ergänzt. Und ja, das sollten wir standardmäßig so machen und haben es auch standardmäßig immer vor ... aber dann vergehen zwischen dem Aufzeichnen und dem Beitragschreiben und Onlinestellen ein paar Tage und die Links geraten in Vergessenheit. Das soll keine Entschuldigung sein, da müssen wir uns einen Weg überlegen, damit das nicht passiert.
War in diesem Fall allerdings Absicht, weil ich gnädiger Weise die Beteiligten nicht namentlich vorführen wollte. Daher haben wir uns in der Folge ja auch der Namen enthalten (bis auf Fabian re. Wolfgang Fischer). Aber gut: öffentliches Posting, müssen sie mit leben. Social Media Kompetenz und so. ;)

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Filusi
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Filusi »

Schöne Folge, ich mag den Fabian und auch dieses Interviewformat, welches ihr schon öfters durchgezogen habt.
Auch schafft ihr es euren Gästen immer die Infos zu entlocken (wie auch euch selbst ^^), die man woanders kaum zu hören bekommt. Weiter so!

Und ihr müsst auch ein so schon komplexes Thema nicht weiter aufbröseln. Alles was eventuell nicht drin war oder später, wie hier beispw. im Thread gefordert bzw. nachgefragt wird, kann man ja in einem späteren neuen Podcasts näher erläutern oder anhand einem spezifischeren Thema erneut und genauer angehen.

Ich denke hier wie auch woanders ist immer genug Stoff für mehrere Folgen. Alles kann man da nur schwerlich abhandeln und zudem ist so nen Folge auch live, womit immer etwas liegen bleiben kann. Hoffentlich findet ihr weiterhin den jetzigen Anklang, auf das euer Format weiter wächst.
Ich bin und war ja lange ein Jünger der Gamestar (lange Zeit auch Abonnent) und auch jetzt noch Plus Abonnent (inet zum DL der Videos), aber so langsam sehe ich auch dort Anzeichen (vor allem in den News-"formaten", den "News"lettern und teils auch schon den Video´s), die mir immer weniger gefallen (und ich hatte dafür auch lange Zeit noch Verständnis, aber die jetzige Tendenz ist selbst für mich erschreckend). Eine echte Alternative tut wirklich Not. :(

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Leonard Zelig
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Leonard Zelig »

Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben: Hat jemand die Links zu den im Podcast erwähnten Facebook-Postings? Ich kann sie nicht finden.
https://www.facebook.com/nedzad.hurabas ... nref=story" onclick="window.open(this.href);return false;
(7. September um 11:12)
"The whole problem with the world is that fools and fanatics are always so certain of themselves, but wiser people so full of doubts."

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mart.n
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von mart.n »

Ich frag mich ja, ob die Reichweite in der Altersgruppe 10-14 wirklich genauso relevant ist wie - sagen wir mal - 18-39. Damit würde nämlich das ganze YouTube Gebilde der Reichweitenstärke recht stark einbrechen.

Ich gucke auch hin und wieder mal YouTube Videos, meistens jedoch erklärende Guides von Ausnahmespielern wie filthy Robot (civ) oder Epic Name Bro (Dark souls). Warum ich mir einen Entertainer anschauen soll, hat sich mir noch nicht (und wird sich mir wohl auch nicht mehr) erschlossen. Dafür bin ich mit 39 wohl auch schon deutlich zu alt.

Ansonsten ein guter Podcast, auch wenn mir der gute Fabian sehr von sich selbst überzeugt rüber kommt und ihr ihm ruhig etwas mehr Paroli hättet geben können.

Stammbräu
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Stammbräu »

mart.n hat geschrieben:Ich frag mich ja, ob die Reichweite in der Altersgruppe 10-14 wirklich genauso relevant ist wie - sagen wir mal - 18-39.
Sehr viel relevanter.
Die Reichweite fängt heute bei Kleinkindern an.
Wenn du einen Erwachsenen an eine Marke bindest, kannst du vielleicht ein paar Jahrzehnte damit Geld verdienen. Lebenslange Konsumenten sind da sehr viel rentabler.
Abgesehen davon dass Kinder nicht ihr eigenes Geld ausgeben müssen, sondern das der Eltern. Wie beeinflusst man Eltern am effektivsten?

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derFuchsi
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von derFuchsi »

Mir schwirren da ein paar Gedanken durch den Kopf. Ich frage mich gerade auf was das alles wohl hinausläuft.

Youtuber haben anscheinend mit geringerem Aufwand eine größere Reichweite. Und die Begründung dass ein spezialisierter Youtuber u.U. auch mehr Kompetenz in einem Spiel hat als ein Redakteur in einem Verlag der alles Mögliche können muss hat was für sich. Und dazu bietet man noch Unterhaltung.

Dem Games-Journalismus dagegen hat das Internet anscheinend nicht gut getan. Man kämpft mit allen Mitteln um Klicks um den ganzen Laden noch bezahlen zu können der für anständigen Journalismus anscheinend nötig ist (ist es das?) und muss doch immer mehr zusammenstreichen wofür früher noch die Kapazitäten frei waren. Auch kommt der seriöse Journalismus dank SEO und Klick-Optimierung immer mehr unter die Räder weil mit Journalismus im Internet ja anscheinend kein Geld zu verdienen ist.

Wird das zwangsläufig darauf hinauslaufen dass es bald nur noch Unterhaltungsprogramme gibt und der Journalismus auf der Strecke bleibt? Was passiert wenn die Abwärtsspirale sich weiter fortsetzt und Seiten wie die Gamestar irgendwann vollständig in der Bedeutungslosigkeit versinken? Und wie könnte man da ggf. gegensteuern?

Wird es in Zukunft nur noch Einzelkämpfer wie Jochen und Andre geben? Ist (zumindest im Games-Journalismus) das Modell der Redaktion überholt? Anscheinend ist so ein Apparat ja langfristig alles ja nicht mehr bezahlbar.
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HerrZwoelf
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von HerrZwoelf »

derFuchsi hat geschrieben: Wird das zwangsläufig darauf hinauslaufen dass es bald nur noch Unterhaltungsprogramme gibt und der Journalismus auf der Strecke bleibt? Was passiert wenn die Abwärtsspirale sich weiter fortsetzt und Seiten wie die Gamestar irgendwann vollständig in der Bedeutungslosigkeit versinken? Und wie könnte man da ggf. gegensteuern?
Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Ich denke, dass es zumindest mittelfristig so kommen könnte. Der ganze Apparat und Überbau, den zum Beispiel eine Gamestar hat, ist wohl auf lange Sicht mit Journalismus nicht zu finanzieren. Im GS-Forum gab es zuletzt einige Posts von Redakteuren, die das deutlich machen. Ich bin der Meinung, dass Gamestar sich mit der Verwässerung und der Klickoptimierung sowie dem kleinteiligen Raushauen von Unterhaltungsformaten auf Dauer zwischen alle Stühle setzt. Es wird nicht funktionieren.

Das liegt aber wohl auch daran, dass viel zu lange die Monetarisierung von Inhalten im Internet ein Buch mit sieben Siegeln war und es vielleicht zum Teil immer noch ist. Es war allerdings ein Fehler, nicht ausreichend dafür zu sorgen, dass man sich für seine Arbeit bezahlen lässt und zwar von den Leuten, die das Zeug am Ende konsumieren sollen. Das Konzept, sich mit seriöser, journalistischer Arbeit über Reichweite fast ausschließlich mit Werbung finanzieren zu wollen, ist im Nachhinein betrachtet eigentlich völlig absurd, aber im Internet war es das gängigste.

Ich befürchte nur, das der Fehler schon vor etwa 10 - 15 Jahren begangen wurde. Damals wurde man daran gewöhnt, dass es im Internet alles kostenlos gibt und wenn einer Geld verlangte, gab es garantiert einen anderen, der es billiger oder kostenlos machte. Die heutige Generation darf unter anderem auch dieses Versäumnis ausbaden. Ich weiß nicht genau, wie es damals um die Online-Monetarisierung bestellt war aber eigentlich hätten damals schon die Journalisten sagen müssen: "Moment mal, was wir hier machen wäre so, als würden wir unsere gedruckte Zeitung kostenlos verteilen und dafür mit Werbung zuklatschen. Das kann doch auf Dauer nicht gut gehen."
derFuchsi hat geschrieben: Wird es in Zukunft nur noch Einzelkämpfer wie Jochen und Andre geben? Ist (zumindest im Games-Journalismus) das Modell der Redaktion überholt? Anscheinend ist so ein Apparat ja langfristig alles ja nicht mehr bezahlbar.
Eigentlich der logische Schritt. Über persönliche Bindung kann man vermutlich in kleinen Gruppen effizienter Geld beschaffen und verwenden. Auch die Unterhalter (Youtuber) arbeiten ja primär allein, auch wenn sich da natürlich mit der Zeit Netzwerke und andere "Zuarbeiter" drumherum aufgebaut haben. Da erscheint diese Art von "Mikrojournalismus" (in Falle dieses Podcasts sogar doppeldeutig, höhöhö....) zunächst mal eine praktikable Lösung, aus der dann irgendwann, sofern genug Geld reinkommt, wieder größere Redaktionen erwachsen könnten.
„Die Philosophen haben das Geld nur verschieden interpretiert. Es kommt aber darauf an, es zu verplempern.“

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derFuchsi
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von derFuchsi »

In dem Zusammenhang möchte ich Jörg Langer lobend erwähnen der anscheinend rechtzeitig Weitblick genug hatte um sich über ein alternatives Modell zumindest mal Gedanken zu machen.
So richtig erfolgreich scheint Gamersglobal zwar auch nicht zu sein aber man hält sich wohl zumindest über Wasser.
Konnte mich zugegebenermaßen aber bisher nie dazu entschließen mich näher mit der Seite zu befassen, das ist nur der Eindruck den ich von dem Projekt habe.
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Andre Peschke
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Andre Peschke »

Axel hat geschrieben:
HerrZwoelf hat geschrieben: Es gab zu der Zeit schlicht noch keine wirklich akzeptierten Abomodelle, allein weil es die heutige jnfrastruktur was Bezahlduenste betrifft noch nicht in dem Ausmaß gab. Und vor 15 Jahren... Das war kurz nach dem New Economy Crash. Da dachte kaum mehr einer ernsthaft, dass sich das Internet so durchsetzen würde,
Der große Unterschied ist, dass man damals mit Internetwerbung Geld verdienen konnte. Mit großem "G". Als ich um 2000 bei Gamesmania.de angefangen habe, konnte man mit einer nach heutigen Maßstäben winzigen Seite eine 5-Mann-Redaktion tragen - via Skyscraper und 468er-Banner. Durch Google, Facebook, Youtube & Co. sind Millionenreichweiten so billig einzukaufen, dass man gigantische Reichweiten und restlos ausgebuchte Werbeplätze braucht, um eine wirklich große Redaktion zu tragen. Dann nehme man noch Adblock hinzu und man sieht, dass große Magazine stand heute keine andere Wahl haben, als auf Massentauglichkeit zu optimieren, falls sie werbefinanziert überleben wollen (und kurzfristig haben sie keine andere Möglichkeit).

Die Idee hinter dem Podcast war deswegen ja von Anfang an: Das Geld muss, muss, muss von den Menschen kommen, die unsere Inhalte konsumieren. Werbung von unbedenklichen Partnern kann hinterher, wenn sie sich denn finden lassen, kann nur ein Bonus sein (was durchaus fragwürdig ist, weil viel größere Unternehmen als wir seit Jahren daran scheitern, zuverlässig Werbepartner außerhalb oder auch nur am Rande der Spieleindustrie zu finden, was mich immer verblüfft hat). Deswegen bin ich in unseren internen Diskussionen auch immer skeptisch, was Einzelverkauf von Folgen und dergleichen angeht, da nur das Abo uns a) Sicherheit gibt und b) dafür sorgt, dass wir nicht am Ende darauf angewiesen sind, ebenfalls voll auf populäre Themen zu setzen, um uns zu tragen.

Eine der großen Lektionen aus meinem bisherigen Berufsleben ist, dass der Rahmen, die Struktur das Ergebnis bestimmt. Quasi unweigerlich und auf allen Ebenen und vom Großen bis hin ins Detail. Wenn Klicks deine einzige Währung sind, werden deine Inhalte populistisch werden (oder du gehst ein). Wenn du bestimmte Entscheidungskompetenzen bei einer Person anlegst, wird diese Person dadurch zum De-Fakto-Chef, egal ob du nominell jemand anderen mit dieser Aufgabe betraut hast. Wenn eine Person charakterlich nicht geeignet ist, eine Philosophie umzusetzen, wird ihre eigene Philosophie deine Vorgabe ersetzen. Und so weiter und so fort. Das klingt alles wie simpelste Binsenweisheiten, aber es ist unfassbar, wie sehr Unternehmen immer wieder glauben, sie könnten Dinge gegen ihre Struktur ändern/planen und am Ende aus allen Wolken fallen, wenn das Ergebnis immer wieder gleich ausfällt.

Andre

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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Andre Peschke »

Axel hat geschrieben: Auch eurem Podcast wurde ja seitens eurer ehemaligen Kollegen keine Überlebenschance eingeräumt. Man scheint da immer noch nicht wirklich verstanden zu haben welche Inhalte heute funktionieren.
Da muss man aber die Dimensionen beachten. Im Kontext einer Organisation wie der GameStar ist unser Podcast nach wie vor "gar nix". Da hätten die ja nichtmal mein Gehalt mit gegenfinanziert. Von Overhead etc ganz zu schweigen.

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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

derFuchsi hat geschrieben:Dem Games-Journalismus dagegen hat das Internet anscheinend nicht gut getan. Man kämpft mit allen Mitteln um Klicks um den ganzen Laden noch bezahlen zu können der für anständigen Journalismus anscheinend nötig ist (ist es das?) und muss doch immer mehr zusammenstreichen wofür früher noch die Kapazitäten frei waren. Auch kommt der seriöse Journalismus dank SEO und Klick-Optimierung immer mehr unter die Räder weil mit Journalismus im Internet ja anscheinend kein Geld zu verdienen ist.
Das betrifft ja den gesamten Journalismus, der sich im Internet befindet. Das Problem wie ich es sehe ist, dass man Mitte/Ende der 90er dieses Internet ausprobiert hat und damals den Kram erstmal kostenfrei ins Netz gestellt hat. Irgendwer kam dann mal auf die Idee da Werbung einzubauen und das hat auch erstmal funktioniert. Was dann schiefgelaufen ist, ist dass es auf einmal in den 2000ern unglaubliches Wachstum gab und damit auch eine Goldgräberstimmung eingesetzt hat (oder wie Andre sagte: Geld mit großem G). Ob und wie viele Journalisten damals schon gesagt haben, dass das nicht der richtige Weg sein kann, weiß ich nicht, aber offenbar bei weitem nicht genug. Zumindest wenn ich mir meine eigene Zeit bei einer großen deutschen Zeitschrift in Erinnerung rufe, dann hat man eher den nächsten großen PI und Unique User Rekord gefeiert (und dafür auch auf Frauenbrüste zurückgegriffen :roll: ). Gegenstimmen oder Kritik von den Anwesenden Journalisten: Fehlanzeige.

Wenn du mich fragst, hat man sich sein eigenes Grab gegraben und hat dann mit so unsäglichen Aktionen wie dem Leistungsschutzrecht auch noch versucht, sein eigenes Versagen anderen in die Schuhe zu schieben.

Angebote wie https://perspective-daily.de/" onclick="window.open(this.href);return false; sind halt leider immer noch eher selten anzutreffen, für mich aber der richtige Weg.

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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Andre Peschke hat geschrieben:
Axel hat geschrieben: Auch eurem Podcast wurde ja seitens eurer ehemaligen Kollegen keine Überlebenschance eingeräumt. Man scheint da immer noch nicht wirklich verstanden zu haben welche Inhalte heute funktionieren.
Da muss man aber die Dimensionen beachten. Im Kontext einer Organisation wie der GameStar ist unser Podcast nach wie vor "gar nix". Da hätten die ja nichtmal mein Gehalt mit gegenfinanziert. Von Overhead etc ganz zu schweigen.

Andre
Was mich zu der grundsätzlichen Frage bringt, warum Organisationen ständig glauben, wachsen zu müssen. Ich habe das auch schon so oft beobachtet, dass ständig nach "mehr Leuten" gerufen wurde, anstatt einfach mal unrentable Produkte, Projekte etc. abzusägen. Und wenn dann mehr Leute da waren, konnte man ja endlich neue Projekte und Produkte starten.... #teufelskreis

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HerrZwoelf
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Re: Runde #78(ft. Fabian Siegismund): Neid, Zaster und Videos

Beitrag von HerrZwoelf »

Interessant hierbei finde ich, dass Youtuber ja mittlerweile das selbe Problem haben. Es gab ja vor nicht allzu langer Zeit ein Video von David Hain zu diesem Thema. Um auf die Reichweite zu kommen, die man braucht um rentabel zu sein, müsste man seinen Inhalt soweit herunterdummen, dass man entweder keinerlei Prinzipien besitzen darf oder komplett schmerzfrei sein muss.
Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben: Das betrifft ja den gesamten Journalismus, der sich im Internet befindet. [...] Ob und wie viele Journalisten damals schon gesagt haben, dass das nicht der richtige Weg sein kann, weiß ich nicht, aber offenbar bei weitem nicht genug. [...]

Wenn du mich fragst, hat man sich sein eigenes Grab gegraben und hat dann mit so unsäglichen Aktionen wie dem Leistungsschutzrecht auch noch versucht, sein eigenes Versagen anderen in die Schuhe zu schieben.
Das ist das, was ich vorhin mit meinem Post meinte. Ja, hinterher ist man immer schlauer. Aber hätte man das nicht vorhersehen können/müssen? Mich würde wirklich interessieren, wie da die Diskussionen innerhalb der Verlage aussahen.
„Die Philosophen haben das Geld nur verschieden interpretiert. Es kommt aber darauf an, es zu verplempern.“

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