Folge 93: Diversität in Spielen

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ZERNICHTER
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von ZERNICHTER » 15. Jan 2017, 03:01

Ich finde es total schwachsinnig, dass z.B. bei "The Great Wall" (neuer trashiger chinesischer Kinofilm) Matt Damon der Hauptdarsteller ist. Das dient einzig dazu, dass das westliche Publikum angesprochen wird. Auf der andrern Seite Battlefield 1 was im 1. WK angesiedelt ist mit einem schwarzen Soldaten auf dem Cover. Da denke ich mir WTF. Das passt sowas von nicht zusammen genau so wie Scarlett Johansson in dem Ghost of the Shell oder Idris Elba in "The Dark Tower". Zu meinen, die Aufgabe der Unterhaltungsmedien sei es irgendwelche Agenden den Konsumenten aufinstruieren zu müssen bzw sie zu erziehen zu müssen ist doch TOTALER Quatsch. Sind Japaner rassistisch weil sie lieber Japano RPGS spielen und nicht ein Mafia 3 mit einem schwarzen Protagonisten? Das ist lächerlich.

Und dann dieser unsägliche Begriff "whitewashed" den Andre verwendet ist meiner nach einfach nur rassistisch. Was sagst du zu besagtem Idris Elba in "The Dark Tower"? Blackwashed? Ich befürchte nicht.

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Doktor Icks
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Doktor Icks » 15. Jan 2017, 04:54

Mein erster Beitrag in diesem Forum und dann gleich ein kritischer... Aua.

Aber zuerst etwas Lob, auch wenn es ein dürftiges ist. Ich finde es super, dass ihr das Thema überhaupt angefasst habt. Denn leider muss man darüber reden, auch wenn mir lieber wäre, wenn es kein Thema wäre, über das man reden muss.

Aber das Konzept der Reihe, sich nicht vorzubereiten, stand hier einer wirklich fundierten und guten Diskussion im Wege, so mein Eindruck. Mangels Vorbereitung seid ihr eben ewig an recht wenigen Beispielen hängen und sehr oberflächlich geblieben. Außerdem fehlte mir ein weiteres Unterthema total: Die Darstellung von Behinderung bzw Menschen mit Behinderung in Videospielen. Denn das gehört auch dazu.

Videospiele bieten durch die Interaktivität und die damit verbundene Immersion eine gute Möglichkeit, Diskriminierung für den Spieler erfahrbar zu machen, ohne mit dem pädagogischen Rohrstock herum zu fuchteln. Aktuelle Spiele machen aber dadurch, dass diese Erfahrung fast immer aufgezwungen, aufgesetzt wirkt, genau diese Immersion kaputt. So zumindest meine Erfahrung.

Ich würde mir tatsächlich wünschen, dieses Thema noch einmal mit einem Experten aufzugreifen und es dazu intensiv vorzubereiten. Denn der Umgang mit Minderheiten in der Gesellschaft wird immer wichtiger, finde ich. Besonders anhand des Rechtstrends in der wahrgenommenen Öffentlichkeit, in der Ausgrenzung, Herabsetzung und sogar Gewalt gegen Minderheiten immer salonfähiger wird. Und momentan sehe ich persönlich Spiele eher als Verstärker dieses Trends, indem sie Stereotypen und Klischees bedienen.

Wichtige Fragen hingegen werden überhaupt nicht angepackt. Dabei könnten das besonders Spiele in einer unauffälligen Art.

Dazu eine kleine Idee, ganz spontan und ohne große Ausarbeitung: In der nächsten Singleplayerkampagne von CoD oder Battlefield gibt es einen storyrelevanten Nebencharakter, Kriegsveteran im Rollstuhl und im Verlauf kommt heraus, warum er überhaupt im Rollstuhl sitzt. Als schwuler Mann ist er von seinen tollen Kameraden immer wieder gemobbt worden und hat deswegen eine schwere Depression entwickelt. Um seinem Leid ein Ende zu setzen hat er sich immer wieder zu Sonderkommandos gemeldet, diese aber immer wieder überlebt, so ist er zu einem Nationalhelden geworden. Seine Depression ist dadurch aber eher stärker geworden, je mehr Orden er an die Brust getackert bekam. Irgendwann hat es fast geklappt, er ist bei einem dieser Spezialeinsätze fast ums Leben gekommen - es wäre eine Erlösung für ihn gewesen. Aber seine Kameraden verwehren ihm sogar das, retten ihn (wobei einer der schlimmsten Mobber stirbt) und nun muss er sein Leben weiter leben, als Veteran im Rollstuhl, der von Parade zu Parade gekarrt wird...

Naja, müsste man noch etwas ausarbeiten und entsprechend in die Spielhandlung einweben. Aber ja, das wäre mal eine realistische Darstellung von Homosexuellen, wie ich sie mir gut vorstellen kann. Nicht zu aufdringlich aber doch mit entsprechender Tiefe. Zumindest würden in dieser Idee gleichzeitig mehrere Themen "abgearbeitet", ohne dass sie aufgesetzt sind, sofern diese Geschichte gut umgesetzt wird.

Meiner Meinung nach wäre dies ein Thema für das leider eingestellte/pausierte Format "Des Teufels Advokat" gewesen. Vor einigen Jahren habe ich mit Michi Schulze von Glaßer dazu schon mal ein Video gemacht. Der Michi kann nämlich nicht nur über Kriegsthemen gut reden ;)

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mart.n
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von mart.n » 15. Jan 2017, 06:13

Die Folge lass ich mal aus, ich kann das Thema echt nicht mehr hören. Ist ja schon soweit, dass Spiele bzw Filme auf einigen Seiten nur auf Grund des diversen Casts hochgejubelt werden und die restliche Qualität völlig irrelevant ist. Hauptsache alles ist vertreten und am besten Unisex Toiletten für alle dabei. ;)

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W8JcyyU
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von W8JcyyU » 15. Jan 2017, 08:02

Doktor Icks hat geschrieben: Aber seine Kameraden verwehren ihm sogar das, retten ihn (wobei einer der schlimmsten Mobber stirbt) und nun muss er sein Leben weiter leben, als Veteran im Rollstuhl, der von Parade zu Parade gekarrt wird...
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Raptor 2101
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Raptor 2101 » 15. Jan 2017, 08:48

Doktor Icks hat geschrieben:Meiner Meinung nach wäre dies ein Thema für das leider eingestellte/pausierte Format "Des Teufels Advokat" gewesen. Vor einigen Jahren habe ich mit Michi Schulze von Glaßer dazu schon mal ein Video gemacht. Der Michi kann nämlich nicht nur über Kriegsthemen gut reden ;)
Spätestens wo sie Mafia 3 unterstellen "den Schwarzen" als wilden darzustellen und danach wieder zurückrudern, dachte ich mir: Und jetzt macht eine "Des Teufels Advokat"-Folge draus ! Ordentlich vorbereiten und ab dafür. Es braucht nur jemanden der bei dem Thema gegen Jochen dagegen halten kann. (Michi Schulz kann das thematisch bestimmt, aber in den gezeigten Folgen, konnte er es vom reden her nicht ...)

Anderes Thema: Können wir bitte endlich Bioware Spiele bzw. deren Story ad acta legen? Ich greif mal das Argument von Anré auf "Bioware kann keine Engines". Story und World Building können sie auch nicht (mehr). Ich hab irgendwie das Gefühl, dass es (gerade in der jüngeren Vergangenheit) ein paar Leuchttürme gibt (Dragon Age Origins, Mass Effect) und sie danach ihre Schreiber in die Wüste schicken.

Gerade an MassEffect und noch mehr in DA:O wird Rassismus und Unterdrückung nicht nur Thematisiert sondern auch spürbar gemacht. (das was Jochen ja immer fordert). In den folgenden Teilen ist das nur noch in Andeutungen vorhanden und die Story nun ja irrelevant. Das haben witziger weise die StorySchreiberlinge bei ME3 selbst gemerkt und gleiche eine DeusEx Machina eingeworfen (wobei ich das Riesenbaby aus ME2 schlimmer fand).

Wenn Rassismus und Unterdrückung bzw. Misshandlungen jedweder Art, in einem Spiel eine Rolle spielen soll, sollte diese gut Umgesetzt sein und vor allem Konsequenzen haben. Selbst in der von Anrè als "weichgespühlt" bezeichneten Star Trek-Utopie werden diese Themen durchaus mit drastischen Konsequenzen durch dekliniert (und das auch schon in der originalen Serie).

Was mich nervt sind so Ansätze wie in Deus Ex - MD. Wo Rassismus zwar angedeutet aber faktisch folgenlos bleibt. In einer Szene hat man es in einem Getto mit einer recht Drastischen Anwendung von Polizeigewalt zu tun. Als Spieler kann man hier eingreifen und mal "voll aufdrehen" und die Polizei-Bedrohung ausschalten. Das hat nur keinerlei Auswirkung, nicht mal in dem Levelschlauch-Abschnitt... Es wird einfach nicht war genommen ... Dann kann man es auch gleich sein lassen. Genauso wie die Charakter Erstellung. Bei den meisten spielen ist klar, ob männlich oder weiblich, Hautfarbe, Sexualität alles egal, der Spieler ist der Held, keine weiteren Auswirkungen erwünscht. Ist halt nur ein anderer Skin. Das kann man so machen, dann wird es nur meistens Unrealistisch ...

Was ich an der ganzen Thematik nicht verstehe ist, warum sich die Hersteller so scheuen Metaphern zu verwenden. Gerade rund um SciFi wurden doch nun extrem viele Varianten gefunden wie man aktuelle Gesellschaftsprobleme über andere Darstellungen Thematisieren kann, ohne dass sich gleich jeder "bigotte" Vollpfosten aufregen muss.

Melometlar
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Melometlar » 15. Jan 2017, 09:29

Kurz und Knapp, ich muss Jochen vehement widersprechen, denn er sagt "Natürlich kann man eine Religion machen, die kein Problem mit Homosexualität hat aber dann muss man das erklären." Nein das muss man nicht! Nur weil wir mit dem Christentum eine Religion haben, in der es da "Schwierigkeiten" gibt, muss ein Spiel NICHT erklären das ihre Religion dieses Problem eben nicht hat. Natürlich ist Dragon Age an Europa angelehnt aber eben nur angelehnt, sonst müsste man ja auch sagen, sie sollen mir erklären wieso sie Magie beherrschen, obwohl das ja in Europa gar nicht ging.

Also meiner Meinung nach, denkt Jochen hier zu engstirnig und nicht über den christlichen Glauben hinaus und meiner Meinung nach muss man das ;)

Und um Himmels Willen, wieso muss Homosexualität denn immer thematisiert werden??? Das ist ein Fantasy Spiel, scheiß egal ob es nun an Europa angelegt ist oder an Melmak, spielt gar keine Rolle. Ich finde das Dragon Age Inquitision es genau richtig macht, ja Dorian und Sera sind Homoesexuell und fertig. Auch in der realen Welt sollte es genau so sein, es spielt nämlich keine Rolle welche Sexualität jemand hat oder trifft Jochen auch in der realen Welt einen Homosexuellen und sagt dann erst mal: "Oh, dass müssen wir jetzt aber erst mal thematisieren!?" Ernsthaft? Inquisition zeigt einem wie es eigentlich sein sollte und Jochen denkt hier einfach so engstirnig, dass es für ihn schon normal geworden ist, das Homosexualität jedes Mal erst diskutiert werden muss.

Mein Fazit ist, natürlich kann man sich an eine bestehende Religion orientieren wenn man ein Spiel macht, man ist aber nicht dazu verpflichtet jeden einzelnen Aspekt davon zu übernehmen, sondern hier gilt immer noch die Freiheit der Entwickler es an an manchen Punkten einfach anders zu machen, denn genau deshalb ist und bleibt die Welt von Dragon Age eine Fantasy Welt.

Miller734
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Miller734 » 15. Jan 2017, 11:05

Thema Witcher: Nilfgaard stellt nach Auskunft des Autors das " roman empire" dar. Ich verstehe nicht wie man auf Nazis kommt. Die Pogrome finden schließlich in den nördlichen Königreichen statt, während Nilfgaard durch einen starken Staat und klare Bürokratie und Ordnung gezeichnet ist. Es werden aber keine/kaum Minderheiten verfolgt, "nur" politische Gegner :P

Jochen

Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Jochen » 15. Jan 2017, 11:21

Melometlar hat geschrieben:Natürlich ist Dragon Age an Europa angelehnt aber eben nur angelehnt, sonst müsste man ja auch sagen, sie sollen mir erklären wieso sie Magie beherrschen, obwohl das ja in Europa gar nicht ging.
Aber das erklären sie doch ^^
Inquisition zeigt einem wie es eigentlich sein sollte und Jochen denkt hier einfach so engstirnig, dass es für ihn schon normal geworden ist, das Homosexualität jedes Mal erst diskutiert werden muss.
Ich bin keineswegs der Ansicht, dass Homosexualität ständig diskutiert werden muss. Bioware ist dieser Ansicht, denn es diskutiert die Sexualität seiner homosexuellen Figuren sehr ausgiebig. Sei das nun Dorian in Dragon Age: Inquisition, dessen Quest sich dezidiert mit seiner Sexualität auseinandersetzt, oder Cortez in ME3. Oder Krem. Oder Sera in den entsprechenden Dialogen.

Auch dagegen habe ich übrigens überhaupt nichts. Im Gegenteil. Aber im Falle von Dragon Age setzt die Spielwelt diese (begrüßenswerte) sexuelle Toleranz schlicht nicht glaubwürdig in Szene. Ja, es wäre schön, wenn etablierte Religionen kein Problem mit Homosexualität hätten. Ich kenne allerdings keine. Das Christentum hat damit ein historisches Problem. Der Islam auch. Der Buddhismus ebenfalls. Dito im Hinduismus. Und das sind bloß die "Großen". Bei den "Kleinen" sieht's leider nicht besser aus. Die Existenz von sexueller Toleranz im Kontext einer unaufgeklärten und nicht säkularisierten mittelalterlichen Gesellschaft ist in etwa so fantastisch wie die Existenz von Magie oder Drachen oder der dunklen Brut.
Doktor Icks hat geschrieben:Außerdem fehlte mir ein weiteres Unterthema total: Die Darstellung von Behinderung bzw Menschen mit Behinderung in Videospielen. Denn das gehört auch dazu.
Die Darstellung von Behinderungen bzw. Menschen mit Behinderung haben wir in einer früheren Folge schon einmal thematisiert (ich weiß aus dem Stehgreif leider nicht mehr, welche das war). Im Nachhinein ärgert es mich übrigens ein bisschen, dass ich bei der Aufzeichnung vergessen habe, die (fehlende) Diversität bei Körperidealen anzusprechen. Mir fällt gerade bei Spielen immer wieder auf, wie oft "böse" an körperlichen Merkmalen wie Übergewicht oder Entstellungen festgemacht wird.
Miller734 hat geschrieben:Thema Witcher: Nilfgaard stellt nach Auskunft des Autors das " roman empire" dar. Ich verstehe nicht wie man auf Nazis kommt.
Zum Beispiel, weil die Streitkräfte von Nilfgaard analog zu den Streitkräften der Wehrmacht während der Ostfeldzüge in Heeresgruppen Mitte, Nord und Ost eingeteilt werden? Oder weil Nilfgaard-Divisionen die Namen von realen SS-Divisionen tragen? Oder weil ihrem nördlichen Feldzug der vermeintliche polnische Überfall auf den Sender Gleiwitz Pate stand?

Das ist übrigens ein hübsches Beispiel dafür, warum Autoren-Aussagen bei einer seriösen Kritik mit Vorsicht zu genießen sind. Mag freilich sein, dass Sapkowski beim Schreiben tatsächlich das römische Imperium im Sinn hat (diese Analogie geben die Texte und Spiele selbstverständlich auch her). Aber die Interpretation als Nazi-Deutschland ist ebenso evident und wird an vielen Stellen vom Text massiv gestützt.

Decius
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Decius » 15. Jan 2017, 11:54

ZERNICHTER hat geschrieben:. Auf der andrern Seite Battlefield 1 was im 1. WK angesiedelt ist mit einem schwarzen Soldaten auf dem Cover.
Was genau soll da nicht zusammenpassen? Diese (seggregierte) Einheit gab es. Diese Menschen haben im 1. Weltkrieg gekämpft. Im Gegensatz zu vielen Sachen in Battlefield 1 hat es das wirklich gegeben. Was also stört dich an dem Cover? Willst du lieber den wegen seiner Krampfaderheilung selig gesprochenen Giftgas-Karl drauf haben?

Decius
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Decius » 15. Jan 2017, 12:39

Jochen hat geschrieben:Ja, es wäre schön, wenn etablierte Religionen kein Problem mit Homosexualität hätten. Ich kenne allerdings keine. Das Christentum hat damit ein historisches Problem. Der Islam auch. Der Buddhismus ebenfalls. Dito im Hinduismus. Und das sind bloß die "Großen". Bei den "Kleinen" sieht's leider nicht besser aus. Die Existenz von sexueller Toleranz im Kontext einer unaufgeklärten und nicht säkularisierten mittelalterlichen Gesellschaft ist in etwa so fantastisch wie die Existenz von Magie oder Drachen oder der dunklen Brut.
Römische und griechische Religionen hatten das Problem nicht. Klar, Altertum, nicht Mittelalter, aber hier haben wir eine etablierte Religionstradition über fast 1500 Jahre, die damit offen oder zumindest indifferent umgingen (je nachdem welchen der Götter man am ehesten anhing).
Nordische Religionen hatten das Problem zumindest bei den Wikingern nicht, mit vielen Quellen belegt. Bei den Germanen auch nur, wenn man eine Stelle bei Tacitus stark interpretiert . Keltische Religionen hatten soweit wir Quellen dafür haben im Altertum auch kein Problem damit.
Den Buddhisten generell zu unterstellen sie hätten damit ein Problem ist auch sehr, sehr reduktionistisch, von x Strömungen, die negativ, neutral oder positiv eingestellt waren zu "historisches Problem". Hinduismus hatte ein komplexes Regelsystem mit eigenen Rechten für Schwule, Lesben und Transsexuelle ("drittes Geschlecht"). Hier gab es eigene Regelungen, dass schwule Männer als Friseure (geht's noch klischeehafter? ;)) arbeiten sollten und lesbische Frauen waren zB davon befreit einen männlichen Haushaltsvorstand zu brauchen.

Generell kann man die höchste Ablehnung bei den jüdisch-christlichen-islamischen Religionen finden.

Mehr oder minder zu sagen, dass Verurteilung von Homosexualität der "Normalzustand" wäre, und man erklären muss, warum es keine Verfolgung/Unterdrückung gibt, sondern die Absenz einer solchen erklären zu müssen ist eine sehr jüdisch-christlich geprägte Sicht.
Zuletzt geändert von Decius am 15. Jan 2017, 12:46, insgesamt 3-mal geändert.

Santiago Garcia
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Santiago Garcia » 15. Jan 2017, 12:40

Packt Ihr die angesprochenen Artikel noch in die Shownotes?

Decius
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Decius » 15. Jan 2017, 12:49

Ach ja, bezüglich Mafia 3. Hier würde ich vorschlagen mal das hier zu lesen: https://waypoint.vice.com/en_us/article ... ont-racism" onclick="window.open(this.href);return false;

Hier erklärt einer der Hauptautoren von Mafia 3 etwas mehr was seine Beweggründe und Gedanken hinter der Story/Charaktere ist. Eventuell interessant in dem Zusammenhang zu erwähnen, dass der Autor (Charles Webb) selbst schwarz ist.

Auch interessant der Podcast: https://waypoint.vice.com/en_us/article ... oint-radio" onclick="window.open(this.href);return false;

Prakon
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Prakon » 15. Jan 2017, 12:57

"Da bin ich wirklich am nächsten dran, es zu verstehen, wenn Leute sich darüber aufzuregen, wenn ein Charakter auf einmal grundlegend anders angelegt wird, weil der Entwickler - der dann auch noch sozusagen einen großen Klassiker fortsetzt - Hand an legt an das große Werk eines Vorgängers [...] um heutigen sozialen Normen zu genügen[...]"
- Andre, ab 35:05 im Podcast.

Vor einiger Zeit hab' ich im Netz eine hitzige Debatte verfolgt, als es um das Thema ging, ob der nächste James Bond von Idris Elba, einem schwarzen Briten, gespielt werden sollte. Wendet man nun Andres Zitat auf eben diese Fragestellung an, so würde das bedeuten, dass ein schwarzer Bond so einen Bruch mit dem Original bedeutete, da die Hautfarbe eines Menschen nun einmal ein primäres optisches Unterscheidungsmerkmal von Menschen ist.
Inwieweit die Hautfarbe Bonds in den Büchern beschrieben wird kann ich mangels Wissens nicht beurteilen, aber die bisherigen Teile der Film-Reihe zeichnen ganz klar einen weißen Bond.

Während ein farbiger Bond unter moralischen Standpunkten ganz klar zu begrüßen ist, muss ich einwerfen, dass diese Änderung doch ein Bruch mit den Vorgängern ist. Und dabei ist es egal ob Bond plötzlich schwarz, Spock ein Mensch oder Geralt eine Frau wird. Da sollte sich die "Political Correctness" (schreckliches Wort) dem Gesamtwerk unterordnen. Sonst verlieren Unterhaltungsmedien einen wichtigen Teil ihres Charakters, da das Individuum bzw. der Protagonist plötzlich völlig austauschbar ist (was zugegebenermaßen bei den Bond-Filmen bereits eingeschränkt der Fall ist).

Decius
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Decius » 15. Jan 2017, 13:06

Bond wurde von einem schwarzhaarigen Schotten und einem blonden Südengländer, einem Australier und einem braunhaarigen Iren gespielt. Da ist ein dunkelhäutiger Londoner schon deutlich näher am Original als manche der früheren Schauspieler. ;)
Zuletzt geändert von Decius am 15. Jan 2017, 13:07, insgesamt 1-mal geändert.

Rince81
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Rince81 » 15. Jan 2017, 13:06

Miller734 hat geschrieben:Thema Witcher: Nilfgaard stellt nach Auskunft des Autors das " roman empire" dar. Ich verstehe nicht wie man auf Nazis kommt. Die Pogrome finden schließlich in den nördlichen Königreichen statt, während Nilfgaard durch einen starken Staat und klare Bürokratie und Ordnung gezeichnet ist. Es werden aber keine/kaum Minderheiten verfolgt, "nur" politische Gegner :P
Da kann ich mich nur Jochen anschließen. Als ich als "Vorbereitung" auf Wild Hunt die Bücher gelesen, bzw. vorgelesen bekommen habe war mein Gesicht mehrfacht so :o :think: :shock: . Die ganze Sprachwahl ist derart Drittes Reich, dass Sapkowskis Behauptung schlicht blödsinnig klingt, dazu kommt einfach zu oft Wehrmachtsvokabular wenn deren Militär beschrieben wird.
Die "Gesendet von meinem HTC11 Life mit Tapatalk"-Signatur

Decius
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Decius » 15. Jan 2017, 13:11

Nilfgaard in den Büchern ist ganz klar ein verbrähmtes Nazideutschland. In den Spielen ist es dagegen viel stärker an das römische Reich (ästhetisch) und ein Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation mit einem stärkeren Kaiser und Zentralorganisation (politisch) angelehnt und die Nazibezüge wurden stark abgeschliffen und reduziert. Entsprechend ist Nilfgaard in den Spielen auch deutlich positiver und deutlich weniger der große Antagonist (vor allem in Teil 3) als das Nilfgaard in den Büchern. Was aber auch Storygründe hat (eines der Enden mit Ciri würde mit Nazi-Nilfgaard deutlich schlechter funktionieren).

Rince81
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Rince81 » 15. Jan 2017, 13:14

ZERNICHTER hat geschrieben:Auf der andrern Seite Battlefield 1 was im 1. WK angesiedelt ist mit einem schwarzen Soldaten auf dem Cover.
Ohne den Podcast gehört zu haben. Glaubst du, das im 1WK in Europa keine Schwarzen gekämpft haben? Kleine Erinnerung, Frankreich und England waren da noch Kolonialmächte und haben sich an dem kolonialen Menschenmaterial auch für die europäischen Kriege bedient, für Frankreich kämpften 200.000 Schwarze. Die USA hatten u.a. die Harleem Hellfighters in Frankreich im Einsatz.

https://en.wikipedia.org/wiki/File:Negr ... 533488.tif" onclick="window.open(this.href);return false;
https://en.wikipedia.org/wiki/369th_Infantry_Regiment_(United_States" onclick="window.open(this.href);return false;)
https://de.wikipedia.org/wiki/Tirailleu ... 3%A9galais" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.deutschlandradiokultur.de/fa ... _id=167885" onclick="window.open(this.href);return false;

Es ist daher kein "Blackwashing" einen Schwarzen auf dem Cover zu haben - im Gegenteil.
Die "Gesendet von meinem HTC11 Life mit Tapatalk"-Signatur

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Tiberias
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Tiberias » 15. Jan 2017, 13:22

Decius hat geschrieben:Nilfgaard in den Büchern ist ganz klar ein verbrähmtes Nazideutschland. In den Spielen ist es dagegen viel stärker an das römische Reich (ästhetisch) und ein Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation mit einem stärkeren Kaiser und Zentralorganisation (politisch) angelehnt und die Nazibezüge wurden stark abgeschliffen und reduziert. Entsprechend ist Nilfgaard in den Spielen auch deutlich positiver und deutlich weniger der große Antagonist (vor allem in Teil 3) als das Nilfgaard in den Büchern. Was aber auch Storygründe hat (eines der Enden mit Ciri würde mit Nazi-Nilfgaard deutlich schlechter funktionieren).
So sehe ich das auch. Ich habe bis jetzt nur die Kurzgeschichten gelesen und als Jochen das mit seiner Nazi These raushaute kenne ich halt nur die "Spiel-Nilfgarder" und dachte mir Waaaaas? Wo hat der das denn her? Mag ja sein, dass das in den Büchern mit leichter NS-Doktrin beschrieben wird, im Spiel ist da jedoch nichts mehr von übrig. Naja, vllt. abgesehen vom zentralen Kaiser :roll:
Auch die visuelle Darstellung erinnert eher Gothische Ritter und die Architektur (bsp. Thronsaal in Wyzima) an Gothische Kathedralen.
Mag sein, dass das für die Bücher nicht gilt, für's SPIEL aber ist mir die Nazi-These hier zu plumb.

Ich weiß ohnehin nicht so wirklich wo ich mit dieser Folge hin soll. Irgendwie kann ich das gehörte noch nicht so wirklich einordnen bzw. stimme ich ausnahmsweise bis jetzt nur in wenigen Punkten mit euch überein. Naja, ich werde die Folge in den nächsten Tagen nochmal hören. Vllt. ändere ich meine meinung ja noch.

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Filusi
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von Filusi » 15. Jan 2017, 14:42

Ich hoffe es passt hier rein, wenn nicht bitte die Nachricht, wo ich so etwas in Zukunft posten soll.
Bei Souncloud fehlt der Download Link.

Bitte nachreichen.
Danke.

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tidus89
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Re: Folge 93: Diversität in Spielen

Beitrag von tidus89 » 15. Jan 2017, 15:27

Ok Alex du hast mich, jetzt muss ich Velaya nachholen :lol:

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