10Jk: Super Columbine Massacre RPG, Quantencomputer und John Riccitiello

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Peninsula
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10Jk: Super Columbine Massacre RPG, Quantencomputer und John Riccitiello

Beitrag von Peninsula » 17. Feb 2017, 18:09

Gibt's noch gar keinen Thread zur Folge? :shock:
Bin selbst noch nicht durch, finde diese Ausgabe bisher aber sehr gelungen. Nur die Ankündigung einer nicht stattfindenden Molyneux-Diskussion fehlte dieses Mal.
Danke, Andre, dass du das Thema SCMRPG durchgeprügelt hast! Etwas schade fand ich, dass Christian es offenbar gar nicht gespielt hat bzw. nicht kurz erläutert hat wieso.
Gab es da inhaltliche Vorbehalte seinerseits? Besonders viel Zeit nimmt das Spiel ja nicht in Anspruch, bzw. kann man sich sehr schnell ein einigermaßen gutes Bild davon machen, wie das so funktioniert.
Zu Andres Beobachtungen hier ein paar abweichende Gedanken: Grundsätzlich würde ich mir zwar auch professionellere Spiele wünschen, die sich an brisante Themen heranwagen, aber im Fall von SCMRPG bringt die Amateurhaftigkeit aus meiner Sicht eher Vor- als Nachteile. Zum einen ist der mögliche Vorwurf weitestgehend entkräftet, dass hier ein kalkulierter Skandal zu Marketingzwecken provoziert werden sollte. Es wurde kein Profit generiert und der Entwickler wollte sich offenbar auch nicht als kontroverser "Auteur" in der Spielebranche positionieren, was bei einem professionellen Entwickler ja durchaus thematisiert werden könnte. Die Spielmechanik war IIRC zwar sehr krude, hat da jedoch teilweise auch als künstlerisches Stilmittel funktioniert - vielleicht auch im Sinne der Christian Hubertschen"Entmachtung" des Spielers. Besonders prägnant in sind mir die Kämpfe in Erinnerung, die in JRPG Manier abliefen, bei denen die "Gegner" also die Opfer jedoch keine Chance hatten (bin gerade nicht sicher, ob sie einfach nie zum Angriff kamen, oder einfach immer 0 Schaden verursacht haben). Jedenfalls war das eine spielerisch natürlich total uninteressante Angelegenheit, weil 0 herausfordernd, hat aber das brutale Ungleichgewicht eines bewaffneten Überfalls auf eine Schule in einen genre-typischen Spielrahmen "übersetzt". Ein "Meta"-Pluspunkt für die Unprofessionalität sind in diesem Fall die von dir bereits angesprochenen Parallelen des Entwicklers zu den Tätern. Dass das kontroverse Spiel zu diesem heimlich in Kinderzimmern ausgeheckten Amoklauf selbst so ein Ding war, dass von einer Person in einem Keller zusammengebastelt wurde, passt doch sehr gut. Gerade auch vor dem Hintergrund der Gewaltdebatte zu Computerspielen, als Argument dafür, dass Spiele auch ein kreatives Medium sind, mit dem belastende Themen verarbeitet werden können.
Sehr beeindruckend fand ich auch, wie sehr mit einfachen Mitteln der popkulturelle Zeitgeist der 90er eingefangen wurde. Musik, 16bit Optik etc. Das hat bei mir den (offenbar vom Entwickler gewünschten) Effekt erzielt, dass mir diese Welt, die da aus Tätersicht präsentiert wurde unbequem bekannt vorkam.

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Varus
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Re: 10Jk: Super Columbine Massacre RPG, Quantencomputer und John Riccitiello

Beitrag von Varus » 17. Feb 2017, 18:47

Ich fand die Folge auch wie immer Klasse. 10JK bleibt glaube mein liebstes Format hier. Ich finde es ehrlich gesagt total faszinierend was damals, als ich zwar schon viele Videospiele gespielt habe aber mich abseits der eigenen Spiele wenig am Medium interessierte, so passierte.
Peninsula hat geschrieben:Gibt's noch gar keinen Thread zur Folge?
Hatte ich mich auch gewundert, aber wollte nicht extra einen Thread eröffnen für meine Lobhudelei :oops:
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TrueKraut
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Re: 10Jk: Super Columbine Massacre RPG, Quantencomputer und John Riccitiello

Beitrag von TrueKraut » 17. Feb 2017, 18:55

Der Threadersteller sollte an seiner Textform arbeiten. So nen klotz les ich gar nicht erst :D

Aber super Folge, nach hinten raus zu verkopft aber das schrieb ich ja schon dem lieben Andre :)
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Patatina
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Re: 10Jk: Super Columbine Massacre RPG, Quantencomputer und John Riccitiello

Beitrag von Patatina » 19. Feb 2017, 19:15

Super Columbine Massacre RPG – danke für das Thema – aus genau diesem Grund höre ich euch so gerne.

So sehr ich es begrüße, dass sich Spiele mit dem realen Zeitgeschehen auseinandersetzen, so sehr habe ich ein mulmiges Gefühl bei Titeln wie diesem. Hab es jetzt selbst mal ein Stück weit gespielt und mein mulmiges Gefühl ist in ein starkes Unbehagen übergegangen.

Sachlich betrachtet: Halte ich grundsätzlich Empathie erzeugen für zielführender als Identifikation erzwingen.
Empathie erlaubt mir mehr Distanz und wirkt einer psychischen Überwältigung entgegen. Solange ich dem Spieler Kontrolle darüber lasse, wie stark er sich auf ein Thema emotional einlässt, desto eher gewährleiste ich einen reflektierten Umgang und letztendlich eine tiefer gehende Auseinandersetzung. Sofern dies die Absicht des Spielautors war?

Dieses Spiel zu spielen, hat in mir aber auch ein sehr unschönes Gefühl von Schuld und Scham erzeugt, wie ich es am ehesten noch vergleichen würde mit jenem, das sich beim Besuch einer Gedenkstätte einstellt. Eine Art Grusel (kenne Kollegen die sehr bewusst "Holocaust Grusel" dazu sagen) der nicht zuletzt dazu führt, dass Orte wie die Gedenkstätte Auschwitz im Sommer eine Anmutung von Disneyland haben und Massen anlocken. Man verzeihe mir den zynischen Vergleich, aber vom Eisstand, über Selfies vor dem Torhaus hin zu Warteschlangen vor Block 11, gibt’s da alles.
Da kann man sich selbst an der Nase nehmen (diese voyeuristische Faszination kennen wahrscheinlich die meisten, ich auch - die Frage ist eher wie sehr ich mich davon leiten lasse), letztendlich ist das aber natürlich sehr stark dem Ort selbst geschuldet – der Gedenkstättenpädagogik und der Inszenierung.
Bleiben wir beim Beispiel: Auschwitz will erhalten, konservieren – daher funktioniert der Ort wie ein Freilichtmuseum. Es sieht aus, als wäre das Lager gerade erst verlassen worden - vor allem Birkenau. Gegenbeispiel – Gedenkstätte Bergen- Belsen – keine gebauten Strukturen mehr, das Lager wurde abgetragen. Ein hervorragendes Dokumentationszentrum und ein Lagergelände auf dem die einstigen Gebäude und Straßen, nur anhand der exakt gerodeten Flächen erkannt werden können. Ansonsten ein weitläufiger Birkenwald - und weil so gegensätzlich als erwartet, eine andere, aber ähnlich starke emotionale Erfahrung. Gleichzeitig bedingt der Ort aber auch automatisch einen pietätvolleren Umgang.

Zurück zum Spiel: Ich glaube dem Spielautor durchaus, dass seine Absichten die er mit dem Spiel verfolgt hat, absolut gut waren - aber das Sprichwort „Das Gegenteil von gut - ist gut gemeint“ sehe ich hier als sehr zutreffend an. Ich unterstell ihm auch nicht, bewusst mit diesem Voyeurismus und Grusel als Zielsetzung gearbeitet zu haben - aber es haftet dem ganzen doch ein deutliches „Geschmäckle“ an und nicht zuletzt ist dies dem gewählten Erzählmedium geschuldet.
Für mich ist seine Person noch sehr rätselhaft und ich bin sehr neugierig auf das Interview. Was erwartet er eigentlich, dass ich, der Spieler aus seinem Spiel mitnehme?

Ich halte per se das Medium trotzdem nicht für ungeeignet, vielmehr zeigt dieses kleine Amateurspiel doch auf, dass Spiele im Kontext der Erinnerungskultur sehr heikel sind und es einem entsprechenden Diskurs und weiterführend, Auseinandersetzung bedarf.

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Maxi
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Re: 10Jk: Super Columbine Massacre RPG, Quantencomputer und John Riccitiello

Beitrag von Maxi » 27. Feb 2017, 21:11

Ich schätze fast, die Länge und Thementiefe der Episoden ist so ein bisschen der Grund, warum hier nicht so eine große Diskussion über die einzelnen Folgen stattfindet. Oder die stille Mehrheit ist absolut d'accord. :D
Aber sei's drum, ich bin zwar noch nicht ganz durch mit der Folge, aber ich kann nur sagen, dieses Format ist und bleibt mein absolutes Podcast-Highlight jeden Monat! Es ist der Wahnsinn was es hier für interessante Einblicke in vergangene Tage gibt - die auch immer wieder mit "dem heutigen Stand der Entwicklung" abgeglichen werden. Es ist echt eine Freude zuzuhören, selbst wenn mich mal einzelne Themen nicht interessieren. Die Diskussion ist immer angenehm tief und ihr ergänzt euch wirklich gut. Großes Lob für die Folge, sowie auch für das Format generell. Ich hoffe das bleibt noch lange erhalten. :)

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Mr. Trombone
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Re: 10Jk: Super Columbine Massacre RPG, Quantencomputer und John Riccitiello

Beitrag von Mr. Trombone » 27. Feb 2017, 22:09

@Maxi: Naja, d'accord bin ich mit dem Großteil. Aber was soll ich jetzt jede Folge schreiben, dass mich das feststellende "Genau" fürchterlich aufregt - Andre hat das Problem ja schon erkannt :lol:

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Maxi
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Re: 10Jk: Super Columbine Massacre RPG, Quantencomputer und John Riccitiello

Beitrag von Maxi » 28. Feb 2017, 09:32

Mr. Trombone hat geschrieben:@Maxi: Naja, d'accord bin ich mit dem Großteil. Aber was soll ich jetzt jede Folge schreiben, dass mich das feststellende "Genau" fürchterlich aufregt - Andre hat das Problem ja schon erkannt :lol:
Meine Podcast App kann Pausen während der Folgen cutten. :geek: Wird wohl Zeit, das Feature auch für bestimmte Worte einzufügen. ;)

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