Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

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alri
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Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von alri » 9. Mai 2017, 04:16

das ist für mich einer dieser casts, den ich vermutlich mehrfach anhören muss, ohne irgendetwas nebenbei zu machen.
das freut mich, aber ärgert gleichzeitig mein knappes zeitkonto.

zwei, drei punkte haben mich beim ersten hören gestört bzw teile nicht deren ansicht.

1) das hitman beispiel. das was hier angekreidet wird, kann man mit vielen bis jedem npc machen. ob schwarz, weiß, mann, frau etc.
ich persönlich würde es als sexistisch ansehen, wenn man frauen aus dieser mechanik ausklammert.
ob es einen stripclub level gebraucht hat, steht für mich auf einem anderen blatt.

2) in dota2 (moba), sind die meisten weiblichen charaktere carrys. also jene starken helden, die im späten spielverlauf das spiel entscheiden. auf der anderen seite sind die meisten supporter, die schwächsten charaktere im endgame, hauptsächlich männlich.
und zum thema diversität der weiblichen helden : https://www.youtube.com/watch?v=NacRMmJreCE" onclick="window.open(this.href);return false;

3) für jemanden der so viel wert auf gleichberechtigung, korrektes soziales verhalten usw usf legt, lässt maike aber verdächtig oft die pcmasterrace dudette raushängen : richtige spieler vs casuals, dann natürlich auch nur die richtigen spiele bzw abwertende erwähnung der nicht spiele inkl. der abwertung der menschen die diese spiele spielen. billiges indie spiel auf der konsole mit der simplen grafik. ist ja nur eins der besten spiele der letzten 10 jahre ^^

das sexuelle belästigung und echter sexismus scheiße sind, darüber dürfte kein diskussionsbedarf bestehen.

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Neobone
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Neobone » 9. Mai 2017, 06:23

alri hat geschrieben:das ist für mich einer dieser casts, den ich vermutlich mehrfach anhören muss, ohne irgendetwas nebenbei zu machen.
das freut mich, aber ärgert gleichzeitig mein knappes zeitkonto.

zwei, drei punkte haben mich beim ersten hören gestört bzw teile nicht deren ansicht.

1) das hitman beispiel. das was hier angekreidet wird, kann man mit vielen bis jedem npc machen. ob schwarz, weiß, mann, frau etc.
ich persönlich würde es als sexistisch ansehen, wenn man frauen aus dieser mechanik ausklammert.
ob es einen stripclub level gebraucht hat, steht für mich auf einem anderen blatt.

2) in dota2 (moba), sind die meisten weiblichen charaktere carrys. also jene starken helden, die im späten spielverlauf das spiel entscheiden. auf der anderen seite sind die meisten supporter, die schwächsten charaktere im endgame, hauptsächlich männlich.
und zum thema diversität der weiblichen helden : https://www.youtube.com/watch?v=NacRMmJreCE" onclick="window.open(this.href);return false;

3) für jemanden der so viel wert auf gleichberechtigung, korrektes soziales verhalten usw usf legt, lässt maike aber verdächtig oft die pcmasterrace dudette raushängen : richtige spieler vs casuals, dann natürlich auch nur die richtigen spiele bzw abwertende erwähnung der nicht spiele inkl. der abwertung der menschen die diese spiele spielen. billiges indie spiel auf der konsole mit der simplen grafik. ist ja nur eins der besten spiele der letzten 10 jahre ^^

das sexuelle belästigung und echter sexismus scheiße sind, darüber dürfte kein diskussionsbedarf bestehen.
zu 1) Das wahr wohl eher in dem entsprechenden Kontext mit dem Stripclub gesehen.

zu 2) Ein schlechtes Video um damit zu argumentieren, dort werden sich nur die Rosinen rausgepickt ohne das ganze Bild zu zeichnen.
Schaut man nämlich mal auf alle Helden, dann merkt man das es wirklich so ist das alle Chars welche ein auf Frauen basierendes Aussehen haben wirklich nur zwischen Anfang bis Mitte 20 sind.
Im Gegensatz zu den männlichen Helden.

https://de.dotabuff.com/heroes" onclick="window.open(this.href);return false;

Und von Fighting Games welche hier auch angesprochen wurden brauchen wir erst gar nicht zu reden.

https://www.youtube.com/watch?v=ZelsxoJ-KWU&t=8s" onclick="window.open(this.href);return false;

zu 3)
Naja richtige Spieler vs. Casual hat eher weniger mit PCMasterrace zu tun, das ist sogar eine allgemeine Forumlierung welche auch hier im Potcast angewandt wird.
Es ist schlichtweg nur eine andere Forumlierung des gleichen Begriffs, Core Gamer aka richtiger Spieler vs. Casual aka Gelegenheitsspieler.
Wobei der Coregamer das Spielen als Hobby betreibt bzw. es oft ein fester Bestandteil der Freizeit ist.
Was deine Argumentation jetzt aber mit dem Thema Sexismus zu tun hat erschliesst sich mir nicht.

Und noch zu Journey.
Nicht jeder liebt Journey, denn Menschen haben nicht alle den gleichen Spielegeschmack.
Es gibt auch Leute die dem neuen Zelda nur eine 7/10 geben oder Menschen welche ein Dark Souls nicht mal geschenkt haben wollen.
Mal davon abgesehen das sie glaube ich keine richtige Wertung dazu abgegeben hat.

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Andre Peschke
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Andre Peschke » 9. Mai 2017, 08:05

alri hat geschrieben:2) in dota2 (moba), sind die meisten weiblichen charaktere carrys. also jene starken helden, die im späten spielverlauf das spiel entscheiden. auf der anderen seite sind die meisten supporter, die schwächsten charaktere im endgame, hauptsächlich männlich.
und zum thema diversität der weiblichen helden : https://www.youtube.com/watch?v=NacRMmJreCE" onclick="window.open(this.href);return false;
Es ging ja insbesonder um das Charakterdesign, nicht die Gameplayrollen und Fähigkeiten, wenn ich mich recht entsinne. Und täusche ich mich, und es ging um MOBAs allgemein, die wegen ihrer Dutzende von Charakteren besonders gut geeignet sind, um weibliche Darstellung von Avataren der Darstellung von männlichen Figuren gegenüberzustellen und zu merken: Es gibt da einen erkennbaren Unterschied, wie diese Figuren inszeniert werden? Bitte nicht geich zu Beginn des Threads in eine Diskussion über ein Einzelfallbeispiel abdriften, anstatt das übergeordnete Argument zu adressieren: Weibliche Figuren in Spielen werden sehr häufig sexualisiert dargestellt, sei es durch Kleidung, Pose, Attitüde etc.
alri hat geschrieben:3) für jemanden der so viel wert auf gleichberechtigung, korrektes soziales verhalten usw usf legt, lässt maike aber verdächtig oft die pcmasterrace dudette raushängen : richtige spieler vs casuals, dann natürlich auch nur die richtigen spiele bzw abwertende erwähnung der nicht spiele inkl. der abwertung der menschen die diese spiele spielen.
Diese Art von Diskussion will ich in diesem Thread nicht lesen. Bitte über die Argumente diskutieren, nicht über eingebildete Persönlichkeitsdefizitie.

Andre

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fiorell
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von fiorell » 9. Mai 2017, 09:08

Vielen Dank für diese Folge!

Ich bin immer wieder sehr begeistert davon, wie gut ihr es schafft, euch eurem Ziel, ein Gaming-Magazin zum Hören zu erschaffen, zu nähern. Beiträge wie dieser sind dabei besonders wichtig.

Zwei Expertinnen auf ihrem Gebiet haben mir einen angemessenen Überblick über ein wichtiges und komplexes Thema gegeben und sind in eine erkenntnisreiche Diskussion gestartet, geleitet durch eine kompetente und vorbereitete Moderation. Formate dieser Art und Qualität sind leider viel zu selten, zumal wenn das Thema in der Zielgruppe des entsprechenden Mediums so umstritten ist wie hier der Sexismus in der Videospielkultur.
alri hat geschrieben: 2) in dota2 (moba), sind die meisten weiblichen charaktere carrys. also jene starken helden, die im späten spielverlauf das spiel entscheiden. auf der anderen seite sind die meisten supporter, die schwächsten charaktere im endgame, hauptsächlich männlich.
und zum thema diversität der weiblichen helden : https://www.youtube.com/watch?v=NacRMmJreCE" onclick="window.open(this.href);return false;
"Das kann gar nicht sexistisch sein, die nackte junge Frau ist stärker als viele der Männer"
Okay, das ist sehr überspitzt, und ich möchte dich damit keinesfalls angreifen oder mich über dich lustig machen. Ich möchte nur zeigen, warum das Argument für meine Begriffe am Thema vorbei geht. In der Tat kann man bei MOBAs den Unterschied zwischen den Darstellungen von männlichen und weiblichen Charakteren ganz besonders gut beobachten. Das gilt bestimmt nicht für jede Heldin, bei Betrachtung des Gesamtbildes aber ist ein gewisses Motiv in der Grundausrichtung der Darstellungen absolut offensichtlich. Das Video möchte ich jetzt mal nicht kommentieren...

Ein Aspekt, den ich so gar nicht auf dem Schirm hatte, ist die sexuelle Belästigung seitens der Spieler selbst. Ich besuche keine Cons oder großen LAN-Partys und habe daher so etwas noch nie mitbekommen. Dass Belästigung in der Community ein solches Problem ist, war mir nicht bewusst und schockt mich etwas, damit hätte ich nicht gerechnet.
Im Zusammenhang damit meine ich mich aber erinnern zu können, dass es einen Skandal um geleakte/gehackte/geklaute Nacktbilder einer Hearthstone-Spielerin gab. (Man korrigiere mich bitte, wenn ich falsch liege!) Auch da gab es das Problem, dass der Twitch-Chat sehr widerlich reagiert hat, sobald diese Spielerin im Stream zu sehen war - tausende Kommentare darüber wie lange, wie hart, von wo und in welchem Kostüm der Kommentator sich ihr "widmen" würde, wäre er vor Ort. Ganz zu schweigen von Kommentaren mit dem Grundtenor "Die hat das nötig, um sich vor dem Match zu entspannen und zu gewinnen". Das ist das allerletzte.
Natürlich betrifft das ja nicht Jeden, im Gegenteil ist es wohl eher ein kleiner Teil einer größeren Community, leider ist dieser Teil gerade im Streaming/Competetive-Bereich zu präsent. Leider fällt mir hierfür auf Anhieb keine Lösung ein...

Vielen Dank für die Folge (und auch dafür, solche Themen hier diskutieren zu können)!

Fiorell

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W8JcyyU
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von W8JcyyU » 9. Mai 2017, 09:50

alri hat geschrieben: 3) für jemanden der so viel wert auf gleichberechtigung, korrektes soziales verhalten usw usf legt, lässt maike aber verdächtig oft die pcmasterrace dudette raushängen : richtige spieler vs casuals, dann natürlich auch nur die richtigen spiele bzw abwertende erwähnung der nicht spiele inkl. der abwertung der menschen die diese spiele spielen. billiges indie spiel auf der konsole mit der simplen grafik. ist ja nur eins der besten spiele der letzten 10 jahre ^^
Wenn das ernsthaft Dein Eindruck ist, empfehle ich einen zweiten Durchlauf. Die Sätze über den neugefundenen Zugang zu Konsolenspielen sind mit Selbstironie und (subtilem) Humor garniert. Es wird sich nicht über Konsolenspieler lustig gemacht, sondern viel mehr über die eigenen, früheren Vorstellungen über Konsolen geschmunzelt.

Wie man unter Experten zu sagen pflegt, die Folge ist 'on fire'. Ersteindruck nach ca einer halben Stunde - großes Lob an die Gästewahl.

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Lurtz
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Lurtz » 9. Mai 2017, 10:06

Ich bin des Themas generell eher überdrüssig, was aber vor allem daran liegt wie der Diskurs idR geführt wird.

Hier war das ein sehr angenehmer Magazinbeitrag mit einem angenehmen Moderator und zwei grundsympathischen, fachkundigen Teilnehmerinnen. Besonders hat mir die Abwechslung zwischen persönlicher Meinung und Erlebtem und dem wissenschaftlichen Teil gefallen.

Und ich habe mal wieder gelernt, dass auch ich meinen Blick noch deutlich schärfen muss, was diese Themen angeht.

Eine tolle Folge zum richtigen Zeitpunkt.

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Zwart
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Zwart » 9. Mai 2017, 10:40

Ich muss mich Axel anschließen.

Absolut fantastische Folge! Danke dafür!

Davon will ich mehr! Wahnsinnig gut. Gebt den beiden Gästinnen bitte mehr Screentime, wenn das irgendwie möglich ist. :)
Das wilde Aventurien
Durchgeblättert - der Rollenspielbuch-Videoblog
Der Zustand des Krokodils ist ungeklärt, bis jemand versucht, es abzurichten. Dann verschwindet es in einem Stimmungswölkchen.

Rince81
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Rince81 » 9. Mai 2017, 12:26

Das war ein absolutes Vergnügen euch Dreien bzw. in dem Fall primär den Expertinnen zuzuhören, André hat aber einen tollen Moderator abgegeben.

Sehr schön fand ich die Herausarbeitung, dass niemand irgendjemandem etwas wegnehmen will - lediglich der Blick auf vorhandene Probleme geschärft werden soll.
Erschreckend fand ich die Schilderung der LAN-Party Erfahrungen, klar das mag nur eine Minderheit sein aber wenigstens etwas Anstand sollte man von zu Hause mitbekommen. Das dürfte aber auch einer der extremen Ausschläge der "Gaming" Kultur sein, bei der Frauen primär schmückendes Beiwerk sind, wie dann ja auch die "Messe-Babes" Galerien diverser eigentlich seriöser Spiele- und IT-seiten auch jedesmal wieder nachdrücklich zeigen.
Die "Gesendet von meinem HTC11 Life mit Tapatalk"-Signatur

Hal9000
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Hal9000 » 9. Mai 2017, 16:05

Ich möchte mich auch für diese fantastische Folge bedanken. Das ganze Thema geht mir eigentlich wegen der "Social Injustice Warrior" ziemlich auf den Keks. Es war dagegen im höchsten Maße angenehm, einer vorurteilsfreien Diskussion wie dieser zu lauschen. Bitte weitere Podcasts mit den beiden Damen!
Bei dem Hitman-Beispiel würde ich mich allerdings gefühlt alri anschließen. Wurde hier wirklich das Setting kritisiert, oder, dass die Kernmechanik des Spiels nicht für die Stripperinnen deaktiviert wurde?
Für Ersteres hätte ich Verständnis, wobei man ich dann argumentieren würde, dass auch eine solche Schmuddelspelunke in einem Spiel darstellbar sein sollte und die Stripperinnen in dem Moment nicht reiner Selbstzweck sind. Zweiteres fände ich allerdings auch abwegig. Warum sollte ich mit den Tänzerinnen nicht denselben Unfug anstellen dürfen wie mit allen anderen NPCs?

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Andre Peschke
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Andre Peschke » 9. Mai 2017, 16:47

Hal9000 hat geschrieben: Bei dem Hitman-Beispiel würde ich mich allerdings gefühlt alri anschließen. Wurde hier wirklich das Setting kritisiert, oder, dass die Kernmechanik des Spiels nicht für die Stripperinnen deaktiviert wurde?
Ich persönlich vermute, dass diese Hitman-Szene ein Missgriff gewesen ist. Was ich mir gut vorstellen kann ist, dass ein Mitarbeiter diese Szene aufgenommen hat und sie von Sarkeesian dann ohne den konkreten Kontext besprochen wurde, wenn sie beklagt, hier würde man Stripperinnen umbringen und wie Müll wegwerfen können. Die Art, wie sie das in ihrem Video präsentiert, habe ich zumindest so in Erinnerung. Ist aber eine Weile her und von daher behalte ich mir vor, diese Einschätzung zu widerrufen. ^^

Umgekehrt, und das ist der Punkt, der in der Diskussion angesprochen wurde: Es ist erstmal belanglos, dass man das auch mit Männern machen kann. In den Videos von Anita Sarkeesian geht es um sexistische Darstellungen. Die hören nicht auf sexistisch zu sein, weil man von mir aus auch an der anderen Ecke männliche Callboys strippen sieht (was nicht der Fall ist). Auch das man die Stripperin "wie Müll wegwerfen" kann, ist korrekt. Das man auch männliche Leichen so entsorgen kann, ist richtig - aber das ist für ein Video, das sich ausschließlich mit Frauenrollen befasst, erstmal unerheblich. Auch der Gedanke, Sexismus gegen Frauen ließe sich durch eine gleichermaßen herabsetzende Darstellung von Männerrollen irgendwie ausgleichen, ist absurd.

Durch die harte Selektion und indem diese anderen Aspekte gar nicht einbezogen werden, wirken die Video natürlich manchmal tendenziös. Eine solche Wirkung ist sicher auch nicht immer rein der Form geschuldet. Wenn man auf Missstände aufmerksam machen will, erliegt man schnell der Versuchung ein wenig zuzuspitzen, damit überhaupt jemand Notiz nimmt - siehe PETA und so weiter. Ich denke, niemand würde behaupten, dass die Arbeit von Sarkeesian nicht kritisierbar ist - da gibt es sicherlich zahlreiche Ansatzpunkte. In der Debatte um Feminist Frequency wurde diese Detailkritik nur bedauerlicherweise zu oft rein als Instrument gebraucht sich den Aspekten nicht stellen zu müssen, in denen Sarkeesian den Nagel auf den Kopf trifft.

Andre

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StHubi
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von StHubi » 9. Mai 2017, 17:48

Die Folge fand ich wirklich großartig. Da ist man doch gerne Backer :) Mit den beiden Expertinnen habt ihr in meinen Augen jedenfalls genau die richtigen zu dem Gespräch eingeladen. Gerade die persönlichen Einblicke passten gut zum Thema. Ich hoffe, dass man sie vielleicht auch das eine oder andere mal wieder hört. Wobei ich glaube, dass Ines diejenige ist, die mir erklären kann, warum ich beim Einräumen des Kühlschranks immer die Tetrismelodie vor mich hin summe und ähnliche Muster wie in dem Spiel aufbaue :D

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich bis zu den Videos von Anita Sarkeesian keinerlei Gedanken an die Art und Weise wie Frauen in Medien dargestellt oder charakterisiert werden, verschwendet habe. Für mich waren ihre Videos ein echter Augenöffner und ich habe mich seitdem auch mit dem Thema Sexismus über Spiele hinaus befasst. Meine Hoffnung wäre jedenfalls, dass ich nicht der einzige bin, dem es so ergangen ist.

In einem anderen Forum, in dem ich viel aktiv bin, kommt das Thema Sexismus in Spielen auch immer wieder zur Sprache, wenn es mal wieder News gibt, die sich irgendwie direkt oder indirekt darauf beziehen. Allerdings wird da bereits fast immer in den ersten Posts jede ernsthafte Diskussion zu dem Thema mit Begriffen wie "Feminazi" oder "Haltet doch einfach euer Schnäuzchen" sabotiert.
Das sieht mir manchmal schon nach konditioniertem Verhalten aus und die Fronten erscheinen mir einfach viel zu verhärtet. Frühere Diskussionsversuche endeten dann oft in heillosem Chaos oder schlimmeren...

Ein 30 bis 40 Jahresplan erscheint mir da wirklich als einziger Ausweg. Hoffentlich gibt es bis dahin die Slow Motion Funktion als Standard oder ich spiele halt nur noch Civilization LVI...

Maschendraht
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Maschendraht » 9. Mai 2017, 17:58

erstmal sehr gelungene Folge, der ich Großen und Ganzen auch zustimme.
Ein paar Punkte möchte ich dann aber doch noch ansprechen:

Und zwar haben beide gesagt, dass man Sarkeesians Videos nicht am Stand der Wissenschaft messen sollte, weil sie nicht als wissenschaftlich angelegt sind. Das sind sie zwar tatsächlich nicht, aber die Schlussfolgerung, dass man sie dann auch nicht an der Wissenschaft messen könne, teile ich nicht. Es ist trotzdem legitim, sie mit der Wissenschaft abzugleichen. Eine These, Meinung etc. wird nicht erst dann wissenschaftlich angreifbar, wenn sie sich selbst als wissenschaftlich bezeichnet. Wenn ich z. B. einen Fitness-Channel auf Youtube betreibe (unwissenschaftlicher geht es kaum noch) und ich behaupte, sagen wir mal, dass man vor dem Training rote Beete essen sollte für bessere Leistung, dann kann man natürlich fragen, ob das wissenschaftlich gedeckt ist.

Wenn sie jetzt sagen, dass die Wissenschaft mit Sarkeesian im Prinzip übereinstimmt, wird das wohl so sein. Aber das weiß ich ja erst, nachdem ich das hinterfragt habe.
Andre Peschke hat geschrieben:Es ist erstmal belanglos, dass man das auch mit Männern machen kann. In den Videos von Anita Sarkeesian geht es um sexistische Darstellungen. Die hören nicht auf sexistisch zu sein, weil man von mir aus auch an der anderen Ecke männliche Callboys strippen sieht (was nicht der Fall ist). Auch das man die Stripperin "wie Müll wegwerfen" kann, ist korrekt. Das man auch männliche Leichen so entsorgen kann, ist richtig - aber das ist für ein Video, das sich ausschließlich mit Frauenrollen befasst, erstmal unerheblich.
Sexismus bedeutet m. W. n., dass jemand aufgrund des Geschlechts herabgewürdigt etc. wird. In dem Moment, indem man mit Männern das gleiche machen kann, ist es ja eben nicht mehr "aufgrund" des Geschlechts. Zu jeder Darstellung über Sexismus gehört damit für mich per Definition, dass ein Geschlecht aufgrund des Geschlechts wesentlich anders behandelt wird als ein anderes.

Deiner Ansicht folgend, könnte ich genauso gut sagen, dass Hitman männerfeindlich ist, weil man kann ja Männerleichen in Container werfen. Klar, Frauen auch, aber das ändert nichts daran, dass man es mit Männern machen kann. Damit wäre das Spiel gleichzeitig als männerfeindlich wie auch als frauenfeindlich darstellbar, und das bei gleicher Spielmechanik. Das halte ich nicht für einleuchtend. Solange man nicht erklären kann, warum "frauenfeindlich" zutreffender ist als "männerfeindlich", kann man m. M. n. nicht von Sexismus sprechen. Ich könnte den Fokus sogar ganz weg vom Geschlecht auf die Haarfarbe oder andere willkürliche Merkmale legen. Deshalb gleichen sich diese Dinge schon aus, in dem Fall eben "nach unten". Allenfalls ließe sich sagen, dass die Mechanik menschenfeindlich ist.

Deshalb muss eine Sexismuskritik auch bei einem Blick auf den ganzen Kontext stichhaltig sein. (Bzw. hier bei einem Blick auf das gesamte Spiel und auch der Männer) Auch wenn sich Sarkeesian auf Frauenrollen spezialisiert hat, ändert das ja nichts daran, dass auch Die Wahl des Fokus kritisierbar ist, insbesondere wenn dadurch verzerrte Ergebnisse zutandekommen. Dieses Argument "aber ich habe mich jetzt auf diesen einen Punkt konzentriert" habe ich noch nie verstanden. Genau da kann nämlich der Fehler liegen, der ersichtlich wird, wenn man alles zusammen anschaut.

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Andre Peschke
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Re: RE: Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Andre Peschke » 9. Mai 2017, 18:09

Maschendraht hat geschrieben: Deiner Ansicht folgend, könnte ich genauso gut sagen, dass Hitman männerfeindlich ist, weil man kann ja Männerleichen in Container werfen.
Ich denke dabei in dem konkreten Kontext der Szene. Die Kritik von Sarkeesian gründet ja u.a.in der Assoziation, dass Arbeiterinnen im Sexgewerbe wie Stripper als minderwertig betrachtet werden und deswegen zB auch (angeblich) die Aufklärungsquote von an ihnen verübten Verbrechen niedriger ist etc. Du hast also durch das Setting also bereits den verlangten qualitativen Unterschied in der Darstellung.

Bzgl der Wissenschaft: Das versteht sich. Die beiden antworten dort ja konkret auf meine Frage danach, wie das Werk aus wissenschaftlicher Sicht zu beurteilen wäre und wenden eben ein, dass es nicht wissenschaftlich sei und auch nicht sein wolle. Man kann es selbstverständlich mit dem Stand der Wissenschaft vergleichen. Nur der Vorwurf es sei unwissenschaftlich ist so angebracht, wie bei unseren Podcasts. Darauf wollten sie hinaus, IMO.



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MrZwicky
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von MrZwicky » 9. Mai 2017, 18:35

Das war ein sehr schönes Gespräch! Insbesondere wie André es schafft, die beiden "laufen" zu lassen im Gespräch und nicht zu unterbrechen.
Dieser Podcast hat für mich das Projekt sehr weit nach vorn gebracht, da hier eben auch deine Gäste von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Ich selbst hätte nie gedacht, dass es Spieler dort draußen gibt, die ohne Skrupel einfach los grapschen.
Zum Thema ob diese Diskussion nur im Spielebereich existiert, würde ich behaupten, dass diese Probleme unter Spielern dadurch entstehen, weil wir durch die sprach Chats immer noch eine gewisse Distanz haben und es leichter fällt Beleidigungen auszusprechen als wenn man in der Gruppe über einen Film spricht...

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Andre Peschke
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Andre Peschke » 9. Mai 2017, 18:53

MrZwicky hat geschrieben:Ich selbst hätte nie gedacht, dass es Spieler dort draußen gibt, die ohne Skrupel einfach los grapschen.
Mir führt es immer wieder vor Augen, wie sehr die Lebensrealität von Männern und Frauen hier scheinbar auseinandergeht. Ich kenne glaube ich keine Frau, die nicht von mindestens einer solchen Erfahrung berichten kann. Eine Erfahrung und ein Umstand, der mir widerum natürlich völlig fremd ist. Was selbstverständlich auch zu einer unterschiedlichen Perspektive und unterschiedlicher Sensibilisierung führen kann, in Bezug auf Themen wie dieses.

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Maschendraht
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Maschendraht » 9. Mai 2017, 19:00

Andre Peschke hat geschrieben:

Ich denke dabei in dem konkreten Kontext der Szene. Die Kritik von Sarkeesian gründet ja u.a.in der Assoziation, dass Arbeiterinnen im Sexgewerbe wie Stripper als minderwertig betrachtet werden und deswegen zB auch (angeblich) die Aufklärungsquote von an ihnen verübten Verbrechen niedriger ist etc.

wenn, dann würde ich die niedrige Aufklärungsquote eher dem erzwungenen Leben in der Illegalität zuschreiben und einem Gewerbe, das von Anonymität und organisierter Kriminalität geprägt ist. Aber unabhängig davon ist die Frage: wer betrachtet Stripperinnen als minderwertig? Doch sicher nicht alle und nicht in gleichem Maße. Ich weiß natürlich, dass es dieses Motiv "Tote Prostituierte wird wie Müll entsorgt" gibt, aber inwieweit das verstärkt wird, hängt stark vom einzelnen Rezipienten ab und ich tue mich schwer damit, dies dem Spiel zuzurechnen, da es für sich gesehen keinen Unterschied in der Darstellung macht.

Hal9000
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Hal9000 » 9. Mai 2017, 19:10

Andre Peschke hat geschrieben: In der Debatte um Feminist Frequency wurde diese Detailkritik nur bedauerlicherweise zu oft rein als Instrument gebraucht sich den Aspekten nicht stellen zu müssen, in denen Sarkeesian den Nagel auf den Kopf trifft.
Ja, das ist ist ein großes Problem. Mich interessiert in der Diskussion auch z.B. in keiner Weise, ob Anita Steuern hinterzogen hat, was häufiger geschrieben wird, um sie zu diskreditieren. Ihre Argumente werden dadurch nämlich nicht ungültig.
Auch dass sie keine Zockerin ist, ist für eine Kritik völlig unerheblich, diese darf nämlich durchaus von außen kommen.
Ich finde es trotzdem schade, dass sie mit solchen solchen Mitteln wie bei Hitman arbeitet, weil sie eben genau an der Stelle Angriffsfläche bietet, die natürlich sofort ausgenutzt wird.

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Desotho
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Desotho » 9. Mai 2017, 19:11

Nur selbst wenn das Hitman Beispiel nicht das beste oder sogar falsch ist, heißt das ja eben noch lange nicht dass die alle Kritik an der Darstellung im Allgemeinen falsch ist. Der Abwehrreflex kommt auch hier schön raus :)
El Psy Kongroo

Maschendraht
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Maschendraht » 9. Mai 2017, 19:24

Desotho hat geschrieben:Nur selbst wenn das Hitman Beispiel nicht das beste oder sogar falsch ist, heißt das ja eben noch lange nicht dass die alle Kritik an der Darstellung im Allgemeinen falsch ist.
hat ja auch keiner geschrieben...

Colbi
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Re: Nachgeforscht: Sexismus und Videospiele

Beitrag von Colbi » 9. Mai 2017, 19:46

Ich finde es super, dass ihr nicht davor zurückschreckt auch vermeintlich schwierigere Themen zu behandeln und ihnen Raum in eurem Programm bietet.

Um direkt Mal in die Diskussion einzusteigen:
Das Hitman Beispiel finde ich auch unglücklich gewählt und sehe das genauso (inklusive der Sexismus Definition) wie Maschendraht weiter oben.

Ebenso hat mich das GTA Beispiel etwas verwirrt.
Grade bei einem Spiel, was einen gewissen Simulationscharakter an den Tag legen will, finde ich, dass die besagten Handlungen möglich sein sollten, selbst wenn ich sie nicht vollführe. Vor allem, wenn sie unabhängig von dem Geschlecht durchführbar sind.
Die Tatsache, dass man dem Spieler das ja auch nicht wegnehmen will, sondern nur aufzeigen, finde ich super, Allerdings würde ich hier gar nicht erst dem Spiel die Schuld in die Schuhe schieben, da es ein halbwegs realistisches Gangsterszenario darstellen will und da gehört sowas nunmal dazu (grade bei LA als Setting).
Das ändert natürlich nichts daran, dass diese Tatsachen vielleicht nicht schön sind.

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