„Zensur“ im Internet

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Haecky
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„Zensur“ im Internet

Beitrag von Haecky »

Wie in der aktuellen Sonntagsfolge aufgeführt wurde, könne es ja im Internet keine Zensur geben da es ja alles „Privat“ ist und in solch einem Fall bis auf die Geltenden Gesetze immer das „Hausrecht“ zur Anwendung kommt.

Ich bin der Meinung dass das Wort Zensur auch bei allen Internetplattformen zum Einsatz kommen muss deren große und öffentliche Zugänglichkeit für eine Meinungsbildung bei einer signifikanten Menge von Usern entscheidend ist.


Wir stellen uns nur mal kurz vor, eine Seite wie Facebook käme auf die Idee alle positiven Meldungen der Parteien zur Wahr zu „zensieren“ und nur die der FDP durchzulassen.
Einfach aus dem Grund, weil das FDP Wahlprogramm am besten zu ihren wirtschaftlichen Absichten passt.
Jetzt kann man sagen die haben da Hausrecht und können bestimmen welche Inhalte auf ihrer Plattform zu sehen sind, aber was würde das mit dem Meinungsbild der Leute machen die den Großteil ihrer Infos über Facebook beziehen?

Jetzt denkt mal darüber nach wenn ALLE großen Seiten von ihrem „Hausrecht“ gebrauch machen und den Leuten nur noch die Infos vorsetzen die ihnen in den Kram passen.

Raptor 2101
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Raptor 2101 »

Worin genau unterscheidet sich diese von dir Beschriebene Verhalten zum Verhalten von Springer, Burda, FAZ, und Spiegel? Es wird nur eine gewisse Geisteshaltung vertreten. Solange es alternativen gibt, ist das auch kein Problem. So "wichtig" wie es immer gemacht wird, ist Facebook nun wirklich nicht.

Der zweite wichtige Unterschied ist, wie aggressiv die Zensur ist. Bei in fast allen Sozialen Netzen lassen sich in privaten Gruppen, weiterhin die "verbotenen" Inhalte austauschen...

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Haecky
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Haecky »

Raptor 2101 hat geschrieben:Worin genau unterscheidet sich diese von dir Beschriebene Verhalten zum Verhalten von Springer, Burda, FAZ, und Spiegel? Es wird nur eine gewisse Geisteshaltung vertreten.
Der Unterschied, besteht darin, das es sich bei "Zeitungen" (auch deren Online angeboren) um ein redaktionelles Werk handelt, nach dem Konsum einiger Machwerke des Verlages, kann man eine Strömung erkennen und entscheiden ob sie einem zusage oder ob man sich nach Alternativen umsieht.
Diese tendenziöse Berichterstattung ist übrigens mit ein Grund für den Vorwurf der Lügenpresse.

Bei Sozialen Medien geht es darum das die Meinungen und Ansichten der User selbst zensiert werden und durch ihre scheinbare Alternativlosigkeit das beeinflussen der Meinung viel leichter ist.


Raptor 2101 hat geschrieben:Der zweite wichtige Unterschied ist, wie aggressiv die Zensur ist. Bei in fast allen Sozialen Netzen lassen sich in privaten Gruppen, weiterhin die "verbotenen" Inhalte austauschen...
Genau darum geht es, es KANN der "verbotene" Inhalte austauscht werden, wenn der Betreiber aber auch hier von seinem "Hausrecht" Gebrauch machen würde, ist ach damit ganz schnell vorbei.


Wenn nicht gegen ein wirklich wichtiges Gesetz verstoßen wird, sollte die "Zensur" von Inhalten auf Öffentlich zugänglichen Seiten grundsätzlich verboten sein.

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Haecky
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Haecky »

Axel hat geschrieben:
Haecky hat geschrieben: Wir stellen uns nur mal kurz vor, eine Seite wie Facebook käme auf die Idee alle positiven Meldungen der Parteien zur Wahl zu „zensieren“ und nur die der FDP durchzulassen.
Einfach aus dem Grund, weil das FDP Wahlprogramm am besten zu ihren wirtschaftlichen Absichten passt.
Jetzt kann man sagen die haben da Hausrecht und können bestimmen welche Inhalte auf ihrer Plattform zu sehen sind, aber was würde das mit dem Meinungsbild der Leute machen die den Großteil ihrer Infos über Facebook beziehen?
Passiert bereits. Durch Algorithmen. Du baust Dir dort Deine eigene Filterbubble auf, bewusst oder unbewusst. Nach einiger Zeit besteht Deine Liste dort nur noch aus Leuten, die Dir politisch zumindest mal näher stehen sowie in anderen Bereichen ähnlich sind. Andere Meinungen kommen dann in der Tat nicht mehr durch.

Das ist dann aber dein Problem, wer nicht über den Tellerrand schauen will, das schaut eben nicht drüber.
Wenn mir aber die Möglichkeit dazu verwehrt wird, dann ist das sehr bedenklich.

Raptor 2101
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Raptor 2101 »

Haecky hat geschrieben: Genau darum geht es, es KANN der "verbotene" Inhalte austauscht werden, wenn der Betreiber aber auch hier von seinem "Hausrecht" Gebrauch machen würde, ist ach damit ganz schnell vorbei.


Wenn nicht gegen ein wirklich wichtiges Gesetz verstoßen wird, sollte die "Zensur" von Inhalten auf Öffentlich zugänglichen Seiten grundsätzlich verboten sein.
Jup und dass ist sein gutes recht. Sein Spielfeld, seine regeln. Frei Meinungsäußerung bedeutet, dass du deine Meinung äußern darfst, nicht dass dir jemand eine Platform dafür bieten muss.

Wenn ich nicht ganz schief gewickelt bin, gibt es in Deutschland nicht mal einen Anspruch auf so etwas wie Internetanschluss. Es währe also legitim, wenn dich z.B alle Provider gleichermaßen vom Netz kappen (mit dir keinen Vertrag eingehen). Du kannst niemanden zwingen dir zuzuhören.

BTW: man kann bei FB auch klar tendenzen (Gewallt und Hetze gut, Sex böse) erkennen und redaktionell sind die jetzt auch... :D

Decius
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Decius »

Haecky hat geschrieben:

Wenn nicht gegen ein wirklich wichtiges Gesetz verstoßen wird, sollte die "Zensur" von Inhalten auf Öffentlich zugänglichen Seiten grundsätzlich verboten sein.
Ach, nur bei wichtigen? Bei unwichtigen Gesetzesbruch ist es egal? Welche Gesetze welchen Landes btw? Kenne zB kein deutsches, das Nippel in Bildern verbietet.

Warum es nicht Zensur ist? Du kannst jederzeit dein eigenes Rechts- (oder Links)-Facebook aufmachen wenn es dir nicht passt was Facebook macht. Wenn deine Meinung so wichtig ist und aus den 7 Milliarden anderen Jammerern heraussticht wird dir dein Freundeskreis ja folgen. Eventuell könnte man argumentieren, dass es was anderes ist, wenn ein Anbieter komplette Monopolstellung hat, aber das ist selbst bei FB, Google und Whatsapp nicht gegeben.

Und das ist eben der Unterschied zu richtiger Zensur. Wenn der Staat sagt Jubel über ISIS fallen unter Terrorismus und du sitzt eventuell 10 Jahre wegen der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, weil du ein Post von Al Bagdhadi likest, ist das ein bisschen was anderes als wenn FB dich deswegen sperrt oder das Post löscht. Bei letzteren kannst du deinen Ball nehmen und auf einem anderen Spielfeld spielen, auch wenn dir weniger zuschauen und es auf den Bänken nach Urin riecht. Bei ersterem kannst du nur das Land verlassen, schweigen oder dich strafbar machen.

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TechniKadger
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von TechniKadger »

Raptor 2101 hat geschrieben: Wenn ich nicht ganz schief gewickelt bin...
Du bist ganz schief gewickelt. Urteil von 2013.
http://www.rp-online.de/wirtschaft/bund ... -1.3147483" onclick="window.open(this.href);return false;

Raptor 2101
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Raptor 2101 »

TechniKadger hat geschrieben: Du bist ganz schief gewickelt. Urteil von 2013.
http://www.rp-online.de/wirtschaft/bund ... -1.3147483" onclick="window.open(this.href);return false;
Tatsächlich nennt das Urteil die "Nutzbarkeit des Internets ein Wirtschaftsgut, dessen ständige Verfügbarkeit ... auch im privaten Bereich für die ... Lebenshaltung von zentraler Bedeutung ist." Darum sei ein Internetzugang für die Menschen ähnlich wichtig in der modernen Welt wie ein Telefon oder ein Auto.
Erstens ging es in dem fall um Schadenersatzt bei nicht erbrachter Leistung. Der mann war schon Kunde bei einem Anbieter. Mir ging es darum, dass dir ein Anbieter fristgerecht kündigt und alle Anbieter keinen Anschluss legen.

mir währe neu, dass du einen Auto-Händler zwingen kannst dir ein auto zu verkaufen. Ein Bank hingegen kannst du zwingen dir ein (Giro)Konto zu gewähren. Bei Providern ist mir kein Urteil bekannt, dass einen Provider zwingt einen Vertrag mit einem Kunden abzuschließen.

Falls ich schief gewickelt bin, was definiert denn Karlsruhe als internet... Vodafail weigert sich mir die passende Leistungen bereit zu stellen :twisted: :mrgreen:

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Haecky
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Haecky »

Raptor 2101 hat geschrieben: Wenn ich nicht ganz schief gewickelt bin,...

Naja, unter Umständen solltest du mal deine Wicklungen überprüfen lassen :D

Da du dir jedenfalls in Deutschland in jedem Supermarkt ne SIMkarte mit Internetzugang holen kannst ist es Faktisch so gut wie unmöglich dich von Internet auszuschließen.

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Haecky
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Haecky »

Raptor 2101 hat geschrieben:
Haecky hat geschrieben: Genau darum geht es, es KANN der "verbotene" Inhalte austauscht werden, wenn der Betreiber aber auch hier von seinem "Hausrecht" Gebrauch machen würde, ist ach damit ganz schnell vorbei.


Wenn nicht gegen ein wirklich wichtiges Gesetz verstoßen wird, sollte die "Zensur" von Inhalten auf Öffentlich zugänglichen Seiten grundsätzlich verboten sein.
Jup und dass ist sein gutes recht. Sein Spielfeld, seine regeln. Frei Meinungsäußerung bedeutet, dass du deine Meinung äußern darfst, nicht dass dir jemand eine Platform dafür bieten muss.

Wenn ich nicht ganz schief gewickelt bin, gibt es in Deutschland nicht mal einen Anspruch auf so etwas wie Internetanschluss. Es währe also legitim, wenn dich z.B alle Provider gleichermaßen vom Netz kappen (mit dir keinen Vertrag eingehen). Du kannst niemanden zwingen dir zuzuhören.

BTW: man kann bei FB auch klar tendenzen (Gewallt und Hetze gut, Sex böse) erkennen und redaktionell sind die jetzt auch... :D

Genau das Meine ich, unter dem Vorwand es Hausrechts ist es das Recht der Sozialmedia Betreiber durch gezielte "Informationsverwaltung" die Leute auf ihrer Plattform zu beeinflussen.
Wenn sie es geschickt anstellen merken die Meisten nix davon.
Und diese Art der "Zensur" gehört meiner Meinung nach verboten.

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TechniKadger
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von TechniKadger »

Raptor 2101 hat geschrieben:...
In dem Urteil ging es ja auch darum, Internet als Grundrecht zu definieren. Ich habe noch nicht gehört, dass der Besitz von Autos vom BGH als Grundrecht definiert wurde. Deswegen zieht dein Beispiel nicht.

Das heißt, sollten dir alle Intertanbieter die Vertragsschließung verweigern, könntest du das mit Bezug hierauf einklagen.

Zudem wurde im Artikel doch explizit ausgesprochen, dass mit diesem Urteil z.B. Filesharing dich nicht vom Zugang zum Internet ausschließen soll. Wenn der Anspruch auf Internet selbst dann nicht verwährt wird, wenn du Gesetze brichst, dann wird er auch nicht verwähren, wenn 'n paar Provider dich nicht leiden können.

zackzackab
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von zackzackab »

Haecky hat geschrieben:Wie in der aktuellen Sonntagsfolge aufgeführt wurde, könne es ja im Internet keine Zensur geben da es ja alles „Privat“ ist und in solch einem Fall bis auf die Geltenden Gesetze immer das „Hausrecht“ zur Anwendung kommt.

[...]

Wir stellen uns nur mal kurz vor, eine Seite wie Facebook käme auf die Idee alle positiven Meldungen der Parteien zur Wahr zu „zensieren“ und nur die der FDP durchzulassen.
Einfach aus dem Grund, weil das FDP Wahlprogramm am besten zu ihren wirtschaftlichen Absichten passt.
Jetzt kann man sagen die haben da Hausrecht und können bestimmen welche Inhalte auf ihrer Plattform zu sehen sind, aber was würde das mit dem Meinungsbild der Leute machen die den Großteil ihrer Infos über Facebook beziehen?
Wer behauptet denn, dass nur "Hausrecht" gilt? Du kannst Dir sicher sein, dass es bei Facebooks Marktmacht zumindest sittenwidrig wäre, wenn es außer einer Partei alle anderen ausschlösse oder versuchen würde, eine Partei gezielt zu bevorteilen. Und selbst wenn man das anders sähe: So schnell könntest Du gar nicht gucken, wie da ein Gesetz in der Welt wäre, das Facebook zwänge, Parteiengleichheit herzustellen, wenn es zu Auffälligkeiten käme.

Maschendraht
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Maschendraht »

Ich finde den Vergleich mit dem Hausrecht immer etwas schief. Das Argument "ich kann doch zuhause bestimmen" ist kein Argument. Denn Facebook und Co. sind einfach nicht bei sich zuhause und wollen ihren Hausfrieden schützen, sondern machen ein öffentliches Angebot. Das Hausrecht soll den Rückzugsraum des einzelnen Bürgers schützen. Wer eine offene Internetseite erstellt, noch dazu in gewaltiger Größenordnung, zieht sich nicht in sein Haus zurück, sondern dominiert den öffentlichen Raum. Was bei Facebook de facto ja auch so ist, da dort nun einmal gesellschaftliche Diskussionen stattfinden. Und Facebook biete den Raum auch gerade dazu an, damit Leute sich austauschen. Wenn sie nun einmal aufgrund ihrer Größe fast schon staatliche Macht haben (d. h. ein Ausschluss von der Seite bedeutet de facto eine Ausschaltung aus der politischen Willensbildung), dann kann man auch darüber nachdenken, ob damit nicht auch eine quasi-staatliche Verantwortung kommt.

Eine tatsächliche Gefahr sehe ich vor allem im Netzdurchsetzungsgesetz. Facebook wird verpflichtet, rechtswidrige Äußerungen kurzfristig zu löschen. Sonst muss Facebook eine Strafe zahlen. Klingt gut, aber die Entscheidung müssen Facebook-Mitarbeiter treffen. Und das ist bei vielen Äußerungen gar nicht so einfach, denn was ist rechtswidrig, und was ist in einer Grauzone, aber noch freie Meinungsäußerung? Das kann ein Laie gar nicht entscheiden. Facebook wird deshalb im Zweifelsfall aus Angst vor Strafe immer für Löschen entscheiden, sobald etwas irgendwie anecken könnte. Das Gesetz wird also zwangsläufig dazu führen, dass legale Äußerungen gelöscht werden. Und dagegen kann der Bürger sich nicht wehren, weil die Seite ja Facebook gehört. Wenn ich eine Diktatur errichten wollte, wäre das genial: Ich nutze die Freiheit der Unternehmen als Hebel, um unliebsame Äußerungen zu unterdrücken, die ich als Staat nicht löschen dürfte, weil der Staat ja an die Meinungsfreiheit gebunden ist. Ich sage nicht, dass Heiko Maas das möchte, aber in der Praxis hat es nun einmal diese Wirkung. Deshalb halte ich dieses Gesetz auch für verfassungswidrig.

Stuttgarter
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Stuttgarter »

Haecky hat geschrieben:
Wir stellen uns nur mal kurz vor, eine Seite wie Facebook käme auf die Idee alle positiven Meldungen der Parteien zur Wahr zu „zensieren“ und nur die der FDP durchzulassen.
Einfach aus dem Grund, weil das FDP Wahlprogramm am besten zu ihren wirtschaftlichen Absichten passt.
Jetzt kann man sagen die haben da Hausrecht und können bestimmen welche Inhalte auf ihrer Plattform zu sehen sind, aber was würde das mit dem Meinungsbild der Leute machen die den Großteil ihrer Infos über Facebook beziehen?
Dann würde ich Facebook schlichtweg nicht mehr nutzen. Das Leben kann so einfach sein.

Du hast kein Grundrecht auf Facebook, und schon gar keins auf ein Facebook, das Dir genehme Themen durchlässt. Du hast kein Grundrecht drauf, in irgend einem Forum dieser Welt zu posten. Du hast kein Grundrecht darauf, überall im Netz das lesen zu können, was Du willst.

Das versuche ich auch schon seit zwei Jahren, PEGIDAlern und AfDlern klarzumachen. Vielleicht hab ich ja wenigstens hier Erfolg.

Stuttgarter
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Stuttgarter »

Was Maas angeht: Gerade Facebook hat nunmal in den letzten zwei Jahren andauernd bewiesen, dass es weder in der Lage noch willens ist, eindeutige volksverhetzende Postings, Gruppen, Seiten zu löschen. Da konnte man als Nutzer soviel melden wie man wollte - es hat tagelang, wochenlang gedauert, bis da endlich was passiert ist, wenn überhaupt. Jeder, der schonmal eine eindeutige Naziseite gemeldet hat, kennt vermutlich die Antwort "Wir haben Deine Meldung geprüft und haben keinen Verstoß gegen unsere Nutzungsrichtlinien festgestellt". Und ich rede von WIRKLICHEN Naziseiten, die das Dritte Reich, den Führer oder den Holocaust verherrlichen.

Insofern ist es logisch, dass die Politik darauf irgendwann reagieren musste. Und es ist ja nicht so, dass Maas' Gesetz ein Schnellschuss war. Dem gingen lang Gespräche zwischen Politik und Facebook voraus. Ohne, dass sich was gebessert hätte.

Ich selbst wurde von Facebook mittlerweile übrigens schon ca. zehn Mal gesperrt (die letzten Male immer für 30 Tage), weil Facebook kein Gespür für Sarkasmus hat. Wenn man beispielsweise den bayrischen Innenminister zitiert auf ironische Art - Sperre. Wenn man besorgten Müll aufgreift und ironisch benutzt - Sperre. Über die Sperren beschwere ich mich aber nicht - ich akzeptiere sie, wenn ich bei Facebook Mitglied sein will. Wenn Maas' Gesetz aber dazu führt, dass eindeutige illegale Inhalte zukünftig auch gelöscht werden, dann werd ich vor allem eins tun. Feiern.

Maschendraht
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Maschendraht »

Stuttgarter hat geschrieben:Ich selbst wurde von Facebook mittlerweile übrigens schon ca. zehn Mal gesperrt (die letzten Male immer für 30 Tage), weil Facebook kein Gespür für Sarkasmus hat. Wenn man beispielsweise den bayrischen Innenminister zitiert auf ironische Art - Sperre. Wenn man besorgten Müll aufgreift und ironisch benutzt - Sperre. Über die Sperren beschwere ich mich aber nicht - ich akzeptiere sie, wenn ich bei Facebook Mitglied sein will. Wenn Maas' Gesetz aber dazu führt, dass eindeutige illegale Inhalte zukünftig auch gelöscht werden, dann werd ich vor allem eins tun. Feiern.
Der bayrische Innenminister feiert vielleicht jetzt schon, weil du zum Schweigen gebracht wirst und es im Namen der Hate-Speech-Bekämpfung auch noch freudig akzeptierst. (ich glaube nicht, dass der echte bayrische Innenminister wirklich feiert, aber generell ist mein Punkt hoffentlich klar.) Warum akzeptierst du so eine Einschränkung deiner Person, damit die rechtswidrigen Inhalte (teilweise) gelöscht werden können? Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.

Stuttgarter
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Stuttgarter »

Maschendraht hat geschrieben:
Der bayrische Innenminister feiert vielleicht jetzt schon, weil du zum Schweigen gebracht wirst und es im Namen der Hate-Speech-Bekämpfung auch noch freudig akzeptierst. (ich glaube nicht, dass der echte bayrische Innenminister wirklich feiert, aber generell ist mein Punkt hoffentlich klar.) Warum akzeptierst du so eine Einschränkung deiner Person, damit die rechtswidrigen Inhalte (teilweise) gelöscht werden können? Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
Weil ich akzeptiere, dass Facebook die Regeln macht.

Siehe mein Post eins drüber - zum Thema Grundrecht und so.

Und sorry - Facebook kann meine Person nicht einschränken. Es kann nur sagen, "Hier schreibst Du sowas nicht".
Es würde der gesamten Internetgemeinde evtl. mal ganz gut tun, sich nicht selbst so ungeheuer wichtig zu nehmen.

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Felidae
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Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von Felidae »

Maschendraht hat geschrieben:
Stuttgarter hat geschrieben:Ich selbst wurde von Facebook mittlerweile übrigens schon ca. zehn Mal gesperrt (die letzten Male immer für 30 Tage), weil Facebook kein Gespür für Sarkasmus hat. Wenn man beispielsweise den bayrischen Innenminister zitiert auf ironische Art - Sperre. Wenn man besorgten Müll aufgreift und ironisch benutzt - Sperre. Über die Sperren beschwere ich mich aber nicht - ich akzeptiere sie, wenn ich bei Facebook Mitglied sein will. Wenn Maas' Gesetz aber dazu führt, dass eindeutige illegale Inhalte zukünftig auch gelöscht werden, dann werd ich vor allem eins tun. Feiern.
Der bayrische Innenminister feiert vielleicht jetzt schon, weil du zum Schweigen gebracht wirst und es im Namen der Hate-Speech-Bekämpfung auch noch freudig akzeptierst. (ich glaube nicht, dass der echte bayrische Innenminister wirklich feiert, aber generell ist mein Punkt hoffentlich klar.) Warum akzeptierst du so eine Einschränkung deiner Person, damit die rechtswidrigen Inhalte (teilweise) gelöscht werden können? Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
Passender Weise lief gerade eben eine Doku auf dem rbb, die sich auch mit diesem Thema beschäftigt hat. Sie heißt "Nervöse Republik", habe sie auch schon in der Mediathek gefunden: http://mediathek.rbb-online.de/tv/Dokum ... d=46003428 (hoffe der Link ist okay)

Aus der Doku geht u.a. hervor, dass sämtliche Parteien in sozialen Netzwerken Opfer von Hassbotschaften werden. Das betrifft die linken und rechten gleichermaßen. Es scheint, als würde Facebook da schon mal keine Unterschiede machen.
Facebook toleriert offenbar erstmal sämtliche Ideologien, selbst wenn sie radikal sind, denn als zwei junge Pegida-Anhänger nach ihrer ersten Informationsquelle gefragt wurden, nannten sie die Pegida-Facebookseite. Und ich muss sagen, dass ich absolut kein Problem damit habe, wenn Beiträge auf einer solchen Seite gemeldet und dann entfernt werden. Auch so eine öffentliche Plattform wie Facebook sollte seine Regeln aufstellen und transparent aufzeigen, was geduldet wird und was nicht. Rassismus, Homophobie und Hetze an sich sind Dinge, die einen angemessenen Diskurs zerstören und da würde es mich nicht stören, wenn Facebook Leute verwarnt oder eben auch Accounts sperrt.
Dass die Melde-Funktion und die Sanktionen seitens Internet-Plattformen nicht optimal und konsequent sind, ist bekannt. Und ich ärgere mich ebenfalls, dass Kommentare, die ironisch gemeint oder sogar zitiert waren, aus dem Verkehr gezogen werden, während Hetze oft stehen bleiben kann. Ich gehe mal davon aus, dass Facebook selbst anstrebt sich da zu verbessern (mit diesem Gesetz von Maas muss ich mich noch näher beschäftigen, um darüber urteilen zu können).

Das hat für mich aber nichts mit der Aufgabe von Freiheit zutun, sondern mit dem Aufstellen und Einhalten von Regeln, die es in einer Gesellschaft immer gibt und die auch in Internet-Gemeinschaften gelten sollten. Wenn man jemanden beleidigt oder bedroht muss man in dieser Welt mit Konsequenzen rechnen, weil man sich nun mal nicht alleine in dieser befindet.

meisterlampe1989

Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von meisterlampe1989 »

Stuttgarter:

Mich würde mal interessieren, was du da so geschrieben hast, um von Facebook so oft gesperrt zu werden. Ich äußere mich sehr oft auf Facebook zu politischen Themen und ich lasse oft kein gutes Haar an Politikern. Ich dürfte mittlerweile damit durch sein, dass ganze Bundeskabinett inklusive Merkel auf Facebook zu beschimpfen. Allerdings nie tief unter der Gürtellinie, nie mit Verleumdnungen. Es wurde bisher noch nicht einmal ein Kommentar von mir gelöscht von einem Moderator der jeweiligen Facebook-Präsenz, zB. SPIEGEL ONLINE. Und ich bin schon bestimmt 5 Jahre auf Facebook.

In China oder Saudi-Arabien säße ich jetzt garantiert schon im Knast.

Oft sind die Leute, die sich über Zensur beschweren auch die, die ziemlich unverschämt kommentieren. Also es gibt sicher Kommentare, die zu schnell gelöscht werden, aber ganz ohne Grund passiert das meist doch nicht.

Dass jetzt bei dem neuen NetzDG Nicht-Juristen im stillen Kämmerlein entscheiden sollen, was jetzt noch Meinungsfreiheit ist und was strafbar, oft im Minutentakt und mit Firmeninteresse im Nacken, erfüllt mich aber auch mit Sorge. Da wird nämlich im Zweifel gegen den Angeklagten entschieden.

vorübergehend
Beiträge: 65
Registriert: 18. Sep 2017, 09:44

Re: „Zensur“ im Internet

Beitrag von vorübergehend »

Man muss hier unbedingt zwischen der rechtlichen und der politischen Ebene unterscheiden. Über die derzeitige Rechtslage ("Hausrecht-Analogie", "kein Grundrecht") zu dozieren, wie es bei solchen Diskussionen immer gemacht wird, ist ja schön und gut. Aber da sollte das Nachdenken anfangen und nicht aufhören. Haecky ist darauf ja auch völlig richtig eingegangen. Deshalb finde ich es immer verfehlt, alles mit einem Hinweis auf die Rechtslage abzubügeln. Es geht auch nicht um den Begriff Zensur, sondern um die Aussage dahinter.

Denn auf politischer Ebene kann man sich schon Gedanken darüber machen, ob ein parteiisches Eingreifen von Facebook in den Meinungsbildungsprozess nicht problematisch ist. Ich fände es auch problematisch, wenn Facebook nicht meinungsneutral Kommentare löschen würde und damit das Meinungsbild bewusst verzerren würde. Auch auf kleineren Seiten finde ich das problematisch. Ich weiß nicht, ob man das gesetzlich angehen kann und sollte, aber es ist ein Problem, über das man nachdenken darf und sollte. Gerade bei Facebook, das einen ganz erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung hat. So steht z.B. in einem Artikel der New York Times:
The question isn’t whether Facebook has outsize power to shape the world — of course it does, and of course you should worry about that power. If it wanted to, Facebook could try to sway elections, favor certain policies, or just make you feel a certain way about the world, as it once proved it could do in an experiment devised to measure how emotions spread online.
https://www.nytimes.com/2016/05/12/tech ... ml?mcubz=3

@TechniKadger: Du hast das Urteil komplett missverstanden. Es ging lediglich darum, ob der Internetprovider, mit dem ein gültiger Vertrag bestand, für den "Nutzungsausfall", weil kein Internet bereitgestellt wurde, Schadensersatz zahlen muss. Dass in dem Artikel was von Grundrecht steht, zeigt, dass der Journalist das ebenfalls nicht verstanden hat. Es gibt meines Wissens nach kein Grundrecht oder einen Anspruch auf einen Internetanschluss. Finde es sehr unglücklich, andere Nutzer mit komplett falschen Informationen zu belehren. (Edit: Das Urteil zum Nachlesen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-b ... os=0&anz=1)
Stuttgarter hat geschrieben:Weil ich akzeptiere, dass Facebook die Regeln macht.
Aber das tust Du ja gerade nicht, wenn Du Maas' Gesetz gut findest. Wenn Du es gut findest, wenn der Staat vorschreibt, was Facebook löschen muss, wieso sollte er nicht auch vorschreiben können, was Facebook nicht löschen darf?
Zuletzt geändert von vorübergehend am 18. Sep 2017, 11:42, insgesamt 1-mal geändert.

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