En detail: Bioshock Infinite

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Heretic
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von Heretic » 10. Dez 2017, 11:01

"Burial At Sea" Teil 2 hat mir am besten gefallen. Gerade weil es so eine wilde Mischung aus Walking Sim, Schleichspiel und Mindfuck ist. Man merkt zwar, dass das Spiel ursprünglich nicht aufs Schleichen ausgelegt war, aber das hat mich kaum gestört. Und Elizabeth kann auch nicht im Weg rumstehen. ;)

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Fährmann
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von Fährmann » 10. Dez 2017, 11:42

Storytechnisch lohnen sich die DLCs absolut. Es ist das legitime dritte Kapitel dieser Erzählung. Außerdem wird die Geschichte von Elizabeth großartig beendet. Der zweite DLC ist außerdem sehr unterhaltsam, wenn man ihn im 1998er Modus spielt.

Und apropos Schwierigkeitsgrad:

Ich steige erst jetzt in die Diskussion ein, weil ich den Podcast erst heute morgen gehört habe. Ich gehöre zu der Minderheit, die der Meinung ist, dass das Gameplay von Infinite nicht weniger als großartig ist. Dieser Mythos "Die Handlung ist super, aber die Shooterpassagen langweilig" liegt in meinen Augen daran, dass der Standardschwierigkeitsgrad "Mittel" ungünstig gewählt ist. Denn:

- Wenn ich Shooter nicht mag und es mir prinzipiell um die Story geht, ist "mittel" größtenteils repetetiv, hat aber immer noch einige nervige Difficultyspikes, insbesondere im letzten Bosskampf. Repetetiv ist er deshalb, weil es die dominant strategy gibt, einfach alle umzuschießen, die einem vor die Flinte laufen. Das Shootergameplay hat dann wenig mehr zu bieten als ein durchschnittliches Serious Sam.

- Deswegen spricht in meinen Augen nichts dagegen, das Spiel beim ersten Durchlauf auf "leicht" zu spielen, wenn man es für die Story spielen will

- Der Schwierigkeitsgrad "schwer" und noch besser der 1999er-Modus ist mit Sicherheit die Einstellung, mit der das Spiel als Standard programmiert wurde. Das sieht man auch daran, dass der Arena-DLC "Clash in the Clouds" mit den Regeln des schweren Schwierigkeitsgrads funktioniert. Hier gibt es "einfach umschießen" als dominante Strategie nicht mehr. Im Gegenteil werde ich gezwungen, alle Mechaniken zu nutzen, die das Spiel mir gibt.

- Weil man doppelt so schnell stirbt, geht es nicht mehr alleine darum, Gegner zu töten, sondern Gegner möglichst schnell und effektiv zu töten. Denn sobald man geflankt wird oder zu lange in der Schusslinie steht, hat man verloren. Also nutzt man das komplette Repertoire des Spiels: Man versteckt sich hinter Deckungen, wechselt die Deckung in kurzen Abständen (und sucht sich dafür Exit-Strategien), nutzt Skylines und findet heraus, für welchen Gegnertyp es welche ideale Herangehensweise gibt: Handymen reißen mich aus jeder Deckung und sind hochgradig gefährlich, wenn man sie nicht mit Murder Of Crow ablenkt. Die Krähenmänner verschwinden immer wieder, wenn ich sie nicht mit Bucking Bronko in die Luft wirbele. Die Patriots können gut mit Possession übernommen werden: In der kurzen Zeit, in der sie ihre eigenen Leute angreifen, kann ich in deren Rücken laufen, wo sie ihren Weakspot an den Zahnrädern haben. Sniper sorgen dafür, dass sie gewisse Teile des Schlachtfeldes für mich unpassierbar machen, bis ich sie erledigt habe.

- Und bei allem gibt es ein Risk vs. Reward System: Ich brauche für jeden Gegner das passende Vigor. Schaffe ich es aber, einen Gegner ohne Vigor auszuschalten, habe ich mehr Eve übrig, um mir den späteren Verlauf des Kampfes zu vereinfachen.

- Seinen Höhepunkt erreicht das Spiel im 1999er Modus. Denn hier wird Sterben noch schwerwiegender, weil jede Wiederbelebung 100 Goldmünzen kostet und das Spiel vorbei ist, wenn man kein Geld mehr hat. Die Kämpfe werden zu herausfordernden Arena-Puzzles, die noch komplizierter werden, weil man sich irgendwann auch einprägt, wo innerhalb eines Schlachtfeldes die Heilgegenstände liegen. Typischerweise kann man ja einmal über das Schlachtfeld laufen und sich alles ansehen, bevor die Gegnerwellen spawnen. Wenn man ohne Eve plötzlich auf einen Handyman trifft, muss man genau wissen, wo die letzte Dosis Eve liegt, weil man sonst den Kampf garantiert verlieren wird.


Daher mein Fazit: Wenn man sich die Mühe macht, sich das Spiel auf diese Art und Weise zu erschließen, ist Bioshock Infinite einer der tollsten Shooter der Welt. Und es ist nicht einfach nur ein Shooter, sondern ein "Immersive Sim Shooter", in der mir etliche verschiedene Systeme gegeben werden, die ich individuell nutzen und kombinieren kann / muss, um zu gewinnen. Es ist einer der tollsten First Person Run&Guns, das sich auch deshalb so gut anfühlt, weil (wenn ich mich recht erinnere) ein hochrangiger Gears-of-War-Entwickler bei der Produktion beteiligt war.


Fußnote: Dieselbe Situation gab es schon beim ersten Bioshock. Aber da entsprach der Schwierigkeitsgrad "mittel" dem "schwer" bei Infinite. Bei Bioshock musste man ab "mittel" alle Mechaniken des Spiels nutzen und etwa auch Munition craften und diese für jeden Gegnertyp gesondert auswählen. Auf "einfach" war Bioshock ne stupide Schießbude.

naemlichmith
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von naemlichmith » 11. Dez 2017, 02:36

Meiner Ansicht nach eine der besten Folgen aller Zeiten von Euch! Hätte EUch noch Stunden zuhören können! Eine wahre Freude :D

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Leonard Zelig
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von Leonard Zelig » 11. Dez 2017, 19:51

Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben:Ich habe die erste Hälfte von Burial at Sea nach etwa zwei Stunden abgebrochen, da passt mir zu viel nicht und nervt. Ich mag die Splicer nicht, das Leveldesign ist blöd, weil schlecht lesbar und es gibt technische Schwierigkeiten, wie Probleme bei Den Tastenzuordnungen oder Elizabeth, die im Gegensatz zum Hauptspiel, andauernd im Weg rumsteht.
Fand die auch nicht besonders gelungen. Die zweite Hälfte hab ich dann relativ schnell abgebrochen, weil ich mit der Schleichmechanik nicht klarkam.

Minerva's Den (Bioshock-2-DLC) will ich unbedingt noch spielen, vielleicht hol ich mir irgendwann mal die Collection für PS4.
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Peter
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von Peter » 12. Dez 2017, 08:32

Großes Lob für die tolle Folge! Die hat mir tatsächlich deutlich besser gefallen, als das Spiel an sich, dessen ätzendes Shooter-Gameplay mir damals jegliche Freude an BI verdorben hat.

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derblaueClaus
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von derblaueClaus » 15. Dez 2017, 23:39

Dem großen Lob für die Folge schließe ich mich an. Ist meine Lieblingsfolge bisher. Ohne den werten Herren zu nahe treten zu wollen: Das mag auch am besprochenen Objekt liegen. :P

Als Geschichtsfreak, gerade auch was amerikanische Geschichte angeht sind mir noch ein paar Ergänzungen eingefallen.

André erwähnt den weißen Stern auf blauem Grund als (Teil der) Flagge Columbias. Tatsächlich hat diese Art der Flagge eine Vorgeschichte in der realen Welt. Das ist die sogenannte Bonnie Blue Flag und war eine der Symbole der nicht gerade unrassistiscchen Konföderierten Staaten. Als sich Mississippi 1861 für unabhängig erklärte holten die Bürger die damalige US-Flagge in ihrer Hauptstadt ein und hissten als Zeichen ihrer Unabhängigkeit die Bonnie Blue Flag. Die wurde als Zeichen daraufhin so populär, dass mehrere Staaten den weißen Stern auf blauem Grund in ihr Staatswappen einbanden. Wie eben auch Columbia.

Interessant ist auch die die drei verehrten Gründungsväter Washington, Jefferson und Franklin zumindest ein zwiespältiges Verhältnis zur Sklaverei hatten. Alle drei waren Sklavenhalter und haben sich erst spät oder garnicht gegen die Institution ausgesprochen. Das steht im krassen Gegensatz zu anderen Gründungsväter wie John Adams und Alexander Hamilton die sich von Anfang an klar gegen Sklaverei ausgesprochen haben. Auch hier wirft die rassistische Gesellschaft von Columbia ihre Schatten voraus.

Zum Thema Religion und Abolitionisionismus lasse ich mich hier mal nicht aus, damit würde ich Seiten füllen und vermutlich sämtliche Leser vergraulen. Solltet ihr mal ein Spiel zum amerikanischen Bürgerkrieg besprechen, stelle ich mich dazu dann gerne zur Verfügung. :D

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Blaight
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von Blaight » 27. Dez 2017, 12:13

Eine En Detail Reihe würde mir hier gefallen - eben weil gerade Jochen auch noch soviel zum geschichtlichen und kulturellen Unterbau der Amis beitragen kann.

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toxic_garden
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von toxic_garden » 27. Dez 2017, 13:05

derblaueClaus hat geschrieben:Solltet ihr mal ein Spiel zum amerikanischen Bürgerkrieg besprechen, stelle ich mich dazu dann gerne zur Verfügung. :D
Ein "en Detail" zu North & South? :dance:
Mein Name ist Guybrush und ich verkaufe diese feinen Lederjacken.

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Dr. Zoidberg [np]
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] » 3. Jan 2018, 01:27

BioShock Infinite ist im aktuellen Humble Bundle zu haben: https://www.humblebundle.com/games/scri ... cks-bundle" onclick="window.open(this.href);return false;

Freitag
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von Freitag » 3. Jan 2018, 22:58

Habe Bioshock Infinite vor einigen Tagen beendet und En Detail nachgehört. Fantastischer und sehr interessanter Podcast, das hat richtig Spaß gemacht!
Das Spiel selber ist erzählerisch beeindruckend, das Shooter-Gameplay besser als befürchtet. Hätte zwar ein paar Dinge zu beanstanden und es bleibt die Frage, ob ein Shooter für die Erzählung notwendig/ sinnvoll war. Aber gut.

Den DLC Burial at Sea habe ich allerdings abgebrochen, da hat mich das Gameplay dann wirklich gestört. Dafür werde ich in ein paar Wochen Bioshock 1 nochmal eine Chance geben.

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Taro
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von Taro » 5. Jan 2018, 21:31

Ich komme mal wieder leider viel zu spät, weil ich die Folge vorhin erst hören konnte. :(

Aber großes Lob, hat mir sehr sehr gut gefallen und von mir aus könnt ihr das Spiel in dem Format bis zum Ende durchziehen, dafür würde ich sogar extra zahlen.^^

Eine kurze Anmerkung bzw. Korrektur noch:
Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben: Nach Paris kommt man im Hauptteil und zwar im Jahre 2005, weil da gerade "Die Rache der Jedi(!)" läuft (siehe https://www.dropbox.com/s/qgyrjtge6qjfi ... 1.jpg?dl=0" onclick="window.open(this.href);return false;). Schönes Beispiel hier auch für die ganzen Paralleluniversen :mrgreen:
Das ist nicht das Jahr 2005, sondern 1983, der Titel "Revenge of the Jedi" war damals der geplante Veröffentlichungs-Titel von "Return of the Jedi" der vor Release noch umbenannt wurde, da der etwa ein Jahr vorher erschienene "Star Trek - Der Zorn des Khan" im Original ursprünglich "The Revenge of Khan" heißen sollte, dann hatte man sich aber bei Paramount umentschieden und das "Revenge" gegen "Wrath" ausgetauscht und George Lucas hat sich dann dazu entschieden es beim "Return" zu belassen, weil er das sowieso passender fand, da seiner Meinung nach Jedi keine Rache üben.
Es war also eine clevere Anspielung auf ein Parallel-Universum in dem der Name niemals geändert wurde. ;)

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derblaueClaus
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von derblaueClaus » 5. Jan 2018, 21:52

toxic_garden hat geschrieben:
derblaueClaus hat geschrieben:Solltet ihr mal ein Spiel zum amerikanischen Bürgerkrieg besprechen, stelle ich mich dazu dann gerne zur Verfügung. :D
Ein "en Detail" zu North & South? :dance:
Unter Ultimate General: Civil War mache ich es nicht. ;)

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Dr. Zoidberg [np]
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Re: En detail: Bioshock Infinite

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] » 6. Jan 2018, 11:43

@Taro: Nettes Detail, wusste ich gar nicht. Danke!

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