Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

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Skizzenbildner
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Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Skizzenbildner » 14. Jan 2018, 12:11

Auf Twitter macht gerade folgender Artikel die Runde:

Link zum Beitrag:
Das „authentischste“ Historienspiel aller Zeiten?! Die gewaltige Schräglage von „Kingdom Come: Deliverance“
https://lepetitcapo.wordpress.com/2018/ ... liverance/" onclick="window.open(this.href);return false;

Tweet zum Beitrag u.a. mit ersten Reaktionen von Fabu und RBTV:
https://twitter.com/lepetitcapoLP/statu ... 0833626113" onclick="window.open(this.href);return false;

Vielleicht ein guter Ausgangspunkt, um sich dieses Thema mal genauer anzusehen?
Zuletzt geändert von Skizzenbildner am 24. Feb 2018, 15:52, insgesamt 3-mal geändert.
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Miller734
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Miller734 » 14. Jan 2018, 12:19

Habe das auch gerade gelesen.

Zusammengefasst: Hoffe das die Entwickler an meinem Kickstarter Geld ersticken.

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Raptor
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Raptor » 14. Jan 2018, 12:52

goschi hat geschrieben:kann das einer zusammenfassen, worum es geht und was das Problem genau ist?
Der Chefentwickler von Kingdom Come: Deliverance ist ein Rassist und Sexist und bringt das ins Spiel auch genau so ein.

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Umashmepara
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Umashmepara » 14. Jan 2018, 13:02

Es geht auch um den Umgang der Medien mit dem Thema.

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Alienloeffel
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Alienloeffel » 14. Jan 2018, 13:21

Ich bin mir der Gesellschaftlichen Lage in Böhmen zu der Zeit nicht so bewusst, kann das also ohne Recherche nicht so gut beurteilen. Sich gegen Historiker hinstellen, wenn das einzige Argument der Geburtsort ist, ist schon dummdreist.
Das ganze Männer gelaber ist aber auch ziemlich scheiße. Und wer hat eigentlich "community wisdom" erfunden? Wie dämlich ist es denn, tatsächlich zu glauben, die Mehrheit wirds schon richtig sehen...
Und zu Burzum: Varg Vikernes ist ein ziemlich kaputter Typ, ich glaube fast, der Kerl ist mit seinem Geschwurbel sogar schlecht fürs Image der Nazis. Tatsächlich gilt Burzum in Black Metal Kreisen als wegweisend und insbesondere dieses Genre hat mit der Abkehr von elitärem scheißgelaber durch ego gestörte Möchtegerns sehr große Probleme (deswegen muss man eeewig recherchieren ob band xy sauber ist, was einem die Musik echt schnell verrät).

Habe zwar keinen PC, der das könnte, kaufen würde ich es jetzt aber auch nicht mehr.

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Felidae
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Felidae » 14. Jan 2018, 14:22

Danke für diesen Artikel. Ich bin froh, jetzt über diese Hintergründe Bescheid zu wissen. Da ich das Projekt "Kingdom Come" ganz spannend fand, bin ich besonders schockiert, dass dahinter solche Personen stecken. Und genau wie lepetitcapo wundere auch ich mich, dass die Haltung und Äußerungen Vávras, die er ja nicht mal geheim hält, in der Presse nicht mehr besprochen bzw. innerhalb der Branche bewertet oder gar sanktioniert werden. Bei einer Google-Suche nach dem Namen "Daniel Vávra" finde ich auf den ersten 5 Seiten (weiter habe ich nicht geguckt) keinen einzigen deutschsprachigen Beitrag zu seinen Aussagen. Obwohl diese Thematik schon eine Weile im Raum zu stehen scheint (z.B. findet man einen englischsprachigen Artikel aus dem Jahr 2015 auf Kotaku).

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Puschkin
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Puschkin » 14. Jan 2018, 14:28

Das mit den Band T-shirts ist ja dabei das uninteressanteste.

Und auch hier müsste man dann mal schauen was im Werk von den Ideen und dem Weltbild der Autoren übrigbleibt.
Auch so einer wie Vavra wird "den Tod des Autors sterben" :lol: Die größte Demütigung für so jemand wäre vielleicht eine Modding Community die das alles zur Grundlage für etwas nimmt, das ihm nicht gefallen dürfte ;-)

Das Argument man könnte "Geschichte fühlen" oder am besser nachempfinden, beurteilen weil man im selben Ort geboren/aufgewachsen oder sonst etwas ist, ist aber wirklich absurd. Warum soll diese Prämisse hier funktionieren? Wenn das stimmt würde das Geschichtswissenschaft hinfällig machen.
Oder es erinnert mich an die Argumentationsform Identitäts-Empowerment-Strategien wo Leuten abgesprochen wird etwas zu beurteilen oder sie weil Ihnen eine sozialisation/kulturelle Prägung etc. fehlt. So eine Art Ad hominem Argument.(siehe unten)

Wenn das Streiten von jemand gegen vermeintlich fehlende Meinungsfreiheit nur darauf basiert, dass ihm nicht passt das die Meinungsfreiheit der anderen auch für ihre Kritik an ihm gilt, der darf gerne weiterhin ungehört bleiben.


Das Ad hominem (Schein)Arguments erweitert um die Prämisse das ein bestimmtes Merkmal notwendig sein muss damit etwas richtig ist.
A behauptet, dass p.
A fehlt das Merkmal x.
Wer das Merkmal x nicht aufweisst kann das nicht beurteilen.
Daher: p ist abzulehnen.

Der umgekehrte Fall, p sei zuzustimmen weil es von einem Merkmalsträger kommt, gilt natürlich auch.
Das Argument kann schon auch Sinn machen, wenn es etwa um eine Wissenschaftlichebehauptung geht und das Merkmal "Universtitätsmitarbeiter der zwei Dr.-Titel hat und seit 10 Jahren in diesem Feld forscht" heisst. Aber selbst dann kann der Mensch ja immer noch stuss erzählen.

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Baixi
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Baixi » 14. Jan 2018, 14:54

Hallo zusammen, ich bin großer Fan von The Pod und ich bin eher der Stille Genießer der gerne qualitativ hochwertige Sachen wie The Pod konsumiert. Ich spiele und lebe die Gameskultur bis aufs letzte aus.

Zum eigentlichen Thema wollte ich eigentlich nur sagen, dass die spannende Frage lautet: "Wird die Spielepresse national sowie international darauf Bezug nehmen, oder werden Sie alle schweigen?"
Den die Sache ist ein kleines Desaster aus Presse Sicht.

Folgendes ging mir heute so durch den Kopf.

Warhorse Studios ist ein unabhängiges Studio das für viele Kritiker ein Projekt auf die Beine gestellt hat, welches ein forderndes und kein so verwelktes Spiel entwickelt wie etwa Dragon Age oder die letzten The Elder Scrolls. Ich glaube es will sich keiner vorwerfen lassen wollen, dass man die Entwickler dafür bestraft, dass ein paar Heads of Warhorse falsche Weltbilder pflegen. Trotzdem muss man aus neutraler ideologische r Sicht aufzeigen und darauf hinweisen.

Was erschwerend hin zukommt ist, dass EA und Activision die letzten Monaten mit ihren verwelkten und nicht kreativen Spielen + der ganzen Lootboox und Mircotransactions Debatte, für ein schlechtes Image in der Industrie sorgten. Darauf folgend wird keiner der großen Magazine diesen Missstand von Warhorse aufzeigen um im schlimmsten Fall im Nachhinein der zu sein der ein unabhängiges tschechisches Studio kaputt geredet hat.

Ich freute mich auf das Spiel, nur werde ich keinen Cent an Menschen investieren, die so ein rechtes Weltbild pflegen und propagieren.
Mit freundlichen Grüßen

Baixi :dance:

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Desotho
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Desotho » 14. Jan 2018, 15:30

Da ich es eh schon auf Kickstarter unterstützt habe, werde ich es auch spielen. Hätte ich es mit dem Wissen unterstützt? - Wohl nicht.
Auf der anderen Seite: An wie vielen Computerspielen haben wohl Leute gearbeitet mit einer fragwürdigen EInstellung? Nur von denen wissen wir es halt nicht.

Am Ende ist dann wohl interessant was von diesen fragwürdigen Einstellungen im Spiel gelandet ist. Wobei ich in einem Mittelalterspiel jetzt auch nicht farbige Mitmenschen und gleichberechtigte Frauen erwarten würde.
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NDA
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von NDA » 14. Jan 2018, 15:44

Richtig. Für mich nur ein Sturm im Wasserglas, interessiert mich jetzt nicht besonders.
Bái Zuô!

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Heretic
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Heretic » 14. Jan 2018, 16:46

Mal abgesehen vom Inhalt: Der verlinkte Text ist grausam zu lesen. Sätze wie "Ein*e Schelm*in, welche*r denkt..." beweisen echt, dass man es mit dem Gendern auch übertreiben kann.

Der Herr Vávra scheint gesinnungstechnisch aber schon ein wenig seltsam drauf zu sein. Ich würde ihn zwar aufgrund eines Burzum-Shirts nicht direkt in die rechte Ecke stellen (Vikernes ist zwar ein Psychopath, hat aber meines Wissens nach auf den Burzum-Alben keine Nazi-Texte verbrochen), aber einige seiner Aussagen finde ich durchaus fragwürdig.
Desotho hat geschrieben:Am Ende ist dann wohl interessant was von diesen fragwürdigen Einstellungen im Spiel gelandet ist.
So sieht's wohl aus. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass man sich einen möglichen Verkaufserfolg mit offen im Spiel propagiertem rechtslastigen oder frauenfeindlichen Gedankengut versauen möchte. Ich erwarte in einem Mittelalter-Spiel, das einen gewissen Grad an Realismus anstrebt, beispielsweise keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Die Frage ist halt nur, ob das Spiel diesen historisch wohl korrekten Zustand in irgendeiner Form positiv darstellt. Oder z. B. rassistische Handlungsweisen verherrlicht. Dann würde ich das Ding direkt von der Platte fegen.

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Felidae
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Felidae » 14. Jan 2018, 17:21

Desotho hat geschrieben:Auf der anderen Seite: An wie vielen Computerspielen haben wohl Leute gearbeitet mit einer fragwürdigen EInstellung? Nur von denen wissen wir es halt nicht.

Eben, wenn man es nicht weiß, kann man auch keine Konsequenzen daraus ziehen, wie z.B. das Produkt nicht zu kaufen. In diesem Fall wissen wir aber jetzt um die Gesinnung einzelner Mitarbeiter (einer davon ist sogar der Lead Designer) dieser Firma und daher werde ich diese nicht unterstützen. In diesem Fall geht es ja auch nicht darum, dass es sich um Gerüchte handelt und man Personen evtl. etwas unterstellt. Daniel Vávra macht ja selbst keinen Hehl aus seiner Einstellung.
Desotho hat geschrieben:Wobei ich in einem Mittelalterspiel jetzt auch nicht farbige Mitmenschen und gleichberechtigte Frauen erwarten würde.

Auch auf die Gefahr hin als Besserwisserin dazustehen, tatsächlich ist die Bezeichnung "farbig" problematisch, da es impliziert, dass Schwarze "eine Farbe" haben, während das bei Weißen nicht der Fall ist. Schwarz und weiß sind aber entweder beides Farben oder keine wirklichen Farben :) Nicht böse gemeint, ich wollte es nur erwähnen. Abgesehen davon, gab es im Mittelalter tatsächlich schwarze Menschen in Europa, das geht z.B. auch aus Märendichtungen hervor.
NDA hat geschrieben:Richtig. Für mich nur ein Sturm im Wasserglas, interessiert mich jetzt nicht besonders.
Ich halte es nicht für einen Sturm im Wasserglas, denn einen "Sturm" gab es ja meines Wissens noch gar nicht, obwohl der eigentlich nötig wäre, wenn eine Person in dieser Position solche Dinge von sich gibt.

Voigt
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Voigt » 14. Jan 2018, 17:49

Der Artikel schon an sich lesenswert, aber lest dann dabei auch unbedingt die verlinkten Quotes. Für mich sind seine Aussagen viel weniger dramatisch als dargestellt, und der "Artikel" ist halt schon sehr verreißend.

Was ich rauslese: Vavra ist Konservativ, Stolz auf seine Region und sein Spiel und möchte nicht das jemand von außen einfach so reinredet. Er ist Verfechter der White European Theory, die ja wohl auch Witcher 3 hat (warum wurde das dafür nicht kritisiert, klar die hatten Fantasy Völker, aber warum keine Andersfarbigen?). Er ist als Konservativer gegen SJW. An sich scheint er auch leicht sexistisch zu sein, da er die Rolle der Frau im Mittelalter arg klein redet, als hätten die garkein Einfluss.
Außerdem gibt es an sich keine Möglichlkeit für eine weibliche Hauptfigur im Spiel, obwohl es früher angedacht war. Ohne Quote geht Autor davon aus, dass es Vavras Schuld ist, weil der das nicht haben möchte, keine Finanziellen/Technischen Gründe sind möglich..

Bezeichnend ist auch der Begriff "paganistische Ideologie", als wäre das was schlimmes. Vavra ist halt auch Fan Burzum ist, ein Metal-Musiker mit so einer rechten Gesinnung wie Onkelz. Nicht direkt offen rassistisch/nazi aber bedient sich stark deren Rhetorik.

Zwischendit: Mir wurde zugetragen das Vikernes aus der Band Burzum ein deutlich größerer Depp als Onkelz sei.

In dem Artikel trifft halt ein SJW auf ein Anti-SJW Aufeinander. Der Autor hat einige gute Argumente für seine Aussage, die geht aber auch unter in der Hasstriade die er aufmacht, und bauscht es stark auf.
SpoilerShow
https://twitter.com/DanielVavra/status/ ... verance%2F

„They will tell you that you should be ashamed, because you are privileged. You are white, you are healthy, you are rich and it’s your fault that there are others who are not as lucky as you. So you must redeem those crimes by doing what those social justice warriors think will please those who are not privileged enough. And if you don’t, they will jump on you and give you a hard time. Nobody wants to be called sexist, misogynistic, rape culture supporter, and everybody kind of agrees that it’s great to help people who were not as lucky as them, so for some time this works.

The problem is that this is not enough. At the same time, these people persuade those that are not so lucky that they are victims. They make enemies out of people.“

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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Skizzenbildner » 14. Jan 2018, 17:56

Voigt hat geschrieben:Der Artikel schon an sich lesenswert, aber lest dann dabei auch unbedingt die verlinkten Quotes. Für mich sind seine Aussagen viel weniger dramatisch als dargestellt, und der "Artikel" ist halt schon sehr verreißend.
Stimme zu. Dennoch handelt es sich hier um ein Thema, das man meiner Ansicht nach weiter verfolgen sollte. Auch wenn sich der Blog-Autor in sehr tendenziöse Formulierungen versteigt: Am Ende darf und muss das Spiel (!) kritisch auf seinen Anspruch untersucht werden, eine realistische Darstellung des damaligen Mittelalters zu sein. :)
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Voigt
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Voigt » 14. Jan 2018, 18:07

Da stimme ich vollkommen zu.
Das Spiel hat sich einige Schwächen, und ist auf bestimmen Augen blind, da sollte man schon draufschauen. Auch kann ich Leute verstehen die meinen, das ist schon für die zu krass, und wollen das Spiel jetzt nichtmehr kaufen. Ich persönlich finde es bloß nicht so schlimm.
Wie gesagt, einige angesprochene Punkte in dem Artikel sind sehr gut, und sollte drüber diskutiert werden.
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von toxic_garden » 14. Jan 2018, 18:16

Heretic hat geschrieben:Mal abgesehen vom Inhalt: Der verlinkte Text ist grausam zu lesen. Sätze wie "Ein*e Schelm*in, welche*r denkt..." beweisen echt, dass man es mit dem Gendern auch übertreiben kann.
das Fass würdde ich aus eigener Erfahrung eher nicht aufmachen. :D

Ansonsten ist es halt immer das gleiche Spiel: jemandem wird unterstellt, aufgrund eines Indizes (in dem Fall ein Burzum-Shirt) Anhänger einer Ideologie zu sein. Und weil er sich nicht sofort mit Händen und Füssen gegen des hysterische Gekreische wehrt und zu seinem Bild steht, dass er für das Spiel erdacht hat, ist er jetzt halt ein misogyner Nazi. Es gibt bei diesem Thema einfach keine Zwischentöne. Er sagt nicht "ich lebe hier, deswegen ist meine geschichtliche Version korrekt", sondern er sagt "ich habe mich über die Region, in der ich lebe, informiert". Aber so viel Differenziertheit ist sicherlich in einem Diskurs dieser Art nicht zu erwarten.

Was ich in der Zwischenzeit von ihm direkt gelesen habe, lässt mich zu dem Schluss kommen, dass er ein konservativ ausgerichteter Mensch ist, desssen Weltbild von Vielen als überholt und archaisch angesehen werden kann. Soll es geben. Es ist aber bei weitem nicht in einem Ausmaß in irgendeiner Richtung so extrem, dass ich deswegen das Spiel, die Person oder die Firma um jeden Preis meiden müsste. Täte ich das jedes mal, wenn mir die Privatmeinung eines Spieleherstellers gegen die Eigene geht, würde ich wohl immer noch auf einem 486er spielen.
Zuletzt geändert von toxic_garden am 15. Jan 2018, 12:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Heretic
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Heretic » 14. Jan 2018, 18:20

Voigt hat geschrieben:Bezeichnend ist auch der Begriff "paganistische Ideologie", als wäre das was schlimmes. Vavra ist halt auch Fan Burzum ist, ein Metal-Musiker mit so einer rechten Gesinnung wie Onkelz. Nicht direkt offen rassistisch/nazi aber bedient sich stark deren Rhetorik.
Kann man schwer vergleichen, da völlig andere Baustellen. Die Onkelz hatten zu Anfang ihrer Karriere zwei eindeutig rassistische Liedtexte, distanzieren sich aber seit Jahrzehnten davon, u. a. mit ebenso eindeutigen Texten. Vikernes ist wohl den umgekehrten Weg gegangen und langsam aber sicher zum Nazi mit äußerst verqueren Ansichten mutiert. Außerdem ist er ein Mörder und hat eindeutig einen an der Klatsche. Allein deshalb würde ich darauf verzichten, ein Burzum-Shirt zu tragen - selbst wenn ich nur ein Fan der Musik und den unpolitischen Anfängen der Band wäre.

Sanity Assassin
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Sanity Assassin » 14. Jan 2018, 18:38

Voigt hat geschrieben:Vavra ist halt auch Fan Burzum ist, ein Metal-Musiker mit so einer rechten Gesinnung wie Onkelz. Nicht direkt offen rassistisch/nazi aber bedient sich stark deren Rhetorik.
Ich würde den Rest deines Beitrags unter "kann man so sehen" verbuchen, aber der Abschnitt hier ist aus meiner Sicht falsch. Vikernes ist definitiv offen rassistisch, der Mann wurde wegen entsprechender Äußerungen 2014 in Frankreich wegen Volksverhetzung verurteilt.
Bei Wikipedia kann man außerdem folgendes lesen:
In the late 1990s, "to avoid confusion" and "to find a term more suitable and accurate", Vikernes coined the name "Ôðalism" for his beliefs, based on the Odal rune. He explains that Ôðalism encompasses "Paganism, traditional nationalism, racialism and environmentalism". Vikernes contrasts it with "modern 'civilization'" which he equates with "capitalism, materialism, Judeo-Christianity, pollution, urbanization, race-mixing, Americanization, socialism, globalization, et cetera".
Toll auch seine Begründung, wieso er sich nicht als Nazi sieht:
In a July 2005 statement on his website, Vikernes explained that although he "occasionally used the term 'nazism' to describe [his] ideological foundation", he no longer describes himself as such: "The reason I have been drawn to and occasionally have expressed support for 'nazism' is mainly because many of the Norwegian (and German) 'nazis' embraced our Pagan religion as our blood-religion and they rejected Judeo-Christianity as Jewish heresy".[87] He identifies three things which distinguish him from the "Nazis": "unlike them I am not socialistic (not even on a national level), I am not materialistic and I believe in (the ancient Scandinavian!) democracy".[87] He expressed a desire to not be associated with anti-Slavic sentiments.[87] He also states that though he is a racist in the sense that he acknowledges physical and mental differences between the races, he hates no one and in general states that "hatred is irrational".[49]
Na bravo, er hasst also niemanden. Dazu noch kurz folgender Artikel: Advanced Discrimination & Dragons: A Critical Look at Varg Vikernes’ Myfarog RPG
Lesetipp: die Beschreibung der "Sicarii"-Religion. Da sieht man sehr gut, wieso die französische Justiz von seiner antisemitischen Haltung überzeugt war.

Ich weiß, dass gerade in Black-Metal-Kreisen gern darauf verwiesen wird, seine Musik sei nun mal wegweisend für das Genre und ja auch in den Texten gar nicht politisch geprägt, man könne deshalb die Musik vom Musiker trennen. Mal abgesehen davon, für wie sinnvoll man so eine Argumentation bei einem Ein-Mann-Projekt, dessen Musik zu einem erheblichen Anteil nach seiner Mordverurteilung im Knast entstanden ist, halten mag: die Überschneidungen zwischen dem, was Vikernes als Person postuliert, und den Ansichten von Vavra sind so groß, dass ich es für extrem unwahrscheinlich halte, dass letzterer "just there for the music" ist.

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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Felidae » 14. Jan 2018, 18:40

Heretic hat geschrieben:Vikernes ist wohl den umgekehrten Weg gegangen und langsam aber sicher zum Nazi mit äußerst verqueren Ansichten mutiert. Außerdem ist er ein Mörder und hat eindeutig einen an der Klatsche. Allein deshalb würde ich darauf verzichten, ein Burzum-Shirt zu tragen - selbst wenn ich nur ein Fan der Musik und den unpolitischen Anfängen der Band wäre.
Sehe ich ganz genauso! Ein T-Shirt von einer solchen Band in der Öffentlichkeit zu tragen ist schon eine Provokation und Beleidung gegenüber Menschen, die unter Neonazis und Rechtsextremen zu leiden haben.
toxic_garden hat geschrieben:Ansonsten ist es halt immer das gleiche Spiel: jemandem wird unterstellt, aufgrund eines Indizes (in dem Fall ein Burzum-Shirt) Anhänger einer Ideologie zu sein. Und weil er sich nicht sofort mit Händen und Füssen gegen des hysterische Gekreische wehrt und zu seinem Bild steht, dass er für das Spiel erdacht hat, ist er jetzt halt ein misogyner Nazi. Es gibt bei diesem Thema einfach keine Zwischentöne.
Nein, es wird ihm nichts unterstellt. Das Befürworten einer solchen Band lässt aber wenig Spielraum für Deutungen. Wenn man das in den Kontext setzt mit seinen Posts und Äußerungen, komme ich einfach zu dem Schluss, dass mir seine politische Gesinnung sehr missfällt. Und mit diesem Wissen werde ich dieses Spiel nicht kaufen. Und "hysterisches Gekreische" scheint es ja bisher gar nicht gegeben zu haben.

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Puschkin
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Re: Themenvorschlag: Kingdom Come: Deliverance und sein problematisches Geschichtsbild

Beitrag von Puschkin » 14. Jan 2018, 19:56

toxic_garden hat geschrieben:
Ansonsten ist es halt immer das gleiche Spiel: jemandem wird unterstellt, aufgrund eines Indizes (in dem Fall ein Burzum-Shirt) Anhänger einer Ideologie zu sein. [...] Er sagt nicht "ich lebe hier, deswegen ist meine geschichtliche Version korrekt", sondern er sagt "ich habe mich über die Region, in der ich liebe, informiert".
Ich fände es interessanter auf seine Ideologie/Weltbild zu schauen und auf seine Argumentationsweise anhand seiner Aussagen.
Die sind ja belegt und sicher ein besserer Beleg als ein T-Shirt der Band. Ich begrüße die ausführlichen Darlegungen zur Band weiter oben dazu.

Und da finde ich diese beiden Zitate von Vavra aus dem Breitbart Artikel essentiell:

“I am making a game about the history of my country… all of a sudden there are people telling me that I should not make it as it really was, or how I as an author feel it should be, but as it should have been according to their political views.”

"People are starting to believe collective wisdom of other users more than media, and if media will not change, they will get obsolete very soon."

In diesen beiden sehe ich ausgedrückt das es eben nicht nur um Geschichte auf Fakten geht, sondern viel mehr Gefühl und Interpretation mitschwingt.
Und weder die Wahrheit oder Weisheit(Wisdom) eines einzelnen oder Kollektivs muss deshalb richtig sein, weil sie kollektiv ist.
Das erinnert mich an den "Semmelweiß Reflex"(*), also etwas abzulehnen weil es gegen das kollektive Wissen gilt ist. Nur aus seinem kollektiven Wissen sein oder einem "Gefühl wie es sein sollte" überpositive Wahrheiten zu abzuleiten undd diese als Wissen zu benennen halte ich für nicht erkenntnisbringend. Da müssen andere Merkmale hinzutreten oder Bedingungen erfüllt sein um sich die Welt, Geschichte oder sonstiges Wissen zu erschließen.

(*)Semmelweiß schlug als Arzt, Mitte des 19 Jhd., als erster vor Hygienevorschriften im Krankenhaus und im Patientenkontakt einzuführen und führte dazu methodischangelegte Studien durch. Also zu allererst simples Händewaschen. "Zu seinen Lebzeiten wurden seine Erkenntnisse nicht anerkannt und von Kollegen als „spekulativer Unfug“ abgelehnt. Nur wenige Ärzte unterstützten ihn, da Hygiene als Zeitverschwendung und unvereinbar mit den damals geltenden Theorien über Krankheitsursachen angesehen wurde." (wikipedia)
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