Runde #148: Diagnose Videospielsucht

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Rektor
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Runde #148: Diagnose Videospielsucht

Beitrag von Rektor »

ohne direkt weiter ins Detail gehen zu wollen, aber lecks mich am *hier weiter unten zu findenden körperbereich einfügen* war das eine gute folge. Die Rahmung mit diesem Gespräch, Sebastian und Andre als aufrichtig interessierte Fragende und das dann in gefühlt genau der richtigen Balance zwischen emotionaler Beteiligung weil alle das selbe Hobby teilen und dennoch anerkennen, dass es ernste Probleme gibt mit denen Menschen sich auseinandersetzen sollten.
So, wie ihr das Thema als selbstverständlichen Teil eures inhaltlichen Kanons behandelt macht das genau den Mix zwischen begeisterter Unterhaltung und Fandom zusammengebracht mit sinnvollen Themenerweiterungen abseits von "Wir waren beim Entwickler und haben 5h Bewegtbildwichsvorlagenmaterial mitgebracht". Sinnvolle Erwachsenenunterhaltung ohne in Stumpfsinn abzudriften, ich könnte mich geradezu ein einen Begeisterungsrausch schreiben!
Danke dafür: )

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Klagsam
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Klagsam »

Ich bin jetzt fast durch und auch von mir erst einmal ein großes Lob an alle Beteiligten - das war wirklich eine äußerst hörenswerte Folge.
Inhaltlich sehe ich die Aufnahme der Störung ins ICD-11 allerdings deutlich kritischer. Aus mehreren Gründen.

1. Würde ich gerne mal jemanden sehen auf den folgendes zutrifft: a) leidet unter seinem Internet- oder Spielekonsumverhalten b) erfüllt nicht die Kriterien einer anderen Störung (wahrscheinlich eine soziale Phobie, eine depressive Störung, eine sogenannte Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen oder eine sog. Persönlichkeitsstörung) . Sprich: ich glaube nicht, dass es diese Störung als eigenständige Diagnose braucht, da es sich ja in der Regel um ein Kompensationsverhalten für eine bereits bestehende Störung handelt

2. Und der Punkt ist mir noch viel wichtiger: Handelt es sich beim Spielen um ein austauschbares Kompensationsverhalten. Wenn ich anstatt zu spielen etwas anderes genauso exzessiv betreibe hat sich ja an der zugrundeliegenden Störung nichts geändert. Durch die Benennung der Internet and Gaming disorder wird aber der Fokus auf das Kompensationsverhalten gerichtet, nicht auf die Ursache des Leids (bspw. soziales Rückzugsverhalten, fehlende soziale Kompetenzen, etc.). Ich kann aber mit der haargenau gleichen Problematik beispielweise exzessiv Arbeiten und/oder Lernen - das wird dann aber nicht erfasst. Daher fände ich eine noch allgemeinere Diagnose wie (jetzt mal völlig aus dem Bauch heraus gesprochen) einen Andauernden Verhaltensexzess mit ("negativer") Auswirkung auf physiologisches, kognitives, emotionales und soziales Erleben deutlich sinnvoller.

Generell habe ich die Befürchtung, dass mit der Aufnahme der Diagnose in Zukunft viel Schindluder betrieben wird. Die beiden Gäste arbeiten zwar sehr sorgfältig und führen insbesondere sehr sorgfältige Verhaltensanalysen durch, allerdings erlebe ich immer wieder die Auswirkung von deutllich weniger sorgfältig arbeitenden Kollegen. Ich selbst erlebe fast keinen Monat in dem ich nicht von Eltern gefragt werde, ob ihr Kind denn nicht videospielabhängig sei. Sobald es diese Diagnose gibt wird sich auch garantiert jemand finden, der den Eltern das gerne bestätigt (obwohl er/sie ein LoL nicht von einem Minesweeper unterscheiden kann).

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Andre Peschke
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Andre Peschke »

Klagsam hat geschrieben:Wenn ich anstatt zu spielen etwas anderes genauso exzessiv betreibe hat sich ja an der zugrundeliegenden Störung nichts geändert.
Sehe ich auch so (yes! Endlich die Zustimmung vom Laien nach der du gesucht hast! ;)). Ich finde das Argument auch nach wie vor nicht verkehrt zu sagen: Man setzt damit einen falschen Wegweiser. Die ganze Benennung signalisiert ja, dass das Gaming in gewisser Weise ursächlich sei. Auf Basis dessen was ich über die ganze Sache weiß erscheint es mir auch logischer, dass Spiele vielleicht besonders gut geeignet sind um bei vorliegenden Problemen zu einem Fluchtpunkt zu werden. Wirkt aber auf mich, als würde man da ein Symptom zu sehr in den Status einer Krankheit heben / einbeziehen.

Andererseits kann man das vermutlich auch bei sowas wie Alkoholismus etc sagen, wo ich mir vorstellen kann, dass die wenigsten Menschen einfach nur wegen dem Alkohol abhängig werden, sondern mindestens eine richtig schlechte Bewältigungsstrategie entwickelt haben. Von daher bin ich auch wiederum einfach zu ahnungslos um mich da zu einer klaren Haltung "dafür!/dagegen!" durchzuringen.

Andre

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MrSnibbles
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von MrSnibbles »

Klagsam hat geschrieben:Sobald es diese Diagnose gibt wird sich auch garantiert jemand finden, der den Eltern das gerne bestätigt (obwohl er/sie ein LoL nicht von einem Minesweeper unterscheiden kann).
Daran habe ich spontan auch beim Hören gedacht. André's ADHS Kommentar ging ja in die gleiche Richtung. Ich denke, Eltern haben einen starken Anreiz, für sie abnormes oder negatives Verhalten auf andere Faktoren als die Erziehung abzuwälzen. Wenn in diesen Fällen der Theraupeut entweder mangels Fachwissen oder sogar aus monetären Gründen (Patientenakquise) eine Fehldiagnose stellt, sehe ich das als ziemlich problematisch. Kommen mit der Aufnhame in ICD-11 auch Schulungen für die Therapie dieses Krankehitsbildes? Wie von den beiden Gästen erwähnt, ist es mMn wichtig, dass die Therapeutenzumindest rudimentäres Wissen im Bereich Videospiele vorweisen um effektiv betreuen zu können.
Das sind allerdings nur meine Laien-Gedanken, also korrigiert mich bitte, wenn ich Unsinn schreibe :)

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Terranigma
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Terranigma »

Andre Peschke hat geschrieben:Andererseits kann man das vermutlich auch bei sowas wie Alkoholismus etc sagen, wo ich mir vorstellen kann, dass die wenigsten Menschen einfach nur wegen dem Alkohol abhängig werden, sondern mindestens eine richtig schlechte Bewältigungsstrategie entwickelt haben.
Jain. Ich bin selbst Laie, allerdings sagte mir ein Psychotherapeut im Gespräch bzgl. Alkohol einmal - und ich fand den Gedanken sehr nachvollziehbar - dass Alkohol selbst eine Bewältigungsstrategie sein kann, d.h. Ausdruck eines Coping-Verhaltens. Er sprach hierbei von Selbstmedikation etwa in Bezug auf Depressionserkrankungen. Als Außenstehender mag man urteilen, dass Alkoholkonsum keine wünschenswertes Coping-Verhalten im Umgang mit Problemen, Lebenskrisen, o.Ä. ist. Aus subjektiver Perspektive der Betroffenen kann es aber ein effektives Coping-Verhalten sein, das ein gewünschtes Resultat - Ablenkung, Glücksempfinden, usw. - kurzzeitig auslösen kann, und in diesem Sinne gut ist. Ähnliches ließe sich wahrscheinlich in der Tat auch für Videospielsucht sagen, oder eher: Videospielmissbrauch.

Ich würde beim Drogenmissbrauch wie auch beim Videospielmissbrauch zumindest davon ausgehen, dass das sichtbare Suchtverhalten in 8/10 Fällen nicht aus dem Suchtstoff selbst entstammt, sondern das Suchtverhalten vielmehr ein Coping-Verhalten und damit Symptom eines anderen Problemes ist. Insbesondere weil das Glücksempfinden bei Videospielen wohl weit unter dem liegt, was man mit Substanzen erreichen kann, sodass man "im Normfall" wohl nicht an Videospielen kleben bleiben sollte. Wenn man aber nun Videospielsucht als Sucht definiert, wird damit ja zumindest der Nomenklatur nach suggeriert, dass das Videospiel an sich suchterregend und damit gefährlich ist. Demnach wäre das Videospiel das eigentliche Suchtmittel und damit Problem, anstatt vielmehr als Indikator für ein anderes Problem zu fungieren.


Vielleicht habe ich es überhört, aber bin auch bei den Definitionen im ICD-11 und DSM-V verwundert: gehört nicht der empfundene Leidesdruck maßgeblich zur Definition einer psychologischen Störung? Zumindest in der Definition von Videospielsucht ist das meines Wissens nicht genannt worden. Wobei auch beim Leidensdruck wiederum die Frage wäre, "woher" der stammt. Bis 1992 galt ja auch Homosexualität als Störung der Sexualpräferenz mit dem Verweis, dass bei vielen Betroffenen ein Leidensdruck vorläge und die Einpassung in den Alltag teilweise schwierig wäre. Ich tue mir irgendwie schwer damit, die Anpassugn an (gesellschaftliche) Normen als Grundlage für die Definition einer Krankheit zu nehmen. Auch warum das eigentlich eine "Krankheit" und kein "persönliches Defizit" sei, und warum hier Psychotherapeuten anstatt Pädagogen gefragt sind, konnte für mein Dafürhalten nicht überzeugend begründet werden. :think:

So oder so, aber eine schöne Folge!
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Klagsam
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Klagsam »

Andre Peschke hat geschrieben: Andererseits kann man das vermutlich auch bei sowas wie Alkoholismus etc sagen, wo ich mir vorstellen kann, dass die wenigsten Menschen einfach nur wegen dem Alkohol abhängig werden, sondern mindestens eine richtig schlechte Bewältigungsstrategie entwickelt haben. Von daher bin ich auch wiederum einfach zu ahnungslos um mich da zu einer klaren Haltung "dafür!/dagegen!" durchzuringen.

Andre
Agreed. Bei den stoffgebundenen Süchten wird aber zumindest sehr differenziert diagnostiziert. Es wird ein jeweils gleiches (teilweise auch unsinniges: Entzugssyndrom mit Delir durch Tabak würde ich gerne mal sehen :p) Grundgerüst gegeben, das suggeriert, dass die verschiedenen Substanzen austauschbar sind. So etwas ähnliches würde ich mir auch bei den stoffungebundenen schädlichen Verhaltensexzessen wünschen.
Andre Peschke hat geschrieben:
Sehe ich auch so (yes! Endlich die Zustimmung vom Laien nach der du gesucht hast! ;)).

Andre
Edith findet, das Thema ist eine gesamtgesellschaftliche Diskussion wert. Ob Laie oder nicht spielt da keine Rolle.

MrSnibbles hat geschrieben: Kommen mit der Aufnhame in ICD-11 auch Schulungen für die Therapie dieses Krankehitsbildes? Wie von den beiden Gästen erwähnt, ist es mMn wichtig, dass die Therapeutenzumindest rudimentäres Wissen im Bereich Videospiele vorweisen um effektiv betreuen zu können.
Schulungen kommen sicherlich. Psychotherapeuten sind verpflichtet alle 5 Jahre ein gewisses Kontingent an Fortbildungen zu absolvieren und der grundlegende Therapieansatz (bspw. das motivational Interviewing) ist den meisten Therapeuten ja bekannt.

Letztere Frage halte ich für sehr interessant. Ich persönlich sehe das genauso: man sollte zumindest ein rudimentäres Wissen über Spiele haben, um das zu therapieren - alleine der Glaubwürdigkeit wegen. Auf der anderen Seite: Muss man unbedingt heroinabhängig gewesen sein, um eine Heroinabhängigkeit zu therapieren? Hier würde es mir relativ leicht fallen, auch die Gegenposition einzunehmen: Am Ende ist der Klient ja für sich selbst verantwortlich. Die Aufgabe des Therapeuten liegt ja vor allen darin begründet, ihn zu motivieren und gegebenenfalls nötige Fähigkeiten und/oder Techniken dafür beizubringen.

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NobodyJPH
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von NobodyJPH »

Die Folge hat mir auch sehr gut gefallen.

Ich finde die Definition der Krankheit durchaus spannend. Hier zeigt sich wieder mit wie viel Augenmaß solche Kriterien angewendet werden müssen, damit eine vernünftige Diagnose bzw. Therapie möglich ist. Betrachtet man die reine Spielzeit, die gelegentliche Beschäftigung mit Spiel xy auch außerhalb der Spielesessions oder der Tatsache, dass ich manchmal deutlich länger spiele als ursprünglich geplant, müsste ich phasenweise vermutlich als hochgradig gefährdet gelten. Die schlimmsten Auswirkungen beschränken sich bei mir allerdings auf "Ist im Rahmen seiner Vertrauensarbeitszeit schonmal 15 Minuten später auf die Arbeit gekommen" und "Die Ehefrau hat schonmal gemeckert". Ohne die negativen Auswirkungen fehlt natürlich die entscheidende Komponente für die Suchtdiagnose.
Terranigma hat geschrieben:Wenn man aber nun Videospielsucht als Sucht definiert, wird damit ja zumindest der Nomenklatur nach suggeriert, dass das Videospiel an sich suchterregend und damit gefährlich ist. Demnach wäre das Videospiel das eigentliche Suchtmittel und damit Problem, anstatt vielmehr als Indikator für ein anderes Problem zu fungieren.
Problematisch wird das meines Erachtens aber nur dann, wenn die behandelnden Ärzte bei der Diagnose mit der Suche aufhören. In einer vernünftigen Behandlung sollte immer nach den zugrundeliegenden Problemen gesucht werden, um dem Patienten dauerhaft helfen zu können. Zumindest die beiden Gäste scheinen sich nicht mit der Diagnose "Internet and Gaming disorder" zufriedenzugeben (als Positivbeispiel).
Terranigma hat geschrieben:Auch warum das eigentlich eine "Krankheit" und kein "persönliches Defizit" sei, und warum hier Psychotherapeuten anstatt Pädagogen gefragt sind, konnte für mein Dafürhalten nicht überzeugend begründet werden. :think:
Aus Interesse: Hast du für dich entschieden, dass es sich bei übermäßigem Videospielkonsum um ein persönliches Defizit handelt oder hättest du dir einfach nur eine deutlichere Abgrenzung gewünscht?

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Terranigma
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Terranigma »

NobodyJPH hat geschrieben:Problematisch wird das meines Erachtens aber nur dann, wenn die behandelnden Ärzte bei der Diagnose mit der Suche aufhören.
Aber weshalb wird Videospielsucht in dem Fall als eigenständiger Krankheitsfall definiert, wenn gleichzeitig gesagt wird, dass das Videospiel an sich zumeist gar nicht das eigentliche Problem sei, sondern nur das sichtbare Symptom? Um zugrundeliegende Probleme - z.B. Sozialphobien, o.Ä. - zu behandeln, muss ja nicht erst Videospielsucht als eigenständiges Krankheitsbild definiert werden. Das wäre doch auch bereits jetzt schon möglich.

Das jetzt ausgehend von der Annahme - die auch im letzten Podcast zu dem Thema so genannt wurde - dass übermäßiger Videospielkonsum nicht Ausdruck einer Videospielsucht ist, sondern eine Bewältigungsstrategie. Gemäß dieser Annahme erscheint es mir nicht intuitiv, die Bewältigungsstrategie selbst als Krankheit zu klassifizieren; sie wäre doch nur Symptom und damit ein möglicher Bestandteil eines anderen Krankheitsbildes. Ebenso ist "Nase läuft" ja keine Krankheit, sondern ein mögliches Symptom für allerlei andere Krankheiten. Deswegen wird ja auch (hoffentlich) kein Arzt je "Nasenlaufen" behandeln, sondern die jeweilige Krankheit, die dem zugrunde liegt. ;)
NobodyJPH hat geschrieben:Aus Interesse: Hast du für dich entschieden, dass es sich bei übermäßigem Videospielkonsum um ein persönliches Defizit handelt oder hättest du dir einfach nur eine deutlichere Abgrenzung gewünscht?
Schwierig. Ich würde nicht sagen, dass ich mich entschieden hätte, dass übermäßiger Videospielkonsum ein persönliches Defizit ist. Gleichwohl würde ich in einem ersten Schritt sagen, dass Verhalten, das von der gesellschaftlichen Norm abweicht, erst einmal eben das ist: ein Verhalten, das von einer gesellschaftlichen Norm abweicht. Das ist selbst eine soziale Norm, d.h. wenn jemand etwas tut, das nicht der Norm entspricht, so beurteilen wir das nicht intuitiv als pathologische Störung. Umgekehrt würde ich daher fragen, weshalb dieses Verhalten nun eine psychlogische Störung, d.h. eine Krankheit sei? Das kam für mich im Podcast nicht klar durch, welche Definition von "Krankheit" eigentlich zugrundegelegt wird. Es wurde meiner Erinnerung nur gesagt, dass es eben eine sei und Diagnosekriterien genannt.

Da ich es auch nicht weiß: Worin unterscheidet sich ein persönliches Defizit, an dem z.B. durch pädagogische Arbeit etwas getan werden kann, von einer psychologischen Störung? Und warum fällt übermäßiger Videospielkonsum in die eine, aber nicht andere Kategorie? Im Podcast wurde ja sinngemäß gesagt, dass dies in das Aufgabenfeld der Therapeuten fällt, nicht in das der Pädagogen. Aber wieso?
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Klagsam
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Klagsam »

Terranigma hat geschrieben: Umgekehrt würde ich daher fragen, weshalb dieses Verhalten nun eine psychlogische Störung, d.h. eine Krankheit sei? Das kam für mich im Podcast nicht klar durch, welche Definition von "Krankheit" eigentlich zugrundegelegt wird. Es wurde meiner Erinnerung nur gesagt, dass es eben eine sei und Diagnosekriterien genannt.
Es wird als Krankheit gesehen, weil der Betroffene unter dem Verhalten leidet und trotz zumindest phasenweise vorhandener Motivation nicht in der Lage ist, bzw. große Schwierigkeiten hat, sein Verhalten/Denken/emotionals Erleben zu ändern. Bis auf wenige Ausnahmen (bspw. Schizophrenie) bevorzuge ich es auch im Bereich der psychischen "Erkrankungen" von Störungen und nicht von Krankheit zu sprechen.

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NobodyJPH
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von NobodyJPH »

Terranigma hat geschrieben:Schwierig. Ich würde nicht sagen, dass ich mich entschieden hätte, dass übermäßiger Videospielkonsum ein persönliches Defizit ist. [...]
Danke für deine Ausführungen! Ich verstehe deinen Punkt, auch wenn ich nicht alle Punkte so kritisch sehe. Die Frage nach Therapeuten oder Pädagogen ist durchaus interessant. Aktuell tendiere ich zur Einordnung als "Krankheit", ohne das wissenschaftlich begründen zu können. Eine entsprechende Diagnose sollte aber nicht als Ausrede für Faulheit oder Unwillen herhalten dürfen, daher halte ich eine Konkretisierung der Vorgaben, weitere Forschung und das Erarbeiten von Behandlungsstandards unbedingt für erforderlich.

Terranigma hat geschrieben:Das jetzt ausgehend von der Annahme - die auch im letzten Podcast zu dem Thema so genannt wurde - dass übermäßiger Videospielkonsum nicht Ausdruck einer Videospielsucht ist, sondern eine Bewältigungsstrategie. Gemäß dieser Annahme erscheint es mir nicht intuitiv, die Bewältigungsstrategie selbst als Krankheit zu klassifizieren; sie wäre doch nur Symptom und damit ein möglicher Bestandteil eines anderen Krankheitsbildes.
Ich finde die Analogie zum Alkoholismus gar nicht so abwegig, du hast da ja auch schon Parallelen aufgezeigt. Auch wenn durch die Stoffgebundenheit der Sucht nachgelagert noch weitere Faktoren bzw. Abhängigkeiten ins Spiel kommen, ist der Alkoholkonsum doch regelmäßig auch nur eine Bewältigungsstrategie für zugrundeliegende Probleme. Jetzt könnte man die beiden Bewältigungsstrategien auch in einen Topf werfen und stattdessen auf die jeweilige zugrundeliegende Ursache abstellen. Die Unterscheidung in verschiedenen Unterkategorien empfinde ich da durchaus als hilfreich, da der Behandlungsansatz (i.S.v. Zugang zur Problematik, Ansprache des Patienten) ein gänzlich anderer sein kann.

NDA
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von NDA »

Terranigma hat geschrieben:
NobodyJPH hat geschrieben:Problematisch wird das meines Erachtens aber nur dann, wenn die behandelnden Ärzte bei der Diagnose mit der Suche aufhören.
Aber weshalb wird Videospielsucht in dem Fall als eigenständiger Krankheitsfall definiert, wenn gleichzeitig gesagt wird, dass das Videospiel an sich zumeist gar nicht das eigentliche Problem sei, sondern nur das sichtbare Symptom? Um zugrundeliegende Probleme - z.B. Sozialphobien, o.Ä. - zu behandeln, muss ja nicht erst Videospielsucht als eigenständiges Krankheitsbild definiert werden. Das wäre doch auch bereits jetzt schon möglich.

Das jetzt ausgehend von der Annahme - die auch im letzten Podcast zu dem Thema so genannt wurde - dass übermäßiger Videospielkonsum nicht Ausdruck einer Videospielsucht ist, sondern eine Bewältigungsstrategie. Gemäß dieser Annahme erscheint es mir nicht intuitiv, die Bewältigungsstrategie selbst als Krankheit zu klassifizieren; sie wäre doch nur Symptom und damit ein möglicher Bestandteil eines anderen Krankheitsbildes. Ebenso ist "Nase läuft" ja keine Krankheit, sondern ein mögliches Symptom für allerlei andere Krankheiten. Deswegen wird ja auch (hoffentlich) kein Arzt je "Nasenlaufen" behandeln, sondern die jeweilige Krankheit, die dem zugrunde liegt. ;)
Ich bin selbst Laie bzw. würde ich mich eigentlich nicht mal das bei diesen Themen bezeichnen, eher "Unwissender/Uninteressierter", aber vielleicht ist der Sinn die Entwicklung ein eigener Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung der Überkompensation durch Videospiele? Mit einfach "Ausschalten" ist es ja nicht getan.

Du hast ja Alkoholismus auch schon angeführt. Ich denke, Alkoholsucht wird auch anders therapiert als z.B. Heroinsucht, auch wenn beide nicht Ursache der eigentlichen Suchtproblematik sind.

Aber wie gesagt, eigentlich habe ich keine große Ahnung davon, mir ist nur der Gedanke gekommen. :)
Bái Zuô!

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Terranigma
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Terranigma »

Klagsam hat geschrieben:Es wird als Krankheit gesehen, weil der Betroffene unter dem Verhalten leidet [...]
Aber gibt es tatsächlich bei jedem einen Leidensdruck, und woher ergibt der sich? Wenn wir von Jugendlichen reden, könnte ich mir vorstellen, dass der Leidensdruck sich aus den gesellschaftlichen Reaktionen auf sein Verhalten ergibt - z.B. dass er Probleme in der Schule bekommt, seine Eltern unzufrieden mit ihm sind, usw. Aber wenn man diese externen Faktoren als Maßstab heranzieht, so ließe sich auch wieder Homosexualität als psychische Störung bezeichnen - was sie im ICD-10 bis 1992 auch war - mit dem Verweis, dass auch diese Menschen einen Leidensdruck empfinden. Und einen Leidensdruck empfanden sie auch, eben aufgrund der gesellschaftlichen Reaktionen auf.
Klagsam hat geschrieben:[...]und trotz zumindest phasenweise vorhandener Motivation nicht in der Lage ist, bzw. große Schwierigkeiten hat, sein Verhalten/Denken/emotionals Erleben zu ändern.
Aber ließe sich auch dies nicht z.B. über Homosexualität sagen? In einer Gesellschaft, in der dieses Denken und emotionale Erleben gesellschaftlich nicht akzeptiert ist, würde auch dies die hier angelegte Definition einer psychischen Störung erfüllen. Auch die "können" ihre Gefühlswelt trotz mehrfach geäußerten Wunsch von Außenstehenden nicht willentlich ändern. Heutzutage "müssen" sie das aber auch nicht mehr. Nicht, weil die Betroffenen sich geändert haben, sondern die Gesellschaft. Auf diese Art wurden quasi über Nacht Millionen Menschen geheilt, einfach weil sie nicht mehr als krank klassifiziert wurden. ;)

Ich tue mir etwas schwer damit, die Definition von psychischen Störungen ausschließlich über den Betroffenen zu führen, weil ja auch in der Episode mehrfach deutlich wurde, dass psychische Störungen maßgeblich von sozialen Normen geprägt und über diese definiert werden. In meinen Ohren macht es einen großen Unterschied ob man sagt, ...

(a) ... das Verhalten/Denken/emotionale Erleben eines Menschen birgt großes Konfliktpotential, weil er sich damit nicht gut in die Gesellschaft einfügt.
ODER
(b) ... das Verhalten/Denken/emotionale Erleben eines Menschen ist psychisch gestört, aber kann therapiert werden.


Letzteres legt die "Krankheit" ausschließlich in den Betroffenen und klammert die Gesellschaft als mögliche Ursache für einen empfundenen Leidensdruck komplett aus. Eine "Erkältung" ist in jeder Gesellschaft dieser Welt eine Krankheit, die physiologischen Symptome unabhängig von gesellschaftlichen Norm und ob man sich als Deutscher oder Chinese ein Bein bricht hat immerzu dieselben Folgen. Aber mit psychischen Störungen ist ja diese Unabhängkeit von gesellschaftlichen Normen und Erwartungshaltungen ja nicht gegeben. Die Abgrenzung zwischen "Das ist Aufgabe von Pädagogen" und "Das ist Aufgabe von Therapeuten" finde ich hier sehr schwierig, und verstehe auch nach dem Hören der Folge nicht, wo die Gäste diese Grenze genau ziehen.

Der Pädagoge in mir fühlt sich durch dieses Statement jedenfalls herausgefordert. :D
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Suzuki Shunryū​

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philoponus
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von philoponus »

Zählt sicher zu den besten Sonntagsfolgen bisher.

julius152
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von julius152 »

Auch von mir ein großes Lob. Wirklich eine tolle Folge und ein weiterer Beleg dafür, was für ein abwechslungsreiches und umfangreiches Projekt ihr hier betreibt.

Zur Thematik:

Ich war anfangs auch skeptisch, was diese neue Kategorie der Suchterkrankungen mit Spielen angeht. Nach dem Hören des Podcasts hat sich meine Meinung aber um 180° gedreht. Ich finde das Argument der beiden Psychologen/Psychiater einfach extrem einleuchtend bezüglich der Folgen einer solchen Diagnose. Wenn eine Diagnose von Videospielsucht tatsächlich nur mit einer Gesprächstherapie einhergeht, sehe ich da überhaupt kein Problem. Ich finde, es wird schwierig, wenn Medikation mit ins Spiel kommt und Jugendlichen und Kindern schon in dem Alter klargemacht wird, dass sie anders und krank sind und dementsprechend Ritalin o.Ä. einnehmen müssen. Hier kann eine falsche Diagnose sehr wohl extrem negative Konsequenzen haben. Wenn es sich aber lediglich um eine Gruppentherapie handelt, wie die beiden Ärzte es hier vorstellen, finde ich, dass da wenig negatives bei rumkommen kann. Zumal die beiden ja auch selber sagen, dass sie oft eher die Eltern darauf hinweisen müssen, dass bei dem jeweiligen Spielverhalten kein suchtartiges Verhalten erkennbar ist. Das Schlimmste was bei der Sache rumkommen kann, ist also, dass ein junger Mensch sich in solch einer Gesprächsrunde wiederfindet und seinen Umgang mit Medien reflektiert. Und das ist, gerade in der heutigen Zeit, sich für niemanden verkerht. Insofern schadet man durch die Einführung diese Kategorie niemandem und denjenigen, die wirklich ein Problem haben, könnte man leichter helfen.

Vielleicht dazu noch was aus meiner eigenen Erfahrung:
Als ich noch 12/13 Jahre alt war und zur Schule ging, kam gerade WoW raus. Das war damals der Hit unter uns Jugendlichen und es gab den einen oder anderen, der wirklich auf diesem Spiel hängen geblieben ist. Selbst in meiner eigenen Familie war das ständige Zocken immer ein Thema, bei dem sich meine Eltern viele viele Sorgen gemacht haben. Ich denke, dass sicherlich bei jedem Suchtverhalten andere Problematiken im Hintergrund stehen können. Aber wenn ich meine Zeit mit WoW betrachte, besitzen solche Spiele einfach exzellente Mechaniken um den Spieler in die Spielwelt völlig hineinzuziehen. Dass Jugendliche Probleme damit haben können damit umzugehen, halte ich für äußerst nachvollziehbar und kann ich auch aus eigener Erfahrung bejahen. Hier eine neutrale Person als Ansprechpartner zu haben, die einem helfen kann das ganze zu reflektieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, halte ich für eine exzellente Idee und für äußerst wichtig.

Canardo
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Canardo »

Ganz hervorragende Folge und tolle Gäste.

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Weizegger
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Registriert: 27. Jun 2016, 19:08

Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Weizegger »

Ich fand das schon fast "krank" wie vehement sich Andre noch immer dagegen sträubt, extremen/zwanghaften Videospielkonsum als Sucht anzuerkennen. Ist Jochen der Folge ferngeblieben weil der das ganze für noch grösseren Humbug abgetan hätte? Ich hatte damals schon bei meiner Frage im Mailbag festgestellt, dass das Thema hier so verharmlost wird. Ich höre immer, dass das Thema Videospiel erwachsener werden soll, dann muss man auch die negativen Begleiterscheinungen in voller Breite behandeln und akzeptieren. (OK das wurde jetzt auch ganz gut getan...)
Ich habe selbst eigentlich ein relativ gutes und ausgeglichenes Leben , wenn ich das so sagen darf und muss mich dennoch immer wieder zwingen das Zocken zugunsten anderer, wichtigeren,schönerer Sachen einzuschränken oder gar nur zu Pausieren. Das fällt mir oft sehr,sehr schwer und ich kenne dutzende Menschen bei denen das überhauptnicht mehr möglich ist. Lieber jetzt anfangen (nach gefühlt 30 Jahren....) , das Problem zu behandeln als später mit richtigen Klagen etc. kämpfen zu müssen. Ich habe keine Kinder aber ich denke da insbesondere an die zukünftigen Generationen . Die werden mit Umwelt-und-Kriegsszenarien schon genug zu tun haben. Dieser Kommentar ist bewusst provokant geschrieben! :P

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PinkFloyd
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von PinkFloyd »

Ich muss gestehen, als ich den Titel gelesen habe war ich, als jemand der lange in der Grundlagenforschung an Sucht geforscht hat, sehr skeptisch.

Allerdings muss ich die podcaster insbesondere für ihre Expertenwahl beglückwünschen... Ich hätte es schlimm gefunden einem Psychologen zuzuhören der selbst weit weg vom Thema ist und sich mit dem Medium kaum bis gar nicht befasst.

Eine schöne Folge die einen guten rundumblick vor allem auf die Arzt-Patienten Seite gewährt und die nicht unnötig verkompliziert wurde, was imho vor allem an der Expertenwahl lag...

Weiter so die Herren!

Jochen

Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Jochen »

Weizegger hat geschrieben:Ist Jochen der Folge ferngeblieben weil der das ganze für noch grösseren Humbug abgetan hätte?
Ich bin der Folge fern geblieben, weil ich ein paar Tage Skifahren war. Das fiel leider mit der Aufnahme bzw. dem Terminwunsch der Gäste zusammen.

Fun Fact: Ich halte das keineswegs für Humbug und bin im Vergleich zu André tendenziell eher auf der "natürlich gibt es das"-Seite. Einfach weil die anekdotische Beweislage schlechterdings erdrückend ist. Aber ich bin auch kein Fachmann/Psychologe, insofern maße ich mir da kein Urteil an, inwiefern man das klinisch und diagnostisch von anderen Suchtverhalten (z.B. Internetsucht) trennen kann. Es gibt ja auch Menschen, die geradezu zwanghaft fernsehen, Schach spielen oder in sozialen Medien diskutieren. Ich würde zwar argumentieren, dass Spiele qua ihres Wesens durchaus dazu angelegt sind, Suchtverhalten zu bedienen (nicht umsonst reden man im positiven Sinne von "süchtig machenden Spielen"), aber ob sie in der Hinsicht diagnostisch eine Sonderrolle einnehmen - das müssen eigentlich Experten beantworten.

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Andre Peschke
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Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von Andre Peschke »

Weizegger hat geschrieben:Ich fand das schon fast "krank" wie vehement sich Andre noch immer dagegen sträubt, extremen/zwanghaften Videospielkonsum als Sucht anzuerkennen. Ist Jochen der Folge ferngeblieben weil der das ganze für noch grösseren Humbug abgetan hätte? Ich hatte damals schon bei meiner Frage im Mailbag festgestellt, dass das Thema hier so verharmlost wird.
Finde ich einen Vorwurf, der von der Realität nicht getragen wird. Ich habe mehrfach, in vielen, vielen Folgen, auf Mechanismen hingewiesen, die ich hochproblematisch finde. Die Tatsache, dass ich der Klassifizierung als Sucht skeptisch gegenüberstehe bedeutet nicht, dass ich der Meinung bin, das ein problematischer Umgang mit Videospielen nicht stattfindet oder bestimmte Spiele ihn nicht geradezu herausfordern. Ich halte es lediglich (aus meiner Laienposition heraus) für zweifelhaft, ob Videospiele hier ursächlich als eine Art Krankheitsverursacher einzustufen sind. Sprich: Ein anderweitig gesunder Mensch wird allein durch das Videospiel krank gemacht. Mein Kenntnisstand lässt mich eher vermuten, dass Videospiele bei einer unabhängig existierenden Erkrankung zu einer problematischen Nutzung taugen und/oder verführen. Was im Endeffekt bedeutet, dass ein Teil der Spiele möglicherweise besonders versucht, menschliche Schwächen auszunutzen und damit eben insbesondere Menschen die ohnehin aus irgendeinem Grund hier eine Schwachstelle haben auszubeuten.

Ich sehe in meiner Haltung zu einer Diskussion in der es letztendlich nur um eine Kategorisierung geht daher offengestanden keine echte Verharmlosung und der Vorwurf, dass das für das Thema insgesamt gelten soll, ist IMO ungerecht.

Andre
PS: Insbesondere eingedenk der Tatsache, dass ich schon über das Thema geschrieben habe, als es hierzulande noch kein Schwein interessiert hat. Aber das kann verständlicherweise kein Hörer mehr wissen oder nachvollziehen.

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PinkFloyd
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Re: RE: Re: Runde #148: Videospielsucht

Beitrag von PinkFloyd »

Andre Peschke hat geschrieben:
Weizegger hat geschrieben:Ich fand das schon fast "krank" wie vehement sich Andre noch immer dagegen sträubt, extremen/zwanghaften Videospielkonsum als Sucht anzuerkennen. Ist Jochen der Folge ferngeblieben weil der das ganze für noch grösseren Humbug abgetan hätte? Ich hatte damals schon bei meiner Frage im Mailbag festgestellt, dass das Thema hier so verharmlost wird.
Finde ich einen Vorwurf, der von der Realität nicht getragen wird. Ich habe mehrfach, in vielen, vielen Folgen, auf Mechanismen hingewiesen, die ich hochproblematisch finde. Die Tatsache, dass ich der Klassifizierung als Sucht skeptisch gegenüberstehe bedeutet nicht, dass ich der Meinung bin, das ein problematischer Umgang mit Videospielen nicht stattfindet oder bestimmte Spiele ihn nicht geradezu herausfordern. Ich halte es lediglich (aus meiner Laienposition heraus) für zweifelhaft, ob Videospiele hier ursächlich als eine Art Krankheitsverursacher einzustufen sind. Sprich: Ein anderweitig gesunder Mensch wird allein durch das Videospiel krank gemacht. Mein Kenntnisstand lässt mich eher vermuten, dass Videospiele bei einer unabhängig existierenden Erkrankung zu einer problematischen Nutzung taugen und/oder verführen. Was im Endeffekt bedeutet, dass ein Teil der Spiele möglicherweise besonders versucht, menschliche Schwächen auszunutzen und damit eben insbesondere Menschen die ohnehin aus irgendeinem Grund hier eine Schwachstelle haben auszubeuten.

Ich sehe in meiner Haltung zu einer Diskussion in der es letztendlich nur um eine Kategorisierung geht daher offengestanden keine echte Verharmlosung und der Vorwurf, dass das für das Thema insgesamt gelten soll, ist IMO ungerecht.

Andre
PS: Insbesondere eingedenk der Tatsache, dass ich schon über das Thema geschrieben habe, als es hierzulande noch kein Schwein interessiert hat. Aber das kann verständlicherweise kein Hörer mehr wissen oder nachvollziehen.
Ich muss Andre hier beispringen:
1. Ich hatte beim hören weder das Gefühl dass er sich wehement dagegen wehrt es als Sucht anzuerkennen.
2. Er sich wirklich deutlich bei diversen Titeln kritisch bzgl. Mechaniken wie loot Boxen geäußert hat.

Generell ist ein kritisches Nachfragen/Hinterfragen nicht nur wünschenswert sondern vor allem im wissenschaftlichen u. Medizinischen Diskurs unbedingt nötig. Nur so entsteht Fortschritt... Ausserdem hatte ich nicht das Gefühl das sich die übrigen Gesprächspartner übermäßig kritisch von Andre in eine Ecke gedrängt gefühlt hatten...

LG Floyd

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