En Detail: Shadow of the Colossus

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bluttrinker13
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von bluttrinker13 »

PinkFloyd hat geschrieben:Nach dem Hören der Folge und dem schauen ein paar Videos bin ich, als jemand der SoC noch nicht gespielt hat, ziemlich angetan...

An diejenigen die das Spiel schon gezockt haben folgende Frage:

Ich finde die von Jochen und Andre angesprochene Leere der spielwelt nicht schlecht, sondern zum grundfeeling passend. Wie muss ich mir nun den gameloop zwischen 2 Kolossen vorstellen? Laufe ich einfach von Koloss 1 zu 2? Was passiert dazwischen? Wie viel Zeit verbringe ich zwischen den Hauptkämpfen?

LG Floyd
Du reitest durch die Welt, und suchst den nächsten Koloss. Dabei gibt es keine Symbole oder Minimap oder ähnliches, nur eine Art Kompass. Manchmal ist es gar nicht so leicht den Weg zu finden und du musst dich mit der krassen Topografie auseinandersetzen.

Du kannst auch einige Gimmicks in der Welt finden, sie sind aber sehr versteckt (eher durch die große Weite und Leere, als das sie wirklich versteckt sind).

Wie viel Zeit du mit diesem Reiten und Erkunden verbringst, ist letztlich dir überlassen. Im Allgemeinen findest du den nächsten Koloss in 5 Minuten. (Manchmal musst du dir seinen "Hort" noch durch zusätzliches Klettern erst erschließen.) Du kannst dir aber auch mehr Zeit lassen. Es ist wirklich schön (jetzt besonders in der neuen Version!) und ruhig. Kontemplativ. Es regt an, ein wenig über das was man tut zu reflektieren.
:D

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Andre Peschke
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Andre Peschke »

PinkFloyd hat geschrieben:Wie muss ich mir nun den gameloop zwischen 2 Kolossen vorstellen? Laufe ich einfach von Koloss 1 zu 2? Was passiert dazwischen? Wie viel Zeit verbringe ich zwischen den Hauptkämpfen?
Koloss töten.
Ohnmächtig werden.
Ggf. kurze Cutscene wenn man in Tempel wieder aufwacht.
Zum nächsten Koloss reiten. Ggf. Weg suchen und finden.
(Nur PS4-Remake: Evtl zwischendrin stehen bleiben und Fotomodus benutzen)
Koloss besiegen.
Repeat.

Andre

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PinkFloyd
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Re: RE: Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von PinkFloyd »

Andre Peschke hat geschrieben:
PinkFloyd hat geschrieben:Wie muss ich mir nun den gameloop zwischen 2 Kolossen vorstellen? Laufe ich einfach von Koloss 1 zu 2? Was passiert dazwischen? Wie viel Zeit verbringe ich zwischen den Hauptkämpfen?
Koloss töten.
Ohnmächtig werden.
Ggf. kurze Cutscene wenn man in Tempel wieder aufwacht.
Zum nächsten Koloss reiten. Ggf. Weg suchen und finden.
Koloss besiegen.
Repeat.

Andre
Wie gewieft du das Stilmittel Minimalismus in Sprache umsetzt, einfach genial :-)

Dank an bluttrinker und dich für die Antworten

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bluttrinker13
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von bluttrinker13 »

Andre Peschke hat geschrieben: Koloss töten.
Ohnmächtig werden.
Ggf. kurze Cutscene wenn man in Tempel wieder aufwacht.
Zum nächsten Koloss reiten. Ggf. Weg suchen und finden.
(Nur PS4-Remake: Evtl zwischendrin stehen bleiben und Fotomodus benutzen)
Koloss besiegen.
Repeat.

Andre
Die Romantik hebst du dir scheinbar komplett für deine Freundin auf, was? ;)

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Andre Peschke
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Andre Peschke »

bluttrinker13 hat geschrieben: Die Romantik hebst du dir scheinbar komplett für deine Freundin auf, was? ;)
Wenn du Romantik willst, geh zu Goschi ;)

Andre

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bluttrinker13
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von bluttrinker13 »

goschi hat geschrieben::roll: :roll:
Oho, noch ein Fan langer Strandspaziergänge?

Lass mich nur schnell meine Handtasche holen, dann bin ich bereit! :)

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TechniKadger
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von TechniKadger »

echtschlecht165 hat geschrieben: 1. Spoilerwarnungen allgemein: Nur weil ich selber komplett angstbfreit bin, gespoilert zu werden, heisst das nicht dass das alle sein müssen. Ich finde aber, es ist besser gewisse DInge einfach garnicht zu erwähnen, als zu sagen: "Hier gibt es zwar etwas, aber ich werde es aufgrund von Spoilern nicht sagen."
Spoilerwarnungen find ich hjetzt nicht schön, aber so what.....

2. Spoiler im Format "En Detail": Dieses Format leidet drunter, wenn ihr euch selbst beschneidet, weil ihr vieles nicht erzählen dürft.
In den bisherigen Folgen habt ihr ja ausdrücklich drauf hingewiesen, dass ihr hart spoilern werdet. Warum ihr es hier anders macht, versteh ich nicht.

Und ganz ehrlich, wer Spoiler nicht ausstehen kann, SoC noch spielen möchte, und dann ein Format Namens "En Detail: Shadow of Colossus" anhört und sich nachher ärgert gespoilert geworden zu sein, der hats nicht anders verdient. :D
In allen Punkten unterschrieben.
Andre Peschke hat geschrieben:Normalerweise spoilern wir in En Detail doch fröhlich drauf los. Es erschien mir nur unnötig.

Andre
Die gefühlte Unnötigkeit kann ich so überhaupt nicht nachvollziehen. Zum einen war da, wie schon vor mir angesprochen, das ständige Problem der Erwähnung des Endes. Das war wie eine permanente Karotte, die einem vor den Kopf gehalten wird. Unglaublich unbefriedigend.
Zum Anderen: Es scheint so, dass am Anfang des Spiels viel angedeutet wird, was dann später explizit in der Story aufgelöst wird. Das Spiel spielt also bewusst mit Konventionen des Heldentums in Videospielen, auch durch den starken Bezug zu The Legend of Zelda und Link als Protagonisten und zeichnet sich damit von anderen Spielen aus. Das ist, kann ich mir vorstellen, recht essentiell für die Wirkung des Spiels auf die Spielenden.
Ihr könnt dann nicht permanent davon sprechen, wie viel foreshadowing betrieben wird ohne zu benennen, wie diese Andeutungen aufgelöst werden. Das Ende, oder zumindest der narrative Twist, sind dann retrospektiv essentiell für das Erleben der ersten zwei Studen. Somit wäre das für ein Format wie En Detail ziemlich wichtig gewesen.

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Andre Peschke
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Andre Peschke »

TechniKadger hat geschrieben:Die gefühlte Unnötigkeit kann ich so überhaupt nicht nachvollziehen. Zum einen war da, wie schon vor mir angesprochen, das ständige Problem der Erwähnung des Endes. Das war wie eine permanente Karotte, die einem vor den Kopf gehalten wird. Unglaublich unbefriedigend.
Weiß nicht, ob das vorher nicht deutlich genug war, obwohl ich mich für den Missstand hier im Thread schon entschuldigt habe, aber da es sich wiederholt: Die Kritik ist schon angekommen und vermerkt.
SpoilerShow
Das Ende ist im Grunde nur die endgültige Vollendung dessen, was sich ab dem ersten Koloss andeuted: Durch das Töten der Kolosse wird Dormin befreit und ist nicht besonders nett. Wander zahlt den erwähnten hohen Preis, indem er selbst das Gefäss für Dormin wird. Die Umsetzung des Ganzen ist dann nochmal ganz cool, weil man plötzlich quasi aus Dormins Perspektive ein paar angerittene Menschlein tötet - darunter auch der Erzähler mit der Maske (Lord Emon). Es gibt auch eine Verknüpfung zu ICO und seinen gehörnten Kindern. Aber wirklich alles, was da im Bezug auf das Ende nicht gesagt wurde, lies sich schon anhand des Todes des ersten Kolosses erklären. Daher erschien es mir unnötig das nochmal in Detail zu spoilern. Vermutlich wurde da mehr der Eindruck erweckt, es fehlt etwas, als alles andere.
TechniKadger hat geschrieben: Zum Anderen: Es scheint so, dass am Anfang des Spiels viel angedeutet wird, was dann später explizit in der Story aufgelöst wird. Das Spiel spielt also bewusst mit Konventionen des Heldentums in Videospielen, auch durch den starken Bezug zu The Legend of Zelda und Link als Protagonisten und zeichnet sich damit von anderen Spielen aus. Das ist, kann ich mir vorstellen, recht essentiell für die Wirkung des Spiels auf die Spielenden.
Ihr könnt dann nicht permanent davon sprechen, wie viel foreshadowing betrieben wird ohne zu benennen, wie diese Andeutungen aufgelöst werden. Das Ende, oder zumindest der narrative Twist, sind dann retrospektiv essentiell für das Erleben der ersten zwei Studen. Somit wäre das für ein Format wie En Detail ziemlich wichtig gewesen.
Vielleicht vermischt sich hier auch etwas. Ich habe in der Folge 2-3 Mal etwas angeteasert und es dann noch nicht an der Stelle erzählt. Da ging es aber um den Tod des ersten Kolosses und seine Inszenierung, den schwarzen Rauch der in Wander fährt und ihn offensichtlich krank macht etc. Also, das wurde in der Folge aufgelöst. Und wie im Spoiler oben beschrieben im Grunde auch sonst alles (IMO). Wie man in den letzten Folgen ja sogar hören konnte (ich glaube zumindest, wir haben das nicht geschnitten), hab ich bisher immer auf Spoiler gedrungen, wenn ich die Bezugnahme zum Ende wichtig fand für die Einordnung. Hier wüsste ich nichts, was wirklich darunter gelitten hat.

Das wir zu häufig dennoch irgendwelche Bezüge hergestellt haben und das auf euch störend wirkte - unbenommen.

Andre

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Ricer
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Ricer »

Andre Peschke hat geschrieben:
SpoilerShow
Das Ende ist im Grunde nur die endgültige Vollendung dessen, was sich ab dem ersten Koloss andeuted: Durch das Töten der Kolosse wird Dormin befreit und ist nicht besonders nett. Wander zahlt den erwähnten hohen Preis, indem er selbst das Gefäss für Dormin wird. Die Umsetzung des Ganzen ist dann nochmal ganz cool, weil man plötzlich quasi aus Dormins Perspektive ein paar angerittene Menschlein tötet - darunter auch der Erzähler mit der Maske (Lord Emon). Es gibt auch eine Verknüpfung zu ICO und seinen gehörnten Kindern. Aber wirklich alles, was da im Bezug auf das Ende nicht gesagt wurde, lies sich schon anhand des Todes des ersten Kolosses erklären. Daher erschien es mir unnötig das nochmal in Detail zu spoilern. Vermutlich wurde da mehr der Eindruck erweckt, es fehlt etwas, als alles andere.
Hier würde ich gerne En Detail gehen
SpoilerShow
Dormin wird nicht primär durch das Töten der Kolosse befreit. Dormin wird durch das Töten von Wander befreit (Kreislauf). Ganz im Ende gibt es eine eindrückliche Szene, in der ein Mann mit Schwert über Wander steht und das Schwert direkt in Wanders blau leuchtende Augen zeigt. So wie die Augen der Kolosse manchmal blau/passiv oder orange/angriff leuchteten.

Ich kann nicht erkennen, dass man als Dormin am Ende ein paar Menschlein tötet, oder wie du es sagst "nicht ganz nett ist". Falls Dormin nicht nett ist, dann geschieht das nicht durch Dormin, sondern durch Spielerinnen oder Spieler, denn an dieser Stelle hast du die Wahl. Schlägst du um dich, oder lässt du die Menschen entkommen? Und selbst wenn du als Dormin auf die Menschen einschlägst - alle entkommen. Kein einziger Mensch kann im Endkampf durch einen aggressiven Spieler getötet werden. Besteht hier also wirklich die Gefahr, die über Generationen weitererzählt wird? Emon kommt mit fünf Kämpfern und Emon geht mit fünf Kämpfern. Es bleibt die Frage wer oder was Dormin ist, und ob es überhaupt gerechtfertigt war, ihn zu verbannen. Die Erzählung folgt der klassischen Heldengeschichte von Gut und Böse, aber niemandem ist klar, was das Böse ist und warum man gegen es kämpft und ob es überhaupt Böse ist.

Dormin hält alle seine Versprechen und bringt Wander nicht um. In der Endsequenz wird erwähnt, dass Dormin sich den Körper von Wander nur ausborgt und Mono ist am Ende sogar lebendig. Ich sehe an dieser Stelle nicht Dormin als Schuldigen, sondern Emon und seine Kämpfer. Sie sind die Schuldigen an Monos Tod und Wanders Tod. Sie sind es die den Status Quo erhalten und die Welt in ihrer Art und Weise belassen, wie sie ist. Oft wird kritisiert, dass Spiele in ihrer Grundstory einen Ursprungszustand wiederherstellen. Meine These wäre, dass Shadow of the Colossus und Ico den Weg gehen, dass ein aktueller, schon lange andauernder Zustand überwunden werden muss. Was einer ungeheuren Anstrengung und Ausdauer bedarf. In einer Standard-Triple-AAA Produktion würde man vielleicht Emon und seinen Trupp steuern, um alles zu bewahren wie es ist.

Shadow of Colossus zeigt eine Welt, in der willkürlich Menschen geopfert werden (Mono) und Menschen, die daran zugrunde gehen (Wander). Wenn Wander nicht handeln würde, dann würde damit jedes Menschenopfer gerechtfertigt werden. Die Welt von Ico erzählt die Geschichte zweier Menschen/Wesen, die beide geopfert werden sollen und aus dieser Situation entkommen und am Ende eine Welt hinterlassen, in der diese Schicksale niemandem drohen.

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Andre Peschke
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Andre Peschke »

Ricer hat geschrieben:
Hier würde ich gerne En Detail gehen
Hier kann ich nicht En Detail gehen, weil - wie du merkst - meine 12 Jahre alte Erinnerung an das Ende dafür nicht mehr taugt. Ich wollte ja nur deutlich machen, dass das worauf wir anspielen schon in den Beobachtungen zum 1. Koloss enthalten ist. Es fehlt nichts in der Betrachtung. Das ich das Ende auch noch in Teilen falsch erinnere untermauert ja nur noch mehr, dass wir da nichts von Relevanz ausgespart haben indem wir das "ausgepiept" haben.

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IceGrin

Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von IceGrin »

Ich muss sagen ich versteh die motivation von wanda voll und ganz. Ich würde gleich handeln und wenn wir die kolosse schon töten müssen können wir uns auch nen spaß daraus machen.

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Andre Peschke
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Andre Peschke »

IceGrin hat geschrieben:Ich muss sagen ich versteh die motivation von wanda voll und ganz. Ich würde gleich handeln und wenn wir die kolosse schon töten müssen können wir uns auch nen spaß daraus machen.
Ist bestimmt eine Immersionsfrage. Ich identifiziere mich nicht mit Wander im Sinne eines "das bin ich", sondern ich beobachte ihn wie den Protagonisten eines Films. Meine Sympathie gilt da den Kolossen, auch wenn ich Wander natürlich verstehen kann. Das macht das ganze ja so gut. Tragik in jede Himmelsrichtung.

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Ricer
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Ricer »

Andre Peschke hat geschrieben: Hier kann ich nicht En Detail gehen, weil - wie du merkst - meine 12 Jahre alte Erinnerung an das Ende dafür nicht mehr taugt. Ich wollte ja nur deutlich machen, dass das worauf wir anspielen schon in den Beobachtungen zum 1. Koloss enthalten ist. Es fehlt nichts in der Betrachtung.
Eurer Deutung liegt zugrunde, das Emon, in allem was er sagt und tut die Wahrheit spricht und aufrichtig handelt. Und meiner Meinung nach gibt es im Spiel viele Hinweise, die genau das infrage stellen.
Andre Peschke hat geschrieben:Das ich das Ende auch noch in Teilen falsch erinnere untermauert ja nur noch mehr, dass wir da nichts von Relevanz ausgespart haben indem wir das "ausgepiept" haben.
Symphatisch :lol:

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Andre Peschke
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Andre Peschke »

Ricer hat geschrieben:Eurer Deutung liegt zugrunde, das Emon, in allem was er sagt und tut die Wahrheit spricht und aufrichtig handelt. Und meiner Meinung nach gibt es im Spiel viele Hinweise, die genau das infrage stellen.
Du, das kann gut sein. Vielleicht würde ich das auch so sehen, wenn ich es nochmal spiele. Ich rezipiere Spiele heute auch ganz anders als 2006. Bei der Folge lief es halt so:

Jochen: "Wenn du diesmal wieder über das Ende sprechen willst, sag es halt vorher"
Andre: "Hmmm, nö. Ist ja jetzt auch wieder quasi ein neues Spiel und total supi. Muss man nicht wegspoilern."

Das wir dann trotzdem so oft auf das Ende Bezug genommen haben ist schlicht doof gelaufen. Man merkt ja im Thread: Mir ist das während der Aufnahme nichtmal als so "penetrant" aufgefallen. Voll tragisch ( ;) ), dass wir hier jetzt so viel über diesen Umstand diskutieren, weil die Folge an sich hat uns beiden eigentlich gut gefallen.

Andre

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Ricer
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Ricer »

Mir hat die Folge gefallen :) Eure Deutung ist ja so lesbar. In meinem vielperspektivischen Wahn musste ich nur gewisse Widersprüche aufzeigen. Ich kann euch sagen wo das herkommt - Spec Ops The Line. Seit diesem Spiel hat sich meine Rezeption komplett verändert. Auf Ico und Shadow of the Colossus bin ich erst durch Spec Ops aufmerksam geworden, da ich mich mit Spielen beschäftigt habe, die versuchen einen Schritt weiter zu gehen. Die Interpretationsspielräume anbieten. Die Lücken haben, die kein Writer erklärt, sondern die erst eine Auseinandersetzung mit dem Werk und sich selbst erlauben.

IceGrin

Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von IceGrin »

Andre Peschke hat geschrieben:
.... Vielleicht würde ich das auch so sehen, wenn ich es nochmal spiele. Ich rezipiere Spiele heute auch ganz anders als 2006...........
Wie ist das eigentlich? Du und sebastian (der eh noch nicht bei en detail war) hab mal gesagt, ihr spielt spiele sehr ungern noch einmal. Wie geht's dir dann bei dem format?

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Andre Peschke
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Andre Peschke »

IceGrin hat geschrieben:Wie ist das eigentlich? Du und sebastian (der eh noch nicht bei en detail war) hab mal gesagt, ihr spielt spiele sehr ungern noch einmal. Wie geht's dir dann bei dem format?
Ist hier nicht so das Problem, weil wir ja nur so die erste Stunde nochmal spielen und diese Detektivarbeit im Detail macht mir viel Spaß. Bei Spielen die ich schon kenne oft sogar schon mehr, weil ich nicht mehr das grundlegende Verständnis leisten muss. Ginge es darum die nochmal ganz durchzuspielen, hätte ich erstmal keinen Bock drauf. Wenn man dann mal angefangen hat, macht es natürlich trotzdem Spaß. Ich bin nur initial immer viel mehr daran interessiert eine neue Erfahrung zu machen, als eine alte zu wiederholen.

Ist bei Urlaub genauso. Wenn es heißt: "Das war schön, da könnten wir ja nochmal hin fahren", runzel ich immer die Stirn, weil für mich ist die Frage: "wo bin ich noch nicht gewesen?".

Andre

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Martin L00ter
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Martin L00ter »

Wieder eine tolle Folge eines hochinteressanten Formats. Und zu dem Umgang mit dem Ende (nur als Kontrast, da es ja nun schon oft genug kam und von euch vermerkt wurde): Fand es nicht so schlimm wie andere hier. Konnte das auch mit Kenntnissen vom Ende gut einordnen.

Meiner Meinung nach wird das Spiel zu sehr auf einen Sockel gehoben, aber erst mal das Positive:
Shadow of the Colossus ist ein spielenswerter Titel. Gerade im PS4-Remake. SotC besteht fast nur aus Landschaft, Kolossen und Musik und wenn die optischen Faktoren nicht nur besser sondern zum Teil – dieser Wald! – einfach nur fantastisch aussehen, lohnt sich das Spiel heute mehr denn je, wenn es einen interessiert. Schon der erste Koloss kommt noch schöner, mit den ganzen Vögeln, die ihn umschwärmen. Diese Folge En Detail hat zudem den Blick schön auf die Feinheiten der Inszenierung gelenkt. Dafür bin ich wirklich dankbar, denn ich hatte diesen Anfang schon zu oft gesehen und empfand ihn nur noch als überlanges Vorspiel. Generell hat die Folge mit ihrer kleinteiligen Analyse für mich die ganze handwerklich sehr gute Ästhetik quasi wieder restauriert. Danke dafür!

Konträre Meinungen zu Andre und Jochen, die zugleich Kritik an SotC beinhalten:

Die Tragik der Kolosse: Ehrlich gesagt tun mir die Kolosse überhaupt nicht leid. Die zu bezwingen ist toll! Deswegen spiele ich das Spiel circa ein Mal im Jahr. Ich genieße die Epik dieses David-gegen-Goliath-Kampfes. Wenn diese enormen schwarzen Blutschwaden aus den Wunden der Kolosse regnen ist das für mich eine optische Belohnung. Dazu diese hervorragende Musik von Kow Otani, ohne die das Spiel nur halb so gut wäre, so viel macht sie von der Atmosphäre aus (Ausnahme ist „Ressurected Power“. Der Track spielt z.B. beim Erklimmen des zweiten Kolosses und klingt irgendwie unpassend, als wollte ich auf meinem Koloss-Freund in ein magisches Land reiten).
Natürlich ist das nicht gut, was ich mit Wander da tue. Um das zu verstehen reicht die Prämisse – wann ist es schon einmal in einem Mythos oder anderen Geschichte gut ausgegangen, Tote wiedererwecken zu wollen? – und die melancholische Musik, wenn der Riese fällt wie eine Marionette mit durchgeschnittenen Fäden. Aber das Spiel selbst vermittelt mir nicht den Eindruck, das solle keinen Spaß machen oder mir ein schlechtes Gefühl vermitteln, wenn es mich die Kämpfe an den Überresten jederzeit wiederholen lässt und sogar einen Zeitangriffs-Modus bietet.
Wegen dieser En-Detail-Folge habe ich darüber nachgedacht, weshalb ich kein Mitleid empfinde: Das Spiel ist mir zu durchschaubar bzw. mechanisch. Eben weil der jeweilige Koloss erst in der Spielwelt auftaucht, wenn Wander ihn erlegen soll, ist das für mich kein schützenswertes Naturwunder, das ich töte. Ohne Wander wären die Kolosse offensichtlich gar nicht da. Warum zeigt mir das Spiel nicht mal einen Koloss in der Ferne Staub aufwirbeln oder lässt zumindest die Silhouetten der fliegenden Kolosse am Himmel erscheinen, damit zumindest die Illusion entsteht, es wäre nicht so? Auch die lahme Gegenwehr der Kolosse zerstört für mich eher die Glaubhaftigkeit – sollen doch bitte mit ihren Händen schlagen, sich richtig umherwerfen oder den Kopf gegen die Wand rammen!

Jump and Run trifft SotC für mich nicht, auch wenn das Klettern etwas Geschicklichkeit verlangt. Es ist ein Action-Adventure wie Uncharted oder Enslaved eines ist. Das Klettern verläuft nur nicht so auf Schienen und es gibt keinen Standard-Gegner. Auch trifft Andres Beschreibung in Richtung von Plattform zu Plattform springen und sich auch mal fallen lassen eigentlich nur auf einen einzigen Koloss im größeren Maße zu.
SpoilerShow
Den letzten Koloss
Auch die häufige Beschreibung "jeder Boss ist ein Level" ist für mich schon immer ein wenig irreführend gewesen. Das trifft nur auf den einen besagten Koloss zu, an dem man wirklich sehr lange klettern und hüpfen muss. Auf der PS4 war ich aktuell noch nicht so weit, aber auf der PS3 war das damals der allergrößte Graus, weil präzises Springen in SotC mit der Steuerung echt keinen Spaß gemacht hat. Ansonsten ist man bei jedem Koloss innerhalb weniger Minuten an seinem Schwachpunkt, wenn man erst mal das Rätsel gelöst hat, wie man da hin kommt – bei einigen wenigen Kolossen ist das sogar nervig, weil deren gewünschtes Verhalten sich für mich nur unzuverlässig triggern lässt.
SpoilerShow
Ich meine besonders das Pferd und auch den Koloss bei den Geysiren.
Bei „der Boss ist das Level“ stelle ich mir aber vor, ich klettere wirklich eine halbe Stunde und länger auf (oder in) einem berghohen Ungetüm herum. Das Gefühl vermittelten mir eher die Titanen in Breath of the Wild.


So viel SotC ästhetisch richtig macht, es ist kein unfehlbares Meisterwerk. Mir hat Jochen aus der Seele gesprochen, wenn er meinte, dass Reviews zu zögerlich auf die Schwächen von SotC eingehen, als hätten sie Angst vor Majestätsbeleidung. Finde sogar die 77% vertretbar, die damals die Maniac dem Original gegeben hat und dafür später öfter Unkenrufe aushalten musste.
SotC ist momentan einzigartig und da liegt das Poblem: Ich würde mich über weitere Spiele freuen, die das doch so gut zu Spielen passende David-gegen-Goliath-Thema in Reinform auf andere, eigene Weise interpretieren. Die Chancen dafür sehe ich aber geringer, wenn sich solch ein Titel an diesem übertriebenen SotC-Idealbild messen lassen muss. Mal sehen, wie es Prey to the Gods ergeht, wenn es denn mal erscheint.
Jochen hat geschrieben:Ich sage Ihnen: Die Straße zur Hölle ist mit Beute gepflastert, für die kein Platz im Inventar mehr war.

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Maulwuerfel
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Maulwuerfel »

So, ich hab das Remake jetzt durchgespielt. Das letzte mal hatte ich SotC zum PS3 Remaster Release gespielt und hatte insbesondere das Ende nicht mehr ganz in Erinnerung.
Mitleid hatte ich eigentlich nur mit den ersten Kolossen, bzw mit denen die relativ wehrlos sind. Auch finde ich nicht, dass Wander falsch handelt oder etwas böses macht. Nach allem was man weiß, ist Lord Emon ein Fanatiker, der es zumindest toleriert, dass junge Mädchen geopfert werden. Wander versucht Mono zu retten und ist dafür bereit jedes erdenkliche Opfer zu bringen. Dormin wurde in den 16 Kolossen gefangen, die nur als Gefängnis und Wächter von Dormin existieren. Dormin hält sich am Ende auch an die Abmachung und erweckt Mono wieder zum leben. Dass Dormin böse ist bzw gefangen bleiben oder gar vernichtet werden muss, ist nur die Aussage von Lord Emon und dessen Meinung würde ich wie schon gesagt eher kritisch sehen.

Auf jeden Fall hat mich das Spiel auch dieses Mal wieder emotional sehr mitgenommen und das Remake ist wirklich sehr gelungen.
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Ricer
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Re: En Detail: Shadow of the Colossus

Beitrag von Ricer »

Man könnte sogar etwas weiter gehen, was Dormin betrifft. Zu Beginn spricht Dormin mit zwei Stimmen. Einer weiblichen und einer männlichen Stimme. Kurz vor dem Ende ist der weibliche Teil der Stimme nicht mehr zu hören. Grund könnte die beginnende Wiederbelebung von Mono sein. Am Ende ist in der Welt dann noch die Stimme des Kindes zu hören, bei dem es sich vermutlich um ein männliches Kind handelt. Das könnte bedeuten, dass Dormin nicht besiegt, sondern wirklich befreit wurde und die Frage offenbleibt, wer oder was in der Welt für das Böse steht und wer die Deutungshoheit besitzt.

Ich habe nach dem Podcast die PS3 HD-Fassung erneut durchgespielt :)

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