Runde #154: Past Cure

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Stuttgarter
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Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Stuttgarter »

Singh hat geschrieben:
Wie soll ich es sonst bewerten, wenn eine 5,8 von IGN als zufriedenstellend bzw. gut von Simon bewertet wird? Und ich meine, dass er auch kurz auf die Verkaufszahlen eingegangen ist und sich zufrieden gezeigt hat. Das bedeutet für mich, dass die Erwartungshaltung eh schon absolut gering war, aber alle Ziele zumindest zufriedenstellend erreicht wurden. :)
Das mit der 5,8, die er so stolz erwähnt hat, kann ich mir tatsächlich nur mit dem (von Jochen an anderer Stelle unterstellten) "Keine Ahnung, wie Spielepresse tickt" erklären.

Als Normalmensch muss man ja eigentlich davon ausgehen, dass eine Bewertung oberhalb der Mitte als "gutes Mittelmaß" gilt. Dass in der Spielepresse das "gute Mittelmaß" derzeit eher die Wertungen um die hohe sieben rum sind - das dürfte sehr schwer nachvollziehbar sein.

Was ich mich bei dem Thema "keine Ahnung von Spielejournalismus" allerdings schon die ganze Zeit frage - mag ja sein, dass das auf den Herren zutrifft. Dass der wirklich nicht weiß, wie er Previews und Wertungen einordnen muss. Aber: Das kann doch unmöglich auf sein kreatives Team zutreffen. Die entwickeln Spiele. Also interessieren sie sich dafür. Entsprechend sollte doch davon ausgegangen werden, dass die tatsächlich auch mit der PC Games, der Gamestar etc. groß geworden sind. Und deshalb schon einschätzen können, wie sie eine Preview der PC Games verstehen sollten.

Bigtom
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Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Bigtom »

Anhand dieses Podcasts merkt man wie professionell Andre, Jochen und Sebastian sprechen. Ich musste nach ca. 20 Minuten abbrechen, weil der Typ von Past Cure gefühlt in jeden 2. Satz ca. 25 "ÄH ÄH ÄH" drin hat.

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Stratos
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Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Stratos »

Stuttgarter hat geschrieben: Was ich mich bei dem Thema "keine Ahnung von Spielejournalismus" allerdings schon die ganze Zeit frage - mag ja sein, dass das auf den Herren zutrifft. Dass der wirklich nicht weiß, wie er Previews und Wertungen einordnen muss. Aber: Das kann doch unmöglich auf sein kreatives Team zutreffen. Die entwickeln Spiele. Also interessieren sie sich dafür. Entsprechend sollte doch davon ausgegangen werden, dass die tatsächlich auch mit der PC Games, der Gamestar etc. groß geworden sind. Und deshalb schon einschätzen können, wie sie eine Preview der PC Games verstehen sollten.
Nachdem das Team bereits im Vorfeld ihr Spiel erfolgreich in jedem denkbaren Medium mit "game" im Titel quasi bis Bartagame.de platziert hatte, halte eine solche Unkenntnis für völlig ausgeschlossen. Im Kontext der restlichen Interviews behaupte ich ohne jedes schlechte Gewissen, dass hier lediglich gute Mine zum bösen Spiel gemacht wurde. Einer der Hauptvorwürfe in der Presse war, dass das Team "mehr abgebissen hat, als es schlucken konnte". Wenn man diesen Vorwurf ausräumen will macht es sich schlicht gut, die eigene Erwartungshaltung etwas zu relativieren - allzu harsche Kritik an den Bewertungen wäre schließlich kaum mit viel Verständnis aufgenommen worden.
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Singh
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Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Singh »

Na ja, ich bleibe lieber bei den einzigen Aussagen mit tatsächlicher Substanz, nämlich die Äußerungen von Simon hier und in anderen Medien, als mich in Mutmaßungen bzgl. eigentlicher bösen Absichten zu vertiefen.

Wenn da wenigstens ein Leak o.ä. deine Aussagen stütze würde, dann könnte man immerhin abwägen. Aber in der derzeitigen Konstellation bleibt mir nur zu sagen: Naivität ist kein Verbrechen.

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Stratos
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Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Stratos »

Na ja, ich bleibe lieber bei den einzigen Aussagen mit tatsächlicher Substanz, nämlich die Äußerungen von Simon hier und in anderen Medien, als mich in Mutmaßungen bzgl. eigentlicher bösen Absichten zu vertiefen.
Du hältst also die Aussagen des Managing Directors eines Spiels auf Promotions-Canossa-Tour für die einzigen mit Substanz. Das bleibt dir natürlich unbenommen, ich hoffe, dass ich dich künftig für ein paar P&R Container begeistern kann.

Böse Absicht wurde übrigens nicht unterstellt - eher grobe Fahrlässigkeit und Beschönigung derselben.
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Singh
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Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Singh »

Stratos hat geschrieben:
Na ja, ich bleibe lieber bei den einzigen Aussagen mit tatsächlicher Substanz, nämlich die Äußerungen von Simon hier und in anderen Medien, als mich in Mutmaßungen bzgl. eigentlicher bösen Absichten zu vertiefen.
Du hältst also die Aussagen des Managing Directors eines Spiels auf Promotions-Canossa-Tour für die einzigen mit Substanz. Das bleibt dir natürlich unbenommen, ich hoffe, dass ich dich künftig für ein paar P&R Container begeistern kann.

Böse Absicht wurde übrigens nicht unterstellt - eher grobe Fahrlässigkeit und Beschönigung derselben.
Du missverstehst.
Einordnen kann ich seine Aussagen ganz gut, aber ich vertraue eher den zitierbaren Aussagen eines Mitarbeiters, der bei der Entwicklung involviert war, als substanzlose Mutmaßungen über die vermeintlichen Motivationen und dem manipulativen PR.

Wenn du (oder wer anders) jetzt aber um die Ecke kommst mit irgendeinem Leak oder Tweet, der die ganzen Aussagen in ein anderes Licht rückt, dann hat man wenigstens eine Diskussionsgrundlage. Ich will dir jetzt aber auch keine Beweislast anhängen, deine Meinung ist ja legitim, mir persönlich reicht es aber nicht. :)

KingSirus
Beiträge: 36
Registriert: 11. Feb 2016, 21:36

Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von KingSirus »

An dieser Stelle verweise ich auf das Zitat in meiner Signatur:
„Wort ist Währung. Je wahrer, desto härter.“ - Reiner Kunze

Ich bin wirklich überrascht über die Diskussion. Denn ich hätte nie gedacht, dass man mal darüber diskutieren würde, wie „hart“ die Wortwahl einer Kritik sein darf. Für mich ist klar, dass wenn Kunst alles darf, auch die Kritik an Kunst alles darf! Und nein, an dieser Stelle möchte ich keine Diskussion zum Thema „Sind Videospiele Kunst“ aufmachen…

Lasst es mich daher vielleicht anders ausdrücken: Jemand der Dinge erschafft - künstlerisch oder nicht -, darf seiner Kreativität in jeglicher Hinsicht freien Lauf lassen. Dies aber zu dem Preis, dass auch die Kritik an seinem geschaffenen Werk jegliche Form annehmen kann.

Ehrlich gesagt finde ich sogar, dass der Verriss damit die ehrlichste Form der Kritik ist! Ich möchte hierbei auf Jochens Aussage verweisen, dass Entwickler ein falsches Bild von Reviews haben, dadurch dass sie diese kaum konsumieren und daher nicht fähig sind „zwischen den Zeilen“ zu lesen. Aber auch gleichermaßen auf folgendes Beispiel von monieu aus dem anderen Thread zu diesem Thema:
monieu hat geschrieben:Angesichts der niedrigen Polygonzahl der Charaktere hätte man auch einfach gleich eine Geschichte mit anthropomorphen Bauklötzchen im Kindergarten erzählen können.

>

Angesichts der niedrigen Polygonzahl der Charaktere wäre eine Geschichte mit anthropomorphen Bauklötzchen im Kindergarten die bessere Wahl für das Spiel gewesen.

>

Angesichts der niedrigen Polygonzahl der Charaktere hätte eine Geschichte mit anthropomorphen Bauklötzchen im Kindergarten auch gut zum Spiel gepasst.
Wie wir sehen verändert sich die Wahrnehmung und Interpretierbarkeit eines einzelnen Satzes, je nachdem wir „nett“ man ihn verpackt. Aus genau diesem Grund wäre mir stets die ehrlichste - wenn vielleicht auch härteste und „unfairste“ - Satzform am Liebsten. Weil was nützt mir, wenn ich einen netter formulierten Satz habe, dessen Kern ich vielleicht missverstehe? Ich brauche als Schaffender / Künstler kein Honig ums Maul geschmiert zu bekommen, weil keiner die Eier hat mir die ungeschönte Wahrheit ins Gesicht zu sagen, bis ich von Dieter Bohlen vor aller Weltöffentlichkeit in Grund und Boden blamiert werde! Ist diese öffentliche Blamage wirklich besser, als absolut gnadenlos ehrliche Worte?

Insofern bin ich auf Seiten von Stuttgarter was die Argumentation anbelangt. Und seien wir ehrlich, es fällt auch immer leichter hart zu kritisieren, wenn man die Person dahinter nicht kennt, sondern eben nur das Erzeugnis.

Ich habe selbst vor vielen Jahren extrem viel geschrieben, hauptsächlich im Bereich der FanFictions. Aufgrund dessen habe ich aber auch Werke anderer FanFic Autoren kritisiert und dies mit einer derartigen Gnadenlosigkeit, das sogar einige wegen meiner Kritik aufgehört haben zu schreiben. Und hier kommen wir zum Punkt, wo ich die andere Partei verstehen kann, denn würde man mir die Frage stellen: „Bist du stolz auf diese Auswirkung deiner Kritiken?“, so würde meine Antwort lauten: „Nein!“

Denn meine Absicht war mit dieser ehrlichen Form der Kritik nicht die Leute zu demotivieren. Ich wollte lediglich der eine Ehrliche sein, der nicht wir Freunde und Familie alles über den grünen Klee lobt. Ich wollte mit meinen harten Worten die Fehler aufzeigen, damit man an eben diesen arbeiten könne, um am Ende oder in Zukunft eine bessere Leistung ablegen zu können.

Zu jenem Zeitpunkt kam ich daher für mich zur Erkenntnis, dass eine Kritik nie einseitig sein darf. Es gibt IMMER sowohl Stärken, als auch Schwächen. Wie also mit einem Verriss umgehen, der ja von seiner Natur aus eigentlich nur die dunkle Seite der Macht kennt: Die Schwächen aufzeigen!?

Nun auch ein Verriss kann mit Worten enden wie beispielsweise „Aber trotz all dieser Schwächen, zeigen sich auch Stärken“ oder „Trotz all dieser Negativpunkten, zeigen sich Lichtblicke ab.“

Man kann also mit positiven Aspekten so etwas abschließen, um zum einen Aufzuzeigen dass nicht alles schlecht ist und vielleicht auch um den Schaffenden in Erinnerung zu rufen, dass man ihm ja eigentlich nichts Böses will.

Denn letztendlich glaube ich auch nicht, dass jemand einen Verriss schreibt, weil er Spaß daran empfindet. Sondern letztendlich immer, weil man als Kritiker stets jemandem gegenüber eine Verantwortung empfindet. Beispielsweise seinen Lesern gegenüber ehrlich zu sein und vor einem Fehlkauf zu warnen. Oder aber einem Künstler gegenüber, bei dem man in Zukunft eine Verbesserung erhofft.


Was nun das Interview angeht, so muss ich ehrlich sagen, dass Herr Gerdesmann für mein Gefühl vielen Fragen von André eher ausgewichen ist und beim Antworten sich dafür lieber ins Marketingblabla flüchtete. Gerade zum Ende hin deutlich, als Simon wieder von den Veränderungen sprach, die sich das Team früher nicht zu implementieren traute und André sogar extra nachfragen musste: „Ja aber was für Veränderungen sollen das nun genau sein?“

Und selbst dann wich er noch der Frage aus. Beantwortete sie nur halbwegs. Warum an dieser Stelle die Featuresänderung noch verheimlichen, als wäre sie der neue Innovationswurf?! Hau doch die Info raus, damit du damit vielleicht doch noch den einen oder anderen hinterm Ofen hervorgelockt bekommst. Aber nein… lieber Blabla… *Facepalm*

An der Stelle hatte ich sogar leicht den Eindruck, dass Simon von André und Sebastian sanfter angefasst wurde, da sie ihn offenbar inzwischen etwas kennengelernt hatten (ja sogar Respekt für die Firma entwickelten). An der Stelle wieder: Es fällt immer leichter zu kritisieren, wenn man nicht die Person, sondern nur das geschaffene Werk kennt…
„Was für eine deprimierend dämmliche Maschine!“ – Marvin

* * * * *

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Stratos
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Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Stratos »

Singh hat geschrieben:
Du missverstehst.
Einordnen kann ich seine Aussagen ganz gut, aber ich vertraue eher den zitierbaren Aussagen eines Mitarbeiters, der bei der Entwicklung involviert war, als substanzlose Mutmaßungen über die vermeintlichen Motivationen und dem manipulativen PR.
Die von dir genannten "substanzlosen Mutmaßungen über die vermeintlichen Motivationen und dem manipulativen PR" stellen meine Einordnung der zitierbaren Aussagen eines für die Vermarktung verantwortlichen Mitarbeiters dar - sie stehen somit in Konkurrenz zu deiner Einordnung als "glaubwürdig" und nicht in Konkurrenz zu den Aussagen selbst, die für unser beider Beurteilung die Grundlage darstellen sollen. Selbstverständlich gibt es für die Zuordnung meinerseits als unglaubwürdig handfeste Gründe - so ist bereits die geäußerte Überraschung über das schlechte Feedback auf Grund der Vorabtests (s. Reaktion der PC-Games auf die Aussagen des Studios) völlig unglaubwürdig, ebenso wie die Aussagen zur absichtlichen Anstellung eines schlechten Laien als Synchronsprecher zum Zwecke der Authentizität völlig unglaubwürdig sind.

Ich wehre mich keineswegs gegen deine Einstufung des Mitarbeiters als vertrauenserweckend, diese bleibt dir natürlich belassen. Sehr wohl allerdings gegen das Wort "substanziiert". Das impliziert für mich "der objektiven Beurteilung zugängliche Fakten" und das ist eine bloße Selbstzuschreibung von Motivationen und Ansichten nie - man stelle sich ein Gericht vor, dass alle Aussagen der Beteiligten als gegeben nimmt.
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Stuttgarter
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Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Stuttgarter »

KingSirus hat geschrieben:
Ich habe selbst vor vielen Jahren extrem viel geschrieben, hauptsächlich im Bereich der FanFictions. Aufgrund dessen habe ich aber auch Werke anderer FanFic Autoren kritisiert und dies mit einer derartigen Gnadenlosigkeit, das sogar einige wegen meiner Kritik aufgehört haben zu schreiben. Und hier kommen wir zum Punkt, wo ich die andere Partei verstehen kann, denn würde man mir die Frage stellen: „Bist du stolz auf diese Auswirkung deiner Kritiken?“, so würde meine Antwort lauten: „Nein!“

Denn meine Absicht war mit dieser ehrlichen Form der Kritik nicht die Leute zu demotivieren. Ich wollte lediglich der eine Ehrliche sein, der nicht wir Freunde und Familie alles über den grünen Klee lobt. Ich wollte mit meinen harten Worten die Fehler aufzeigen, damit man an eben diesen arbeiten könne, um am Ende oder in Zukunft eine bessere Leistung ablegen zu können.

Zu jenem Zeitpunkt kam ich daher für mich zur Erkenntnis, dass eine Kritik nie einseitig sein darf. Es gibt IMMER sowohl Stärken, als auch Schwächen. Wie also mit einem Verriss umgehen, der ja von seiner Natur aus eigentlich nur die dunkle Seite der Macht kennt: Die Schwächen aufzeigen!?

Nun auch ein Verriss kann mit Worten enden wie beispielsweise „Aber trotz all dieser Schwächen, zeigen sich auch Stärken“ oder „Trotz all dieser Negativpunkten, zeigen sich Lichtblicke ab.“

Man kann also mit positiven Aspekten so etwas abschließen, um zum einen Aufzuzeigen dass nicht alles schlecht ist und vielleicht auch um den Schaffenden in Erinnerung zu rufen, dass man ihm ja eigentlich nichts Böses will.

Denn letztendlich glaube ich auch nicht, dass jemand einen Verriss schreibt, weil er Spaß daran empfindet. Sondern letztendlich immer, weil man als Kritiker stets jemandem gegenüber eine Verantwortung empfindet. Beispielsweise seinen Lesern gegenüber ehrlich zu sein und vor einem Fehlkauf zu warnen. Oder aber einem Künstler gegenüber, bei dem man in Zukunft eine Verbesserung erhofft.
Ich denke, der entscheidende Punkt ist, wen man wo mit welcher Intention kritisiert. Unter gleichgesinnten - wie in Deinem FanFiction-Beispiel - sollte man das diplomatisch, einfühlsam tun. Oder anderes Beispiel: Mein Job bringt es mit sich, dass ich auch unterrichte. Da kommt an erster Stelle immer das Lob. Allein schon dafür, dass mein Gegenüber Zeit in ein Hobby investiert und sich Mühe gibt. (Gleichwohl wird man immer wieder auf Menschen treffen, de mit auch der konstruktivsten Form der Kritik einfach nicht klarkommen und dann aufgeben. Das ist aber dann deren Problem.)

Aber das sind grundlegend andere Situationen als jene, in der ein Kunstschaffender etwas verkaufen will. Ich habe das (erfundene) Beispiel schon wo anders gebracht (es sind zwei Threads zu dem Thema, keine Ahnung, ob es hier oder im anderen war): Angenommen, ein Regisseur lässt Goethes "Faust" im Jahr 2106 auf dem Mars spielen, die Schauspieler den Text absolut hölzern aufsagen und dazu noch ein Stroboskop drei Stunden lang das Publikum nerven.

Was will der Leser/potentielle Theatergänger von der Kritik wissen? Eine ausdrückliche Warnung? Oder einen Absatz, in dem erwähnt wird, dass das Bühnenbild und die Kostüme nett anzuschauen sind? Ich kann nur für mich sprechen - mir wären bei der Produktion das Bühnenbild und die Kostüme sehr egal. (Zusatz: Der Kritiker kann das natürlich trotzdem in seinen Text schreiben. Er muss es nur nicht.)

Abgesehen davon - Kunst bzw. ihre Bewertung ist nunmal nicht das Aufzählen der einzelnen Bestandteile sondern des Gesamtdings. Wenn Kritiker (auch nur moralisch) verpflichtet wären, auch die einzelnen nicht misslungenen Bestandteile dann lobend zu erwähnen, landen wir letztlich beim alten Gamestarwertungssystem: Grafik 8/10, Sound 7/10 etc. Genau das kann aber nicht Sinn der Kunstkritik sein.

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Stew_TM
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Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Stew_TM »

KingSirus hat geschrieben:´
An der Stelle hatte ich sogar leicht den Eindruck, dass Simon von André und Sebastian sanfter angefasst wurde, da sie ihn offenbar inzwischen etwas kennengelernt hatten (ja sogar Respekt für die Firma entwickelten). An der Stelle wieder: Es fällt immer leichter zu kritisieren, wenn man nicht die Person, sondern nur das geschaffene Werk kennt…
Ich hatte auch den Eindruck, dass sie sich da vornehm zurückgehalten haben. Simons ständigen Wiederholungen und fast schon "politikesken" Antworten, in denen er kritische Fragen so umgedreht hat, dass er am Ende über etwas vollkommen anderes erzählte, was seine Firma gut darstehen lies, sind mir auch ins Auge gesprungen. Da hätte man ihn noch deutlich stärker festnageln können. Auf der anderen Seite fand ich die Aussagen an sich schon erkenntnisreich genug, also wäre das vielleicht auch gar nicht nötig gewesen. So konnten André und Sebastian in grundsätzlich freundlicher Atmosphäre noch ein paar weitere Details aus ihm herauslocken (z.B. dass er sich selbst mit Spielen gar nicht so auskennt).

PS: Damit möchte ich nicht unterstellen, dass dies die Absicht von André und Sebastian war.

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Stratos
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Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Stratos »

PS: Damit möchte ich nicht unterstellen, dass dies die Absicht von André und Sebastian war.
Tatsächlich hatte ich an einer konkreten Stelle durchaus den Eindruck, dass André dem Gast eine freundliche Schanze gebaut hat um sich mit Schwung selbst um Kopf und Kragen zu reden. Das war es im Grunde, was mich mit den wenigen kritischen Fragen versöhnt hat - obwohl sie durchaus da waren. Allerdings wurden die Antworten nicht ausgewertet sondern dem Zuhörer zur Interpretation überlassen, was den sehr gespaltenen Eindruck in der Zuhörerschaft erklären mag.
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Onsche
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Registriert: 30. Mär 2018, 11:58

Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von Onsche »

Ist hier gerade mein erster Post aber (ich höre sonst eher zu) zum Interview möchte ich gerne was los werden.

Ich finde Andre und Sebastian haben das ziemlich geschickt gemacht. Beide sind sehr höflich und konstant nett geblieben, ohne harsch mit Simon zu werden. Ich denke die beiden haben schon während des Interviews gemerkt, dass Simon sich da zwischendurch um Kopf und Kragen redet. Seine Äußerungen waren immer mehr Rechtfertigungen als Einblicke in die Entwicklung. Viel wird auch immer wieder relativiert, dass dürften Andre und Sebastian sicherlich auch mitbekommen haben. Ein bisschen stellte sich Simon bzw. Phantom 8 Studio auch als Opfer der Branche dar.

Was ich damit sagen will ist, du kannst dich als Studio gegenüber heftiger Kritik auch anders verkaufen, auch in Deutschland. Denn wo liegt der Unterschied zwischen Phantom 8 Studio und Deck 13 oder Mimimi Productions? Oder ich werde jetzt ganz krass, Piranha Bytes, was sollen die sagen? Piranha Bytes hat schon mehr als genug Kritik einstecken müssen, welche sogar sehr böse war. Björn Pankratz hat da zugegebenermaßen schon ein dickeres Fell. Nichtsdestotrotz, Simon sollte zukünftig das Studio etwas gefestigter repräsentieren und nicht gleich die "Wir haben es als Newcomer so schwer"-Karte zücken. Denn wenn es darum geht, dann bitte hinten anstellen, andere deutsche Studios haben es auch nicht leicht.

Ohnehin wirkten manche Aussagen von Simon etwas zu sehr geschäftlich und fast politisch. Der Enthusiasmus war eher pragmatisch, also die Äußerungen hatten einen Fokus auf den Verkauf, die Reviews, die harte Kritik und die Leitung des Studios. Es war eine sehr trockene und nüchterne Herangehensweise einen Entwicklungsprozess zu erläutern. Ein Deck 13 spricht beispielsweise über The Surge ganz anders.

Ich denke Andre und Sebastian bemerkten den etwas pragmatischen Ansatz von Simon und wollten im Gespräch nicht nochmals explizit darauf herumhaken. So zumindest habe ich das verstanden...vielleicht irre ich mich gerade vollkommen. :D

meisterlampe1989

Re: Runde #154 - Past Cure

Beitrag von meisterlampe1989 »

Onsche hat geschrieben:
30. Mär 2018, 14:15
Ohnehin wirkten manche Aussagen von Simon etwas zu sehr geschäftlich und fast politisch.
Stimmt. Ich konnte die Folge erst jetzt nachholen.

Mir kam es auch so vor, dass da ein Geschäftsmann vor allem ein Investment in diesem Videospiel sieht. Wenn der Leiter eines Projekts selber keine Ahnung von Computerspielen (und ihrer Rezension) hat, dann kann, selbst wenn die kreativen Prozesse andere machen, nichts dabei heraus kommen. Der Leiter ist schließlich auch der "Gatekeeper" mit der Richtlinienkompetenz.

Wenn man Design-Sünden wie Respawn-Punkte (er wusste nicht einmal etwas mit diesem Begriff anzufangen) vor den Cutscenes hat, dann kann etwas nicht stimmen.

An sowas kann man sehen, dass der Entwickler auch für Spiele brennen muss.

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