"Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

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meisterlampe1989

Re: E3 2018

Beitrag von meisterlampe1989 » 13. Jun 2018, 12:08

EchnaTron hat geschrieben:
13. Jun 2018, 11:02
Ich habe Left Behind tatsächlich nicht gespielt, daher war mir nicht bewusst, dass das eventuell eine Vorgeschichte haben könnte. Es kam daher für mich zwar überraschend, aber da im ersten Hauptspiel zu Ellies Sexualität ja keine Aussage getroffen wurde, die mir in Erinnerung wäre, hab ich es halt einfach so hingenommen.
Nunja. Man könnte jetzt die "Heftszene" im Auto nehmen und da etwas hineininterpretieren. Da wirft sie ein Magazin mit kaum bekleideten Männern relativ desinteressiert weg.

In Left Behind gibt es schon einen Kuss und man merkt, dass zwischen den beiden mehr passiert als nur Freundschaft.
MrSnibbles hat geschrieben:
13. Jun 2018, 11:08
Genau deswegen sollte so etwas öfter gezeigt werden. Dann wird es nämlich "normal" und nicht mehr "abstoßend" für diese Zielgruppe. Genau das wollen wir doch erreichen.
Ich finde, dass das eine Erziehungssache ist. Ich hatte in der Hinsicht sehr früh ein Erweckungserlebnis: Ich war etwa 8 oder 9 und mit meiner Mutter auf dem Weg zum Phantasialand. An dem Tag war in Köln zufällig CSD und der gesamte Zug war voll mit Schwulen, Lesben, Transvestiten etc.. Da haben sich dann zwei Männer geküsst und ich hatte das noch nie gesehen und gefragt, warum die das machen. Meine Mutter ist sehr liberal und hat deswegen einfach nur gesagt "Die lieben sich". Nicht mehr und nicht weniger. Das war mein erster Kontakt mit Homosexualität und der wurde durch meine Erziehung positiv besetzt. Meine Mutter hat nicht "ihh" gesagt oder "das macht man nicht" oder noch schlimmer "die sind krank" oder "das ist nicht normal".
Ich habe schon als Kind nie "Schwuchtel" oder "das ist schwul" benutzt. Und ich finde wichtig, dass das vor der Pubertät und vor der weiterführenden Schule passiert ist, denn spätestens da wird man mit Homophobie konfrontiert.

Und obwohl ich heterosexuell bin, war ich übrigens schon öfters auf dem CSD, weil die Stimmung da so toll ist. Das empfehle ich auch jedem, der homophob ist mal gemacht zu haben. Herzigere Menschen und eine offenere und ausgelassenere Stimmung findet man selten.

Also ich empfinde einfach keinen ekel bzw. ich finde es nicht abstoßend, wenn sich zwei Männer oder zwei Frauen küssen. Das was zählt - und ja, das hört sich furchtbar nach Flower Power an - ist die Liebe.

Andre Peschke hat geschrieben:
13. Jun 2018, 11:24

Ich hab im Podcast zudem schonmal die These in den Raum gestellt, dass die größere Abneigung gegen männliche, homosexuelle Paare u.a. daher rührt, dass die damit verbundene Sexualität in den Vorstellungswelten der Menschen automatisch die Penetration einschließt. Quasi für den ungefestigten Hetero-Mann eine erheblich "invasivere" Vorstellung, die deutlich härtere Abwehrreaktionen erzeugt. Wie lesbische Paare ihre Sexualität ausleben ist für die meisten Menschen eher "abstrakter".

Andre
Aber ich verstehe diesen Sprung im Denken nicht. Wenn ich zwei Männer sehe, die offensichtlich ein schwules Pärchen sind, dann ist mein erster Gedanke nicht: "Wie wäre es wohl, wenn der seinen ... in meinen ... steckt".
Ich weiß, dass das auch schon fast ein stereotyp ist, aber sind das nicht dann Leute, die zu einem gewissen Grad selbst homosexuell sind und Fantasien haben und das dann nicht gegenüber sich selbst und anderen zugeben wollen?

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Alienloeffel
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Re: E3 2018

Beitrag von Alienloeffel » 13. Jun 2018, 12:17

Andre Peschke hat geschrieben:
13. Jun 2018, 11:24
Ich hab im Podcast zudem schonmal die These in den Raum gestellt, dass die größere Abneigung gegen männliche, homosexuelle Paare u.a. daher rührt, dass die damit verbundene Sexualität in den Vorstellungswelten der Menschen automatisch die Penetration einschließt. Quasi für den ungefestigten Hetero-Mann eine erheblich "invasivere" Vorstellung, die deutlich härtere Abwehrreaktionen erzeugt. Wie lesbische Paare ihre Sexualität ausleben ist für die meisten Menschen eher "abstrakter".

Andre
Steile These. Da würde ich eher vermuten, dass (so blöd das klingt) lesbische Paare für den Hetero Mann im Schnitt attraktiver sind und dieser da eher ein eigenes sexuelles Interesse hat, während ein männliches, homosexuelles Paar für diese Person keine Hetero Reize trifft und vielleicht deshalb deutlich weniger Toleranz erfährt und eben jene Abwehrreaktion verursacht.

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Re: E3 2018

Beitrag von Heretic » 13. Jun 2018, 12:21

Ich habe immer wieder das Gefühl, dass viele heterosexuelle Männer denken, sie würden von jedem schwulen Mann direkt angesprungen. Dass sie quasi automatisch in deren Beuteschema fallen, weil sie männlich sind. Ob das an fehlerhafter Selbsteinschätzung oder grandios übersteigertem Ego liegt - wer weiß? :D Zwei Freunde von mir ist schwul, und die kämen beide nie auf die Idee, mich anzugraben. Allein schon, weil sie optisch auf einen völlig anderen Typ Mann abfahren.

Ich bin erstaunt, dass harmlose Szenen wie zwei sich küssende Frauen heutzutage noch so ein Buhei auslösen können. Ich meine: Wann gab's den ersten Männer-Kuss im deutschen TV? Vor 25 Jahren! in der Lindenstraße!! Und ein Vierteljahrhundert später diskutiert man sich noch immer die Rübe heiß? Das ist echt arm. Manche Ressentiments scheinen nie auszusterben...
meisterlampe1989 hat geschrieben:
12. Jun 2018, 17:46
Ich bin auch heterosexuell, aber Brokeback Mountain ist für mich einer der besten Liebesfilme, die es gibt. Richtig gelesen? LIEBESFILM, kein Schwulenfilm. Das ist meine Kernbotschaft. Wenn sich zwei Menschen lieben, ist mir das Geschlecht vollkommen egal.
Da kann ich mich nur anschließen. Dabei ist ein Film über eine schwule Liebesbeziehung unter Cowboys jetzt keine Thematik, die mich auf Anhieb ins Kino zwingen würde. Warum ich ihn mir trotzdem angesehen habe? Weil der Regisseur Ang Lee ist, und der hat einige Filmperlen abgeliefert (Z. B. "Der Eissturm"). Würde ich immer sofort wegschauen, wenn mich ein Thema auf den ersten Blick nicht anspricht, hätte ich erstklassige Filme wie "Black Swan" (Ballett!) oder "The Neon Demon" (Model-Schönheitswahn!) nie gesehen. Es kommt immer darauf an, was man aus einer Thematik macht. Und "Brokeback Mountain" ist wahrlich kein Schwulenporno, er widmet sich vielmehr auch ausgiebig den Widrigkeiten, die eine schwule Beziehung im ländlichen Raum in den USA, noch dazu in den Sechzigern, so mit sich brachte. Im Spielebereich wird solch eine Geschichte bestimmt auch irgendwann erzählt werden. Wenn auch höchstwahrscheinlich im Bereich der Walking-Sims. "Life is Strange" und "Gone Home" sind diesbezüglich ja schon in gewisser Weise Vorreiter.

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Re: E3 2018

Beitrag von MrSnibbles » 13. Jun 2018, 12:29

meisterlampe1989 hat geschrieben:
13. Jun 2018, 12:08
Ich war etwa 8 oder 9 und mit meiner Mutter auf dem Weg zum Phantasialand.
Kurz OT: Großartig! Deutschlands bester Freizeitpark! Der Europapark mit seinen lieblos zusammengezimmerten sponsorfinanzierten Attraktionen kann sowas von einpacken! :D

On topic:
Ich kann natürlich nur von meiner Erfahrung berichten (aufgewachsen in einem 1000 Seelen-Dorf, regelmäßig 85% für die CDU sollte das in etwa charakterisieren), insofern spannend hier eine neue Perspektive zu bekommen von jemandem der liberaler aufgewachsen ist.

André's Punkt finde ich auch interessant. Intuitiv würde ich sagen so lange es auf den Rezipienten so wirkt, als sei eine (SJW) Agenda dafür verantwortlich, dass homosexuelle Beziehungen gezeigt werden, ist es wahrscheinlich, dass eine eher negative Reaktion eintritt. Von meiner Seite kann ich das Beispiel Star Trek Discovery einbringen. Dort hat es auch auf mich gewirkt, als solle der einzige besetzte weiße Mann mit voller Absicht als gesellschaftliches Feindbild etabliert werden. Trotz der Tatsache, dass ich die Serie an sich gut finde hat das sofort Ängste in mir ausgelöst, dass jetzt eine großspurige Medienhatz gegen weiße Männer angezettelt wird.

Das Problem ist jetzt allerdings, dass das (Gamer) Publikum nahezu alles als SJW Agenda sieht, was von der Konvention abweicht - welche Konvention das auch immer sein mag.

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Re: E3 2018

Beitrag von Decius » 13. Jun 2018, 12:46

Alienloeffel hat geschrieben:
13. Jun 2018, 12:17
Steile These. Da würde ich eher vermuten, dass (so blöd das klingt) lesbische Paare für den Hetero Mann im Schnitt attraktiver sind und dieser da eher ein eigenes sexuelles Interesse hat, während ein männliches, homosexuelles Paar für diese Person keine Hetero Reize trifft und vielleicht deshalb deutlich weniger Toleranz erfährt und eben jene Abwehrreaktion verursacht.
So steil finde ich die These nicht, da genau das als Begründung für die Justiz in solchen Fällen diente. "Twice Marginal and Twice Invisible: Lesbians in the Middle Ages." geht da näher darauf ein, aber wenn keine Dildos oder ähnliche Dinge zur Penetration benutzt/gefunden wurden, wurde das sogar völlig ignoriert. Aber selbst mit solchen "sündigen Instrumenten" waren die kirchlichen Strafen sehr, sehr deutlich geringer als die für vergleichbare Akte zwischen Männern (zb 160 Bußtage für Frauen, ein ganzes Jahr Buße für Männer).

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Re: E3 2018

Beitrag von Freitag » 13. Jun 2018, 12:48

Alienloeffel hat geschrieben:
13. Jun 2018, 12:17
Andre Peschke hat geschrieben:
13. Jun 2018, 11:24
Ich hab im Podcast zudem schonmal die These in den Raum gestellt, dass die größere Abneigung gegen männliche, homosexuelle Paare u.a. daher rührt, dass die damit verbundene Sexualität in den Vorstellungswelten der Menschen automatisch die Penetration einschließt. Quasi für den ungefestigten Hetero-Mann eine erheblich "invasivere" Vorstellung, die deutlich härtere Abwehrreaktionen erzeugt. Wie lesbische Paare ihre Sexualität ausleben ist für die meisten Menschen eher "abstrakter".

Andre
Steile These. Da würde ich eher vermuten, dass (so blöd das klingt) lesbische Paare für den Hetero Mann im Schnitt attraktiver sind und dieser da eher ein eigenes sexuelles Interesse hat, während ein männliches, homosexuelles Paar für diese Person keine Hetero Reize trifft und vielleicht deshalb deutlich weniger Toleranz erfährt und eben jene Abwehrreaktion verursacht.
Ich würde beides kombinieren. Außerdem bedient Sexualität - vor allem in Spielen, aber auch in Filmen - sehr oft doch nur den Voyeurismus des Konsumenten, ohne etwas zur Erzählung beizutragen. Und oft heißt Sexualität auch direkt Sex. Da kann ich dann verstehen, dass viele Männer kein schwules Paar sehen wollen.
Auf explizite Sexszenen/ Romanzen kann ich vollkommen verzichten, unabhängig von deren Orientierung. Baut hetero-/ homosexuelle Beziehungen ein, aber lasst diesen Voyeurismus raus. Life is Strange gefiel mir hier ziemlich gut. In beiden Teilen sind homosexuelle Gefühle deutlich erkennbar, ohne bis auf ganz wenige Ausnahmen den Holzhammer rausholen zu müssen. Es wirkte natürlich und ich habe keine Sekunde darüber nachgedacht, ob es mich stört oder der Entwickler damit eine Botschaft verbreiten will. Als hier im Podcast dann über Feminismus gesprochen wurde, musste ich wirklich nachdenken. Last of Us habe ich nicht gespielt, der E3-Trailer wirkte aber ebenfalls natürlich. Davon gerne mehr - und wenn sich dann zwei Männer küssen, mir egal.

Eigentlich schade, dass an Last of Us 2 die nächste Diskussion dieser Art entbrennt. Generell würde ich mir wünschen, dass Entwickler Charaktere entwerfen, mit denen sie eine Geschichte erzählen wollen. Solange es im Kontext passt, sind mir dann auch Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Ausrichtung egal. Gerade "Minderheiten" bieten ja das Potenzial, durch die ihnen entgegenschlagenden Vorurteile, Diskrimierungen, etc interessante Geschichten mit neuen Perspektiven zu erählen. Ein Wolfenstein II hat mich völlig überrascht, weil es Judentum unter den Nazis zumindest thematisiert, auch, wenn hier noch viel mehr möglich ist.
Ich bin kein Historiker, vermute aber, dass die spartanische Gesellschaft keine vollkommen gleichberechtigte war. Ebenso würde ich vermuten, dass es im neuen Assassins Creed genau gar keinen erzählerischen Unterschied macht, ob der Spieler Mann oder Frau spielt. Bei einer Fiktion wie Assassins Creed ist das nicht tragisch, aber vielleicht doch wünschenswert.

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Andre Peschke
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Re: E3 2018

Beitrag von Andre Peschke » 13. Jun 2018, 13:28

meisterlampe1989 hat geschrieben:
13. Jun 2018, 12:08
Aber ich verstehe diesen Sprung im Denken nicht. Wenn ich zwei Männer sehe, die offensichtlich ein schwules Pärchen sind, dann ist mein erster Gedanke nicht: "Wie wäre es wohl, wenn der seinen ... in meinen ... steckt".
Vorneweg: Das lesbische Paare für die männliche Zielgruppe insgesamt goutierbarer sind, da eben zwei Frauen bei intimen Handlungen dargestellt werden und das von der Ästhetik her zumindest ansprechend ist - keine Frage. Die steile These ist als zusätzlicher Faktor gemeint, den ich zumindest bedenkenswert finde.

Ich glaube nicht, dass da ein Prozess der Bewusstmachung abläuft. Ich glaube, dass Männer da aber eine mindestens antrainierte Abwehrreaktion haben, bei vielen bis hin zu Ekel (was ja eine in mancher Hinsicht antrainierbare Emotion ist - muss also nicht zwingend angeboren sein). Das ist erstmal die Beobachtung, die IMO aus Kommentaren und Unterhaltungen durchaus zu ziehen wäre. Wenn Menschen mit einem schwulen Paar konfrontiert werden, hört man (gern hinter vorgehaltener Hand) sehr oft die Frage, wer denn "die Frau sei" in der Beziehung. Was IMO auch einige Implikationen zum Rollenbild birgt, weil darunter der submissive Teil verstanden wird, der sozusagen dem anderen als Objekt der sexuellen Befriedigung dienen muss. Wir sehen auch IMO im Sprachbild Schimpfwörter wie "Arschficker" etc die IMO zumindest die Vermutung nahelegen, dass gerade die Vorstellung, dass da Analsex stattfindet als besonderer Affront gesehen wird. Die Idee des "Widernatürlichen", die in den Beschimpfungen von Homophoben gern zu lesen ist, erscheint mir auch sehr häufig damit verknüpft, dass eben die Penetration des Mannes quasi das ist, was in deren Vorstellungswelt komplett der natürlichen Ordnung entgegen läuft. Der Hass gegen Lesben hingegen kommt eher zum Ausdruck indem man ihnen weibliche Qualitäten abspricht ("Kampflesbe" ist so ein Begriff, der nicht-typisch-weibliche Qualitäten wie eben "Agression" zum Ausdruck bringen will).

Ist nur ein Eindruck, der sich bei mir verfestigt hat, wenn ich so insbesondere an Unterhaltungen mit Menschen denke, die auf männliche Homosexuelle mit erheblicher Ablehnung reagieren und dabei keinen religiösen Hintergrund haben. Da kam, zumindest in meiner Wahrnehmung, ein Gefühl rüber, dass ich nur als echten Ekel und tiefes Unbehagen beschreiben kann. "Allein die Vorstellung" - ist auch ein Satz, der da dann mal fällt. Und wenn ich mir dann die Frage stelle, welche "Vorstellung" das wohl sein könnte --- das ist sozusagen meine These dazu. Nachgefragt habe ich leider noch nie, die Gespräche sind mir dann offen gestanden einfach immer zu unangenehm gewesen, um ihnen mit echtem Forschergeist zu begegnen. :D

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Brahlam
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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von Brahlam » 13. Jun 2018, 13:41

Verstehe nicht warum man die Sexualität eines Protagonisten so in den Vordergrund stellen muss. Mir persönlich ist das total egal, ich will die Geschichte, das Gameplay oder beides genießen, mit wem oder was der seine Sexualität auslebt geht mir in fast allen Fällen am Arsch vorbei. Selbst in Dragon Age wo man quasi allen Neigungen nachgehen konnte war mein Antrieb da eher Quests oder Dialoge freizuschalten die nur über "die Romantik Komponente" freigeschaltet werden konnten, das Geschlecht des Partners war da eher egal, wenn auch in manchen Kompositionen ästhetisch ansprechender für mich. ;-)

Die größte Kritik in solchen Situationen kommt ohnehin von Menschen denen die Bildung fehlt oder Religiös indoktriniert sind und nicht in der Lage sind zu erkennen das, dass größte Gut das die Moderne Welt zu bieten hat die Freiheit ist sein Leben zu leben wie jeder möchte und dazu gehört auch Sexualität. Nur weil man selbst eine andere Meinung hat, hat man noch lange kein Recht den Lebensstil anderer zu kritisieren oder als "verkommen" darzustellen. Auch wenn in manchen Regionen der Welt dieses Erwachen erst noch passieren muss.

Wie mit vielem wird hier vermutlich nur heißer gekocht als gegessen.

Stuttgarter
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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von Stuttgarter » 13. Jun 2018, 13:57

Warum stellt man die "Sexualität eines Protagonisten in den Vordergrund", nur weil gezeigt wird, dass er eine hat?

James Bond hat im Lauf von 24 (offiziellen) Filmen vermutlich 50 Frauen vernascht. Humphrey Bogart hat in "Casablanca" Ingrid Bergmann geküsst. Han Solo durfte Leia küssen. Praktisch jeder Filmheld darf irgendwann im Lauf des Filmes eine attraktive Frau küssen.

Warum zum Teufel wird die Sexualität von James Bond, Rick, Han Solo und allen anderen männlichen Helden so in den Vordergrund gestellt?

Ach, wird sie gar nicht? Es ist nur Teil der jeweiligen Story?

Eben. Genau darum gehts.

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LlamaCannon
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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von LlamaCannon » 13. Jun 2018, 14:39

Vielleicht ist der Trailer von The Last Of Us 2 auch einfach nicht gut geschnitten. So wie ich die Sache sehen merkt man direkt die schwere, die das Spiel als Emotion wohl vermitteln will. Vielleicht wäre es besser gewesen diesen Bezug zwischen dem Kuss eher in einer positiven Emotion zu vermitteln. Ich meine was soll das bitte für ein pacing sein. Direkt nach dem Kuss killt Elly ersmal einen man trastisch mit einigen Messerstichen in den Hals, um dann darauf folgend in eine hinrichtung zu stolpern, wo nicht nur jemand grauenvoll erhangen wird, sonder ihm auch noch die Eingeweide rausgerissen werden.:grimacing: Ich bin mir nicht sicher ob dieser Kontrast zwischen einem vermeintlichen positiven Erlebnis und einem sehr negativen Erlebnis(von der drastischen Gewalt her)wirklich sinnvoll ist und ich kann mir vorstellen, dass viele nicht in der lage sind diese auch zu unterscheiden. Vielleicht hinterlasst das vermeintliche outing der Protagonistin ja deshalb vorallem ein negatives Erlebnis bei dem Betrachter.
Vielleicht sollte man wenn man sich mit solchen Themen wie die Senibilisierung für Homosexualität befasst, es eher in eine positivere Emotion einbetten, damit sich wirklich jeder in gewisserweise damit identifizieren kann. Es gibt nämlich Spiele, die sehr wohl dieses Thema(unabhänig vom Geschlecht) beinhalten, aber aufgrund ihres spassigen Gesamteindrucks keine negativen Reaktion erzeugen. Unteranderem ist das Farcry 4, GTA 4 Ballade of Gay Tony oder auch Agents of Mayhem mit sogar 2 lesbischen Charakteren Daisy und Braddock, neben dem schwulen Friday.^^

Was ich zu dem Thema auch noch sagen möchte ist, dass es in vielen Spielen auch einfach zu prüde zur sache geht. So als wäre es verpönt zuviel nackte haut zu zeigen. Ich meine Sexualtiät ist schlich auch etwas intensiv Körperbetontes und ich finde es hilft der Akzeptanz weniger, wenn man zwar immer häufiger in spielen viel über Sex und Sexualität erzählt, aber meist fehlt es auch an kosmetischen Möglichkeiten, dies auch zu zeigen.:wink:

Das soll jetzt kein versuch sein, das Thema seiner Ernsthaftigkeit zu berauben, denn auch ernsthafte außeinandersetzungen haben ihre Daseinsberechtigung. Aber vielleicht sollte man die Sach auch etwas entspannnter betrachten und vielleicht sich mal übner die Inszenierung einen Kopf machen, wie man mögliochst viele dafür sensibilisieren kann.:sunglasses:
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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von MrSnibbles » 13. Jun 2018, 14:53

LlamaCannon hat geschrieben:
13. Jun 2018, 14:39
So wie ich die Sache sehen merkt man direkt die schwere, die das Spiel als Emotion wohl vermitteln will. Vielleicht wäre es besser gewesen diesen Bezug zwischen dem Kuss eher in einer positiven Emotion zu vermitteln. Ich meine was soll das bitte für ein pacing sein. Direkt nach dem Kuss killt Elly ersmal einen man trastisch mit einigen Messerstichen in den Hals, um dann darauf folgend in eine hinrichtung zu stolpern, wo nicht nur jemand grauenvoll erhangen wird, sonder ihm auch noch die Eingeweide rausgerissen werden.:grimacing: Ich bin mir nicht sicher ob dieser Kontrast zwischen einem vermeintlichen positiven Erlebnis und einem sehr negativen Erlebnis(von der drastischen Gewalt her)wirklich sinnvoll ist und ich kann mir vorstellen, dass viele nicht in der lage sind diese auch zu unterscheiden. Vielleicht hinterlasst das vermeintliche outing der Protagonistin ja deshalb vorallem ein negatives Erlebnis bei dem Betrachter.
Interessant wie du den Trailer wahrgenommen hast. Ich habe die Gewaltszenen eher als Rückblende interpretiert. Mit dem Hintergrund, was Ellie durchgemacht hat und welche schrecklichen Dinge sie auch selbst gezwungen war zu tun, habe ich ihr zögerliches Verhalten gegenüber dem anderen Mädchen auch als Angst interpretiert. Nach dem Motto "du weißt nicht, auf welches Monster du dich hier einlässt". In dem Zusammenhang wirkt auch der Satz "you see? everyone should be terrified of you" ganz anders. Angst haben sollten sie vielleicht wirklich angesichts dessen, wozu Ellie fähig ist.

Insofern fand ich den Trailer emotional eigentlich sehr gelungen.

Das Geschlecht der beiden Beteiligten spielt bei dieser Interpretation übrigens überhaupt keine Rolle mehr fällt mir gerade auf.

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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von LlamaCannon » 13. Jun 2018, 17:23

ja wie gesagt ich glaube objektiv betrachtet kommt der Trailer sehr bedrückend rüber. Ich muss aber auch sagen, dass ich den vorherigen Teil der Serie nicht gespielt habe, da ich dieser Art von Spielen vong Gameplay her nichts abgewinnen kann.^^
Es wäre aber sicherlich ein Unterschied, wenn Ellie in den Trailer einen Jungen geküsst hätte weil es sich für die meisten Menschen wohl als stark positive Emotion zu der düsteren "Gameplay"-Sequenz in einen Kontrast stellen lässt. Das Geschlecht spielt also schon eine Rolle, wenn man die Vorurteile mit einbezieht, die jeder im Allgemeinen mit sich trägt.

Oder es liegt auch einfach dadran, das man als außenstehender die Entwicklung der Protagonisten Ellie nicht ganz nachvollziehen kann, weil sich der Trailer vorallem an die Fans des ersten Spiels richtet.^^
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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von Coti86 » 13. Jun 2018, 17:31

Es wäre aber sicherlich ein Unterschied, wenn Ellie in den Trailer einen Jungen geküsst hätte weil es sich für die meisten Menschen wohl als stark positive Emotion zu der düsteren "Gameplay"-Sequenz in einen Kontrast stellen lässt
Das verstehe ich nicht? Inwiefern wird denn der Kontrast dadurch abgemildert, dass es sich um einen lesbischen Kuss handelt? Oder habe ich dich da nicht richtig verstanden?

Edit: 'lesbisch' hinzugefügt^^

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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von LlamaCannon » 13. Jun 2018, 17:52

Na angenommen es ist erstmal ein Schock, dass sich 2 Frauen küssen und direkt danach killt eine der beiden ziemlich bestalisch im 1on1 einen Mann mit einigen messerstichen in den Hals und dieser Todeskampf wird auch noch ziemlich drastisch in die länge gezogen, dann kann ich mir gut vorstellen das man sich mit der Protagonistin erstmal nicht so recht identifizieren kann, weil diese assoziation "Lesbe killt Mann, unmenschlich" durch keine positive Emotion aufgehoben wird.
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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von Heretic » 13. Jun 2018, 17:57

Ich glaube kaum, dass "Hetero-Frau killt Mann durch Messerstiche in den Hals" in irgendeiner Form positiver rüberkommt.^^

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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von meisterlampe1989 » 13. Jun 2018, 18:03

LlamaCannon hat geschrieben:
13. Jun 2018, 17:52
Na angenommen es ist erstmal ein Schock, dass sich 2 Frauen küssen und direkt danach killt eine der beiden ziemlich bestalisch im 1on1 einen Mann mit einigen messerstichen in den Hals und dieser Todeskampf wird auch noch ziemlich drastisch in die länge gezogen, dann kann ich mir gut vorstellen das man sich mit der Protagonistin erstmal nicht so recht identifizieren kann, weil diese assoziation "Lesbe killt Mann, unmenschlich" durch keine positive Emotion aufgehoben wird.
Meine Frage wäre hier erst einmal an denjenigen, warum er glaubt, dass die Sexualität der Frau etwas mit dem Gewaltausbruch zu tun hat?

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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von LlamaCannon » 13. Jun 2018, 18:09

Wenn eine homoerotische Kuss-Szene als negativ empfunden wird, kann es gut sein das der darauffolgende Gewaltausbruch dieses Empfinden beim Betrachter verstärkt.
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Brahlam
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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von Brahlam » 13. Jun 2018, 18:12

Stuttgarter hat geschrieben:
13. Jun 2018, 13:57
Warum stellt man die "Sexualität eines Protagonisten in den Vordergrund", nur weil gezeigt wird, dass er eine hat? ... etc.
Mir geht es nicht um den Trailer sondern um die ganze Sinnlose Diskussion darum, und andere Themen sobald es um Sexualität geht. Warum das überhaupt in den Vordergrund stellen, wie du gesagt hast, das ist einfach Teil der Geschichte und aus, kein Grund zur Diskussion und für den gefühlten Shitstorm den manche aus so etwas machen.

Das es immer noch so viele geistig umnachtete Menschen gibt die glauben das alle Menschen einem (ihrem) Idealbild entsprechen müssen und alles was von der "Norm" abweicht ist schlecht und wird herabgewürdigt ist einfach nur traurig. Wir leben in fucking 2018 und nicht im dunklem Mittelalter...

meisterlampe1989

Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von meisterlampe1989 » 13. Jun 2018, 18:20

LlamaCannon hat geschrieben:
13. Jun 2018, 18:09
Wenn eine homoerotische Kuss-Szene als negativ empfunden wird, kann es gut sein das der darauffolgende Gewaltausbruch dieses Empfinden beim Betrachter verstärkt.
Die Szene mit dem Kuss wird doch extra als romantischer Kontrapunkt zu dem Massaker genutzt. Das verstärkt doch eigentlich noch die positive Wahrnehmung.

Ich finde das rundum gelungen.

Wenn einer ein geschlossenes homophobes Weltbild hat, wird ihm weder das Spiel noch irgendetwas anderes von einer negativen Wahrnehmung abbringen. Aber die Leute sind mir ehrlich gesagt egal.

Coti86
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Re: "Bester Kuss ev4r!!1" - aka Lesbisches Pärchen in The Last of Us 2

Beitrag von Coti86 » 13. Jun 2018, 18:26

meisterlampe1989 hat geschrieben:
13. Jun 2018, 18:20

Die Szene mit dem Kuss wird doch extra als romantischer Kontrapunkt zu dem Massaker genutzt. Das verstärkt doch eigentlich noch die positive Wahrnehmung.

Ich finde das rundum gelungen.
Kann ich so unterschreiben!
Wenn einer ein geschlossenes homophobes Weltbild hat, wird ihm weder das Spiel noch irgendetwas anderes von einer negativen Wahrnehmung abbringen. Aber die Leute sind mir ehrlich gesagt egal.
Egal sollten einem auch solche Menschen nicht sein, aber ich denke auch, dass man sie nicht überall abholen muss. Ich finde das eigentlich eine äußerst positive Entwicklung, dass mittlerweile in vielen Medien homosexuelle Beziehungen einfach da sind, ohne dass das großartig thematisiert wird. Man kann ja z.Bsp. über ST Discovery halten was man will, aber ich fand die Handhabung der Beziehung dort vorbildlich(es hätte natürlich auch innerhalb der liberalen Föderation keinen Sinn gemacht, daraus irgendein Aufsehen innerhalb des Universums zu machen).

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