Cyberpunk 2077

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Soulaire
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Soulaire »

Roman Polanski hat aber Kunst gemacht. Außerdem hatte dieses Verbrechen nicht direkt etwas mit dem Film zu tun. Polanskis Filme hingegen sind nämlich völlig unverdächtig dahingehend, Rosemaries Baby war z. B einer der ersten Feminismus-Filme.
Bei CDPR hat das jedoch sehr viel mit den Spielen zu tun. Diese Spiele strotzen förmlich von dieser toxischen Arbeitskultur. Es geht nur darum sich von anderen Spielen durch die beste Grafik, den größten Umfang, die meisten Details etc abzuheben. Es ist kein Zufall dass genau diese Art von Spiel den krassesten Crunch hervorbringt. Siehe The Last Of US 2, bei dem es auch nur um die besten Assets und realistischsten Gesichtsanimationen geht. Man entwickelt ein Produkt mit dem größten messbaren Ertrag unter dem Deckmantel der "Kreativität" bzw Kunst.
Außerdem kann man das nicht auf eine Person reduzieren. Es ist das ganze Unternehmen, die Struktur dahinter die sich schuldig gemacht hat. Auch sollte man nicht in Vergangenheitsform sprechen, es passiert gerade in diesem Moment und wird wahrscheinlich auch noch schlimmer werden, wenn diese Firma weiter so frei handeln darf.
Es wäre ungefähr so als würden immer noch Pyramiden mit Sklavenarbeit errichtet werden.

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Terranigma
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Terranigma »

Soulaire hat geschrieben:
27. Dez 2020, 22:19
Es wäre ungefähr so als würden immer noch Pyramiden mit Sklavenarbeit errichtet werden.
Zuerst dachte ich auch, dass man die Umstände der Produktion bei einem Award nicht beachten sollte. Und ich denke immer noch, dass man es durchaus getrennt betrachten kann. Aber dein Argument finde ich sehr schlüssig, weil ja insb. die technische Opulenz - und nicht etwa ein genialer Einfall bzgl. des Artdesigns, o.Ä. - gewürdigt wird. Und die technische Opulenz, z.B. der Detailgrad der Assets, usw. ist wohl (a) eine Gemeinschaftsleistung des Teams und (b) in seinem Ergebnis direkt auf den Crunch zurückführbar. Heißt also: Personal und Crunch, desto imposanter das Ergebnis. Kann man Award-würdig empfinden, oder eben auch nicht.

Da passt die Analogie bzgl. der Pyramiden aber durchaus: Wäre es heute noch angemessen ein Bauwerk zu würdigen, bei dessen Errichtung das Bauunternehmen bewusst auf Arbeitnehmerschutz verzichtet hat - z.B. keine Helme auf dem Bau, regelmäßige Überstunden, usw. - sodass das Ergebnis, das gewürdigt wird, nur unter diesen Produktionsbedingungen überhaupt möglich war? Umgekehrt ließe sich daran der Einwand anschließen, dass eine derartige technische Brillianz ohne Crunch nicht erreichbar sei, sodass Unternehmen, die Arbeitnehmerrechte wahren, diesbezüglich benachteiligt wären. Womöglich wäre es bzgl. einer Würdigung sinnvoll zuvor Rahmenbedingungen zu definieren. Tut man ja etwa auch beim Sport. Ob du als Erstes bei der Tour de France die Zielmarke erreichst interessiert nicht, wenn du beim anschließenden Dopingtest auffällig wirst. ;)

Womöglich sind Crunch und ähnliche Formen der Missachtung von Arbeitnehmerrechten auch nur eine Form von Aufputschmitteln und sollte wie beim Sport zur Disqualifierzung von Awards, u.Ä. führen.


Nur als Gedanke.
Wenn unser Geist leer ist, ist er für alles bereit. Im Anfänger-Geist liegen viele Möglichkeiten, in dem des Experten wenige.
Suzuki Shunryū​

Dr_Hasenbein
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Dr_Hasenbein »

Andre Peschke hat geschrieben:
27. Dez 2020, 21:10
Dr_Hasenbein hat geschrieben:
27. Dez 2020, 19:22
Ich kann kein Werk auszeichnen und das völlig von der Person trennen, die es erschaffen hat. Das ist meine Meinung dazu.
Du kannst das nicht. Ich würde das vielleicht auch nicht. Aber damit ist halt nicht das letzte Wort gesprochen. Müssen hunderte andere Mitwirkende bestraft werden, für das Vergehen einzelner? Darf man ein herausragendes Kunstwerk so nicht mehr nennen (oder eben prämieren), weil es unter schlimmen Bedingungen erstellt wurde (dürfen die Pyramiden also zB nicht Welrkulturerbe sein?)? Zensiert man damit nicht den Diskurs über Kunst? Gibt es da keinen guten Kompromiss (Auszeichnung ja, aber mit Disclaimer o.ä) ? Das ist zB nur ein Ausriss von vielen durchaus diskutierbaren Einwänden. Die Diskussion ist nicht ohne Grund alt und unaufgelöst.

Andre
Ist es wirklich wichtiger Menschen zu prämieren, als Rücksicht auf die Opfer zu nehmen? Wie muss sich die Frau fühlen die mitansehen muss, dass Polanski Preise entgegen nimmt? Im Falle von Cyberpunk gibt es auch geschädigte. Sicher, kein Vergleich zu Polanski. Anderseits ist der Fall brandaktuell und eine Auszeichnung klingt ein bisschen wie Hohn in meinen Ohren. Ich habe immer ein bisschen das Gefühl, dass ist wie Thoughts and prayer. Gerade auch von den etablierten Gaming Medien. Und die Pyramiden muss man auch ein bisschen in ihrer Zeit sehen. Damals gab solche Rechte wie heute einfach nicht. Das ist eine Entwicklung, die die Menschen durchlaufen mussten und es wird ja durchaus auch prominent erwähnt, dass es sich um Sklavenarbeit handeln musste.

Ich sage ja nicht, dass niemand das Spiel spielen solle, aber Auszeichnungen sind halt nochmal eine andere Nummer denke ich.

Dr_Hasenbein
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Dr_Hasenbein »

Terranigma hat geschrieben:
27. Dez 2020, 22:38
Soulaire hat geschrieben:
27. Dez 2020, 22:19
Es wäre ungefähr so als würden immer noch Pyramiden mit Sklavenarbeit errichtet werden.
Nur als Gedanke.
Guter Einwand. Warum eigentlich nicht? :handgestures-thumbup:

Inkognito
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Inkognito »

Soulaire hat geschrieben:
27. Dez 2020, 22:19
Roman Polanski hat aber Kunst gemacht.
Außerdem hatte dieses Verbrechen nicht direkt etwas mit dem Film zu tun.
2 sehr gute Punkte hast du da gemacht.

Mir ist keinerlei Kunst bekamnt, die explizit - in westlichen Ländern - wegen gesellschaftlich nicht akzepzierter Fehlverhalten - unabhängig ob diese beim Erstellen des Kunstwerks auftrat - vom Diskurs ausgeschlossen wird.
Implizit passiert dies heutzutage öfters, explizit nicht.
Oder übersehe ich etwas?

Voigt
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Voigt »

Für mich ist dieser "Award" halt rein technischer Natur. So wie man sagt die Drei Schluchten Talsperre ist die größte der Welt. Vermute mal das wurde auch mit viel Blut erbaut, trotzdem ist es nunmal derzeit die größte Talsperre der Welt. Die einfach nicht zu erwähnen, weil die in der Volksrepublik China unter zweifelhaften Arbeitsbedinungen errichtet wurde, erscheint mir merkwürdig.

Etwas anderes wäre es die chinesische Regierung für das Bauprojekt zu loben, die das Projekt zu verantworten haben.

Inkognito
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Inkognito »

Voigt hat geschrieben:
27. Dez 2020, 23:05
Etwas anderes wäre es die chinesische Regierung für das Bauprojekt zu loben, die das Projekt zu verantworten haben.
Aber ist das nicht genau was dieser Award in dem Fall macht?

Wie auch Soulaire schön ausführt.

Dr_Hasenbein
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Dr_Hasenbein »

Inkognito hat geschrieben:
27. Dez 2020, 22:55
Soulaire hat geschrieben:
27. Dez 2020, 22:19
Roman Polanski hat aber Kunst gemacht.
Außerdem hatte dieses Verbrechen nicht direkt etwas mit dem Film zu tun.
2 sehr gute Punkte hast du da gemacht.

Mir ist keinerlei Kunst bekamnt, die explizit - in westlichen Ländern - wegen gesellschaftlich nicht akzepzierter Fehlverhalten - unabhängig ob diese beim Erstellen des Kunstwerks auftrat - vom Diskurs ausgeschlossen wird.
Implizit passiert dies heutzutage öfters, explizit nicht.
Oder übersehe ich etwas?
Naja Folgen hat das durchaus, siehe House of Cards. Würden an Polanski ähnliche Maßstäbe angelegt werden, wäre er ebenfalls ruiniert. Wie das mit Regisseuren ist, gute Frage. Meist kam es aber ja auch erst hinterher raus, siehe Weinstein. Der kam ja nicht mehr an neue Aufträge. Das wäre dann ebenso OK.

Aber mit Cyberpunk ist es wahrscheinlich wie mit dem Grillfleisch. Die Arbeiter leben ja im Grunde noch und man ohne Grillfleisch ist es dann halt auch doof. Wobei anderseits hier eher der Vergleich mit Wilke passen würde glaube ich :D

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philoponus
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von philoponus »

Kulturhistorischer Fakt ist leider, dass sehr viele der größten Künstler - pardon my French - formidable Arschlöcher waren.

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Andre Peschke
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Andre Peschke »

Soulaire hat geschrieben:
27. Dez 2020, 22:19
Roman Polanski hat aber Kunst gemacht.
Schwierig zu argumentieren, CDPR würde keine Kunst machen. Hatten wir schon ganze Folgen zu. Da würden wir uns endlos im Kreis drehen.
Inkognito hat geschrieben:
27. Dez 2020, 23:08
Voigt hat geschrieben:
27. Dez 2020, 23:05
Etwas anderes wäre es die chinesische Regierung für das Bauprojekt zu loben, die das Projekt zu verantworten haben.
Aber ist das nicht genau was dieser Award in dem Fall macht
Also, ich spiel mal weiter Teufels Advokat, gebe aber nochmal zu Protokoll, dass ich nicht FÜR einen Award für Polanski et al bin. Ich finde das alles nur nicht so eindeutig. Hier auch.

Wenn wir jetzt nämlich CDPR einen Award verweigern, weil Crunch: Was ist denn da die Hürde für die Beweislast? Ein Bericht von Jason Schreier reicht aus? Finde ich den glaubwürdig: Ja, klar. Weiß ich deswegen WIRKLICH über den Umfang von Crunch etc Bescheid? Ist deswegen der Vergleich mit Sklavenarbeit keine gnadenlose Übertreibung? Und vor allem: Was wäre, wenn der Bericht von einem unbekannten Autor wäre? Was, wenn die Berichterstattung die Umstände aufbauscht? Was, wenn am Ende ein Bericht sogar falsch ist? Wo wird da die Grenze gezogen?

Was ist, wenn Bonuszahlungen für ein Team nicht erfolgen müssen, wenn die an Awards oder hohe Bewertungen (oft eine Voraussetzung für Awards) gekoppelt sind? Was, wenn das Grafikteam gar nicht crunchen musste, sondern nur die Qualitätssicherung? Was, wenn es nur 10 von 1000 Leuten waren, die crunchen mussten - reicht das? Wenn nicht, wie viele müssen es sein? Nimmt man absolute Zahlen oder einen Anteil der Belegschaft? Wie ist es, wenn sich jetzt ein Indie-Team selbst ausbeutet über Jahre und einer der Grafiker musste mitziehen und für den war das Crunch. Sind die auch raus? Wie viele andere Teams werden ausgezeichnet, obwohl es dort genauso und noch schlimmer zugegangen ist, aber es wurde halt nie ein Artikel drüber geschrieben. Ist das ok? Selbst wenn es schon Gerüchte gibt? Werden die Awards nachträglich aberkannt, wenn es dann doch rauskommt?

Oder zurück zu Polanski: Wenn ich eine Liste der besten Horrorfilme aller Zeiten mache und dann sein Werk ausklammere, ist dass dann gut so oder ist die Liste dann Scheiße, weil "Rosemary's Baby" fehlt?

Ich finde, wenn man jedes Werk einfach nur für sich betrachtet, dann wird die ganze Chose zumindest erheblich klarer und das ist schon kein schwaches Argument, IMO. Die Kunstwerke für sich zu betrachten erlaubt eine Auseinandersetzung über deren eigentliche, inhärente Schwächen und Stärken. Sobald die externen Faktoren hinzukommen, wird es schnell schwierig eine klare Linie zu ziehen. Und am Ende muss gegen Crunch eher auf regulativer Seite und in Form von Organisation der Arbeiterschaft etc vorgegangen werden.

Andre

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Leonard Zelig
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Leonard Zelig »

philoponus hat geschrieben:
28. Dez 2020, 09:11
Kulturhistorischer Fakt ist leider, dass sehr viele der größten Künstler - pardon my French - formidable Arschlöcher waren.
Das stimmt natürlich, siehe beispielsweise Goethe und Wagner.

Andererseits stehen Künstler heutzutage auch viel stärker unter Beschuss durch aufgebrachte Twitter-Mobs und eine autoritäre Linke und Rechte. Da wird schnell mit Kampfbegriffen wie "Social Justice Warrior" und "Cultural Appropriation" um sich geworfen und wenig Verständnis für die Intentionen der Künstler gezeigt.
"The whole problem with the world is that fools and fanatics are always so certain of themselves, but wiser people so full of doubts."

Konsolengaming in den 2010er-Jahren - Eine Dekade in Zahlen und Worten

Dr_Hasenbein
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Dr_Hasenbein »

Ich finde hier wird einfach immer nur auf Crunch reduziert. Meine Kritik bezog sich ja insbesondere auch auf die geschädigten Spieler und den technischen Zustand. Wenn man Kunst als gesamtes Auszeichnen will, gerne. Aber dann bitte auch ernsthaft. Niemand würde ein Bild auszeichnen, dass im Grunde absoluter Schrott ist, weil ein Pinselstrich ordentlich gesetzt wurde.

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Andre Peschke
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Andre Peschke »

Dr_Hasenbein hat geschrieben:
28. Dez 2020, 10:58
Niemand würde ein Bild auszeichnen, dass im Grunde absoluter Schrott ist, weil ein Pinselstrich ordentlich gesetzt wurde.
Naja. Der Venus von Milo fehlt ein Arm. Gilt trotzdem als bedeutendes Kunstwerk.

Ich versteh schon deine Position. Ich glaube selbst hier nicht, dass es ein so eindeutiges "richtig / falsch" gibt, wie du es dir vorzustellen scheinst. Es geht ja um den Digital Foundry Award, oder? Also eine Auszeichnung die nach meinem Verständnis nur darauf gemünzt ist, welches Spiel das technisch Machbare am weitesten ausreizt. Das ist ja auch ohne Bugs immer nur einem elitären Kreis mit der richtigen Hardware zugänglich. Die Hauptgeschädigten auf PS 4 / XBO hätten das, was da ausgezeichnet wird, auch so nie bekommen.

Bei den ganzen anderen Awards finde ich es viel problematischer, als ausgerechnet bei DF.

Andre

Dr_Hasenbein
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Dr_Hasenbein »

Dann lassen wir uns mal überraschen, wie die anderen Awards so ausfallen und wie viel Erwähnung der Umgang so findet. Meine Glaskugel sagt mir, nächstes Jahr hat man Werbewirksam einfach vergessen was passiert ist :) Aber ich lasse mich überraschen.

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limericks
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von limericks »

Dr_Hasenbein hat geschrieben:
28. Dez 2020, 10:58
Meine Kritik bezog sich ja insbesondere auch auf die geschädigten Spieler und den technischen Zustand. Wenn man Kunst als gesamtes Auszeichnen will, gerne. Aber dann bitte auch ernsthaft. Niemand würde ein Bild auszeichnen, dass im Grunde absoluter Schrott ist, weil ein Pinselstrich ordentlich gesetzt wurde.
Was macht man, wenn Spiele als lebendige Werke sich verändern?
Dr_Hasenbein hat geschrieben:
28. Dez 2020, 11:33
Dann lassen wir uns mal überraschen, wie die anderen Awards so ausfallen und wie viel Erwähnung der Umgang so findet. Meine Glaskugel sagt mir, nächstes Jahr hat man Werbewirksam einfach vergessen was passiert ist :) Aber ich lasse mich überraschen.
Ich vermute nächstes Jahr wird die Technik durch Patches auch näher an dem sein, was versprochen wurde.

Darf das Spiel dann nächstes Jahr in Technik - Toplisten auftauchen oder entsprechende Awards bekommen, oder hat man das Recht verwirkt weil das Spiel zum Releasezeitpunkt auf manchen Plattformen Schrott war?

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Heretic
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Heretic »

Dr_Hasenbein hat geschrieben:
27. Dez 2020, 22:49
Ist es wirklich wichtiger Menschen zu prämieren, als Rücksicht auf die Opfer zu nehmen? Wie muss sich die Frau fühlen die mitansehen muss, dass Polanski Preise entgegen nimmt?
Sie hat sich dafür eingesetzt, dass das Verfahren gegen Polanski eingestellt wird. Laut eigener Aussage leidet sie am meisten darunter, dass die Sache immer wieder hochkommt und keinen Abschluss findet. Sie sagt sogar, sie habe ihm längst verziehen. Ich weiß natürlich nicht, ob das der Wahrheit entspricht, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, dass sie sich endlich ein Ende des Medienrummels um ihre Person wünscht.

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Tagro
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Tagro »

Das man Kunst in unsere Gesellschaft oft unabhängig von Verfehlungen des Künstlers betrachtet und ausgezeichnet wird ist in meinen Augen eine nicht haltbare Sonderstellung.

Kunst, auch in Form von Videospielen, sind Artefakte die unsere Gesellschaft nun erschafft, damit auch jene in der Zukunft auf unsere Zeit zurückschauen können und betrachten, was wir hinterlassen haben und was wir schon als besonders bedeutend eingeordnet haben.

Ich erwarte von keinem Künstler das er perfekt ist, jeder kann und soll seine Fehler haben.
Wenn man wie z. B. Polanski im großen oder CDPR in anderem gegen die zu geltenden Gesetze oder moralischen Grundwerte in der Gesellschaft verstößt, ist es nicht mehr hinnehmbar, wenn wir diese Menschen oder Unternehmen als Repräsentanten für die Artefakte unsere Gesellschaft auswählen und auszeichnen.

Immer wieder versucht unsere Gesellschaft sich weiterzuentwickeln und Fehlverhalten aus der Vergangenheit abzustellen und zu verbessern.
Wir alle kennen diese Bestrebungen die unsere Gesellschaft moralisch voranbringen wollen, wie z. B. Black Lifs Matter, MeToo oder Nein heißt Nein.

Mit welcher Rechtfertigung erlauben wir unseren Künstlern sich über diese gesellschaftlichen, gesetzlichen und moralischen Grenzen hinweg zusetze?
Gerade denen, die die Artefakte unsere Zeit erschaffen und mit ihrer Kunst auch zur moralischen Entwicklung beitragen sollten wir auf die Finger schauen.
Im besonderen, wenn wir als Gesellschaft die Kunst dieser Menschen mit Auszeichnungen hervorheben und sie so zu Repräsentanten unsere Epoche machen.

Es ist mir einfach unbegreiflich wie man immer wieder Künstlern einen moralischen Blankoscheck ausstellt, wenn seine Kunst nur gut genug ist.
In keinem anderen gesellschaftlichen Bereich würde man sowas jemals machen.

Stellt euch mal eine private Feier vor, bei der jeder was mitbringt, da sagt dann einer zu euch:
"Nein, der Dieter kommt nicht mehr. Es stellte sich heraus, in seiner Freizeit zieht der durchs Dorf und verprügelt Flüchtlinge. Den wollen wir nicht mehr in unserem Kreis haben."
Wer antwortet da:
"Aber sein Kartoffelsalat war doch so gut. Können wir den denn Dieter nicht dennoch einladen? Man muss doch den Kartoffelsalat-Dieter unabhängig vom Freizeit-Dieter betrachten."

Hoffentlich für die meisten unvorstellbar, aber genau dies machen wir bei unseren Künstlern.
Da kann man wohlwollend ein Auge zudrücken oder einfach völlig wegschauen, Auszeichnungen verleihen und nur die Seite betrachten die uns gesellschaftlich gut repräsentiert und uns in ein schönes Licht stellt.
Für den moralischen Ausgleich dann einfach eine extra Like bei dem nächsten BLM oder LGBT Beitrag verteilen?

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Terranigma
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Terranigma »

Tagro hat geschrieben:
28. Dez 2020, 11:51
"Aber sein Kartoffelsalat war doch so gut. Können wir den denn Dieter nicht dennoch einladen? Man muss doch den Kartoffelsalat-Dieter unabhängig vom Freizeit-Dieter betrachten."
Die Analogie wäre allerdings eher: Kann man sagen, dass der Kartoffelsalat lecker ist, ohne die Diskussion bzgl. des Freizeitverhaltens von Dieter aufzumachen? Ich denke, das kann man. Man könnte den Kartoffelsalat auch in einem Kartoffelsalat-Ranking unterbringen und ihn aufgrund seiner Qualität somit lobend erwähnen. Ob man den Kartoffelsalat - und damit ja notwendigerweise ja auch einen Urheber - allerdings mit einem Award auszeichnen sollte, ... nun. Weiß ich nicht. Denn spätestens wenn man ein Werk mit einem Preis auszeichnet, dann zeichnet man ja nicht das Werk an sich aus. Das Werk hat sich ja schließlich nicht aus sich selbst heraus erschaffen, sondern die Auszeichnung geht im Prinzip an jene, die's eben erschaffen haben. Und bei Awards, Preisen, usw. würde ich das persönlich durchaus einbeziehen.

Insofern kann man auch die Pyramiden als Weltkulturerbe anerkennen, sich aber doch zeitgleich dagegen verwehren, dass heutige Bauprojekte unter ähnlichen Arbeitsbedingungen irgendeine Form von Auszeichnung erhalten sollte. Wenn jemand den höchsten Turm der Welt baut, aber aufgrund der bewussten Missachtung von Arbeitsschutzmaßnahmen hunderte Arbeitnehmer starben, so mag dieser Turm am Ende auf einem Wikipedia-Ranking zu "Die höchsten Türme der Welt" erscheinen. Ob man sich allerdings als Organisation, Presse, o.Ä. mit dem eigenen Namen hinstellt und diesem Turm einen Award für die erreichte Höhe verleiht, ... naja.

Bei der Vergabe von Awards, usw. kann man durchaus einbeziehen unter welchen Rahmenbedingungen die erreichte Leistung erbrachte wurde. Ähnlich wie beim Sport. Das wäre recht lapidar über die Vergaberichtlinien zu definieren.


Davon getrennt erscheint mir die grundsätzliche Diskussion, ob man über ein Werk isoliert reden kann, ohne die Umstände der Entstehung, usw. einzubeziehen. Ich denke, das kann man. Diese naive Art des Konsums dürfte ja auch der Standardfall sein. Wenn wir Musik hören, einen Roman lesen, usw. tun wir dies ja nicht erst nach einer Recherche über die Entstehungsumstände des Werkes oder lesen zuvor eine Biographie der Urheber. Und wenn ich ein Lied toll finde und Jahre später erfahre, dass der Musiker wohl'n ziemliches Arschloch war, so ändert dies im Nachgang nichts daran, dass ich das Lied ästhetisch ansprechend fand bzw. weiterhin finde. Lovecraft war ein großartiger Horror-Autor und eine xenophobe Kackbratze.
Zuletzt geändert von Terranigma am 28. Dez 2020, 12:05, insgesamt 4-mal geändert.
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Suzuki Shunryū​

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BuIIetRide
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von BuIIetRide »

Aber niemand will doch den Künstlern einen Blankoscheck ausstellen?
Wer gegen das Gesetz verstößt, soll dafür geahndet werden. Das gilt für Polanski, das gilt für CDPR, sollte da Betrug festgestellt werden. Aber solange das Werk nicht die Geisteshaltung, welche zu den abzulehnenden Taten seitens des Künstlers geführt hat, widergespiegelt oder sogar verherrlicht, kann es doch unabhängig betrachtet werden.

Dr_Hasenbein
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Re: Cyberpunk 2077

Beitrag von Dr_Hasenbein »

Heretic hat geschrieben:
28. Dez 2020, 11:49
Dr_Hasenbein hat geschrieben:
27. Dez 2020, 22:49
Ist es wirklich wichtiger Menschen zu prämieren, als Rücksicht auf die Opfer zu nehmen? Wie muss sich die Frau fühlen die mitansehen muss, dass Polanski Preise entgegen nimmt?
Sie hat sich dafür eingesetzt, dass das Verfahren gegen Polanski eingestellt wird. Laut eigener Aussage leidet sie am meisten darunter, dass die Sache immer wieder hochkommt und keinen Abschluss findet. Sie sagt sogar, sie habe ihm längst verziehen. Ich weiß natürlich nicht, ob das der Wahrheit entspricht, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, dass sie sich endlich ein Ende des Medienrummels um ihre Person wünscht.
Was ja nur deshalb der Fall ist, weil er immernoch frei rumläuft und prämiert wird. Wäre er ähnlich verurteilt worden wie Spacey, gäbe es keine Debatte mehr. Dann wäre er schon seit 40 Jahren kein Mensch mehr, der irgendwo erwähnt wird.

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