Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

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Flo
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Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Flo »

Als darüber gequatscht wurde, was denn eigentlich als innovativ, oder ganz allgemein, als Neuerung wahr genommen wird, warf Andre die Frage auf, ob die toxischen Kommentare aus game communities wirklich eine Entwicklung der Neuzeit sind, oder ob das nicht vielleicht schon früher z.b. in Form von Briefen genauso existiert hat. Dass es heute wegen des Internets nur sichtbar wird.

Also ich glaube den Shitstorm gibt es schon sehr lang. Und ich meine damit wirklich schon sehr lange.

Auf der Seite gutefrage.de habe ich folgende Frage gefunden:
Fragensteller hat geschrieben:Hallo, ich habe jetzt schon öfter gehört, dass Affen mit ihrem Kot werfen. Stimmt das? Und wenn ja, wieso?
Und folgende Antwort wurde gegeben:
Antwortgeber hat geschrieben:Ich arbeitete eine Zeit lang als Tierpfleger im Affenrevier in einem Zoo. Man konnte in diesem Zoo ganz genau sehen, wenn der Tierarzt des Zoos im Schimpansen-/Gorillahaus war. Dann war die ganze Wand des Pflegerganges mit Kot übersät. Die Affen mochten ihn (verständlicherweise) nicht und warfen nach ihm mit ihrem Kot. Wenn sie ihn nicht trafen landete der Kot an der Wand. Die Affen tun das wenn sie einem anderen Affen oder auch Menschen ihre Missbilligung zeigen wollen. […]
Daraus leite ich meine persönliche Hypothese ab, dass es den Shitstorm womöglich schon länger als die Sprachen gibt.

So viel zum, Thema Innovation.


__
Quelle:
https://www.gutefrage.net/frage/manchen ... n-ja-warum

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Puschkin
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Puschkin »

Hier ist nochmal der Link aus den Shownotes:
Im Zuge dessen diskutieren wir auch einen aktuellen Artikel von Polygon. Hier der Link: https://www.polygon.com/2018/6/20/17480 ... g-politics


Danke für die Folge. Die Diskussion war sehr spannend auch wenn ich beim Titel zuerst dacht "Määh". Es hat so etwas von dem versuch "wie schreibe ich einen möglichst biederen aber clickbaity Titel". :D

Was ist denn die Ideologische Botschaft von "The Division 2"?
Gibt es einen Artikel wo das erklärt wird? Hat jemand einen Link?
Von dem was ich gesehen und gehört habe, tippe ich auf so eine Militzbewegung- und 2nd-Amendment-Huberei.
So ein viel zu simples Mimimi die Politiker "klauen Kindern nur die Lutscher und wollen alle verarschen"
und nur das simple (hartarbeitende) Volk kann diese dekadente Herrscherkaste im blutigen Kampf beseitigen und "Sumpf Washington" trocken legen.
Ist das so oder anders?

Sitzt die Spielepresse eigentlich da in einem ähnlichen Boot wie die Publisher? Möglichst viele ansprechen und deshalb (politische) Botschaften ausklammern? Haben auch die Redakteure und Redakteurinnen das nie gelernt solche Botschaften zu analysieren? Fehlt es den Redaktionen an Anreiz ihre Leute weiterzubilden?

Ein gutes Beispiel ist da auch das Kingdom Come Deliverance.
Der Chef des Studios sagt Spiele sollten nicht vor Politik in Spielen zurückschrecken.
https://www.polygon.com/features/2015/4 ... ew-preview

Das Marketing von KCD fährt aber trotzdem weiter die "Es ist ja nur ein lustiges Mittelalter Spielschiene".

Dann gibt es den untauglichen Versuch einer politischen Kritik mit einer Ausrichtung zuwenig am Spiel.

Die Presse schaute aber selbstständig nicht weiter, scheinbar.
Es wird nach der etwas naiven "berichten was ist"-Methode verfahren und nur verschiedene Meinungen wiedergegeben.

Weder wird mal tiefergehend geschaut welche weiteren Botschaften sich darin finden lassen könnten, noch wird der Frage nachgegangen ob oder wie Vavra offensichtlich an seinen Ansprüchen gescheitert ist hat die politischen Konflikte zu präsentieren. Weil keiner spricht offensichtlich darüber.
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Lansbury

Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Lansbury »

Wer weiß, ob genannter Tierarzt jedesmal die Nerven behält und nicht provoziert mitmischt :)

Zur Folge: Ich bin felsenfest überzeugt, dass Storys und Mechaniken sehr vom technischen Fortschritt des Alltags, und dem daraus resultierenden Zeitgeist, oder auch kurzzeitigen Trends, profitieren werden, wie es schon immer war.

Sowas wie Emily is away, dessen Konzept es ohne den technischen Fortschritt des Internets und den daraus resultierenden Gegeben- und Gewohnheiten niemals existiert hätte. Auch ein Orwell, welches das Problem der Überwachung behandelt. Es gibt da unzählige Beispiele.

Auf der reinen Trend-Ebene fällt mir als Musterbeispiel die Tony Hawk Reihe ein, was auch ein ganz spezifisches Gameplay entwickeln musste und das sich aufgrund des Trend-Hypes seiner Zeit, mehr als etabliert hatte. Die reale Welt gibt auch zeitgleich immer die Marschrichtung für die virtuelle vor. Zumindest im Triple-A-Segment.

Da das Medium vergleichsweise jung ist, haben wir einschneidende, aber mittlerweile alltägliche Innovationen der Menscheit von Anfang an in Spielen gehabt, die für Spieler schon immer selbstverständlich waren, und die das Gameplay entscheidend beeinflusst oder gar geformt haben. Seien es damals Dinge wie Gespräche über Funk, z.B. über Walkie Talkies, oder, wenn man ganz weit zurückgreifen will, einfach nur Verkehrsmittel.

Und da sich der technische Fortschritt in unserem Alltag so rasant entwickelt, glaube ich, dass ernsthafte Prognosen alle paar Jahre erneuert werden müssten, und nicht weiter gehen können bzw. auch gerne mal falsch liegen werden. Denn wer weiß, da viele mittlerweile Alexa in den heimischen Wohnzimmern haben, ob nicht sogar die Sprachsteuerung während des Spielens das nächste große Ding wird. "Heilen! Nachladen! Wirke Feuer!", nur als Beispiel.

Schönes Thema, und ich bin optimistisch da ich denke: "The best is yet to come" ;)

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Soulaire
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Soulaire »

Bei der Frage, ob sich Entwickler und Publisher zu den "politischen Inhalten" in ihren Spielen bekennen müssen, habe ich eine etwas andere Meinung. Wie schon festgestellt wurde, ist jedes Spiel auf eine Art und Weise politisch, auch wenn es das gar nicht sein will. Deswegen finde ich die Frage auch nicht entscheidend. Sie führt viel eher zu Missverständnissen, da selten eindeutig ist was mit dem Begriff genau gemeint ist.
Das ist auch der Grund, warum viele gegen "Politik" in Spielen sind.....
Viele verbinden mit dem Wort "Politik" übergeordnete Inhalte einer Partei oder eine bestimmte Ideologie und in der Vergangenheit wurden künstlerische Werke auch dahingehend oft missbraucht (Propaganda-Filme etc).
Bei einem Spiel wie Detroit:Become Human mit verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten frage ich mich auch, wozu sich David Cage überhaupt bekennen soll. Er bildet in seinem Spiel ja mehrere Wege ab, die garantiert nicht 100% mit seiner eigenen Meinung konform gehen.
Gute Filme schaffen es ja auch oft mehrere Seiten zu einem politischen Thema mit passenden Argumenten darzustellen und versuchen nicht nur eine politische Meinung rüberzubringen.
Was ich bei Jochen und Andre da herausgehört habe ist auch viel eher der Wunsch nach einer tiefgründigeren Gesellschaftskritik in Spielen und nicht nach mehr "Politik" in Spielen?! Weiß nicht ob das vielleicht die passendere Formulierung wäre.....

Tyrosh22
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Tyrosh22 »

Ich wollte euch eigentlch eine 5 Sterne Bewertung auf iTunes geben, aber ich habe gelernt, dass es niemandem hilft, ein am Status Quo gemessen zufriedenstellendes Medienprodukt in den Himmel zu loben. Ich denke das Medium Podcast hat noch viel Potential! :D
Meine zwei YouTube Projekte:

gameWitty - Kurze Essays zu kurzen Videospielen. Als Video und als Text.
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Nachtfischer
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Nachtfischer »

Soulaire hat geschrieben:
1. Jul 2018, 22:05
Bei einem Spiel wie Detroit:Become Human mit verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten frage ich mich auch, wozu sich David Cage überhaupt bekennen soll.
Die Tatsache, dass es Entscheidungen gibt, schließt ja nicht aus, dass ein Spiel eine eindeutige Aussage trifft. Wenn Entscheidung A nur in Leid und Elend resultiert, B aber in einem Happy End, dann ist die "Meinung" des Werks ja auch klar.

Jochen

Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Jochen »

Soulaire hat geschrieben:
1. Jul 2018, 22:05
Bei einem Spiel wie Detroit:Become Human mit verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten frage ich mich auch, wozu sich David Cage überhaupt bekennen soll. Er bildet in seinem Spiel ja mehrere Wege ab, die garantiert nicht 100% mit seiner eigenen Meinung konform gehen
Und doch bleiben fundamentale politische "Wahrheiten" (according to Cage) unberührt von den getroffenen Entscheidungen: Segregation ist falsch. Unterdrückung ist falsch. Angst vor dem "anderen" mündet letztlich in Vernichtung des "anderen". Die Androiden werden offensichtlich mit den Schwarzen in Zeiten der Rassentrennung/Apartheid sowie der Judenverfolgung in Deutschland verglichen - und Cage bezieht eindeutig Stellung dagegen, indem das gesamte Spiel die Menschlichkeit dieser Figuren herausarbeitet.

Nun "soll" sich David Cage nicht unbedingt zu einer konkreten politischen Botschaft bekennen. Aber er sollte bekennen, dass dieses Spiel mit seinen Motiven von gesellschaftlichem Hass und Unterdrückung, von Verfolgung und Vernichtung, von der Frage, wann jemand nach den Spielregeln der Gesellschaft als Mensch zu gelten habe, selbstverständlich politisch ist. Und dass das eben nicht im Auge des Betrachters liegt, sondern Kern des von Cage erschaffenen Werkes ist. Stattdessen marginalisiert er sein eigenes Werk zur bloßen Spielerlei. Wenn das Massenmedium des 21. Jahrhunderts nichts substanzielles zur Politik des 21. Jahrhunderts beizutragen hat, wenn sich seine Macher jedem politischen Diskurs verschließen, weil sie Angst haben, jemand könne dann ihr Spiel nicht kaufen - dann ist das Medium tatsächlich nur kommerzielle Spielerei und künstlerisch letztlich ziemlich wertlos.

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DieTomate
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von DieTomate »

Dazu fällt mir dieser Kommentar von Shamus Young ein, den er zu der "Augs Lives Matter" Werbung für Deus Ex: Mankind Divided geschrieben hat.
But worst of all, when you engage in explicit allegory you’re giving up the most liberating tool an author has at their disposal, which is the ability to allow people to see other perspectives by tearing the labels off of things. If everything isn’t explicitly mapped out in terms of political teams, then people entering your world won’t automatically identify with “their side”. To wit: A member of Greenpeace will probably be more open to a story where environmentalists are the bad guys if you don’t stupidly name the bad guys Greenpeace.

Without labels, people will have to build their own interpretation based on the events in your story. Maybe Smarms represent American Colonists. Or Native Americans. Or Picts. Or Germanic Tribes in the time of the Roman Empire. Bedouins. American Frontiersmen. Aborigines. Aleutians. European immigrants to America in the early 20th century. It could be any of these. The reader doesn’t know and you don’t have to impose a specific interpretation onto them. This means the reader will need to think about your story. They might even comfortably identify with a group that is ideologically different from their own. It might not change their opinion, but it will give them a sense of empathy and understanding that they didn’t have before.

“But Shamus, what if the reader doesn’t get the lesson I’m trying to teach them?”

Yeah. I don’t think you’re actually interested in writing fiction. If you’re just using aliens and zap guns as a sugar-coating on a bunch of heavy-handed moralizing, then you’re not going to change anyone’s mind. You’re just going to make shitty fiction.
Es geht auch nicht nur um Namen sondern um Symbolik. Ich habe Detroid nicht gespielt, kann mich aber daran erinnern, dass in der Wertschätzung von einer Art KZ die Rede war. Da hätte kann man auch direkt "Nazi" draufschreiben können. Wie gut oder schlecht das umgesetzt wurde, kann ich nicht beurteilen.

Jochen

Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Jochen »

Die Qualität der Symbolik und Bildsprache ist natürlich eine (legitime) andere Baustelle. Haben wir in der Episode ja auch explizit angesprochen: Detroit kommt mit der moralischen Brechstange ins Haus gepoltert. Gerade deshalb ist es übrigens auch so absurd und geradezu beleidigend für das Publikum, wenn Cage ernsthaft behauptet, da stecke von Hause aus gar keine Politik drin.

Maximilian
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Maximilian »

Grade im Hinblick auf die deutsche Branche habt ihr auf verschiedene Weise ein wichtiges Problem angesprochen: Die Ausbildung ist mittelmäßig. Es mag sein, dass es (Hoch)schulen gibt, die alles wunderbar machen, aber als ich mich vor ein paar Jahren auf die Suche begeben habe, war es schwer überhaupt etwas zu finden. Obendrein ist durch den fehlenden Kanon schwer einzuschätzen, wie viel ein Lehrplan taugt. Ich zum Beispiel war an der Games Academy und kann nicht leugnen, teilweise guten Unterricht bei exzellenten Dozenten gehabt zu haben. In Summe war ich am Ende aber trotzdem vom Gesamtpaket enttäuscht. Das Fehlen einer Sammlung der allgemeinen, grundlegenden Theorie sorgt dafür, dass man mal ein bisschen hiervon lernt und mal ein bisschen davon, aber ein wirklich klares Bild kristallisiert sich für mich erst nach den ersten Projekten im Job heraus.

Den Wunsch politische Spiele zu entwickeln, bekommt man an der Games Academy (bzw. bekam man dort zu meiner Zeit) auch eher ausgetrieben. Wenn es um unsere Semesterprojekte ging war vorgeschrieben: "Spiele mit Nazis werden nicht zugelassen!". Ein Spiel wie Attentat 1942 könnte also nie von der Games Academy kommen oder ein Anne Frank Adventure oder Ähnliches. Zusätzlich hat keine wissenschaftliche Betrachtung von politischen Themen in Spielen stattgefunden, noch wurde man angeregt, über unsere Möglichkeiten in dieser Richtung nachzudenken.
Das ist grade deshalb Schade, weil das Studium/die Schulung sich perfekt eignet, um sich in dieser Hinsicht auszuprobieren. Ich glaube wirklich politische Spiele, die auch zu ihrer Aussage stehen, wird es außerhalb des Indie-Sektors nie geben, zu groß ist die Angst von großen Publishern, dass sich klare Statements in die eine oder andere Richtung wirtschaftlich zu negativ auswirken.

Melometlar
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Registriert: 29. Dez 2015, 12:32

Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Melometlar »

Ich habe jetzt nicht alles gelesen aber ich MUSS einfach mal etwas zu der Folge sagen, denn Jochen, du hast meiner Meinung nichts anderes getan als das, was du anderen vorwirfst.

"Diese Medien sind Feige" ... "dieses Medium traut sich nichts" ... "Das sind Idioten ABER sie sind eigentlich Intelligent."

Also wenn du solche Sachen äußerst, denke darüber nach, was du da gerade gesagt hast. ich habe das jetzt die ganze Zeit gehört und da ging mir echt die Hutschnur hoch, denn man kann anderen nicht das vorwerfen, was man selbst tut. Wo hat denn der Podcast in dieser Folge den Mut gehabt, den du anderen absprichst?

Lansbury

Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Lansbury »

@melometlar

Was wäre denn die mutigere Variante dieser Analyse gewesen?

Den Studios den Mut und eine gewisse Konsequenz in bestimmten Bereichen abzusprechen, ist berechtigt, da Tatsache.

Nun ist es aber auch legitim, egal wie harsch die Kritik ausfällt, den Hörern am Ende klar zu machen, dass man die Verantwortlichen der Studios nicht generell für Dorftrottel hält, egal welche Fehler sie machen. Ich persönlich würde da keinen Rückzieher oder gar Feigheit unterstellen, sondern sehe es eher als Pflicht. Denn gerade wenn man ein sensibles Thema leidenschaftlich diskutiert, ist es umso wichtiger, am Ende dennoch den Entwickler an sich als Menschen, abgekoppelt von seinen Designentscheidungen, nicht unfair zu behandeln und zu bewerten. Nach dem Schema: Entscheidung des Entwicklers dumm? Ja! Die Entwickler sind generell Dorftrottel? Nein!

Und wenn wir jetzt anfangen, an alle Aussagen ein Lineal anzulegen, geht hier zu viel von dem verloren, weswegen wir alle eigentlich hier sind. Und das ist Klartext, ohne Blatt vor dem Mund.

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Ricer
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Ricer »

Melometlar hat geschrieben:
2. Jul 2018, 15:59
Ich habe jetzt nicht alles gelesen aber ich MUSS einfach mal etwas zu der Folge sagen, denn Jochen, du hast meiner Meinung nichts anderes getan als das, was du anderen vorwirfst.

"Diese Medien sind Feige" ... "dieses Medium traut sich nichts" ... "Das sind Idioten ABER sie sind eigentlich Intelligent."

Also wenn du solche Sachen äußerst, denke darüber nach, was du da gerade gesagt hast. ich habe das jetzt die ganze Zeit gehört und da ging mir echt die Hutschnur hoch, denn man kann anderen nicht das vorwerfen, was man selbst tut. Wo hat denn der Podcast in dieser Folge den Mut gehabt, den du anderen absprichst?
Ich möchte ein neues Format vorschlagen: Die Unterjochung!!!

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Puschkin
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Puschkin »

Zu Divison 2 gibt es hier einen Interessanten Artikel beim Guardian:
https://www.theguardian.com/games/2018/ ... -criticism

“Our goal in all the games we create, is to make people think,” he says. “We want to put them in front of questions that they don’t always ask themselves automatically. We want players to listen to different opinions and to have their own opinions. Our goal is to give all the tools to the player in order for them to think about the subjects, to be able to see things from far enough away.”

In effect then, Ubisoft sees itself as making games that have political themes, but are also politically impartial? “That’s right,” he says. “So [the player is] part of it, you speak with people who have a different opinion from your own, you test different things, so you can improve your vision of that subject – that’s what we want to do. We don’t want to say, ‘Do that, think like this ... ’ our goal is to make sure, after playing, you’re more aware.”
Über Far Cry 5 war ja zu lesen, dass diese fundamentale konservativen Christen ja nur eine Karikatur darstellen und der politischen Ideologie "DAS BÖSE™" anhängen. Also eine eigene Opinion kann man sich da nicht mal drüber bilden.


https://www.eurogamer.net/articles/2018 ... tom-clancy

While Clancy the man was outspoken about the political dimensions of his work, Clancy as a brand is terrified of taking a public stand on anything, even as the games themselves deal freely in the policing of rogue states and the trampling of due process in the name of the greater good.

[Die Zusammenfassung des Problems an Divison 2:]

It poses an America saved by its citizens, "ordinary people" rising up by presidential decree to battle tyrannous feds and sociopathic have-nots. This is a play of themes dear to Clancy's staunchly reactionary heart: his books are full of "real" Americans like firefighters, cops and doctors, salt-of-the-Earth types who respect the flag, roll up their sleeves and get their hands dirty. Executive Orders concludes with Ryan forming a government with these archetypes, after the country's self-serving political classes are decimated by a terrorist attack. Ubisoft would rather not talk about the The Division's ideological underpinnings, however, and with good reason - proposing to speak on behalf of "real" people while demonising the rest is an elementary gambit of fascism.
Interessant finde ich das hier nochmal klar zu lesen. Versteht das in den USA sofort jeder, dass The Division so nah an der Milizbewegung und der Ideologie eine Donald Trump und den real people dran ist? Oder wird das sogar anders verstanden?
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MartizOne
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von MartizOne »

Hi Jochen,
du hattest bemängelt, dass Battlefield ebenso wie seine Kritiker zu unrecht mit der historischen Akkuratheit etc. für ihre weiblichen Charactere argumentiert, anstatt einfach klare Kante zu zeigen. Fair enough.

Mittlerweile haben sie allerdings Kante gezeigt, wie hier in der Gamestar News nachzulesen ist.
EA´s Chief Creative Officer Patrick Söderlund:
"Entweder ihr akzeptiert es, oder ihr kauft das Spiel nicht. Ich kann mit beidem Leben."

Der Vollständigkeit halber.. :arrow:

BlackSun84
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von BlackSun84 »

So, nachdem Andre es geschafft hat, dass ich mich so richtig dreckig fühle, wie ein Schmarotzer und eine Zecke, habe ich auch von Patreon auf Steady gewechselt. Ich hab sogar die Elfenbeinkryptowährung gekauft und fördere jetzt eine Farm für feinste Babyelefantenschnitzel, wie Sebastian es wollte.

rammmses
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von rammmses »

Sehr schöner Podcast, noch ein wichtiger Gedanke dazu: Was Spiele fundamental von anderen Medien wie Film oder Literatur unterscheidet, ist die spitze, recht homogene Gruppe der Spieler zw. 12 und 25. Für die meisten sind Videospiele (im klassischen Sinn, nicht Handyapps) nur ein Begleiter im jungen Lebensabschnitt. Später wird das Hobby stark zurückgefahren oder gar aufgegeben. Das hat erhebliche Implikationen auf die Innovationskraft:
Der Großteil der Zielgruppe eines AAA-Titels hat vor 10 Jahren noch keine Videospiele gespielt, nur wenig Überblick. Dazu kommt, dass Spiele meist wenige Monate nach Release, spätestens zum Generationswechsel "tot" sind und es kaum tradierte Klassiker gibt, die auch viele Jahre nach Release bekannt sind.
Dss heißt, nur ein Bruchteil der Käufer eines neuen AC verfolgt die Serie schon seit den Anfängen, geschweige den spirituellen Vorläufern. Für viele dürfte es gar der Einstieg ins Genre sein. Warum sollen sie da das Rad neu erfinden?
Warum fällt nur wenigen auf, was die alten Fallouts besser machen als Teil 4? Weil der Großteil der Käufer die Vorgänger nicht gespielt oder halb vergessen haben (Spiele sind tot nach Release).
Letztendlich werden immer die gleichen Spiele für neue Generationen gemacht, große Politik/inhaltlicher Anspruch ist nicht zu erwarten, wenn die Hauptzielgruppe Jugendliche bleiben.

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Alienloeffel
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Alienloeffel »

rammmses hat geschrieben:
4. Jul 2018, 07:45
...
Der Großteil der Zielgruppe eines AAA-Titels hat vor 10 Jahren noch keine Videospiele gespielt, nur wenig Überblick. Dazu kommt, dass Spiele meist wenige Monate nach Release, spätestens zum Generationswechsel "tot" sind und es kaum tradierte Klassiker gibt, die auch viele Jahre nach Release bekannt sind.
Dss heißt, nur ein Bruchteil der Käufer eines neuen AC verfolgt die Serie schon seit den Anfängen, geschweige den spirituellen Vorläufern. Für viele dürfte es gar der Einstieg ins Genre sein. Warum sollen sie da das Rad neu erfinden?
...
Das würde ich doch stark bezweifeln. Insbesondere durch das Internet wird ein gewisses "Klassiker" Bewusstsein gefördert. Auch die jüngeren Leute werden dir sagen können, dass Ocarina of Time ein Videospiel Klassiker ist. Die werden dir bestimmt auch sagen, dass Assassins Creed II eine bis heute gute Rache Geschichte erzählt usw.
Klar, wenn es irgendwann vielleicht um Warcraft II geht fehlt da vielleicht das Wissen wie es sich gespielt hat. Aber das gibt es in anderen Medien ja auch: Aus den 60ern 70ern werden nur wirklich Film interessierte Beispiele aus jener Zeit kennen.

Vielleicht bin ich da auch zu optimistisch...

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Nachtfischer
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von Nachtfischer »

rammmses hat geschrieben:
4. Jul 2018, 07:45
Sehr schöner Podcast, noch ein wichtiger Gedanke dazu: Was Spiele fundamental von anderen Medien wie Film oder Literatur unterscheidet, ist die spitze, recht homogene Gruppe der Spieler zw. 12 und 25. Für die meisten sind Videospiele (im klassischen Sinn, nicht Handyapps) nur ein Begleiter im jungen Lebensabschnitt.
Etwas Statistik. Ich weiß, du bezogst dich vor allem auf AAA. Aber wahrscheinlich sagt das auch einfach einiges über AAA aus, dass viele reifere Gehirne es (in weiten Teilen) nicht mehr gut ertragen können. :P

rammmses
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Re: Runde #169: Haben Spiele ihr Pulver schon verschossen?

Beitrag von rammmses »

Nachtfischer hat geschrieben:
4. Jul 2018, 10:26
jahre/]Etwas Statistik[/url]. Ich weiß, du bezogst dich vor allem auf AAA. Aber wahrscheinlich sagt das auch einfach einiges über AAA aus, dass viele reifere Gehirne es (in weiten Teilen) nicht mehr gut ertragen können. :P
Die Statistik ist Quatsch, da sie eben alle Candy Crush Spieler als "Gamer" mitumfasst. Diese Verwässerung finde ich schwachsinnig, da kann man auch sagen "95% der Deutschen sind Sportler", weil man jeden Minigolfer mitrechnet. Das Alter war ewig die erwähnten 16-25, bis man die Statistik eben auf mobile Games usw. ausgeweitet hat. Je nachdem kann man das Alter dann hin und her schieben z.B.:
https://www.gamestar.de/artikel/umfrage ... 03533.html

Dass aber klassische Videospiele (um die es im Podcast hier ja geht) nun auf einmal von wesentlich älteren Gamern gespielt werden als vor ein paar Jahren, bezweifle ich stark.

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