Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

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Nuro
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Nuro »

Sehr schöne Folge, interessantes Thema und gut gemacht.
War für mich der Trigger nach längerer Abstinenz wieder ein Abo abzuschließen.
Freu mich schon auf den nächsten Teil.

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Heretic
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Heretic »

Mike hat geschrieben:
30. Jul 2018, 18:08
Es passt durchaus, dass CD Projekt aus The Witcher 1 letztlich ein The Witcher 3 herausgebildet hat, während Piranha Bytes aus Gothik nur ein Risen oder Elex macht, bei dem die jeweiligen (internationalen) Wertungen auch Bände sprechen (30-60% vs über 90%).
Darauf habe ich gewartet, das musste kommen. :mrgreen:

Piranha Bytes und CD Projekt mögen beide ähnlich klein angefangen haben (ich weiß nicht, mit welcher Mitarbeiterzahl), aber heutzutage sind sie nicht mehr miteinander vergleichbar. Dabei spielt es keine Rolle, warum PB ein relativ kleines Unternehmen geblieben ist, oder aus welchen Gründen CD Projekt immer weiter gewachsen ist. Dementsprechend ist es auch nicht ganz fair, ihre Produkte miteinander zu vergleichen, auch wenn sie beide unter der Rubrik RPG eingeordnet und ungefähr der gleichen Preisklasse angeboten werden. Doch während ein "The Witcher 3" eine teure Blockbusterproduktion für den Massenmarkt ist (nicht negativ gemeint!), bleibt ein "Elex" seiner Nische treu. Was einerseits der Studiogröße geschuldet sein mag, gleichzeitig aber auch eine bewusste Entscheidung seitens PB gewesen sein dürfte, weil sie eben nicht sämtliche Ecken und Kanten von ihrem Spiel abraspeln wollten. Welches der beiden Spiele man bevorzugt, ist letztendlich Geschmacksache. Ich finde z. b. die filmartige Präsentation und die Welt des Hexers großartig, während mich bei der Gothic-Reihe oder "Elex" eher das Worldbuilding, die ständig präsente Gefahr und die Exploration der Welt in ihren Bann ziehen. Letztendlich produzieren beide Firmen seit Jahren für meinen Geschmack gute bis großartige Spiele - da ist mir reichlich egal, was die Fachpresse im In- oder Ausland für Noten vergibt.

Stuttgarter
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Stuttgarter »

Mich fasziniert auch, dass da ein bisschen mitschwingt, dass deutsche Entwickler doch unbedingt internationale Kassenschlager entwickeln wollen müssten. Crytek wollte das definitiv - aber beim Rest? Die hätten vermutlich nichts dagegen, wenn sie international erfolgreich wären, aber es scheint offensichtlich nicht so sehr ihr Wunsch zu sein, dass sie als Konsequenz all das umschmeißen, von dem sie genau wissen, dass es letztlich (deutsche) Nische bedeutet. Egal ob jetzt PB mit ihren sehr sperrigen Spielen, BlueByte mit Anno (okay, die haben es versucht, aber auch nicht so konsequent, dass man das "typisch deutsche" nicht mehr erkennen würde, und jetzt gehen sie zurück zu typisch Anno), Daedalic mit seinen Adventures - mir scheint, die deutschen Entwickler von PC-Spielen sind eigentlich ganz zufrieden mit ihrem nationalen Erfolg. (Vermutlich sind es eher die Publisher, die auf "international" schielen.)

Und auch wenns schon mehrfach gesagt wurde - die Behauptung, aus Deutschland würden keine guten Spiele kommen, ist einfach falsch. "International nicht erfolgreich" - ok. Aber das ist ja kein Qualitätsmerkmal. Sonst wären Avatar, Jurassic Park und Titanic die besten Filme aller Zeiten. Und "50 Shades of Grey" wär unter den Top ten der Weltliteratur.

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Soulaire
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Soulaire »

Stuttgarter hat geschrieben:
30. Jul 2018, 20:59
Und auch wenns schon mehrfach gesagt wurde - die Behauptung, aus Deutschland würden keine guten Spiele kommen, ist einfach falsch. "International nicht erfolgreich" - ok. Aber das ist ja kein Qualitätsmerkmal. Sonst wären Avatar, Jurassic Park und Titanic die besten Filme aller Zeiten. Und "50 Shades of Grey" wär unter den Top ten der Weltliteratur.
Damit macht macht man es sich mMn etwas zu einfach. Ich will nicht sagen, dass es das gar nicht gibt aber Werke, die nur nur in einem Land funktionieren sind extrem selten. Vor allem wenn sie sich nicht auf die Kultur in diesem Land beziehen und über hunderte Jahren mit gewachsen sind.
Selbst abstruse Mangas aus Japan haben ihr Publikum in der ganzen Welt gefunden, weil sie eben eine gewisse Qualität mitbringen für das was sie sind.
Bei Filmen ist das genau so. Ein Park Chan Wook hat über den ganzen Globus verteilt seine "Fans" (auch in den Kritiken).
Ich wüsste auch nicht, was an deutschen Spielen jetzt so anders ist im Vergleich zu anderen internationalen Spielen. Ein the Surge hat nichts "Deutsches", was nur "Deutschen" besonders gut gefällt. Außer vielleicht Dialoge zum Fremdschämen, da sind die meisten deutschen Filme auch nicht viel besser :D. Aber das missfällt ja auch vielen.

Ich persönlich kann auch nicht nachvollziehen, warum immer ein deutscher "Kassenschlager" gefordert wird, wenn es um deutsche Spiele geht. Ein richtig gutes "deutsches" Spiel, was sich schlecht verkauft würde ich lieber sehen als ein schlechtes "deutsches Spiel, was sich super verkauft. Die deutsche Spiele-Kritik sieht das aber leider wohl etwas anders....

Man sollte sich schon eingestehen können, dass deutsche Spiele anders bewertet werden, wenn sie denn aus einem anderen Land kommen würden.
Auch wenn the Surge sicherlich kein schlechtes Produkt ist.

Stuttgarter
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Stuttgarter »

Soulaire hat geschrieben:
30. Jul 2018, 22:07

Damit macht macht man es sich mMn etwas zu einfach. Ich will nicht sagen, dass es das gar nicht gibt aber Werke, die nur nur in einem Land funktionieren sind extrem selten. Vor allem wenn sie sich nicht auf die Kultur in diesem Land beziehen und über hunderte Jahren mit gewachsen sind.
Naja, mit Anno, den Siedlern und den PB-Spielen haben wir drei Paradebeispiele, oder? Okay, die PB-Dinger sind qualitativ sehr unterschiedlich, aber Gothic2 und Risen zumindest waren doch gute Spiele, oder?

Und speziell PB macht nunmal die Spiele, die sie wollen. Und pfeifen dafür auf internationalen Erfolg. Grade nach Gothic2 und Risen hätten die vermutlich die Möglichkeit gehabt, das Team aufzustocken, sich einen großen Publisher zu angeln, auf internationalen Erfolg zu schielen - aber sie hätten dafür dann vermutlich das aufgeben müssen, was ihr ganz eigener Charme ist.

Mike
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Mike »

ShadowHD hat geschrieben:
30. Jul 2018, 18:18
Als Schaffender jeglicher Art ist es Grundvoraussetzung, dass man mit dem Geschaffenen im Reinen ist. Sonst würde man doch etwas ändern oder einen anderen Job ausüben.
Zehntausende Grafiker, Webdesigner, Copywriter, Video Editor sowie Content und Social Media Manager usw. in Deutschland lachen sich gerade kaputt. Oder weinen.
Stuttgarter hat geschrieben:
30. Jul 2018, 18:24
Abgesehen davon, dass mir spontan mindestens ein deutsches Meisterwerk einfällt - nämlich Anno 1404
Ich bin ein großer Fan von Anno und es ist zugegeben eines der besten deutschen Spiele, aber zu einem Meisterwerk (in seinem Genre) fehlt leider noch etwas. Allein die kindischen NPCs mit ihrer nicht zum Rest des Spiels passenden Comicgrafik und deren unsinniges Gelaber versauen mir leider das Game. Ich will keine mega unrealistischen cringy Disney-Charaktere in einem mittelalterlichen Aufbauspiel. Eventuell kriegen sie jedoch Anno 1800 besser hin, da die Zeit der eher schmutzigen Industrialisierung und der menschenverachtende Kolonialismus sie eigentlich dazu zwingen müsste, den Tone endlich etwas ernster zu gestalten und möglicherweise bei der Erzählung nicht komplett zu versagen. Ansonsten gibt es bei Anno jedoch wenig zu kritisieren.

Angesichts des Settings träume ich aber von einer Art Aufbauspiel mit Story-Progression à la Warcraft 3 und dem Writing von Sunless Sea. Ich würde zu gern von Fallen London aus 'and in the name of Her Enduring Majesty' auf der Underzea den Kolonialismus vorantreiben. Oder wenigstens ein Aufbauspiel mit einem Game of Thrones-ähnlichen Setting, einfach mal erwachsen, etwas dark und rough, aber unglücklicherweise wird die Zielgruppe von Aufbauspielen leider ohne viel Nachdenken und ohne jede Risikobereitschaft voll konservativ eingeschätzt und immer wieder möglichst familienfreundlich und damit auf narrativer und tonaler Ebene belanglos gestaltet. Das ist einfach der ewige Die Siedler-Fluch. (Ja Siedler war ein tolles Spiel, aber nach 25 Jahren sollte man sich mal weiterentwickeln.) Auch hier gibt es eben einen Grund dafür, dass das gesamte Genre international nicht so beliebt ist... es liegt nicht am Gameplay, denn das macht prinzipiell allen Menschen Spaß.

Manchmal hat man den Eindruck, dass die Zielgruppe von Videospielen mit der Zielgruppe von German-style Board Games verwechselt wird, die in den USA auch sehr beliebt sind, aber das sind einfach keine jungen, männlichen, weißen Gamerkids, die bei Ubisoft ansonsten am liebsten Assassin's Creed kaufen. Auch das liegt nicht zwangsläufig am hier unterschiedlichen Gameplay. Natürlich gibt es immer subjektive Geschmäcker, aber es gibt auch klare Präferenzen beim Massengeschmack der primären Videospielzielgruppe und gerade den scheinen deutsche Studios oft erstaunlich vehement nicht treffen zu wollen. (Mein eigener Geschmack ist damit jedoch ganz sicher nicht kongruent.)
Heretic hat geschrieben:
30. Jul 2018, 20:44
Piranha Bytes und CD Projekt mögen beide ähnlich klein angefangen haben (ich weiß nicht, mit welcher Mitarbeiterzahl), aber heutzutage sind sie nicht mehr miteinander vergleichbar.
Die Frage ist doch gerade, wieso sie nicht mehr miteinander vergleichbar sind. Was erklärt den ausbleibenden Erfolg bzw. eher die häufig unleugbar und nachweislich geringere Qualität der deutschen Games, die letztlich knallhart mit der Studiogröße korreliert. Es gibt doch gute Gründe dafür, dass CD Projekt das geworden ist, was es ist, und sich eine Blockbuster-Produktion leisten und diese vor allem auch umsetzen kann. Du scheinst hier Ursache und Wirkung irgendwie umzukehren.
Heretic hat geschrieben:
30. Jul 2018, 20:44
Doch während ein "The Witcher 3" eine teure Blockbusterproduktion für den Massenmarkt ist (nicht negativ gemeint!), bleibt ein "Elex" seiner Nische treu. Was einerseits der Studiogröße geschuldet sein mag, gleichzeitig aber auch eine bewusste Entscheidung seitens PB gewesen sein dürfte, weil sie eben nicht sämtliche Ecken und Kanten von ihrem Spiel abraspeln wollten.
Ja, möglicherweise hast du mit "bewusste Entscheidung" sogar recht und genau das ist für den deutschen Fan offenbar verständlich und normal, für jeden anderen Beobachter auf der Welt jedoch ziemlich verrückt. Einfach nur mit viel zu geringen Budgets, viel zu wenig Manpower und viel zu wenig Zeit verbugte und irgendwie "charmante" urig-nischige deutsche RPGs zu entwickeln, die sich auch nur am deutschen Markt am besten verkaufen und in der deutschen Presse am besten ankommen, ist eben das Limit der Ambitionen bei diesem Studio. Das ist wie wenn ein Producer mit Alarm für Cobra 11 zufrieden ist, während er nicht versteht, warum sich jemand ein The Wire wünscht. Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.
Heretic hat geschrieben:
30. Jul 2018, 20:44
da ist mir reichlich egal, was die Fachpresse im In- oder Ausland für Noten vergibt.
Mag sein, dass du das als Fan so siehst und das ist auch legitim, aber ich denke nicht, dass ich nun die Relevanz (für Entwickler und Publisher) von Wertungen in der Fachpresse erläutern muss. Ebenso ist es möglich und nötig, aus Wertungen Rückschlüsse auf die Qualität und Qualitäten eines Medienerzeugnisses zu ziehen.
Stuttgarter hat geschrieben:
30. Jul 2018, 20:59
Die hätten vermutlich nichts dagegen, wenn sie international erfolgreich wären, aber es scheint offensichtlich nicht so sehr ihr Wunsch zu sein, dass sie als Konsequenz all das umschmeißen, von dem sie genau wissen, dass es letztlich (deutsche) Nische bedeutet.
Wie logisch ist es, wenn sich wirtschaftlich agierende Spieleunternehmen, die oft genug lautstark über ihre angespannten finanziellen Bedienungen klagen, absichtlich nur aufgrund eines scheinbar irrationalen "Wunsches" dazu entscheiden, mit ihren Produkten ausschließlich eine deutsche Nische zu bedienen? Wollen sie wirklich so unbedingt ihren eigenen Erfolg limitieren? Kann das wirklich eine bewusste Entscheidung sein oder könnte eventuell (vermeintlich) mangelnde Kompetenz/mangelndes Talent gepaart mit typisch deutscher Risikoaversion, zu hoher Selbstgefälligkeit und mangelnden Visionen eine viel wahrscheinlichere Ursache darstellen, die sie letztlich vielmehr dazu zwingt, so zu handeln.

Deine Auflistung allein gibt mir jedenfalls schon eine Antwort. Dass auch andere polnische Studios z. B. mit This War of Mine ein atmosphärisches Antikriegs-Survival-Strategy-Game machen, das durch die Belagerung von Sarajevo im Bosnienkrieg inspiriert wurde, anstelle eines farbenfrohen Aufbaubrowserspiels mit Wuselcharakter, in dem man sich mit Rubies irgendwelche Pferde kaufen kann, ist in erster Linie eine Frage der Mentalität der Entscheidungsträger.
Stuttgarter hat geschrieben:
30. Jul 2018, 20:59
die Behauptung, aus Deutschland würden keine guten Spiele kommen, ist einfach falsch. "International nicht erfolgreich" - ok. Aber das ist ja kein Qualitätsmerkmal.
Da hier meine subjektive Meinung nichts zählen kann, muss ich auf Wertungen = Autoritätsargumente zurückgreifen und die spiegeln sich letztlich auch nicht immer in Verkaufszahlen wider. Mittelmäßige Spiele verkaufen sich durchaus manchmal erstaunlich gut, während grandiose Meisterwerke auch mal kommerzielle Misserfolge sein können. Letztere kommen jedoch am allerwenigsten aus Deutschland und die ganz große Ausnahme ist hier höchstens Spec Ops: The Line, was zumindest auf narrativer Ebene sehr gut gelungen war, aber eine Art Planescape: Torment wird man aus Deutschland eben so schnell garantiert nicht zu sehen bekommen, denn hier macht man lieber Adventures mit niedlichen Raupen.
Stuttgarter hat geschrieben:
30. Jul 2018, 20:59
Sonst wären Avatar, Jurassic Park und Titanic die besten Filme aller Zeiten. Und "50 Shades of Grey" wär unter den Top ten der Weltliteratur.
In anderen Medien verhält sich die Situation etwas anders und natürlich gibt es amerikanischen Trash, aber eben auch das komplette Gegenteil auf der Skala. Mir ging es jedoch gar nicht mal so sehr um den rein wirtschaftlichen Erfolg, der ja offenbar sogar bei The Surge 1 gegeben ist. Der deutsche Film bietet jedenfalls ganz sicher auch seine Perlen, während es z.B. bei deutschen Serien oft nicht mal am Budget mangelt, aber auch dort hat ein Tatort keine Chance gegen skandinavische Crime Noir-Serien mit viel niedrigerem Budget und wenn mal Netflix eine rein deutsche Produktion startet wie mit Dark, ist man direkt (national und international) positiv überrascht, wie gut eine komplett deutsche Serie werden kann, einfach weil dort das Mindset in den oberen Etagen nicht so "deutsch" ist.

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Soulaire
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Soulaire »

Stuttgarter hat geschrieben:
30. Jul 2018, 23:54
Soulaire hat geschrieben:
30. Jul 2018, 22:07

Damit macht macht man es sich mMn etwas zu einfach. Ich will nicht sagen, dass es das gar nicht gibt aber Werke, die nur nur in einem Land funktionieren sind extrem selten. Vor allem wenn sie sich nicht auf die Kultur in diesem Land beziehen und über hunderte Jahren mit gewachsen sind.
Naja, mit Anno, den Siedlern und den PB-Spielen haben wir drei Paradebeispiele, oder? Okay, die PB-Dinger sind qualitativ sehr unterschiedlich, aber Gothic2 und Risen zumindest waren doch gute Spiele, oder?
Ich möchte Spielen wie Anno gar nicht die Qualität absprechen. Es ist nur die Frage ob diese Spiele ohne ihren Vorteil am deutschen Markt auch so erfolgreich gewesen wären. Im Podcast wurde ja auch schon angesprochen, dass deutsche Studios sehr gut mit dem klassischen Handel verknüpft waren und so einen "Wettbewerbsvorteil" hatten. Durch die Digitalisierung und die damit verbundene (Un-)Sichtbarkeit ist die internationale Konkurrenz drastisch gestiegen.
Ich finde es auch schade. dass das Publikum dieser "anspruchsvolleren" Spielen anscheinend immer kleiner wird. Selbst wenn das nächste Anno alles richtig macht wird es wahrscheinlich keine Bäume mehr ausreißen.
Aber vielleicht fehlt auch die nötige Weiterentwicklung, man hört ja auch immer seltener dass Anno-Fans von ihrer Reihe in letzter Zeit schwärmen. Es ist quasi zur "Standart-Kost" geworden.
Anders sieht es beim deutschen Shadow Tactics aus, dass sich vielleicht auch nicht millionenfach verkauft hat, aber man eine gewisse Begeisterung bei Spielern und Entwicklern spürt(e).

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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Mike hat geschrieben:
31. Jul 2018, 01:22
Allein die kindischen NPCs mit ihrer nicht zum Rest des Spiels passenden Comicgrafik und deren unsinniges Gelaber versauen mir leider das Game
Mike hat geschrieben:
31. Jul 2018, 01:22
da die Zeit der eher schmutzigen Industrialisierung und der menschenverachtende Kolonialismus sie eigentlich dazu zwingen müsste, den Tone endlich etwas ernster zu gestalten
Mike hat geschrieben:
31. Jul 2018, 01:22
Deine Auflistung allein gibt mir jedenfalls schon eine Antwort. Dass auch andere polnische Studios z. B. mit This War of Mine ein atmosphärisches Antikriegs-Survival-Strategy-Game machen, das durch die Belagerung von Sarajevo im Bosnienkrieg inspiriert wurde, anstelle eines farbenfrohen Aufbaubrowserspiels mit Wuselcharakter, in dem man sich mit Rubies irgendwelche Pferde kaufen kann, ist in erster Linie eine Frage der Mentalität der Entscheidungsträger.
Ich gewinne den Eindruck, dass für dich Dinge, die nicht "dark & gritty" sind, automatisch schlecht sind. Ich bin ehrlich gesagt sehr froh darum, dass die deutsche Spielebranche nicht, wie gefühlt die Filmebranche, ständig nur Werke über das dritte Reich und die DDR-Zeit hervorbringt.

Nach wie vor verstehe ich auch nicht, warum denn deutsche Spielestudios unbedingt international erfolgreich sein müssen. Es gibt bereits mehr als genug deutsche Firmen (nicht nur rein auf Spiele bezogen), die der Meinung waren, unbedingt im Ausland tätig sein zu müssen und damit mächtig auf die Schnauze gefallen sind. Verantwortungsvolles wirtschaften heißt ja nicht Größe um jeden Preis.

Ein deutsches Spiel, das mir noch einfällt, das in letzter Zeit positiv im Ausland angekommen ist, ist Iron Harvest (auch wenn es noch nicht draußen ist), , wo ja die Kickstarter-Kampagne mehr als das doppelte eingefahren hat und mit 1,2 Millionen auch nicht gerade wenig: https://www.kickstarter.com/projects/ki ... on-harvest

lnhh
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von lnhh »

Ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, warum fuer dich Mike, in meiner Wahrnehmung, jedes Spiel ne 90+ sein muss, ansonsten hat das Studio direkt verloren.

Spiele sind halt subjektiv. The Surge ist mein Spiel des Jahres 2017. Wuerde ich jeden Tag jedem Darksouls vorziehen, Bloodborne kommt nah.
Fuer dich ists halt "kompletter Scheiss", oder wie du es formuliert hast. Legitim, aber ich denke, es gibt noch viele weitere Spieler die mir nachempfinden koennen.

Auch macht mir ein Elex einfach deutlich mehr Spass als nen W3.
Das Warum moechte ich jetzt hier gar nicht lang ausbreiten, wurde vermutlich schon mehrmals - nur als Hinweis mal von "der anderen Seite".
Fuck Tapatalk

Stuttgarter
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Stuttgarter »

Mike, ich habe den Eindruck, dass Du "Qualität" und "persönlichen Geschmack" zu sehr vermischst. Bzw - Du wünschst Dir bestimmte Spiele aus Deutschland - und da die hier nicht produziert werden, sind die Spiele, die produziert werden, automatisch schlecht. Bestes Beispiel "Anno": Du bemängelst letzlich, dass die Darstellung der Figuren Dir nicht gefällt. Das ist aber eine reine Geschmackssache - keine qualitative Frage. (Den einen wirklichen Kritikpunkt an "Anno 1404" hast Du gar nicht erwähnt - die Singleplayerkampagne.)

Du bewertest also weniger die Spiele an und für sich - sondern gemessen an dem, was sie für Dich sein müssten, damit sie Dir gefallen. Das ist an und für sich natürlich Dein gutes Recht - und kein Mensch kann Dich dazu verdonnern, deutsche Spiele zu kaufen oder zu mögen, wenn sie an Deinem Geschmack vorbeigehen. Aber sie werden dadurch eben nicht alle "schlecht".

Beispiel aus einer anderen Sparte: Helene Fischer. Mit ihrer Musik kannst Du mich jagen. Ganz furchtbar. Trotzdem muss ich anerkennen, dass das, was sie macht, qualitativ hochwertig ist. Die Frau kann singen, und das Zeug ist verdammt gut produziert. Vielleicht wird so deutlicher, was ich Dir sagen will.

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Heretic
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Heretic »

Mike hat geschrieben:
31. Jul 2018, 01:22
Die Frage ist doch gerade, wieso sie nicht mehr miteinander vergleichbar sind. Was erklärt den ausbleibenden Erfolg bzw. eher die häufig unleugbar und nachweislich geringere Qualität der deutschen Games, die letztlich knallhart mit der Studiogröße korreliert. Es gibt doch gute Gründe dafür, dass CD Projekt das geworden ist, was es ist, und sich eine Blockbuster-Produktion leisten und diese vor allem auch umsetzen kann. Du scheinst hier Ursache und Wirkung irgendwie umzukehren.
Es mag durchaus sein, dass sowohl PB als auch CD Projekt anfangs dieselben Ziele hatten. Doch während CD Projekt ihr Ansehen bei der Spielerschaft durch kostenlose Enhanced Editions der verbuggten Titel und ihrer Kopierschutz-Politik retten und stetig verbessern konnte, gab's bei PBs "Gothic 3" stattdessen den Ärger mit JoWood. Der weder PB noch dem arg verbuggtem Spiel gutgetan hat. PB musste einen Gang runterschalten, während CD Projekt zwei Gänge hochschalten konnte. Letztere profitieren zusätzlich von ihrer Verkaufsplattform GOG und der polnischen Staatsförderung. Jetzt bin ich gespannt, ob der Höhenflug mit "Cyberpunk 2077", das ohne den starken Witcher-Hintergrund auskommen muss, weitergehen wird.
Mike hat geschrieben:
31. Jul 2018, 01:22
Ja, möglicherweise hast du mit "bewusste Entscheidung" sogar recht und genau das ist für den deutschen Fan offenbar verständlich und normal, für jeden anderen Beobachter auf der Welt jedoch ziemlich verrückt. Einfach nur mit viel zu geringen Budgets, viel zu wenig Manpower und viel zu wenig Zeit verbugte und irgendwie "charmante" urig-nischige deutsche RPGs zu entwickeln, die sich auch nur am deutschen Markt am besten verkaufen und in der deutschen Presse am besten ankommen, ist eben das Limit der Ambitionen bei diesem Studio. Das ist wie wenn ein Producer mit Alarm für Cobra 11 zufrieden ist, während er nicht versteht, warum sich jemand ein The Wire wünscht. Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.
Bei PB scheint man es sich in seiner Nische gemütlich gemacht zu haben und ist zufrieden damit, nicht nach jedem Release einer möglichen Pleite ins Auge blicken zu müssen. Kann man so machen, finde ich. Und nach "Gothic 3" haben sie sich auch nicht mehr übernommen, die Bugs halten sich in Grenzen. Zudem haben sie ihre altgediente Formel immer ein wenig variiert, mal mehr, mal weniger gelungen. Die leicht trashige Note will ich gar nicht leugnen (Patty... :D ), den Vergleich mit "Alarm für Cobra 11" halte ich aber für zu hart. :mrgreen:

ShadowHD
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von ShadowHD »

Der Vergleich CDPR mit PB ist eh vollkommen unsinnig.

CDPR hat allein für ein Teilsystem von Cyberpunk schon 7 Millionen Dollar Förderung von der polnischen Regierung bekommen. Wenn ich mich an das Kapitel aus "Blood, Sweat and Pixels" richtig erinnere wurde ihnen auch schon bei Witcher 3 extrem unter die Arme gegriffen. Von solchen Budgets kann PB nur träumen. Dann kommen noch die völlig anderen Arbeitsbedingungen dazu. Außerdem basiert Witcher auf einer Fantasy-Reihe. Auch wenn die Spiele einiges anders machen, hatten sie dennoch den Vorteil, dass sie sich an Orten, Charakteren, usw. frei bedienen konnten. PB hat mit Gothic, Risen und Elex 3 völlig neue IPs herausgebracht (zumindest wüsste ich nicht davon, dass die Spiele auf irgendetwas basieren würden). Das ist ein zusätzlicher Mehraufwand, der für ein mittelgroßes Studio nur schwer zu bewältigen ist. Dass PB so etwas überhaupt geschafft hat ist absolut bemerkenswert und verdient großen Respekt. Dann außerdem der Punkt, dass CDPR nicht als Spiele-Entwickler gestartet ist und durch Softwareleistungen und GOG noch mal deutlich mehr Eigenkapital als PB haben sollte.

Man könnte noch auf dutzende Aspekte kommen, warum CDPR etwas gelungen ist, dass PB nicht geschafft hat. Selbstgefälligkeit ist meiner Meinung nach keiner davon.

D13_Michael
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von D13_Michael »

Ich finde es ja etwas schwierig, so krass zu verallgemeinern, wenn es um die Herkunft von Spielen geht. Auch Deutschland hat diverse Meisterwerke hervorgebracht - nicht so viele, wie zum Beispiel die USA, doch das wäre auch utopisch anzunehmen. Dafür sind die Unterschiede der Branche und wie diese aufgestellt sind, einfach zu groß. Aber: Ein Everspace hat aktuell eine 79 auf Metacritic, was durchaus nicht niedrig ist. Ein Shadow Tactics hat die 85 geknackt, ein Crysis die 91, ein Crysis 2 auch noch die 86. CrossCode ist eines der wenigen Spiele auf Steam die mit Overwhelmingly Positive daherkommen, ein Sacred 2 gilt (wenn man mal von der Konsolenportierung absieht) auch heute noch als guter Konkurrent im Genre der Hack & Slays. Cloud Imperium und id Software haben nicht umsonst Niederlassungen in Deutschland - auch hier wird international mitentwickelt. Das neue Tropico scheint ebenfalls ziemlich nice zu werden, ein Spec Ops wird nach wie vor in Sachen Story-Telling auch international immer wieder als Vergleich herangeholt. Wenn man die Schweiz mit dazunimmt, hat man mit dem Farming Simulator eine unfassbar beliebte Marke (ob einem das nun in den Kram passt oder nicht), die millionen von Fans weltweit hat. Und Back to Germany: Giana Sisters: Twisted Dreams nicht zu vergessen.

Ich kann die Liste weiterführen. Klar, nicht alles 90er Metacritic Titel. Manche schon. Insgesamt ist das aber ein durchaus sehr hohes Niveau. Klar kann man all das außer acht lassen und darüber klagen, dass zu viele Browser- und Mobilegames gemacht werden (wenn einem das nicht gefällt). Und klar kann man sagen, dass in Deutschland nur Quatsch entwickelt wird und man kann all die Negativbeispiele oder Nicht-Erfolge aufzählen. Aber wie so oft gilt: Ganz so einfach ist das nicht. Ich kann genausogut sagen, alles sei toll - auch das wäre verkehrt. Die Wahrheit ist: Es gibt gute Spiele aus Deutschland. Es gibt schlechte Spiele aus Deutschland. Es gibt erfolgreiche Titel und es gibt auch kommerzielle Reinfälle.

Angemerkt sei: Ich habe bewusst unsere Titel da jetzt mal rausgelassen, da ich hier nicht beeinflussen möchte, was darüber geschrieben wird. Mein Ziel war es hier lediglich anzumerken, dass ich eine Pauschalkritik (in dem Fall an der deutschen Branche, die sicherlich ihre Schwächen (doch auch Stärken) hat) für wenig zielführend halte, zumal es immer Gegenbeispiele gibt.
Zuletzt geändert von D13_Michael am 31. Jul 2018, 12:37, insgesamt 1-mal geändert.

Freitag
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Freitag »

Heretic hat geschrieben:
31. Jul 2018, 11:44
Die leicht trashige Note will ich gar nicht leugnen (Patty... :D ), den Vergleich mit "Alarm für Cobra 11" halte ich aber für zu hart. :mrgreen:
Ob ich jetzt im Fernsehen mit einem Trailer für Cobra 11 überrascht werde oder aus Versehen auf Dialogszenen in einem PB Spiele stoße, hat für mich den gleichen Effekt. Beides halte ich nur wenige Sekunden aus. Den Verlgeich kann ich daher zumindest verstehen.

Den immer wieder zu lesenden Vergleich PB - CDPR verstehe ich dagegen überhaupt nicht. Und ich finde ihn auch nicht hilfreich. PB hat ihre ganz persönliche Nische und damit eine Fanbase gefunden. Sie haben keinerlei Ambitionen, da rauszukommen und sich grundlegend weiterzuentwickeln. Ich finde das auch nicht verweflich, es gibt ja genug Fans für ihre Spiele. Nur ich zähle eben nicht mehr dazu.
Bei CDPR erschöpft sich die Diskussion meist an den Produktionswerten von Witcher 3. Es hilft, sich die ersten beiden Teile heute nochmal anzuschauen, Witcher 3 wäre ohne Witcher 1 und 2 schließlich nicht möglich gewesen. Bei dieser Trilogie kann man sehr schön sehen, wie sich ein Entwickler weiterentwickelt hat.Alle Teile haben aktuelle Trends ihrer Zeit aufgegriffen und haben ihre Macken, aber gerade ein Witcher 1 halte ich im Rahmen seiner damaligen Möglichkeiten für ausgereifter als jedes PB Spiel. Wenn man einfach komplett unfähig ist, eine halbwegs interessante Geschichte zu schreiben, ist mir die Alternative einer Vorlage deutlich lieber.
Gebt PB die Ressourcen und Zeit von Cyberpunk, da kommt trotzdem kein Triple A-Titel raus. Never ever.

Aber das driftet hier thematisch zu sehr ab. Und die Diskussionen werden spätestens wieder bei Elex 2 geführt :D

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Heretic
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Heretic »

Freitag hat geschrieben:
31. Jul 2018, 12:36
Gebt PB die Ressourcen und Zeit von Cyberpunk, da kommt trotzdem kein Triple A-Titel raus. Never ever.
Warum nicht? PB könnte dann mit dem dicken Batzen Kohle eine ganze Armada an fähigen Schreiberlingen rekrutieren. ;)

Aber back to Deck13: Mich würde mal interessieren, wieviel Leute gleichzeitig an "Lords of the Fallen" oder "The Surge" gearbeitet haben. Ich vermute mal, dass bei From Software (deutlich?) mehr Leute an der Dark Souls-Reihe gewerkelt haben. Die Endergebnisse scheinen aber durchaus auf ähnlichem Niveau zu sein. Ganz so unfähig scheinen deutsche Entwickler also nicht zu sein. ;)

Bevor jetzt sämtliche Dark Souls-Jünger einen Schlaganfall bekommen: Ich habe keins der Spiele selbst gespielt und kann daher nur aufgrund von Screenshots, Videos und Testberichten urteilen. Ich hab's mit "Dark Souls" und der "The Surge"-Demo versucht, aber das ist einfach nicht mein Genre. Da bin ich wohl nicht frustresistent genug. Ich wollte es nochmal mit "Dark Souls 3" probieren, aber das produziert auf meinen Rechner nur Abstürze.

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Soulaire
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Soulaire »

Heretic hat geschrieben:
31. Jul 2018, 13:06
Freitag hat geschrieben:
31. Jul 2018, 12:36
Gebt PB die Ressourcen und Zeit von Cyberpunk, da kommt trotzdem kein Triple A-Titel raus. Never ever.
Ich vermute mal, dass bei From Software (deutlich?) mehr Leute an der Dark Souls-Reihe gewerkelt haben. Die Endergebnisse scheinen aber durchaus auf ähnlichem Niveau zu sein. Ganz so unfähig scheinen deutsche Entwickler also nicht zu sein. ;)
dann ist Elex aber auch auf einem ähnlichen Niveau wie Skyrim ;)

und nein es arbeiten nicht viel mehr Leute bei From Software für ein Souls-Spiel.
An Demons Souls arbeiteten beispielsweise weniger Leute als an einem Dark Souls 3 und es ist trotzdem so mit das beste Spiel von From Software.
Es ist auch nicht immer eine Geld-Frage, sondern viel eher wie man es einsetzt. So sind die Voice-Actor in From Software-Spielen weitaus besser als in den meisten AAA-Games, aber bestimmt nicht teurer. Das gleiche trifft auf Writing und Game Design zu.
Deck13 hingegen gibt für ihre hochpolierten Zwischensequenzen sicherlich mehr Geld aus als From Software.
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Mike
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Mike »

Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben:
31. Jul 2018, 07:33
Ich gewinne den Eindruck, dass für dich Dinge, die nicht "dark & gritty" sind, automatisch schlecht sind.
Es sollte eigentlich eher ein Beispiel für eine bessere Anpassung an die Zielgruppe sein, aber natürlich ist da auch meine eigene Vorliebe eingeflossen, wobei ich durchaus auch Spiele konsumiere und schätze, die eben nicht so gestaltet sind. Eine kindisch-niedlich-harmlose Gestaltung kommt bei Videospielen jedoch immer einer gewissen Beschränkung der Zielgruppe gleich, vor allem dann, wenn die Spiele selber dann für Kinder zu kompliziert oder aus anderen Gründen nicht so interessant sind. Aus einer Business-Perspektive ist das oft etwas merkwürdig und Enttäuschungen über nicht erwartungsgemäße Verkaufszahlen sind nicht selten.

Hier hat der kulturelle Hintergrund einen Anteil. Deutsche Spielehersteller mussten lange Zeit fürchten, als zu brutal zu gelten und so mancher deutsche Producer ist eben vielleicht ein etwas älterer Familienvater (gewesen), der dann ganz natürlich tendenziell eher weniger in Richtung 'Dark Souls' oder 'Call of Duty' (zwei unterschiedliche Varianten des Erfolgs) denkt. Edna Bricht Aus wurde hier mal als Beispiel genannt, ist aber thematisch ganz sicher kein Kinderspiel, obwohl es für nicht damit vertraute Personen voll danach aussieht. Die grafische Gestaltung ist auch nicht dem Budget geschuldet - und hier könnte man einfach mal auf The Cat Lady verweisen -, sondern eine bewusste, seltsame Entscheidung gewesen.

Es gibt auch Beispiele für stilistische Fehlgriffe außerhalb der deutschen Spielebranche, etwa Braid, was ein geniales Spiel ist, aber nach meiner leidvollen Erfahrung von vielen Gamern erstmal verschmäht wird, einfach weil es mit Hasen und Igeln und einem kleinen Männchen nicht so attraktiv wirkt.
Dr. Zoidberg [np] hat geschrieben:
31. Jul 2018, 07:33
Nach wie vor verstehe ich auch nicht, warum denn deutsche Spielestudios unbedingt international erfolgreich sein müssen.
Einerseits, weil sie es garantiert alle sein wollen, denn jede Firma, die sich hochoffiziell betont zufrieden gibt mit ihrem Nischendasein, macht das zu einem gewissen Teil auch nur, weil sie ohnehin nicht anders kann, obwohl sie insgeheim so gern erfolgreicher wäre. Und damit ist nicht mal der absolute Mega-Blockbuster gemeint. Der zweite Grund wurde auch bei The Pod schon einmal in einer Folge über das Thema herausgearbeitet: der deutsche Markt an sich ist zu groß, um Firmen direkt pleite gehen zu lassen, aber eben auch zu klein, um sie wirklich groß werden zu lassen. Auch diese Bequemlichkeit der deutschen Games Industry mit ihren immer gleichen Nischenprodukten im kleinen deutschen Markt wurde da angeschnitten. Aus diesem Grund haben es, wie du schon richtig angemerkt hast, auch einige versucht, die Dinge anders zu machen, und sind dann ab und zu auch aus "typisch deutschen" Gründen gescheitert, denn so einfach ist es natürlich nicht und ihnen fehlt oft die Erfahrung oder auch - und das ist mein Punkt - die Einsicht.

Ich wünsche Iron Harvest auch viel Erfolg, bin jedoch natürlich zumindest etwas skeptisch, ob die Macher von Die Zwerge hier nun etwas wirklich Großartiges abliefern können, was ich mir einfach mal wünschen würde, aber die schwedische Supervision könnte sich tatsächlich positiv auf das Projekt auswirken und das Setting im 1920+-Universum (passenderweise mal wieder von einem Polen erschaffen) ist ja im Grunde genau das, was so vielen anderen deutschen Titeln fehlt und stimmt mich außerordentlich hoffnungsvoll.
lnhh hat geschrieben:
31. Jul 2018, 09:53
Spiele sind halt subjektiv. The Surge ist mein Spiel des Jahres 2017.
Die Kritiker- oder Userwertungen sind doch am Ende auch nichts weiter als kumulative mehr oder weniger subjektive Meinungen. Dass es da Einzelmeinungen in jeder Richtung gibt, ist ja selbstverständlich, aber keine davon sagt nun per se irgendetwas aus. Man muss die eben sinnvollerweise gesammelt betrachten. Auch ich habe schon Spaß mit Spielen gehabt, die ich objektiv als völligen Trash einordnen würde und habe ja nie gesagt, dass es keine mittelmäßigen Spiele geben darf. Die deutsche Branche scheint jedoch zum Primärziel zu haben, mittelmäßige Spiele entwickeln zu wollen, wobei sich jeder denken kann, dass dies in Wahrheit nicht deren Intention ist. Und für diese seit Dekaden anhaltende Situation gibt es eben Gründe. Es ist offensichtlich, dass ich bei weitem nicht der einzige bin, der der deutschen Industry mal etwas mehr Qualität (und damit eventuell korrellierenden großen Erfolg) wünschen würde.

Ich fühle mich sogar an den legendären Spiegelartikel von Christian Schmidt erinnert, der einst "Mehr Geist" in der von ähnlichen Symptomen betroffenen deutschen Spielepresse gefordert hat, die ebenfalls im krassen Gegensatz zur internationalen Berichterstattung "zu deutsch" war und immer nur merkwürdige mechanische Produkttests abgeliefert hat, während ich Rock Paper Shotgun gelesen, aufwendig inszenierte Reviews auf Gametrailers gesehen, oder EpicBattleAxe gehört habe. Die Situation hat sich auch nur teilweise verbessert, denn Superlevel gibt es nicht mehr, aber wenigstens gibt es The Pod.
Heretic hat geschrieben:
31. Jul 2018, 11:44
Es mag durchaus sein, dass sowohl PB als auch CD Projekt anfangs dieselben Ziele hatten. Doch während CD Projekt ihr Ansehen bei der Spielerschaft durch kostenlose Enhanced Editions der verbuggten Titel und ihrer Kopierschutz-Politik retten und stetig verbessern konnte, gab's bei PBs "Gothic 3" stattdessen den Ärger mit JoWood.
Die mysteriöse JoWood-Thematik und damit verbundene Schuldfragen machen es dann tatsächlich etwas schwerer vergleichbar, aber JoWood ist ja Teil der quasi ^^ deutschen Spielebranche und eben Teil des Gesamtproblems. Es gibt auch hier Gründe, dass es bei polnischen Studios solche Trainwrecks offenbar eben nicht gegeben hat oder das zumindest am Ende trotzdem sehr erfolgreiche bzw. hochwertige Titel entstanden sind, wobei der polnische Markt jetzt auch nur ein Beispiel für andere europäische Länder sein sollte. Es wird nicht allein an irgendeiner Staatsförderung liegen. (In Österreich gibt es meines wissens durchaus verschiedene Förderprogramme, wobei mir unbekannt ist, ob JoWood damals irgendwie davon profitiert hatte.)
ShadowHD hat geschrieben:
31. Jul 2018, 12:00
Man könnte noch auf dutzende Aspekte kommen, warum CDPR etwas gelungen ist, dass PB nicht geschafft hat.
Das klingt bei dir so, als wären all die von dir genannten Aspekte passive Aufbürdungen gewesen und keine bewussten Entscheidungen von PB. Als könnte PB im Grunde gar nichts dafür, dass es nicht so erfolgreich ist. Hier wird wieder Ursache und Wirkung umgekehrt.
ShadowHD hat geschrieben:
31. Jul 2018, 12:00
Selbstgefälligkeit ist meiner Meinung nach keiner davon.
Sogar deine Vorposter kommen mittlerweile zu dieser Schlussfolgerung:
Heretic hat geschrieben:
31. Jul 2018, 11:44
Bei PB scheint man es sich in seiner Nische gemütlich gemacht zu haben und ist zufrieden damit, nicht nach jedem Release einer möglichen Pleite ins Auge blicken zu müssen. Kann man so machen, finde ich.
Freitag hat geschrieben:
31. Jul 2018, 12:36
PB hat ihre ganz persönliche Nische und damit eine Fanbase gefunden. Sie haben keinerlei Ambitionen, da rauszukommen und sich grundlegend weiterzuentwickeln.
Q.E.D.

Das Problem ist nicht, dass speziell PB das so macht, sondern ingesamt zu viele deutsche Studios immer Zuflucht in irgendwelchen Nischen suchen wollen, weil es selten zu mehr reicht - und das nicht nur monetär. Ein Spiel wie Inside wird kein gigantisches Budget gehabt haben, ist jedoch ein Meisterwerk, aber wieder mal aus einem kleinen Nachbarland.
Zuletzt geändert von Mike am 31. Jul 2018, 14:05, insgesamt 2-mal geändert.

Mike
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Mike »

D13_Michael hat geschrieben:
31. Jul 2018, 12:30
Ein Shadow Tactics hat die 85 geknackt, ein Crysis die 91, ein Crysis 2 auch noch die 86.
Ich denke, es ist auch in der deutschen Spielebranche größtenteils Konsens, dass es gemessen an der Größe des Landes zu wenig gute und/oder wirklich erfolgreiche Spieletitel gibt, weshalb das Thema ja auch immer mal wieder in der Presse oder hier im Podcast aufkommt. Allein die Tatsache, dass einige hochrangige Branchenvertreter diesen Umstand abstreiten, ist wieder ein Beleg für die Selbstgefälligkeit einer mittelmäßigen Industrie, die sich manchmal geradezu demonstrativ wohl fühlt damit. Die deutsche Automobilbranche würde sicher nicht so denken. ^^ Es gibt auch umgekehrte Beispiele im Medienbereich, so etwa die Anzahl international erfolgreicher und musikalisch sehr progressiver Musiker/Bands aus dem winzigen Island oder die Anzahl (eben vor allem auch in kritischer Hinsicht) erfolgreicher (und dann oft von den Amerikanern kopierten) skandinavischer Serien. Die deutsche Spielebranche scheint intendiert nicht so sein zu wollen.

Ja Shadow Tactics ist ein sehr gutes Beispiel eines immer noch etwas nischigen, aber dennoch ziemlich gut gelungenen Spiels. Ich rechne Mimimi den Polish hoch an und schätze deren Mindset. (Jedoch hätte auch hier eine weniger hahnebüchene 0815-Story den i-Punkt aufgesetzt. Aber für einen guten Writer reicht das Geld dann wohl nur sehr selten und einen deutschen Chris Avellone oder Alexis Kennedy gibt es glaub ich nicht bzw. offenbar nicht in der Games-Branche.) Ein nicht so absichtlich nischiges Game von Mimimi könnte jedoch vll auch mal die 90 knacken.

Crysis ist auch ein eher untypisches deutsches Spiel gewesen, von einem sehr internationalen Team in einer sehr inernationalen deutschen Stadt entwickelt und möglicherweise hat sogar das Mindset der nun eben nicht kartoffeldeutschen Entscheider bei Crytek hier einen Anteil gehabt. Es ist schade, dass sich nicht so viele zumindest eine Scheibe dieser Ambitionen abschneiden wollen. Der weitere Verlauf der Crytek-History und auch bestimmte Aspekte ihrer Spiele taugen aus meiner Sicht dann aber auch wieder nicht als Orientierungspunkt.

Letztlich fehlte Spec Ops das, was Crysis hatte und Crysis fehlte das, was Spec Ops hatte, während das Gameplay bei beiden nichts besonderes war. Meisterwerke sind es damit insgesamt auch nicht. Ein Meisterwerk ist Half-Life (2) und dagegen haben die deutschen Shooter nicht den Hauch einer Chance.

Freitag
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Freitag »

Heretic hat geschrieben:
31. Jul 2018, 13:06
Freitag hat geschrieben:
31. Jul 2018, 12:36
Gebt PB die Ressourcen und Zeit von Cyberpunk, da kommt trotzdem kein Triple A-Titel raus. Never ever.
Warum nicht? PB könnte dann mit dem dicken Batzen Kohle eine ganze Armada an fähigen Schreiberlingen rekrutieren. ;)
PB will ja diesen sehr eigenen Stil behalten. Dialoge und Storys aus jugendlichen Pen & Paper-Runden. Für Triple A-Niveau müssten sie den Großteil ihres Personals vor die Tür setzen, dann wäre es kein PB mehr.
Mike hat geschrieben:
31. Jul 2018, 13:49
Letztlich fehlte Spec Ops das, was Crysis hatte und Crysis fehlte das, was Spec Ops hatte, während das Gameplay bei beiden nichts besonderes war. Meisterwerke sind es damit insgesamt auch nicht. Ein Meisterwerk ist Half-Life (2) und dagegen haben die deutschen Shooter nicht den Hauch einer Chance.
Und dann führt er Half Life 2 an :D Das ist beileibe kein Meisterwerk. Damals mag es eindrucksvoll gewesen sein, aus heutiger Perspektive verstehe ich die Meinung wirklich nicht mehr. Das Pacing hat ziemliche Längen und die Story habe ich komplett vergessen, die war auch nicht besonders.

Man kann auf biegen und brechen die deutsche Spieleindustrie schlecht finden, aber wer darauf aus ist, findet auch extrem negative Kritikpunkte an deinem geliebten Half Life. Oder an Ubisoft, Bethesda, BlizzardActivision etc.

Mike
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Re: Lobpreisungen zu: Hinter den Kulissen von The Surge 2

Beitrag von Mike »

goschi hat geschrieben:
31. Jul 2018, 14:09
Du veränderst andauernd die Messlatte, nur damit auf keinen Fall ein deutsches Produkt dieser entsprechen kann.
Wo habe ich die Messlatte verändert?

Möchtest du ersthaft behaupten, ein nennenswerter Anteil an Gamern würde einen Grafikblender (und das ist ja schon eine gewisse Leistung!) wie Crysis im selben Atemzug wie Half Life (2) nennen, das objektiv bahnbrechende narrative wie spielmechanische Innovationen abgeliefert hat? Ich möchte das stark anzweifeln und das hat nichts mit meiner subjektiven Einschätzung zu tun, die hier natürlich kaum etwas wert ist.

Schau doch mal hier, wie lange du bis zum ersten deutschen Titel blättern muss:
http://www.metacritic.com/browse/games/ ... =condensed

Man kann im Shooter-Genre leider besonders gut die ihrer hohen Popularität geschuldete Wertungsinflation erkennen.

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