Bundeswehr auf der Gamescom

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Ist es okay, dass die Bundeswehr auf der Gamescom vertreten ist?

Umfrage endete am 26. Aug 2018, 19:35

Ja, auch die Werbung ist okay
48
48%
Ja, aber die Werbung geht gar nicht
14
14%
Nein
35
35%
Interessiert mich nicht
3
3%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 100

IceGrin

Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von IceGrin »

VikingBK1981 hat geschrieben:
25. Aug 2018, 17:51
Und ja einige haben hier angesprochen dass es nur ein netter Euphemismus ist und man eigentlich Krieg meint. Ja in weiten Teilen ist das so, nur kann man Krieg aus vielen Gründen führen. Denke wir sind uns alle einig, dass eine Welt ohne Krieg und Armeen schön wäre, nur wird das nie eintreten. Schon ein schlechter Mensch reicht. Somit ist die Bundeswehr notwendig, nicht nur als Verteidigungsarmee, die sie nun schon eine lange Zeit nicht mehr ist.
Tschuldige wenn ich jetzt a bissl auf wortwahl rum hacke, aber ich find das immer extrem fragwürdig wenn ein Konfliktpartei als böse bezeichnet wird. Absolut niemand sieht sich selber als böse oder schlecht. Selbst al-Qaida, der IS oder die rote khmer sahen sich im recht. Selbst hitler tat, seiner meinung meinung nach, das einzig richtige. Versteh mich nicht falsch, ich finde dass die alle zusammen scheise waren, es wäre aber wirklich mal toll wenn alle Kriegsparteien ehrlich mit ihren Beweggründen wären. Geld, land und stillstand.

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VikingBK1981
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von VikingBK1981 »

Da kann ich dir überhaupt nicht zustimmen, du betreibst einfache Wortklauberei. Klar sagen bestimmte Leute von sich nicht, dass sie „böse“ oder „schlecht“ sind. Sie sind es aber objektiv. Wer Massenmord begeht muss aufgehalten werden und das geht nicht mit Worten.
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Terranigma
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von Terranigma »

VikingBK1981 hat geschrieben:
25. Aug 2018, 22:14
Da kann ich dir überhaupt nicht zustimmen, du betreibst einfache Wortklauberei. Klar sagen bestimmte Leute von sich nicht, dass sie „böse“ oder „schlecht“ sind. Sie sind es aber objektiv. Wer Massenmord begeht muss aufgehalten werden und das geht nicht mit Worten.
Aus Neugierde gefragt: Wie ist deine persönliche Haltung als Ex-Mitglied der Bundeswehr, dass man sich bereits mit 17 Jahren einschreiben kann, d.h. in den Militärdienst des deutschen Staates eintreten kann noch ohne man überhaupt dessen Parlament wählen kann? Das mag vor allem eine Frage der Symbolik sein, aber eine die mich wirklich wurmt. Dass Minderjährige bestimmte Alkoholika nicht trinken, nicht ohne Auflagen Auto fahren dürfen, usw. aber sich umgekehrt bereits für den Dienst an der Waffe bewerben dürfen, das fühlt sich derart falsch an. Kannst du das nachvollziehen? Daher regt sich in mir auch ein gewisser Ekel, dass hier auch Minderjährige auf einer Messe für Videospiele und - naja - Spielzeug angeworben werden.
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bluttrinker13
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von bluttrinker13 »

VikingBK1981 hat geschrieben:
25. Aug 2018, 22:14
Da kann ich dir überhaupt nicht zustimmen, du betreibst einfache Wortklauberei. Klar sagen bestimmte Leute von sich nicht, dass sie „böse“ oder „schlecht“ sind. Sie sind es aber objektiv. Wer Massenmord begeht muss aufgehalten werden und das geht nicht mit Worten.
Seid wann ist es denn die offizielle Aufgabe der Bundeswehr, Massenmord aufzuhalten? Oder irgend einer Armee? Zumal sich so ziemlich jede Armee selber, wenn erst einmal in vollem Umfang eingesetzt, schnell mal des Mordes (also des Todes von Zivilisten) schuldig macht, einfach im Laufe der Sache namens "Krieg".

Sorry, aber das klingt wie ein Euphemismus, mit dem unschöne Begleiterscheinungen abgemildert werden sollen.
Wo ich mitgehe, ist, das eine Armee allein durch ihr Bestehen und ihre Präsenz, Frieden sichert. Aber der Rest ist aus der Propagandafibel.

Und Icegrin hat einen wahren Punkt angesprochen: Aus psychologischer Sicht ist ein Zentralcharakteristikum des "Bösen" das es immer eine Fremdzuschreibung ist. Das macht dieses Etikett auch so flexibel einsetzbar, und evt dadurch als Begriff von rational eher geringem Wert.

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bluttrinker13
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von bluttrinker13 »

goschi hat geschrieben:
26. Aug 2018, 00:02
bluttrinker13 hat geschrieben:
25. Aug 2018, 23:53
Zumal sich so ziemlich jede Armee selber, wenn erst einmal in vollem Umfang eingesetzt, schnell mal des Mordes (also des Todes von Zivilisten) schuldig macht,
Auf dem Niveau?
Dann ist die Diskussion hier an dieser Stelle wohl kaputt und zu Ende.

Sehr schade, dass es doch derart enden musste.
Wie bitte?? Ich habe nur einen Begriff aufgegriffen, der hier in den Raum geworfen wurde (Edit: "Massenmord"). Und sind zivile Todesopfer von militärischen Einsätzen jetzt was ... genau anderes? Biete doch bitte einen alternativen Begriff an, oder wenigstens ein Argument, anstatt dich mit so einem Einzeiler zu verabschieden.

Edit: Der Punkt auf den ich hinauswollte ist die Mär einer "humanistischen" Kriegsführung. Die gibt es nicht. Und ich beziehe mich dabei explizit auf Kriegsführung, und nicht die Aufgaben einer Armee im Friedensfall. Was eigentlich auch aus meinem gesamten Post hervorgehen sollte, den du ja aber, warum auch immer, nur sehr selektiv zitierst.

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LlamaCannon
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von LlamaCannon »

Naja pauschal einem militärischen Konflikt als Massenmord zu bezeichnen, kann man auch nicht machen. Dazu gehört etwas vorsätzliches und das wäre ein Kriegsverbrechen. Das eigentliche Problem an einem bewaffneten Konflikt ist der Zynismus. Bestes Beispiel ist der Israel-Palestina-Konflikt. Auf beiden Seiten gibt es zivile Todesopfer. Das liegt aber vorallem daran, das derzeit niemand eine andere Perspektive sieht nicht zu den Waffen zu greifen. Die Palästinenser fühlen sich unterdrückt, schießen Raketen auf Israel und die Israelis bombadieren diese Abschussrampen, die zum Großteil in dichtbesidelten Gebieten stationiert sind. In dieser Situation bist du als Staat erst einmal daran interessiert, deine eigene Bevölkerung zu schützen. Das gleiche machen die Amis auch im Irak und Afghanistan, mit ihren Drohnenschlägen gegen Terroristen. Dabei kommt es unweigerlich zu zivilen Opfern. Das ist bitter aber selten zu verhindern, den was in dieser Situation zählt ist das vermeiden von größeren Verlusten der eigenen Leute im Jetzt und in Zukunft. Was die Bevölkerung von dir als Politiker, Soldat oder General erwartet ist nämlich schnelles handeln und da kannst du keinen Stuhlkreis aufmachen und erstmal debattieren, ob das nicht gleichzusetzen ist mit Mord.
"It's an incredible technical achievement, but it's unfortunate that it's going to be used to kill people" Noel Sharkey, Professor of artificial intelligence and robotics at the University of Sheffield
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Puschkin
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von Puschkin »

Ich würde vorschlagen da nicht mit das Bösen™ oder ähnliches heranzuziehen sondern auf das (Völker)recht gucken. Und tatsächlich wenn es gegen die Verletzung des Völkerrechts ein UNO Mandat gibt ist ein Kriegseinsatz auch gerechtfertigt.
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VikingBK1981
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von VikingBK1981 »

Also um mal zu antworten. Ich habe lange als Ausbilder gedient, und somit viel Zeit mit jungen Rekruten verbracht. Ich finde es nicht schlimm wenn schon 17 Jährige in die Armee eintreten. Es ist ein Lehrberuf. Klar ist es besser wenn man vorher schon mal was gelernt hat, dass dürfte aber auf jeden Beruf zutreffen. Das die 17 jährigem Rekruten dann noch nicht wählen dürfen ist halt so, ist bei anderen Berufen auch so.

Nur ist das auch ein ganz anderes Thema, hier geht es um die Werbung auf der Gamescom.

Was den Beriff Böse angeht hätte ich das vielleicht anders umschreiben können. Ich wollte damit eigentlich herausstellen, dass der Dienst an der Waffe nunmal nötig ist. Es wird immer Situation geben, wo eine Armee eingesetzt werden muss um eine Konflik zu beenden, eine Bevölkerung zu schützen oder sonst irgendwas zu tun. Ja dabei kommen auch oft unschuldige Menschen ums Leben. Das ist schrecklich und bedauerlich, leider aber nicht immer zu verhindern. Denn da wo Menschen etwas tun geschehen Fehler. Nur darf man da nicht Vorsatz drin sehen und das mit Mord gleichsetzen.
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Nachtwandler
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von Nachtwandler »

Ich stelle mir gerade vor, dass die Bundeswehr genauso im Team arbeitet wie wir in einem Multiplayerspiel...nämlich garnicht. Das würde zumindest einiges erklären.
(Bitte diesen Kommentar nicht besonders ernst nehmen.)
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bluttrinker13
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von bluttrinker13 »

VikingBK1981 hat geschrieben:
26. Aug 2018, 09:36
Was den Beriff Böse angeht hätte ich das vielleicht anders umschreiben können. Ich wollte damit eigentlich herausstellen, dass der Dienst an der Waffe nunmal nötig ist. Es wird immer Situation geben, wo eine Armee eingesetzt werden muss um eine Konflik zu beenden, eine Bevölkerung zu schützen oder sonst irgendwas zu tun. Ja dabei kommen auch oft unschuldige Menschen ums Leben. Das ist schrecklich und bedauerlich, leider aber nicht immer zu verhindern. Denn da wo Menschen etwas tun geschehen Fehler. Nur darf man da nicht Vorsatz drin sehen und das mit Mord gleichsetzen.
Die Umschreibung halte ich für sehr vernünftig und würde da auch zum Großteil mitgehen. Beim Verhindern vor allem, darum ging es mir. Das man sich da keinen Illusionen hingibt. Das man sich aber auch eben deshalb dessen bewusst ist, um manchmal selbst bessere Entscheidungen treffen zu können.

Beim Mord, oder eben dann fahrlässiger Tötung, ist das so eine Sache, da kann man geteilter Meinung sein, vor allem auf Opferseite, aber so ist es ja oft auch vor Gericht. Nehmen wir hier bspw den erwähnten Drohnenkrieg, für den auch keinerlei völkerrechtliche Grundlage existiert, im Gegenteil.

Das zeigt meines Erachtens aber auch das wichtigste Dilemma dem sich junge Soldaten und auch das Militär immer ausgesetzt sehen - sie sind letztlich der ausführende Arm der Politik. Je nachdem wie diese Politik aufgestellt ist, bekommt das Militär sinnvolle oder weniger sinnvolle bis hin zu fragwürdigen Aufträgen. Ändern kann es das nicht, oder kaum, es muss erfüllen. Das finde ich eigentlich den heikelsten Punkt schlechthin an der Sache des Dienstes - was wenn ich irgendwann für die "falsche Regierung" Dienst an der Waffe tun muss? Und die Geschichte zeigt ja ausführlich, wie wenig die Politik dieses Dilemma interessiert. Sie zeigt ebenfalls wie schnell der politische Wind drehen kann.

Edit: Die Ganze Geschichte ist mE auch kein derailen des Freds, sondern hängt eben, siehe das Dilemma, schon mit der Frage der Rekrutierung für den Dienst zusammen.
Falls ich konkret zu der meine Meinung noch mal wiedergeben soll: Ich bin mir bewusst das die BW zusehen muss wo sie Soldaten herbekommt, von daher ist aktive Rekrutierung Pflicht. Die Werbung selbst empfand ich als geschmacklos, und vor allem respektlos gegenüber aktuell und ehemals Dienenden. Ich habe zu Hause jemand mit ehemals sehr hohem Rang und langer Dienstzeit sitzen, als ich es ihm gezeigt habe hat er nur mit dem Kopf geschüttelt und lieber nix gesagt.

Jochen

Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von Jochen »

Puschkin hat geschrieben:
26. Aug 2018, 08:33
Ich würde vorschlagen da nicht mit das Bösen™ oder ähnliches heranzuziehen sondern auf das (Völker)recht gucken. Und tatsächlich wenn es gegen die Verletzung des Völkerrechts ein UNO Mandat gibt ist ein Kriegseinsatz auch gerechtfertigt.
In der Theorie, ja. In der Praxis wirst du den in meisten Fällen leider auf irgendein geopolitisches Interesse eines ständigen Mitglieds des Sicherheitsrates auflaufen, der ein solches Mandat schwierig bis unmöglich macht.

Ich wäre auch sehr dafür, dass ein Kriegseinsatz zwingend ein Mandat der internationalen Völkergemeinschaft voraussetzt. Bloß wirst du das halt in vielen (nicht allen) Fällen einfach nicht kriegen und bist dann dazu verdammt (siehe Syrien), dabei zuzugucken, wie jemand sein eigenes Volk abschlachtet. Und das kann's eigentlich auch wieder nicht sein.

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bluttrinker13
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von bluttrinker13 »

Jochen hat geschrieben:
26. Aug 2018, 11:49
Ich wäre auch sehr dafür, dass ein Kriegseinsatz zwingend ein Mandat der internationalen Völkergemeinschaft voraussetzt. Bloß wirst du das halt in vielen (nicht allen) Fällen einfach nicht kriegen und bist dann dazu verdammt (siehe Syrien), dabei zuzugucken, wie jemand sein eigenes Volk abschlachtet. Und das kann's eigentlich auch wieder nicht sein.
Und seit wann geben die großen Mächte, Russland, USA, Frankreich, GB, etc. pp. überhaupt etwas auf Mandate? Meines Erachtens selten bis nie. Und was sind die Erfolge die dadurch vorzuweisen wären?

Auch finde ich das Bsp mit Syrien in dem Zusammenhang unpassend, als wenn da nur zugeguckt würde.
Im Gegenteil, das arme Syrien ist eine Kriegspielwiese für die halbe Welt geworden. Aktive Kräfte: Russland, USA, Türkei, Saudi-Arabien, Deutschland, GB, Kanada, Israel, Iran, ... usw. dann noch Kurden, Hisbollah,Al-Nusra, IS, und so fort.
Vgl. unter anderem hier: http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 65234.html

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VikingBK1981
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von VikingBK1981 »

Kann da Jochen nur zustimmen. Ich finde auch, die UN so wie sie heute besteht für sehr modernisierungswürdig. Alleine, dass überhaupt Länder Vetorechte besitzen ist Quatsch.
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xaan
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von xaan »

Ich finde, die Bundeswehr darf sehr gerne werben. Das muss sie sogar.

Bei dieser Gamescom-Atkion sehe ich aber eine Grenze überschritten.
Die Werbeaktion benutzt bewusst die Terminologie von Videospielen um den realen Dienst an der Waffe als natürlichen nächsten Schritt für begeisterte Spieler von Battlefield oder Fortnite anzupreisen. "Multiplayer at it's best". Übersetzt: du magst das Teamplay in Videospielen? Komm zum Bund, wir haben Kameradschaft. "Mehr Open World geht nicht." Übersetzung: du magst die freie Vorgehensweise in Spielen (sagen wir mal Ghost Recon Wildlands)? Komm zum Bund, wir machen das täglich. So jedenfalls die Implikation.

Das ist gleich auf mehrere Arten unehrlich:
Es stellt den Alltag eines Soldaten falsch dar.
Es stellt die Motivation für den Dienst falsch dar.
Es verschweigt bzw. marginalisiert den Ernst, mit dem man über den Dienst an der Waffe nachdenken sollte, bevor man sich dafür entscheidet. (zu Zeiten der BPJS wäre der Tatbestand der Kriegsverherrlichung erfüllt gewesen -> indiziert)

Und als wenn das noch nicht genug wäre, findet das Ganze an einem Ort statt, an dem es auch Minderjährige beeinflusst. Menschen also, die im Zweifelsfall noch nicht ausreichend entwickelt sind um zu erkennen, dass das gezeichnete Bild nicht der Realität entspricht.
Shooter wie Battlefield V werden bewusst in einem abgetrennten Bereich mit Alterskontrolle gezeigt......und die Bundeswehr klatscht ihre Werbung an die Tram-Haltestelle, wo sie jeder 12-Jährige sieht... :shock:

Ja, die Bundeswehr darf gerne werben.
Was sie aber imo nicht darf ist, die Realität verzerren und verbiegen. Die Bundeswehr wirbt nicht für Softdrinks, Turnschuhe oder eine Bezahlapp auf dem Handy. Sie wirbt für einen Dienst an der Waffe, der im Zweifelsfall auch das Töten von Menschen sowie den Einsatz des eigenen Lebens beinhält. Daraus ergibt sich ein besonderes Maß an Ernsthaftigkeit und Verabtwortung. Für einen solchen Dienst wirbt man einfach nicht mit einem saloppen "Multiplayer at it's best" auf einer Spielemesse.

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Weapi
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von Weapi »

Mit der Werbung und z.B. "Die Rekruten" werden keine intelligenten und reflektierten jungen Menschen gesucht, die mal einen Eurofighter fliegen oder in einer Operationszentrale als Datenanalyst arbeiten. Sondern jugendliche aus Prekäreren und Bildungsfernsehen Schichten die in Mali Patrouille fahren sollen.

Denen soll mit solchen Werbesprüchen suggeriert werden, das es eine gute ist irgendwo am Arsch der Welt sein Leben für Ziele zu riskieren hinter denen die Politiker die sie dahin geschickt haben und die Bevölkerung nicht stehen. Und gerade mal ausgestattet mit dem aller nötigsten, weil die BW wegen unserer Geschichte nicht zu brachial auftreten will. Oder um es provokanter Auszudrücken: Agitation und Akquise von Kanonenfutter.

Da wird dann natürlich auch jede Schülergruppe am Stand vorbei geführt. Das war für die Schülergruppen auf dem Hessentag der hier vor paar Monaten stattfand auch Pflichtprogramm. Ich finde es bedenklich das die Schulen so etwas überhaupt Mitmachen, aber das ist ein anderes Thema.

Die Bundeswehr kann gerne auf öffentlichen Veranstaltungen werben aber mit einer Zugangsbeschränkung ab 18 Jahren und es müssen die Risiken klar benannt werden

Jormungandr
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Registriert: 11. Jul 2016, 09:23

Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von Jormungandr »

bluttrinker13 hat geschrieben:
26. Aug 2018, 11:05
Das zeigt meines Erachtens aber auch das wichtigste Dilemma dem sich junge Soldaten und auch das Militär immer ausgesetzt sehen - sie sind letztlich der ausführende Arm der Politik. Je nachdem wie diese Politik aufgestellt ist, bekommt das Militär sinnvolle oder weniger sinnvolle bis hin zu fragwürdigen Aufträgen. Ändern kann es das nicht, oder kaum, es muss erfüllen. Das finde ich eigentlich den heikelsten Punkt schlechthin an der Sache des Dienstes - was wenn ich irgendwann für die "falsche Regierung" Dienst an der Waffe tun muss? Und die Geschichte zeigt ja ausführlich, wie wenig die Politik dieses Dilemma interessiert. Sie zeigt ebenfalls wie schnell der politische Wind drehen kann.
Aber ist nicht genau das das elementare Kennzeichen einer Armee im demokratischen Rechtsstaat, ebendieser Primat der Politik? Was wäre denn die Alternative?
Ein Veto-Recht der Generalität? (von Seeckt, "Truppe schießt nicht auf Truppe (lies: rechte Freikorps)")
Eigenmächtige Entscheidungen der militärischen Führung? (OHL anyone?)
Volksabstimmungen je Einsatz?

Da scheint mir eine Parlamentsarmee schon am sinnvollsten, Politik kann ich wenigstens beeinflussen. Zumal ja auch auf die Verfassung vereidigt wird, nicht auf UvdL und Konsorten und ich doch schon zuversichtlich wäre, dass der Marschbefehl nach Polen mit der Festsetzung des Befehlenden enden würde.

Aber zur Sache:

Man muss sich meines Erachtens entscheiden, was man möchte. Die wehrpolitische eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Wenn wir die Existenz der Bundeswehr einmal axiomatisch voraussetzen (ich weiß, auch den verfassungsmäßigen Auftrag kann man ändern/streichen, aber das ist wirklich eine andere Diskussion), so muss man diese auch irgendie am Laufen halten und mit neuem Personal ausstatten.

Wehrpflicht?
Ausgesetzt/faktisch abgeschafft. Dieser Recruiting-Weg fällt flach (und hatte bei mir nach 9 Monaten eher den gegenteiligen Effekt). Wiedereinführung halte ich politisch/rechtlich für ausgeschlossen.

Gar nichts tun?
Dann gehen nur noch die zur Truppe, die keine andere Chance haben oder schon immer hin wollten, im Zweifel aus den falschen Gründen. Sind wir ehrlich, die Bedingungen sind echt nicht geil, der Sold nicht die Welt, die Perspektiven hören schnell auf - jeder, der es bei uns im Konzern irgendwie zum Chemikanten oder zum Mechaniker für die Abfüllanlagen bringt, hat mehr Geld und bessere Bedingungen als jedenfalls die Mannschaftsdienstgrade, im Zweifel auch als die Uffze. Auch ziehen Armeen typischerweise Leute an, die auf autoriäte Umfelder, Uniformität und im Zweifel robuste Interessendurchsetzung stehen. Der MAD kann davon mehr erzählen.

Dann bleibt nur noch Werbung.
Dass man hier im öffentlich-rechtlichen Vorabendprogramm keine Werbung schalten muss, ist klar. Zielgruppe ist nunmal (lies: sollte nunmal sein) 18 bis 25. PR-Offiziere an Schulen? Wurde bei uns früher an einer eher gutbürgerlichen Schule mal versucht, da war der Aufstand von Eltern, Lehrern und örtlichen Linken, Grünen, Bürgerinitiativen so groß, dass es nie dazu kam. Werbung an Unis? Den AStA kann ich bis hierher hören.
Also bleibt nur noch "normale" PR und Recuriting auf dem freien Markt übrig - und die sollte sich sinnvoller Weise eben an die Zielgruppe richten.

Ernst gemeinte Frage an alle, die Bundeswehr-Werbung nicht gut finden/fanden: Wie würdet Ihr denn vorschlagen bzw. gerne haben, dass die Bundeswehr Nachwuchs gewinnt?

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Wudan
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von Wudan »

Jormungandr hat geschrieben:
26. Aug 2018, 18:32
Ernst gemeinte Frage an alle, die die GC-Werbung nicht gut finden/fanden: Wie würdet Ihr denn vorschlagen bzw. gerne haben, dass die Bundeswehr Nachwuchs gewinnt?
Dort wo es alle anderen Betriebe auch tun: Auf Jobbörsen. Dort würde es meinem Gefühl nach hingehören. Dort aber bitte auch in seriöser Art und nicht ála "heeeey bei uns wartet der große Abenteuerspielplatz, Dschungelcamp to the max!".

Nachtrag: Ich kann grundsätzlich auch nachvollziehen das die BW Nachwuchsprobleme hat und sich was einfallen lassen muss. Nur sollte man dann den Job attraktiver machen und nicht die Werbung dafür.

xaan
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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von xaan »

Jormungandr hat geschrieben:
26. Aug 2018, 18:32
Ernst gemeinte Frage an alle, die Bundeswehr-Werbung nicht gut finden/fanden: Wie würdet Ihr denn vorschlagen bzw. gerne haben, dass die Bundeswehr Nachwuchs gewinnt?
Mich stärt gar nicht so sehr, dass die Bundeswehr überhaupt Werbung macht, sondern die Art wie sie es tut. So wie hier auf der Gamescom geht imo gar nicht.

Werbung für die Bundswehr sollte imo ganz offen und ehrlich die politischen und humanitären Zielen/Aufgaben der Bundeswehr ansprechen.

Dazu gehört:
Warum brauchen wir die Bundeswehr? Wofür ist die gut?
Was macht die Bundeswehr eigentlich in Land XYZ? Warum ist das wichtig? Für Deutschland? Für die Welt? (und damit indirekt auch wieder für Deutschland)

Das öffnet selbstredend Tür und Tor für Gegenargumente und gesellschaftliche Debatte.
Aber genau so soll es ja auch sein.

Wenn es gute Argumente gibt und einen breiten gesellschaftlichen Konsens für die Notwendigkeit der Bundeswehr und die Einsätze der Bundeswehr, dann fällt auch das Werben dafür viel, viel leichter. Und wenn es diesen Konsens NICHT geben sollte, dann ist das gleichzeitig ein Handlungsauftrag an die gewählten Volksvertreter.

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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von bluttrinker13 »

Jormungandr hat geschrieben:
26. Aug 2018, 18:32
Aber ist nicht genau das das elementare Kennzeichen einer Armee im demokratischen Rechtsstaat, ebendieser Primat der Politik? Was wäre denn die Alternative?
Ein Veto-Recht der Generalität? (von Seeckt, "Truppe schießt nicht auf Truppe (lies: rechte Freikorps)")
Eigenmächtige Entscheidungen der militärischen Führung? (OHL anyone?)
Volksabstimmungen je Einsatz?
Natürlich ist die Parlamentsarmee sinnvoll, aber das beschriebene Dilemma erstreckt sich doch nicht nur auf diese, sondern auf das Verhältnis von Militär und Politik generell, in den meisten Staatsformen. Ich habe außerdem nicht gesagt, dass es eine Alternative braucht. Ich glaube auch eher weniger das es da wirklich eine gibt. Volksabstimmungen über Kriegseinsätze jedoch, ja das finde ich durchaus okay, wenn in Form von mehr direkter Demokratie.

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Re: Bundeswehr auf der Gamescom

Beitrag von VikingBK1981 »

Direkte Demokratie an sich ist schon nicht sinnvoll. Man stelle sich nur vor, es würde direkt über die Aufnahme von Flüchtlingen abgestimmt, wie würde das Ergebnis wohl aussehen? Dafür ist die breite Masse der Bevölkerung nicht gebildet genug und schon gar nicht informiert genug, aber das ist ein anderes Thema.
Unsere Verfassung bietet genug Möglichkeit, gegen eine falsche Politik vorzugehen. Die Abschaffung der Demokratie sehe ich hier nicht.

Habe hier schon viel Gutes und Richtiges gelesen. Einiges geht zu weit und am Ziel vorbei. Ich denke auch, dass die Bundeswehr wie jeder andere Arbeitgeber überall werben darf. Über den Slogan kann man streiten, ich finde ihn auch nicht gut, aber auch die Gamescom ist ein Ort wo halt viele potenzielle Bewerber rumlaufen. Ja es laufen auch sehr viele Kinder da rum, die interessieren sich aber nicht für die Werbung. Mein ältester Sohn ist 12 und glaubt ja nicht, dass der überhaupt Soldaten irgendwo sieht, obwohl er aus einer Soldatenfamilie kommt. Die befürchtete Wirkung auf Kinder ist denke ich kaum vorhanden, da sie die Werbung nicht mitbekommen.
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