Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

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D13_Michael
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Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von D13_Michael »

Angefangen hat's in der Pilotfolge von Hinter den Kulissen von The Surge. Und gestern Abend auf dem Discord hatten wir eine interessante Debatte zum Thema Spiele aus Deutschland. Es ist nun nicht das erste Mal, dass mir Aussagen wie "Spiele aus Deutschland sind doof" "können nix" oder "Die Branche ist ein Witz" begegnen. Oder sowas wie: "Sind doch eh alles nur F2P Browser und Mobile Games, das sind gar keine Spiele!" Und ich bin mir sicher, ihr habt so etwas auch schon gelesen, gehört, gesehen. Oder sogar selbst getätigt. Und ja, das triggert mich immer mal wieder. Drum hier eine Lobpreisung der deutschen Spiele, Beteiligungen und ein Ausblick :)

Ich versuche mich auf Spiele zu konzentrieren, die eine Fanbase haben und / oder gute Wertungen oder Steamreviews haben. Es heißt nicht, dass ich sie persönlich toll finde (Beispiel: Ich mag keine Rennspiele, kann aber zweifelsohne zugeben, dass Forza und Gran Tourismo super sind).

Die jüngeren Jahre
- The Hunt (Crytek, Frankfurt - Noch im Early Access. Hat eine riesige Fanbase)
- Crysis Reihe (Crytek, Frankfurt - Der Erfolg der Reihe steht außer Frage und Metacritic ist auch nicht zu verachten...)
- Portal Knights (Keen Games, Frankfurt - Krass erfolgreich, ich meine sogar im asiatischen Raum)
- Might & Magic X (Limbic Entertainment, Langen - Eine würdige Fortsetzung einer alterhwürdigen Serie)
- Halfway (Robotality, Hameln - Sehr cooler Indie Titel)
- Spec Ops: The Line (Yager, Berlin - Muss man das noch diskutieren?)
- Dungeons 3 (Realmforge Studios, München - Alter! 94% Steamreviews!)
- Railway Empire (Gaming Minds, Gütersloh - 81% auf Steam
- CrossCode (Radical Fish Games, Saarbrücken - Achtung, ich bin biased hier da ich daran mitarbeite)
- The Surge (Deck13, Frankfurt - Same here. Ich bin voreingenommen, aber es ist wohl ganz ok)
- Elex (Piranha Bytes, Essen - Ich weiß es hat Hater aber es hat auch eine sehr, sehr krasse Fanbase und Elex war auch international deutlich angesehener als vorherige Projekte)
- Shadow Tactics (Mimimi Productions, München - Joar. Braucht man nicht debattieren, ein Meisterwerk)
- Die Zwerge / The Dwarves (King Art, Bremen - Sehr guter Titel ohne Frage)
- Giana Sisters: Twisteds Dreams (Black Forest Games, Offenburg - Hinzu kommt noch, dass das Ding international erfolgreich war)
- Everspace (Rockfish Games, Hamburg - Einer der erfolgreichsten Indietitel auf Steam im Jahr 2017)
- Anno Reihe (Blue Byte, Düsseldorf & Mainz)
- Siedler Reihe (Blue Byte, Düsseldorf & Mainz)

- The Long Journey Home (Deadalic Studio West, Düsseldorf)
- Witch It! (Barrel Roll Games, Hamburg - Ja ja, da meckern wieder welche aber das Ding hat 89% auf Steam)
- Orwell Reihe (Osmotic Studios, Hamburg - Jup. Auch aus deutschen Landen)
- X-Serie (Egosoft, Würselen)
- BeamNG.drive (BeamNG, Bremen - Technologisch vor allem auch noch wegweisend)
- Toxikk (Reakktor, Hannover - Extrem guter Multiplayershooter der auch erfolgreich war)
- Spellforce 3 (Grimlore Games, München)

Die Schweiz & Österreich
- Farming Simulator Reihe (Giants Software, Schlieren)
- Ori & The Blind Forest (Moon Studios, Wien)
- Niche (Stry Fawn Studios, Zürich)

Schon immer... (Oder: Damals)
- Sacred 1 & 2
- Yager
- The Last Tinker
- Cultures
- Wiggles
- ParaWorld
- Far Cry
- Gothic Reihe, im speziellen Gothic 2
- Risen Reihe
- Drakensang Reihe
- Desperados 1 & 2
- Chicago 1930
- Blackguards 1 & 2
- Neocron 1 & 2
- Crashday
- Die Gilde Reihe
- Panzer Elite
- Söldner: Secret Wars
- Spellforce 1 & 2
- N.I.C.E. 1 & 2
- World Racing 1 & 2
- .kkrieger (Ja, die Demoszene aus Deutschland hat das hervorgebracht)
- Turrican
- Zig Point & Click Adventures
- Zig Management Titel (z.B. Anstoss usw.)

International Beteiligt (Sprich: Teile davon entstehen auch hier):
- Unfassbar viele Ubisoft Titel werden in Düsseldorf, Mainz und Berlin durch Blue Byte mitentwickelt
- Cloud Imperium hat auch eine Niederlassung in Frankfurt, die an Star Citizen mitwerkelt
- id Software hat eine Niederlassung in Frankfurt die an der Technik mitarbeitet

Ein Ausblick
- Tropica 6 (Limbic Entertainment, Langen)
- Pathway (Robotality, Hameln)
- Lonely Mountains (Megagon Industries, Berlin)
- Lost Ember (Mooneye Studios, Hamburg)
- The Surge 2 (Deck13, Frankfurt (Achtung: Ich bin hier voreingenommen, traut mir nicht))
- Iron Harvest (KingArt, Bremen)
- Desperados 3 (Mimimi, München)
- Death Trash (Crafting Legends, Berlin)

Und die Hälfte hab ich sicher vergessen (Großes Sorry dafür). Und ja, nicht jedes der aufgezählten Spiele ist für jeden ein Toptitel. Manche sind auch einfach "nur gut". Aber viele sind international erfolgreich. Viele sind bei Kritikern beliebt. Viele sind ihrer Community beliebt - und die liegt eben oftmals nicht ausschließlich in Deutschland. Und ja, klar kann man in der Antwort nun einen Namen rauspicken und sagen "Das ist doof, deswegen ist die ganze Liste Müll. Beweis erbracht, ich habe also doch recht!!11einself". Aber so eine Antwort würde vermutlich von der Debatte disqualifizieren :)
Zuletzt geändert von D13_Michael am 14. Sep 2018, 11:21, insgesamt 1-mal geändert.

IceGrin

Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von IceGrin »

Wenn die Schweiz auch vertreten is muss man aber auch Wien und ori and the blind Forest erwähnen.

D13_Michael
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von D13_Michael »

IceGrin hat geschrieben:
14. Sep 2018, 11:13
Wenn die Schweiz auch vertreten is muss man aber auch Wien und ori and the blind Forest erwähnen.
Hab's mit aufgenommen :)

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Vinter
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Vinter »

Ich hab das ja gestern angestoßen, weil ich augenzwinkernd sagte, dass ich Mike sogar tendenziell zustimmen würde bei seiner Aussage, das aus Deutschland nur Mist kommt. The Surge 2 ist zufälligerweise das eine aktuelle Spiel aus Deutschland, dass mich im Rahmen so eines Dokuformats interessiert. Für mich ein echter Glückstreffer.

Dazu muss man wissen: IdR interessieren mich weder Strategie-, Adventure-, noch Multiplayertitel. Die ganzen Annos, Siedler, Anstoss, Spellforces, Ednas, Whispered Worlds und was noch, interessieren mich schon mal aus Genresicht kaum - typisch deutsche Spiele. Auch ein Piranha Byte, denen man jetzt über eine Spanne von 10 bis 15 Jahren zusehen kann, wie sie den Anschluß verlieren, weil alle anderen um sie herum mit massiv gestiegenen Budgets arbeiten, ist eher eine tragische Geschichte.

Um den Rahmen mal größer zu spannen: Ich finde auch deutschen Film und deutsche Romanautoreb idR unerträglich. Ich weiß nicht genau, was das deutsche Problem im Kulturbetrieb ist, aber ich vermute mal, es ist eine Mischung aus Unterfinanzierung, Angst vor Unterhaltung, Verkopftheit und Provinzialität.

Und ja, es gibt Ausnahmen: The Surge, logischerweise. Wobei dass auch einen langen Weg hinter sich hat, eigentlich hatte ich The Surge nach LOTF nicht auf dem Schirm. LOTF war zwar optisch und vom Gameplay her erstaunlich undeutsch, hat mich aber im Detail zu sehr geärgert. Ohne Demo hätte ich TS nie gekauft ;) Und auch vorher hat Deck 13 eher keine Titel veröffentlicht, die mit mir als Spieler kompatibel sind.

Dann darf man natürlich Crysis nicht vergessen. Aber Crysis ist auch das exakte Gegenteil vom typischen deutschen Spiel. Auch Everspace, ein Action-Roguelite im Weltall wirkt alles, aber nicht deutsch.

Und ja, Pathway von Robotality folge ich seit Ewigkeit auf Twitter. (Habe dort eine ständig erweiterte Liste von Indiegames, die ich interessant finde.) Das wirkt ebenfalls handwerklich und künstlerisch gut gemacht und en par mit internationalen (Indie-) Produktionen.

Möglicherweise hat sich die Situation in den letzten Jahren etwas gebessert. Die digitale Distribution hat da sicher einige Tore geöffnet, etwa für Rockfish und Robotality. Und das lang liegengelassene Feld der AA-Produktionen, das nun von Focus und Nordic bestellt wird, stellt sicher auch Perspektiven für deutsche Studios bereit - zumal diese Publisher sich an einen internationalen Markt richten, ergo auch hier deutsche Produktion eher einen undeutschen Flair erhalten sollten.

Das ganze Segment der AA-Titel ist aktuell für mich sowieso das spannenste Marktsegment, weil hier ein interessanter Kompromiss getroffen wird aus Experimentierfreude und Budgetgröße. Die Titel sehen richtig nach was aus, wirken aber eigenständiger als typische AAAs, die nur noch auf Nummer sicher spielen. Ich denke da an Titel wie Biomutant oder The Sinking City. Hier könnten auch Chancen existieren für deutsche Studios.

Bislang sehe ich in Deutschland aber noch eher die Ausnahme statt der Regel. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ich bleibe skeptisch, wenn ich "deutsches Spiel" höre. Aber die Kombination aus Digitalisierung, Öffnung des Marktes für Indie und AA, sowie die anstehenden Förderung, könnte tatsächlich etwas bewegt.

PS: Die Zwerge? Echt?! Ein deutsches Strategie-RPG, dass auf einem deutsche 08/15-Fantasy-Buch(!) basiert. Das ist exakt die Art von Spiel, an das ich denke, wenn ich "Videospiel aus Deutschland" höre. Mehr unsexy geht eigentlich nicht. :D
Zuletzt geändert von Vinter am 14. Sep 2018, 12:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Axel
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Axel »

Ich erweitere mal um FDG Entertainment! Die besten Mobile Games, die es gibt! Angefangen damals alles mit Bobby The Carrot auf den alten Java Handys. Tolle Puzzlespiele. In den letzten Jahren Spiele rausgebracht wie Oceanhorn, Super Cat Tales oder Paperama. Wer sagt, Mobile Spiele sind ja "gar keine Spiele" hat nie Spiele von FDG gespielt!

Und dann wären auch noch Shin'en! Deren Spiele sind so international und klassisch auf Nintendokonsolen ausgelegt, dass man garnicht denkt, dass die aus Deutschland kommen. Haben vor allem in den USA ne riesige Fangemeinde. Und in den letzten 10 Jahren ein Spiel nach dem anderen veröffentlicht, welches in der jeweiligen Zielgruppe okay bis gut lief!

Und: Kennt jemand Bloo Kid 2? Ein kleines, sympathisches retro Jump & Run, welches auf Mobile und dem 3DS fantastisch lief! Kam auch aus Deutschland, sogar von nem einzelnen Entwickler in Eigenregie!

Die Aussagen "Deutsche Spiele können nix" kommt doch von denselben, die sagen "Deutsche Filme und Serien können nix. Oder Musik und Literatur aus Deutschland." Den Leuten rate ich nur: Nehmt eure USA Brille runter!
„Kein Wunder also, dass wir uns den Debatten der Allgemeinheit anschließen und lieber darüber nachdenken, wer zu uns gehört und nicht, als gemeinsam über Lösungen zu streiten. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“
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D13_Michael
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von D13_Michael »

Ah stimmt! FDG macht ziemlich cooles Zeug. Sind die Macher von Monster Boy nicht auch aus Deutschland?
Und danke für Shin'en! Ich hab vorhin veruscht mich zu erinnern, wie das Studio hieß. Deren Sachen sind ziemlich geiler Kram.

Voigt
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Voigt »

@Vinter ich finde solche Aussagen immer amüsant.

Kommt so rüber wie: Deutsche Spiele sind kacke, und wenn Spiele aus Deutschland nicht kacke sind, sind die damit ja auch nichtmehr Deutsch!
So wegen Everspace Crysis und so.

Nur weil es coole Spiele aus Deutschland sind, sind die Spiele damit nicht automatisch undeutsch. ;)

und ich weiß, so hast du es eigentlich nicht gemeint, ich bediene mich da mehr der Wolfgangsschen Provokation. Persönlich bin ich auch auch kein großer Fan von den meisten Spielen aus Deutschland, aber sehe schon das die zum größten Teil handwerklich gut sind, wenn auch nicht mein Geschmack.

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Axel
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Axel »

D13_Michael hat geschrieben:
14. Sep 2018, 12:25
Ah stimmt! FDG macht ziemlich cooles Zeug. Sind die Macher von Monster Boy nicht auch aus Deutschland?
Und danke für Shin'en! Ich hab vorhin veruscht mich zu erinnern, wie das Studio hieß. Deren Sachen sind ziemlich geiler Kram.
Monster Boy wird von FDG vertrieben, entwickelt aber von The Game Atelier. Weiß jetzt aber garnicht, von woher die kommen.

Ohhh ja. Shin'en machen extrem geilen Kram! Ganz ehrlich: Noch nie nen Spiel von denen gespielt, was schlecht war! Selbst deren Biene Maja war äußerst kompetent und sah damals auf dem GBA fantastisch aus! Dann kam Iridion 2! Der beste Soundtrack den je jemand komponiert hat! Und was für ein geiler Shooter damals, der technisch ALLES aus dem GBA rausgeholt hat! Dann kam Nanostray, Nano Assault, Jett Rocket, Fast RMX. Alles so verdammt geil gepolished!
Mittlerweile sind vor allem deren alten GBA und DS Spiele wohl auch ziemlich begehrte Sammlerobjekte geworden.
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Nachtfischer
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Nachtfischer »

Mal ein paar Geheimtipps: Shadow Tactics ist auch toll. Aber das wisst ihr ja alle schon!

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Desotho
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Desotho »

Ich kann noch The Lion's Song (Östereich) empfehlen.
Ep1 auf Steam ist gratis - einfach mal reinspielen.

https://www.youtube.com/watch?v=iNtavcpPADI


Und was ev. auch nicht so bekannt ist: Tower 57

https://www.youtube.com/watch?v=x7gdwGHMEgs
El Psy Kongroo
Meine Rübenpreise: https://stalks.io/u/desotho

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Heretic
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Heretic »

Die Nordlandtrilogie muss noch erwähnt werden, die war göttlich! Und Dragonflight, Amberstar und Ambermoon! Harveys neue Augen und alle vier Teile der Deponia-Trilogie! :mrgreen:

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Jon Zen
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Jon Zen »

Ich habe es zwar noch auf meiner Wunschliste, aber Battle Brothers hat auch einen Hype erlebt (87% positve Steamreviews bei über 4350 Stück).

Ich weiß nicht, ob ich die Thematik besonders zynisch oder doch eher realistisch sehe:

Ich habe 387 Spiele auf Steam. Davon sind 21 deutsch (Pyranha Bytes Spiele, Anno 1404 + 2070, die Crysis Reihe, Spec Ops, Railway Empire, Dungeons 2, Spellforce 2, Orwell, Shadow Tactics, Portal Knights und die Deponia Reihe), also etwa 5%.
Das Ding ist, die Liste umfasst nur wenige wirklich gute & aktuelle Titel im Vergleich dazu, wo sich Deutschland ansonsten selbst sieht.
Meine deutschen Steam Spiele sind zu über 50% Wiederkäufe, nur damit ich diese in der Library habe (oder weil sie durch ein Bundle hereinflogen).

Da sieht es für Titel anderer Nationen wesentlich besser aus. Auch wenn ein Gothic 2 DNdR mit den meisten davon den Boden aufwischt. :mrgreen:

Aber selbst hier ist das 15 Jahre altes Spiel noch immer besser als seine 6 Nachfolger. Railway Empire hat große Schwächen, sodass man nicht sagen kann, dass es heute besser ist, als Open TTD. Dungeons 2 ist kein gutes Spiel, schon alleinige aufgrund des irrsinnig niedrigen Bevölkerungslimits. Crysis war super, gibt es aber nicht mehr, genauso Spec Ops.
Zum Zustand von Spellforce 3 muss man wohl kein Wort verlieren (auch wenn ich es sehr gerne in guter Verfassung mir kaufen würde). Anno 1404 ist 9 Jahre nach Release immer noch der beste Teil. Auf das neue Tropico habe ich aufgrund des angepriesenen dummen Humors, schon jetzt keine Lust mehr, obwohl ich seit Teil 3 jeden spielte.

Man sieht leider in den aktuellen deutschen Spielen an, dass sie vom Budget nicht mithalten können. Man backt kleinere Brötchen. Das kann funktionieren, leider tut es dies eher selten. The Surge und Shadow Tactics mögen eine Ausnahme sein - wobei beide Titel verschähmt in den jeweiligen Humble Bundles untergingen und nicht promotet wurden...

Aus meiner arroganten, zynischen Sicht sage ich mir: Warum soll ich kleine Brötchen essen, wenn ich auch den ganzen Kuchen kriege (z.B. Witcher 3, Divinity Original Sin 2, Total War Serie, Assassin's Creed Reihe).
Von den genannten wurde übrigens keines in den USA produziert, sondern in allesamt kleineren Ländern als Deutschland (in Bezug auf den BIP).

Von daher: Deutsche Spiele waren mal toll, sind aber nur noch selten super, meistens okay.
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Axel
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Axel »

Jon Zen hat geschrieben:
14. Sep 2018, 20:20
Warum soll ich kleine Brötchen essen, wenn ich auch den ganzen Kuchen kriege.
Also, ich habe lieber ein leckeres schmackhaftes Brötchen, das ich in einer überschaubaren Zeit auch aufessen und genießen kann. Das kann ein Salamibrötchen sein, ein Marmeladenbrötchen oder eines mit Tomaten und Salat! Ich will nicht unbedingt immer diese überdimensionalen mit Zucker überschütteten Kuchen. Ein gutes Handwerksbrötchen ist doch viel gesünder!
Oder um es noch anders zu formulieren: Wenn Du die Geschmacksverstärker mal wegnimmst, dann lernst Du erst richtig Essen zu genießen.

Um das mal auf Spiele zu übertragen. Ich mag keine Spiele, die mit 100+ Stunden werben und dann nur repetiven Kram von einem abverlangen. Ein gutes Spiel weiß, wann es zu ende ist. Und das ist bei deutschen Spielen meist der Fall. Da geht ein Spiel eben mal nur 10-20 Stunden. Ist doch super für die, die genau das suchen. Warum MUSS man denn unbedingt mit AAA mithalten wollen?

Ich finde diesen Kulturpessimismus echt schrecklich. Es gibt doch für alles einen Markt. Wer diese aufgeblähten AAA Spiele mag, bekommt diese doch zuhauf. Warum sollen deutsche Studios das auch bedienen, wo es das schon zu genüge gibt? Dafür sind deutsche Studios in anderen Dingen gut und machen Spiele, die es international nicht mehr so häufig gibt (siehe Shin'ens Fast RMX).
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Vinter
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Vinter »

Jon Zen hat geschrieben:
14. Sep 2018, 20:20
Aus meiner arroganten, zynischen Sicht sage ich mir: Warum soll ich kleine Brötchen essen, wenn ich auch den ganzen Kuchen kriege (z.B. Witcher 3, Divinity Original Sin 2, Total War Serie, Assassin's Creed Reihe).
Ich glaube, AAA als Orientierung für deutsche Studios ist vermessen. Das hat Crytek probiert und de facto hat es auch bei denen nicht geklappt, wenn man sich anschaut, wie die von einer finanziellen Notsituation in die nächste schlingern. Die Spiele sind gut und auf einem konkurrenzfähigen Niveau produziert, aber scheinbar kann man damit trotzdem nicht genug Geld verdienen.

Aber es muss auch nicht AAA sein, AA reicht ja erst mal. Das sind Größenordnungen, die auch deutsche Studios stemmen können, und die keineswegs reizlos sein müssen. Man kann dann natürlich keine riesige Open World erschaffen, aber das muss man auch nicht.

Titel wie Biomutant, Call of Cthulhu, Innocence: A plague tale, The sinking city, Vampyr. Alles kleinere Produktionen, aber mit Charme. Und einem großen Vorteil: Bei AC: Odyssey weiß ich bereits jetzt genaustens, was mich erwartet. Bei den genannten hingegen kann ich mich noch überraschen lassen. Das gibt dem ganzen Medium etwas der kindlichen Entdeckungsfreude zurück. Und wenn wir uns mal umgucken: Auch ein Megahit wie Dark Souls, der gerade sein eigenes Subgenre herausbildet, ist lediglich AA.

Nur: Deutsche Produktionen auf dem Niveau sehe ich trotzdem bislang eher kaum. LOTF und The Surge 1 und 2 mal außen vor.

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Soulaire
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Soulaire »

Jon Zen hat geschrieben:
14. Sep 2018, 20:20

Man sieht leider in den aktuellen deutschen Spielen an, dass sie vom Budget nicht mithalten können. Man backt kleinere Brötchen. Das kann funktionieren, leider tut es dies eher selten. The Surge und Shadow Tactics mögen eine Ausnahme sein - wobei beide Titel verschähmt in den jeweiligen Humble Bundles untergingen und nicht promotet wurden...
Das sehe ich anders. Man kann auch mit einem niedrigeren Budget gute Spiele machen. Das Problem ist nur, dass Studios wie Pyranha Bytes mit den großen RPGs mithalten wollen. Zumindest was den Umfang angeht und daran leidet dann die Qualität. Für mich ist ein Elex ein "Content"-Spiel und kein "Qualitäts-Spiel".

Man kann nicht sagen, dass deutsche Spiele schlecht programmiert wären o.ä, mir persönlich fehlt aber gerade bei den kleineren Studios etwas die Kreativität.
Alleine dass Spiele wie Portal Knights oder Witch it ,die teilweise 1zu1 andere Spiele kopiert haben (und dabei nicht mal wirklich gut sind),beim DCP jeweils zum besten Spiel ausgezeichnet wurden, sagt schon etwas aus.
Ich finde es auch schade, dass viele deutsche Studios immer dieselben Spiele machen. Selbst ein junges Studio wie Mimimi macht mit Desperados 3 wieder ein sehr ähnliches Spiel wie Shadow Tactics. Mir fehlen da oft die frischen Elemente.

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Jon Zen
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Jon Zen »

Soulaire hat geschrieben:
14. Sep 2018, 22:04
Jon Zen hat geschrieben:
14. Sep 2018, 20:20

Man sieht leider in den aktuellen deutschen Spielen an, dass sie vom Budget nicht mithalten können. Man backt kleinere Brötchen. Das kann funktionieren, leider tut es dies eher selten. The Surge und Shadow Tactics mögen eine Ausnahme sein - wobei beide Titel verschähmt in den jeweiligen Humble Bundles untergingen und nicht promotet wurden...
Das sehe ich anders. Man kann auch mit einem niedrigeren Budget gute Spiele machen. Das Problem ist nur, dass Studios wie Pyranha Bytes mit den großen RPGs mithalten wollen. Zumindest was den Umfang angeht und daran leidet dann die Qualität. Für mich ist ein Elex ein "Content"-Spiel und kein "Qualitäts-Spiel".

Man kann nicht sagen, dass deutsche Spiele schlecht programmiert wären o.ä, mir persönlich fehlt aber gerade bei den kleineren Studios etwas die Kreativität.
Alleine dass Spiele wie Portal Knights oder Witch it ,die teilweise 1zu1 andere Spiele kopiert haben (und dabei nicht mal wirklich gut sind),beim DCP jeweils zum besten Spiel ausgezeichnet wurden, sagt schon etwas aus.
Ich finde es auch schade, dass viele deutsche Studios immer dieselben Spiele machen. Selbst ein junges Studio wie Mimimi macht mit Desperados 3 wieder ein sehr ähnliches Spiel wie Shadow Tactics. Mir fehlen da oft die frischen Elemente.
Tatsächlich hatte ich am Ende noch einen Aufruf für mehr Kreativität und für mehr Mut zur Eigenständigkeit geschrieben.
Allerdings habe ich den Teil gestrichen, weil es mir vermessen vorkam, als Spieler dies zu fordern. Wobei ich mir dabei immer noch nicht sicher bin (für wen wäre es nicht vermessen?).
Von daher widersprechen wir uns zumindest im Geiste nicht und dein Beitrag hat meine vollste Zustimmung.

Man schaue sich Titel an wie FTL. Dann kommt ein 2-Mann-Studio wie Mega Crit Games und entwickelt entwickelt Slay the Spire. Eine wahrhaft gute Weiterentwicklung des Genres (bzw. die Gründung eines Subgenres). Oder Football Tactics Glory (früher: Football Tactics) (siehe den Thread dazu: viewtopic.php?f=2&t=2767&p=51171&hilit= ... tic#p51171).
Aufgrund der Kreativität und Innovationsfähigkeit der Entwickler, haben diese Spiele keine Konkurrenz.

Edit: Bei Elex sehe ich ein Kompetenzen Problem. Offensichtlich ist hier gutes Personal weg, welches Fehler, die bei Elex geschehen sind, in älteren Spielen wesentlich besser umsetzten (Erfahrungssystem, Kampfsystem, selbst die Story). Am meisten schmerzt, dass Kai Rosenkranz nicht mehr die Musik macht.
goschi hat geschrieben:
14. Sep 2018, 21:51
MitSchmackes! hat geschrieben:
14. Sep 2018, 21:23
Ein gutes Handwerksbrötchen ist doch viel gesünder!
Oder um es noch anders zu formulieren: Wenn Du die Geschmacksverstärker mal wegnimmst, dann lernst Du erst richtig Essen zu genießen.
Hallo Axel, nicht jede Metapher ist weitergeführt sinnvoll als Vergleich.
Made my day. :lol:
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Axel
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Axel »

Jon Zen hat geschrieben:
14. Sep 2018, 22:24
Man schaue sich Titel an wie FTL. Dann kommt ein 2-Mann-Studio wie Mega Crit Games und entwickelt entwickelt Slay the Spire. Eine wahrhaft gute Weiterentwicklung des Genres (bzw. die Gründung eines Subgenres).
Was aber auch mit viel Glück zu tun hat, beziehungsweise den häufig zitierten Survivorship Bias entspricht. Lange nicht jedes 2-Mann-Studio hat so einen Erfolg, obwohl die vielleicht auch kreative Spiele machen. Wie viele Perlen wohl in den Untiefen von Steam schlummern, unentdeckt und in der Masse untergegangen?

Das kann man machen, wenn man Spieleentwicklung als Hobby hat. Und da gibt es bestimmt auch in Deutschland gute Beispiele. Aber: Darauf kannst Du kein planbares Business aufbauen. Also geht man lieber auf Nummer sicher und entwickelt Spiele, wo man weiß, dass es einen Markt für gibt.
„Kein Wunder also, dass wir uns den Debatten der Allgemeinheit anschließen und lieber darüber nachdenken, wer zu uns gehört und nicht, als gemeinsam über Lösungen zu streiten. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“
(Serdar Somuncu)

Voigt
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Voigt »

Was es eventuell bräuchte für mehr AAA Entwicklungen aus Deutschland, wären Second Part Entwicklungen exklusiv für Sony oder Microsoft. Ein deutsches Naughty Dog in dem Sinne.

Microsoft Einkaufstour ging ja jetzt schon in die Richtung, ma schaun was da drauß wird.

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Dicker
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Registriert: 20. Mai 2017, 20:29

Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Dicker »

Ich denke auch, in Deutschland werden gute Spiele produziert, die auch zT international gut ankommen. Aber eben nur bis AA. Und dafür, dass Deutschland der größte Markt in Europa ist, fehlt eben auch eine entsprechende AAA Produktion. Das ist Schade, da man sich so einen großen Teil des Kuchen entgehen lässt.

Stuttgarter
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Re: Ein Hoch auf uns! Oder: Deutsche Spiele sind nicht doof

Beitrag von Stuttgarter »

Ganz ehrlich, ich versteh die Diskussion irgendwie nicht.

Zunächst - Michael hat im Eingangspost doch eine recht imposante Liste an objektiv guten Spielen aufgelistet. Hätte mich jemand nach "deutschen Spielen" gefragt, die ich gespielt habe, wär ich vermutlich erinnerungsmäßig auf nicht viele Titel gekommen - aber wenn ich mir die Liste durchlese, hab ich sehr oft ein Lächeln im Gesicht, "Ach ja, das gabs ja auch noch" oder auch "Ach? Das war ein deutscher Entwickler?". Man kann sicher einwenden, dass es sicher gewisse Schwerpunkte gibt, was Genres angeht. Aber dadurch werden weder die Spiele schlechter noch die deutsche Entwicklerszene. Es ist halt nur nicht für jeden Geschmack was dabei. Als Freund dieser (zum Teil) Nischengenres bin ich im übrigen froh, dass die sowas machen statt dem fünfundzwanzigsten 0815-Shooter. Dadurch bekomm ich schöne Aufbauspiele, schöne Knobelspiele - wer macht mir denn außerhalb Deutschlands ein Railway Empire (ich liebe dieses Spiel!), ein "Shadow Tactics", ein "Desperados"?

Auch das Fordern von guten deutschen AAA-Spielen leuchtet mir nicht so ganz ein. Zumindest nicht aus reiner Spielersicht. Wenn mir das Ding Spaß macht, ist mir doch letztlich egal, wie viele "A"s es hat. Außerdem sehe ich da eine gewisse Inkonsequenz - AAA ist unter Hardcorespielern (und das sind wir ja vermutlich alle mehr oder weniger) doch meistens verpönt, weil sie so wenig neues wagen, zu sehr auf Masse setzen, in zu hohem Takt erscheinen. Wollen wir wirklich ein rein deutsches AC oder CoD, das jährlich erscheint, technisch zwar immer up to date ist, aber spielerisch spätestens im vierten Teil niemanden mehr wirklich begeistert? Warum sollten wir das wollen?

Zuguterletzt musste ich doch sehr grinsen bei dem Einwand, die wirklich erfolgreichen deutschen Spiele seien ja spielerisch nicht "deutsch". Ja wat denn nun? Mit Crysis gabs das deutsche Vorzeigeprodukt mit internationalem Erfolg - und dem wird jetzt vorgeworfen, dass es nicht "deutsch" genug sei? Die "typisch deutschen" Spiele sind international maximal mäßig erfolgreich, es wird internationaler Erfolg verlangt, und wenn ein Spiel dann auf internationalen Erfolg getrimmt wird, ist es kein "deutsches" Spiel mehr?

Vielleicht wäre eine Erkenntnis, dass man einfach nicht alles haben kann. Mir persönlich reicht es, gute Spiele zu bekommen. Wo die herkommen, ist mir letztlich eigentlich sogar ziemlich egal. Aber dass deutsche Entwickler Nischen bedienen, die sonst kaum jemand macht, freut mich wesentlich mehr, als wenn sie pro Jahr fünf Assassin's Warfare - Need for Battlefield rausbrächten.

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