Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

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monieu
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von monieu »

Dennis Kogel hat geschrieben:
19. Okt 2018, 21:57
(kann man Sex min/maxen??)
Klar, wie eigentlich alles was variabel ist und wofür es Präferenzen gibt.

Ohres
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Ohres »

Hi.

Erstmal: super Folge =)

Dazu aber 2 Fragen.

1. Die "Pause" bei Schülerinnen empfinde auch ich beim zuhören als unangenehm. Ich denke reine Gewöhnungssache. Als Vater einer 6 jährigen Tochter
hoffe ich, dass sich unsere Gesellschaft (damit sind wir Männer gemeint, aber es steckt so echt in einem drin) Einiges abgewöhnt was den Umgang mit Frauen angeht. Diese Pause beim Aussprechen des Wortes... verstehe ich nicht. Ist der Zweck ein besonderes Hervorheben?

2. Ihr erwähnt wieviele Menschen es weltweit gibt, die Spiele spielen. Ich beziehe Entwicklungs- und Schwellenländer in meine Frage nicht ein.

Alleine bei uns in Deutschland ist zocken bei den Kids und Teens en vogue. Als Physiotherapeut betreue ich Kinder/Jugendliche im Leistungssportbereich. Da der Patient sich für die Behandlung auszieht, liegt dem auch ein "Öffnen" aus psychologischer Sicht bei. Mir werden oft Fragen gestellt die Sexualität, aus anatomischer bzw. funktioneler Sicht betreffen. (Klar, ich erkläre den Kids die Gelenke, begleite sie zum Teil über Jahre, da baut sich schon ein Vertrauensverhältnis auf) Die Kids wissen auch, dass ich Spieler bin und oft ist das der Inhalt der Gespräche.

Mir ist aber noch NIE ein Kind/Jugendlicher Spieler begegnet, der ein Aufklärungsspiel gespielt hat. Also in meiner Bubble zocken die Kleinen Nintendo,die Älteren Minecraft, Sims und die Teens+ Fortnite, LOL ect...
Ich finde es daher wenig realistisch, dass Aufklärungsspiele einen signifikanten Faktor zum Thema Aufklärung (mittelfristig) beitragen können.
Vor allem, wie ist es mit dem Bewerben solcher Spiele? Da finanziert ein XY Amt/Organisation die Entwicklung eines solchen Spieles... schön. Und dem gegenüber stehen die Werbemilliarden der AAA und immer noch bestehende Bedenken gegenüber dem Gaming aus Staat, Kirche und Gesellschaft.

Was denken die Podcaster darüber?

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HerrReineke
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von HerrReineke »

Zunächst auch von mir nochmal ein Lob für die interessante Folge - wie gewohnt ein spannendes und aufklärendes (*höhö*) Gespräch, bei dem man wieder viel lernen konnte. Ich bin auch schon sehr auf deine Masterarbeit gespannt, Nina :)
Ohres hat geschrieben:
21. Okt 2018, 07:22
1. Die "Pause" bei Schülerinnen empfinde auch ich beim zuhören als unangenehm. Ich denke reine Gewöhnungssache. [...] Diese Pause beim Aussprechen des Wortes... verstehe ich nicht. Ist der Zweck ein besonderes Hervorheben?
Viele Details und Diskussion dazu findet sich in einem eigenen Thread, nachdem das Thema ursprünglich im Thread zu Folge 2 angefangen wurde breiter diskutiert zu werden.
Long story short: Es geht darum, dass durch diese Sprachform auch Menschen inkludiert werden sollen, die weder "rein" männlich oder weiblich sind bzw. sich so fühlen - also keine Betonung des weiblichen Gruppenanteils sondern eine Sprachfassung, die absolut jeden Menschen, vollkommen gender-unabhängig, anspricht.
Quis leget haec?

Ohres
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Ohres »

Achso... Danke =)

monieu
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von monieu »

HerrReineke hat geschrieben:
21. Okt 2018, 09:58
Long story short: [...]
Es hat kaum Sinn das hier zu diskutieren, insofern: viewtopic.php?f=5&t=3693&p=83633#p83633

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Syrill
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Syrill »

Dennis Kogel hat geschrieben:
19. Okt 2018, 21:57
Syrill hat geschrieben:
19. Okt 2018, 09:38

Eine mögliche Form für ein Aufklärungsspiel könnte soetwas wie Reigns sein. Man bekommt Karte für Karte mit Events gezeigt und muss sie immer nach links oder rechts wegwischen für die eine oder andere Entscheidung. In Reigns geht es zwar um die Herrschaft als König und leider krankt es daran, dass man nur die 4 wichtigen Werte/Fraktionen ausbalancieren muss und nicht so entscheiden kann, wie man es gerne möchte (sonst war es das mit der Reign :D). ABER: Das ganze könnte auch als Aufklärungsspiel in einem anderen Szenario funktionieren mit einem Fokus bei der Entwicklung auf die Texte und Inhalte. Zudem lässt sich so ein simples Spielprinzip ggf. auch als (mobiles) Browser-Game realisieren, so dass man die üblichen Distributionswege umgehen könnte.
Auja! Das klingt supergut! Das möchte ich sehen! Das mit den Werten stelle ich mir noch bisschen schwierig vor, weil das Sex und Liebe zu stark runterbrechen könnte/zu mechanisch machen könnte (kann man Sex min/maxen??)...aber so mit dem Swipen für verschiedene Situationen und verschiedene Entscheidungen, die zu verschiedenen Beziehungen etc. führen...So eine Art kleines Choose Your Own Adventure. Vllt könnte man ja sogar Stats einbauen, aber sie geheimhalten oder vage andeuten...hmmm
Ich glaube fast, dass man diese Werte für ein Aufklärungsspiel nicht wirklich braucht oder zumindest abändern könnte, so dass es weniger min/maxen ist, als viel mehr ein sinnvolles Feedback (wie beispielsweise die Anzeige, ob man sich Vertrauen verdient hat oder es gerade verspielt? :think: ). Für Reigns (und Nachfolger und Game of Thrones Version, die ich wortwörtlich 30 Sekunden nach meinem letzten Beitrag entdeckt habe^^) braucht es diese Werte als Spielmechanik. Ein Wert geht zu hoch oder auf null und man wird gestorben und ein neuer König übernimmt, der wiederum versucht möglichst lange zu überleben. Dieser Loop würde bei einem Aufklärungsspiel wohl eher wegfallen und damit auch die Werte überflüssig machen. :)
Freut mich jedenfalls, dass die Idee gut ankommt.
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ganga
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von ganga »

Danke auch für diese tolle Folge. Bisschen verwundert war ich darüber dass ihr (gefühlt) fast alle Spiele als sehr bekannt bezeichnet habt. Mir waren die alle völlig unbekannt, könnte sein dass ich dieses Shoot the Sperm mal irgendwo gesehen habe aber sicher bin ich mir nicht. War anscheinend in meiner Peer Group nicht so bekannt diese Art von Spielen.

Eine Anmerkung am Rande:
Ich bin in der Schule nie aufgeklärt worden. Unser Bio Lehrer in der fünften und sechsten Klasse, ein älterer Herr Kurz vor der Pension, war der Meinung er finde das unpassend und behandelt das deswegen nicht. Die Bio Lehrerin in der Mittelstufe meinte das hätten wir ja alles schon in der Unterstufe gemacht und in der Oberstufe hatten wir glaub ich nur mal sowas wie embryonale Entwicklung.

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Nina
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Nina »

Smartie hat geschrieben:
19. Okt 2018, 20:33
Hallo,
danke für das schnelle Feedback; die von dir genannten Gründe sind natürlich nachvollziehbar. INnBezug auf die Witcher-Reihe hätte ich vielleicht einen Vorschlag, der euch die Arbeit reduzieren könnte. Wie wäre es, wenn ihr euch bei der Analyse auf die Cu-Scenes konzentrieren würdet und dann vielleicht nur bei WitcherIII. Die Cutscenes könntet ihr dann über youtube-collections sehen und so Zeit sparen;)
Ich kann aber verstehen, wenn ihr den Ansprucht erhebt, dass GAme slebst gespielt zu haben...
Wie auch immer: Weiter so, freue mich auf neue Folgen. Ihr beiden seid ein hervorragend funktionierendes Pocast-Duo!
Diesen Anspruch habe ich tatsächlich, sobald es darum geht, im Detail über diese Szenen und ihre jeweiligen Spielkontexte zu sprechen. Zwar könnten Dennis und ich nun in einer potenziellen "The Witcher III"-Folge die Rollen tauschen, sodass er in der Expertenposition und die jeweiligen Inhalte im Spiel zu verorten in der Lage wäre, aber die Sexszenen aus nur einem Teil der Trilogie würden vermutlich ohnehin nicht genug Gesprächsstoff hergeben. Lange Rede, kurzer Sinn: Aktuell ist das keine Option, aber vielleicht finden wir ja eine andere Lösung - und so oder so werden wir darauf achten, AAA-Titel nicht allzu sträflich zu vernachlässigen.

Danke nochmal!
JanTenner hat geschrieben:
19. Okt 2018, 21:09
Ach und noch zum Thema Adaption / Adaptation:
Das war ein Versehen und dem Umstand geschuldet, dass ich in den letzten Monaten vor allem englische Texte gelesen und verfasst habe - und die englische Übersetzung für "Adaption" lautet ja verwirrenderweise "adaptation".
Ohres hat geschrieben:
21. Okt 2018, 07:22
Mir ist aber noch NIE ein Kind/Jugendlicher Spieler begegnet, der ein Aufklärungsspiel gespielt hat. Also in meiner Bubble zocken die Kleinen Nintendo,die Älteren Minecraft, Sims und die Teens+ Fortnite, LOL ect...
Ich finde es daher wenig realistisch, dass Aufklärungsspiele einen signifikanten Faktor zum Thema Aufklärung (mittelfristig) beitragen können.
Vor allem, wie ist es mit dem Bewerben solcher Spiele? Da finanziert ein XY Amt/Organisation die Entwicklung eines solchen Spieles... schön. Und dem gegenüber stehen die Werbemilliarden der AAA und immer noch bestehende Bedenken gegenüber dem Gaming aus Staat, Kirche und Gesellschaft.

Was denken die Podcaster darüber?
Deine erste Frage scheint ja bereits beantwortet worden zu sein, daher gehe ich erst einmal nur auf die zweite ein: Aufklärungsspielen kommt in der Tat bisher keine nennenswerte Bedeutung zu, wie wir auch im Podcast erwähnt haben. Dass in 35 Jahren scheinbar nur 36 solcher Spiele veröffentlicht und dokumentiert wurden, spricht ja für sich. Ich denke aber, dass dieser Umstand einer mangelnden Auseinandersetzung mit dem Medium geschuldet ist und eine verpasste Chance darstellt, denn in der Theorie sollten digitale Spiele aus den im Podcast genannten (und weiteren) Gründen gut dazu geeignet sein, auf eine verspielte und fesselnde Art Wissen rund um das Thema sexuelle Gesundheit zu vermitteln. Dass es nicht einfach wäre, selbst ein qualitativ hochwertiges Produkt dieser Art unter die Leute zu bringen und als Lernwerkzeug zu etablieren, ist schon bedingt durch die Vorreiterrolle, die einem solchen Produkt zukäme, klar; in der Tat müsste man daher langfristig planen und sich darauf einstellen, ein ums andere Mal zu scheitern.

Die Werbebudgets aus dem AAA-Bereich sehe ich aber nicht als Problem an, schließlich würden Aufklärungsspiele nicht in Konkurrenz zu Titeln wie "GTA" oder "Assassin's Creed" treten, sondern sich allenfalls auf dem Mobile-Markt behaupten müssen. Auch das wäre nicht einfach, zumal die Vertriebswege für Spiele mit sexuellen Inhalten ganz gleich welcher Art stark beschränkt sind, aber genau auf dieses Problem zielt meine Empfehlung ab, eine Kooperation mit einer großen (nicht-)staatlichen Organisation anzustreben, denn die hat ganz andere Möglichkeiten, eine zum Teil bereits etablierte Zielgruppe zu erreichen. Man nehme zum Beispiel die BZgA: Die könnte ein solches Spiel als Lernmaterial für Schulen oder andere öffentliche Einrichtungen empfehlen, Werbematerial drucken und verteilen, und einflussreiche Akteur_innen in Bildung und Politik ggf. direkt ansprechen. Dass nun ausgerechnet die beiden bereits existierenden Spiele der Bundeszentrale völlig unbekannt sind, ist meines Erachtens nur dem Umstand zuzuschreiben, dass man das Medium Spiel noch nicht als ernstzunehmende Plattform zur Vermittlung solcher Lerninhalte erkannt und sich deswegen auch keine großartige Mühe gegeben hat, qualitativ hochwertige Produkte zu entwickeln. Sicher müsste auch eine Behörde mit Widerstand rechnen, aber sie würde eine ganz andere Autorität ausstrahlen als etwa ein kleines Spielestudio, und hätte entsprechend bessere Chancen, sich zu behaupten.

Was Deinen Einwand betrifft, dass Dir noch nie ein_e Jugendliche_r mit zumindest rudimentärem Vorwissen in Bezug auf Aufklärungsspiele begegnet sei: Vertrauensverhältnis hin oder her - wenn man das Spielen als gemeinsames Hobby entdeckt und sich darüber austauscht, spricht man natürlich erst einmal über solche Titel, von denen man annimmt, dass sie eine Gesprächsgrundlage bilden könnten - und nicht über komische Third-Person-Shooter mit Kondomkanonen (abgesehen davon, dass entsprechende Spielerfahrungen auch einfach peinlich sein können und deshalb nicht erwähnt werden). Allein aus dieser persönlichen Erfahrung abzuleiten, dass Aufklärungsspiele nicht relevant werden können, halte ich daher für zu weit hergeholt.
ganga hat geschrieben:
22. Okt 2018, 10:14
Danke auch für diese tolle Folge. Bisschen verwundert war ich darüber dass ihr (gefühlt) fast alle Spiele als sehr bekannt bezeichnet habt. Mir waren die alle völlig unbekannt, könnte sein dass ich dieses Shoot the Sperm mal irgendwo gesehen habe aber sicher bin ich mir nicht. War anscheinend in meiner Peer Group nicht so bekannt diese Art von Spielen.
Bekanntheit ist natürlich relativ. Was ich damit meinte, war: Einige Spiele haben Aufmerksamkeit außerhalb ihres angedachten Anwendungsumfelds erregt, wurden von der Spielepresse besprochen und weit häufiger gespielt, als erwartet. Gerade "Catch the Sperm" war zu seiner Zeit schon ein kleines mediales Phänomen, das durch die Popularität der "Moorhuhn"-Reihe sicher noch verstärkt wurde.
ganga hat geschrieben:
22. Okt 2018, 10:14
Eine Anmerkung am Rande:
Ich bin in der Schule nie aufgeklärt worden. Unser Bio Lehrer in der fünften und sechsten Klasse, ein älterer Herr Kurz vor der Pension, war der Meinung er finde das unpassend und behandelt das deswegen nicht. Die Bio Lehrerin in der Mittelstufe meinte das hätten wir ja alles schon in der Unterstufe gemacht und in der Oberstufe hatten wir glaub ich nur mal sowas wie embryonale Entwicklung.
Ich fürchte, dass Du mit dieser Erfahrung nicht allein bist - und selbst wenn Aufklärungsunterricht erfolgt, ist er oft schlichtweg unzureichend. Überfordertes/prüdes/desinteressiertes Lehrpersonal ist einer der häufigsten Gründe dafür, dass selbst in Ländern, die Sexualaufklärung in der Schule vorschreiben, Kindern und Jugendlichen wichtige Informationen nicht vermittelt werden.

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Ironic Maiden
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Ironic Maiden »

Ich bin selbst Lehrerin, allerdings nicht für Biologie, und bekomme immer mal wieder mit, dass der Aufklärungsunterricht in der Schule sehr lückenhaft ist, bzw. teilweise komplett übergangen wird. Zuerst liegt das natürlich wirklich an den Lehrkräften, wobei Prüderie nur einer von vielen Gründen ist.

Zumindest in Hessen ist der Sexualkunde-Lehrplan meiner Meinung nach auf dem Papier gut durchdacht und es werden die wesentlichsten Punkte explizit aufgeführt (Verhütung von Schwangerschaften und STDs, verschiedene Formen von Sexualität usw.), aber man muss bei den Diskussionen auch berücksichtigen, dass sich Aufklärung in der Schule selbst in einem vermeintlich so fortschrittlichen Land wie Deutschland in einem großen gesellschaftlichen Spannungsfeld bewegt. So macht die AFD z.B. unter dem Stichwort "Frühsexualisierung" Wahlkampf gegen den hessischen Sexualkunde-Lehrplan und es gab vor dessen Verabschiedung im Landtag Kundgebungen der "Demo für alle", die den Untergang des Abendlandes witterten, weil der Lehrplan vorsieht, für die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Paare einzutreten.

Zudem ist die Teilnahme am Sexualkundeunterricht zwar verpflichtend, aber es muss trotzdem vorher eine umfassende Information der Eltern, etwa bei einem Extra-Elternabend erfolgen, was schon zeigt, dass Sexualkunde eben nicht als "normaler" Unterrichtsinhalt betrachtet wird. Außerdem darf der Unterrichtsinhalt nicht durch eine Klassenarbeit überprüft werden.

Ich möchte damit keineswegs Lehrer*innen in Schutz nehmen, die deswegen einfach keinen Aufklärungsunterricht machen, es ist mMn deren verdammter Job das zu tun, selbst wenn die Eltern meckern oder das Thema ihnen etwas unangenehm ist, aber es gibt auch in Deutschland zahlreiche Gruppierungen, die gar kein Interesse daran haben, dass Kinder in der Schule umfassend aufgeklärt werden. Wenn ich im Englischunterricht kein present perfect erkläre, bekomme ich vermutlich Ärger mit Eltern und Schulleitung. Wenn der Biolehrer keine Sexualerziehung unterrichtet, passiert meist nichts.

Aufklärungsspiele in der Schule halte ich nur für begrenzt sinnvoll, einfach weil an vielen Schulen dafür keine Infrastruktur vorhanden ist, und man die Unterrichtszeit dann eher für Besuche bei Beratungsstellen nutzen könnte (sowohl ProFamilia als auch die AIDS-Hilfe bieten sowas an und die Schüler*innen sind davon anscheinend meist recht angetan), aber als zusätzliches Angebot, das Kinder und Jugendliche bei Interesse selbst nutzen können, sind sie bestimmt gut (sofern halt das Spiel gut ist...).

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Nina
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Nina »

Hallo allerseits!

Ich habe mich nun doch dazu entschieden, meine Master Thesis in ihrer aktuellen Form zu publizieren und die fehlenden Analysen (mir liegen mittlerweile zwei Spiele vor, die bisher nicht verfügbar waren) später nachzureichen - denn aktuell ist absolut nicht absehbar, wann ich dazu kommen werde. Wer sich also weiter in das Thema einlesen möchte und des Englischen mächtig ist, klicke einfach auf diesen Link:

https://www.researchgate.net/publicatio ... me_Project

DOI: 10.13140/RG.2.2.19596.97929
Ironic Maiden hat geschrieben:
22. Okt 2018, 17:42
Ich bin selbst Lehrerin, allerdings nicht für Biologie, und bekomme immer mal wieder mit, dass der Aufklärungsunterricht in der Schule sehr lückenhaft ist, bzw. teilweise komplett übergangen wird. Zuerst liegt das natürlich wirklich an den Lehrkräften, wobei Prüderie nur einer von vielen Gründen ist.
[...]
Das sind ganz wichtige Punkte, die Du ansprichst, und ich danke Dir vielmals für die ausführliche Schilderung Deiner Perspektive. Du hast natürlich völlig recht: Dem Lehrpersonal ist keinesfalls die alleinige Verantwortung zuzuschreiben, daher auch das wichtige Formulierungsdetail in meiner Antwort an ganga, dass Überforderung/Desinteresse seitens der Lehrkräfte einen der häufigsten Gründe für mangelnde Sexualaufklärung darstellt. Dass dahinter strukturelle Probleme stehen (darunter auch mangelnde Sensibilisierung für das Thema in der Kindheit und Jugend der nun erwachsenen Lehrbeauftragten), zeigt sich leider immer wieder - unter anderem in diesen unsinnigen Protesten gegen eine vermeintliche "Frühsexualisierung" von Kindern (die in Wirklichkeit an ganz anderer Stelle erfolgt).
Ironic Maiden hat geschrieben:
22. Okt 2018, 17:42
Aufklärungsspiele in der Schule halte ich nur für begrenzt sinnvoll, einfach weil an vielen Schulen dafür keine Infrastruktur vorhanden ist, und man die Unterrichtszeit dann eher für Besuche bei Beratungsstellen nutzen könnte (sowohl ProFamilia als auch die AIDS-Hilfe bieten sowas an und die Schüler*innen sind davon anscheinend meist recht angetan), aber als zusätzliches Angebot, das Kinder und Jugendliche bei Interesse selbst nutzen können, sind sie bestimmt gut (sofern halt das Spiel gut ist...).
Das sehe ich wiederum anders, wenn auch zugegebenermaßen aus meiner Laienposition im Hinblick auf Schulen (meine Mutter war Lehrerin und mein Partner arbeitet an einem Gymnasium, daher erhalte ich zumindest sporadisch Einblicke in den modernen Schulalltag, aber das ist natürlich nicht annähernd vergleichbar mit unmittelbaren Erfahrungen): Infrastrukturelle Probleme sind aktuell noch ein Thema, aber man könnte sie zumindest teilweise umgehen: Indem man den Kindern und Jugendlichen - die mittlerweile überwiegend mit Smartphones ausgestattet sind - auftragen würde, sich ein Spiel zu Hause auf ihren Geräten zu installieren (sofern es in der Schule nicht doch WLAN gibt), um es ein paar Tage später im Unterricht spielen zu können. Klar könnten dabei auch Probleme und Komplikationen auftreten, über die man sich im Vorfeld Gedanken machen müsste, aber für völlig unrealistisch halte ich dieses Szenario nicht. Viel schwieriger ist es doch, überhaupt Unterrichtszeit für solche unkonventionellen Maßnahmen zu schaffen, und dazu gehören auch Besuche in Beratungsstellen. Solange sexueller Aufklärung keine größere Bedeutung im Schulkontext eingeräumt wird, bestehen kaum Möglichkeiten, sich von den bisherigen Lehransätzen zu entfernen. Und hier bin ich weitaus pessimistischer, was Veränderungen in naher Zukunft angeht.

Voigt
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Voigt »

Beurkeek hat geschrieben:
23. Okt 2018, 12:10

https://www.researchgate.net/publicatio ... me_Project

DOI: 10.13140/RG.2.2.19596.97929
Deine Arbeit ist schon zur Bewertung abgegeben oder? Weil an sich hätte ich einige Anmerkungen beim lesen. ^^
Das wichtigste: 86% der Befragten haben korrekterweise angegeben, dass man beim ersten mal Schwanger werden kann. Genauso 83% haben korrekt angegeben dass man trotz Pile STI bekommen kann. Das ist in der Arbeit und glaube auchbin der aktuellr Folge falschrum dargestellt.

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Nina
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Nina »

Voigt hat geschrieben:
23. Okt 2018, 12:45
Beurkeek hat geschrieben:
23. Okt 2018, 12:10

https://www.researchgate.net/publicatio ... me_Project

DOI: 10.13140/RG.2.2.19596.97929
Deine Arbeit ist schon zur Bewertung abgegeben oder? Weil an sich hätte ich einige Anmerkungen beim lesen. ^^
Das wichtigste: 86% der Befragten haben korrekterweise angegeben, dass man beim ersten mal Schwanger werden kann. Genauso 83% haben korrekt angegeben dass man trotz Pile STI bekommen kann. Das ist in der Arbeit und glaube auchbin der aktuellr Folge falschrum dargestellt.
Jein: Du hast völlig recht, dass mir peinlicherweise etwas durcheinandergeraten ist und das werde ich schnellstmöglich korrigieren. Der Fehler liegt aber nicht bei der falschen Auslegung der genannten Zahlen, sondern darin begründet, dass ich zwei Studien zusammengewirbelt habe. Bei einer Untersuchung waren die Fehlerquoten tatsächlich irritierend hoch, aber eben nicht bei der genannten. Vielen, vielen Dank für den Hinweis! Ich muss beim Lesen und Zusammenfassen hunderter Studien irgendwann den Überblick verloren haben. (Meiner Prüfungskommission ist das zum Glück nicht aufgefallen.)

Welche Anmerkungen hättest Du denn noch?

Voigt
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Voigt »

Ach ansonsten direkt bei der Gliederung, bin allgemein verwirrt von denn Klammern zu nach den einzelnen Punkten, aber kann man sich machen. Bei einem Gliederungspunkt, glaube bei 2.1. hast du ein Punkt am Ende gesetzt. Was sich nich gehört, und do sonst auch nich hast.

Halt nur kleinkram im Anfangstheorie Teil. Wichtiger ist ja eh der Eigenteil später, soweit hatte ich noch nich gelesen.

Bloß genau die Stelle mit den Prozenten hatte mich interessiert da es ja im Podcast zur Sprache kam.

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Nina
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Nina »

Voigt hat geschrieben:
23. Okt 2018, 14:50
Ach ansonsten direkt bei der Gliederung, bin allgemein verwirrt von denn Klammern zu nach den einzelnen Punkten, aber kann man sich machen. Bei einem Gliederungspunkt, glaube bei 2.1. hast du ein Punkt am Ende gesetzt. Was sich nich gehört, und do sonst auch nich hast.

Halt nur kleinkram im Anfangstheorie Teil. Wichtiger ist ja eh der Eigenteil später, soweit hatte ich noch nich gelesen.

Bloß genau die Stelle mit den Prozenten hatte mich interessiert da es ja im Podcast zur Sprache kam.
Ja nun, kleinere formale Fehler bleiben bei einer (Master-)Arbeit dieses Umfangs nicht aus und die werde ich auch nicht mehr korrigieren. Die Gliederung war so mit meiner Prüfungskommission abgesprochen und wurde in keinem Punkt beanstandet.

(Falls mir noch jemand - aber bitte kein unnötig detailliertes - Feedback zukommen lassen mag: Gerne! Macht das aber am besten per PN, denn das gehört hier eigentlich nicht her.)

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Flo
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Flo »

Mit ganz großer Verspätung kam ich heute endlich dazu, die Folge über Aufklärungsspiele zu hören. Sehr schöne Folge, auf jeden Fall. Eine Sache habe ich jedoch sehr vermisst.

Aber dafür muss ich erst kurz eine Prämisse setzen:
Prämisse:
Meine persönliche Definition eines Serious Games ist: Ein Spiel in dem man sich zwangsläufig Wissen und/oder Fähigkeiten aneignet, die auch außerhalb des Spiels von nutzen kann. Spielspaßes, technische Brillanz, Genre und Themenwahl sind dabei irrelevant. Neben einem 'Attentat 1942' fällt bei dieser Definition auch 'Kerbal Space Program', 'Human Resource Machine' und jedes Spiel, welches die Welt nicht durch eine heteronormative Brille betrachtet, unter die Kategorie Serious Game.

...und, dass ein Spiele keine klassische Geschichte erzählen muss, sondern in Wirklichkeit, die klassische Geschichte sogar lediglich ein erweitertet Aspekt ist, der erst später bei Spielen hinzugekommen ist, brauche ich in diesem Forum vermutlich gar nicht extra zu erwähnen.
Nun zu meinem Anliegen:

In der Folge wurde das Spiel OMGYes nicht erwähnt!

Bei OMGYes handelt es sich um ein Programm, welches man über den Browser ansteuert. Basierend auf vergleichsweise umfangreichen Studien, zusammen mit einer amerikanischen Uni und dem McKinsey Institut, wird dabei ein Vulva-spezifisches Modell zur Lusterfahrung mittels Text, Grafik und Video nahe gebracht. Dabei werden Duzend inherent unterschiedlicher Techniken ausführlich dargestellt.

Vergleichbar mit Happy Playtime lassen sich elf der Techniken (die zwölfte 'Technik' ist 'Kommunikation’) per Touch Screen an unterschiedlichen, realistischen und gut animierten Vulvas austesten. Dabei bekommt man keine Punkte, sondern die Frauen hinter(?) den Vulvas kommentieren statt dessen die eigenen Bemühungen mit Worten.

Der Stil, in dem das ganze dargestellt wird ist weder humoristisch, noch verklemmt, noch albern - sondern einfach nur offen und positiv, imho. Und tatsächlich ist der freie Umgang mit dem Thema meines Erachtens nach die größte Stärke des Programms.

Vermutlich haben Nina und Dennis das Programm bewusst nicht in die Folge mit einbezogen. Mir fielen einige Argumente ein, weshalb man es in dem Fall aussen vor lassen könnte. Aber vielleicht wäre das Programm in irgendeiner Form ja mal ein Thema für eine andere Folge.

Innerhalb meines Erfahrungshorizontes ist es zumindest, mit weitem Abstand, die beste Überschneidung von Computerspielen und Sexualität, der ich bisher begegnet bin.

♥︎F
Zuletzt geändert von Flo am 21. Nov 2018, 23:28, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Flo »

PS:

Hier noch ein kurzes Video, welches exemplarisch für die Tonalität stehen soll:
Und hier die offiziellen Hintergründe, seitens der Entwicklerinnen:

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Nina
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Re: Touchscreen #5: Aufklärungsspiele

Beitrag von Nina »

Hey! Du hast schon recht, dass das Projekt definitiv eine Erwähnung wert gewesen wäre, aber da es sich aus meiner Sicht nicht klar als "digitales Spiel" qualifiziert (wobei die Grenzen zugegebenermaßen bisweilen verschwommen und schwer zu definieren sind), ist es letzlich außen vor geblieben. Umso besser, dass Du nun darauf verweist - ganz herzlichen Dank!

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