Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

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Soulaire
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Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Soulaire » 23. Jan 2019, 18:57

Auch wenn viele richtige Punkte angesprochen wurden, würde ich bei einer These eindeutig widersprechen wollen.
Die offene Kunstform und ob es einen Autor oder mehrere gibt, die gleichbedeutend für ein Werk verantwortlich sind, sind zwei komplett unterschiedliche Dinge und sollten getrennt werden. Bei nur einem Autor wird das Spiel durch den Spieler nämlich ebenfalls zu einem offenen Kunstwerk. Daher ist das erstmal völlig unerheblich, wenn es nur einen Autor gibt.
Wie es in den Credits steht und wie es tatsächlich beim "Erschaffungs-Prozess abgelaufen ist, ist dann wieder etwas anderes.
Und ja der Spieler gilt in einer bestimmten Art und Weise auch als Autor, aber als einer der sich in den Räumen bewegt, die für ihn speziell designt worden sind.

Aber eins sollte klar sein, ein Werk mit einem Autor, der die kreativen Zügel in den Händen hält und eins wo viele Leute Mitspracherecht haben, werden sich grundlegend voneinander unterscheiden. Ob das eine oder andere besser ist kann per se nicht gesagt werden und wenn dann nur auf lange Sicht herausgefunden werden.
Das hat auch nichts mit der natürlichen Einzigartigkeit des Mediums Spiel zu tun. Zumindest bei den größeren Spielen wird diese Entscheidung nicht aus kreativer Sicht getroffen, sondern aus "machtpolitischer" Perspektive des Publishers oder der Geldgeber. Was aus finanzieller Sicht sicherlich nicht dumm ist.

Am Ende hat mich tatsächlich noch eine Sache aufgeregt. Es war die Rede von einem scheuen und stillen Game Designer und dass er wegen diesen Charakter-Eigenschaften ja gar kein Autor sein könne. Und das kann ich wirklich 0 nachvollziehen.....
War Stanley Kubrick etwa auch ein schlechter Autor, weil er kaum Interviews gab? Es wurde zuvor auch von werksunbekannten Autoren gesprochen, was ist dann mit denen?
Selbst ein Taubstummer kann ein Autor sein und es spricht erstmal nichts dagegen.

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Alienloeffel
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Alienloeffel » 23. Jan 2019, 20:31

Hörenswerte Kolumne mit ein paar sehr netten Gedankengängen. Ein paar Punkte sind auch angenehm streitbar, insbesondere bei einer Sache möchte ich widersprechen bzw hinterfragen:
Erwartet jeder Autor/jedes Spiel eine Lösung oder Antwort auf eine Frage die das Spiel selbst stellt?
Wenn ich in Doom in herausragendem Detail Dämonen mit den bloßen Händen zerreiße, ist die Antwort dann, das ich als Spieler die Möglichkeit wahrnehme das zu tun? Bei Spielen die mich vor ein Dilemma oder einen ethischen Konflikt (der muss einen ja nicht mit dem Hammer treffen), stimme ich voll und ganz zu, kann mir das aber bei einigen spontanen Einfällen einfach nicht nachvollziehen. Dem kann ich also nicht ganz folgen oder behaupte, dass das nicht auf alle Spiele zutrifft. Oder habe ich was falsch verstanden?

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Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Skizzenbildner » 23. Jan 2019, 20:32

Da Nicolas Freund als Autor der SZ-Artikels in der Kolumne ja sehr direkt und mehrfach kritsiert wird: Hat er von Wolfgang beziehungsweise von ThePod einen Zugang zur Folge oder zumindest eine Abschrift als Leserbrief erhalten? Fände es gerade in diesem Fall sehr unglücklich, wenn dem Kritisierten keine Möglichkeit zum Hören oder Lesen und damit auch zur Auseinandersetzung mit den in der Kolumne aufgemachten Argumenten gegeben würde.

Überhaupt fände ich es sehr bedauerlich, wenn der durch diesen Artikel angeschobene und in den letzten Tagen spürbare Diskurs dadurch verarmen würde, dass diese - übrigens sehr treffende - Kolumne von Wolfgang nur Unterstützern und damit einem begrenzten Publikum zugänglich bleibt. Der vergleichsweise junge Autor Nicolas Freund war inzwischen - jeweils frei hörbar - schon bei mehreren anderen Podcasts zu Gast und hat sich u.a. bei InsertMoin mit Christian Huberts, bei GameStar mit Daniel Ziegener und bei detektor.fm mit Rainer Sigl seinen Kritikern im direkten Gespräch gestellt. Auch sein Artikel ist aktuell frei im Netz verfügbar, so dass ich zu dem Schluss komme, dass auch Wolfgangs Kolumne im Interesse des Diskurses einem breiteren Publikum zugänglich gemacht und das Gespräch dadurch am Leben erhalten werden sollte.
Zuletzt geändert von Skizzenbildner am 23. Jan 2019, 20:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Andre Peschke
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Andre Peschke » 23. Jan 2019, 20:38

Soulaire hat geschrieben:
23. Jan 2019, 18:57
Selbst ein Taubstummer kann ein Autor sein und es spricht erstmal nichts dagegen.
Pun intended? :D

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Soulaire
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Soulaire » 23. Jan 2019, 20:41

Andre Peschke hat geschrieben:
23. Jan 2019, 20:38
Soulaire hat geschrieben:
23. Jan 2019, 18:57
Selbst ein Taubstummer kann ein Autor sein und es spricht erstmal nichts dagegen.
Pun intended? :D

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Freitag
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Freitag » 23. Jan 2019, 21:08

Skizzenbildner hat geschrieben:
23. Jan 2019, 20:32
Überhaupt fände ich es sehr bedauerlich, wenn der durch diesen Artikel angeschobene und in den letzten Tagen spürbare Diskurs dadurch verarmen würde, dass diese - übrigens sehr treffende - Kolumne von Wolfgang nur Unterstützern und damit einem begrenzten Publikum zugänglich bleibt.
Die Debatte wird aber auch einfach nicht alt, oder? Zu jeder Kolumne kommt garantiert genau diese Frage mit der gleichen Antwort: Nein. Und es nervt wirklich nur noch.
Hier muss nunmal für den Content gezahlt werden und die Podcaster haben mehrfach gesagt, dass es keinen Sinn macht, "Leuchtturmfolgen" oder solche, die eine Kontroverse anstoßen, da rauszunehmen.

Zum Thema: Ich muss mir den entsprechenden Gamestar-Podcast nochmal aufmerksam anhören und den ursprünglichen Artikel vollständig lesen, aber so wie von Wolfgang dargestellt, klingt die These des Autors merkwürdig.
Die Kunstdebatte mal beiseite, es wird nicht alles - oder überhaupt vieles - "besser", nur weil sich die "Autoren" mehr in den Mittelpunkt stellen. Dafür sind Spiele in der Entwicklung zu komplex. Und gerade bei Filmen muss ich mich doch auch explizit mit der Materie beschäftigen, um zu wissen, wer den Film gedreht, das Drehbuch geschrieben hat etc. Und gerade da stehen oft genug nur die Produktionsfirmen, die Marke und besonders berühmte Schauspieler im Vordergrund. Die Besprechung klappt trotzdem - eben genau wie bei Videospielen.
Im Gamestar-Podcast fiel von Herrn Freud der Satz, bei Spielen hätte der Publisher quasi gar keinen Einfluss auf das fertige Spiel. Lässt dann doch an seiner Kompetenz zweifeln.

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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Skizzenbildner » 23. Jan 2019, 21:17

Freitag hat geschrieben:
23. Jan 2019, 21:08
Skizzenbildner hat geschrieben:
23. Jan 2019, 20:32
Überhaupt fände ich es sehr bedauerlich, wenn der durch diesen Artikel angeschobene und in den letzten Tagen spürbare Diskurs dadurch verarmen würde, dass diese - übrigens sehr treffende - Kolumne von Wolfgang nur Unterstützern und damit einem begrenzten Publikum zugänglich bleibt.
Die Debatte wird aber auch einfach nicht alt, oder? Zu jeder Kolumne kommt garantiert genau diese Frage mit der gleichen Antwort: Nein. Und es nervt wirklich nur noch.
Hier muss nunmal für den Content gezahlt werden und die Podcaster haben mehrfach gesagt, dass es keinen Sinn macht, "Leuchtturmfolgen" oder solche, die eine Kontroverse anstoßen, da rauszunehmen.
Halte diese Folge für einen Ausnahmefall, weil sie sich sehr direkt und kontrovers auf einen öffentlich verfügbaren Artikel bezieht und einen wichtigen Beitrag zu einer laufenden öffentlichen Debatte darstellt. Dass diese Frage allgemein zu jeder Kolumne von Wolfgang gestellt wird, ist mir bisher nicht aufgefallen. Jedenfalls habe ich diese Forderung noch nie erhoben und finde sie in dieser Pauschalität auch nicht richtig.
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Wolfgang Walk
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Wolfgang Walk » 23. Jan 2019, 21:24

Soulaire hat geschrieben:
23. Jan 2019, 18:57
Bei nur einem Autor wird das Spiel durch den Spieler nämlich ebenfalls zu einem offenen Kunstwerk. Daher ist das erstmal völlig unerheblich, wenn es nur einen Autor gibt.
Wo habe ich davon geredet, dass ein Game notwendigerweise mehrere "Autoren" (sprich: Designer) haben muss, um offen zu sein?
Soulaire hat geschrieben:
23. Jan 2019, 18:57
Am Ende hat mich tatsächlich noch eine Sache aufgeregt. Es war die Rede von einem scheuen und stillen Game Designer und dass er wegen diesen Charakter-Eigenschaften ja gar kein Autor sein könne. Und das kann ich wirklich 0 nachvollziehen.....
War Stanley Kubrick etwa auch ein schlechter Autor, weil er kaum Interviews gab? Es wurde zuvor auch von werksunbekannten Autoren gesprochen, was ist dann mit denen?
Selbst ein Taubstummer kann ein Autor sein und es spricht erstmal nichts dagegen.
Auch dies missversteht mein Argument erheblich. Lies es Dir, bitte, noch mal ausführlich durch.

Wolfgang Walk
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Wolfgang Walk » 23. Jan 2019, 21:28

Alienloeffel hat geschrieben:
23. Jan 2019, 20:31
Hörenswerte Kolumne mit ein paar sehr netten Gedankengängen. Ein paar Punkte sind auch angenehm streitbar, insbesondere bei einer Sache möchte ich widersprechen bzw hinterfragen:
Erwartet jeder Autor/jedes Spiel eine Lösung oder Antwort auf eine Frage die das Spiel selbst stellt?
Wenn ich in Doom in herausragendem Detail Dämonen mit den bloßen Händen zerreiße, ist die Antwort dann, das ich als Spieler die Möglichkeit wahrnehme das zu tun?
Ja.
Alienloeffel hat geschrieben:
23. Jan 2019, 20:31
Bei Spielen die mich vor ein Dilemma oder einen ethischen Konflikt (der muss einen ja nicht mit dem Hammer treffen), stimme ich voll und ganz zu, kann mir das aber bei einigen spontanen Einfällen einfach nicht nachvollziehen. Dem kann ich also nicht ganz folgen oder behaupte, dass das nicht auf alle Spiele zutrifft. Oder habe ich was falsch verstanden?
Nicht jedes Problem ist ethisch oder gesellschaftlicher Natur. Ein Spiel eröffnet einen Möglichkeitenraum - und damit Entscheidungs- bzw. Diskursmöglichkeiten. Dabei habe ich die übergreifende Großthematik oder Natur der Debatte bewusst nicht spezifiziert. Die kann sich um das Thema drehen, ob man die Tetrisklötzchen rechts oder links rum dreht - oder eben auch, ob die Ausklammerung des Politischen in hyperrealistischen Shootern diese zu Gewaltporngrafie werden lässt. Meine Aussage ist - behaupte ich - allgemeingültig.
Zuletzt geändert von Wolfgang Walk am 23. Jan 2019, 21:47, insgesamt 2-mal geändert.

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Nachtfischer
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Nachtfischer » 23. Jan 2019, 21:31

Soulaire hat geschrieben:
23. Jan 2019, 18:57
Die offene Kunstform und ob es einen Autor oder mehrere gibt, die gleichbedeutend für ein Werk verantwortlich sind, sind zwei komplett unterschiedliche Dinge und sollten getrennt werden.
Wo genau wurden denn beide für äquivalent erklärt? Oder stört dich nur, dass sie gemeinsam in einem Text auftauchen? Mit "Autorenschaft" haben sie ja zumindest beide zu tun.
Bei nur einem Autor wird das Spiel durch den Spieler nämlich ebenfalls zu einem offenen Kunstwerk. Daher ist das erstmal völlig unerheblich, wenn es nur einen Autor gibt.
Auch hier: Hast du eine Textstelle, die besagt, dass ein Spiel von einem alleinigen Macher kein offenes Kunstwerk wäre?
Aber eins sollte klar sein, ein Werk mit einem Autor, der die kreativen Zügel in den Händen hält und eins wo viele Leute Mitspracherecht haben, werden sich grundlegend voneinander unterscheiden.
Zwei Werke von zwei verschiedenen Solo-Autoren unterscheiden sich nun aber in der Regel auch gerne grundlegend. Können wir da also spezifische Muster identifizieren? Der Volksmund würde sagen "Viele Köche verderben den Brei", aber Spiele sind nun nicht nur keine Romane oder Filme, sondern auch kein Brei. "Design by committee" wäre die modernere Variante, weshalb sich vielerorts mittlerweile "Vision-Keeper"-Rollen etabliert haben (bei größeren Produktionen übernimmt das in der Regel der Creative Director, ansonsten der Lead Designer o.ä.).

---
Alienloeffel hat geschrieben:
23. Jan 2019, 20:31
Wenn ich in Doom in herausragendem Detail Dämonen mit den bloßen Händen zerreiße, ist die Antwort dann, das ich als Spieler die Möglichkeit wahrnehme das zu tun? Bei Spielen die mich vor ein Dilemma oder einen ethischen Konflikt (der muss einen ja nicht mit dem Hammer treffen), stimme ich voll und ganz zu, kann mir das aber bei einigen spontanen Einfällen einfach nicht nachvollziehen.
Die (grundsätzlichste) Frage, die dir Doom stellt, ist: "Schaffst du diesen Level?" Die Antwort setzt sich dann zusammen aus Antworten auf viele, teils optionale, Unterfragen. Du interpretierst die "Frage" hier meines Erachtens zu sehr als eine nach konkreter narrativer Bedeutung.

---

Das bringt mich dann auch zurück zur Kolumne.
Wolfgang hat geschrieben:Genauso gut könnte sie von der Musik fordern, konkrete Bedeutung zu vermitteln.
Der Vergleich ist zwar eher eine Randnotiz, ich fand ihn beim Lesen aber bemerkenswert. Denn auch von Spielen wird ja gerne konkrete Bedeutung verlangt. Zumindest implizit, wenn der Großteil der sich am besten verkaufenden Titel der Welt allesamt konkrete, vorgefertigte Autorengeschichten erzählen. Das müsste ja nicht so sein. Ohne Anstrich und Erzählung ist Gameplay inhärent abstrakt. Seine Bedeutsamkeit liegt darin, den Spieler selbst zum "Künstler" zu machen und es ihm dabei zugleich zu ermöglichen, einen Blick auf das Innenleben seines Verstandes zu werfen. Die Sichtbarmachung und das Miterleben von Kreativitäts- und Lernprozessen im komplexesten Bauteil des menschlichen Organismus. Bedeutungslos? Eher nicht. Nur eben - wie Musik - nicht konkret.
Verstünden [sich die Game Designer] als Autoren, sie würden die Form beschädigen.
Take that, David Cage? :P Aber im Ernst: Hier würde mich interessieren, ob das bei allen Sorten von Spielen gleichermaßen der Fall ist. Klar, auch der narrative Designer soll nicht reiner Autor sein, aber wird es doch mehr sein müssen als der abstrakte Puzzle-Macher. Letztlich komme ich hier wieder bei zwei fundamental unterschiedlichen Ansätzen (interaktive Geschichten und mechanische Spiele), die wohl jeweils ihre ganz eigene Interpretation der Visionärsrolle benötigen.

Zum Schluss noch mein Lieblingszitat:
Wir schaffen Debatte. Und wenn das Design gelingt, dann ist diese Debatte herausfordernd, intellektuell aufrichtig und bereichernd. Dann und genau dann ist das Spiel gut!
Würde ich sofort so unterschreiben. Wobei man den Begriff der Herausforderung sicher noch diskutieren könnte. Bezieht der sich auf die Mechanik oder kann das Spiel auch narrativ fordern (und wenn dem so ist, was unterscheidet ihn dann von "bereichernd")? Aber für solche Spitzfindigkeiten ist die Formulierung eigentlich zu schön. :mrgreen:

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HerrReineke
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von HerrReineke » 23. Jan 2019, 21:32

Skizzenbildner hat geschrieben:
23. Jan 2019, 21:17
Halte diese Folge für einen Ausnahmefall, weil sie sich sehr direkt und kontrovers auf einen öffentlich verfügbaren Artikel bezieht und einen wichtigen Beitrag zu einer laufenden öffentlichen Debatte darstellt. Dass diese Frage allgemein zu jeder Kolumne von Wolfgang gestellt wird, ist mir bisher nicht aufgefallen. Jedenfalls habe ich diese Forderung noch nie erhoben und finde sie in dieser Pauschalität auch nicht richtig.
Gab die Diskussion beispielsweise schon hier und hier. Um mal Andre zu zitieren:
Andre Peschke hat geschrieben:
29. Mai 2018, 10:35
Die Menschen hatten bisher immer ein legitimes und nachvollziehbares Anliegen. Das zentrale Missverständnis ist: Wenn keiner für unser Angebot bezahlt, gibt es all diese Inhalte irgendwann gar nicht mehr. Und wir haben gesehen, wenn wir diese Inhalte einfach kostenlos anbieten, zahlt praktisch keiner freiwillig dafür. Das wird also die ganz, ganz, ganz, ganz, ganz seltene Ausnahme bleiben und auch das nächste hochaktuelle Thema mit hoher Relevanz wird hinter der Paywall bleiben, weil es da bleiben muss.
Für einen Ausnahmefall halte ich diese Folge auch nicht - sie bezieht sich zwar auf einen bestimmten öffentlich verfügbaren Artikel, aber auch das ist, sofern ich mich richtig erinnere, bei Wolfangs Kolumne schon ab und an der Fall gewesen (jedenfalls als Aufhänger für eine allgemeine Debatte). Seine Kolumnen betreffen eigentlich immer hoch aktuelle gesellschaftliche Diskussionen aus dem Bereich des Gaming (im weiteren Sinne im Zweifel). Für mich also eine "normale", großartige Folge Wortreich :)
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Wolfgang Walk » 23. Jan 2019, 21:34

AHHHH! WIE KANN MAN HIER EIGENE BEITRÄGE LÖSCHEN!!! :-D

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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Skizzenbildner » 23. Jan 2019, 21:36

Wolfgang Walk hat geschrieben:
23. Jan 2019, 21:34
AHHHH! WIE KANN MAN HIER EIGENE BEITRÄGE LÖSCHEN!!! :-D
Einen der netten Mods darum bitten. :)
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von HerrReineke » 23. Jan 2019, 21:38

Wolfgang Walk hat geschrieben:
23. Jan 2019, 21:34
AHHHH! WIE KANN MAN HIER EIGENE BEITRÄGE LÖSCHEN!!! :-D
Done :ugly:
Quis leget haec?

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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Skizzenbildner » 23. Jan 2019, 21:39

HerrReineke hat geschrieben:
23. Jan 2019, 21:32
Gab die Diskussion beispielsweise schon hier und hier. Um mal Andre zu zitieren:
Andre Peschke hat geschrieben:
29. Mai 2018, 10:35
Die Menschen hatten bisher immer ein legitimes und nachvollziehbares Anliegen. Das zentrale Missverständnis ist: Wenn keiner für unser Angebot bezahlt, gibt es all diese Inhalte irgendwann gar nicht mehr. Und wir haben gesehen, wenn wir diese Inhalte einfach kostenlos anbieten, zahlt praktisch keiner freiwillig dafür. Das wird also die ganz, ganz, ganz, ganz, ganz seltene Ausnahme bleiben und auch das nächste hochaktuelle Thema mit hoher Relevanz wird hinter der Paywall bleiben, weil es da bleiben muss.
Ging leider an mir vorbei. Stimme zu... auch wenn ich es im Sinne einer breiteren Debatte weiterhin bedauere.
Zuletzt geändert von Skizzenbildner am 23. Jan 2019, 21:56, insgesamt 2-mal geändert.
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Wolfgang Walk
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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Wolfgang Walk » 23. Jan 2019, 21:42

Nachtfischer hat geschrieben:
23. Jan 2019, 21:31
Wolfgang hat geschrieben:Genauso gut könnte sie von der Musik fordern, konkrete Bedeutung zu vermitteln.
Der Vergleich ist zwar eher eine Randnotiz, ich fand ihn beim Lesen aber bemerkenswert. Denn auch von Spielen wird ja gerne konkrete Bedeutung verlangt. Zumindest implizit, wenn der Großteil der sich am besten verkaufenden Titel der Welt allesamt konkrete, vorgefertigte Autorengeschichten erzählen. Das müsste ja nicht so sein. Ohne Anstrich und Erzählung ist Gameplay inhärent abstrakt. Seine Bedeutsamkeit liegt darin, den Spieler selbst zum "Künstler" zu machen und es ihm dabei zugleich zu ermöglichen, einen Blick auf das Innenleben seines Verstandes zu werfen. Die Sichtbarmachung und das Miterleben von Kreativitäts- und Lernprozessen im komplexesten Bauteil des menschlichen Organismus. Bedeutungslos? Eher nicht. Nur eben - wie Musik - nicht konkret.
Das ist sehr meta und sehr interessant weiter gedacht. Muss ich mal in Ruhe drüber nachdenken. Danke für die Idee.
Wolfgang hat geschrieben:Verstünden [sich die Game Designer] als Autoren, sie würden die Form beschädigen.
Take that, David Cage? :P Aber im Ernst: Hier würde mich interessieren, ob das bei allen Sorten von Spielen gleichermaßen der Fall ist. Klar, auch der narrative Designer soll nicht reiner Autor sein, aber wird es doch mehr sein müssen als der abstrakte Puzzle-Macher. Letztlich komme ich hier wieder bei zwei fundamental unterschiedlichen Ansätzen (interaktive Geschichten und mechanische Spiele), die wohl jeweils ihre ganz eigene Interpretation der Visionärsrolle benötigen.
Nein, wird nicht bei allen Spielformen gleichermaßen der Fall sein, aber es ist bei allen der Fall, wenn bei einigen (interaktiven Geschichten ala Heavy Rain) auch recht wenig.
Wolfgang hat geschrieben:Wir schaffen Debatte. Und wenn das Design gelingt, dann ist diese Debatte herausfordernd, intellektuell aufrichtig und bereichernd. Dann und genau dann ist das Spiel gut!
Würde ich sofort so unterschreiben. Wobei man den Begriff der Herausforderung sicher noch diskutieren könnte. Bezieht der sich auf die Mechanik oder kann das Spiel auch narrativ fordern (und wenn dem so ist, was unterscheidet ihn dann von "bereichernd")? Aber für solche Spitzfindigkeiten ist die Formulierung eigentlich zu schön. :mrgreen:
"Herausfordernd" ist für mich sozusagen die Zentralvokabel der Spielererfahrung. Das Game ist für mich der Antagonist des SPielers. Ist der nicht herausfordernd, macht er seinen Job nicht. Spielherausforderungen sind für mich Geschwister des narrativen Archetypen des Schatten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Dir dies als Erläuterung ausreicht. :-)

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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von philoponus » 23. Jan 2019, 22:24

Der arme Robert Walser wurde mit dem Martin Walser verwechselt. Ansonsten keine Einwände ;)

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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Wolfgang Walk » 23. Jan 2019, 22:52

philoponus hat geschrieben:
23. Jan 2019, 22:24
Der arme Robert Walser wurde mit dem Martin Walser verwechselt. Ansonsten keine Einwände ;)
Oh, Mist. Alles noch mal von vorne!
(Wenn man nicht alles doppelt und dreifach nachrecherchiert ... :-D )

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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Soulaire » 23. Jan 2019, 22:54

Wolfgang Walk hat geschrieben:
23. Jan 2019, 21:24
Soulaire hat geschrieben:
23. Jan 2019, 18:57
Bei nur einem Autor wird das Spiel durch den Spieler nämlich ebenfalls zu einem offenen Kunstwerk. Daher ist das erstmal völlig unerheblich, wenn es nur einen Autor gibt.


Wo habe ich davon geredet, dass ein Game notwendigerweise mehrere "Autoren" (sprich: Designer) haben muss, um offen zu sein?



"Dass ein Kunstwerk zwar eine Art Autor hat, der aber seine Rolle innerhalb eines viel größeren Zusammenhangs interpretieren muss, dass dieser größere Zusammenhang die Kultur der Entstehung dieser Kunstform prägt und einem überbordenden Individualismus nicht nur wenig Raum lässt, sondern dass dieser Individualismus sich sogar schädlich auf das Kunstwerk auswirken würde: das alles hat Herr Freund erahnt und auch irgendwie im Artikel untergebracht, ohne es als irgendwie legitim zu kennzeichnen. Für ihn sind die unterscheidenden Merkmale der Kunstform das Problem, wo sie feuilletonistischer Auftrag sein sollten".
Du sprichst davon, dass Spiele durch einen autoritären Autor und durch den damit zusammenhängenden Individualismus als Kunstwerk Schaden nehmen würden.
Und da bin ich anderer Meinung. Spiele sind trotz ihrer Einzigartigkeit (der Interaktivität) immer noch autoritär, daran ändert sich auch nichts wenn es keinen klassischen Autor gibt. Die Entscheidungsmöglichkeiten, egal wie interessant oder vielzählig sie sein können, sind immer noch "vorgegaukelte" Freiheiten. Was ja nichts Verwerfliches ist, sondern etwas was Kunst-(Formen) ausmacht. Stichwort Limitation.




"Und eine Diskussion hat niemals nur einen Autor, sondern mindestens so viele wie sie Diskussionsteilnehmer hat. Und Games haben zuweilen Millionen. Das Kunstwerk, das beim Spielen erst entsteht, entsteht so nur durch die Spieler. Die Kunstform verlangt ihn und kann ohne ihn nicht existieren, denn ohne ihn ist das Kunstwerk nicht greifbar existent."
Ich kann hier zwar nicht grundlegend widersprechen, aber der Fokus liegt mir zu sehr auf den Spielern. Ein Spiel ist ohne den Spieler nichts, aber ohne den Designer auch nichts. Und wie das Werk am Ende aufgenommen wird, dafür ist/sind zum großen Teil nur der Designer/ die Designer verantwortlich.




Soulaire hat geschrieben:
23. Jan 2019, 18:57
Am Ende hat mich tatsächlich noch eine Sache aufgeregt. Es war die Rede von einem scheuen und stillen Game Designer und dass er wegen diesen Charakter-Eigenschaften ja gar kein Autor sein könne. Und das kann ich wirklich 0 nachvollziehen.....
War Stanley Kubrick etwa auch ein schlechter Autor, weil er kaum Interviews gab? Es wurde zuvor auch von werksunbekannten Autoren gesprochen, was ist dann mit denen?
Selbst ein Taubstummer kann ein Autor sein und es spricht erstmal nichts dagegen.
Auch dies missversteht mein Argument erheblich. Lies es Dir, bitte, noch mal ausführlich durch.
habs mir nochmal durchgelesen.

"Und aus diesen Menschen will das Feuilleton Autoren machen? Man würde ihnen viel Glück wünschen, wäre man zynisch genug, die Kunstform fundamental unterminieren zu wollen."
Ich habe aus dem SZ-Artikel nicht herauslesen können, dass man irgendwem eine Autorenschaft aufdrängen wollen würde, der gar kein Autor ist. Viel mehr war doch der Punkt, dass den schon vorhandenen Autoren von Spielen mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, in welcher Form auch immer. Auf die Eigenverantwortung/Eigenversagen des Feuilletons in dem Bezug hast du ja richtigerweise hingewiesen.

Selbst ein stiller/scheuer Game Designer kann ein autoritärer lauter Autor innerhalb seines Werkes sein. Fand diese Verbindung zwischen den sozial-charakterlichen Eigenschaften eines Designers und dessen Ausdruck in einem Kunstwerk irgendwie fehl am Platz. Sehe da keinen allgemeingültigen Zusammenhang.
"Sie sind der Ort, an dem man eben nicht von selbstverliebten Lautsprechern zugemüllt wird"
In dem Zusammenhang kommen mir Werke mit einem autoritären Autor zu schlecht weg, auch wenn du die Verbindung nicht direkt aufmachst.
Ihr lobt doch auch Spiele mit einer politischen Botschaft wie "Papers Please". Wenn Lucas Pope kein Lautsprecher innerhalb seines Werkes ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Sehe auch bei weitem die Gefahr nicht, dass sich so viele Autoren über ihr eigenes Werk stellen würden.
Zuletzt geändert von Soulaire am 23. Jan 2019, 23:14, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Wortreich: Was fehlt, ist nicht der Autor

Beitrag von Soulaire » 23. Jan 2019, 23:07

Nachtfischer hat geschrieben:
23. Jan 2019, 21:31
Soulaire hat geschrieben:
23. Jan 2019, 18:57
Die offene Kunstform und ob es einen Autor oder mehrere gibt, die gleichbedeutend für ein Werk verantwortlich sind, sind zwei komplett unterschiedliche Dinge und sollten getrennt werden.
Wo genau wurden denn beide für äquivalent erklärt? Oder stört dich nur, dass sie gemeinsam in einem Text auftauchen? Mit "Autorenschaft" haben sie ja zumindest beide zu tun.

kleines Missverständnis. Es ging mir primär um den autoritären Autor und die Gegenüberstellung zu den anderen Autorenschaften, bei denen es natürlich ebenfalls nur einen einzigen Designer geben kann. Aber nicht muss, was der Unterschied zu einem autoritären Autor ist.
aber selbst die agieren in einer Art und Weise autoritär. Hab dazu was in meinem vorherigen Post geschrieben.

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