Runde #202: Die Zukunft ist umsonst (ft. Teut Weidemann)

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Heretic
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Heretic »

Taro hat geschrieben:
3. Mär 2019, 21:59
F2P macht nicht nur 99,9% aller Spiele schlechter als sie ohne F2P wären, sie machen bestimmte Spielprinzipien sogar komplett unmöglich, "What remains of Edith Finch" wurde hier ja schon angesprochen, auch solche Perlen wie Journey oder GRIS wären in einer Zukunft in der es nur noch F2P-Spiele gibt, einfach undenkbar.
Storybasierte Adventures oder Walking Sims könnte ich mir durchaus als GaaS-Games vorstellen: Games as a Series! :mrgreen:

Ernsthaft: Ein klein wenig geht es ja schon in die Richtung bei Episodenspielen. Man gibt die erste Episode billig oder kostenlos raus, um die Leute anzufixen und kassiert dann für den Rest (hat hier jemand Shareware gesagt..?). Aktuell sträuben sich Entwickler wie Dontnod noch, alle Episoden einzeln zu verticken, aber bei Telltale war das anfangs der Fall, wenn ich mich recht erinnere. Das ein derartiges Konzept funktionieren kann, hat z. B. "The Walking Dead" mit seinen immerhin vier Seasons bewiesen.

Gleichzeitig besteht natürlich die Gefahr, dass eine Geschichte immer mehr ins Triviale abdriftet, wenn sie immer weiter fortgesetzt wird. Auch dafür kann man "The Walking Dead" als Beispiel anführen - die TV-Serie noch viel mehr als die Videospielreihe.

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Axel
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Axel »

Heretic hat geschrieben:
4. Mär 2019, 11:08
die TV-Serie noch viel mehr als die Videospielreihe.
Auch in der aktuellen Staffel 9? Jetzt mit der neuen Showrunnerin ist TWD sehr viel besser geworden! 8-)
„Kein Wunder also, dass wir uns den Debatten der Allgemeinheit anschließen und lieber darüber nachdenken, wer zu uns gehört und nicht, als gemeinsam über Lösungen zu streiten. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“
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Heretic
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Heretic »

Axel hat geschrieben:
4. Mär 2019, 12:06
Auch in der aktuellen Staffel 9? Jetzt mit der neuen Showrunnerin ist TWD sehr viel besser geworden! 8-)
Bin erst bis Staffel 8 vorgedrungen. Ich finde, dass die Qualität ab Staffel 6 kontinuierlich nachgelassen hat. Womöglich hat sich die Serie für mich inwischen einfach totgelaufen ( :D ).

Ich werde aber mal reinschauen, sobald die neunte Staffel bei Amazon Prime verfügbar ist.

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Axel
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Axel »

Heretic hat geschrieben:
4. Mär 2019, 13:37
Ich werde aber mal reinschauen, sobald die neunte Staffel bei Amazon Prime verfügbar ist.
Solltest Du wirklich unbedingt. Also zwischen jetzt und Staffel 8 (wo ich selbst fast ausgestiegen wäre) liegen wirklich Welten in der Qualität der Drehbücher, Präsentation, usw. Eigentlich könnte man fast sagen, dass Staffel 9 durch die zwei größeren Zeitsprünge von mehreren Jahren (!) die Chance genutzt hat die Show nochmal komplett neu zu starten.
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Tom
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Tom »

Vorab: Ich spiele kaum Free2Play Spiele, da diese bislang meinen Spielegeschmack nicht abdecken. Trotzdem möchte ich zur Kritik an den Spielen etwas sagen:

Die Form der Monetarisierung hat in den allermeisten Fällen Auswirkungen auf das Spieldesign, auch bei klassischen Pay2Play Titeln. Ein recht klares Beispiel waren früher z.B. angeflanschte Multiplayermodi, die nicht zuletzt den Sinn hatten, Spielern einen Grund dafür zu geben, Spiele nach dem Durchspielen der Kampagne nicht bei Gamestop einzutauschen. Ein anderes Beispiel ist ein übermäßiger Fokus auf Grafik, um durch tolle Screenshots und Trailer zum (einmaligen, vorgelagerten) Kauf zu verführen. Ebenso beeinflusst die Entscheidung, ein Spiel im Pay2Play Modell zu veröffentlichen, Aspekte wie die Höhe der Budgets, den Umfang des Spiels, die Wahl der Thematik, des Genres, u.s.w.. Wer also Free2Play Spielen nachteilige Auswirkungen des Monetarisierungsmodells auf das Spieldesign vorwirft, sollte sich bewusst machen, dass es dergleichen auch bei klassischen Pay2Play Spielen gibt.

Ich bin mir nicht mal sicher, ob Free2Play Mechaniken nicht sogar zum Spielspaß beitragen können. Das Öffnen eines Kartenpakets oder einer Lootbox ist immerhin mit einer Spannung und ggf. auch mit einem Glücksgefühl verbunden, daher waren solche Mechaniken ja auch schon Bestandteil von Spielen, bevor sie durch Mikrotransaktionen monetarisiert wurden.

Manche Spielmodelle sind offensichtlich im Free2Play Modell besser aufgehoben, weil sie als Pay2Play schwierig umsetzbar sind. Beispielsweise zeigt Artefact wie schwer es ist, ein Sammelkartenspiel im Pay2Play Modell überhaupt populär und damit erfolgreich zu machen.

Ganz grundsätzlich kann man auch davon ausgehen, dass Unternehmen, die auf eine dauerhafte Kundenbeziehung setzen, eher an der Zufriedenheit ihrer Kunden interessiert sind, als Unternehmen, die ihren Kunden einmalig etwas verkaufen möchten.


Der eine Punkt, an dem allerdings selbst ich mit Argwohn auf das Free2Play Geschäftsmodell blicke ist die unterstellte suchterzeugende Wirkung.

Aber Jochens Verweis auf Studien ist mir da ehrlich gesagt zu dünn. Das Free2Play Spiele im Hirn ähnliche Auswirkungen haben wie Drogen oder Glücksspiele klingt überzeugend, muss aber nicht das heißen, wonach es klingt. Was ist denn die Folge dieser gemessenen Auswirkungen? Glücksgefühle/Befriedigung? Anspannung? Reduzierte Entscheidungsfähigkeit und Kontrollverlust? Was wurde denn gemessen? Hirnscans sollten jedenfalls nicht überinterpretiert werden. (Siehe z.B. hier:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 67591.html
https://www.spektrum.de/wissen/was-koen ... ht/1491877)

Wie sieht es denn mit Studien oder Berichten zu tatsächlich beobachteten negativen Auswirkungen aus? Registrieren Zentren für Computerspielesucht oder Schuldnerberatungsstellen statistisch auffällig viele Fälle von F2P Süchtigen? Gibt es Berichte von Menschen, die aufgrund von F2P Spielen finanzielle Probleme bekommen haben / sich aus sozialen Beziehungen zurückgezogen haben, weil sie nur noch F2P Spiele zocken / ihre Ausgaben bereuen und von einem Rauschzustand berichten, in dem sie mehr Geld ausgegeben haben als sie wollten? Gibt es Entzugserscheinungen, wenn F2P Spieler nicht mehr spielen können? Gibt es belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, wie Glücksspiele das Urteilsvermögen herabsetzen bzw. die Impulskontrolle unterbinden, und wirken Free2Play Spiele genauso?

So richtig viel gehört habe ich davon bislang noch nicht. Ich glaube zwar, dass der Vergleich mit Glücksspielen naheliegend ist, denn ansonsten könnte ich mir nur schwer erklären, warum Menschen hohe Beträge z.B. für manchmal recht schrottige Mobile-Spiele ausgeben. Noch halte ich es aber auch nicht für ausgeschlossen, dass die Behauptung einer Äquivalenz zu Glücksspielen auf motiviertem Denken aufgrund einer Aversion gegen das Geschäftsmodell basiert.

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derFuchsi
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von derFuchsi »

Tom hat geschrieben:
8. Mär 2019, 10:32
Ich bin mir nicht mal sicher, ob Free2Play Mechaniken nicht sogar zum Spielspaß beitragen können. Das Öffnen eines Kartenpakets oder einer Lootbox ist immerhin mit einer Spannung und ggf. auch mit einem Glücksgefühl verbunden, daher waren solche Mechaniken ja auch schon Bestandteil von Spielen, bevor sie durch Mikrotransaktionen monetarisiert wurden.
F2P Mechaniken sind halt unbeliebt weil sie halt gerne auf dem Prinzip basieren künstlich hergestellten Mangel durch Geld ausgleichen zu können (Begrenzte Leben / extremer XP Grind ...). Ist gerne bei Smartphone-Spielen der Fall. Dieser künstlich hergestellte Mangel trägt halt nicht dazu bei Spiele besser zu machen. Ist ja auch logisch sonst würde man ja kein Geld ausgeben.
Es gibt natürlich auch weniger negative Mechaniken. Womit ich jetzt z.B. weniger ein Problem habe sind kosmetische Items kaufen zu können die nicht spielrelevant sind und nicht in die eigentliche Spielmechanik eingreifen.
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Tom
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Tom »

Es ging mir in erster Linie darum, dass F2P Mechaniken Spiele nicht immer schlechter machen müssen. Das sie das oft tun, glaube ich auch.

In Deinem Beispiel hielte ich es aber für angebracht, das Spiel so zu bewerten, wie es sich mit einem angemessenen Budget spielt.

philipp_neu
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von philipp_neu »

Also ohne das jetzt mit Zahlen belegen zu können, würde ich meinen das F2P und sonstige Spiele bei der Suchtberatung nicht weiter differenziert werden. Es gibt ja genügend kostenpflichtige Spiele die auch z.B. zusätzliche Lootbox-Mechaniken beinhalten.

Was den Spielspaß angeht, die Frage muss sich jeder selber beantworten. Nehme F2P-Spiel xyz und baue es zu einem "normalen" Spiel um. Keine Lootboxen aber durch Spielen freischaltbarer Inhalt, kein Grind, keine Showstopper. Muss jeder selber wissen. Aber mir machen Spiele deutlich mehr Spaß wenn ich nicht die geile Rüstung nur für 10 € kaufen kann, sondern Sie im Spiel erhalten kann, oder ich nicht vom Spiel künstlich dazu gezwungen werde für Fortschritt Geld auszugeben.

Ich würde auch behaupten das Lootboxen schon vor F2P existiert haben in Form von Zufallsdrops, die F2P-Industrie hat daraus nur ein Geschäftsmodell gemacht.

Onsche
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Onsche »

Boah! Die Thesen von Teut sind aber extrem spitz und dabei war Jochen noch anwesend. :D

Also dystopischer hätte es Teut kaum zeichnen können. Was mich daran gestört hat ist, dass er er solche Umstände irgendwie erstrebenswert erachtet. Schon klar, er kommt direkt vom harten Business und Marketing, aber das er so gar keine Sicht eines leidenschaftlichen Gamers hat erschreckt mich extrem. Ich mein, ich kenne selbst ein paar Leute aus dem Gaming-Business doch die können trotzdem noch auch eine Haltung des Gamers annehmen.

Generell finde ich Teuts Thesen zu steil. Da musste selbst Jochen Gegenargumentieren, zurecht. Weil ganz ehrlich, laut Teut wird zukünftig alles nur noch F2P und Games as a Service (GaaS) sein, ich halte diese Aussage aber momentan für sehr gewagt. Zudem vergisst Teut was Games as a Service und/oder F2P für weitere Sparten eröffnet haben. Double-A-Titel etablieren sich nämlich jetzt auch wieder mehr als wunderbare Singleplayer-Alternative. Spiele wie Kingdom Come Deliverance, Vampyr oder Hellblade: Senua's Sacrifice zeigen großartig wie solche Singleplayer noch Erfolg haben. Sicher, solche Titel werden anders entwickelt und nicht immer ist alles polished, doch diese Nische musste als Gegengewicht gegen GaaS geboren werden.

Und ja, gewisse Studios und Publisher sind von GaaS-Titeln sicher abhängig, schließlich werden die Entwicklungen immer teurer. Aber ob GaaS die Spielelandschaft in dem Maße prägen wird wie Teut prophezeit halte ich für sehr gewagt. Denn der Markt bewegt sich ständig und ich weiß, für Massentrends in der Spieleindustrie gab und gibt es immer Gegenentwürfe. Machen andere Branchen ja nicht anders, wie Musik z.B. Denn nicht jeder hört Mainstream-Pop und genau dafür gibt es Alternativen die den Markt bereichern, beeinflussen und verändern. Das ist bei Spielen ehrlich gesagt kaum anders

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Dr. Zoidberg [np]
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Dr. Zoidberg [np] »

Tom hat geschrieben:
8. Mär 2019, 10:32
Ein recht klares Beispiel waren früher z.B. angeflanschte Multiplayermodi, die nicht zuletzt den Sinn hatten, Spielern einen Grund dafür zu geben, Spiele nach dem Durchspielen der Kampagne nicht bei Gamestop einzutauschen.
Finde das kein gelungenes Beispiel, denn bereits Ende der 90er / Anfang der 00er Jahre gab es viele Singleplayer-Spiele, die einen Multiplayer mitgeliefert haben, den kein Mensch gebraucht hat. Spiele wie No one lives forever z.B. Was ich damit sagen möchte: Das fand bereits statt, bevor man auf die Idee gekommen ist, Multiplayer-Pässe zu verkaufen.

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Tengri Lethos
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Tengri Lethos »

Onsche hat geschrieben:
9. Mär 2019, 13:41
Double-A-Titel etablieren sich nämlich jetzt auch wieder mehr als wunderbare Singleplayer-Alternative. Spiele wie Kingdom Come Deliverance, Vampyr oder Hellblade: Senua's Sacrifice zeigen großartig wie solche Singleplayer noch Erfolg haben. Sicher, solche Titel werden anders entwickelt und nicht immer ist alles polished, doch diese Nische musste als Gegengewicht gegen GaaS geboren werden.
Ich weiß nicht, ob ich mich über diese Singleplayer Alternativen wirklich freuen kann. Kingdome Come hat mich null angesprochen, Vampyr hat für mich nach der Wertschätzung keinen Appeal mehr gehabt, einzig Hellblade müsste ich mir mal anschauen. Und ich könnte mir vorstellen, dass Teut in Bezug auf Erfolg argumentieren würde, dass deine Beispiele (wobei ich bei Vampyr ein großes Fragezeichen an den Erfolg setzen würde, denn ich habe nicht den Eindruck, dass das jetzt finanziell ein großer Erfolg war) für Singleplayer Spiele ein Erfolg waren, aber dass man mit ähnlichem Aufwand einen viel höheren Ertrag hätte erzielen können. Das behagt mir auch nicht, da mir Singleplayerspiele sehr wichtig sind, aber ob wir nochmal soetwas wie ein Mass Effect sehen werden, bezweifle ich momentan sehr.

Etwas irrtierend fand ich Jochens insistieren darauf, dass die von Teut aufgezeigte Entwicklung schlechtere Spiele machen würde. Ich hab mich die ganze Zeit gefragt: Schlechter für wen? Für Jochen? Offenbar. Für mich? Auch. Für sehr viele Menschen, denen Story komplett egal ist? Nein.Das war mir etwas zuviel von "Was ein gutes Spiel ist, entscheidet mein Maßstab."

Ebenfalls verwundert war ich über Jochens Hinweis darauf, dass Lootboxen dieselben Rezeptoren im Gehirn ansprechen, wie Drogen. Das mag ja so sein, aber hatte André nicht in den Folgen, in denen es um "Spielesucht" geht auch einen Gast, der darauf hingewiesen hat, dass dies auch für jede Menge andere Dinge aus unserem Alltag gilt und allein die Tatsache, dass dieselben Rezeptoren angesprochen werden erstmal herzlich wenig sagt? Habe ich das falsch in Erinnerung? Falls nicht, hätte ich mir zumindest einen entsprechenden Hinweis von André gewünscht.

Ich fand die Folge insgesamt aber sehr gelungen, da ich jetzt besser verstehen kann, welche Überlegungen sich ein Entwickler / Publisher heute macht. Die müssen mir nicht gefallen, aber nachvollziehbar finde ich sie schon.

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Gonas
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Gonas »

Tengri Lethos hat geschrieben:
10. Mär 2019, 15:52

(wobei ich bei Vampyr ein großes Fragezeichen an den Erfolg setzen würde, denn ich habe nicht den Eindruck, dass das jetzt finanziell ein großer Erfolg war)
Laut den Medien soll es ein sehr großer Erfolg gewesen sein, wobei die sich anscheinend alle auf das hier beziehen (https://cdn.focus-home.com/admin/invest ... -2018-.pdf) und da stehen jetzt auch nicht allzu viele Infos.

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bluttrinker13
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von bluttrinker13 »

Coole Folge!

So eine hitzige Streitgespräch-Atmosphäre wie zwischen Jochen und Teut hätte ich mir übrigens auch für das Panel gewünscht. Das war wunderbar und spannend.

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Flo
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Flo »

Wow, habe die Folge eben angehört. Anfangs fand ich es noch sehr ärgerlich, dass Teut Weidemann mit fadenscheinigsten rhetorischen Mitteln sich um klare Aussagen drückte. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich den Eindruck bekam, dass er nicht mehr seine Position bewirbt, sondern sich öffentlich bloß stellt und war ganz zufrieden damit, dass er den Raum bekam sich in endlose logical fallacies (mir fällt gerade die deutsche Bezeichnung nicht ein.). Und jetzt versuche ich nüchtern einzuordnen, was ich gehört habe.

Unser Designlehrer hatte uns dargelegt, dass man - gerade wenn man zum Beispiel in der Werbung arbeitet - Spaß und Erfüllung im Designen finden kann, aber kein Geld. Das Geld verdient man nicht durch die Designarbeit, sondern indem man Kunden davon überzeugt, dass das sechzigseitige Designdokument, wo festgelegt wird, welche Farben verwendet werden, und wo im Briefkopf das Logo positioniert ist, hunderttausend Euro wert ist. Bei Teut Weidemann bekomme ich den Eindruck, dass er mit exakt der selben Weise Geld verdient. Ich hatte ständig den Eindruck im Subtext erklärt zu bekommen, dass seine Erfahrungen und Kenntnisse unglaublich viel Wert sind, bzw. dass ein Mangel daran noch viel teurer ist.

Ich habe letztens eine ganz wundervolle Playlist auf YouTube entdeckt namens 'The Alt-Right Playbook'.* Darin erklärt Ian Danskin auf welche Weise die politisch Rechte geschickt den öffentlichen Diskurs dominiert. Ich meine, wo sollte man die besten rhetorischen Methoden finden, wenn nicht bei den Leuten mit den schlechtesten Inhalten?

Ich möchte hier Teut Weidemann in absolut keiner Weise mit irgendwelchen politischen Positionen in Verbindung bringen. Argumentative Strategien sind vollkommen unabhängig vom Inhalt - mit den selben Mitteln könnte man auch für Umweltschutz kämpfen. Aber als ich die Episode gehört habe, musste ich ständig ans 'alt-right playbook' denken. Insbesondere wo er am Ende meint, er fand das Gespräch toll, weil er diskutiere gerne über kontroverse Dinge. Das merkt man, allerdings ist es nicht Diskussion mit dem Ziel am Ende schlauer zu sein, sondern Diskussion als sportliche Disziplin, wo man nach Punkten gewinnen kann und ein Abweichen der eigenen Position als Versagen gewertet wird.

Diese Episode hat tatsächlich meine Einstellung zu free2play Spielen im Allgemeinen beeinflusst. Ich halte sie jetzt für die sichtbare Eisbergspitze, eines ethikfreien hardcore Kapitalismus getriebenen Industriezweigs. Das Medium über welches hier Taschengelder gefarmt werden, scheint nur rein zufällig das Computerspiel zu sein. Andere Geschäftsmenschen machen das selbe per Kunsthandel, oder per Zielgruppenoptimierte Boybands, oder per Adam Sandler Filme. Malerei, Musik oder Film sind hier vollkommen austauschbar, es geht nicht um die Kunst sondern darum, dass hier Menschen bereit sind Geld auszugeben, "dass ein Markt existiert".

Die Menschen wollen Kunst, die Künstlerinnen wollen Kunst herstellen, Kunst bewegt sich von Künstlerin zu Menschen und Geld in die andere Richtung. In einem solchen Szenario tauchen zwangsläufig Menschen auf, die Geld aus diesem Kreislauf raus leiten wollen. Aber da das keine Künstlerinnen sind, müssen sie sich eben Marktanteile mittels Werbung, Marktdominanz, Geschäftsfusionen, Lobbyismus, Glückspielmechaniken, etc. erschließen. Unglücklicher Nebeneffekt ist, dass die ganzen Künstlerinnen gezwungen werden ihre Arbeitsweise anzupassen, oder nicht mehr von ihrer Arbeit leben können. Dadurch verändert sich mittelfristig der gesamte Markt und auch das Medium selbst.

Wenn tatsächlich der Kunde mit seinem Geld entscheidet welches Spiel gut ist, dann frage ich mich, wofür die ganzen oben genannten Mittel zur Erschließung der Marktanteile von den Unternehmen genutzt werden.

Ach.. Hm.. irgendwie habe gerade den Faden verloren. ... Ich möchte niemanden eine politische Position unterstellen. Oder irgendeine Arglist oder so. Auch wenn ich eine persönliche Position dazu habe, möchte ich die hier nicht propagieren oder so, ich versuche das nur analytisch zu betrachten.

Meh.


_
* https://www.youtube.com/watch?v=4xGawJI ... nzkA_HMFtQ
Zuletzt geändert von Flo am 31. Mär 2019, 21:38, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von lnhh »

Seh ich nicht so. Fuer mich haben zwei Parteien aneinander vorbeidiskutiert.

Teut: Wie mach ich mit meinem Game Kohle.
ThePod: Wie krieg ich als Spieler ein "objektiv" gutes Spiel.

Kann, aber muss nicht kongruent sein.
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derFuchsi
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von derFuchsi »

Teuts Argument ist halt: Geld hat Recht.
Mal des Teufels Advokat gespielt: Das beste Spiel ist das womit man die meiste Kohle verdient. Wären die Spiele so schlecht wie ein kleiner elitärer Kreis von Gamern denkt dann würden die Leute nicht so viel Geld für F2P ausgeben. Offensichtlich mögen nicht genug Gamer "gute" Spiele sonst könnte man damit ja mehr Geld verdienen.
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von Flo »

derFuchsi hat geschrieben:
31. Mär 2019, 22:05
Mal des Teufels Advokat gespielt: Das beste Spiel ist das womit man die meiste Kohle verdient. Wären die Spiele so schlecht wie ein kleiner elitärer Kreis von Gamern denkt dann würden die Leute nicht so viel Geld für F2P ausgeben. Offensichtlich mögen nicht genug Gamer "gute" Spiele sonst könnte man damit ja mehr Geld verdienen.
Einspruch euer Ehren!

Der Advokat stellt den Sachverhalt dar, als ob die Konklusion infrage steht. Aus dem Grund betont er diese mit dem Wort "Offensichtlich". Sie steht allerdings nicht zur Debatte. Damit möchte er lediglich davon ablenken, dass die Prämisse frei erfunden ist. Ich fordere den Advokat dazu auf folgende Prämisse zu belegen:

"Das beste Spiel ist das womit man die meiste Kohle verdient."

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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von derFuchsi »

Für Spielehersteller als Wirtschaftsunternehmen sind die monetären Argumente nun mal die einzigen die wirklich zählen.
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lnhh
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Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von lnhh »

Flo hat geschrieben:
31. Mär 2019, 23:06
Ich fordere den Advokat dazu auf folgende Prämisse zu belegen:

"Das beste Spiel ist das womit man die meiste Kohle verdient."
Warum sollte das belegt werden? Die Praemisse macht ja schon keinen Sinn. Wuerde bedeutetn, dass ein Gratis Spiel konsequent scheisse ist.

Du drehst dich auch im Kreis, oder hast das Problem der Diskussion nicht verstanden.

Es sind halt zwei Sichtweisen, (Firma/Spieler), die einfach nicht aufeinander passen.
Bisschen wie das klassische Shareholder/Stakeholder Value Prinzip.
Fuck Tapatalk

mark208

Re: Folge 202: Die Zukunft ist umsonst

Beitrag von mark208 »

Als Games noch gar nicht als feste Erwerbsquelle entwickelt wurden, wurde aber auch viel Schrott produziert. Es ist die deutsche Leidenschaft, Gewinnstreben zu dämonisieren, die vielen das Augenmaß verlieren lässt. Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo in der Mitte. Die Legende von dem heldenhaften Spieleentwickler, der von seinen bösen Geldgebern gehindert wird, ein gutes spiel abzuliefern, ist fast schon albern zu nennen.

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