Skandal um THQ

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Early
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von Early » 2. Mär 2019, 21:07

Rince81 hat geschrieben:
2. Mär 2019, 17:07
Es geht ja nicht darum, alle fünf Minuten einen neuen Sensationsartikel zu posten. Wenn aber die Washington Post ein misslungenen AMA eines deutschsprachigen Publishers für berichtenswert hält und dich die deutsche Spielepresse ausschweigt sorgt das bei mir zumindest für Irritationen...

Und ja, wenn THQ ausgerechnet bei The_Donald ein AMA veranstaltet hätte, wäre ich auch irritiert...
Ich würde mal vermuten, dass es daran liegt, dass 8Chan ein englischsprachiges Portal ist und dort auch scheinbar bedeutend bekannter/berüchtigster ist, als es im deutschsprachigen Raum der Fall ist. Deshalb haben ja auch viele Menschen hier (inklusive mir) noch nie was davon gehört. Und da handelt es sich immerhin um Leute, die durchaus in dieser Art von Materie "drin" sind.

Wenn ein kleiner US-Publisher eine PR-Aktion bei einem stark rechtsgerichteten Magazin bringt, wird darüber wahrscheinlich auch mehr im deutschprachigen Raum darüber berichtet als in deren Heimat. Denn dort können wahrscheinlich nur die wenigsten Menschen die politische Positionierung des Magazins nachvollziehen.

Im übrigen bin ich auch der Meinung, dass es in diesem Fall vernünftiger ist, den Bal so flach wie möglich zu halten. Je mehr darüber gestritten/diskutiert wird, umso mehr Menschen werden auf diese Seite aufmerksam.

Am meisten sollten sich wahrscheinlich Marketing/PR-Fachkurse damit beschäftigen - damit in der Ausbildung künftig besser auf die Gefahren von solchen Dingen hingewiesen wird.

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Leonard Zelig
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von Leonard Zelig » 2. Mär 2019, 22:55

Early hat geschrieben:
2. Mär 2019, 21:07
Ich würde mal vermuten, dass es daran liegt, dass 8Chan ein englischsprachiges Portal ist und dort auch scheinbar bedeutend bekannter/berüchtigster ist, als es im deutschsprachigen Raum der Fall ist. Deshalb haben ja auch viele Menschen hier (inklusive mir) noch nie was davon gehört. Und da handelt es sich immerhin um Leute, die durchaus in dieser Art von Materie "drin" sind.
Irren ist menschlich. Mich würde die Sache auch nicht sonderlich stören, wenn sie da blauäugig reingegangen wären und dann die Sache abgebrochen hätten. Dann könnte man davon ausgehen, dass es einfach nur ein Fehler war und sie vorher nicht den Namen der Community gegooglet haben.

Aber sie haben das AMA trotz lauter White Supremacists, Pädophilen etc. einfach 45 Minuten durchgezogen und den Nutzern normal geantwortet ohne Unmut, Kritik oder Ähnliches zu äußern. Auch als Nicht-Amerikaner weiß man bei "Heil Hitler" als ersten Kommentar worin die Reise hingeht. Vor allem als Österreicher wäre es doch sehr unwahrscheinlich, dass man mit dem Namen nichts anfangen kann.

Natürlich macht sie das nicht zu Nazis oder Pädos. Aber wenn man sowas wie 8Chan witzig findet, der Tweet "Wir machen ein AMA auf 8Chan und wissen nicht warum" klingt ja zumindest danach, dann sieht das für mich nicht wie ein dummer Fehler aus. Sondern wie Trolling.
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Early
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von Early » 2. Mär 2019, 23:15

Leonard Zelig hat geschrieben:
2. Mär 2019, 22:55
Irren ist menschlich. Mich würde die Sache auch nicht sonderlich stören, wenn sie da blauäugig reingegangen wären und dann die Sache abgebrochen hätten. Dann könnte man davon ausgehen, dass es einfach nur ein Fehler war und sie vorher nicht den Namen der Community gegooglet haben.
Erstens wurden derartige Einträge ja sowieso gelöscht und zweitens sehe ich die Sache nicht so eindeutig, dass man die Sache gleich abbricht. Die Nazi-Trolle hast du bei fast jedem größeren Medium in den Kommentaren. Natürlich werden die dann auch immer so schnell wie möglich gelöscht, wenn da bei einem Chat aber ein paar Ewiggestrige herumtrollen, dann weiß ich nicht, ob ich da deshalb gleich den ganzen Chat deshalb vorzeitig beenden würde. Vor allem, wenn ich die Sache mit 8Chan im Vorfeld eh nicht kannte bzw. unterschätzt habe. Da ändere ich nicht meine Meinung/Einstellung innerhalb von weniger Minuten wegen ein paar Chat-Einträgen.
Leonard Zelig hat geschrieben:
2. Mär 2019, 22:55
Natürlich macht sie das nicht zu Nazis oder Pädos. Aber wenn man sowas wie 8Chan witzig findet, der Tweet "Wir machen ein AMA auf 8Chan und wissen nicht warum" klingt ja zumindest danach, dann sieht das für mich nicht wie ein dummer Fehler aus. Sondern wie Trolling.
Werbung/PR will natürlich provozieren, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wäre nicht das erste Mal, dass so etwas auch gewaltig in die Hose geht. Ich glaube aber nicht, dass hier ernsthaft versucht wurde, mit Nazi/Kinderporno-Sachen absichtlich für Provokation zu sorgen. Da wurde eher versucht, ein bisschen das rebellische Image zu schaffen. Und das ging daneben.

Abgesehen davon glaube ich nicht, dass der erlittene Schaden sonderlich groß ist. Man sieht's ja an den meisten Postings hier. Den meisten ist 8Chan nicht sonderlich geläufig und dementsprechend entspannt sehen viele die ganze Sache. Die paar Artikeln in den Medien sind in ein paar Wochen vergessen. Am ehesten wird's noch diesen PR-Typen erwischen, der sicherlich um seinen Job bangen wird müssen.

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Leonard Zelig
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von Leonard Zelig » 3. Mär 2019, 00:40

Early hat geschrieben:
2. Mär 2019, 23:15
Abgesehen davon glaube ich nicht, dass der erlittene Schaden sonderlich groß ist. Man sieht's ja an den meisten Postings hier. Den meisten ist 8Chan nicht sonderlich geläufig und dementsprechend entspannt sehen viele die ganze Sache.
In amerikanischen Foren gibt es schon einige User, die angekündigt haben in Zukunft keine Spiele mehr von THQ Nordic zu kaufen. Aber die dürften wohl eher eine Minderheit darstellen. Weiß nicht, ob es entscheidend ist ob einem 8Chan geläufig ist oder nicht. Wenn man Artikel dazu liest oder den Podcast hier hört, erfährt man es ja.

Na ja, mal schaun ob es noch eine Stellungnahme von THQ Nordic geben wird oder es bei den paar Tweets bleibt.
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Tagro
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von Tagro » 3. Mär 2019, 06:15

Acsident hat geschrieben:
2. Mär 2019, 13:26
[...]
Ich möchte an der Stelle einen weiteren Interpretationsansatz bieten:
Nämlich den des Versuchs, sich als der „offene“ Publisher darzustellen.



Meiner Interpretation nach hat man bewusst dieses Forum gewählt. Denn in dem Forum darf man (fast) alles - auch fragwürdige Dinge - posten. Und die Botschaft diese PR-Stunts war gedacht als ein: „Wir als Publisher sind so offen. Wir verstecken und nicht hinter irgendwelcher Moderation. Wir als THQ-Nordic beantworten auch die unangenehmen Fragen. Wir als THQ-Nordic machen ein tabuloses Ask me anything.“
[...]
Dies ist ein wirklich interessanter Ansatz der einiges Erklären würde.
Dennoch kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen das dies ein geplanter PR-Stunt in Richtung „offener Publisher“ von THQ Nordic war. Denn bei einem geplanten PR-Stunt hätte man sich ja mit der Seite zumindest ein wenig auseinandergesetzt um sicherzustellen das auch genau diese Effekt auch eintreten kann. Dann hätte aber doch auffallen müssen was dort für ein Klima herrscht? :think:
Am Ende denke ich dies wird einfach nur simple Schusseligkeit gewesen sein, was nun dem Ruf von THQ noch lange extrem negativ nachhängen wird.



Allgemein dazu denke ich,
wenn man sich z.B. auf der Wikipedia Seite von THQ Nordic die Liste von Titeln ansieht, hätte viele Menschen dabei sicher nicht „THQ Marke“ als erste Verknüpfung im Hinterkopf.
Allgemein wenn man bei einem Spiele-Titeln nach einer Assoziation fragt, wird wohl nicht der Publisher als erstes im Kopf auftauchen, höchstens vielleicht der Entwickler, meist wohl eher Eindrücke aus dem Spiel selbst.
Andersrum wenn man jemanden in einer gewissen Zeit, wenn alles wieder abgekühlt ist, nach einer Assoziation zu THQ fragt, ist es sicherlich kein Spiele-Titel was als erstes im Kopf aufblitzen sondern: „THQ, Nazis, Kinderpornografie“. Dies ist es halt was länger hängen bleibt, und ein absoluter PR-GAU währe.

Das man den Verantwortlichen nicht sofort vor die Tür setzt halte ich für einen sehr guten Schachzug.
Jemanden bei einem groben Fehler zu feuern ist sicherlich eine naheliegend Redaktion. Doch sollte man bedenken das der Schaden nun sowieso schon angerichtet ist. Unter der Voraussetzung das dies keine böse Absicht war, sondern wirklich nur Schusseligkeit kann man diesen entstandenen Schaden aus einer anderen Perspektive auch als Investition in seinen Mitarbeiter betrachten. Denn diese Person wird, wenn sie einen gewissen Anspruch an die eigene Arbeitsleistung hat, in seinem gesamten Arbeitsleben nicht noch mal so einen gravierenden Fehler machen, sondern alles zwei und dreimal überprüfen.
Würde man ihn durch jemanden anderes ersetzen könnte man es wirklich nur noch als Verlust betrachten und hätte womöglich jemanden Neues der aus diesem Fehler nichts lernen konnte und irgendwann nochmal so einen Bock schießt.

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Osker
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von Osker » 3. Mär 2019, 10:13

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monieu
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von monieu » 3. Mär 2019, 12:47

Ich könnte mir vorstellen, dass es im Presseteam von THQ Nordic oder deren Umfeld einen Fürsprecher für 8chan gegeben hat. Man sollte nicht vergessen diese imageboards sind kompartimentalisiert. Eine Erfahrung, die man mit jedem gegliederten Forum machen kann: In einem Teil fühlt man sich wohl, hat einen positiven Austausch, kann kleinere Normverstöße gut ignorieren. In einem anderen Teil brennt die Bude und man bekommt es nicht mal mit. Auf der Basis dieser Erfahrung relativiert man den Ruf einer Plattform, auch wenn man ihn kennt.

Vielleicht hat sich also derjenige, der die Aktion entschieden hat, auf die Einschätzung von genau so jemandem verlassen, der 8chan kennt, aber aus eigener Erfahrung die kontroverse Seite der Plattform für übertrieben hält (und/oder niedrigere Standards ansetzt) und auch bei einem aversiven Ersteindruck Händchen gehalten hat. Mit der Zusicherung von Moderation war die Einschätzung vermutlich sowas wie, ist kontrovers aber kann man machen.

Reine Spekulation natürlich, aber es passt damit zusammen, dass betont Verantwortung für die Entscheidung übernommen wurde, passt zur anscheinend fehlenden Prüfung der Plattform im Vorfeld (sie wurde durch Vertrauen auf die Einschätzung substituiert), zum Umstand, dass man nicht sofort abgebrochen hat (man war auf ein gewisses Maß problematischer Erscheinungen eingestellt) und zur unbesorgt-jovialen Ankündigung (man hat sich von einer dummen Idee überzeugen lassen, bewertet als dumm wohlgemerkt nicht furchtbar).

--

Ich habe das mit Nordic auch nur halb im Scherz gesagt. In Abwesenheit von tieferen Kenntnissen, bildet sich der Eindruck anhand der ersten oberflächlichen Assoziationen. Nordic ist ein Kodewort für white supremacy, Kauf der Warhorse Studios, die sind bei den Leuten, die besonders negativ reagiert haben, sicherlich als Rassisten abgestempelt, dann das Auftauchen bei 8chan. Vielleicht nur unbewusst klickt im Kopf etwas zusammen und jetzt ist die Basisannahme, dass es sich um ein Unternehmen mit mindestens Sympathien für das rechte Spektrum handelt. Und jede Kleinigkeit, die dazu kommt, zementiert diesen Eindruck.

Stuttgarter
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von Stuttgarter » 3. Mär 2019, 13:21

monieu hat geschrieben:
3. Mär 2019, 12:47
[...] Kauf der Warhorse Studios, die sind bei den Leuten, die besonders negativ reagiert haben, sicherlich als Rassisten abgestempelt [...]
Es liegt mir fern, das ganze Warhorse Studio für eine Ansammlung von Rassisten zu halten, nur weil ihr Chef recht offensichtlich einer ist.

Und wenn man auf Leute hört, die Kinderpornographie für eine "übertriebene Kontroverse" halten - nun ja. Dann sollte man sich evtl. andere suchen, auf die man hören sollte. :ugly:

(Ernsthaft. Das ganze Altright- und Gamergatezeug macht die Plattform aus meiner Sicht zwar durchaus extrem unsympathisch, durch die Kinderpornogeschichte aber wird sie zum absoluten NoGo. Auch, wenn sie nicht gegen US-Recht verstößt.)

Jochen

Re: Skandal um THQ

Beitrag von Jochen » 3. Mär 2019, 13:28

Stuttgarter hat geschrieben:
3. Mär 2019, 13:21
Es liegt mir fern, das ganze Warhorse Studio für eine Ansammlung von Rassisten zu halten, nur weil ihr Chef recht offensichtlich einer ist
Es liegt mir fern, Rassisten zu verteidigen, aber so lange Vavra nicht die Höherwertigkeit (s)einer Rasse und/oder die Minderwertigkeit anderer Rassen propagiert (was er in dieser Form meines Wissens nie getan hat), dann hegt er womöglich ein anderes und vielleicht reaktionäreres Weltbild als du und ich, aber als Rassist bezeichnen wir ihn in diesem Forum trotzdem nicht. In diesem Forum gehen wir mit solchen Begriffen bedächtig und differenziert um, auch aus Respekt vor jenen Millionen Menschen, die von tatsächlichen Rassisten, Nazis und Co. industriell abgeschlachtet wurden. Für weitere Diskussionen steht mein privates Nachrichtenfach gerne offen. Hier bitte weiter on topic. Danke.

julzwie
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von julzwie » 3. Mär 2019, 14:41

Stuttgarter hat geschrieben:
2. Mär 2019, 13:11
Ich mag mich ja irren, aber ich hab noch niemand gesehen (zumindest hier), der die THQ-Mitarbeiter für irgendwelchen Dreck verantwortlich machen wollte, der auf der Chanseite stattfindet. Es geht drum, dass sie ihr AMA ausgerechnet dort, in diesem Umfeld gemacht haben. Und damit erstmal signalisieren (und das tun sie, ob gewollt oder nicht), dass sie an dieser Umgebung nichts anstößiges finden.

Das is so wie mit den ganzen besorgten Bürgern, die auf Demos neben Hitlergruß-zeigenden eindeutigen Neonazis herlaufen. Wenn Du Dich freiwillig in dem Umfeld bewegst, wird man Dich halt damit auch in Verbindung bringen. Und annehmen, dass Du das schon okay findest.

Darum gehts bei der THQ-Geschichte unter anderem. Um dieses fatale Signal.
Danke für deine Antwort und auch dafür, dass sie in normalem/respektvollen Ton kommt (Das ist ernst gemeint, kein Zynismus). Bei solchen Themen fliegen oft die Fetzen und umso mehr weiß ich es zu schätzen, wenn alle einen kühlen Kopf bewahren und freundlich miteinander umgehen. :)

Ich habe in diesem Forum auch niemanden gesehen, der das dem THQ-Mitarbeiter vorwirft (Ich habe aufgrund des Podcasts vermutet, dass das auf Twitter etc. stattfindet.).

Ich wollte nur allgemein dazu aufrufen genau zu differenzieren, wer wofür verantwortlich zu machen ist, da ich es in der Vergangenheit schon oft erlebt habe, dass Menschen schnell in einen Topf geworfen werden.

Was dein Beispiel mit der Demo betrifft würde ich dir zustimmen, wenn die jeweilige Person regelmäßig an einer derartigen Demonstration teilnimmt. Wenn jemand einmalig zu einer solchen Demo geht (z.B. mit falschen Erwartungen) würde ich ihm nicht sofort einen gedanklichen Strick daraus drehen. Auf die THQ-Geschichte übertragen würde das bedeuten: Wenn THQ wöchentlich ein AMA auf 8-Chan veranstaltete, würde ich ihnen auf jeden Fall schwere Vorwürfe machen.

Grundsätzlich (Betonung auf 'Grundsätzlich' - Natürlich kann es Ausnahmen geben. Wo man die Grenze zieht ist wieder zu verhandeln.) sollte es aber - finde ich - möglich sein auch auf problematischen Plattformen/mit fragwürdigen Menschen zu kommunizieren, ohne dafür sofort abgeurteilt zu werden. Denn nur so kann man Unwahrheiten bekämpfen. Wenn man Konversation, Diskussion und Debatte grundsätzlich ausschließt, dann gibt es keine Möglichkeit andere Menschen und sich selbst dazu zu bringen, die eigenen Positionen zu hinterfragen. Beispielsweise fände ich es wünschenswert, wenn ich auf eine Zusammenkunft einer kommunistischen Partei gehen könnte um mit den Menschen dort zu diskutieren, ohne sofort als Kommunist abgestempelt zu werden. (Ich bemühe lieber das Kommunismusbeispiel, weil das NS-Beispiel im deutschen Sprachraum aus historischen Gründen sehr stark aufgeladen ist.)

monieu
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von monieu » 3. Mär 2019, 14:45

Stuttgarter hat geschrieben:
3. Mär 2019, 13:21
Es liegt mir fern, das ganze Warhorse Studio für eine Ansammlung von Rassisten zu halten, nur weil ihr Chef recht offensichtlich einer ist.
Vermutlich, weil du dich mit ihrem Werk auseinandergesetzt hast. Aber geh mal davon aus, dass es Leute gibt, die lange vor der Veröffentlichung von Kingdom Come: Deliverance sich nur auf der Basis von Aussagen von Daniel Vávra ein abschließendes Urteil über das gesamte Studio gebildet haben.
Stuttgarter hat geschrieben:
3. Mär 2019, 13:21
Und wenn man auf Leute hört, die Kinderpornographie für eine "übertriebene Kontroverse" halten - nun ja. Dann sollte man sich evtl. andere suchen, auf die man hören sollte. :ugly:

(Ernsthaft. Das ganze Altright- und Gamergatezeug macht die Plattform aus meiner Sicht zwar durchaus extrem unsympathisch, durch die Kinderpornogeschichte aber wird sie zum absoluten NoGo. Auch, wenn sie nicht gegen US-Recht verstößt.)
Es ist zwar nicht ganz vergleichbar, weil 8chan sich mit seiner Moderationspolitik mutwillig an die äußere Grenze des gerade noch tolerierten begibt, aber Youtube wurde gerade erst mit ganz ähnlichen Vorwürfen konfrontiert, worauf verschiedene Werbetreibende sofort abgesprungen sind. Trotzdem wird der durchschnittliche Nutzer keine Verpflichtung spüren, die Plattform zu verlassen oder jemanden vor diesem Aspekt zu warnen. Natürlich sind solche imageboards deutlich kleiner, aber der Effekt voneinander unabhängiger Erfahrungen tritt dort meines Erachtens genauso auf. (Es sei denn jedes einzelne Unterforum hätte die gleiche Kultur. Gehe ich nicht von aus, aber sagt mir falls doch. Ich werde das nicht persönlich überprüfen.)

Zur "übertriebene[n] Kontroverse": Nun wenn es legal ist, wird es Leute geben, die schon auf dieser Basis zu dem Schluss kommen, dass es auch kein Problem gibt, sonst würde der Gesetzgeber ja etwas tun. Sollte man auf diese Ansicht im PR-Bereich nicht hören? Wäre wohl besser. Aber mit einem Fürsprecher meine ich nicht zwangsläufig jemanden, der auf der Plattform "lebt", es kann auch jemand sein, der sich aufgrund begrenzter eigener Interaktionen zugetraut hat, sie einzuschätzen. Dunning, Kruger: Du hast vom Ausmaß deines Nichtwissens oft keine Vorstellung.

Dazu gehört übrigens auch in welchem Umfang der Name 8chan bei bestimmen Personenkreisen vorrangig mit Kinderpornographie assoziiert ist, anstatt etwa mit tabuloser Kommunikation. Und da reicht eine kritische Untermenge von Leuten, die diese Assoziation mit einer überaus starken Signalwirkung an die weit größere Menge von Leuten, die noch nie von der Plattform gehört haben, weitergeben. Vielleicht noch mit der Begleitbotschaft, das weiß doch jeder. Danach wird es sehr schnell schwer zu verteidigen, irgendetwas damit zu tun zu haben.

Stuttgarter
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von Stuttgarter » 3. Mär 2019, 16:47

monieu hat geschrieben:
3. Mär 2019, 14:45
Vermutlich, weil du dich mit ihrem Werk auseinandergesetzt hast. Aber geh mal davon aus, dass es Leute gibt, die lange vor der Veröffentlichung von Kingdom Come: Deliverance sich nur auf der Basis von Aussagen von Daniel Vávra ein abschließendes Urteil über das gesamte Studio gebildet haben.
Hab ich nicht, KC:D interessiert mich als solches keinen Meter. Ich hab mir stattdessen tatsächlich lange vor der Veröffentlichung von KC:D auf der Basis von Aussagen von Daniel Vavra ein ziemlich abschließendes Bild gemacht. Aber halt ausschließlich von Vavra. Von niemand sonst. Daraus leitet sich für mich weder ab, was das für Menschen sein mögen, die für ihn arbeiten - noch, was das für Menschen sein mögen, die seine Firma kaufen. Ich geb Dir aber insofern recht, dass es auf "beiden" Seiten (es gibt ja wieder mal nur zwei, wie mittlerweile so oft) zuviele Menschen gibt, die vermutlich weitaus weniger differenziert an die Sache rangehen.

Was mich zu Deinem anderen Punkt bringt, an den tatsächlich auch ich nicht differenziert rangehen will: 8chan. Wenn ich auf Wikipedia lese, dass dieses Board letztlich von jenen, welche für 4chan zu extrem waren, gegründet wurde, dann gibt das in meinen Augen relativ wenig Anlass zur Differenzierung. Selbst, wenn es dort einzelne Bereiche geben sollte, die total harmlos, evtl. sogar cool sein sollten - es gilt dann trotzdem, "es gibt kein Richtiges im Falschen". Und das unterscheidet es letztlich auch von Youtube, würde ich behaupten (ich hab keine Ahnung, womit Youtube grade konfrontiert wird): Youtube ist eine offene Plattform, die sich zwangsläufig damit rumschlagen muss, dass auf ihr von Usern auch widerliche Sachen eingestellt werden. Sie wurde aber nicht explizit dafür gegründet.

Zum Rest bleibt halt immer noch das schon mehrfach in der Diskussion gefallene Argument, dass ein Unternehmen wie THQ nunmal die verdammte Verantwortung hat, sich umfassend über einen Veranstaltungsort zu informieren, bevor sie ihn nutzt. Wenn sie das nicht tun - nun, dann haben sie schlimmstenfalls eben ein PR-Desaster am Hals.

Stuttgarter
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von Stuttgarter » 3. Mär 2019, 17:01

julzwie hat geschrieben:
3. Mär 2019, 14:41

Danke für deine Antwort und auch dafür, dass sie in normalem/respektvollen Ton kommt (Das ist ernst gemeint, kein Zynismus). Bei solchen Themen fliegen oft die Fetzen und umso mehr weiß ich es zu schätzen, wenn alle einen kühlen Kopf bewahren und freundlich miteinander umgehen. :)
Das muss ich hier, sonst werden Jochen und Co. stinkig. ;)
julzwie hat geschrieben:
3. Mär 2019, 14:41
Ich habe in diesem Forum auch niemanden gesehen, der das dem THQ-Mitarbeiter vorwirft (Ich habe aufgrund des Podcasts vermutet, dass das auf Twitter etc. stattfindet.).

Ich wollte nur allgemein dazu aufrufen genau zu differenzieren, wer wofür verantwortlich zu machen ist, da ich es in der Vergangenheit schon oft erlebt habe, dass Menschen schnell in einen Topf geworfen werden.
Okay, sorry, ich hatte Deine Aussage tatsächlich auf hier bezogen.
julzwie hat geschrieben:
3. Mär 2019, 14:41

Was dein Beispiel mit der Demo betrifft würde ich dir zustimmen, wenn die jeweilige Person regelmäßig an einer derartigen Demonstration teilnimmt. Wenn jemand einmalig zu einer solchen Demo geht (z.B. mit falschen Erwartungen) würde ich ihm nicht sofort einen gedanklichen Strick daraus drehen. Auf die THQ-Geschichte übertragen würde das bedeuten: Wenn THQ wöchentlich ein AMA auf 8-Chan veranstaltete, würde ich ihnen auf jeden Fall schwere Vorwürfe machen.
Nee, das seh ich anders. Es ist nicht verwerflich, in der "falschen Gruppe" gelandet zu sein - das kann einem ständig passieren. Wenn man dann in dieser Gesellschaft aber bleibt, auch nur ein einziges Mal - dann signalisiert man automatisch Akzeptanz. Ich hab in meinem Leben mittlerweile schon paar hundert Mal demonstriert, gegen/für die verschiedensten Sachen. Hätte ich bei irgend ner Demo festgestellt, dass in meinem Umfeld Dinge passieren, die ich nicht vertreten kann, wär ich sofort gegangen. Diese Frage hat sich übrigens einige Male gestellt - im Rahmen der S21-Demos kam es zu Hausbesetzungen, Sabotageaktionen, allen möglichen Formen des zivilen Ungehorsams. Und ich hab mir jedes Mal wieder die Frage gestellt, "bin ich bereit, mit meinem Gesicht dafür einzustehen?". Und glaub mir - wenn Nazis unsere Demos für sich entdeckt hätten, hätt ich Mittel und Wege gesucht, meinen Protest anders auszudrücken. Aber mit denen wär ich nicht ein einziges Mal auf einem Pressebild gelandet. Oder eben -
julzwie hat geschrieben:
3. Mär 2019, 14:41
Grundsätzlich (Betonung auf 'Grundsätzlich' - Natürlich kann es Ausnahmen geben. Wo man die Grenze zieht ist wieder zu verhandeln.) sollte es aber - finde ich - möglich sein auch auf problematischen Plattformen/mit fragwürdigen Menschen zu kommunizieren, ohne dafür sofort abgeurteilt zu werden. Denn nur so kann man Unwahrheiten bekämpfen. Wenn man Konversation, Diskussion und Debatte grundsätzlich ausschließt, dann gibt es keine Möglichkeit andere Menschen und sich selbst dazu zu bringen, die eigenen Positionen zu hinterfragen. Beispielsweise fände ich es wünschenswert, wenn ich auf eine Zusammenkunft einer kommunistischen Partei gehen könnte um mit den Menschen dort zu diskutieren, ohne sofort als Kommunist abgestempelt zu werden. (Ich bemühe lieber das Kommunismusbeispiel, weil das NS-Beispiel im deutschen Sprachraum aus historischen Gründen sehr stark aufgeladen ist.)
Natürlich wirst Du nicht automatisch zum Kommunisten, wenn Du mit Kommunisten diskutierst. :) Aber ich bin überzeugt davon, dass man auf öffentlichen Bildern schon den Unterschied sehen wird, ob Du mit einem Haufen erzürnter Kommunisten inhaltlich diskutierst - oder ob Du ihnen nicht widersprichst. Und damit zurück zu THQ: Ich mach ihnen nicht mal einen Strick draus, dass sie das AMA nicht sofort abgebrochen haben. Aber ihre Reaktionen auf das, womit sie dort konfrontiert wurden - die zeigen eben keinerlei Diskussion, keinerlei "Was fällt Euch eigentlich ein?", kein "Moment mal - sind wir hier etwa in ner Horde kinderfickender Nazis gelandet???". Das ist das Problem an der Sache. Hätten sie die Souveränität gehabt, irgendwann in den 45 Minuten dort zu schreiben, "So Leute, wir hatten keinerlei Ahnung, was das hier für ein Board ist, aber jetzt mal Tacheles: Punkt a) ist scheiße, Punkt b) ist scheiße, Punkt c) ist nicht nur scheiße, sondern nach unserem Verständnis illegal" - zumindest ich würde sie dafür feiern statt zu kritisieren.
Zuletzt geändert von Stuttgarter am 3. Mär 2019, 17:16, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Skandal um THQ

Beitrag von olipool » 3. Mär 2019, 17:07

Vielleicht bin ich ja zu naiv, aber ich habe mich beim Cast und auch beim groben "Blättern" durch die Nachrichten zu dem Thema gefragt, warum das ganze sooo groß aufgehangen wird. Auf meiner persönlichen Wichtigkeitsskala ist das nicht mehr als eine Randnotiz. Denn: es ist doch einigermaßen offensichtlich, dass hier irgendjemand dumm war und Fehler gemacht hat und das war es auch schon. Aber wenn ich allein die Überschriften der Googleergebnisse durchsehe und dann lesen muss: "Unterstützt THQ Kinderpornographie?" Sorry, aber an der Stelle kommen mir die "Berichterstatter" mindestens ebenso mit dem Klammerbeutel gepudert vor, wie der Verantwortliche fürs AMA. Man hat wieder eine Sau zum durchs Dorf treiben, juhu, eine klickfreudige Nachricht.

Es ist ja nicht so, dass THQ in geheimen Gesprächen mit der NPD versprochen hat, mehr Öfen in ihre Spiele zu bauen oder nun ernste Absichten bestehen, nur noch halbnackte Teens als Protagonisten auftreten zu lassen in ihren Spielen. Die Fakten sind doch da ziemlich klar (vielleicht auch nicht?). THQ hat mit großer Wahrscheinlichkeit nichts verbrochen oder Tendenzen in eine fragwürdige Richtung. WARUM zur Hölle frage ich mich, muss die ganze Welt nun darauf rumreiten? Vielleicht verstehe ich auch die Sprengkraft von 8chan einfach nicht. Aber selbst wenn ich mal vom Allerübelsten ausgehe, so ist sich dort rumzutreiben sicher blöd als Firma aber darum gehts in der ganzen Diskussion ja nur am Rande.

Was das nun für Folgen für THQ hat, so würde ich wetten, dass in einem Monat niemand mehr was dazu sagt, aber natürlich bleibt es in den Köpfen drin. Jedenfalls finde ich das ganze völlig unnötig und die Zeit, die darauf aufgewendet wird, völlig verpulvert. Wenn ein Journalist echte Verbindungen von THQ zu Kinderpornos findet: man gebe mir den ersten Stein. Aber so ist das einfach albern.

Und weil hier grad erwähnt wurde, Youtube sähe sich den gleichen Vorwürfen ausgesetzt und Werbepartner seien abgesprungen: diese Werbepartner haben zu 100% nicht ihre Beziehungen gekappt, weil sie doof finden, was Youtube (evtl.) böses macht, sondern weil ihre Kunden doof finden würden, wenn sie sich nicht zurückzögen.
Ist vielleicht ein wenig extrem, wie ich es hier schreibe, aber den Status Quo finde ich ebenso extrem.

monieu
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von monieu » 3. Mär 2019, 21:06

Stuttgarter hat geschrieben:
3. Mär 2019, 16:47
Hab ich nicht, KC:D interessiert mich als solches keinen Meter. Ich hab mir stattdessen tatsächlich lange vor der Veröffentlichung von KC:D auf der Basis von Aussagen von Daniel Vavra ein ziemlich abschließendes Bild gemacht. Aber halt ausschließlich von Vavra. Von niemand sonst. Daraus leitet sich für mich weder ab, was das für Menschen sein mögen, die für ihn arbeiten - noch, was das für Menschen sein mögen, die seine Firma kaufen. Ich geb Dir aber insofern recht, dass es auf "beiden" Seiten (es gibt ja wieder mal nur zwei, wie mittlerweile so oft) zuviele Menschen gibt, die vermutlich weitaus weniger differenziert an die Sache rangehen.
Na gut, wie auch immer. Mir geht es um ein assoziatives Feld in Abwesenheit von tieferer Detailkenntnis. Ich würde also nicht mal ein Versäumnis unterstellen. Es gibt genug Leute, die Spiele interessieren, die auch die politische Dimension dieses Kulturraums interessiert, die aber an so einem Spiel wie Kingdom Come: Deliverance keinerlei Interesse haben. Dann kann als einzige Assoziation mit dem Studio oder dem Spiel hängen geblieben sein, ach das sind doch die Leute/ist doch das Spiel von den Leuten, die keine people of colour in ihren Spielen haben wollen. Fände ich völlig verständlich, wenn man sich für Details nicht interessiert und nur wegen der Debatte darauf aufmerksam geworden ist.
Stuttgarter hat geschrieben:
3. Mär 2019, 16:47
Was mich zu Deinem anderen Punkt bringt, an den tatsächlich auch ich nicht differenziert rangehen will: 8chan. Wenn ich auf Wikipedia lese, dass dieses Board letztlich von jenen, welche für 4chan zu extrem waren, gegründet wurde, dann gibt das in meinen Augen relativ wenig Anlass zur Differenzierung.
Naja, das setzt schonmal voraus, dass du 4chan kennst und dieses Bild hast. Das lässt sich nicht verallgemeinern. Es gibt auch das Bild von 4chan als Wiege der Memkultur, wo manchmal Leute über die Stränge schlagen. Und davon ausgehend, klingt 8chan vielleicht nicht mal so schlimm. Unterschiede in der Bewertung ergeben sich schnell. Wenn man Berührung mit dieser Subkultur hat, wenn man das Phänomen vor allem durch die Negativerscheinungen kennengelernt oder erklärt bekommen hat, wenn man gewisse Werte wie eine extrem starke Betonung von Redefreiheit teilt usw.

Stell dir vor eine Person, die hier aktiv ist, empfiehlt das Forum ihrem Freundeskreis, wo bestimmte auf Egalität abzielende Sprachreglungen gepflegt werden. Jemand anders weißt dann auf den Thread zum "Gendern" hin und erklärt anhand diesem, dass es sich um eine toxische Umgebung handelt. Aus der Sicht der empfehlenden Person entspricht das Forum tatsächlich nicht dem Standard, den ihr Freundeskreis anlegt und den sie auch teilt, aber es gibt vermutlich positive Seiten, die geschätzt werden und zur Empfehlung geführt haben. Die Person hat eben eine Toleranz für diesen aus ihrer Sicht unschönen Aspekt, aber nur an dem Standard gemessen, wirkt es suspekt oder inkonsequent das Forum positiv hervorzuheben und sie muss sich rechtfertigen.
Stuttgarter hat geschrieben:
3. Mär 2019, 16:47
Selbst, wenn es dort einzelne Bereiche geben sollte, die total harmlos, evtl. sogar cool sein sollten - es gilt dann trotzdem, "es gibt kein Richtiges im Falschen".
Eine Idee, an die ich nie geglaubt habe. Denn entweder hälst du die gesamte Menschheit für schuldig oder du ziehst offenbar irgendwo eine Linie. Wenn du so willst, gibt es nur Menschen, die in einem Moloch von Falschem manchmal das Richtige tun.
Stuttgarter hat geschrieben:
3. Mär 2019, 16:47
(ich hab keine Ahnung, womit Youtube grade konfrontiert wird):
https://www.theverge.com/2019/2/19/1822 ... -predators
Zuletzt geändert von monieu am 3. Mär 2019, 21:44, insgesamt 1-mal geändert.

error42
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von error42 » 3. Mär 2019, 21:17

Ist schon eine riesen Eselei, was THQ sich da geleistet hat. Ich persönlich vermute eher einen verunglückten PR-Stunt denn reine Unbedarftheit. Ich finde auch gut, daß es kritisiert wird, auch scharf kritisiert wird.

Aber noch bedenklicher finde ich die Empörungssucht, die da in manchen Artikeln zum Ausdruck kommt (zB Waypoint). Immer gleich das schlimmste unterstellen, egal wie absurd es ist (Spielepublisher sympathisiert mit Kinderpornographie!), solange man nur jemanden hat, auf den man eindreschen kann. Ziel ist eine Ausgrenzung und rhetorische Ausschaltung, nicht ein Zuhören, Verstehen und Überzeugen. Und dabei kapieren sie nicht einmal, daß damit der echte politische Extremismus auch noch verharmlost wird bzw. man sich zu einem Teil davon macht.

Wenn uns unsere freien Gesellschaften in den nächsten Jahren nicht um die Ohren fliegen sollen, brauchen wir mehr Leute, die in der politischen Mitte stehen und sich dazu auch bekennen. Die der Empörungssucht mit Besonnenheit begegnen. Wie gesagt, man soll ruhig deutlich kritisieren, aber keine Hetzjagden veranstalten.

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Leonard Zelig
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von Leonard Zelig » 3. Mär 2019, 22:39

olipool hat geschrieben:
3. Mär 2019, 17:07
Vielleicht bin ich ja zu naiv, aber ich habe mich beim Cast und auch beim groben "Blättern" durch die Nachrichten zu dem Thema gefragt, warum das ganze sooo groß aufgehangen wird. Auf meiner persönlichen Wichtigkeitsskala ist das nicht mehr als eine Randnotiz. Denn: es ist doch einigermaßen offensichtlich, dass hier irgendjemand dumm war und Fehler gemacht hat und das war es auch schon.
Das ist ja bei jedem Thema so, dass es auf der persönlichen Wichtigkeitsskala unterschiedlich gewichtet wird. Und klar, würden mich Videospiele nicht interessieren, dann wäre es mir auch egal. So wie es mir egal wäre wenn irgendeine Technoband (nicht meine Musik) ein AMA auf 8Chan veranstalten würde.

Sicher war es im Nachhinein betrachtet ein Fehler, aber ich glaube die wussten relativ genau was sie da tun. Nur vielleicht nicht, was für Kreise das ziehen würde. Aber es war kein Versehen. Sonst hätte man den Tweet mit dem Link zu 8Chan nicht erst nach 15 Stunden gelöscht und dann hätte man auch nicht 45 Minuten munter mitgemacht. Wir reden hier ja nicht von einem 20-Jährigen Praktikanten an seinem ersten Arbeitstag, sondern von Profis.

Es ist ein Schlag ins Gesicht für Opfer von kinderpornographischen Taten, von denen es leider viel zu viele gibt.

Bild

https://www.resetera.com/threads/how-ca ... t-18477038
monieu hat geschrieben:
3. Mär 2019, 21:06
Stuttgarter hat geschrieben:
3. Mär 2019, 16:47
Selbst, wenn es dort einzelne Bereiche geben sollte, die total harmlos, evtl. sogar cool sein sollten - es gilt dann trotzdem, "es gibt kein Richtiges im Falschen".
Eine Idee, an die ich nie geglaubt habe. Denn entweder hälst du die gesamte Menschheit für schuldig oder du ziehst offenbar irgendwo eine Linie. Wenn du so willst, gibt es nur Menschen, die in einem Moloch von Falschem manchmal das Richtige tun.
Das ist ja auch keine Idee, sondern ein Sprichwort. Und das "Falsche" ist hier nicht die gesamte Menschheit, sondern nur 8Chan. Wenn ich die Mitarbeiter von Donald Trump dafür kritisiere, dass sie für ihren Chef lügen und Dinge vertuschen, meine ich damit nicht alle Mitarbeiter von Politikern, sondern nur diejenigen die für Trump arbeiten.
error42 hat geschrieben:
3. Mär 2019, 21:17
Aber noch bedenklicher finde ich die Empörungssucht, die da in manchen Artikeln zum Ausdruck kommt (zB Waypoint). Immer gleich das schlimmste unterstellen, egal wie absurd es ist (Spielepublisher sympathisiert mit Kinderpornographie!), solange man nur jemanden hat, auf den man eindreschen kann. Ziel ist eine Ausgrenzung und rhetorische Ausschaltung, nicht ein Zuhören, Verstehen und Überzeugen. Und dabei kapieren sie nicht einmal, daß damit der echte politische Extremismus auch noch verharmlost wird bzw. man sich zu einem Teil davon macht.
Niemand in der englischsprachigen Presse hat derartiges unterstellt, auch nicht bei Waypoint. Stein des Anstoßes ist die Legitimierung der 8Chan-Community durch das Abhalten eines offiziellen AMA von THQ Nordic.

Ehrlich gesagt frage ich mich, wann diese Täter-Opfer-Umkehrung en vogue geworden ist. Jetzt ist auf einmal ein Multimillionendollar-Unternehmen das Opfer, auf das eingedroschen und dem nicht richtig zugehört wird. Dabei ist es doch der Pressesprecher von THQ Nordic, der sich in Schweigen hüllt und nicht die Spielepresse, die seine Aussagen ignoriert.

Es wäre ziemlich verlogen gegen politischen Extremismus auf die Straße zu gehen, aber beim eigenen Hobby einfach wegzuschauen. Bei 8Chan gibt es "echten politischen Extremismus"*, von daher wäre es wohl eher verharmlosend das alles für einen kleinen Fauxpas zu halten.

* https://www.cbc.ca/news/world/hillary-c ... -1.3736506
"The whole problem with the world is that fools and fanatics are always so certain of themselves, but wiser people so full of doubts."

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Re: Skandal um THQ

Beitrag von monieu » 4. Mär 2019, 01:00

Also allzu philosophisch wollte ich es eigentlich nicht werden lassen.
Leonard Zelig hat geschrieben:
3. Mär 2019, 22:39
Das ist ja auch keine Idee, sondern ein Sprichwort.
Bevor es sprichwörtlich benutzt wurde, war es erstmal eine Idee, oder nenn es eine Analyse oder Setzung. Von Adorno um genau zu sein. Entweder man versteht sie sehr simpel als man soll nichts Schlechtes akzeptieren - das fand ich immer trivial - oder sie ist unfassender gemeint, es gibt keine Möglichkeit das "Richtige" zu tun oder "richtig" zu sein, solange man sich im Rahmen des "Falschen" bewegt. Dann würde ich sagen, sie ist wiederum entweder eine Verdammung der Menschheit (war vermutlich gemeint) oder eben fehlgeleitet.
Leonard Zelig hat geschrieben:
3. Mär 2019, 22:39
Und das "Falsche" ist hier nicht die gesamte Menschheit, sondern nur 8Chan. Wenn ich die Mitarbeiter von Donald Trump dafür kritisiere, dass sie für ihren Chef lügen und Dinge vertuschen, meine ich damit nicht alle Mitarbeiter von Politikern, sondern nur diejenigen die für Trump arbeiten.
Nein, natürlich ist nicht die Menschheit falsch, sondern ihre Umstände. Die Menschheit ist nur schuldig in sie verstrickt. 8chan ist die kleine falsche Nußschale im globalen falschen Boot. Politiker sind da ein Paradebeispiel in ihrer ureigenen Umgebung. Welcher Politiker kann sich schon leisten, nur das zu tun, was er für richtig hält. Im besten Fall muss er, um einige für richtig gehaltene Dinge zu erreichen, viele Dinge mittragen, die er nicht vertritt vielleicht nichtmal wirklich vertreten kann. Und als Mitarbeiter ermöglicht man das. Also man muss kein Trump enabler sein, um unter den Flügel des "Falschen" zu geraten.

Das Prinzip halte ich für fragwürdig, denn ich glaube durchaus an das inkrementelle "Richtige". Aber hat wenig mit dem konkreten Fall zu tun.

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Re: Skandal um THQ

Beitrag von olipool » 4. Mär 2019, 09:56

Leonard Zelig hat geschrieben:
3. Mär 2019, 22:39

Es ist ein Schlag ins Gesicht für Opfer von kinderpornographischen Taten, von denen es leider viel zu viele gibt.

Bild
Das ist ohne Frage eine schreckliche Geschichte, die es garantiert zu Hauf gibt (was es jetzt schlimmer und nicht besser macht).
Aber da möchte ich doch mal wissen, welche Berichterstattung sich in den letzten Wochen um dieses Thema gekümmert hat? Vermutlich überschaubar. Aber jetzt mit THQ kann man sich mal schnell und einfach, ohne großen Aufwand positionieren. Und geht es den Publikationen wirklich um dieses Thema oder um Abgrenzung?

Wie gesagt, meine Meinung soll in keinster Weise Anspruch auf Richtigkeit oder Allgemeingültigkeit haben. Ich bin lediglich generell unglücklich über Presse/Nachrichten. Mir fällt als Parallele auch die WM in Russland ein. Schlimme Arbeitsbedingungen, sklavenartige Verhältnisse? Ach na komm, soll doch in erster Linie um Fußball gehen, berichten wir mal kurz aber dann bitte auf die Titelseite wie Deutschland gespielt hat. Wird irgendwo gehäuft über moderne Sklaverei (inkl. verschleppter Kinder für Pornographie) berichtet, in einem Außmaß, dem der Dringlichkeit gerecht würde? Ich glaube nicht. Weil am Thema gar nicht das große Interesse besteht (bei Presse und Leserschaft). Daher FÜHLT sich die THQ Debatte eben so falsch für mich an, weil es nicht um die schlimmen Dinge auf 8chan geht sondern um jemanden, der diese schlimmen Dinge "ja bestimmt gutheißen muss". Es ist in erster Linie ein "Opfer" gefunden, das Verfehlungen begangen hat.
Man könnte ja nun auch fragen, warum so viele Leute noch nie von 8chan gehört haben, nicht wissen, dass Sklaverei nicht abgeschafft ist und Kinder für Pornos verschleppt werden. Aber dass viele Leute jetzt wissen, dass THQ ja mal der richtig schwarze Peter in der Branche ist. Das meinte ich mit meiner persönlichen Wichtigkeitsskala. Was THQ gemacht hat, ist doch Pillepalle im Vergleich. Und ja, es triggert bei manchem schlimmste Erinnerungen und es ist auch nicht schön zu reden.


Aber ist es nicht für das oben zitierte Opfer kinderpornographischer Taten nicht ein noch viel größerer Schlag ins Gesicht, JEDEN Tag, wenn die Headline auf Seite 1 ist: Trump furzt auf Pressekonferenz. Oder: Madonna zeigt Nippel auf Konzert. Oder: Deutsche Bank mit Rekordgewinn.

Mit anderen Worten: halt die Klappe, deine Story ist nicht wichtig.

oscarmayer
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Re: Skandal um THQ

Beitrag von oscarmayer » 4. Mär 2019, 10:00

Für mich waren Opfer solcher Machenschaften auch immer eine anonyme Masse, zu der ich keinen Kontakt oder Bezug habe. Diesen Post eines Opfers zu lesen hat mich gerade wirklich hart getroffen...

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