Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

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Lurtz
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Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Lurtz » 27. Apr 2019, 11:15

Gamestar hat dieser Tage einen Kodex veröffentlicht, in dem sie neben einer Vorstellung aller Mitarbeiter schwarz auf weiß ausformulieren, was ihre journalistischen Werte sind und nach welche grundlegenden Kriterien sie sich in bestimmten Situationen verhalten. Kernaussage ist: "Wir helfen euch, das Beste aus eurem Lieblingshobby zu holen – redaktionell unabhängig und mit hohem journalistischen Qualitätsanspruch." Damit möchte man sich insbesondere von den Influencern abgrenzen.

Zu finden ist der Kodex hier:
https://www.gamestar.de/artikel/wer-wir ... 43279.html

Dazu gibt es heute noch eine Podcast-Folge. Ich habe ein paar der Punkte, die für mich sehr herausgestochen sind, auch weil ich mich in der Vergangenheit bei diversen Native-Advertising-Experimenten gefragt habe, wie das mit der propagierten Trennung von Anzeigenabteilung Redaktion zusammenpasst, hier einmal paraphrasiert:
-Gamestar möchte ein gutes Verhältnis zur Spiele-Industrie um (Exklusiv-)Informationen und (Vorab-)Spielversionen zu bekommen. Es kann ja nicht im Interesse der Leser sein, wenn Gamestar diesen Zugang nicht mehr hätte und damit nicht möglichst früh darüber informieren könnte.
-Gamestar möchte keinen Investigativ-Journalismus wie zB Kotaku betreiben. Es geht um "Spaßberatung" und Kaufberatung.
-Gamestar-Redakteure sind Fans von Spielen, haben aber ein zweites Ich, mit dem sie nüchtern, sachlich und objektiv über die Objekte ihres Fantums berichten.
-Fairness, auch gegenüber der Industrie, ist sehr wichtig. Wenn man, wie bei Anthem, die Wahl hat entweder über den grünen Klee zu loben oder zu verreißen, entscheidet man sich lieber für den Mittelweg.
-Relevanz heißt, es interessiert wirklich viele Menschen.
-Gamestar hat keine politische Agenda. Rassismus, Fremdenhass, "das Übliche", hat aber keinen Platz.

Was meint ihr, ist das in Zeiten von Fake News eine überfällige Selbsteinschätzung oder sollte selbstverständlich sein und ist damit mehr PR-Maßnahme? Erkennt ihr diesen Kodex, der sich in einigen Punkten ja auch deutlich von Projekten wie The Pod abgrenzt, in den Inhalten der Gamestar wieder?

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Vinter
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Vinter » 27. Apr 2019, 11:45

Bwahaha. Wir sind mal tief in uns gegangen und haben uns richtig hinterfragt. Dabei haben wir gemerkt, dass wir schon alles richtig machen. Alles bleibt wie es ist, aber jetzt wisst ihr auch wieso :D

Ich meine: Die Punkte sprechen ja schon für sich. Das ist die vollkommene Aufgabe jedwedes Standpunktes. Für investigativen Journalismus kein Geld, zur Erkundung des Mediums an den Randbereichen auch nicht, für kritische Berichterstattung kein Rückgrat (und zu wenig Durchsetzungsvermögen und Relevanz), für Abgrenzung zur Industrie gilt das gleiche und keine Angst, liebe Leser: Wir sind völlig unpolitisch, bei uns müsst ihr keine Angst haben, mit Meinungen konfrontiert zu werden, die euch nicht passen.

Und letztenendes belegt das auch ein ziemliches Desinteresse gegenüber dem Medium. Nehmen wir mal das Relevanzkriterium: Ich muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, welche Spiele viele Leser anziehen. Sollte es nicht gerade mein Anspruch sein, über diesen Tellerrand aus Multimillionen Dollar Marketingbudgets zu schauen, weil über diese Spiele eh überall geschrieben wird? Hier geben natürlich wieder die Strukturen das Ergebnis vor, nicht die Redakteure, aber dennoch: Das Schwarz auf Weiß aufzuschreiben und als Pro-Argument zu verkaufen, ist da besonders bitter.

Zusammengefasst: Wir brauchen echt dringend Geld und deshalb werden wir den Teufel tun und auch nur irgendwen vergraulen, erst recht nicht die Industrie, die uns füttert. Aufwand betreiben können wir auch nicht. Aber wir tun so, als handle es sich dabei um eine Form von Integrität. Das kann einem fast schon leid tun. Und natürlich ist das alles hinlänglich bekannt bzw leicht erkennbar. Aber dieser Spin ist echt mal... misslungen.

Erinnert mich an die Episode vor ein oder zwei Jahren, wo sie anfingen zu erzählen, dass sie zukünftig Mikrotransaktionen und Lootboxen in die Wertung einfließen lassen wollen und alle so: "Ähhhh... wie habt ihr das bislang vermieden?!"

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Schlagerfreund
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Schlagerfreund » 27. Apr 2019, 11:48

Ach so ein Kodex an sich ist ja keine schlechte Idee. Ich finde es auch okay wenn man ihn öffentlich macht.

Die Frage ist immer ob und wie glaubwürdig er letztendlich ist. Es gibt da hier und da Punkte bei denen ich Zweifel habe ob sie wirklich umgesetzt werden. Das wäre nämlich hier und da ein Kurswechsel um 180 Grad.

Gerade der Punkt Clickbait wäre schon für mich eine ziemliche Abkehr. Gefühlt ist die Gamestar da in den letzten 1-2 Jahren immer schlimmer geworden. Da gab es eigentlich jeden Tag ordentlich Clickbait. Ich bin ja auch durchaus mit der Gamestar aufgewachsen, bin aber mit der Online Fassung nie so warm geworden. Letztendlich habe ich die Seite nur besucht weil News oft recht aktuell waren und die Kommentarspalte oft recht amüsant sein konnten.

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Andre Peschke
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Andre Peschke » 27. Apr 2019, 12:03

Schlagerfreund hat geschrieben:
27. Apr 2019, 11:48
Gerade der Punkt Clickbait wäre schon für mich eine ziemliche Abkehr.
Das ist ein Definitionsproblem. Nach dem was ich lese, versteht die GS Clickbait als eine Headline, die etwas verspricht, dass der Inhalt dann gar nicht einlöst. Zum Beispiel hatten sie mal (aus dem Gedächtnis zitiert) eine Headline "Turtle Rock: Zusammenarbeit mit Valve war ein Albtraum" und die tatsächliche Aussage von Turtle Rock war, dass es ein Albtraum war über 800 Meilen Entfernung zwischen ihren Büros und Valve eine vernünftige Zusammenarbeit zu koordinieren. IIRC haben sie das dann korrigiert und sich entschuldigt, weil Clickbait.

Was aber viele User unter Clickbait verstehen ist auch jede Form von Sensationalisierung oder Headlines, die absichtlicht mit Clickbait-Mechanismen wie dem Information-Gap arbeiten ("Das neue Releasedatum von Mass Effect ist eine Enttäuschung für Fans" --> Clicke um zu erfahren, dass es zwei Wochen später erscheint --> kein Clickbait).

Die exakte Grenzziehung ist schon manchmal schwierig, wenn man es nicht konsequent extrem nüchtern angeht (was ja nichtmal wir tun, obwohl uns Reichweite egal ist).

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Lurtz
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Lurtz » 27. Apr 2019, 12:08

Andre Peschke hat geschrieben:
27. Apr 2019, 12:03
Das ist ein Definitionsproblem. Nach dem was ich lese, versteht die GS Clickbait als eine Headline, die etwas verspricht, dass der Inhalt dann gar nicht einlöst.
Genau, wurde auch im Podcast nochmal bekräftigt. Ablehnung von Clickbait soll nicht bedeuten, dass man keine interessanten Headlines mehr formulieren darf. Sonst könnte man auch Überschriften im Heft als Clickbait bezeichnen. Hm, das könnte Vinter jetzt wieder sehr zynisch auseinander nehmen :ugly:

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Vinter
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Vinter » 27. Apr 2019, 12:17

Hör bloß auf, jedesmal wenn ich im RSS Feeder sowas wie "Releasedatum für XY bekannt" lese, rollen sich meine Augen bereits in meinen Schädel. Da klick ich schon mit Absicht nicht drauf :mrgreen:

Da muss ich mal 4Players loben: Die haben (häufig? Immer?) die komplette Meldung mit im RSS-Feed. Das kann aus geschäftlicher Sicht allerdings auch keinen Sinn machen, da muss ich überhaupt nicht mehr klicken.

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Andre Peschke
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Andre Peschke » 27. Apr 2019, 12:30

Vinter hat geschrieben:
27. Apr 2019, 12:17
Das kann aus geschäftlicher Sicht allerdings auch keinen Sinn machen, da muss ich überhaupt nicht mehr klicken.
Nuja, es führt vllt dazu, dass die Leute deine Seite insgesamt wieder besuchen. Der GS geht es ja auch darum ihren Nutzern bestimmte Signale zu senden: "Vertraut uns", vornehmlich. Eine Seite wie 4P signalisiert mir implizit "dein Komfort ist uns wichtiger als Klicks" - das schafft auch Vertrauen, IMO, weil ich zumindest an der Stelle wahrnehmen würde, dass die Prioritäten mich als User vornean stellen. Deswegen hatten wir uns ja auch für "Taten statt Worte" entschieden, als es mal eine Diskussion über The-Pod-Ethikrichtlinien gab.

Andre

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Heretic
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Heretic » 27. Apr 2019, 13:01

Vinter hat geschrieben:
27. Apr 2019, 12:17
Hör bloß auf, jedesmal wenn ich im RSS Feeder sowas wie "Releasedatum für XY bekannt" lese, rollen sich meine Augen bereits in meinen Schädel. Da klick ich schon mit Absicht nicht drauf :mrgreen:
Ich musste tatsächlich erstmal drauf kommen, worüber du dich da jetzt genau echauffierst. :mrgreen:

Ich klicke da halt drauf, wenn ich das Releasedatum von XY wissen will. Wenn nicht, dann nicht. Keine große Sache.

Ich sehe bei den Online-News eher Meldungen als Clickbait an, die wenig bis nichts mit dem Thema Computerspiele zu tun haben. Aktuelles Beispiel: Game of Thrones. Ob's da auf einer Spieleseite wirklich mindestens eine News pro Folge braucht? Und ich Depp klicke meistens noch drauf, weil die erbosten "Spoiler!!11elf"-Kommentare diverser User so unterhaltsam sind. Mission accomplished, Gamestar! :clap:

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Vinter
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Vinter » 27. Apr 2019, 13:30

Ich hab halt mal gelernt, dass eine Headline so aufgebaut sein sollte, dass man die wichtigste Information mitnimmt, wenn man nur diese liest. Dann folgt der erste Absatz, der ebenfalls kompakt die wichtigsten Infos gibt und dann kommt der Text, der dass alles ein wenig weiter ausführt, so dass man als Leser mehrere Ausstiegsmöglichkeiten hat und trotzdem die Information mitnimmt. Aber das stammt natürlich auch noch aus einer analogen Zeit, als man vorher am Kiosk die Zeitung gekauft hat.

Prinzipiell würde ich ja sogar mitgehen und sagen "Dann klickste halt drauf", aber meist reicht ja nicht mal mehr das: Statt dass sie dir dann das Releasedatum nennen, folgen oft erstmal drei Absätze mit Trivia, bevor dann irgendwann versteckt das Datum steht. Mich nervt das.

Ironischerweise: Hier bei The Pod könnt ihr ruhig Clickbait machen - ich hab ja eh schon dafür gezahlt :ugly:

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schneeland
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von schneeland » 27. Apr 2019, 13:30

Vinter hat geschrieben:
27. Apr 2019, 12:17
Hör bloß auf, jedesmal wenn ich im RSS Feeder sowas wie "Releasedatum für XY bekannt" lese, rollen sich meine Augen bereits in meinen Schädel. Da klick ich schon mit Absicht nicht drauf :mrgreen:
Jap. Da denke ich mir jedes Mal: "na dann schreibt das fucking Releasedatum halt hin!" :evil:

Wobei das bei Tageszeitungen gefühlt noch schlimmer ist - ich versteh' auch nicht ganz, warum ich nicht wenigstens dann brauchbare Überschriften und Anreißer bekommen kann, wenn ich bezahle. Aber das wäre vermutlich schon zu viel Aufwand :roll:

Zum Thema:
Das klingt viel wie Selbstvergewisserung und "vertraut uns!". Kann man so machen, aber mir ist
Andre Peschke hat geschrieben:
27. Apr 2019, 12:30
"Taten statt Worte"
entschieden lieber. Entsprechend ist mein Gamestar+-Abo seit Anfang des Jahres gekündigt (und ich bin auch praktisch nicht mehr auf der Seite), aber mein The Pod-Abo lebt glücklich und zufrieden weiter.
"Hello, my friend! Pay a while, and listen!" (BlizzCon 2018)
"And now our RPG even has NPCs!" (Bethesda, E3 2019)

BlackSun84
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von BlackSun84 » 27. Apr 2019, 14:23

Gamestar ist nunmal ein Massenmarktmagazin, das ich seit fast 22 Jahren immer wieder gerne konsumiere und wo ich auch gerne ein Plusabonnent bin. Von solchen Rufen wie "Ihr seid doch gekauft." habe ich schon vor 20 Jahren nicht viel gehalten. In der heutigen Zeit müssen sich Magazine nunmal ausrichten und während z.B. The Pod durch Abonnenten auf eher ältere Nutzer mit Bereitschaft zum Zahlen setzt, setzt Gamestar auf die Masse, wobei es ja auch dort mittlerweile für zahlungswillige Kunden sehr gute Plusangebote gibt. Was halte ich nun von dem neuen Kodex? Muss ich sehen, wie dieser angewandt wird, denn solche eigenen Vorgaben gab es ja schon immer wieder, auch bei der Gamestar. Wichtiger ist mir am Ende eh, dass ein Redakteur,dessen Spielegeschmack ich kenne, mir ein Spiel empfiehlt oder halt davon abrät. Im Kern gibt es hier also nicht viel Neues gegenüber PC Player-Zeiten.

Schwierigkeiten sehe ich eher bei Gamersglobal, wo man so in der Zwischenphase von einem Gamestar und z.B. The Pod ist. Zu klein, um mit den Großen mitzuhalten, aber auch wieder zu groß, um als kleines Projekt zu laufen.

PS: Wenn übrigens Gamestar News zu Kinofilmen oder Serien bringt, finde ich das gut, denn es gibt, wohl nicht nur bei mir, durchaus Überschneidungen im Interesse. Und Game of Thrones nimmt aktuell ja jede Hausfrauenkochbuchseite mit.

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Heretic
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Heretic » 27. Apr 2019, 17:17

BlackSun84 hat geschrieben:
27. Apr 2019, 14:23
PS: Wenn übrigens Gamestar News zu Kinofilmen oder Serien bringt, finde ich das gut, denn es gibt, wohl nicht nur bei mir, durchaus Überschneidungen im Interesse. Und Game of Thrones nimmt aktuell ja jede Hausfrauenkochbuchseite mit.
Ich kann schon nachvollziehen, warum sie das tun. Im Falle von "Game of Thrones" finde ich nur die Menge der News etwas übertrieben. Auch wenn die wohl aktuell erfolgreichste Serie, zu der auch Spiele existieren, viele Gamestar-Leser interessiert, muss nicht jeder Drachenfurz totanalysiert werden.

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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von IpsilonZ » 27. Apr 2019, 18:21

Ich habe auch mein Plus-Abo vor ein paar Monaten gekündigt. Hatte wenig mit der Preiserhöhung zu tun (die nehme ich gerne hin, wenn mir das Produkt weiterhin gefällt) sondern war eher ein Weckruf für mich.
Dass es bei der Gamestar gute Redakteure (und Gastredakteure) gibt, bezweifel ich gar nicht. Geht für mich aber eben unter in Clickbait und ziemlich lieblos hingeklatschten Artikeln.

Es gab zum Beispiel zuletzt nen Artikel über die Spielerführung in Sekiro, was mich natürlich interessiert hat. Der Artikel hat dann auch interessant angefangen. Nämlich damit, dass man am Anfang des Spiels in der Ferne sein Ziel sieht und die Levelstruktur die ganze Zeit so aufgebaut ist, dass man dieses Ziel immer im Auge behalten kann und so ein Gefühl für die Orientierung bekommt und wie man nahe man am Ziel ist.
Aber nach wenigen Absätzen ist das Thema dann schon abgehakt gewesen. Man hätte noch so schön ins Detail gehen können, noch auf subtilere Dinge eingehen können (wie zum Beispiel das Spiel mit Perspektive spielt, um entweder Geheimwege zu verstecken oder den Spieler in eine Falle zu locken.. oder der Einsatz von Licht und anderen markanten Punkten). Aber nein. 4 Absätze, dann gings zu nem (ziemlich unfairen) Negativbeispiel und dann war der Artikel schon zuende. Das wirkte auf mich so, als hätte jemand sich da kurz n paar Minuten hingesetzt und einfach ein paar Dinge niedergeschrieben, ohne den Versuch zu unternehmen tiefer in die Materie einzusteigen.

Ich vermisse da also recht wenig, auch wenn mich Dennis Kogels Artikel über Twitch-Streamer grad schon interessieren würde...

Tom
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Tom » 27. Apr 2019, 20:23

Inhaltlich habe ich an den Kodex nichts auszusetzen. Er passt zu der Gamestar die ich kenne und gerne lese/schaue/höre: Dem marktführenden Spielemedium für die breite Masse der PC-Spieler, die allgemeine Spielenews sucht. Einem Begleitmedium für ein Hobby.

Der Kodex ist aber entsprechend harmlos und langweilig gehalten und enthält kein Versprechen an die Leser/Konsumenten, dass besonders attraktiv oder sympathisch wäre. Als PR-Maßnahme wäre es sicher besser, die Gamestar als besonders kritisches, investigatives Medium zu verkaufen.

Für mich lies sich der Kodex daher eher wie ein Mission Statement, welches mehr eine Richtlinie für die eigene Redaktion darstellt, als eine Information für die Öffentlichkeit.

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Lurtz
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Lurtz » 27. Apr 2019, 21:13

Vinter hat geschrieben:
27. Apr 2019, 11:45
Bwahaha. Wir sind mal tief in uns gegangen und haben uns richtig hinterfragt. Dabei haben wir gemerkt, dass wir schon alles richtig machen. Alles bleibt wie es ist, aber jetzt wisst ihr auch wieso :D

Ich meine: Die Punkte sprechen ja schon für sich. Das ist die vollkommene Aufgabe jedwedes Standpunktes.
[...]
Du hast das sehr negativ zusammengefasst aber im Grunde sind das die Aussagen, ja. Man möchte wirklich niemandem eine Meinung sagen, einfach nur informieren und vielleicht mal eine Kolumne schreiben, wo der Redakteur dann auch mal die eigene Meinung einbringen darf.

Ich denke Heiko Klinge ist als ehemaliger Making Games Chef auch nicht gerade industriefern. Musste schon ein paar Mal schlucken bei Aussagen in dem Podcast, andererseits ist mir jetzt bewusst, dass ich teils Dinge von Gamestar erwartet habe, die man gar nicht leisten will. An der Stelle war auch witzig als Michael Graf meinte er findet es bemerkenswert, dass ihnen immer noch die Gothic3-Wertung von vor 13 Jahren vorgeworfen wird, echte Lehren konnte man scheinbar aber bis heute nicht daraus ziehen. Letztlich steht in dem Kodex ja auch, dass man mit einem Produkt mit Relevanz im Grunde alles von Gamestar bekommen kann. Auch Vorabtests ohne Wertung. Für große internationale Titel ist das eh irrelevant, für die heimische Industrie und Gamestar ist es eine Win-Win-Situation.

Immerhin weiß man jetzt definitiv woran man ist - und gibt es bei redaktionellen Angeboten überhaupt Ausnahmen? Abgesehen von 4players, die teilweise keine Testmuster mehr bekommen, weil sie eben wirklich mal unfair sind und auch sprachlich relativ derbe Verrisse schreiben wird da nirgendwo mehr Anspruch herrschen.
Und der Erfolg gibt Ihnen insofern recht dass Gamestar tatsächlich das über alle Medien größte deutschsprachige Spieleangebot sein dürfte - und wirtschaftlich noch verhältnismäßig stabil wirkt.

Wobei mir Manches weiterhin überhaupt nicht klar ist. Das mit der Selbstauskunft bspw, gilt das nicht für freie Mitarbeiter? Ich habe jedenfalls in noch keiner Star Citizen Preview gelesen wie viel Benjamin Danneberg in Star Citizen investiert hat und dass er eine semiprofessionelle Fanseite zu dem Projekt betreibt.
Ebenso wirkt das mit der Trennung von Anzeigenabteilung und Redaktion in der Praxis oftmals wie ein Lippenbekenntnis wenn dann irgendwelche Native-Advertising-Kampagnen gefahren werden, wo die Hardwareabteilung von Gamestar als genannter Autor nVidia-Grafikkarten bewirbt.

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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Lurtz » 27. Apr 2019, 21:15

Tom hat geschrieben:
27. Apr 2019, 20:23
Der Kodex ist aber entsprechend harmlos und langweilig gehalten und enthält kein Versprechen an die Leser/Konsumenten, dass besonders attraktiv oder sympathisch wäre. Als PR-Maßnahme wäre es sicher besser, die Gamestar als besonders kritisches, investigatives Medium zu verkaufen.
Hör mal in den Podcast rein. Da wird sehr deutlich, dass man das nicht sein will.
Für mich lies sich der Kodex daher eher wie ein Mission Statement, welches mehr eine Richtlinie für die eigene Redaktion darstellt, als eine Information für die Öffentlichkeit.
Ist es tatsächlich. Heiko erzählt, dass die Idee ihn niederzuschreiben kam als Sandro Odak als neu angekommener Redaktionsleiter meinte, dass ihm gar nicht klar ist, was Gamestar eigentlich will. Und die eigenen Mitarbeiter immer wieder unsicher sind, was sie auf Kundennachfragen zu schwierigen Themen sagen sollten.

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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Vinter » 27. Apr 2019, 23:23

Lurtz hat geschrieben:
27. Apr 2019, 21:13
Du hast das sehr negativ zusammengefasst aber im Grunde sind das die Aussagen, ja.
Ja, war heute mittag zu negativ. War einfach sehr baff, weil dieser "Kodox" mehr ein Offenbarungseid ist: Mehr ist von der Gamestar nicht zu erwarten, höher ist der eigene Anspruch nicht. Die Redakteure sind da nicht mal verantwortlich, es ist die Struktur.

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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von DickHorner » 27. Apr 2019, 23:31

Bla bla bla, und dann kommt wieder sponsored Story um sponsored Story zu Spiel XY, was dann in irgendeiner Fabelwertung kulminiert, begleitet von wütenden Forenkommentaren von Heiko, Unterstellungen wie "man beißt nicht die Hand, die einen füttert" gefälligst zu unterlassen sonst permaban.
*gähn*

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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von bluttrinker13 » 27. Apr 2019, 23:43

Too little, too late.

Ich habe mein Plus Abo genossen, damals, 2014 oder so. Aber da waren ja auch noch Andre und Sebbe dabei.
Mittlerweile seit über 3 Jahren gekündigt, und so weit weg von einem Reinstallment wie noch nie. Erst recht wenn ich sowas wie diesen "Kodex" lese.

Edit: Mal abgesehen davon, dass die neue Frontpage einfach grauenvoll unübersichtlich ist.

Rince81
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Rince81 » 28. Apr 2019, 00:34

Lurtz hat geschrieben:
27. Apr 2019, 21:15
Hör mal in den Podcast rein. Da wird sehr deutlich, dass man das nicht sein will.
Ich finde es tatsächlich enttäuschend, was die Redaktion nun tatsächlich schwarz auf weiß schreibt, was sie alles überhaupt nicht sein will oder von vornherein nie bieten wollte...
Ich hatte immer gehofft, dass man vielleicht in der Ausführung scheiterte aber zumindest die Ambitionen dazu hatte...
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