Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

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Wudan
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Wudan »

Asphyx hat geschrieben:
14. Mai 2020, 17:44
und schreibt dabei noch selbst: "Darauf zu diesem Zeitpunkt Antworten finden zu wollen, mag im ersten Moment wie Kaffeesatzlesen wirken.
Bei der Stelle musste ich gestern als ich´s las auch schon drüber schmunzeln. Denn das wirkt nicht nur wie Kaffeesatzleserei, das IST Kaffeesatzleserei.

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Asphyx
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Asphyx »

vicsbier hat geschrieben:
14. Mai 2020, 19:13
Bei all der Kritik darf man nicht vergessen, dass die GameStar überwiegend für ein jüngeres, unerfahreneres Publikum schreibt.
Das mag schon so sein, macht es aber nicht besser. Auch ein jüngeres und unerfahrenes Publikum verdient guten Journalismus. Just saying...

Oder anders gesagt: die GS-Leser von heute sind die GS-Schreiber von morgen.

vicsbier
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von vicsbier »

Asphyx hat geschrieben:
14. Mai 2020, 20:56
vicsbier hat geschrieben:
14. Mai 2020, 19:13
Bei all der Kritik darf man nicht vergessen, dass die GameStar überwiegend für ein jüngeres, unerfahreneres Publikum schreibt.
Das mag schon so sein, macht es aber nicht besser. Auch ein jüngeres und unerfahrenes Publikum verdient guten Journalismus. Just saying...

Oder anders gesagt: die GS-Leser von heute sind die GS-Schreiber von morgen.
Aber das junge Publikum muss in einer Sprache angesprochen werden, welche es auch versteht. Jugendliche denken gerne noch in Suplerativen/Extremen, es gilt seinen Rang in Gruppe und Klasse durch tolle Taten und coole Statements zu behaupten. Die Spieleindustrie nutzt bspw übertrieben Actionszenen als Referenzpunkte, die GameStar nutzt gerne Übertreibungen und provozierende Fragestellungen als Überschrift. Wir sollten daher das Alter der Zielgruppe bei der Betrachtung nicht außen vor lassen.

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Lurtz
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Lurtz »

vicsbier hat geschrieben:
14. Mai 2020, 19:13
Bei all der Kritik darf man nicht vergessen, dass die GameStar überwiegend für ein jüngeres, unerfahreneres Publikum schreibt.
Wobei die Bioshock 4-Kolumne ein Plus-Artikel war. Und ich bezweifle stark, dass der Altersschnitt da so niedrig ist. Ich finde leider auch, dass Peter Bathge etwas verheizt wird. Der Mann hat sicher megaviel drauf und hat einen guten Schreibstil, aber irgendwie schreibt er seit längerem neben ein paar Previews nur noch diese Kolumne, wo er sich bewusst irgendeine kontroverse These raussucht, und die durchspielt. Nett zu lesen, aber wenig von Gehalt.
Ist ja nicht uninteressant, aber für Plus fühlt es sich dennoch verschenkt an, da hätte ich mir mehr Reports oder dergleichen erwartet. Wobei man die Reports eh hauptsächlich von Freelancern einzukaufen scheint.

vicsbier
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von vicsbier »

Lurtz hat geschrieben:
15. Mai 2020, 09:48
vicsbier hat geschrieben:
14. Mai 2020, 19:13
Bei all der Kritik darf man nicht vergessen, dass die GameStar überwiegend für ein jüngeres, unerfahreneres Publikum schreibt.
Wobei die Bioshock 4-Kolumne ein Plus-Artikel war. Und ich bezweifle stark, dass der Altersschnitt da so niedrig ist.
Das mag wohl stimmen.
Frage ist: Wie würden wir ein Magazin aufbauen, dass eine solch erhebliche Altersspanne überbrücken muss und dabei noch wirtschaftlich ist?

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DickHorner
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von DickHorner »

Hab ich was verpasst oder warum sollte das die Frage sein?

vicsbier
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von vicsbier »

DickHorner hat geschrieben:
16. Mai 2020, 11:07
Hab ich was verpasst oder warum sollte das die Frage sein?
Ich kann nicht bewerten, ob du etwas verpasst hast. Du kannst aber alles durch das Lesen der letzten Beiträge nachholen, da wir hier öffentlich diskutieren.

Wenn man die Entscheidungen anderer kritisiert sollte man schon die Alternativen nennen. Es ist ja nicht so, dass man ohne Grund den eigenen Codex ignoriert, auch bei der GS arbeiten kluge Leute. Die Aufgabenstellung ist daher m.E. nicht so einfach, wie man denkt.
Zuletzt geändert von vicsbier am 17. Mai 2020, 11:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Asphyx
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Asphyx »

vicsbier hat geschrieben:
15. Mai 2020, 09:36
Asphyx hat geschrieben:
14. Mai 2020, 20:56
vicsbier hat geschrieben:
14. Mai 2020, 19:13
Bei all der Kritik darf man nicht vergessen, dass die GameStar überwiegend für ein jüngeres, unerfahreneres Publikum schreibt.
Das mag schon so sein, macht es aber nicht besser. Auch ein jüngeres und unerfahrenes Publikum verdient guten Journalismus. Just saying...

Oder anders gesagt: die GS-Leser von heute sind die GS-Schreiber von morgen.
Aber das junge Publikum muss in einer Sprache angesprochen werden, welche es auch versteht. Jugendliche denken gerne noch in Suplerativen/Extremen, es gilt seinen Rang in Gruppe und Klasse durch tolle Taten und coole Statements zu behaupten. Die Spieleindustrie nutzt bspw übertrieben Actionszenen als Referenzpunkte, die GameStar nutzt gerne Übertreibungen und provozierende Fragestellungen als Überschrift. Wir sollten daher das Alter der Zielgruppe bei der Betrachtung nicht außen vor lassen.
Um die Sprache geht es doch aber gar nicht, zumindest mir nicht. Es geht um inhaltsleere News, um unnötig auf mehrere Artikel verteilte Infoschnipsel, um ausufernde Spekulationen auf Basis dünnster Grundlagen und um irreführende Headlines, deren implizite oder explizite Aussagen die jeweiligen Artikel nicht einhalten. Nichts davon hat ursächlich mit dem gewählten Sprachduktus zu tun.

Dessen ungeachtet würde ich auch weder pauschal annehmen wollen, dass die Gamestar, die immerhin seit 23 Jahren existiert, in erster Linie für ein "jugendliches" Publikum mit wenig Gamingerfahrung schreibt (wenn wir dank Studien wissen, dass der Durchschnittsgamer in Deutschland mittlerweile über 35 ist), noch dass ein jüngeres Publikum mehrheitlich in "Superlativen/Extremen" denkt und nicht zu differenzierten Werturteilen fähig wäre oder sie zu schätzen wüsste.

Aber selbst wenn es so wäre, gibt es dennoch einen markanten Unterschied zwischen der Sprache, die man benutzt, und den Inhalten, die man transportiert. Würde man deiner Argumentation folgen, wäre es ja einer Zeitschrift, die sich an ein vorwiegend jüngeres Zielpublikum wendet, schlechterdings unmöglich, eine Aussage im weiten Feld zwischen "megatoll" und "komplette Grütze" zu treffen - selbst wenn sie sich, wie die Gamestar es ja öffentlich tut, als "kritisch, fair und konstruktiv" versteht, "mit hohem journalistischen Qualitätsanspruch" (Zitate aus dem GS-Kodex).

Und weil ich den Kodex eben wieder angerissen habe, darin steht zum Beispiel:
"Wir setzen alles daran, Gerüchte und Informationen grundsätzlich zu verifizieren, bevor wir sie veröffentlichen."
Wie man Gerüchte verifiziert (und wie sie dann trotzdem noch Gerüchte bleiben können), ist eine Frage für sich. Aber wenn dann wie heute wieder ein Artikel wie dieser erscheint:

https://www.gamestar.de/artikel/mafia-1 ... 57789.html

in dem auf Basis weniger Screenshots wieder wild herumspekuliert wird, und zwar so wild, dass die Redaktion selbst es für nötig hielt, einen Disclaimer ("Halt, Stopp: Vergesst nicht, dass alle diese Screenshots für Werbezwecke entstanden sind. Das eigentlich [sic!] Spiel kann sich optisch davon also unterscheiden und bis zum Release können sich Details noch ändern.") voranzustellen, sich aber dennoch nicht zu schade ist, das Ganze als "Analyse" zu betiteln - dann hat man den sich selbst gestellten journalistischen Qualitätsanspruch für mich mal wieder meilenweit verfehlt.

Und solche Artikel erscheinen aktuell leider täglich bei Gamestar. Darum geht es mir, das ist meine fundamentale Kritik, und an der halte ich fest. Nicht weil ich gerne auf der GS herumhacke, sondern weil ich sie seit Ausgabe 1 lese und gerne weiter lesen würde, was sie mir aber zunehmend schwerer macht. Und nicht, weil es schändlich wäre, sich in ihrer Ansprache zielgerichtet an eine bestimmte Publikumsschicht zu wenden, sondern weil sie sich als etwas darzustellen versucht, was sie (zumindest in jüngerer Zeit und insbesondere beim Onlineangebot) schlicht nicht ist und vielleicht auch gar nicht mehr sein will (oder kann).

ZiggyStardust
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Registriert: 14. Nov 2018, 12:53

Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von ZiggyStardust »

Hab mir gerade mal die Startseite angeschaut. Der dritte Artikel in der Aktuell-Rubrik ist ein Plus-Artikel zu Watch Dogs: Legion, der schon ein Jahr alt ist. Was soll das? Previews sind generell nicht so spannend, aber Previews, die vollkommen veraltet sind, sind noch unspannender.

Generell gibt es ganz schön viele Artikel über Gratis-Spiele. Haben PC-Spieler so wenig Kohle? ;)

Mir geht ja schon der ganze Sprachduktus auf den Senkel. Irgendwie erinnern mich die Überschriften an die Schlagzeilen der Regenbogenpresse im Supermarkt. "Prinzessin Meghan. Ihr Bauch verrät schon überraschend viel!". :mrgreen:

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Asphyx
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Asphyx »

ZiggyStardust hat geschrieben:
16. Mai 2020, 14:00
Hab mir gerade mal die Startseite angeschaut. Der dritte Artikel in der Aktuell-Rubrik ist ein Plus-Artikel zu Watch Dogs: Legion, der schon ein Jahr alt ist. Was soll das? Previews sind generell nicht so spannend, aber Previews, die vollkommen veraltet sind, sind noch unspannender.

Generell gibt es ganz schön viele Artikel über Gratis-Spiele. Haben PC-Spieler so wenig Kohle? ;)

Mir geht ja schon der ganze Sprachduktus auf den Senkel. Irgendwie erinnern mich die Überschriften an die Schlagzeilen der Regenbogenpresse im Supermarkt. "Prinzessin Meghan. Ihr Bauch verrät schon überraschend viel!". :mrgreen:
Yep, ich hab seit ein paar Tagen auch ständig Plus-Artikel vom letzten Jahr im Newsfeed, warum auch immer. Vorgestern war's ein Link zur E3-Präsentation von Dying Light 2 vom letzten Juni ("eines der besten gezeigten Spiele"), dabei brachte die GS erst vor ca. 10 Tagen einen Artikel über die angeblich chaotischen Zustände in der Entwicklung des Spiels, das überdies erst unlängst verschoben wurde (wie auch Watch Dogs Legion).

Aktuell an erster Stelle im Newsfeed: ein Artikel über die Entwicklung von Dragon Age: Origins vom Dezember letzten Jahres.

Was das soll? Das wissen die Götter... :roll: Schön langsam hab ich das Gefühl, die trollen mich absichtlich.

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Lurtz
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Lurtz »

Die Archiv-Artikel sind ein Service, der auf alte Artikel hinweisen soll. Laut den Zahlen sehr erfolgreich.

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Asphyx
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Asphyx »

Lurtz hat geschrieben:
16. Mai 2020, 16:10
Die Archiv-Artikel sind ein Service, der auf alte Artikel hinweisen soll. Laut den Zahlen sehr erfolgreich.
Mag sein, aber was bringt mir z.B. eine Preview von vor einem Jahr, die die Zeit längst überholt hat?

Rick Wertz
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Registriert: 13. Apr 2018, 10:40

Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Rick Wertz »

Ich empfehle, in solchen Fällen den Artikel nicht zu klicken.

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Jon Zen
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Jon Zen »

Asphyx hat geschrieben:
16. Mai 2020, 16:45
Lurtz hat geschrieben:
16. Mai 2020, 16:10
Die Archiv-Artikel sind ein Service, der auf alte Artikel hinweisen soll. Laut den Zahlen sehr erfolgreich.
Mag sein, aber was bringt mir z.B. eine Preview von vor einem Jahr, die die Zeit längst überholt hat?
Meisten sind es zeitlose Reportagen. Überholte Previews machen natürlich kein Sinn.
An sich ist das eine gute Idee, wenn man als Plus Nutzer einige Reportagen verpasst hat, die einen interessieren würden (oder neuer Plus Abonnent ist). Selbst nach alten Reportagen suchen, macht wohl fast keiner, aber wenn sie so präsentiert werden, lese ich sie gerne, falls sie mich interessieren und falls nicht, einfach ignorieren. Klicks bringen bei Plus Artikel sowieso nichts, weil sie werbefrei sind.
https://steamcommunity.com/id/Jon-Zen/ | Unsere Biervorräte schwinden dahin, Sire!

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Asphyx
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Asphyx »

Jon Zen hat geschrieben:
17. Mai 2020, 00:54
Meisten sind es zeitlose Reportagen. Überholte Previews machen natürlich kein Sinn.
An sich ist das eine gute Idee, wenn man als Plus Nutzer einige Reportagen verpasst hat, die einen interessieren würden (oder neuer Plus Abonnent ist). Selbst nach alten Reportagen suchen, macht wohl fast keiner...
So wird es wohl sein. Wenn man mal gecheckt hat, dass man auf den Zusatz "Plus-Archiv" achten muss, der diese Links als einziger Hinweis von den neuen Plus-Artikeln abhebt, kann man die auch ausfiltern, aber offenbar bin ich nicht der Einzige, der beim ersten Mal in diese "Falle" getappt ist. Die alten Artikel einfach in den aktuellen Newsfeed zu streuen, halte ich trotzdem (und gerade wenn dadurch keine Clicks generiert werden müssen) für keine optimale Lösung, aber das ist zugegeben eine Fußnote im Vergleich zu anderen Kritikpunkten, die in diesem Thread aufgeworfen wurden. ;)
Rick Wertz hat geschrieben:
17. Mai 2020, 00:44
Ich empfehle, in solchen Fällen den Artikel nicht zu klicken.
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vicsbier
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von vicsbier »

Asphyx hat geschrieben:
16. Mai 2020, 12:12
vicsbier hat geschrieben:
15. Mai 2020, 09:36
Asphyx hat geschrieben:
14. Mai 2020, 20:56


Das mag schon so sein, macht es aber nicht besser. Auch ein jüngeres und unerfahrenes Publikum verdient guten Journalismus. Just saying...

Oder anders gesagt: die GS-Leser von heute sind die GS-Schreiber von morgen.
Aber das junge Publikum muss in einer Sprache angesprochen werden, welche es auch versteht. Jugendliche denken gerne noch in Suplerativen/Extremen, es gilt seinen Rang in Gruppe und Klasse durch tolle Taten und coole Statements zu behaupten. Die Spieleindustrie nutzt bspw übertrieben Actionszenen als Referenzpunkte, die GameStar nutzt gerne Übertreibungen und provozierende Fragestellungen als Überschrift. Wir sollten daher das Alter der Zielgruppe bei der Betrachtung nicht außen vor lassen.
Um die Sprache geht es doch aber gar nicht, zumindest mir nicht. Es geht um inhaltsleere News, um unnötig auf mehrere Artikel verteilte Infoschnipsel, um ausufernde Spekulationen auf Basis dünnster Grundlagen und um irreführende Headlines, deren implizite oder explizite Aussagen die jeweiligen Artikel nicht einhalten. Nichts davon hat ursächlich mit dem gewählten Sprachduktus zu tun.

Dessen ungeachtet würde ich auch weder pauschal annehmen wollen, dass die Gamestar, die immerhin seit 23 Jahren existiert, in erster Linie für ein "jugendliches" Publikum mit wenig Gamingerfahrung schreibt (wenn wir dank Studien wissen, dass der Durchschnittsgamer in Deutschland mittlerweile über 35 ist), noch dass ein jüngeres Publikum mehrheitlich in "Superlativen/Extremen" denkt und nicht zu differenzierten Werturteilen fähig wäre oder sie zu schätzen wüsste.

Aber selbst wenn es so wäre, gibt es dennoch einen markanten Unterschied zwischen der Sprache, die man benutzt, und den Inhalten, die man transportiert. Würde man deiner Argumentation folgen, wäre es ja einer Zeitschrift, die sich an ein vorwiegend jüngeres Zielpublikum wendet, schlechterdings unmöglich, eine Aussage im weiten Feld zwischen "megatoll" und "komplette Grütze" zu treffen - selbst wenn sie sich, wie die Gamestar es ja öffentlich tut, als "kritisch, fair und konstruktiv" versteht, "mit hohem journalistischen Qualitätsanspruch" (Zitate aus dem GS-Kodex).

Und weil ich den Kodex eben wieder angerissen habe, darin steht zum Beispiel:
"Wir setzen alles daran, Gerüchte und Informationen grundsätzlich zu verifizieren, bevor wir sie veröffentlichen."
Wie man Gerüchte verifiziert (und wie sie dann trotzdem noch Gerüchte bleiben können), ist eine Frage für sich. Aber wenn dann wie heute wieder ein Artikel wie dieser erscheint:

https://www.gamestar.de/artikel/mafia-1 ... 57789.html

in dem auf Basis weniger Screenshots wieder wild herumspekuliert wird, und zwar so wild, dass die Redaktion selbst es für nötig hielt, einen Disclaimer ("Halt, Stopp: Vergesst nicht, dass alle diese Screenshots für Werbezwecke entstanden sind. Das eigentlich [sic!] Spiel kann sich optisch davon also unterscheiden und bis zum Release können sich Details noch ändern.") voranzustellen, sich aber dennoch nicht zu schade ist, das Ganze als "Analyse" zu betiteln - dann hat man den sich selbst gestellten journalistischen Qualitätsanspruch für mich mal wieder meilenweit verfehlt.

Und solche Artikel erscheinen aktuell leider täglich bei Gamestar. Darum geht es mir, das ist meine fundamentale Kritik, und an der halte ich fest. Nicht weil ich gerne auf der GS herumhacke, sondern weil ich sie seit Ausgabe 1 lese und gerne weiter lesen würde, was sie mir aber zunehmend schwerer macht. Und nicht, weil es schändlich wäre, sich in ihrer Ansprache zielgerichtet an eine bestimmte Publikumsschicht zu wenden, sondern weil sie sich als etwas darzustellen versucht, was sie (zumindest in jüngerer Zeit und insbesondere beim Onlineangebot) schlicht nicht ist und vielleicht auch gar nicht mehr sein will (oder kann).
MIr ging es mehr um Sprachwahl im Sinne von "Aufreger" für ein junges, actionorientiertes Publikum, welches sich dann kontrovers austauscht bzw mit diesem "Wissen" in der eigenen Gruppe punkten kann. Das die Artikel Inhaltsleer sind, fällt denke ich jedem älteren Leser sofort auf. Für die Jugend ist ein solcher Artikel m.E. mehr ein willkommener Diskussionsansatz ;-)

Die Artikel dienen also nicht der Wissensvermittlung, sondern der Unterhaltung.

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Axel
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Axel »

vicsbier hat geschrieben:
17. Mai 2020, 11:27
MIr ging es mehr um Sprachwahl im Sinne von "Aufreger" für ein junges, actionorientiertes Publikum, welches sich dann kontrovers austauscht bzw mit diesem "Wissen" in der eigenen Gruppe punkten kann. Das die Artikel Inhaltsleer sind, fällt denke ich jedem älteren Leser sofort auf. Für die Jugend ist ein solcher Artikel m.E. mehr ein willkommener Diskussionsansatz ;-)

Die Artikel dienen also nicht der Wissensvermittlung, sondern der Unterhaltung.
1. Irgendwie gruselige Verallgemeinerung über „die Jugend“. Ob heutige Jugendliche so „actionorientiert“ sind, wage ich mal zu bezweifeln. Da gibt es genauso unterschiedliche Charaktere wie überall anders auch. ;)

2. Als ob Jugendliche die Gamestar lesen (!). Die sind auf ganz anderen Plattformen unterwegs. ;)

3. Was sind dann eigentlich Angebote wie Bunte oder andere Yellopress? Die werden ja auch eher von der Zielgruppe 40+ konsumiert. ;)
Der obige Beitrag stellt allein meine Meinung dar. Auch wenn ich es vielleicht nicht jedes einzelne Mal dazu schreibe, weil ich es vergesse: es ist dennoch nicht als Verallgemeinerung gemeint. Du sollst selbstverständlich eine andere Meinung haben. :)

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Asphyx
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von Asphyx »

vicsbier hat geschrieben:
17. Mai 2020, 11:27
Die Artikel dienen also nicht der Wissensvermittlung, sondern der Unterhaltung.
Wie gesagt, es spricht ja grundsätzlich nichts dagegen, inhaltsleere und oberflächliche Artikel mit coolen Headlines zu bringen, die bloß der Unterhaltung dienen sollen. Nur wenn man dann behauptet, kritischen Journalismus mit Qualitätsanspruch zu machen, und die Artikel dank dieser Headlines nach außen vermitteln, sie HÄTTEN einen Informationswert, dann ist das m.E. eine Irreführung der LeserInnen. Man kann halt nicht zugleich der Spiegel und die Gala sein...

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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von LegendaryAndre »

Asphyx hat geschrieben:
17. Mai 2020, 13:10
vicsbier hat geschrieben:
17. Mai 2020, 11:27
Die Artikel dienen also nicht der Wissensvermittlung, sondern der Unterhaltung.
Wie gesagt, es spricht ja grundsätzlich nichts dagegen, inhaltsleere und oberflächliche Artikel mit coolen Headlines zu bringen, die bloß der Unterhaltung dienen sollen. Nur wenn man dann behauptet, kritischen Journalismus mit Qualitätsanspruch zu machen, und die Artikel dank dieser Headlines nach außen vermitteln, sie HÄTTEN einen Informationswert, dann ist das m.E. eine Irreführung der LeserInnen. Man kann halt nicht zugleich der Spiegel und die Gala sein...
Ich weiß nicht ob man das überhaupt so sagen kann. Die Gamestar hat zwar nachgelassen was die Anzahl qualitativ guter Artikel betrifft und mag ihrem eigenen Kodex nicht ganz gerecht werden, aber insgesamt gibt es auch immer noch ausreichend gute Reportagen, Artikel und Tests zu finden. Außerdem sind dort auch noch einige gute Redakteure beschäftigt, was man nicht vergessen sollte. Dass die Kritikpunkte die hier vorgebracht werden ihre Daseinsberechtigung haben, bezweifle ich nicht, allerdings finde ich dass das nur eine einseitige Sichtweise darstellt und man dabei wohl auch gerne vergisst was immer noch gut gemacht wird.
Müsste ich eine für die Gamestar typische Wertung vergeben, würde ich sagen dass sie heute irgendwo bei 70 liegt, während sie sich früher im 90-er Bereich bewegt hat. Ich denke es ist der Preis dafür, eine breitere Masse ansprechen zu wollen / müssen (Kapitalismus), indem man den lockeren Unterhaltungsteil ausgebaut hat und (auch) oberflächlichere News schreibt um mehr Clicks zu generieren.

Persönlich hätte ich auch eine Gamestar mit einem Christian Schmidt (oder Jochen) als Chefredakteur und all meinen Lieblingsredakteuren favorisiert, die hochwertigen Journalismus liefern, aber wahrscheinlich hätte das die wirtschaftliche Lage gar nicht zugelassen. Man hat ja lange Zeit anhand der Computerbild Spiele gesehen, dass Qualität von der Mehrheit gar nicht so sehr gewürdigt wird und viele nicht verstehen was den Unterschied zwischen gutem und mittelmäßigem Journalismus ausmacht oder es für den Kauf / den Konsum einfach nicht relevant ist. So manch einer sieht auch lieber ein lustiges Let's Play und will gar keinen Test oder eine Preview. Ich denke die heutige Gamestar ist das Produkt der eigenen Marktforschung und wirtschaftlich geprägt. Wenn man über manche Dinge hinwegsieht, findet man aber auch noch etwas von dem, was die Gamestar einst ausgemacht hat und mit Herzblut sind sicher einige Redakteure trotzdem noch dabei.

Im Übrigen ist es doch so, dass man bei anderen Seiten, die kritische und gute Artikel liefern ebenso auch schwache und mittelmäßige Texte findet. Die Gamestar steht vielleicht auch deshalb so stark in der Kritik, weil sie einstmals für viele das Non-Plus-Ultra dargestellt hat. Das war aber auch in einer Zeit in der sie die Anlaufstelle Nr. 1 für Spieleinformationsbeschaffung war, was heute undenkbar wäre (Rückgänge bei Zeitschriften, mehr Konkurrenz etc.). Um des Friedens willen sollte man vielleicht akzeptieren, dass sich manche Dinge verändert haben und notfalls einfach nicht mehr auf die Seite gehen. Es gibt ja auch Alternativen! Oder schreibt der Gamestar direkt! Vielleicht wird ja der eine oder andere Aufruf berücksichtigt.

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derFuchsi
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Re: Der Gamestar-Kodex: Überfällige Selbsteinschätzung oder überflüssige PR-Maßnahme?

Beitrag von derFuchsi »

Ich lese so gut wie keine englischsprachigen Seiten zum Thema und außer Gamestar und 4Players fällt mir halt gerade nicht mehr viel ein auf dem hiesigen Markt das ich lesen wollen würde.
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