Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Alles, was nicht in ein anderes Forum gehört: Hier rein
Forumsregeln
Datenschutzerklärung: https://www.gamespodcast.de/datenschutzerklaerung/
Impressum: https://www.gamespodcast.de/impressum/

Forenregeln und zukünftige Weltverfassung
ART 1: Behandle andere Nutzer mit Respekt.
ART 2: Do NOT piss off the Podcasters

Lies bitte weitere Hinweise hier: viewtopic.php?f=4&t=2789
Freitag
Beiträge: 352
Registriert: 12. Mär 2017, 22:04

Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Freitag » 8. Jun 2019, 09:07

Danke erstmal an Sebastian und Dom für das interessante Interview! Inhaltlich möchte ich da auch an keiner Stelle widersprechen, nur näher auf den schizophrenen Umgang von DICE mit Geschichte und Authentizität eingehen. Denn dieser Missstand besteht für mich von Anfang an. Während im Revealstream noch durchgehend von historischer Authentizität und Zweitem Weltkrieg geredet wurde, folge direkt darauf ein Trailer, der das komplette Gegenteil und optisch näher an Fortnite als an Battlefield war.

Ich spiele Battlefield V seit Release und vergesse regelmäßig, dass ich hier einen WWII-Shooter vor mir habe. Ja, die Waffen und Fahrzeuge sind authentisch nachgebaut und auch die, teils sehr abgedrehten, Charakterskins haben entsprechende Vorbilder. Für seine historische Vorlage interessiert sich DICE auf einer übergeordneten Ebene aber überhaupt nicht.
Battlefield 1 hatte noch ein Kodexmenü mit über 200 Einträgen, die sich mit den Waffen und Fahrzeugen, aber auch den kämpfenden Fraktionen, Taktiken etc beschäftigten. Konnte man komplett ignorieren, gab aber Einblicke in die zugrunde liegende Geschichte. Übrigens erstellt von den Jungs des YouTube-Kanals The Great War. Dazu gab es z.B. immer wieder Dogtags, die an historische Events erinnert haben, etwa den Weihnachtsfrieden. Unterm Strich war auch Battlefield 1 ein spaßiger, schneller Shooter mit deutlichen Kompromissen zugunsten des Gameplays. Aber es hat mich ständig daran erinnert, worauf es basiert. In Battlefield V fehlt diese Ebene komplett.
Für mich entsteht der Eindruck, ich spiele hier in einer alternativen Zeitlinie, die lose an den Zweiten Weltkrieg angelehnt ist.

Komplett schizophren wird es aber bei den Charakterskins, und das nicht erst seit dem von Dom aufgedeckten Wilhelm Franke.
Auf der einen Seite kommt dabei sowas raus:
Bild
Kann ich mir nur mit einer Scheiß-egal-Einstellung erklären. Elizabeth wurde 1952 gekrönt.

Problematisch wird es dann für mich auf deutscher Seite, und zwar bei den Beschreibungstexten der Skins. Hier zwei Beispiele:
Bild
Bild
An der Stelle nehme ich DICE das - ohne dämlich wirkende - Geplapper, man möchte ja bloß nicht politisch sein, auch nicht mehr ab. Wahrscheinlich soll das irgendwie "cool" wirken. Und ich kann Dom verstehen, das hier eine Verharmlosung des Krieges und der Wehmacht betrieben werde. Einerseits möchte man es jedem recht machen und hat deswegen weibliche Charaktere eingebaut (fair enough), andererseits kommen dann solch dumme Sprüche raus, die ich nur als Kriegsverherrlichung wahrnehmen kann.

Benutzeravatar
sleepnt
Beiträge: 473
Registriert: 4. Feb 2019, 16:15

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von sleepnt » 8. Jun 2019, 09:34

Interessant aus dem Magazinn fand ich die Ankündigung, das Making Games nicht mehr am Kiosk zu haben sein wird. Das werde ich, so wie WASD und Gain, wohl abonieren müssen. Making Games ist immerwieder sehr interessant, um etwas Einblick in Gedanken, Visionen und Prozessen zu bekommen, die zu einem Spiel führten. Wann ich immer einen Freund vom Bahnhof abhole/bringe, hab ich mir die gegönnt.

Benutzeravatar
Schlagerfreund
Beiträge: 1015
Registriert: 1. Feb 2019, 16:06
Wohnort: Ruhrpott

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Schlagerfreund » 8. Jun 2019, 11:15

Ich finde es immer irgendwie amüsant wenn Leute bei den WW2 Battlefields was von historical accuracy reden. Besonders albern wird es wenn Leute meinen das ja früher alles besser war zu Zeiten von BF42. Ein Battlefield wo Klassen mit Waffen rumrennen die es zu der Zeit überhaupt nicht gab (STG 44) oder im Fall der Japaner die bis zu einem Addon auch alle das STG 44 genutzt haben. Die so genannte "Historical Authenticity" gab es in dieser Form in der Serie noch nie und wer glaubt es würde sie geben der hat entweder eine verdrehte Wahrnehmung oder ist unglaublich naiv und glaubt ungefragt das Geplapper aus dem Marketing.

Battlefield war auch immer spaßig weil es alles andere als historisch akkurat war. Nichts schreit mehr historical accuracy wie rocket jumps mit der Bazooka, Wing-walking oder die Power Armor mit Maschinengewehr bei Battlefield 1. Zepelin Behemoth und Jetpacks anyone?

Vorwürfe kann man Battlefield eigentlich nur machen wenn warum auch immer probiert Singleplayer Inhalte im historischem Korsett zu bringen. Hier ist BF1 meiner Meinung sogar noch schlechter als BF5.

Was die Itembeschreibungen angeht, so ist das mit Sicherheit ein Versuch edgy zu sein und vielleicht sogar um etwas Boden bei den Incels aus 4chan und Konsorten wieder gut zu machen den man verloren hat.

Freitag
Beiträge: 352
Registriert: 12. Mär 2017, 22:04

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Freitag » 8. Jun 2019, 11:53

Schlagerfreund hat geschrieben:
8. Jun 2019, 11:15
Ich finde es immer irgendwie amüsant wenn Leute bei den WW2 Battlefields was von historical accuracy reden.
Falls das an mich gerichtet war: den Punkt wollte ich nicht aufmachen, weil ich dir da zustimme. Ich möchte ein spaßiges Spiel, dass sich an ein reales Setting anlehnt.
Hier aber redet DICE selber seit Reveal von historischer Authentizität und liefert dann ein Produkt ab, das deutlich näher an alternate history ist und sein Setting kaum ernst nimmt.

Benutzeravatar
Schlagerfreund
Beiträge: 1015
Registriert: 1. Feb 2019, 16:06
Wohnort: Ruhrpott

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Schlagerfreund » 8. Jun 2019, 12:13

Freitag hat geschrieben:
8. Jun 2019, 11:53
Schlagerfreund hat geschrieben:
8. Jun 2019, 11:15
Ich finde es immer irgendwie amüsant wenn Leute bei den WW2 Battlefields was von historical accuracy reden.
Falls das an mich gerichtet war: den Punkt wollte ich nicht aufmachen, weil ich dir da zustimme. Ich möchte ein spaßiges Spiel, dass sich an ein reales Setting anlehnt.
Hier aber redet DICE selber seit Reveal von historischer Authentizität und liefert dann ein Produkt ab, das deutlich näher an alternate history ist und sein Setting kaum ernst nimmt.
War nicht wirklich auf dich bezogen. Diese Vorwürfe gab es ja genug beim Release oder nach dem Trailer. Es ist halt für mich einfach nur Geblubber aus dem Marketing. Die Argumentation die dann oft von der Seite kommt ist dann meiner Meinung nach auch unsinnig. Beispiele habe ich ja genannt. Das ist halt in der Hinsicht paradox weil die Leute die am lautesten schreien immer argumentieren das sie ja Veteranen der Serie sind und früher hätte es ja so etwas nicht gegeben. Das ist halt meiner Meinung nach totaler Quatsch. Da wird eine historical accuracy oder Realismus unterstellt den es noch nie gegeben hat.

Die Geschichte mit Franke ist für mich aber davon eher losgelöst. Wie Dom schon gesagt hat, gibt es nur zwei Möglichkeiten wie es dazu gekommen ist.

1. Man hat schlampig gearbeitet und war faul.
2. Hat nicht interessiert.

Es kann auch sein das hier ein einzelner Mitarbeiter hier absichtlich gehandelt hat aus wahrscheinlich eher zweifelhafter Motivation. Gab es ja z.B. bei Destiny 2 mit der Kekistan Geschichte auch und da wurde dann auch schnell der Mantel des Schweigens drüber gehüllt. Da wird der Inhalt entfernt bzw. geändert und sich kurz entschuldigt. Wie es zu so Geschichten gekommen ist erfährt man nie.

Interessanter ist für mich eher allgemein die Tendenz das große Entwickler dort zumindest erstmal paradox handeln. Bei Call Of Duty: World War gab es dann auch so ein Statement das man ja praktisch nicht gegen Nazis kämpft, sondern das die Soldaten alles "Conscripts" sind. Ähnlich argumentiert da EA ja auch bei BF:V. Dabei ist doch klar wie Figuren stilisiert sind und welcher Ästhetik man sich auch bedient. Ich denke hier möchten Entwickler auf der einen Seite sicher gehen und keine Kundengruppe zu verärgern.

In dieser Logik spielt halt niemand als Nazi und das ist für mehrere Gruppen attraktiv bzw. wichtig.
- Wer kein Nazi ist bzw. mit dieser Weltanschauung nichts zu tun haben will ist fein raus.
- Wer Nazi ist oder damit sympathisiert kann seinen Wehrmachtsfetisch ausleben und kann immer sagen das es im Spiel ja keine Nazis gibt. Ergo kann er ja auch keiner sein.

Benutzeravatar
Vinter
Beiträge: 2595
Registriert: 25. Jan 2016, 02:50

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Vinter » 8. Jun 2019, 13:08

Boah, gut dass ich kein BFV spiele. Das mit Wilhelm Franke: Kann passieren, blöder Zufall. Sie haben es geändert und damit sollte der Teil dann auch abgeschlossen sein.

Nur das BFV komplett geschichtsrevisionistisch ist und einfach mal einen zweiten Weltkriegsshooter macht, aber mit deutschem Militär, die keine Nazis sein sollen, war mir so nicht bewusst und ist eigentlich das viel krassere Vergehen.

Da frage ich mich ehrlich gesagt auch, wo da unsere Gesetze bleiben: Einerseits werden Hakenkreuze zensiert, andererseits kann man das dritte Reich komplett verharmlosen und von der Ideologie entkoppeln: Da war halt Krieg und die deutsche Perspektive, die deutsche Kriegsbeteiligung war nicht mehr oder weniger legitim als die der anderen. Unfassbar. Aber bei den Skinbeschreibungen dann mit der Ideologie der Nazis kokettieren....


(Nur zur Klarstellung: Der ganze Quatsch mit 'historischer Authentizität' als Werbeversprechen, über das sich dann die Community so gerne aufregt, ist mir völlig egal. Das ist nicht der Punkt, sondern die krasse Verharmlosung)

Benutzeravatar
Schlagerfreund
Beiträge: 1015
Registriert: 1. Feb 2019, 16:06
Wohnort: Ruhrpott

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Schlagerfreund » 8. Jun 2019, 13:18

Vinter hat geschrieben:
8. Jun 2019, 13:08
Boah, gut dass ich kein BFV spiele. Das mit Wilhelm Franke: Kann passieren, blöder Zufall. Sie haben es geändert und damit sollte der Teil dann auch abgeschlossen sein.

Nur das BFV komplett geschichtsrevisionistisch ist und einfach mal einen zweiten Weltkriegsshooter macht, aber mit deutschem Militär, die keine Nazis sein sollen, war mir so nicht bewusst und ist eigentlich das viel krassere Vergehen.

Da frage ich mich ehrlich gesagt auch, wo da unsere Gesetze bleiben: Einerseits werden Hakenkreuze zensiert, andererseits kann man das dritte Reich komplett verharmlosen und von der Ideologie entkoppeln: Da war halt Krieg und die deutsche Perspektive, die deutsche Kriegsbeteiligung war nicht mehr oder weniger legitim als die der anderen. Unfassbar.
Das ist aber nicht nur bei oder seit BF:V so. Das zieht sich durch die gesamte Battlefield Historie und wie gesagt gibt es auch genug andere prominente Vertreter wie z.b. das CoD WW2.

Voigt
Beiträge: 1349
Registriert: 14. Jun 2016, 14:43

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Voigt » 8. Jun 2019, 19:20

Geht es bein deinem CoD Beispiel explizit nur um CoD WW2 oder auch um CoD5: World at War. Durch deine Nennung von CoD World War bin ich da etwas verwirrt.

Aber auch in WaW hat man soweit ich mich erinnere nur gegen das Nazi-Reich, aber Soldaten waren einfach nur Soldaten. Außer eventuell bei der Stalingrad Mission.

Ist halt sie Primäre Funktion der Gegner: Soldat. Ob die Soldaten selbst Nazis sind oder nich, ist ja eher nebensächlich.


Ansonsten wegen Historische Authenzität in Battlefield.. ich kenne mich jetzt Militärhistorisch nivjt so gut aus, aber BF2 empfand ich schon als recht authentisch. ^^
Inoffizieller ThePod Discord Server: https://discord.gg/Vta8MGp
Steamprofil: http://steamcommunity.com/id/voigt15/ | Sysprofil: http://www.sysprofile.de/id153615

Benutzeravatar
Schlagerfreund
Beiträge: 1015
Registriert: 1. Feb 2019, 16:06
Wohnort: Ruhrpott

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Schlagerfreund » 9. Jun 2019, 14:35

Voigt hat geschrieben:
8. Jun 2019, 19:20
Geht es bein deinem CoD Beispiel explizit nur um CoD WW2 oder auch um CoD5: World at War. Durch deine Nennung von CoD World War bin ich da etwas verwirrt.

Aber auch in WaW hat man soweit ich mich erinnere nur gegen das Nazi-Reich, aber Soldaten waren einfach nur Soldaten. Außer eventuell bei der Stalingrad Mission.

Ist halt sie Primäre Funktion der Gegner: Soldat. Ob die Soldaten selbst Nazis sind oder nich, ist ja eher nebensächlich.


Ansonsten wegen Historische Authenzität in Battlefield.. ich kenne mich jetzt Militärhistorisch nivjt so gut aus, aber BF2 empfand ich schon als recht authentisch. ^^
Der Begriff ist halt auch ultra schwammig. Battlefield 5 hat zum Beispiel was die Maps angeht durchaus Authentizität. Und das auch wenn eine Map wie Twisted Steel keinen real existierenden Ort abbildet. Ich kann der Map nämlich glauben das dies ein Schauplatz ist in dem im 2.WK. gekämpft worden ist, auch wenn Truppen wahrscheinlich nicht so wie im Spiel um diese Brücke kämpfen (weil taktisch eher unklug).

Titel mit einem eher modernen Seting können sich auch mehr erlauben und haben letztendlich auch Auswirkungen auf ein Spiel wie BF5 oder CoD WW2 gehabt. Hier hat man sich durch Spiele wie ein BF2 oder 3 an gewisse Spielinhalte gewöhnt wie verschiedene Zieloptiken die man nutzen kann. Das sind dann Optiken wie Red Dots und Optiken die einen Zoom haben. Viele dieser Optiken gab es im 2 WK nicht oder waren absolut experimentell. Als Spieler hat man sich aber halt an die damit verbundenen Spielmechaniken gewöhnt.

Benutzeravatar
falkoloeffler
Beiträge: 26
Registriert: 10. Jun 2018, 19:58

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von falkoloeffler » 9. Jun 2019, 15:22

Kleine Anekdote am Rande, was Namensfindung in Spielen angeht ...

Wir haben in "Leisure Suit Larry" eine Anwältin namens "Anu Singh" eingebaut. (Fürs Protokoll: ich war's nicht! :D )

Nach Release wies uns bei Steam ein Rezensent darauf hin, dass Australier das als geschmacklos auffassen könnten, denn 1997 war ein Mordfall durch eine Anu Singh dort sehr bekannt. Und: sie war auch noch Jura-Studentin ...

https://en.wikipedia.org/wiki/Death_of_Joe_Cinque

Upsi.

monieu
Beiträge: 237
Registriert: 20. Feb 2018, 00:46

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von monieu » 9. Jun 2019, 19:19

Freitag hat geschrieben:
8. Jun 2019, 09:07
Inhaltlich möchte ich da auch an keiner Stelle widersprechen, nur näher auf den schizophrenen Umgang von DICE mit Geschichte und Authentizität eingehen.
Ich habe den Artikel von Dom gelesen und würde dann doch inhaltlich widersprechen wollen. DICE hat den Namen geändert. Hätten sie meines Erachtens nicht machen müssen. Ich würde da zwei Kriterien zur Anwendung bringen:

1. Ist die Person gemeint?

2. Ist der Name vollkommen einzigartig bzw. kontextuell stark belegt?

Nummer 1 trifft nicht zu (fand ich im Artikel etwas irritierend, denn teilweise klingt es so als hätten sie den historischen Wilhelm Franke entfremdet). Nummer 2 trifft auch nicht zu - für mein Empfinden zugegeben Ansichtssache. Es ist jedenfalls nicht so, als hätten sie einen Widerstandskämpfer Reinhard Heydrich genannt, um mal ein Gegenbeispiel zu nennen. Wäre der historische Wilhelm Franke zum Beispiel selbst beim Militär gewesen und hätte innerhalb dieses Systems Widerstand geleistet, würde sich der Fall schon anders darstellen.

Wenn der Name einfach aus ästhetischen Gründen gewählt wurde und es ganz eindeutig nicht die gleiche Person ist, dann finde ich, muss man den Namen auch nicht ändern. Es sind Namen. Die sind halt manchmal überladen. Eigentlich ist es sogar eine vertane Chance, denn was man natürlich auf die Beschwerde hin hätte machen können, ist explizit nach Möglichkeit in der Beschreibung der Figur darauf hinweisen, dass diese weniger bekannte Person nicht gemeint ist und ihr so (für die Lebensdauer des Spieles) Aufmerksamkeit verschaffen. Zugegeben der Artikel und seine Rezeption haben das für den Moment ebenfalls erreicht.

Was ich übrigens nicht so ganz verstehe, wenn der übergeordnete Vorwurf an den Hersteller lautet, dass er den politischen Kontext aus dem Setting ziehen, warum haben sie sich dann einen "Nazi-General" geschaffen?

Benutzeravatar
Weapi
Beiträge: 124
Registriert: 16. Apr 2016, 23:46

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Weapi » 9. Jun 2019, 20:08

Eine historische Korrekte Darstellung in einem AAA Multiplayer Shooter werdet ihr nicht finden, besonders nicht bei Battlefield. Gab es nie, wird es auch nie geben. Battlefield ist wie CoD ein Kriegs Themenpark der Spaß machen soll. Das haben immer Mods wie Battleegroup42 oder Forgotten Hope 2 bemühen sich um historische Korrektheit. Wobei auch da am Ende der Spielspaß vor dem Realismus kommt.

Benutzeravatar
Schlagerfreund
Beiträge: 1015
Registriert: 1. Feb 2019, 16:06
Wohnort: Ruhrpott

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Schlagerfreund » 9. Jun 2019, 20:13

Es ist halt auch paradox wenn EA oder Activision sagen das sie bewusst "unpolitisch" sein wollen und es deshalb quasi keine Nazis gibt in ihren Spielen. Alleine die Entscheidung auszublenden ist nämlich natürlich ein politischer Akt.

@monieu
Da stimme ich dir alleine schon aus folgender Hinsicht nicht zu. EA hat und betont nach wie vor, das man immer besonders respektvoll und ehrenhaft mit den Opfern des Krieges umgeht. Das war ja hier absolut nicht der Fall. Entweder aus Schlampigkeit, Desinteresse oder vielleicht sogar Kalkül.

Der Name eines Opfers des Nationalsozialismus gehört da absichtlich oder unabsichtlich nicht in Verbindung mit einem fiktiven Nazi...ähh unpolitischen deutschen General in Verbindung gebracht.

Benutzeravatar
IpsilonZ
Beiträge: 1161
Registriert: 27. Dez 2015, 17:45
Wohnort: Prag
Kontaktdaten:

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von IpsilonZ » 9. Jun 2019, 20:32

monieu hat geschrieben:
9. Jun 2019, 19:19
(...)

Was ich übrigens nicht so ganz verstehe, wenn der übergeordnete Vorwurf an den Hersteller lautet, dass er den politischen Kontext aus dem Setting ziehen, warum haben sie sich dann einen "Nazi-General" geschaffen?
Er ist ja kein Nazi. Er ist ein deutscher Soldat. Das scheint EA ja ein wichtiges Anliegen zu sein.

Battlefield V premium not-a-Nazi (say EA) to be renamed in honour of resistance fighter (rockpapershotgun.com)

monieu
Beiträge: 237
Registriert: 20. Feb 2018, 00:46

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von monieu » 9. Jun 2019, 20:50

Schlagerfreund hat geschrieben:
9. Jun 2019, 20:13
Da stimme ich dir alleine schon aus folgender Hinsicht nicht zu. EA hat und betont nach wie vor, das man immer besonders respektvoll und ehrenhaft mit den Opfern des Krieges umgeht. Das war ja hier absolut nicht der Fall. Entweder aus Schlampigkeit, Desinteresse oder vielleicht sogar Kalkül.
Vielleicht sagen sie das, aber wie will man noch zu einem "respektvollen" oder "ehrenhaften" Umgang mit Kriegsopfern kommen, wenn man eine Spielumgebung schafft, in der dem Spieler die Aufgabe zukommt, diese Kriegsopfer zu erzeugen? Ist halt Unsinn.
IpsilonZ hat geschrieben:
9. Jun 2019, 20:32
Er ist ja kein Nazi. Er ist ein deutscher Soldat. Das scheint EA ja ein wichtiges Anliegen zu sein.

Battlefield V premium not-a-Nazi (say EA) to be renamed in honour of resistance fighter (rockpapershotgun.com)
Aha, also in seinem Artikel hat Dom durchgehend von einem Nazi-General gesprochen.

Benutzeravatar
Schlagerfreund
Beiträge: 1015
Registriert: 1. Feb 2019, 16:06
Wohnort: Ruhrpott

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Schlagerfreund » 9. Jun 2019, 21:04

@monieu

Das ist ja das paradoxe. Man kann zunächst einmal natürlich die prinzipielle Frage stellen ob das überhaupt geht. Ich würde sagen es geht. Hier war z.B. die kleine Singleplayer Kampagne mit der Panzerbesatzung sehr viel verschenktes Potential. EA versucht ja zu argumentieren das im Spiel faktisch ja keine Opfer von Nazis geben kann, weil es ja auch keine Nazis gibt im Spiel.

Aus der Hinsicht ist es auch "albern" wenn EA behauptet es wäre kein Nazi General wenn man die Figur aber klar so stilisiert. Das ist A sagen und B machen.

monieu
Beiträge: 237
Registriert: 20. Feb 2018, 00:46

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von monieu » 9. Jun 2019, 21:38

Das Konzept Ehre ist eine ganze komplizierte Debatte für sich. Davon ab, würde ich in Abrede stellen, dass in Kriegen irgendjemand ehrenhaft stirbt. Aber auch das beiseite: Ich finde man kann aus dem Zweiten Weltkrieg einen Spielplatz machen, aber mit Ehrerbietung oder Respekt gegenüber irgendjemandem hat das nichts zu tun, wenn du mich fragst.

Letztlich ist die Frage, ob dieser historische Wilhelm Franke (warum eigentlich nur der?) durch die fiktive Person mit dem gleichen Namen verunglimpft wird, und aus den genannten Gründen würde ich sagen nein.
Schlagerfreund hat geschrieben:
9. Jun 2019, 21:04
Aus der Hinsicht ist es auch "albern" wenn EA behauptet es wäre kein Nazi General wenn man die Figur aber klar so stilisiert. Das ist A sagen und B machen.
Wenn ich mir das Video ansehe, die Stilisierung entspricht nicht einem deutschen General, der auch noch überzeugter Nationalsozialist ist, sondern das wäre wenn ein comic book / trash movie nazi. Da sprechen wir von einer anderen Kategorie.

Benutzeravatar
Schlagerfreund
Beiträge: 1015
Registriert: 1. Feb 2019, 16:06
Wohnort: Ruhrpott

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von Schlagerfreund » 9. Jun 2019, 21:51

Dann hast du ein komplett anderes Verständnis was das angeht. Ich finde es ehrlich gesagt im Ergebnis ekelhaft was EA sagt und was EA letztendlich. tut.

Benutzeravatar
IpsilonZ
Beiträge: 1161
Registriert: 27. Dez 2015, 17:45
Wohnort: Prag
Kontaktdaten:

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von IpsilonZ » 9. Jun 2019, 21:57

monieu hat geschrieben:
9. Jun 2019, 20:50
IpsilonZ hat geschrieben:
9. Jun 2019, 20:32
Er ist ja kein Nazi. Er ist ein deutscher Soldat. Das scheint EA ja ein wichtiges Anliegen zu sein.

Battlefield V premium not-a-Nazi (say EA) to be renamed in honour of resistance fighter (rockpapershotgun.com)
Aha, also in seinem Artikel hat Dom durchgehend von einem Nazi-General gesprochen.
Das ist der Punkt. Er ist ein deutscher General im zweiten Weltkrieg. Und EA besteht darauf, er sei kein Nazi.

Der Vorwurf ist, dass der Hersteller den politischen Kontext aus dem Setting (2. Weltkrieg) zieht. Es ist zweiter Weltkrieg aber ohne Nazis.

monieu
Beiträge: 237
Registriert: 20. Feb 2018, 00:46

Re: Magazin #56: DICE und historische Glaubwürdigkeit

Beitrag von monieu » 9. Jun 2019, 22:36

IpsilonZ hat geschrieben:
9. Jun 2019, 21:57
Das ist der Punkt. Er ist ein deutscher General im zweiten Weltkrieg. Und EA besteht darauf, er sei kein Nazi.
Wenn du das so sagst, klingt es als wäre die Kombination ausgeschlossen. Das ist doch aber nicht mal formal der Fall oder mussten alle Führungsoffiziere der Wehrmacht Mitglied in der NSDAP sein? Wäre mir neu.
IpsilonZ hat geschrieben:
9. Jun 2019, 21:57
Der Vorwurf ist, dass der Hersteller den politischen Kontext aus dem Setting (2. Weltkrieg) zieht. Es ist zweiter Weltkrieg aber ohne Nazis.
Und Dom hat ihn konsequent als Nazi-General bezeichnet, um das Gegenteil zu betonen? Oder ist ein Nazi-General kein General, der selbst ein Nationalsozialist ist, sondern einer, der unter den Nationalsozialisten dient?

Wie auch immer, den Vorwurf kann man sicherlich machen. Es stellt sich nur auch da die Frage, wenn wir schon aus dem Zweiten Weltkrieg einen Spielplatz machen, warum sich nicht auch noch auf eine Ästhetik beschränken, die zumindestens aus Sicht der meisten Spieler "nur" den "unverfänglichen" militärischen Aspekt des Deutschen Reiches darstellt. Ablehnen würde ich hauptsächlich, wenn man dieses cherry picking als authentisch verkauft. Insofern zum eigentlichen Stichwort des Threads: Glaubwürdigkeit. Natürlich nicht, es ist so glaubwürdig wie ein Indianderspielplatz als Nachbildung der Siedlungen nordamerikanischer Ureinwohner.

Antworten