Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

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Axel
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Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Axel » 6. Jul 2019, 03:19

Die Frage stellt sich mir nach der aktuellen Magazin Ausgabe und Sebs Zusammenfassung von Jason Schreiers Bericht über die Arbeitsbedingungen bei Treyarch. Nun spiele ich ja allgemein keine AAA Spiele. Aber kann ich ausschließen, dass Crunch und andere menschenunwürdige sowie menschenrechtsverletzende Arbeitsbedingungen nicht auch bei Nintendo und diversen Indies vorhanden sind? Ich befürchte nicht. Zumindest bei den Retro Studios, ein direktes Second Party Studio von Nintendo, wahr in der Vergangenheit Crunch ebenfalls an der Tagesordnung.

Und aufgrund all dieser verstörenden Berichte der letzten Monate und eigentlich schon Jahre sollten wir uns mal folgende Frage stellen: Können wir Games noch mit unserem Gewissen vereinbaren? Kann ein Spiel wie Call of Duty genossen werden, in dem Wissen dass die Mitarbeiter 60 Stunden und mehr pro Woche darin arbeiten mussten? Dass ein äußerst familienfeindliches Arbeitsklima vorherrscht? Und ein Klima, welches auch negativ auf die Psyche der Menschen schlägt? Kann ich mit diesem Wissen auch ein Witcher 3 genießen? Oder ein Red Dead Redemption 2, welches ebenfalls nur mit erheblichen Crunch Times realisiert werden konnte?

Natürlich: Irgendwie haben wir alle Blut an unseren Händen. Sei es was Textilien betrifft, Lebensmittelkonsum, all die Technik und und und. Doch hier gibt es Ausweichmöglichkeiten. So kaufe ich viele Lebensmittel tatsächlich beim Bauer vom Stadtrand direkt ein. Die Bauernhöfe haben mittlerweile alle eigene Hofverkäufe oder sogar Hofläden. Und viel teurer als bei der Edeka ist es da auch nicht. Im Gegenteil: Dadurch, dass die ganzen Zwischenstopps wegfallen, kommt das Geld direkt bei den Erzeugern an. Kleidungstechnisch nutze ich viel Second Hand, manchmal aber auch bestelle ich mir tolle Stücke von Nähern und Näherinnen, die ihre Kleidung in den sozialen Medien und auf entsprechenden Plattformen anbieten. Ja, da kostet ein Schal vielleicht mal 40€. Der hält aber dann auch ein paar Jahre. Statt Spotify zu nutzen, unterstütze ich Bands und Musiker direkt auf Bandcamp, wo sie 82% des Bruttopreises herausbekommen. Ja, ich kaufe lieber Musik und unterstütze Musiker die ich geil finde direkt.

Aber wie sieht das bei Games aus? Ich möchte Entwickler, Studios und Publisher monetär unterstützen, die ihre Mitarbeiter fair und menschlich behandeln. Wo die Mitarbeiter ein gesundes Work-Life-Balance haben. Wie kann ich sowas heute feststellen? Auf PR Blabla der Pressestellen gebe ich nix. Außerdem finde ich, dass diese Themen viel mehr im Spielejournalismis einfließen muss. Auch in den Wertungen und Reviews von Spielen!
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Decius
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Decius » 6. Jul 2019, 05:08

Wenn es die Entwickler nicht und nicht schaffen sich zu einer Gewerkschaft zusammenzuschließen und für ihr Rechte zu kämpfen, weil jeder glaubt so ein spezieller Schmetterling zu sein, der irgendwann mal Ausbeuter werden kann, statt ausgebeutet zu werden, haben sie wenig von meiner Sympathie. Viel von der Situation ist selbst aufgebaut und viel der Ausbeutung findet freiwillig statt, weil zu viele US Entwickler zu viel Ayn Rand gelesen haben. Wenn jeder Einzelkämpfer sein will, wird er eben einzeln und einsam ausgebeutet. Aber da spricht halt auch das Gewerkschaftsmitglied (ja, kann man auch als ITler sein) aus mir.

Und natürlich, no ethical consumption under Capitalism und der ganze Erstsemsemester-Simpelsichtweise, die sich leider immer mehr bewahrheitet.

Also ja, ich spiele weiter meine Spiele egal ob mit Crunch entstanden oder nicht, weil das Problem an einer anderen Stelle gelöst werden muss, als beim Konsumenten (anders als Plastikverpackungen oder Wegwerfmode oder Portionsgrößen).

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Sebastian Solidwork
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Sebastian Solidwork » 6. Jul 2019, 07:32

Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht.

Axel, ich bin völlig bei dir. Ich denke, dass das bei AAA am schlimmsten ist. Hier wird Kunst zum Kommerz. AAA-Spiele(bzw Entwickler) wollen nicht politisch/provokant sein, auch nur etwas anspruchsvolle Kunst ist es schon.
Auch weil mir der politische/philosophische Anspruch in AAA fehlt, lasse ich schon seit Jahren die Finger davon. Ich habe kein Interesse mehr.

Leider ist die Gaming-Industrie sehr stark der Dominanz des Kapitals durchsetzt (Marktwirtschaft geht auch ohne Kapitalismus). Wohl auch weil sie seine Kunden aktiver an sich binden kann als Filme. Ich wüsste kein Filmstudio, dass von "Player recurring investments" spricht und seine Kunden bis zu mehreren hundert oder gar tausende Stunden mit einem Produkt an sich bindet.
Gute Frage was man hier tun könnte. Gewerkschaften wären ein Schritt, ist leider generell unüblich in der IT.
Zuletzt geändert von Sebastian Solidwork am 6. Jul 2019, 09:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von VikingBK1981 » 6. Jul 2019, 08:41

Naja du sagst es ja selber, wenn man Crunch nicht unterstützen will kein Produkt mehr kaufen kann. Ob Spiele, Lebensmittel, Kleidung oder sonstige Produkte. Überall wo etwas produziert wird wird man Arbeitsbedingungen vorfinden, die nicht so toll sind.

Auch Indies werden Crunch einsetzen, da heißt er nur anders. Denn wenn wenige Entwickler ein Spiel rausbringen wollen, werden sie jede freie Minuten einsetzen.
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Taro
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Taro » 6. Jul 2019, 09:33

Axel hat geschrieben:
6. Jul 2019, 03:19
Die Frage stellt sich mir nach der aktuellen Magazin Ausgabe und Sebs Zusammenfassung von Jason Schreiers Bericht über die Arbeitsbedingungen bei Treyarch. Nun spiele ich ja allgemein keine AAA Spiele. Aber kann ich ausschließen, dass Crunch und andere menschenunwürdige sowie menschenrechtsverletzende Arbeitsbedingungen nicht auch bei Nintendo und diversen Indies vorhanden sind? Ich befürchte nicht. Zumindest bei den Retro Studios, ein direktes Second Party Studio von Nintendo, wahr in der Vergangenheit Crunch ebenfalls an der Tagesordnung.
Also wenn man diesem Artikel hier glauben schenken darf, dann sind die Arbeitsbedingungen bei Nintendo selbst vorbildlich:

https://www.businessinsider.de/nintendo ... den-2019-3

Und was Retro Studios angeht, erstens verwalten die sich als Second Party selbst und werden von Nintendo bestimmt nicht zum Crunchen gezwungen, wenn diese selbst so viel bessere Arbeitbedingungen haben und zweitens, wenn das Studio bei dem geringen Output noch einen Crunch nötig hätte, dann läuft da einiges schief.
Die schaffen seit vielen Jahren eher den Eindruck als hätte deren Arbeitstag nur 4 statt 8 Stunden und ihrem Twitter-Account nach zu urteilen, veranstalten sie mehr BBCs als an ihren Spielen zu werkeln, also so schlecht scheint es denen nun wirklich nicht zu gehen. :ugly:

Ansonsten stimme ich dir größtenteils zu, wobei es mir bei den meisten großen Studios sowieso nicht schwerfällt auf deren Spiele zu verzichten, Aktivision macht seit Ewigkeiten nichts mehr was mich interessiert, das letzte EA-Spiel das ich gekauft habe war NfS: Hot Pursuit von 2010, die einzigen Ubisoft Spiele die ich in den letzten 20 Jahren gekauft habe waren (von ZombiU abgesehen, welches im Bundle mit der Wii U dabei war, weil ich das Premium-Modell haben wollte) Beyond Good & Evil und die letzten beiden Trials-Teile und Rockstar Games geht mir sowieso am Allerwertesten vorbei.

Ausnahmen sind mehrere Sony First- und Second Party-Studios, Square Enix bei denen ich zugegebenermaßen überhaupt nichts über die Arbeitsbedingungen weiß und was was CD-Projekt Red angeht, da gibt es ja widersprüchliche Berichte, ich habe mir The Witcher 3 gekauft bevor ich irgendetwas von den Geschichten gehört habe (war das zum Release überhaupt schon bekannt?) und Cyberpunk würde ich schon gerne spielen wollen, aber das wird wohl ewig dauern, bis es soweit ist, es sei denn die PS5 wird nativen Maus & Tastatur-Support bieten.

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Schlagerfreund
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Schlagerfreund » 6. Jul 2019, 10:59

Interessante Frage, die habe ich mir gestern auch zumindest grundsätzlich auch gestellt. Die Story was Treyarch angeht,kannte ich schon vor der aktuellen Folge des Magazins. Ich fand dort aber zwei Formulierungen die mich dann wieder etwas wach gerüttelt haben. Z

Zunächst hat Sebastian eine glaube ich unabsichtlich recht unglückliche Formulierung gewählt und die Leute die im QA arbeiten als unqualifiziert bezeichnet. Das mag im Verhältnis zu Leuten wie Game Designern mit 10 Jahren Branchenerfahrung gewiss stimmen. Ich finde es aber trotzdem nicht passend gewählt. Natürlich muss man auch und besonders im QA gewisse Stärken und Kompetenzen haben. So wie ich Sebastian einschätze war das auch nicht mit Absicht so formuliert. Es spiegelt aber glaube ich indirekt schon für mich vielleicht die Ansicht wieder die gewisse Studios auf Mitarbeiter/Angestellte haben.

Der zweite Formulierung klang dann auch schon ziemlich resigniert "weil so die Wurst gemacht wird". Das fand ich schon ziemlich deprimierend weil es ziemlich resigniert klang.

Okay, ich habe jetzt von Activision und auch EA lange nix mehr gekauft, aber ich denke das Crunch und so menschenunwürdige Bedingungen auch ein Problem ist das die ganze Branche betrifft. Ich habe persönlich schon Probleme mit so Produkten die offensichtlich unter solchen Bedingungen entstanden sind. Das Problem ist ja das die Branche auch sehr gut ist die Informationen zu kontrollieren die wir als Spieler/Kunde bekommen. Da bleiben bis jetzt so Einsichten die man durch Kotaku bekommt die Ausnahme. Man sieht ja auch im Fall von Treyarch wie recht unverholen Drohungen ausgesprochen werden, mit dem Ziel das man nicht mit der Presse reden soll.

Gerade im Bereich der Presselandschaft sehe ich hier auch ein Versäumnis da mal aktiv zu werden. Viel zu viele Magazine/Seiten positionieren sich da bewusst anders und plappern eigentlich meistens komplett unreflektiert das nach was die PR-Manager gezielt veröffentlichen. Dabei wäre es doch auch wichtiger mal Themen anzugehen wie in Studios gearbeitet wird und wie dort Spiele entstehen. Gerade die deutsche Spielepresse ist da meiner Meinung nach unglaublich passiv. Wahrscheinlich will man es sich in den eh schon nicht leichten Zeiten nicht noch mit Devs uns Publishern verscherzen.

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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von lolaldanee » 6. Jul 2019, 11:29

Also unsere Spiele kannst du bedenkenlos Spielen, wir dürfen gar nicht mehr als einen Arbeitstag an Überstunden haben. Ich hatte noch nie so einen entspannten Arbeitsplatz, wie der jetztige in der Spielebranche. Während meiner Ausbildung in der Industrie war das stressiger. Es spricht halt nur nie irgendjemand über Firmen bei denen es keine Probleme gibt:

Skandal bei Ubisoft Kaffhausen: Keine Überstunden für 6 Monate! Alles läuft normal.
klingt albern oder?

Als Programmierer rede ich mich da wahrscheinlich sehr leicht aber: In unserer westlichen Welt, wo man sich auch einen anderen Arbeitgeber suchen kann, gehören zum Ausbeuten wirklich immer 2. Ein bisschen für seine Rechte kämpfen muss man halt auch. Bei den Amis ist das halt kulturell auch ein echtes Problem in den Firmen

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Axel
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Axel » 6. Jul 2019, 11:58

lolaldanee hat geschrieben:
6. Jul 2019, 11:29
Skandal bei Ubisoft Kaffhausen: Keine Überstunden für 6 Monate! Alles läuft normal.
klingt albern oder?
Kannst Du denn Deine Hand dafür ins Feuer legen, dass alle Bestandteile eines Ubisoft-Spiels unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden? Gerade die Assets werden ja gerne an Drittfirmen ausgelagert. Wie sieht es dort aus mit den Arbeitsbedingungen? Wie sieht es bei der Drittfirma aus, die sich ums Porting kümmert? Und warum bekommen Musiker in der Spielebranche in der Regel eigentlich nur eine Einmalzahlung für ihre Arbeit, statt - wie etwa beim Film üblich - einen normalen Lizenzvertrag? Bei dem man dann auch bei der zukünftigen Verwendung einen Teil abbekommt?

Gerade die großen Firmen in der Branche wedeln sich regelmäßig einen runter aufgrund immer höheren Profitmeldungen (die regelmäßigen Jubel-Pressemeldungen lesen sich zumindest so). Und vielleicht verdienen ja auch die selbstangestellten Programmierer noch okay. Aber wie sieht das bei anderen Teilen der Nahrungskette aus?

Und weil Du auf das deutsche Arbeitsrecht verweist: Wolfgang hat schon mehr als einmal davon gesprochen, wie in der deutschen Branche auf dieses Recht geschissen wird. Und da kaum was dafür gemacht wird, dass deutsches Arbeitsrecht bei den Firmen auch gelebt wird. Es hat ja einen Grund, warum so wenige ältere Menschen in der deutschen Spielebranche arbeiten. Weil sie irgendwann mal Familie bekommen und spätestens dann so Dinge wie Crunch mit einem gesunden Familienleben nicht vereinbar sind. Oder wie sieht es eigentlich bei Frauen in der deutschen Branche aus? Gerade auch mit Frauen, die schwanger werden?
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von bluttrinker13 » 6. Jul 2019, 12:33

Ich bin da ganz bei Decius.
Irgendwo habe ich das hier mit HG_Christopher auch schon mal ähnlich besprochen - die Branche muss sich zuvorderst erst mal selbst organisieren und Kampfeswillen, Widerspruch etc aufbauen, nicht nur über das erwähnte Organisatorische wie Gewerkschaftskultur, sondern auch erst mal glaubhaft über das Problem informieren und darauf hinweisen (ich halte es nach wie vor für gut möglich dass sich ein Großteil der Beschäftigten nicht an den langen Arbeitszeiten stört). Das liegt in ihrer Verantwortung, nicht in der des Endkunden.

Aktuell habe ich als Kunde ja noch nicht mal verlässliche Infos darüber wo wann und wie ein Produkt zustandekam, also sozusagen eine ethisch skalierte Varianz aus der ich dann wählen kann. Sobald Gerwerkschaften, Siegel, meinetwegen auch Great Place to Work artige Preise die was taugen etc pp etabliert wurden (innerhalb der Branche!), ab da kann ich als Kunde auch erst vernünftig entscheiden.

Parallel dazu muss natürlich auch die Politik miteinbezogen werden, was die Sache aber verkompliziert, da die Rechtslage eben in verschiedenen Ländern immer sehr anders ist.

In US gibt es doch seit kurzem sogar erfolgversprechende Ansätze in die Richtung. Ich glaube dass wir hier in 3 Jahren bereits deutlich weiter sein werden.

Voigt
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Voigt » 6. Jul 2019, 14:51

Zum Glück ist das Gewissen was ganz persönliches, daher kann ich auf die gestellte Fragen ein simples ja antworten.
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Leonard Zelig
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Leonard Zelig » 6. Jul 2019, 16:17

Axel hat geschrieben:
6. Jul 2019, 11:58
Und weil Du auf das deutsche Arbeitsrecht verweist: Wolfgang hat schon mehr als einmal davon gesprochen, wie in der deutschen Branche auf dieses Recht geschissen wird. Und da kaum was dafür gemacht wird, dass deutsches Arbeitsrecht bei den Firmen auch gelebt wird. Es hat ja einen Grund, warum so wenige ältere Menschen in der deutschen Spielebranche arbeiten. Weil sie irgendwann mal Familie bekommen und spätestens dann so Dinge wie Crunch mit einem gesunden Familienleben nicht vereinbar sind. Oder wie sieht es eigentlich bei Frauen in der deutschen Branche aus? Gerade auch mit Frauen, die schwanger werden?
Dann darf sich die deutsche Branche aber nicht wundern wenn Fachkräfte ins Ausland oder in andere Industrien wechseln. Aktuell ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt sehr gut. Da muss sich kein ITler ausbeuten lassen, sondern kann frei entscheiden wo und unter welchen Bedingungen er arbeitet.

Das Gewissen müsste sich schon bei der Hardware melden. Welche Spielekonsole, Grafikkarte und andere Komponente wird denn noch in Japan produziert? Die werden doch fast alle in China gefertigt unter widrigsten Arbeitsbedingungen. Ich weiß jetzt nicht genau wer bei Treyarch arbeitet, aber ich schätze mal, dass die anders als die Fabrikarbeiter in China noch ein paar andere Optionen haben. Wenn es über Zeitarbeit geht, wird es wohl sowieso zeitlich begrenzt sein und die meisten dürften nicht länger als drei bis sechs Monate bei Treyarch arbeiten. Mit einer hohen Fluktuation in der QA-Abteilung schneidet man sich nur ins eigene Fleisch und Treyarch sollte sich überlegen, ob die aktuelle Praxis noch zeitgemäß ist.

Von den US-Präsidentschaftskandidaten hat leider nur Bernie Sanders das Thema auf dem Radar:
https://twitter.com/BernieSanders/statu ... 0249997313
"The whole problem with the world is that fools and fanatics are always so certain of themselves, but wiser people so full of doubts."

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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von XfrogX » 6. Jul 2019, 19:04

Nach der Ansicht müsstest du ja nicht nur beim Bauern kaufen, sondern diesen auch noch befragen ob er alle Erntehelfer gut bezahlt, eine faire Überstunden Regel hat, und was wohl kaum ein Bauer hat, er selber nicht cruncht.

Gleiches beim Textil. Wo kommt der Stoff her, wer hat ihn wie gefärbt.

Und bei allem am Ende noch die Umwelt bedenken.

Am Ende müssen die Leute sich selbst wehren, das würde ich auch unterstützen, egal was sie dann brauchen, mehr Zeit, Preise anheben oder auch spiele wieder kleiner machen.

Aber wenn die Leute das mit machen, dann wird das keiner von uns hier bei denen stoppen können.

Und in Deutschland sind wir ja schon soweit das wir anfangen und für einzelne Branchen schon eine Verantwortung für die zuliefer vergeben. Damit diese nicht direkt unterdrücken in dem sie alles an Sun Unternehmer weiter geben.

Aber glaube das muss jede Branche selber sich aufbauen, vielleicht habe ich Metaller auch leicht reden, immerhin hat die ig Metall durch Streiks so einige Arbeitnehmer rechte erst angestoßen. Klar ist das bei spielen schwieriger. Aber ich glaube wenn man ea die nächsten Sportspiele blockiert dann würden die doch schnell handeln damit es weiter geht.

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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Schlagerfreund » 6. Jul 2019, 20:12

XfrogX hat geschrieben:
6. Jul 2019, 19:04
Nach der Ansicht müsstest du ja nicht nur beim Bauern kaufen, sondern diesen auch noch befragen ob er alle Erntehelfer gut bezahlt, eine faire Überstunden Regel hat, und was wohl kaum ein Bauer hat, er selber nicht cruncht.

Gleiches beim Textil. Wo kommt der Stoff her, wer hat ihn wie gefärbt.

Und bei allem am Ende noch die Umwelt bedenken.

Am Ende müssen die Leute sich selbst wehren, das würde ich auch unterstützen, egal was sie dann brauchen, mehr Zeit, Preise anheben oder auch spiele wieder kleiner machen.

Aber wenn die Leute das mit machen, dann wird das keiner von uns hier bei denen stoppen können.

Und in Deutschland sind wir ja schon soweit das wir anfangen und für einzelne Branchen schon eine Verantwortung für die zuliefer vergeben. Damit diese nicht direkt unterdrücken in dem sie alles an Sun Unternehmer weiter geben.

Aber glaube das muss jede Branche selber sich aufbauen, vielleicht habe ich Metaller auch leicht reden, immerhin hat die ig Metall durch Streiks so einige Arbeitnehmer rechte erst angestoßen. Klar ist das bei spielen schwieriger. Aber ich glaube wenn man ea die nächsten Sportspiele blockiert dann würden die doch schnell handeln damit es weiter geht.
Es darf nicht sein das ich einen Bauern erst fragen muss. Wir brauchen einen Zustand in dem es normal ist das Mitarbeiter vernünftig bezahlt und behandelt werden.

Der Erntehelfer oder QA Mitarbeiter kann sich leider selbst effektiv nicht wehren. Was willst du da machen? Muckst du alleine auf verliert du einen Job und du kannst dir wahrscheinlich nicht wirklich erlauben den zu verlieren. Deswegen müssen sich Gewerkschaften oder andere Organisationen bilden die das bündeln können. Ebenfalls muss der Kunde da ansetzen wo es Firmen wirklich weh tut und das ist das Geld.

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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von VikingBK1981 » 6. Jul 2019, 20:27

Also ohne einigen zu nah treten zu wollen oder es böse zu meinen, man sollte die Kirche aber auch mal im Dorf lassen. Ja es gibt Crunch, und sicher wäre es besser wäre es nicht so. Nur sind diese nicht total Menschenunwürdig. Manchmal habe ich das Gefühl einige denken, die Entwickler sitzen in einer dunklen Grube und werden ausgepeitscht.
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Axel » 6. Jul 2019, 20:44

VikingBK1981 hat geschrieben:
6. Jul 2019, 20:27
Also ohne einigen zu nah treten zu wollen oder es böse zu meinen, man sollte die Kirche aber auch mal im Dorf lassen. Ja es gibt Crunch, und sicher wäre es besser wäre es nicht so. Nur sind diese nicht total Menschenunwürdig.
Schonmal was von Krankheiten wie Burnout gehört? Was das der Gesundheitskasse kostet? Wie lange es dauert, diese Dreckskrankheit wieder in den Griff zu bekommen? Wir reden hier von 60 Stunden Wochen und mehr! Natürlich ist das menschenunwürdig! Zumal es mittlerweile immer mehr common sense in der Wissenschaft wird, dass der Mensch im Durchschnitt 5-6 Stunden am Tag wirklich leistungsfähig ist. Und davon abgesehen: Darf ein Arbeitnehmer keine Hobbies mehr haben? Keine Freunde? Die bleiben bei so einem Arbeitspensum nämlich ebenfalls auf der Strecke.

Leute, das Preußentum liegt schon lange hinter uns. Zum Glück! Arbeit sollte 2019 doch nun wirklich nicht alles sein. Vor allem nix, wo man sich für aufopfern muss!
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von VikingBK1981 » 6. Jul 2019, 20:49

Dann frag mal Krankenschwestern, Ärzte, Polizisten und was weiß ich sonst. Da fragt keiner was die so machen.

Zumal bei Spielentwicklung auch immer Phasen dabei sind, wo eher wenig passiert.

Ich finde es halt übertrieben eine ganze Branche als Sklaventreiber darzustellen, weil von Zeit zu Zeit mal mehr als 45 Std. gearbeitet wird.
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Schlagerfreund » 6. Jul 2019, 20:54

VikingBK1981 hat geschrieben:
6. Jul 2019, 20:49
Dann frag mal Krankenschwestern, Ärzte, Polizisten und was weiß ich sonst. Da fragt keiner was die so machen.

Zumal bei Spielentwicklung auch immer Phasen dabei sind, wo eher wenig passiert.

Ich finde es halt übertrieben eine ganze Branche als Sklaventreiber darzustellen, weil von Zeit zu Zeit mal mehr als 45 Std. gearbeitet wird.
1. Wir reden nicht über Krankenschwestern, Polizisten oder sonst wen. Vergleiche führen die Diskussion nicht weiter und sind auch unsinnig.
2. Mag sein aber ist für die Diskussion auch egal.
3. Niemand hat die ganze Branche als Sklaventreiber bezeichnet. Es ist aber bezeichnend das positive Beispiele in der Debatte als Ausnahm wahrgenommen werden, besonders wenn es in Richtung Triple A geht.

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Soulaire
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von Soulaire » 6. Jul 2019, 20:55

In erster Linie tragen die entsprechenden Staaten die Verantwortung für diese Arbeitsbedingungen. Der einzelne Konsument kann das gar nicht überblicken wie etwas genau hergestellt wird und was noch moralisch akzeptabel ist. Der Individualismus wird nur noch als Ausrede benutzt, weil man weiß dass sich so nichts ändern wird und man die entsprechende Verantwortung an den Kunden abtreten kann. Die "Moralkeule", die immer öfters rausgeholt wird verschlimmert das Ganze sogar noch und erschwert zusätzlich mögliche Verbesserungen leider.
Ich kaufe auch keine AAA-Spiele mehr aus verschiedenen Gründen, nicht nur wegen den Arbeitsbedingungen. Crunch ist ja auch nur ein Symptom von dem immer gleichen formelhaften System, welches ich persönlich nicht unterstützen möchte.
Aber das einem Einzelnen vorzuhalten halte ich für Quatsch.
Viel eher sollte man mal beim Games-Journalismus anfangen, der Crunch gelichzeitig verharmlost aber trotzdem ja ganz schlimm findet und vor allem immer noch "Hof-Berichterstattung" betreibt wo es nur geht. Gleichzeitig wird sich über fehlende Innovation beschwert und formelhafte Spiele wie Assassins Creed, Tomb Raider und Co bekommen immer noch 90er-Wertungen. Das passt einfach nicht zusammen. Gerade weil das ja alles zusammenhängt.
Mit der Formel geringe Personalkosten, generisches Spielkonzept, gute Grafik und teures Marketing wirst du so oder so erfolgreich sein und das halte ich für sehr schädlich.
Das Hauptproblem sehe ich also weniger beim Einzelnen, sondern bei einer Öffentlichkeit die sich für integer hält, aber es einfach nicht ist. z.B Gamestar.
Und bei den Arbeitsbedingungen trägt wie schon gesagt der Staat übergeordnet die Verantwortung.

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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von sleepnt » 6. Jul 2019, 20:58

Man kann und sollte sich organisieren. So wie sich viele durch unbewussten sozialen Druck zu Überstunden treiben lassen, kann es genauso anders herum sein. Aös Erzieher wird man als unkolligial angesehen, wenn man nicht mit auf die Straße geht, da man passiv bleibt und nichts gegen schlechte Arbeitsbedingungen tut. Sozialer Druck funktioniert in verschiedene Richtungen, wobei jeder einzelne dem anderen nichts böses will.

Und auch jeder für sich alleine, muss als erwachsener Mensch erkennen, was ihm gut tut und was nicht - Reflexionsfähigkeit ist eine Kernkompetenz, die jeder können oder möglichst erlernen sollte. Wenn ein einzelner dafür aufsteht und einsteht, dass er keine Überstunden macht. Wer das nicht will oder kann, der muss auch nicht. Und das die Kollegen dann mehr, nähmlich seine Arbeit auffangen, liegt an deren Unwillen, aufzustehen und für die Bereitschaft Überstunden zu leisten. So kann jeder Einzelne etwas bewegen!

Aber es ist für viele schwierig, den Glauben an sich selbst zu behalten, das verstehe ich auch! Viele Kolleginnen von mir würden gerne auch mal 'lauter' sein und 'Nein!' sagen, aber ducken sich lieber. Aber man kann ihnen stetig wieder Mut machen.

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VikingBK1981
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Re: Kann man Games eigentlich noch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren?

Beitrag von VikingBK1981 » 6. Jul 2019, 21:26

Soulaire hat geschrieben:
6. Jul 2019, 20:55
In erster Linie tragen die entsprechenden Staaten die Verantwortung für diese Arbeitsbedingungen. Der einzelne Konsument kann das gar nicht überblicken wie etwas genau hergestellt wird und was noch moralisch akzeptabel ist. Der Individualismus wird nur noch als Ausrede benutzt, weil man weiß dass sich so nichts ändern wird und man die entsprechende Verantwortung an den Kunden abtreten kann. Die "Moralkeule", die immer öfters rausgeholt wird verschlimmert das Ganze sogar noch und erschwert zusätzlich mögliche Verbesserungen leider.
Ich kaufe auch keine AAA-Spiele mehr aus verschiedenen Gründen, nicht nur wegen den Arbeitsbedingungen. Crunch ist ja auch nur ein Symptom von dem immer gleichen formelhaften System, welches ich persönlich nicht unterstützen möchte.
Aber das einem Einzelnen vorzuhalten halte ich für Quatsch.
Viel eher sollte man mal beim Games-Journalismus anfangen, der Crunch gelichzeitig verharmlost aber trotzdem ja ganz schlimm findet und vor allem immer noch "Hof-Berichterstattung" betreibt wo es nur geht. Gleichzeitig wird sich über fehlende Innovation beschwert und formelhafte Spiele wie Assassins Creed, Tomb Raider und Co bekommen immer noch 90er-Wertungen. Das passt einfach nicht zusammen. Gerade weil das ja alles zusammenhängt.
Mit der Formel geringe Personalkosten, generisches Spielkonzept, gute Grafik und teures Marketing wirst du so oder so erfolgreich sein und das halte ich für sehr schädlich.
Das Hauptproblem sehe ich also weniger beim Einzelnen, sondern bei einer Öffentlichkeit die sich für integer hält, aber es einfach nicht ist. z.B Gamestar.
Und bei den Arbeitsbedingungen trägt wie schon gesagt der Staat übergeordnet die Verantwortung.

Das hier einige aus verschiedenen Gründen keine AAA Titel mehr kaufen ist ihr gutes Recht. Die Indies als die moralisch überlegen hinzustellen ist aber sich falsch. Auch dort gibt es Crunch. Auch dort werden Mitarbeiter nach Fertigstellung entlassen.

Wenn sich was ändern soll wird das nur über die die Mitarbeiter selbst gehen.
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