Gänsehaut #7: Found-Footage-Horror, September 1999 & The Tape

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l3lackbird
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Gänsehaut #7: Found-Footage-Horror, September 1999 & The Tape

Beitrag von l3lackbird » 20. Jul 2019, 17:33

Aloha,

Ich möchte einen Beitrag leisten zur Besprechung des Titels "September 1999". Ich habe die Folge vor dem Spoilerteil pausiert und mir das kostenlose "Spiel" mal angeschaut, bzw. auch "durchgespielt", um mit den Eindrücken der beiden Podcaster mehr anfangen zu können und weil die Beschreibung des Spiels sehr interessant klang. Ich muss leider sagen, dass ich in Teilen vollkommen enttäuscht wurde.

Meine These ist, dass es "September 1999" überhaupt nicht zugute kommt als Spiel klassifiziert zu werden. Ich will damit gar nicht sagen, dass dieses Werk nicht trotzdem innerhalb dieses Spielepodcasts behandelt werden kann, sondern nur, dass es unnötige Erwartungen schürt, die dieses Werk beim persönlichen Erfahren degradiert. Denn mehr als eine Erfahrung ist "September 1999" nicht. Eine sehr kuriose Erfahrung, die einen von der ersten Sekunde an packt und großes Potential aufweist, aber darüber hinaus nichts bietet.

"September 1999" zeigt auf, was mit diesem Medium möglich ist, und darf dafür ruhig gelobt werden. Dieses Spiel jedoch mit Werken wie "What Remains of Edith Finch" zu vergleichen ist meiner Meinung nach absurd.
Eben genanntes Spiel wendet Mechaniken an um eine Erfahrung zu erschaffen, die in keinem anderen Medium in der Form möglich wäre. Das alleine ist nicht die einzige Bedingung für ein Spiel (Spiele können und dürfen sich natürlich an Merkmalen anderer Medien bedienen), jedoch das Merkmal, welches "What Remains of Edith Finch" zu einem grandiosen Spiel macht und dieses von anderen Medien abgrenzt.
Der Entwickler dieses Werkes sagte ja selber, dass "September 1999" losgelöst von allen Features gar kein Spiel mehr sei und er deswegen die Steuerung der Figur ins Spiel gebracht hätte. Lediglich eine Figur in einem virtuellem Raum zu bewegen macht noch lange kein Spiel aus, ob Narration auftaucht oder nicht.

Grob gesagt ist "September 1999" nicht mehr Spiel wie Google Streetview. Es weist den selben Grad an Interaktivität auf ist aber, im Vergleich zu Google Streetview, lediglich "moderiert". Google Streetview hat ja auch eine Narration, denn alle Bilder die man dort sieht, sind Momentaufnahmen in denen irgendetwas passiert ist. Emergent Storytelling quasi. Nur weil es auf Steam auftaucht und in einer Spieleengine läuft, macht es das Produkt nicht gleich zu einem "Spiel". Ich finde die Definition, ob "September 1999" ein Spiel sei oder nicht, wichtig, da es meiner Meinung nach für dieses Werk schädlich ist als Spiel bezeichnet zu werden. Wie seht ihr das?

Trotzdem war "September 1999" eine bereichernde Erfahrung und ich habe es nicht bereut, dank diesem Podcast, auf diese gestoßen zu sein. Danke nochmal an Dom und Nils.

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Schlagerfreund
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Re: Gänsehaut #7: Found-Footage-Horror, September 1999 & The Tape

Beitrag von Schlagerfreund » 20. Jul 2019, 17:58

Ich sehe da jetzt was das "Gameplay" angeht keinen großen Unterschied zu Edith Finch. Ein großer Unterschied ist halt die Dauer des Spiels. Gerade die Tatsache das man sich Bewegen und umgucken kann ist hier entscheidend für mich. Edith Finch als Kurzfilm hätte auf mich auch nicht so gut gewirkt wie als "Spiel".

Hier würde ich mich auch nicht so sehr an den Konventionen orientieren die wir aus dem Massenmarkt Spiele gewohnt sind. Da würde ich mal eher einen Blick auf das klassische spielen als Kind werfen. Kinder nutzen Spiele auch um andere Rollen zu erfahren. Da geht es nicht darum zu "gewinnen" oder zu verlieren. Es geht um die Erfahrung an sich. Von daher ist auch ein September 1999 oder Walking Sims eine spielerische Erfahrung.

l3lackbird
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Re: Gänsehaut #7: Found-Footage-Horror, September 1999 & The Tape

Beitrag von l3lackbird » 20. Jul 2019, 18:37

Schlagerfreund hat geschrieben:
20. Jul 2019, 17:58
Ich sehe da jetzt was das "Gameplay" angeht keinen großen Unterschied zu Edith Finch. Ein großer Unterschied ist halt die Dauer des Spiels. Gerade die Tatsache das man sich Bewegen und umgucken kann ist hier entscheidend für mich. Edith Finch als Kurzfilm hätte auf mich auch nicht so gut gewirkt wie als "Spiel".

Hier würde ich mich auch nicht so sehr an den Konventionen orientieren die wir aus dem Massenmarkt Spiele gewohnt sind. Da würde ich mal eher einen Blick auf das klassische spielen als Kind werfen. Kinder nutzen Spiele auch um andere Rollen zu erfahren. Da geht es nicht darum zu "gewinnen" oder zu verlieren. Es geht um die Erfahrung an sich. Von daher ist auch ein September 1999 oder Walking Sims eine spielerische Erfahrung.
Danke für deinen Beitrag.

Ich sehe insofern einen riesen Unterschied zu Edith Finch, da z.B. die von Jochen so hochgelobte Szene in der Fischfabrik ohne Interaktion des Spielers niemals ihre Wirkung entfalten könnte wie sie es letztendlich tat. Da stimme ich dir zu, als Kurzfilm wäre das wahrscheinlich belanglos gewesen. Solch eine Verwendung des Mediums Spiel findet in "The September 1999" jedoch nicht statt.

Ich sprach auch nicht davon, dass Walking Sims keine spielerische Erfahrung bieten könnten, ich bin selber Fan von Spielen wie "The Vanishing of Ethan Carter", "Gone Home", "Firewatch" oder eben genanntes "What Remains of Edith Finch". Ich stimme dir auch zu, dass "The September 1999" der Aspekt des in-die-Rolle-schlüpfens gelungen ist, jedoch gleicht dieses Werk weniger den oben genannten Beispielen und dem Medium Spiel, als dass es dem Medium Film gleicht, da deine Erfahrung in dieser Rolle linear, interaktiv und zeitlich eingeschränkt ist durch die Cuts die in diesem Werk auftauchen. Du schaust quasi einen Film, der nach 5 Minuten und 30 Sekunden zu Ende ist, in dessen Welt du dich zwar frei bewegen kannst, aber mit der du in keinster Weise interagieren kannst.

Wäre ein Film, der mit mehreren herkömmlichen Kameras gedreht wurde und dir die Möglichkeit überlässt während aller Szenen eine andere Kameraperspektive auszuwählen, für dich ein Spiel? Wäre eine App, die eine Tour durch ein Museum inklusive 360° Kamera ermöglicht, für dich ein Spiel?
Mir geht es bei Spielen wie gesagt nicht darum ob man "gewinnen" oder "verlieren" kann. Letztendes kann für einen Menschen alles ein Spiel sein. Aber in dem Falle könnte man auch Definitionen gleich an den Nagel hängen und nur noch von "Erfahrungen" reden.

Ich denke "The September 1999" passt strukturell einfach mehr in die Ecke "interaktiver Film" mit dem Unterschied, dass die Umgebung virtuell ist und nicht real fotografiert/abgefilmt.

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Schlagerfreund
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Re: Gänsehaut #7: Found-Footage-Horror, September 1999 & The Tape

Beitrag von Schlagerfreund » 20. Jul 2019, 19:29

Ist halt auch subjektiv. Ich fand dieses ganzes "pseudo Gameplay" bei der Fisch Story eher störend. Da haben mir im Spiel die normalen Sequenzen viel besser gefallen.

So kurz September 1999 auch ist. Man erforscht die Spielwelt und das ist auch Interaktion. Ich habe z.B. folgende Dinge getan und ausprobiert.

Geguckt ob ich Türen öffnen kann.
Versucht mit der Lampe zu interagieren
Kann ich meine Figur in der Spiegelung der Bilder sehen?
Kann ich mit der Polizei interagieren?
Welche Aspekte des Levels verändern sich zwischen den Schnitten oder innerhalb einer Sequenz?
Was sagt die Spielwelt eigentlich aus?

Wer sich umguckt findet ein Kruzifix an einer Wand, ein Bild der Szene einer Kreuzigung und auf einem Hocker liegt auch eine Bibel. Da habe ich mich schon gefragt ob es relevant ist und nach Hinweisen gesucht.

Es ist halt für mich nur nicht die klassische Interaktion auf die wir konditioniert sind. Wenn du das Spiel z.B. pausierst hörst du auch schwere Atmung im Hintergrund. Das kann schon darauf hindeuten das hier vielleicht ein Mörder sich seine Videos wieder anschaut. Für mich ist das wie gesagt auch Interaktion.

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Re: Gänsehaut #7: Found-Footage-Horror, September 1999 & The Tape

Beitrag von l3lackbird » 20. Jul 2019, 19:45

I see. Den Punkt mit "was die Spielwelt eigentlich aussagt" find ich gut. Dahingehend bot mir persönlich zwar "The September 1999" einfach zu wenig, als dass es für mich wie ein Spiel wirkte, aber ich verstehe dein Argument dahinter.

Ich bin von Spielen einfach mehr Interaktion gewohnt. Selbst aus den sogenannten "Walking Simulatoren".
Beziehungsweise, ging mir "The September 1999" nicht weit genug mit den von dir angesprochenen Elementen.
Auch ich habe geschaut, ob ich meine Figur in der Spiegelung erkennen kann. Festgestellt: Kann ich nicht. So etwas könnte natürlich etliche Denkanstöße befeuern, aber das Spiel macht leider nichts damit.

Es scheint mir, als hätte der Entwickler eigentlich vor einen Film zu drehen, war aber mit Spieleentwicklung mehr bewandert, weshalb er sich für dieses Medium entschieden hat, anstatt eine Art "Game first"-Verfahren zu wählen.

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Re: Gänsehaut #7: Found-Footage-Horror, September 1999 & The Tape

Beitrag von emanon73 » 20. Jul 2019, 22:41

Moin, ich fand die Folge durchaus interresant, aber leider ist dem Gast, für mein Empfinden, viel zuwenig Redezeit von Dir eingeräumt worden.
Deine Beiträge und Deine Sprechstimme sind mir sehr wichtig bzw. angenehm, aber in einer Folge mit Gast, sollte der Gast mehr im Mittelpunkt stehen.
Tut mir leid, daß ich diese Kritik zuerst an Dich richte, da sich meiner Meinung nach auch Jochen bei Gästen etwas zurücknehmen sollte.
Abgesehen davon, bitte weiter so.

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Re: Gänsehaut #7: Found-Footage-Horror, September 1999 & The Tape

Beitrag von Schlagerfreund » 20. Jul 2019, 22:57

emanon73 hat geschrieben:
20. Jul 2019, 22:41
Moin, ich fand die Folge durchaus interresant, aber leider ist dem Gast, für mein Empfinden, viel zuwenig Redezeit von Dir eingeräumt worden.
Deine Beiträge und Deine Sprechstimme sind mir sehr wichtig bzw. angenehm, aber in einer Folge mit Gast, sollte der Gast mehr im Mittelpunkt stehen.
Tut mir leid, daß ich diese Kritik zuerst an Dich richte, da sich meiner Meinung nach auch Jochen bei Gästen etwas zurücknehmen sollte.
Abgesehen davon, bitte weiter so.
Er ist kein "Gast" in dem Sinne. Nils und Dom machen Format zusammen. Es ist manchmal auch komplett normal das eine Person mehr Redebeitrag hat. Oft ist es so das eine Person da manchmal eher die Schlagwörter liefert oder sich etwas erklären lässt.

Spürbarer ist für mich da der Unterschied in der Aufnahmequalität der von Dom und Nils. Da klingt Dom wesentlich hochwertiger.

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Re: Gänsehaut #7: Found-Footage-Horror, September 1999 & The Tape

Beitrag von Lars Rühmann » 21. Jul 2019, 13:29

Schlagerfreund hat geschrieben:
20. Jul 2019, 22:57
emanon73 hat geschrieben:
20. Jul 2019, 22:41
Moin, ich fand die Folge durchaus interresant, aber leider ist dem Gast, für mein Empfinden, viel zuwenig Redezeit von Dir eingeräumt worden.
Deine Beiträge und Deine Sprechstimme sind mir sehr wichtig bzw. angenehm, aber in einer Folge mit Gast, sollte der Gast mehr im Mittelpunkt stehen.
Tut mir leid, daß ich diese Kritik zuerst an Dich richte, da sich meiner Meinung nach auch Jochen bei Gästen etwas zurücknehmen sollte.
Abgesehen davon, bitte weiter so.
Er ist kein "Gast" in dem Sinne. Nils und Dom machen Format zusammen. Es ist manchmal auch komplett normal das eine Person mehr Redebeitrag hat. Oft ist es so das eine Person da manchmal eher die Schlagwörter liefert oder sich etwas erklären lässt.

Spürbarer ist für mich da der Unterschied in der Aufnahmequalität der von Dom und Nils. Da klingt Dom wesentlich hochwertiger.
Ich hol schon raus, was geht.
Liebe Grüße ;)

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mfj
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Re: Gänsehaut #7: Found-Footage-Horror, September 1999 & The Tape

Beitrag von mfj » 30. Jul 2019, 20:28

Moin!
Beide Titel nicht gespielt, erstmal auch nicht vor...
Nur bei der von euch gestellten Frage, was könnte das Medium Spiel zum Found Footage Genre noch beitragen, musste ich unwillkürlich an
"The Beginners Guide" denken... Da ist es zumindest so, dass kein Videotape gefunden wurde, sondern eben Code, wie von euch angedacht, bzw. unfertige Spiele/Spielentwürfe ... Das dann aber halt kommentiert gezeigt wird, was letztlich viel von der Atmosphäre ausmacht..
Fand ich jedenfalls interessant, längst nicht auf Höhe von "The Stanley Parable" aber doch mal was anderes, eigenes...

LG-Hy

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