Runde #226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer - oder?

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Hegelkant
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Hegelkant »

Sehr gelungener Podcast mit guten Diskutanten und wie immer vorbildlicher Moderation. :)

Ein Anmerkung zum Thema Liberalismus, den Wolfgang so stark verteidigt hat. Ja, alles, was nicht verboten ist, ist zunächst mal erlaubt (mit Ausnahme von Medikamenten, Lebensmitteln etc, wo es um die Gesundheit geht), bis es als schädlich nachgewiesen ist. Ja, neue Technologie ist zunächst erlaubt. Ja, niemand käme auf die Idee, Internet oder Smartphone zunächst ausgiebig zu untersuchen und erst nach vielen Jahren (Langzeittestes!) der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Warum eigentlich nicht?

Wie Wolfgang es (nicht das erste Mal) formuliert, sind wir Teil eines riesigen gesellschaftlichen Experiments. Mit ungewissem Ausgang. Spätestens seit 10 Jahren, vielleicht schon seit 15 Jahren ist absehbar, dass das Internet bzw. die Digitalisierung mittel- bis langfristig den Einzelhandel zerstört, den Journalismus zerstört, die Debattenkultur zerstört, Energie verbraucht ohne Ende und Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Ja ... scheiße. Stand heute würde ich nicht sagen, dass die positiven Aspekte überwiegen. Aber vom Abschalten spricht (leider?) keiner.

Will sagen: Wissenschaftliche Studien durchzuführen, bevor man etwas zulässt, mag langwierig und teuer sein, aber vielleicht ist es doch die bessere Lösung, als doch erst die Büchse der Pandora zu öffnen und dann zu schauen, was passiert. Und dieses Argument gilt für Gewaltdarstellung und Hakenkreuze gleichermaßen.

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VikingBK1981
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von VikingBK1981 »

Hegelkant hat geschrieben:
6. Aug 2019, 00:43
Sehr gelungener Podcast mit guten Diskutanten und wie immer vorbildlicher Moderation. :)

Ein Anmerkung zum Thema Liberalismus, den Wolfgang so stark verteidigt hat. Ja, alles, was nicht verboten ist, ist zunächst mal erlaubt (mit Ausnahme von Medikamenten, Lebensmitteln etc, wo es um die Gesundheit geht), bis es als schädlich nachgewiesen ist. Ja, neue Technologie ist zunächst erlaubt. Ja, niemand käme auf die Idee, Internet oder Smartphone zunächst ausgiebig zu untersuchen und erst nach vielen Jahren (Langzeittestes!) der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Warum eigentlich nicht?

Wie Wolfgang es (nicht das erste Mal) formuliert, sind wir Teil eines riesigen gesellschaftlichen Experiments. Mit ungewissem Ausgang. Spätestens seit 10 Jahren, vielleicht schon seit 15 Jahren ist absehbar, dass das Internet bzw. die Digitalisierung mittel- bis langfristig den Einzelhandel zerstört, den Journalismus zerstört, die Debattenkultur zerstört, Energie verbraucht ohne Ende und Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Ja ... scheiße. Stand heute würde ich nicht sagen, dass die positiven Aspekte überwiegen. Aber vom Abschalten spricht (leider?) keiner.

Will sagen: Wissenschaftliche Studien durchzuführen, bevor man etwas zulässt, mag langwierig und teuer sein, aber vielleicht ist es doch die bessere Lösung, als doch erst die Büchse der Pandora zu öffnen und dann zu schauen, was passiert. Und dieses Argument gilt für Gewaltdarstellung und Hakenkreuze gleichermaßen.
Das Internet zerstört nichts, es verändert. Es gibt immer noch Journalismus, Einzelhandel und Co, nur sieht der anders aus. Das Problem an Studien ist nämlich auch, man wird fast nie eindeutige Ergebnisse bekommen. Es wird immer Studien für und wieder geben.
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Rigolax
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Rigolax »

Andre Peschke hat geschrieben:
5. Aug 2019, 23:32
Guybrush hat geschrieben:
5. Aug 2019, 21:09
@Andre: Ich schätze Wolfgang wirklich sehr und will seine Aussage auch gar nicht unbedingt anzweifeln, aber gerade im Hinblick darauf, dass er erstens in seiner Kolumne explizit die fehlenden empirischen Nachweise bei Petra kritisiert und ihr zweitens bei "Nachgeforscht" erst neulich einen riesigen Zweiteiler zum Thema "empirische Studien lesen" formuliert habt, hätte ich es im Sinne der argumentativen Transparenz schon angemessen gefunden, Wolfgang auf einen korrekten Verweis oder das Nachliefern der entsprechenden wissenschaftlichen Quellen hinzuweisen.
Ich hatte mindestens einmal in der Folge darauf hingewiesen, dass es keinen Konsens gibt, was Gewaltwirkungsforschung gibt. Das war IIRC in Reaktion auf Petra, allerdings. Kann mich an eine solche Aussage von Wolfgang gerade nicht erinnern. Grundsätzlich wollte ich aber nicht, dass sich die zwei da noch weiter off-topic begeben und habe dann auch mal was einfach so stehen lassen.

Andre
Vielleicht ist die Stelle bei 39:00f. gemeint. Ich zitier mich mal selbst aus dem Thread hier: Zum Podcast: Bei dem was Wolfgang sagt, so ab 39:00, musste ich mich schon arg wundern, also dass man wieder eine härtere Spruchpraxis bei „Gewalt- und Kriegsverherrlichung“ etablieren sollte, dass es einen Zusammenhang zu einer Abstumpfung gäbe (als Beispiel werden Kommentare über ertrinkende Flüchtlinge genannt), und dass wir uns da auf „wissenschaftlich relativ gesichertem Grund“ befänden. Bin mir aber ehrlich gesagt nicht 100% sicher, ob das so konkret gemeint war, aber war schon sehr entschieden formuliert.

Rince81
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Rince81 »

Axel hat geschrieben:
6. Aug 2019, 00:22
Weil uns guter Jugendschutz etwas wert sein sollte. Es geht immerhin um unsere Kinder. Unsere Zukunft. Die Menschen, die zukünftig wählen, uns im Alter betreuen und unsere Renten finanzieren sollen. Man kann ja nicht sagen: Jugendschutz ist ja ganz nett, aber bitte erst in 10-20 Jahren, oder so. Man überlässt das Feld der Kinder- und Jugenderziehung gerade kampflos den Tech-Riesen wie Google und Facebook. Weiß nicht, ob ich das so tollig finden soll.
Aber was ist denn guter Jugendschutz? Dein bisheriges Argument ist allein, früher war der härter als heute. Das reicht mir nicht, früher hat man nämlich auch Frauen auf Scheiterhaufen verbrannt, weil man sie für Hexen gehalten hat. Nur weil ein Spiel vor 15 Jahren auf dem Index gelandet wäre, welches heute locker mit einer USK 18 durch die Prüfung segelt heißt das nicht, dass wir damals einen besseren Jugendschutz hatten.
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Leonard Zelig
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Leonard Zelig »

Rigolax hat geschrieben:
6. Aug 2019, 01:25
Vielleicht ist die Stelle bei 39:00f. gemeint. Ich zitier mich mal selbst aus dem Thread hier: Zum Podcast: Bei dem was Wolfgang sagt, so ab 39:00, musste ich mich schon arg wundern, also dass man wieder eine härtere Spruchpraxis bei „Gewalt- und Kriegsverherrlichung“ etablieren sollte, dass es einen Zusammenhang zu einer Abstumpfung gäbe (als Beispiel werden Kommentare über ertrinkende Flüchtlinge genannt), und dass wir uns da auf „wissenschaftlich relativ gesichertem Grund“ befänden. Bin mir aber ehrlich gesagt nicht 100% sicher, ob das so konkret gemeint war, aber war schon sehr entschieden formuliert.
Also bei Facebook kommen die fremdenfeindlichen Kommentare über Flüchtlinge meist von älteren Semestern. Ob die jetzt in ihrer Freizeit moderne Shooter am Computer spielen und dadurch abgestumpft wurden, wage ich mal zu bezweifeln. Solche Proleten gab es schon immer, aber damals ist ihr Geschwätz halt in der Stammkneipe geblieben und war nicht für die ganze Welt öffentlich einsehbar. Und wo war denn die Empathie mit den Juden in der Weimarer Republik? Da dürfte es ja noch keine emotionale Abstumpfung durch die Medien gegeben haben. Wahrscheinlich ist die heutige Welt sogar empathischer, weil die Kindererziehung weniger von Gewalt geprägt ist. Als mein Vater in den 70er-Jahren auf dem Gymnasium war, war es noch Usus die Jungen für Fehlverhalten mit Gewalt zu bestrafen. Heute gäbe es zurecht einen Shitstorm wenn ein Lehrer den Rohrstock wieder einführt.
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philipp_neu
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von philipp_neu »

Jugenschutz wurde meiner Meinung nach jahrelang mit einem veralteten, maroden konservativen Weltbild in Deutschland durchgedrückt. Das sich dies langsam ändert ist ein erfreudiger, langwieriger Prozess, damit meine ich das wir uns langsam dem gesunden Menschenverstand annähern.
Sollten brutale Spiele nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden, weil sie potenziell schädlich sind? Ja, gerne. Gebt den Eltern Richtlinien an die sie sich halten können.
Sollte dies zu einer quasi Zensur in Deutschland führen, wie es Jahrelang der Fall war? Nein. Da können die USK, BPjM und Konsorten noch hundertmal behaupten es würde keine Zenzur stattfinden.

Für mich ist die Diskussion um Gewalt und Hakenkreuze in Videospielen eine Scheindebatte, man hat bei Petra ja deutlich rausgehört: Ich glaube, ich habe das Gefühl usw., jeder Satz fing damit an wenn es darum ging warum Hakenkreuze oder Gewalt schädlich sind. Es ist eine Debatte die von den Konservativen mit einem dumpfen Bauchgefühl ohne wirkliche Fakten geführt wird, ähnliches gilt z.B. auch in der Drogenpolitik.
Das führt nur dazu das von den wirklichen Problemen abgelenkt wird, nämlich den Schutz der Kinder vor Ihrer potenziell schädlichen Umwelt, bei Problemen echte Hilfe zu leisten und die damit verbundenen Kosten für die Gesellschaft. Da ist es doch einfacher auf böse Computerspiele oder Musik zu verweisen.

Gleiches findet übrigens jetzt grade aktuell in den Medien der USA nach den Attentaten in El Paso und Daytona statt. Anstatt die wirklichen Probleme anzugehen wie Mental Healt Issues oder das man Sturmgewehre in jedem Supermarkt kaufen kann, versuchen konservative Politiker wieder Computerspiele für die Taten verantworlich zu machen. Wann hört der Wahnsinn endlich mal auf?

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Andre Peschke
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Andre Peschke »

Axel hat geschrieben:
6. Aug 2019, 00:22
Weil uns guter Jugendschutz etwas wert sein sollte.
Außer Zeit? Wenn guter Jugendschutz nicht von heute auf morgen geht, dann sollte man doch lieber heute anfangen mit der Umsetzung, damit wir in 10 Jahren einen guten Jugendschutz haben. Beim Atomausstieg haben Befürworter ja auch nicht gesagt: "Nein, MORGEN FRÜH wird der Schalter umgelegt!!!"

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drgonzo
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von drgonzo »

VikingBK1981 hat geschrieben:
6. Aug 2019, 00:39
Wir haben einen Jugendschutz. Ich sehe eher, das Eltern aufgeben. Und ja es ist schwer, aber auch nicht unmöglich Kinder vor bestimmten Inhalten zu schützen.
Das würde mich ja mal interessieren, wie ich meine Kinder ohne die notwendigen technischen Kenntnisse oder wenigstens eine gewisse Technikaffinität effektiv vor unangemessenen Inhalten schützen soll. Das hieße demnach, dass ohne gewisse Bildungsgrundlagen die notwendigen Kompetenzen für elterlich durchgesetzten Jugendschutz im Nachhinein nur durch vergleichsweise hohen zeitlichen Aufwand erworben werden können. Meiner Einschätzung nach tendiert das in überwiegend vielen Elternhäusern hin zur Unmöglichkeit. Vielleicht bin ich aber auch nur zu pessimistisch und die meisten Leute bekommen das besser hin, als gedacht.

Andreas29
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Andreas29 »

In den USA gibt es jetzt gerade wegen der zwei Mass Shootings innerhalb von 24 Stunden eine ausgewachsene Killerspieldebatte.

Trump will sogar die Verbreitung einschränken, was in den USA doch relativ ungewöhnlich ist. Zumindest als Forderung vom Staat. Aber... nunja, ist ja Trump.

Fox News ist auch voll dabei und hochrangige republikanische Abgeordnete.

https://www.independent.co.uk/life-styl ... 40066.html

Die Börsenkurse großer Publisher sind schon gefallen.

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derblaueClaus
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von derblaueClaus »

Jetzt kann ich mich doch nicht zurückhalten und muss meine juristisch-fachliche Meinung zu dem Thema abgeben.

Für mich war die Diskussion eine Nicht-Diskussion bzw. eine Diskussion ohne erheblichen Mehrwert. Denn sie geht am Kern des Problems vorbei. Wir leben in einer freien Gesellschaft, wenn ich also Kunstwerk X oder Aktion Y ausführen möchte, dann ist es legal das zu tun. Das sagt schließlich Art. 2 GG bzw. für die Kunst nochmal erheblich weiter Art. 5 Abs. 3 GG. Und das aus gutem Grund. Nicht alles was einer Mehrheit missfällt, sollte verboten werden, wohin das führt haben wir ja gesehen. Der Staat darf gerade keine Geschmackspolizei sein. An diese Regeln hat sich in einem Rechtsstaat, der der unsrige ist, der Staat zu halten (Recht und Gesetz binden den Staat und seine Gewalt, Art. 20 Abs. 3 GG). Das gilt damit auch für die USK.

Diese Konstruktion existiert ja nicht aus lauter Jux und Dollerei. Sondern aus jahrhundertelangen Erfahrungen und einem Menschenbild, dass den Menschen als selbstbestimmt denkendes Individuum sieht, nicht als eines das vom Staat bevormundet und gehätschelt werden muss.

Wenn sich also jetzt eine Behörde wie die USK jahrzehntelang nicht an eine Vorschrift hält, die genau das Recht auf Kunstfreiheit garantiert (§ 86 Abs. 3 3. Alt. StGB), dann ist das ein handfester Skandal. Dieser rechtswidrigen Praxis dann auch noch hinterherzutrauern zeigt schon ein besonderes Verständnis von Freiheit, Kunstfreiheit und unserem Rechtsstaat im Allgemeinen.

Das heißt ausdrücklich nicht, dass man Gesetzte und Vorschriften nicht ändern kann. Werte und damit auch Gesetzte und ihre Auslegung verändern sich. Nur ist die Kunstfreiheit ein derart wichtiges und grundlegendes Grundrecht, dass ich es für nur schwer vorstellbar halte ein verfassungsmäßiges Gesetz zu zimmern, dass Hakenkreuze im Allgemeinen und für alle denkbaren Anwendungen verbietet.

Worüber wir also diskutieren sollten ist nicht die USK oder über Verbote. Sondern über Geschmack. Liebe Spielejournalisten, wenn euch in einem Spiel Hakenkreuze aufstoßen dann weist darauf hin und wertet ein Spiel ggfs. ab. Dann kann euer Leser aufgrund eures Eindrucks entscheiden, ob er das möchte oder nicht. Das gleiche gilt übrigens auch für das angeschnittene Thema Gewalt.

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Andre Peschke
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Andre Peschke »

Andreas29 hat geschrieben:
6. Aug 2019, 11:40
In den USA gibt es jetzt gerade wegen der zwei Mass Shootings innerhalb von 24 Stunden eine ausgewachsene Killerspieldebatte.

Trump will sogar die Verbreitung einschränken, was in den USA doch relativ ungewöhnlich ist. Zumindest als Forderung vom Staat. Aber... nunja, ist ja Trump.
Das ist nix neues von Trump: https://time.com/5191182/trump-video-games-violence/

Was ja logisch ist: Er will nicht an die Waffengesetze, also braucht es eine Nebelkerze.

Andre

bimbes1984

Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von bimbes1984 »

Naja...die Waffen sind ja nicht erst seit Trump im Umlauf. Die Frage ist doch, wieso die Anzahl der Massaker in den letzten 10-20 Jahren so zugenommen haben. Es ist natürlich totaler Kappes hier Videospiele als einzigen Grund zu nennen (wobei man echt schon ausrasten kann bei Mario Kart).

Ich habe zwei Freunde die seit ~10 bzw. ~20 Jahren in Texas leben, beide sind mittlerweile totale Waffennarren und gehen regelmäßig auf die shooting range, ich kam nach der Bundeswehr auch einmal in den Genuss wieder dort zu ballern und ja, das macht verdammt viel Spaß, auch (und gerade) die voll/halb-Automatischen Gewehre. Es hat auch etwas meditationsartiges auf dem Schießplatz zu sein...schwer das zu beschreiben.

Wie auch immer, wäre ich Amerikaner, dann würde ich mir meine Waffen auch nicht nehmen lassen, nur weil es kranke Menschen auf der Welt gibt, die damit töten wollen. Ich glaube, dass solche Menschen auch ohne Schusswaffen ihrer Gewalt freien Lauf lassen würden z.B. durch Bomben oder andere Waffen.

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Schlagerfreund
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Schlagerfreund »

bimbes1984 hat geschrieben:
6. Aug 2019, 12:47
Naja...die Waffen sind ja nicht erst seit Trump im Umlauf. Die Frage ist doch, wieso die Anzahl der Massaker in den letzten 10-20 Jahren so zugenommen haben. Es ist natürlich totaler Kappes hier Videospiele als einzigen Grund zu nennen (wobei man echt schon ausrasten kann bei Mario Kart).

Ich habe zwei Freunde die seit ~10 bzw. ~20 Jahren in Texas leben, beide sind mittlerweile totale Waffennarren und gehen regelmäßig auf die shooting range, ich kam nach der Bundeswehr auch einmal in den Genuss wieder dort zu ballern und ja, das macht verdammt viel Spaß, auch (und gerade) die voll/halb-Automatischen Gewehre. Es hat auch etwas meditationsartiges auf dem Schießplatz zu sein...schwer das zu beschreiben.

Wie auch immer, wäre ich Amerikaner, dann würde ich mir meine Waffen auch nicht nehmen lassen, nur weil es kranke Menschen auf der Welt gibt, die damit töten wollen. Ich glaube, dass solche Menschen auch ohne Schusswaffen ihrer Gewalt freien Lauf lassen würden z.B. durch Bomben oder andere Waffen.
Man muss differenzieren zwischen z.B. klassischen Amokläufen, wo es wirklich Einzeltäter sind, wie z.B. bei School Shootings und Terrorismus. Gerade letzteres ist in den USA in den letzten Jahren massiv explodiert. Da hast du zum Großteil Täter die politisch rechtsradikal/extrem aufgestellt sind. Da hat die Verrohung der Sprache eine nicht kleine Rolle und die sowieso große soziale Spaltung in den USA. Wenn der US-Präsident quasi jeden Tag Lügen und rassistische und menschenverachtende Rhetorik an den Tag legt, dann fühlen sich gewisse Leute legitimiert Gewalt anzuwenden. Dazu kommt noch das es in den USA sehr leicht ist die entsprechenden Werkzeuge aka Waffen dafür zu besitzen.

Andreas29
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Andreas29 »

bimbes1984 hat geschrieben:
6. Aug 2019, 12:47
Wie auch immer, wäre ich Amerikaner, dann würde ich mir meine Waffen auch nicht nehmen lassen, nur weil es kranke Menschen auf der Welt gibt, die damit töten wollen. Ich glaube, dass solche Menschen auch ohne Schusswaffen ihrer Gewalt freien Lauf lassen würden z.B. durch Bomben oder andere Waffen.
Also ich bin etwas schockiert und würde Dir gerne komplett und mit hochem Nachdruck widersprechen, aber der Thread würde dann sehr Off-Topic werden.

Nur eine kleine Denkstütze: Bomben zu bauen ist kompliziert und das schaffen nur sehr wenige und mit Messern oder anderen Nahkampfwaffen, kann man wesentlich weniger Schaden anrichten als mit einer Schusswaffe, bevor man gestoppt wird. Ebenso ist die Hemmschwelle bei Schusswaffen niedriger, weil du keinen körperlichen Kontakt zum Opfer hast.

Du hast Recht: Gewalt wird sich immer Bahn brechen, aber man muss den Leuten in unserer Gesellschaft ja nicht die Möglichkeit geben, es auch noch besonders leicht und effektiv tun zu können.

Deswegen gehören Feuerwaffen nicht in Privatbesitz.

Mir ist sogar das eigentlich sehr strenge deutsche Waffengesetz noch zu schwach. Ich würde sogar in Schützenvereinen verbieten mit mehr als Kleinkaliber zu schießen. Und egal wie toll der Tresor ist: Waffen zuhause verboten.

philipp_neu
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von philipp_neu »

Es geht ja glaube ich nicht darum dass jemand was gegen Waffennarren hat, sondern um die leichte Verfügbarkeit von Kriegswaffen, Waffen, die nur zu einem Zweck gebaut werden, massiven Schaden in einem relativ kurzen Zeitraum zu verursachen. Warum benötigen Zivilisten Waffen, die 100 Schuss Magazine haben? Ach, egal.
Das ist zwar sicherlich nicht der einzige Grund, aber man könnte daran relativ leicht etwas ändern. Das weit tiefere Problem, nämlich White Supremacy und die krasse radikalisierung im Internet sind weitere Gründe, benötigen aber viel mehr Zeit um daran was zu ändern. Probleme die sich übrigens auch hier in Europa abzeichnen.

Aber das ist jetzt wirklich krass Off-Topic und als Durschnittseuropäer blickt man da eh kaum durch, schneidet aber durch die aktuelle Debatte dort auch unser Thema hier.

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VikingBK1981
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von VikingBK1981 »

drgonzo hat geschrieben:
6. Aug 2019, 11:18
VikingBK1981 hat geschrieben:
6. Aug 2019, 00:39
Wir haben einen Jugendschutz. Ich sehe eher, das Eltern aufgeben. Und ja es ist schwer, aber auch nicht unmöglich Kinder vor bestimmten Inhalten zu schützen.
Das würde mich ja mal interessieren, wie ich meine Kinder ohne die notwendigen technischen Kenntnisse oder wenigstens eine gewisse Technikaffinität effektiv vor unangemessenen Inhalten schützen soll. Das hieße demnach, dass ohne gewisse Bildungsgrundlagen die notwendigen Kompetenzen für elterlich durchgesetzten Jugendschutz im Nachhinein nur durch vergleichsweise hohen zeitlichen Aufwand erworben werden können. Meiner Einschätzung nach tendiert das in überwiegend vielen Elternhäusern hin zur Unmöglichkeit. Vielleicht bin ich aber auch nur zu pessimistisch und die meisten Leute bekommen das besser hin, als gedacht.
Als Eltern muss man sich dann halt mal einlesen, was in Zeit von Google (wie sichere ich eine PS4/XboxOne oder den Toaster) ja wohl schnell möglich ist. Aber einfach zu sagen, oh das ist mit Arbeit verbunden, ich lasse das mal ist ja wohl ne Armutserklärung. Immer schön die Verantwortung abwälzen. Und machen wir uns nichts vor, heutige Technik zu sichern ist deutlich einfacher als es früher war. Und wenn es wirklich nicht alleine geht gibt es Fachleute dafür. Wenn man Kindern Regeln gibt macht es das ganze schon einfacher.

Jugendschutz ist nunmal auch Aufgabe der Eltern. Für alle Altersgruppen etwas zu verbieten, nur weil Kinder es in die Hände bekommen könnten würde zu einer sehr komischen Gesellschaft führen.
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von VikingBK1981 »

Andreas29 hat geschrieben:
6. Aug 2019, 12:58
bimbes1984 hat geschrieben:
6. Aug 2019, 12:47
Wie auch immer, wäre ich Amerikaner, dann würde ich mir meine Waffen auch nicht nehmen lassen, nur weil es kranke Menschen auf der Welt gibt, die damit töten wollen. Ich glaube, dass solche Menschen auch ohne Schusswaffen ihrer Gewalt freien Lauf lassen würden z.B. durch Bomben oder andere Waffen.
Also ich bin etwas schockiert und würde Dir gerne komplett und mit hochem Nachdruck widersprechen, aber der Thread würde dann sehr Off-Topic werden.

Nur eine kleine Denkstütze: Bomben zu bauen ist kompliziert und das schaffen nur sehr wenige und mit Messern oder anderen Nahkampfwaffen, kann man wesentlich weniger Schaden anrichten als mit einer Schusswaffe, bevor man gestoppt wird. Ebenso ist die Hemmschwelle bei Schusswaffen niedriger, weil du keinen körperlichen Kontakt zum Opfer hast.

Du hast Recht: Gewalt wird sich immer Bahn brechen, aber man muss den Leuten in unserer Gesellschaft ja nicht die Möglichkeit geben, es auch noch besonders leicht und effektiv tun zu können.

Deswegen gehören Feuerwaffen nicht in Privatbesitz.

Mir ist sogar das eigentlich sehr strenge deutsche Waffengesetz noch zu schwach. Ich würde sogar in Schützenvereinen verbieten mit mehr als Kleinkaliber zu schießen. Und egal wie toll der Tresor ist: Waffen zuhause verboten.
Kann dir da nur zustimmen, und das als jemand der Waffen sehr mag. Als Polizist habe ich ja sogar privat oft meine Dienstwaffe dabei. Das Gewaltmonopol hat aber nur beim Staat zu liegen. Mir fällt kein Grund ein, warum ein Bürger eine Waffe tragen sollte. Auch in den USA ist es ja nur eine Minderheit von glaube ich 30%. Das Problem ist dort, dass die 30% nicht freiwillig ihre Waffen abgeben und die Interessenvertretung viel Geld dafür ausgibt das der Status so bleibt. Es führt halt zu unerträglichen Leid.
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Schlagerfreund
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Schlagerfreund »

In den USA musst du auch unterscheiden zwischen Dingen wie Waffenbesitzer und Leuten die z.B. eine Open oder Concealed Carry License haben. Aber wir schweifen ab.

Rince81
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Rince81 »

bimbes1984 hat geschrieben:
6. Aug 2019, 12:47
Naja...die Waffen sind ja nicht erst seit Trump im Umlauf. Die Frage ist doch, wieso die Anzahl der Massaker in den letzten 10-20 Jahren so zugenommen haben. Es ist natürlich totaler Kappes hier Videospiele als einzigen Grund zu nennen (wobei man echt schon ausrasten kann bei Mario Kart).
Ich glaube der Ansatz ist falsch. Die US-Gesellschaft ist unglaublich divers aber die Geschichte der USA sind durchzogen von einer Geschichte von Gewalt - teils extremer Gewalt - der Bevölkerung untereinander. Sei es die Eroberung des Westens an sich, die Sklaverei mit all ihren menschenverachtenden Auswüchsen. 1811 hat man beispielsweise die Köpfe von zum Tode verurteilten Sklaven in Louisiana auf Pfähle gesteckt und zur Abschreckung ausgestellt, so richtig GoT mäßig - und das nur knapp über 200 Jahre her mitten in den USA.
Zwischen 1882 und 1968(!) wurden 4743 Menschen - meist Schwarze - in den USA gelyncht - oft im Beisein von Dutzenden, wenn nicht Hunderten.
https://en.wikipedia.org/wiki/Lynching_ ... ted_States
https://en.wikipedia.org/wiki/Moore%27s_Ford_lynchings
In Tulsa wurden 1921(!) in einem Pogrom um die 300 Menschen ermordet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rassenunruhen_in_Tulsa
Die gesamte Bürgerrechtsbewegung der USA war auch ein Kampf gegen die Gewalt, denen Schwarze in den USA ausgesetzt waren - wo Schüler von der Nationalgarde vor dem weißen Mob beschützt werden mussten. Geändert hat sich heute nur die Form der Gewalt, nicht die Richtung.

Wenn nun jemand mit einer Waffe in einem primär von Latinos besuchten Walmart um sich schießt ist das nicht "neu" oder irgendetwas, was Videospiele verursacht haben und woran nicht einmal die laxen Waffengesetze primär dran Schuld sind. Das ist letztlich leider so amerikanisch wie Apple Pie und etwas, was leider zu wenige Amerikaner in ihrer Annahme des Amerikanischen Exzeptionalismus anerkennen und sehen.
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Schlagerfreund
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Re: Runde 226: Hakenkreuze geht (jetzt) immer – oder?

Beitrag von Schlagerfreund »

Vielleicht die Diskussion hier weiter führen?
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Dort besser aufgehoben als hier.

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