Runde 227: Observation

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DexterKane
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von DexterKane » 12. Aug 2019, 14:19

Heretic hat geschrieben:
12. Aug 2019, 13:07
DexterKane hat geschrieben:
12. Aug 2019, 12:05
Nicht nur ist 2001 sterbenslangweilig und (um mal beim guten Herrn Schiffer zu wildern) Esoscheiße, es ist wohl einer der überschätztesten Filme aller Zeiten!
Wenn man so etwas in den Raum wirft, wäre eine Begründung nicht verkehrt. Gerne im Filmthread, wenn das hier zu OT sein sollte. ;)
DexterKane hat geschrieben:
12. Aug 2019, 12:05
@Topic
Da bin ich sehr froh den Spoilerteil gehört zu haben.
Die Problematik mit dem Ende ist tatsächlich ein pet peeve von mir und hätte mir die Erfahrung komplett versaut.
Was fehlt dir denn bei diesem Ende? Eine übergreifende Erklärung? Dabei kommt doch in den meisten Fällen nur Unsinn wie die Midichlorianer heraus. Das Spiel macht zuviele Baustellen auf (höchtwahrscheinlich zur Streckung der Spielzeit) und lässt viele Fragen unbeantwortet, das stimmt wohl. Aber die Geschichte um SAM und Emma wird imo zu einem befriedigendem Ende gebracht. Wenn auch wenig originell und maximal auf durchschnittlichem Niveau. Ein solider B-Movie im Spielgewand eben. Die Schwächen im Gameplay finde ich da weitaus schlimmer.
Da klopft man einmal ne steile These raus... ;)
SpoilerShow
Unterm Strich: das Starchild.
Ich hab den Film auch schon länger nicht mehr gesehen, aber kurz darauf hatte ich eine ellenlange Diskussion mit nnem Kumpel von mir, der sehr überzeugt davon war, dass das Kind der quasi durch das göttliche ermöglichte nächste Sprung in der Evolution der Menschheit sei, so wie der Monolith auch schon das ursprüngliche Missing Link darstellt. Wir haben also die außerirdische Macht, die die Evolution des Menschen kickstartet und in gewisser weise auch steuert.
Und sorry, aber das ist Esoscheiße a la Erich von Däniken.
Man kann da sicherlich auch anders interpretieren, aber da ich den Film eh schon eher meh fand, bestärkte mich das in meiner Meinung zu sagen: "Das mag eine valide Interpretation sein, aber wenn der Film mir das sagen will, dann ist er halt kacke!"
(Ich kann, was sowas angeht, ziemlich stur sein und im Text kommt das manchmal großkotzig rüber, auch wenn ich das eigentlich gar nicht so meine. :) )
Jedenfalls wollte ich gar nicht riesig die 2001 Diskussion starten.
Topic:
ich hätte tatsächlich lieber eine mittelmäßige Erklärung als keine.
Ja, die Midichlorianer sind kacke, aber haupzsächlich weil sie völlig unnötig sind. Das Anakin der potenzielle UBER-ROXXOR Force User ist, krieg ich auch locker erklärt, ohne mir irgendwelche machtsensitiven Microorganismen aus dem Hintern zu ziehen.

Die unsitte, interessante Fragen aufzuwerfen, und dann keine Antworten zu liefern, reizt mich jedesmal ohne Ende.
Da ist mir das ebenfalls erwähnte The Station zehnmal lieber. Da hab ich zwar damals schon im nicht Spoiler teil das Ende erraten, aber unterm Strich hat das seine Prämisse und setzt diese relativ kompetent um. Das ist vielleicht nur ganz nett, aber wenigstens wirft es nicht prätentiös Fragen auf, auf die es selbst keine Antworten hat.

Die Steuerung kingt echt gruselig, für eine coole Geschichte käme ich damit aber wahrhscheinlich klar. Da es diese nur sehr bedingt liefert ist das wohl nichts für mich. Zumindest nicht gut genug, um meinen Epic Boycott dranzugeben...
Relax, it's North-Korea. The nation state equivalent of the short-bus. - Sterling Archer

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Andre Peschke
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von Andre Peschke » 12. Aug 2019, 16:06

rammmses hat geschrieben:
12. Aug 2019, 14:17
SpoilerShow
Ja, das war "unheimlich", aber das Gameplay geht nicht in die Horrorrichtung. Ich hätte mir etwa so eine Art Five Nights at Freddy's gewünscht, bei der man als KI die Türen kontrolliert, um irgendwelche Tentakelwesen oder die verrückte Klon-Besatzung fernzuhalten und die gute Frau durch die Raumstation lotst, bevor sie in einer spektakulären Animation zerfetzt wird. Oder bei "Suche das böse Wesen" ein paar fiese Jumpscares, bei denen was in die Kamera springt. Das hätte mir mehr gefallen und wäre imho ehrlicher als das ganze Pseudo-Intellektuelle. Denn irgendwie ist das Spiel ja schon eher Event Horizon als 2001, aber will das einfach nicht wahrhaben. ;)
Ist halt die Frage der persönlichen Erwartung an "Horror" und sicher auch der eigenen Sehgewohnheiten. Es wird Menschen geben, die das bereits angsteinflößend finden, unsereins lässt es kalt, weil wir schon viel mehr gewohnt sind. Ästhetisch und inhaltlich ist es da IMO eindeutig bereits im Sci-Fi-Horror angelangt. Das die Intensität der Erfahrung nicht besonders hoch ist: Klare Zustimmung. Wenn man Horror als Erfahrung aufsucht, die eine nervliche Anspannug verspricht oder sich gar Extremsituationen aussetzen will - falsche Adresse, nicht verbunden, dieser Teilnehmer existiert nicht. ^^

Andre

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Heretic
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von Heretic » 12. Aug 2019, 19:22

DexterKane hat geschrieben:
12. Aug 2019, 14:19
Da klopft man einmal ne steile These raus... ;)
SpoilerShow
Unterm Strich: das Starchild.
Ich hab den Film auch schon länger nicht mehr gesehen, aber kurz darauf hatte ich eine ellenlange Diskussion mit nnem Kumpel von mir, der sehr überzeugt davon war, dass das Kind der quasi durch das göttliche ermöglichte nächste Sprung in der Evolution der Menschheit sei, so wie der Monolith auch schon das ursprüngliche Missing Link darstellt. Wir haben also die außerirdische Macht, die die Evolution des Menschen kickstartet und in gewisser weise auch steuert.
Und sorry, aber das ist Esoscheiße a la Erich von Däniken.
Man kann da sicherlich auch anders interpretieren, aber da ich den Film eh schon eher meh fand, bestärkte mich das in meiner Meinung zu sagen: "Das mag eine valide Interpretation sein, aber wenn der Film mir das sagen will, dann ist er halt kacke!"
(Ich kann, was sowas angeht, ziemlich stur sein und im Text kommt das manchmal großkotzig rüber, auch wenn ich das eigentlich gar nicht so meine. :) )
Jedenfalls wollte ich gar nicht riesig die 2001 Diskussion starten.
SpoilerShow
Das einem gerade das Ende des Films nicht schmeckt, kann ich nachvollziehen. Das ist schon ziemlich... ähem, full of stars. :mrgreen: Aber Kubrick hat es ja bewusst interpretierbar gestaltet und wollte - nach eigener Aussage - gar nichts aussagen. Und Arthur C. Clarke ist witzigerweise eher für das Gegenteil von Eso-Scheiße bekannt, nämlich für ausgiebigen Tech-Talk.

Einer andere Theorie besagt übrigens, dass Bowman in einer Art Zoo gehalten und von den Außerirdischen studiert wird. Deshalb auch der seltsam irdisch anmutende Raum. Dort verbringt er sein restliches Leben, ohne Zeitgefühl und vielleicht auch völlig durchgeknallt. Genug Gründe gäbe es ja dafür. Seine Wiedergeburt als Starchild - ja, das ist vielleicht ein bisschen drüber. Für mich aber verschmerzbar. :D
DexterKane hat geschrieben:
12. Aug 2019, 14:19
Topic:
ich hätte tatsächlich lieber eine mittelmäßige Erklärung als keine.
Ok, da ticken wir wohl einfach anders. Ich mag offene Enden, wenn mich der Weg dahin überzeugt hat und interessante Fragen aufgeworfen werden. Da kann man so herrlich drüber diskutieren und die wildesten Theorien aufstellen.

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Soulaire
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von Soulaire » 12. Aug 2019, 21:47

argh...Kubrick-Filme als esoterisch zu bezeichnen ist schon harter Tobak. Aber in der heutigen Marvel-Zeit wird ja sowieso jeder langsamere Film welcher ohne Exposition auskommt so bezeichnet.
aber OT

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Sakesleg
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von Sakesleg » 13. Aug 2019, 10:50

Hat gerade einer den Namen der Sci-Fi Buchtrilogie parat die Jochen empfohlen hat?

imanzuel
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von imanzuel » 13. Aug 2019, 10:58

Sakesleg hat geschrieben:
13. Aug 2019, 10:50
Hat gerade einer den Namen der Sci-Fi Buchtrilogie parat die Jochen empfohlen hat?
Die drei Sonnen (Trisolaris-Trilogie) glaube ich war es.

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Sakesleg
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von Sakesleg » 13. Aug 2019, 11:01

imanzuel hat geschrieben:
13. Aug 2019, 10:58
Sakesleg hat geschrieben:
13. Aug 2019, 10:50
Hat gerade einer den Namen der Sci-Fi Buchtrilogie parat die Jochen empfohlen hat?
Die drei Sonnen (Trisolaris-Trilogie) glaube ich war es.
Danke! :)

Strohhalm
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von Strohhalm » 14. Aug 2019, 20:34

Andre Peschke hat geschrieben:
12. Aug 2019, 14:08
rammmses hat geschrieben:
12. Aug 2019, 14:04
finde es fast schade, dass sie den letzten Schritt zum Horror nicht gemacht haben.
Naja...
SpoilerShow
Wenn schleimige, schwarze Tentakel das ganze Raumschiff infizieren, dann ist der Schritt zum Horror IMO schon vollzogen. Auch das unsere Protagnoistin und S.A.M. nicht aus freiem Willen verschmolzen werden, liegt ja nahe. Insofern: Vielleicht nicht die extremste Sorte Sci-Fi-Horror, aber doch recht eindeutig angekommen, IMO.
Jochen Gebauer [01.47.55]
"Wir erklären zwar nie was das ist und wo das herkommt, genauso wenig wie diesen sechseckigen Monolithen mit den komischen Symbolen."

Zumindest das lässt sich erklären. Den sechseckigen Sturm auf dem Saturn gibt es wirklich:
https://photojournal.jpl.nasa.gov/archi ... 652_bw.gif
Und er gibt den Wissenschaftlern immer noch Rätsel auf. Warum dreht sich ein sechseckiger Sturm auf dem Saturn???

Andre Peschke [01.44.02]
"Ich meine mich zu erinnern, dass auch nahegelegt wurde, dass anscheinend Frauen eher diesem genetischen Profil entsprechen, das dieses außerirdische Signal beinhaltet […] Das sieht dann aus wie so ein Geburtskanal, und ich dachte immer sie wollen mit diesem Aspekt, dass das irgendeinen Bezug zur Weiblichkeit hat auch irgendwo hin".

Den Planeten Saturn deute ich als Gottheit und ich interpretiere, dass man in Observation die Geburt der Göttin Lua Saturni mit"observiert".
Und die ist leider nicht besonders nett. Toll gemacht SAM...

Meine ausführlichere Interpretation:
SpoilerShow
Der Saturn steht für eine griechische Gottheit, weshalb ich das Sechseck als Symbol der göttlichen Form des Saturns begreife. In etwa so wie das Dreieck im christlichen Kontext für den Gott der Himmel und Erde geschaffen hat. Die Gottheit Saturn kommuniziert mit der künstlichen Intelligenz SAM und gibt ihm einen Auftrag bzw. eine neue Programmierung. Ort und Zeit und Dimensionen spielen für einen Gott wohl keine große Rolle.

Zuerst hat mich besonders das Ende an die Entstehungsgeschichte einer Lebensform erinnert. Um den Sturm des Saturns herum, kreisen sehr viel identische Raumstationen mit demselben „Erbgut“ bzw. DNA an Bord. Sie sind identisch, führen aber einen erbitterten Überlebenskampf. Es gibt nur ein einziges Ziel – den Auftrag des Saturns zu erfüllen: „Bring sie her“. SAM als KI ist nicht bösartig und er verfolgt keine egoistischen Ziele. Er möchte nur seine Programmierung und den Auftrag erfüllen. Ich weiß, dass das jetzt etwas abgedroschen klingt, aber besonders die Szene, in der die Raumstation in den Sturm fliegt, erinnert mich durch das Abkapseln der nicht mehr benötigten Antriebssektion, an die Befruchtung einer Eizelle durch ein überlebendes Spermium. Weltraumsex zwischen Mensch, Maschine und Gottheit. Eine Emma erreicht die Oberfläche und begegnet dort Saturn, bzw. vereinigt sich durch diesen Gott mit SAM. Die Geburt einer Göttin.

Ich möchte noch etwas dazu anmerken. Nach Hesiod ist der Anfang allen Seins „chaos.“ Aus dem Altgriechischen übersetzt, bedeutet dieses Wort etwas „Klaffendes“ oder „Offen-Stehendes“. Das „chaos“ aus dem alles entsteht, ist also ein „Grund ohne Boden“ [vgl. Günzel, Stephan: Raum, S. 137]. Also der Zustand der Schwerelosigkeit und die des Weltalls bzw. Kosmos oder das Auge im Sturms auf Saturn. Aus diesem Chaos ergibt sich eine neue Ordnung oder Lebensform.

Lua gilt als eine „vergessene Göttin“ und als Tochter oder Gattin des Saturns. Themen dieser Göttin sind: Verderbnis (luere), Krieg und Tod. Sie ist damit der Gegenpol zu Saturn der für den Ackerbau steht. Für diese Interpretation sprechen die schwarzen Schlingen mit der Emma/SAM am Ende die Erde berührt.

Ich interpretiere also, dass wir in „Observation“ dem mühseligen, chaotischen und intimen Prozess der Existenzwerdung einer Göttin beiwohnen. Schade nur, dass ihr Ziel die Erde ist… ein Zeitalter endet, ein neues beginnt.
Kann jemand irgendeinen Satz dazu schreiben? Klingt das völlig unlogisch? :shock: Das ist sicher auch nur eine Art dieses Spiel zu deuten.
Von daher: Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht. Wobei ich es angenehmer fand mir Let's Plays zum Spiel anzusehen, als es selbst zu spielen.
Eure Kritik am Gameplay ist also aus meiner Sicht berechtigt. Aber inhaltlich fand ich es spannend!
Kann mir dazu irgendwer ein Feedback geben?

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Heretic
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von Heretic » 14. Aug 2019, 21:32

Strohhalm hat geschrieben:
14. Aug 2019, 20:34
Kann mir dazu irgendwer ein Feedback geben?
Ich kann nur soviel dazu sagen: Wegen Interpretationen wie deiner zu "Observation" liebe ich offene Enden! Klingt auf jeden Fall alles sehr interessant, was du schreibst. Ich wäre da nie drauf gekommen. Vermutlich, weil ich viel zu sehr auf die Parallelen zu "2001" fixiert war und den Film ständig im Hinterkopf hatte.

Strohhalm
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von Strohhalm » 16. Aug 2019, 08:19

Danke für das Feedback! :D Ich mag das offene Ende auch. Hat mich dazu animiert mich mehr mit dem Saturn zu beschäftigen.

Jonas
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von Jonas » 17. Aug 2019, 00:34

Ich war nach der Wertschätzung regelrecht erschüttert wie schlecht das Spiel bei euch weg gekommen ist. Ich hatte da zugegebenermaßen eine ganz andere Erwartung. Meinerseits war es seit langer Zeit mal wieder ein Titel, den ich praktisch am Stück durchgespielt habe, weil ich die Atmosphäre so dicht, das Art-Design sowie das Audiovisuelle für Science-Fiction Fans einfach fantastisch fand. Jeder, der schon mal eine virtuelle Tour durch die ISS machen wollte, wird hier praktisch bedient. Der Grafikstil traf auch perfekt meinen Geschmack - stellenweise sah es sogar nach Photogrammetrie aus - ich hab dementsprechend jeden Meter Erkundung genossen. Ich bin allein mehrere Minuten um die ganze Station geflogen, um mir alles anzugucken.
In der Mitte der Wertschätzung habt ihr mich dann auch etwas verloren, als über 30 Minuten nur wild aneinandergereite Kritikpunkte aufgezählt wurden, nach denen dann auch der rote Faden der Wertschätzung irgendwie weg war.
Das war eine dieser Situationen, wo man im Auto sitzt und sich ständig laut aufregt, weil man die Kritikpunkte nicht teilen kann. Ich konnte zum Beispiel vieles nicht auf mich übertragen: Die Orientierung fiel mir ab der ersten Außenmission doch recht leicht, weil man sich dann mal in aller Ruhe die Geometrie und den Aufbau der Station anschauen konnte. Im späteren Spielverlauf wurde man zwar öfter einfach an einen x-beliebigen Ausgangspunkt gestellt, aber es gab dann i.d.R. auch nur einen Weg, dem man folgen konnte. Auch das angesprochene Dilemma im Weltraum die richtigen Stellen zu finden, konnte ich nicht nachvollziehen. Das Absuchen der Hotspots war wirklich etwas mühsam, aber mit der Shift-Taste konnte man sich zumindest die wichtigsten interaktiven Möglichen des Raumes anzeigen lassen und ich finde es auch legitim, den Entwicklern die Entscheidung zu überlassen, keine Hotspot-Hervorhebung einzubauen. Es muss ja nicht immer alles zack-zack gehen. Andrès Kritik, hin und wieder Durchgänge zu übersehen, kann ich indes teilen. Hier hatte ich auch Momente wie in Layers of Fear, als ich dachte "die Schleuse war doch eben noch nicht da."
Die Rätsel waren, wie Jochen schon sagte, ganz nett und eigentlich nur eine Metapher dafür, bestimmte technische Vorgänge durchzuführen. Der Schaltplan war wirklich ein pain in the ass. Ansonsten war Art und Umfang aber eher Geschmacksfrage als eindeutige Kritik.

Die langsame Bewegung und die filmartige Inszenierung (Störungen bei Stößen etc.) waren für mich sogar Atmosphäre Pluspunkte. Auch wieder starke Anlehnungen an Alien Isolation, in dem man ja auch teils sehr lange sehr langsam unterwegs sein musste.

Besonders beeindruckt hat mich aber, dass die Emma sich wirklich auch aktiv in der Station bewegt und man sie z.B. mit den Kameras oder der Sphere verfolgen kann, während sie von Modul zu Modul schwebt - damit hatte ich nicht gerechnet, da Spiele es ja fast immer vermeiden, Figuren auf engem Raum in unebenem Gelände zu bewegen. Bis heute wird man ja in keinem Spiel von Gegnern durch Lüftungsschächte verfolgt o.ä. (Ausnahme auch hier Alien Isolation). Und ich hatte nur ein einziges Mal einen kleinen Clipping-Fehler. Sehr beeindruckend.

Die Emma war mir das ganze Spiel über sehr sympathisch und ich hab auf jeden Fall mit ihr mitgefiebert. Es war einfach erfrischend mal auf der anderen Seite zu sitzen und die Hauptfigur zu begleiten, anstatt sie selbst zu spielen.
SpoilerShow
Die Story driftete natürlich mal wieder ins extrem mystische ab. Das stört mich schon bei vielen Filmen und auch hier ist es eigentlich komplett unnötig. Man hätte es auch problemlos ohne Paranormales inszenieren und mit einer Weltraumanomalie oder Erkrankung etc. erklären können o.ä. - Ich hätte zumindest mit einem Emma-gerettet-Happy-End kein Problem gehabt. Wie ein Vorredner weiter oben aber schon geschrieben hat, schmälert dies das eigentliche Spiel für mich nur unwesentlich.
Für mich persönlich war es das Geld vollkommen wert.

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derFuchsi
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von derFuchsi » 24. Aug 2019, 19:14

Ich habe mir den Podcast aufgespart weil ich sowieso gerade Lust hatte Observation durchzuspielen. Als ich die Tage fertig war habe ich mir den Podcast dazu angehört und muss sagen ich bin wie mein Vorredner ziemlich geschockt wie schlecht das dort rüber kommt. Hätte ich die Folge vorher gehört hätte mir das Spiel vermutlich weniger Spaß gemacht weil ich schon auf die Fehler aufmerksam gemacht wurde.
Ich muss euch ja zustimmen bei all dem was ihr bemängelt habt aber ich fand das alles nicht so tragisch. Insgesamt bin ich der Meinung von Vinter.

Was mich ziemlich genervt hat waren die oft uneindeutigen Anweisungen. Ich stand recht oft da und hatte keine Ahnung was ich jetzt genau tun soll.
Ich weiß allerdings nicht ob das nicht evtl Absicht war weil irgendeine Metapher dahinter steckt oder doch nur ein ganz banaler Designschnitzer.
Gleich das erste was man tut im Spiel ist die Stationen zu checken. Ich habe Minuten gebraucht um herauszufinden was genau ich jetzt überhaupt machen soll.
Dann soll man ein Feuer finden und melden. Gefunden hatte ich es schnell aber was nun? Bis ich das dann raus hatte...
Dann kommt eine Situation in der ich für Licht sorgen soll. Fliege also eine halbe Stunde (gefühlt jedenfalls) ergebnislos in der Station umher und lasse mir am Ende wiederholen was ich tun soll "bring mir die Lampe". WTF welche Lampe? Also fliege ich hin und her auf der Suche nach einer Lampe. Dabei zufällig in die richtige Position geflogen nimmt sie meine Sphäre dann einfach in die Hand, ich war die Lampe...

Verirrt habe ich mich auch ständig aber da es im All ja kein oben und unten gibt hat mich das Ganze eher an das alte Descent erinnert in dem sich bestimmt auch jeder verflogen hat damals. Ansonsten sah alles sehr authentisch aus wie in den Bildern die man von der ISS kennt. Trotzdem hätte man die Türen etwas deutlicher hervorheben können das stimmt schon.

Zur fehlenden Hot-Spot Anzeige, es gibt doch sowas mit dem Analysemodus und außerdem wird im normalen Modus um jedes Objekt ein Rahmen angezeigt, das ist ja quasi sowas ähnliches. Und dass man es heute schwerer hat als damals mit der Suche weil man ja mehr Objekte ins Bild bringen kann heute der hat wohl vergessen wie es damals war als man jeden einzelnen Pixel mit dem Cursor absuchen musste.
Ja es leuchtet und blinkt nicht gleich jedes interaktive Objekt aber man wird ja vom Spieler noch etwas Eigeninitiatve erwarten dürfen.

Die Interaktion mit der Umgebung ist im Rahmen der Story eigenartig das stimmt schon. Warum eine KI Sichtverbindung benötigt zu Komponenten die eigentlich vernetzt sein sollten leuchtet mir auch nicht so recht ein. Und warum sich die "Alien-Rätsel" auf simples wiederholen beschränken und was dahinter der Sinn sein soll... jo (Das Mini-Game an sich war aber ganz nett). Ich hab das halt mal so akzeptiert.

All das kann man bemängeln aber für mich war das alles nicht so schwerwiegend.
Was euch anscheinend massiv gestört hat war aber die angeblich miese Storyauflösung. Nun ich kann verstehen wenn ein studierter Jochen der außerdem schon ca eine Million Bücher gelesen hat sich hier langweilt. Aber für einen normalen Menschen mit durchschnittlicher Bildung würde ich behaupten ist die ganze Geschichte ausreichend mysteriös um hinterher noch ein Wenig seinen Gedanken dazu nachzuhängen. Ich fand das Werk vergleichbar zu Filmen wie 2001 oder Interstellar und auch dort könnte ich die tiefere Botschaft dahinter glaube ich auch nicht erklären.
Natürlich ist die Wertung subjektiv und ihr seht das Ganze halt so wie ihr es seht. Aber auch wenn ich mich vielleicht blamiere aber ich habe ehrlich gesagt nicht verstanden wo ihr da einen Unterschied seht, warum die Erzählung hier Scheiße ist und sowas wie 2001 oder Interstellar nicht.

Ich hätte zum Ende noch eine Spekulation, quasi eine steile These.
Wäre es möglich dass diese Eckigen Monolithen-Aliendinger und der schwarze "Schleim" garnicht zur selben Seite gehören?

Und ist jemandem aufgefallen dass in dem Moment wo Emma Transzendiert wird im Hintergrund Gestalten stehen? Sieht zumindest so aus.

@Strohhalm: Wow die Interpretation finde ich geil. Da hätte mich mal Jochens Meinung dazu interessiert.
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Wudan
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Re: Runde 227: Observation

Beitrag von Wudan » 29. Aug 2019, 11:18

So, ich hab Observation nun auch durchgespielt, Podcast gehört, und muss ehrlich sagen das ich auch von eurem Urteil ein wenig verwirrt bin :D

Für mich war es eins der geilsten Spiele die ich dieses Jahr gespielt hab, und ich werde es sicherlich auch noch ein zweites Mal spielen.
Viele eurer Kritikpunkte, gerade was das Gameplay angeht, kann ich durchaus nachvolliehen oder teilen, gewichte sie aber größtenteils anders.

Ja, die Orientierung ist schwierig. Für mich ergab das aber ein sehr realistisches Gefühl davon wie es in Schwerelosigkeit auf einer Station wie der ISS sein muss sich zurecht zu finden, wenn es kein wirkliches Oben und Unten gibt. Den Einwand das man ja eine KI spielt die damit keine Probleme haben müsste - geschenkt. Allerdings wenn man diese Messlatte ansetzt, kann man so ein spiel gleich sein lassen überhaupt zu entwickeln, weil kein Gameplay der Welt jemals die Immersion eine KI zu sein annähernd abbilden könnte. Wer weiß schon wie es sich anfühlt eine KI zu sein? Genauso gut könnte man ein Spiel machen in dem man die Farbe Blau spielt. Das gilt in diesem Zuge auch für viele andere eurer Kritikpunkte. Klar - der Bordcomputer müsste wahrscheinlich nicht selbst durch die Station fliegen und Anlagen bedienen, aber hey was bliebe dann vom Spiel übrig? Und es wird ja auch ein wenig damit begründet das die KI viele Speicherdaten verloren hat und quasi erstmal alles "verlernt" hat.

Der erste Weltraumspaziergang: Ja, damit hab ich auch gekämpft^^ Einerseits hat es mir nicht so viel ausgemacht, weil ich es sehr cool fand die Station von außen zu besichtigen, andererseits hab ich mir nach einer Weile auch gedacht "Herrgott könnten die nicht die Module ein BISSCHEN besser markieren!"^^ Zu dem Punkt das eine KI ja den Weg eh wissen müsste - siehe oben. Bei der Lokalisierung der beschädigten Stelle hab ich aber auch so richtig geflucht.

Die Story fand ich über große Strecken richtig cool und spannend und damit hat mich das Spiel förmlich reingesaugt. Ok die Auflösung (oder nicht vorhandene Auflösung) war dann zwar schon bisschen verschwurbelt, aber ich fand das eigentlich schon ganz ok. Wo ich absolut nicht mitgehe ist die Aussage "Das Ende entwertet den ganzen Rest des Spiels". Solche Aussagen find ich eh immer bisschen schwierig. Wenn ich mit einem Spiel den größten Teil über großen Spaß hatte, dann kann mir das doch keiner mehr nehmen, auch wenn das Ende dann unbefriedigend wäre. Ich konnte solche Aussagen bei Mass Effect schon nicht nachvollzehen: nur weil die letzte Stunde nicht so war wie ich es mir gewünscht hätte, macht es doch die 100 Stunden Spaß vorher nicht schlechter? Das die Story von Observation den User verarscht oder für dumm verkauft sehe ich übrigens nicht so, aber ok das ist Ansichtssache.

Die meisten eurer Kritikpunkte sind ja subjekive Ansichtssache, für mich persönlich kann ich sagen dass das Spiel bei mir total einen Nerv getroffen hat als Space/SciFi- und Raumfahrt Fan. Allein die Erkundung einer ISS-artigen Station und die vielen Details und die Schwerelosigkeit etc, das fand ich schon alles so geil das ich über viele kleine Macken hinwegsehen konnte.

Was ich aber dann wirklich unfair fand war das ihr bei der Wertschätzung das Spiel noch nicht mal eingeschränkt für die 20€ die es kostet empfohlen habt. Keine Vollpreisempfehlung OK, für 50 würd ichs auch nicht kaufen, aber den Zwanni kann man als Fan von solchen Themen durchaus investieren, im Sale (aktuell 12,99) auf jeden Fall. Also das fand ich schon ein bisschen arg unfair abgewatscht, zumal ihr ja auch oft betont habt das viele Dinge echt cool waren. Also eine eingeschränkte Empfehlung für Fans solcher Thematiken hätte m.E. auf jeden Fall drin sein müssen.

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