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Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 16:04
von Schlagerfreund
Andre Peschke hat geschrieben:
8. Okt 2019, 15:58
xaan hat geschrieben:
8. Okt 2019, 15:46
Ich hab' den Artikel jetzt nicht als Forderung verstanden, aber kann verstehen wenn das jemand anders wahrnimmt. Letztendlich wird es nur Dom selbst beantworten können.
Ich weiß nicht... wenn die Tonlage des Artikels nicht anklagend ist, dann haben wir ein sehr unterschiedliches Textverständnis. Da ist von "Doppelmoral" die Rede, Fakten werden "geopfert", Grenzen werden überschritten, ein falsches Geschichtsbild droht sich zu formen und es (das Spiel) verdient Kritik.

Alle das zu postulieren, ohne damit auch eine Forderung zu implizieren? Erscheint mir doch unwahrscheinlich.

Andre
Würde ich so nicht sagen. Es ist ja auch ein Unterschied ob ich sage: Das dürfte ihr so nicht machen, ihr müsst jetzt euer Anno ändern. Oder ob ich einfach formuliere warum ich etwas problematisch oder unvollständig empfinde. ich verbiete auch Activision nicht wieder mal einen Hurra Patriotismus Porno zu produzieren. Ich kann aber kommunizieren warum ich ihn nicht gut finde.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 16:04
von Peninsula
oilrumsick hat geschrieben:
8. Okt 2019, 00:17
Nur zur Klarstellung, ich beziehe mich auf folgenden Artikel (Nur damit wir alle auf derselben Seite sind): https://archaeogames.net/historisch-wo- ... -umdeutet/
Lol, da geht's schon los - ich beziehe mich auf diesen Artikel https://www.golem.de/news/sklavenhandel ... 40996.html - iirc wurde im Podcast golem erwähnt.
oilrumsick hat geschrieben:
8. Okt 2019, 00:17
Um es kurz zu machen: Es ist nicht die Aufgabe des Lesers, die Recherche für den Autoren zu übernehmen. All diese Studien und Werke anderer Autoren werden hier nirgends referenziert.
Dass das die Aufgabe des Lesers sei, habe ich auch nicht behauptet - aber bevor man so "scharf schießt" und unterstellt, dass die andere Seite wenig liefert, sollte man imo zur Kenntnis nehmen, was für Belege da eben doch genannt werden. Da haben wir beide aber bei Dom einfach von unterschiedlichen Artikeln gesprochen. Und der erwähnte Artikel bei Polygon (dieser hier, nehme ich an) ist ja lediglich ein Bericht über einen Vortrag von Jane McGonigal, den ich nicht kenne. Auf ihrer eigenen Seite zum Vortrag (ist auch im Polygon-Artikel verlinkt) bietet sie aber viele Belege und die Folien ihrer Präsentation an. Zum Inhalt kann ich nichts sagen, ich habe den Vortrag nicht gehört und mich auch sonst nicht groß mit McGonigal und ihren Thesen auseinandergesetzt. Nicht umsonst habe ich mich darüber unter der Zwischenüberschrift "Feedback zur Folge" geärgert - ich will mir weder Doms noch McGonigals Positionen zueigen machen, fand aber unangenehm, wie beiläufig (okay, das gilt nur für McGonigal, bei Dom war's ausführlich :) ) und in meinen Ohren despektierlich sie im Podcast zerpflückt wurden, ohne dass auf ihre Argumentation wirklich eingegangen worden wäre. Und ebenso ging es mir bei deiner Anmerkung, sie hätten wenig geliefert. Zumal die Folge selbst solchen Standards ja auch nicht gerecht wird - für die vorgebrachten steilen Thesen ("Eskapismus ist so wichtig wie Schlaf") wurden auch keine wissenschaftlich belastbaren Belege geliefert. Letzteres erwarte ich auch gar nicht, aber eben weder vom Podcast noch von dieser Art Artikel.
oilrumsick hat geschrieben:
8. Okt 2019, 00:17
Viele, aber längst nicht alle, intuitiv plausiblen Narrative sind falsch. Die beste Art, die ich kenne, um die beiden Gruppen zu trennen ist die wissenschaftliche Methode, weswegen sie eigentlich immer angewendet werden sollte, sofern man eine Kausalaussage mit erweiterten Implikationen treffen will.
Die wissenschaftliche Methode mag das unverrückbare Fundament der empirischen Wissenschaften sein, das gilt aber nicht ohne Grund nicht im gleichen Maße für die Geisteswissenschaften. ;)
Darüber, was die Intention der Aussage des Professors gewesen sein mag, und von welcher Warte aus man sich sinnvollerweise mit den genannten Artikeln beschäftigen kann und soll (inkl. gegenseitigem Bashing von Geistes- und Naturwissenschaften!), könnte man jetzt sicher lange streiten. Das möchte ich aber lieber nicht tun, auch weil - wie eben geschrieben - meine Kritik in diesem Zusammenhang eher eine Stilkritik an den Podcast war, als meine Meinung zum Thema Anno oder McGonigal.
Dir @oilrumsick (wie markiert man hier nochmal Leute?) möchte ich aber für deine Antworten danken, du hast mir deine Position damit besser verständlich gemacht und bist netterweise sogar auf meine Punkte eingegangen.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 16:23
von Andre Peschke
Peninsula hat geschrieben:
8. Okt 2019, 16:04
Und der erwähnte Artikel bei Polygon (dieser hier, nehme ich an) ist ja lediglich ein Bericht über einen Vortrag von Jane McGonigal, den ich nicht kenne. Auf ihrer eigenen Seite zum Vortrag (ist auch im Polygon-Artikel verlinkt) bietet sie aber viele Belege und die Folien ihrer Präsentation an. Zum Inhalt kann ich nichts sagen, ich habe den Vortrag nicht gehört und mich auch sonst nicht groß mit McGonigal und ihren Thesen auseinandergesetzt. Nicht umsonst habe ich mich darüber unter der Zwischenüberschrift "Feedback zur Folge" geärgert - ich will mir weder Doms noch McGonigals Positionen zueigen machen, fand aber unangenehm, wie beiläufig (okay, das gilt nur für McGonigal, bei Dom war's ausführlich :) ) und in meinen Ohren despektierlich sie im Podcast zerpflückt wurden, ohne dass auf ihre Argumentation wirklich eingegangen worden wäre.
Bei McGonigal dachte ich, ich hätte das ausreichend qualifiziert. Ich hatte ja einleitend gesagt, dass das auf einer Zusammenfassung von Polygon basiert von der ich "hoffe, dass sie so stimmt" etc. Und haben wir uns da wirklich so abfällig drüber geäußert? In meiner Erinnerung war das eher ein "bei der Gelegenheit ist auch diese Kategorisierung hier ja auch wieder passend".

Ansonsten wieder der Fluch des Stammtischpodcasts. ^^

Andre

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 16:35
von oilrumsick
Peninsula hat geschrieben:
8. Okt 2019, 16:04
Lol, da geht's schon los - ich beziehe mich auf diesen Artikel https://www.golem.de/news/sklavenhandel ... 40996.html - iirc wurde im Podcast golem erwähnt.
Oh, das ist mir wohl durchgerutscht. Ich habe einfach nach Dom Schott und Kolonialismus gesucht und bin auf seinen Blog gestoßen. Der Golem-Artikel ist tatsächlich viel besser, weswegen ich meine Kritik an Dom Schott bezüglich des im Podcasts referenzierten Artikels gerne zurücknehmen würde. Der Einwurf, dass die Befürchtungen noch nicht ausreichend durch Erkenntnisse aus der Wirkungsforschung bestätigt werden und deswegen vorsichtig geäußert werden sollten, würde ich dennoch anführen. Dennoch kann ich auf Basis des Golemartikels deinen ursprünglichen Einwand viel besser nachvollziehen und würde ihn jetzt auch ein stückweit teilen.

Grüße,
Rico

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 16:38
von Axel
Hegelkant hat geschrieben:
8. Okt 2019, 13:10
Als ich aus Langeweile Candy-Crush auf dem Handy installiert hatte, hat das Spiel mich so reingezogen, dass ich vieles vernachlässigt habe, auch wenn ich es noch nicht als Sucht bezeichnen würde (eher als Impulskontrollstörung). Als ich es wieder deinstallierte (wozu ich mich zwingen musste, denn ich hatte ja schon Level 800 oder so erreicht), war es eine Befreiung.
Das ist aber ja kein eskapistisches Spiel. Sondern ein Spiel, welches sehr hart mit Glücksspielmechaniken arbeitet. Und nicht nur das, sondern auch andere fiese psychische Tricks anwendet um die Spieler im Spiel zu halten. Sei es Zeitdruck in form von zeitlich sehr begrenzten Events. Und ich unterstelle dem Spiel auch, dass der Schwierigkeitsgrad in den Levels immer gerade so gewählt wird, dass man zwar nicht das Interesse verliert, aber doch immer wieder mit den Gedanken spielt Geld reinzuschmeißen.

Ein eskapistisches Spiel verzichtet ja gerade auf all das. Stardew Valley, Euro Truck Simulator oder Animal Crossing sind schöne Beispiele für sehr eskapistische Spiele. Sie fordern nichts. Du kannst tun und lassen was Du möchtest und in Deiner ganz eigenen Geschwindigkeit spielen. Eskapistische Spiele vermeiden es meistens Druck aufzubauen, sondern sie dienen vor allem der Entspannung.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 16:43
von Schlagerfreund
Axel hat geschrieben:
8. Okt 2019, 16:38
Hegelkant hat geschrieben:
8. Okt 2019, 13:10
Als ich aus Langeweile Candy-Crush auf dem Handy installiert hatte, hat das Spiel mich so reingezogen, dass ich vieles vernachlässigt habe, auch wenn ich es noch nicht als Sucht bezeichnen würde (eher als Impulskontrollstörung). Als ich es wieder deinstallierte (wozu ich mich zwingen musste, denn ich hatte ja schon Level 800 oder so erreicht), war es eine Befreiung.
Das ist aber ja kein eskapistisches Spiel. Sondern ein Spiel, welches sehr hart mit Glücksspielmechaniken arbeitet. Und nicht nur das, sondern auch andere fiese psychische Tricks anwendet um die Spieler im Spiel zu halten. Sei es Zeitdruck in form von zeitlich sehr begrenzten Events. Und ich unterstelle dem Spiel auch, dass der Schwierigkeitsgrad in den Levels immer gerade so gewählt wird, dass man zwar nicht das Interesse verliert, aber doch immer wieder mit den Gedanken spielt Geld reinzuschmeißen.

Ein eskapistisches Spiel verzichtet ja gerade auf all das. Stardew Valley, Euro Truck Simulator oder Animal Crossing sind schöne Beispiele für sehr eskapistische Spiele. Sie fordern nichts. Du kannst tun und lassen was Du möchtest und in Deiner ganz eigenen Geschwindigkeit spielen. Eskapistische Spiele vermeiden es meistens Druck aufzubauen, sondern sie dienen vor allem der Entspannung.
Dieser Definition kann ich so nicht zustimmen. Es gibt ziemlich viele Leute die z.B. in ein Casino gehen um Eskapismus zu erleben. Suchtverhalten kann auch negative Entwicklung von negativem Eskapismus sein.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 17:01
von Axel
Schlagerfreund hat geschrieben:
8. Okt 2019, 16:43
Dieser Definition kann ich so nicht zustimmen.
Ist aber nunmal die gängige Definition: Eskapismus heißt Realitätsflucht. Ein Casinobesuch kann das garnicht bieten, weil es ja in der Realität stattfindet. Und Du um Geld spielst. Ein F2P Spiel kann das nicht bieten, weil es Dich mit Werbung zuballert und ständig nach Echtgeld bettelt.

Nochmal zu Anno und die Kritik daran. Würde jemand ein Spiel wie Stardew Valley und die ganzen anderen Farmspiele auf gleiche Weise kritisieren? Die bilden ja auch keine echte Landwirtschaft ab, sondern nur eine Wohlfühlfantasie. Oder macht es jemand dem ETS zum Vorwurf, dass Fernfahrer ein extrem harter Knochenjob ist und das Spiel gerade das Gegenteil transportiert?

Wenn man das mal weiterspinnt, dann kann man jedes Spiel kritisieren. Aber was bringt denn das? Was wären denn Spielkonzepte, die komplett frei von Kritik wären? Runter gebrochen seid ihr argumentativ schon ziemlich nah an der CSU Linie in der Killerspieldebatte. ;)

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 17:05
von Stuttgarter
André, der Unterschied ist glaub wirklich eine Nuance, die aber wichtig ist.

Ich habe nicht den Eindruck, dass hier irgendjemand fordert, dass Spiele etwas bestimmtes tun.

Was allerdings verlangt wird, ist, dass Spiele bestimmte Dinge nicht unterlassen. Phazonis hat das ja mehrfach ausgeführt - von keinem Entwickler wird verlangt, ein Spiel zu machen, in dem Sklaverei vorkommt. Wenn er allerdings ein Spiel in einem entsprechenden historischen Setting macht, wird verlangt, dass er dann auch die negativen Begleiterscheinungen thematisiert. Jetzt kann man natürlich sagen, "Es läuft also doch aufs gleiche raus - er soll ein Spiel mit Sklaverei machen". Der springende Punkt ist allerdings, dass von dem Entwickler nix "bildungstechnisches" gefordert wird - sondern nur Wert drauf gelegt wird, dass er nix beschönigt. Also ganz simpel, "Ja, wenn Du unbedingt ein Spiel im europäischen 19. Jahrhundert über die Industrialisierung machen willst - dann sollte darin auch Sklaverei und Kolonialisierung vorkommen".

Im Grunde hast Du die Paradelösung schon selbst im Podcast genannt - geh als Entwickler halt noch viel weiter von realen historischen Gegebenheiten weg. Je mehr sich Deine Welt von unserer unterscheidet, umso weniger wirst Du Gefahr laufen, irgendwas zu verharmlosen. Und ersparst Dir damit alle entsprechenden Diskussionen.

Und zur Sicherheit auch das nochmal hintan: Natürlich darf jeder Entwickler dieser Welt trotzdem ein Spiel wie "Anno 1800" machen. Nur muss er dann auch die Diskussion drumrum in Kauf nehmen. Und die Fans auch.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 17:10
von Schlagerfreund
Axel hat geschrieben:
8. Okt 2019, 17:01
Schlagerfreund hat geschrieben:
8. Okt 2019, 16:43
Dieser Definition kann ich so nicht zustimmen.
Ist aber nunmal die gängige Definition: Eskapismus heißt Realitätsflucht. Ein Casinobesuch kann das garnicht bieten, weil es ja in der Realität stattfindet. Und Du um Geld spielst. Ein F2P Spiel kann das nicht bieten, weil es Dich mit Werbung zuballert und ständig nach Echtgeld bettelt.

Nochmal zu Anno und die Kritik daran. Würde jemand ein Spiel wie Stardew Valley und die ganzen anderen Farmspiele auf gleiche Weise kritisieren? Die bilden ja auch keine echte Landwirtschaft ab, sondern nur eine Wohlfühlfantasie. Oder macht es jemand dem ETS zum Vorwurf, dass Fernfahrer ein extrem harter Knochenjob ist und das Spiel gerade das Gegenteil transportiert?

Wenn man das mal weiterspinnt, dann kann man jedes Spiel kritisieren. Aber was bringt denn das? Was wären denn Spielkonzepte, die komplett frei von Kritik wären? Runter gebrochen seid ihr argumentativ schon ziemlich nah an der CSU Linie in der Killerspieldebatte. ;)
Wenn ich ein Buch lese, oder ein Spiel spiele, dann findet das nicht in der Realität statt? Entscheidend ist doch was man in dem Fall nicht tut. Wenn ich jeden Abend in eine Spielothek oder eine Sportwetten Bar gehe um meinem miesen (oder nicht vorhandenem) Job zu entkommen und dort auch mal Erfolg zu haben, dann kann das auch eine Form des Eskapismus sein. Gerade Suchtverhalten sehe ich da oft auch an Eskapismus geknüpft.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 17:12
von Phazonis
Axel hat geschrieben:
8. Okt 2019, 17:01
Nochmal zu Anno und die Kritik daran. Würde jemand ein Spiel wie Stardew Valley und die ganzen anderen Farmspiele auf gleiche Weise kritisieren? Die bilden ja auch keine echte Landwirtschaft ab, sondern nur eine Wohlfühlfantasie. Oder macht es jemand dem ETS zum Vorwurf, dass Fernfahrer ein extrem harter Knochenjob ist und das Spiel gerade das Gegenteil transportiert?

Wenn man das mal weiterspinnt, dann kann man jedes Spiel kritisieren. Aber was bringt denn das? Was wären denn Spielkonzepte, die komplett frei von Kritik wären? Runter gebrochen seid ihr argumentativ schon ziemlich nah an der CSU Linie in der Killerspieldebatte. ;)
Klar kann man Stardewvalley auch dafür kritisieren, dass es Farmleben nicht richtig abbildet. Noch dazu kann ich sehr bewusst behapten, dass es eine sehr eindeutige Anti-Cooperation Philosophie aufweist, weil JoJa als großes Unternehmen nur negativ dargestellt wird und das kleine kommunale Landleben romantisiert wird. Und das geht betimmt auch mit ETS.

Und ja man kann jedes Spiel kritisieren und was das bringt ist eine größere/ weitere Diskussion über Spiele die mal über Produkttest hinaus geht. Oh un bevor wir mit vergleichen zur CSU kommen: Ja man kann durchaus nochmal die Gewaltdiskussion aufrollen meiner Meinung nach, nur finde ich, dass ich micht mit meiner Position von der CSU in einem Punkt klar unterscheide: Ich nehme von vorn herein das Verbot vom Tisch.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 17:13
von Soulaire
Interessanterweise wäre Dom nicht nur anderer Meinung was die Folge angeht, auch Wolfgang hat sich schon negativ gegenüber dem Eskapismus geäußert. Finde es schade, dass es selten richtige Diskussionen mt verschiedenen Meinungen bei thePod gibt, sondern man oft nur von einer Seite her argumentiert. In der Hinsicht ist da noch Potenzial nach oben. Oder befürchtet man etwa, dass der "Haus-Segen" bei thePod schief hängt, wenn man nicht auf Konsens bedacht argumentiert?

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 17:31
von Voigt
Naja Casino ist schon Realitiätsflucht.

Du zahlst nicht mit Geld sondern mit Chips, um das erstmal direkt zu abstrahiern. Dann ist vieles eine Scheinwelt. Entweder mit schönen vielen bunten Lichtern an Automaten wie bei Pachinko, oder förmlich mit Bedienung bei Roulette.

Ansonsten noch mal eine allgemeine Frage wegen Anno. Es wird jetzt immer Anno 1800 als aktueller Vertreter genannt der das nicht gut macht mit Abbildung der Wirklichkeit des 19. Jhr. (nicht nur bei Sklaverei sondern auch in vielen anderen Aspekten)

Wollte mal fragen ob ihr die selben Kritikpunkte auch bei den älteren Teilen Anno 1602 (wer bearbeitet wohl die Zuckerrohrfelder dort) und Anno 1701 (quasi remake von 1602 in 3D und noch tiefer in der Zeit des Kolonialismus).
Ich will nicht auf den Punkt eingehen: "Weil es früher nicht kritisiert wurde, warum dann jetzt?", denn das ist schon klar eine Fehlargumentation. Ich frage bloß grundsätzlich ob ihr die Kritikpunkte von Anno 1800 genauso bei Anno 1701 und insbesondere 1602 seht.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 17:38
von Axel
Phazonis hat geschrieben:
8. Okt 2019, 17:12
Und ja man kann jedes Spiel kritisieren und was das bringt ist eine größere/ weitere Diskussion über Spiele die mal über Produkttest hinaus geht. Oh un bevor wir mit vergleichen zur CSU kommen: Ja man kann durchaus nochmal die Gewaltdiskussion aufrollen meiner Meinung nach, nur finde ich, dass ich micht mit meiner Position von der CSU in einem Punkt klar unterscheide: Ich nehme von vorn herein das Verbot vom Tisch.
Kritik macht aber nur dann Sinn, wenn es einen realen Grund gibt. Etwa einen Missstand. Einfach nur Kritik der Kritik Willen wird zu folgendes führen: Die Menschen machen die Schotten dicht und schalten ab. Dann wird auch niemand mehr wahrnehmen, wenn eine Kritik wirklich mal Hand und Fuß hat! Weil man dann die Kritik nämlich nicht mehr ernst nehmen kann, wenn alles immer nur mies und madig geredet wird. Deswegen liest ja auch niemand die Kulturkritik in den Tageszeitungen. Und es kommt ja auch niemand auf die Idee eine seichte Serie wie „In aller Freundschaft“ ernsthaft dafür zu kritisieren, weil da der Alltag in einem Krankenhaus nicht dargestellt wird (außer vielleicht zynische Zeitgenossen, die eh alles doof finden). Sondern auch hier geht es um eine Wohlfühlfantasie. Deswegen ist die Serie ja auch so dermaßen erfolgreich.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 17:41
von Nachtfischer
Axel hat geschrieben:
8. Okt 2019, 17:38
Und es kommt ja auch niemand auf die Idee eine seichte Serie wie „In aller Freundschaft“ ernsthaft dafür zu kritisieren, weil da der Alltag in einem Krankenhaus nicht dargestellt wird (außer vielleicht zynische Zeitgenossen, die eh alles doof finden) . Sondern auch hier geht es um eine Wohlfühlfantasie. Deswegen ist die Serie ja auch so dermaßen erfolgreich.
Wobei ja dann immer noch zu klären wäre, ob und inwiefern das etwas Gutes ist.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 17:50
von Axel
Nachtfischer hat geschrieben:
8. Okt 2019, 17:41
Wobei ja dann immer noch zu klären wäre, ob und inwiefern das etwas Gutes ist.
Wie war das so schön? Über Geschmack lässt sich nicht streiten. :lol:

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 17:51
von Andre Peschke
Stuttgarter hat geschrieben:
8. Okt 2019, 17:05
Was allerdings verlangt wird, ist, dass Spiele bestimmte Dinge nicht unterlassen. Phazonis hat das ja mehrfach ausgeführt - von keinem Entwickler wird verlangt, ein Spiel zu machen, in dem Sklaverei vorkommt. Wenn er allerdings ein Spiel in einem entsprechenden historischen Setting macht, wird verlangt, dass er dann auch die negativen Begleiterscheinungen thematisiert. Jetzt kann man natürlich sagen, "Es läuft also doch aufs gleiche raus - er soll ein Spiel mit Sklaverei machen". Der springende Punkt ist allerdings, dass von dem Entwickler nix "bildungstechnisches" gefordert wird - sondern nur Wert drauf gelegt wird, dass er nix beschönigt. Also ganz simpel, "Ja, wenn Du unbedingt ein Spiel im europäischen 19. Jahrhundert über die Industrialisierung machen willst - dann sollte darin auch Sklaverei und Kolonialisierung vorkommen".
Mich würde da aber mal dann die Antwort auf meine Fragen in dem Post auf der Vorseite interessieren: Erwartet man da wirklich durch Anno eine "Verschlimmerung" und das in einem Maße, dass diese Pauschalforderung rechtfertigt? Und wenn nicht, warum darf Anno das nicht weglassen?

Andre

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 18:05
von Phazonis
Axel hat geschrieben:
8. Okt 2019, 17:38
Phazonis hat geschrieben:
8. Okt 2019, 17:12
Und ja man kann jedes Spiel kritisieren und was das bringt ist eine größere/ weitere Diskussion über Spiele die mal über Produkttest hinaus geht. Oh un bevor wir mit vergleichen zur CSU kommen: Ja man kann durchaus nochmal die Gewaltdiskussion aufrollen meiner Meinung nach, nur finde ich, dass ich micht mit meiner Position von der CSU in einem Punkt klar unterscheide: Ich nehme von vorn herein das Verbot vom Tisch.
Kritik macht aber nur dann Sinn, wenn es einen realen Grund gibt. Etwa einen Missstand. Einfach nur Kritik der Kritik Willen wird zu folgendes führen: Die Menschen machen die Schotten dicht und schalten ab. Dann wird auch niemand mehr wahrnehmen, wenn eine Kritik wirklich mal Hand und Fuß hat! Weil man dann die Kritik nämlich nicht mehr ernst nehmen kann, wenn alles immer nur mies und madig geredet wird. Deswegen liest ja auch niemand die Kulturkritik in den Tageszeitungen. Und es kommt ja auch niemand auf die Idee eine seichte Serie wie „In aller Freundschaft“ ernsthaft dafür zu kritisieren, weil da der Alltag in einem Krankenhaus nicht dargestellt wird (außer vielleicht zynische Zeitgenossen, die eh alles doof finden). Sondern auch hier geht es um eine Wohlfühlfantasie. Deswegen ist die Serie ja auch so dermaßen erfolgreich.
Doch das geht. Genau genommen geht das schon viele Jahre so, denn so ziemlich genau das macht die Kulturkritik Kritik um der Kritik willen. Ich sehe ja schon wir kommen da nicht auf einen Nenner. Kurz ich kann Kritik duchaus als Selbstzweck verstehen, der nicht Änderungen folgen müssen, sondern die einfach nur aufzeigen will, wo problematische Bereiche in den Medien vorhanden sind. Du kannst damit anscheinend nix anfangen, was wie gesagt nicht so überraschend ist die Kulturkritik erfreut sich nun nicht gerade allgemeiner Beliebtheit.
Nur die Forderung war ja lange: Videospiele sollen Ernst genommen werden und diese Forderung impliziert ja sie sollen auch in die Kulturkritik aufgenommen werden. Jetzt wo es ganz langsam geschieht stellen wohl so langsam die Leute fest, dass sie es doch nicht so super finden.
Um uns dann aber doch vielleicht zu versöhnen: Wir werden da keinen Nenner finden, dass einzige was ich wohl sagen kann ist, dass derartige Kritik in den nächsten Jahren immer mehr werden wird, weil es allgemein gefordert wurde. Ansonsten nimm sie doch einfach gelegentlich zur Kenntnis und ignoriere sie so wie du es offensichtlich in anderen Medien auch machst. Ich will dir kein Anno verbieten und es auch nicht ändern. Nimm einfach die Kritik des fehlenden Kolonialismus mit und erfreue dich weiterhin an dem Eskapismus den dir dieses Spiel bietet. Denn wie gesagt, nur das Wissen, dass es Probleme in deinem Eskapismus gibt sollte ihn dewegen nicht ruinieren.
Ich wäre damit schon zufrieden, denn du kannst weiter entspannen und weil die Kritik irgendwo im Hinterkopf schlummert ist sie eine schöne Präventionsmaßnahme gegen eine der schlechten Seiten des Eskapismus, nämlich der das du irgendwann glaubst, dass diese Abbildung der Realität real wäre.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 18:18
von Axel
Phazonis hat geschrieben:
8. Okt 2019, 18:05
Denn wie gesagt, nur das Wissen, dass es Probleme in deinem Eskapismus gibt sollte ihn dewegen nicht ruinieren.
Doch, genau das ruiniert Eskapismus. Denn ich suche ihn ja, damit die Probleme einfach mal gar keine Rolle mehr spielen! Ich steh nicht so auf ständige Selbstgeißelung. Ich brauche meinen Eskapismus. :)
Phazonis hat geschrieben:
8. Okt 2019, 18:05
Ich wäre damit schon zufrieden, denn du kannst weiter entspannen und weil die Kritik irgendwo im Hinterkopf schlummert ist sie eine schöne Präventionsmaßnahme gegen eine der schlechten Seiten des Eskapismus, nämlich der das du irgendwann glaubst, dass diese Abbildung der Realität real wäre.
Wie kommst Du denn da drauf? :shock:

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 18:30
von Phazonis
Axel hat geschrieben:
8. Okt 2019, 18:18
Phazonis hat geschrieben:
8. Okt 2019, 18:05
Denn wie gesagt, nur das Wissen, dass es Probleme in deinem Eskapismus gibt sollte ihn dewegen nicht ruinieren.
Doch, genau das ruiniert Eskapismus. Denn ich suche ihn ja, damit die Probleme einfach mal gar keine Rolle mehr spielen! Ich steh nicht so auf ständige Selbstgeißelung. Ich brauche meinen Eskapismus. :)
Auch da was hindert dich daran weiterhin Eskapismus zu betreiben? ich und der Thread haben jetzt mehr als deutlich gezeigt, dass Anno ein Kolonialismusmangel aufweist und deshalb keine realen Dinge abbildet. So deshalb kannst du doch trotzdem noch in diese Welt abtauchen und deine Probleme für ein paar Stunden vergessen, oder etwa nicht? Auch da ist Selbstgeißelung sehr fragwürdig. Du wirst nicht zu einem schlechten Menschen, wenn du problematische Inhalte konsumierst, also warum die Schuldgefühle? Wenn dem so wäre hätten wir ein sehr großes Problem zum beispiel mit all den Historikern die schon Mein Kamof gelesen haben. :lol:
Axel hat geschrieben:
8. Okt 2019, 18:18
Phazonis hat geschrieben:
8. Okt 2019, 18:05
Ich wäre damit schon zufrieden, denn du kannst weiter entspannen und weil die Kritik irgendwo im Hinterkopf schlummert ist sie eine schöne Präventionsmaßnahme gegen eine der schlechten Seiten des Eskapismus, nämlich der das du irgendwann glaubst, dass diese Abbildung der Realität real wäre.
Wie kommst Du denn da drauf? :shock:
Ganz einfach so verfestigen sich gerne mal Meinungen. Du bekommst immer die heile Idylle als Beispiel der Industrialisierung zu sehen und irgendwann fängst du vielleicht an dieses Bild zu glauben. Wenn du aber irgendwann mal eine solche Kritik gelesen hast, die dieses Idyll auch mal auseinander genommen hat, dann muss die dir damals noch nicht mal gefallen haben, aber irgendwo in deinem Kopf ist sie dann gespeichert.Das es da mal eine Stimme gab, die mal sagte, dass dies nur eine Abbildung mit Problemen war und allein das kann dabei helfen, dass diese Fantasie eben eine Fantasie bleibt und nicht zu einem Weltbild wird.

Re: Runde 235: Eskapismus

Verfasst: 8. Okt 2019, 19:19
von xaan
Axel hat geschrieben:
8. Okt 2019, 17:38
Kritik macht aber nur dann Sinn, wenn es einen realen Grund gibt. Etwa einen Missstand.
Der Missstand wird durch die Existenz der Kritik (weitgehend) behoben. ;)
Der Missstand ist ja die Gefahr, dass sich eine verzerrte Geschichtsdarstellung zu einem verzerrten Weltbild entwickelt - zumindest bei Personen denen ausreichend Geschichtsinformationen fehlen um die Verzerrungen zu erkennen. Allein dass da ein Artikel ist der darüber informiert wie verzerrt die Darstellung ist, ist ein Schritt um das Problem zu beheben. Und es ist auch der einzig gangbare Weg in einer Gesellschaft die sich selbst als freiheitlich definiert.