Runde #235: Eine Verteidigung des Eskapismus

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Stuttgarter
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Stuttgarter »

echtschlecht165 hat geschrieben:
10. Okt 2019, 11:26
Nach dieser Definition ist doms Artikel eine religiöse verurteilung
Das kannst Du ja sicher anhand des Artikels ausführlich begründen. Ich freu mich drauf. <3

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Lurtz
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Lurtz »

Bitte auch nicht vergessen dass Anno mit 2070 auch schon einen Titel hatte, der eine fast vollständig überschwemmte Erde zum grundlegenden Szenario hatte, mit schweren, zeitrelevanten Themen wie Umweltverschmutzung, Raubbau an Ressourcen, Mega-Corporations vs Ökos etc.

Ich finde man macht es sich wirklich zu einfach wenn man Anno per Definition als "eskapistisches Wohlfühlspiel" betrachtet.

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Axel
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Axel »

Lurtz hat geschrieben:
10. Okt 2019, 13:46
Bitte auch nicht vergessen dass Anno mit 2070 auch schon einen Titel hatte, der eine fast vollständig überschwemmte Erde zum grundlegenden Szenario hatte, mit schweren, zeitrelevanten Themen wie Umweltverschmutzung, Raubbau an Ressourcen, Mega-Corporations vs Ökos etc.
Und das Ergebnis war? Genau! Es wurde von den Fans nicht gemocht, um es nett auszudrücken. Denn es brach mit allem, was die Serie vorher eben ausgemacht hat. Es war mit dem Teil eben kein entspannendes Aufbauspiel mehr.
Lurtz hat geschrieben:
10. Okt 2019, 13:46
Ich finde man macht es sich wirklich zu einfach wenn man Anno per Definition als "eskapistisches Wohlfühlspiel" betrachtet.
Es ist aber genau das, was die Fans der Reihe wollen.
„Kein Wunder also, dass wir uns den Debatten der Allgemeinheit anschließen und lieber darüber nachdenken, wer zu uns gehört und nicht, als gemeinsam über Lösungen zu streiten. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“
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Nachtfischer
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Nachtfischer »

Axel hat geschrieben:
10. Okt 2019, 14:00
Und das Ergebnis war? Genau! Es wurde von den Fans nicht gemocht, um es nett auszudrücken. [...]
Es ist aber genau das, was die Fans der Reihe wollen.
Hier müsste man aber jetzt wieder schauen, was die Maßstäbe in der Diskussion sind. Ich glaube nicht, dass Lurtz sagen wollte, dass Anno populärer oder erfolgreicher wäre, wenn es kein "eskapistisches Wohlfühlspiel" wäre.

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Axel
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Axel »

Ich will damit nur sagen: Die Leute wollen diese entspannende Ausrichtung. Eine Ausrichtung, die auch nicht so viel Abstraktion erfordert. Genau deswegen waren die Zukunftsdinger ja auch nicht beliebt gewesen. Deswegen ja wieder die Rückkehr zu den Wurzeln der Reihe.

Das heißt also: Mit härteren Themen wird man die typischen Anno-Spieler garnicht erst erreichen, da sie es erst garnicht kaufen werden. Auch deswegen sind solche impliziten Forderungen nach Änderungen weder zielführend nich realistisch. Denn auch bei Ubisoft gilt am Ende des Tages: Profit > Zeigefinger und Moral. Es ist und bleibt nunmal Unterhaltung. Kann man im eigenen Elfenbeinturm ganz toll blöd finden, ändert aber nix daran.
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HerrReineke
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von HerrReineke »

Axel hat geschrieben:
10. Okt 2019, 14:00
Lurtz hat geschrieben:
10. Okt 2019, 13:46
Bitte auch nicht vergessen dass Anno mit 2070 auch schon einen Titel hatte, der eine fast vollständig überschwemmte Erde zum grundlegenden Szenario hatte, mit schweren, zeitrelevanten Themen wie Umweltverschmutzung, Raubbau an Ressourcen, Mega-Corporations vs Ökos etc.
Und das Ergebnis war? Genau! Es wurde von den Fans nicht gemocht, um es nett auszudrücken. Denn es brach mit allem, was die Serie vorher eben ausgemacht hat. Es war mit dem Teil eben kein entspannendes Aufbauspiel mehr.
Lurtz hat geschrieben:
10. Okt 2019, 13:46
Ich finde man macht es sich wirklich zu einfach wenn man Anno per Definition als "eskapistisches Wohlfühlspiel" betrachtet.
Es ist aber genau das, was die Fans der Reihe wollen.
Wenn ich mich richtig erinnere ist es aber - zumindest bis Anno 1800 - der Teil der Serie gewesen, der sich am häufigsten verkauft und am meisten Umsatz gemacht hat; ich meine, dass das Dirk Riegert in einem der Video-Interviews der GameStar im Vorfeld zu Anno 1800 erzählt hatte. Quasi als Kontrast zu den ewigen Diskussionen darum, dass das ja kein richtiges Anno mehr gewesen wäre und viele das Zukunftsszenario doof gefunden hätten: Das hätte sich im Erfolg so gar nicht wiedergefunden. Kann das Video aber (vllt auch, weil ich kein Plus-User mehr bin) auf die Schnelle nicht wiederfinden.
Quis leget haec?

Giovanni
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Giovanni »

Stuttgarter hat geschrieben:
10. Okt 2019, 10:57
Kulturkritik sagt nur, "das und das an einem Werk ist gelungen, das und das weniger".
Der Witz ist ja - und es wundert mich, dass dieser Aspekt nach dreizehn Seiten Diskussion überhaupt nicht ein einziges Mal aufkommt - Kulturkritik würde höchstwahrscheinlich überhaupt nichts sagen. Denn Kulturkritik, das Feuilleton oder Universitätsprofessoren befassen sich höchst selten mit Groschenromanen. Und wenn sie es denn einmal tun, beweisen sie dabei meist mehr Nonchalance und weniger Bierernst. Würden ein Literaturkritiker und ein Geschichtsdozent sich ernsthaft darüber ereifern, dass Bastei-Lübbes wöchentlich erscheinende Südstaatenschmonzette fröhliche singende Sklaven auf Baumwollfeldern abbildet? Sich um das intellektuelle Wohl der Millionen von Hausfrauen sorgen, die über Jahrzehnte hinweg einer geschichtsrevisionistischen und den Sklavenhandel relativierenden Lektüre ausgesetzt wurden? Wahrscheinlich würden sie es nicht einmal achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Denn nichts anderes ist Anno von der Thematik und Story her: das spielerische Gegenstück zum biederen Wohlfühlroman der nirgendwo aneckt, die Hera Lind, die Helene Fischer unter den Computerspielen. Es ist überhaupt nicht odiös mehr Mut zum Kontroversiellen einzufordern - gib mir 19. Jahrhundert, Sklaverei, Nationalismus und soziale Missstände in linden Strömen! - aber in dieser Diskussion fehlt das Bewusstsein fürs Genre, das in anderen Mediengattungen vorhanden ist. Vom Groschenroman würden ein Literaturkritiker und Historiker niemals das gleiche Reflexionsniveau und Geschichtsbewusstsein einfordern wie vom gut recherchierten Bildungsroman oder Fachliteratur über den Sklavenhandel. Bei Computerspielen wird dagegen erst einmal alles genreübergreifend, undifferenziert über einen Kamm geschert. Hauptsache wir wittern einen Skandal.
Zuletzt geändert von Giovanni am 10. Okt 2019, 15:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Lurtz
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Lurtz »

Axel hat geschrieben:
10. Okt 2019, 14:00
Und das Ergebnis war? Genau! Es wurde von den Fans nicht gemocht, um es nett auszudrücken. Denn es brach mit allem, was die Serie vorher eben ausgemacht hat. Es war mit dem Teil eben kein entspannendes Aufbauspiel mehr.
Es ist aber genau das, was die Fans der Reihe wollen.
Ich glaube nicht dass du für die Fans der Reihe sprechen kannst, und wenn dann nur für die deutschen. Zumindest die Verkäufe außerhalb Deutschlands haben 2070 nämlich zum erfolgreichsten Spiel der Reihe gemacht. Der Bruch kam eher mit 2250, was auch im Gameplay vieles anders gemacht hat.

Zumal der Erfolg für die Sichtweise auf die Macher hinter der Reihe keine Auswirkungen hat.

Stuttgarter
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Stuttgarter »

Giovanni hat geschrieben:
10. Okt 2019, 14:27
Stuttgarter hat geschrieben:
10. Okt 2019, 10:57
Kulturkritik sagt nur, "das und das an einem Werk ist gelungen, das und das weniger".
Der Witz ist ja - und es wundert mich, dass dieser Aspekt nach dreizehn Seiten Diskussion überhaupt nicht ein einziges Mal aufkommt - Kulturkritik würde höchstwahrscheinlich überhaupt nichts sagen. Denn Kulturkritik, das Feuilleton oder Universitätsprofessoren befassen sich höchst selten mit Groschenromanen. Und wenn sie es denn einmal tun, beweisen sie dabei meist mehr Nonchalance und weniger Bierernst. Würden ein Literaturkritiker und ein Geschichtsdozent sich ernsthaft darüber ereifern, dass Bastei-Lübbes wöchentlich erscheinende Südstaatenschmonzette fröhliche singende Sklaven auf Baumwollfeldern abbildet? Sich um das intellektuelle Wohl der Millionen von Hausfrauen sorgen, die über Jahrzehnte hinweg einer geschichtsrevisionistischen und den Sklavenhandel relativierenden Lektüre ausgesetzt wurden? Wahrscheinlich würden sie es nicht einmal achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Denn nichts anderes ist Anno von der Thematik und Story her: das spielerische Gegenstück zum biederen Wohlfühlroman der nirgendwo aneckt, die Hera Lind, die Helene Fischer unter den Computerspielen. Es ist überhaupt nicht odiös mehr Mut zum Kontroversiellen einzufordern - gib mir 19. Jahrhundert, Sklaverei, Nationalismus und soziale Missstände in linden Strömen! - aber in dieser Diskussion fehlt das Bewusstsein fürs Genre, das in anderes Mediengattungen vorhanden ist. Vom Groschenroman würden ein Literaturkritiker und Historiker niemals das gleiche Reflexionsniveau und Geschichtsbewusstsein einfordern wie vom gut recherchierten Bildungsroman oder Fachliteratur über den Sklavenhandel. Bei Computerspielen wird dagegen erst einmal alles genreübergreifend, undifferenziert über einen Kamm geschert. Hauptsache wir wittern einen Skandal.
Ich weiß nicht, was Du so liest - aber im Feuilleton meiner Tageszeitung werden selbstverständlich Hera Lind (oder zumindest Verfilmungen nach ihr) und Helene Fischer-Konzerte thematisiert.

Giovanni
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Giovanni »

Stuttgarter hat geschrieben:
10. Okt 2019, 14:50
Ich weiß nicht, was Du so liest - aber im Feuilleton meiner Tageszeitung werden selbstverständlich Hera Lind (oder zumindest Verfilmungen nach ihr) und Helene Fischer-Konzerte thematisiert.
Selbstverständlich - Nur geschieht das dann zumeist mit ironischem Unterton und ohne geschichtspädagogischen Furor (Stichwort Nonchalance und Genrebewusstsein). Ansonsten sorge ich mich um die Journalisten deiner Zeitung.
Zuletzt geändert von Giovanni am 10. Okt 2019, 16:04, insgesamt 1-mal geändert.

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Nina
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Nina »

Weapi hat geschrieben:
7. Okt 2019, 18:04
Nina hat geschrieben:
7. Okt 2019, 10:11
Es gab stets Frauen, die in Kriegen - und auch im zweiten Weltkrieg - kämpften, aber das Thema wurde vor und nach der Veröffentlichung von "Battlefield II" in zahlreichen Artikeln ausführlich durchgekaut, also bitte ich, bei Bedarf dort nachzulesen - zumal "Battlefield" ja ausdrücklich keine historisch akkurate und möglichst realitätsgetreue Abbildung von Geschichte darstellt, weswegen die ganze Diskussion ziemlich müßig ist.
Bei der Wehrmacht/Waffen SS oder den US Army/US Mariens waren aber nunmal keine Frauen im Fronteinsatz. Das warn z.B. bei den Sowjetunion. Da sollte man Frauen auch auswählen können. Man kann nicht sagen dass das fehlen der Sklaverei in Anno ein Probleme ist aber weibliche Soldatan in der Wehrmacht ok sind. Gerade wenn gesagt wird Spiele sind inzwischen ein Kulturgut das sich der Kritik aussetzen muss wie Literatur und Filmen kann darf wegen einer Idologie die Geschichte falsch darstellen. So etwas ist immer gefährlich.
Um mich an dieser Stelle noch einmal selbst zu zitieren: "...zumal "Battlefield" ja ausdrücklich keine historisch akkurate und möglichst realitätsgetreue Abbildung von Geschichte darstellt, weswegen die ganze Diskussion ziemlich müßig ist." Phazonis hat diesen Punkt ja auch noch einmal aufgegriffen und ausgeführt.
mfj hat geschrieben:
7. Okt 2019, 21:53
Danke fürs nochmal schreiben und gut, dass ich da nicht missverstanden wurde...
Dieses Missverstandenwerden hält mich stark davon ab, überhaupt was geschriebenes ins Internet zu geben.
Missverständnisse lassen sich natürlich nicht immer vermeiden und können, gerade bei Reizthemen wie diesem, zu einigen Problemen führen, aber Du hast Deine Intention ja direkt noch einmal klargestellt und grundsätzlich freue ich mich über kritisches Nachhaken, denn das signalisiert im besten Falle Interesse und Diskussionsbereitschaft. Also: Alles gut!

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DexterKane
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von DexterKane »

Da ihr ja 2070 anführt, zitiere ich mal mich selbst aus dem Thread im Mai:

"Und gerade 2070 ist ein schönes Beispiel dafür, warum man das nicht mehr macht.
Wo die „packende“ Geschichte um Thor Strindtberg mir nahelegt, dass Umweltverschmutzung ja ganz, ganz doll doof ist.
Wo die bösen Kapitalisten Schnaps und Burger als Grundbedürfnisse haben während die guten Ökos Tee trinken und Bio-Sushi essen.
NEIN, wie hätte ich bloß ahnen sollen, dass Umweltverschmutzung schlecht ist, hätte mich diese Seifenoper auf Captain Planet Niveau nicht darauf aufmerksam gemacht.
Gott sei Dank werden hier die unbequemen Themen aufgegriffen! Wer Sarkasmus findet darf ihn behalten.

Wenn der „unbequeme“ Umgang mit dem Thema auf diesem Level erfolgt, dann danke, aber nein danke!
Ob der Warenkreislaufsimulator Anno Kunst sein will, wage ich gelinde gesagt auch zu bezweifeln…"

Ernsthaft, mein Unmut über die Kritik an 1800 kann zu 80% direkt darauf zurück geführt werden, wie scheiße ich 2070 fand...
Relax, it's North-Korea. The nation state equivalent of the short-bus. - Sterling Archer

Phazonis
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Phazonis »

Andre Peschke hat geschrieben:
9. Okt 2019, 14:45
Da würde ich nochmal, wie oben bereits geschehen, widersprechen. Kritik, die zu kleinteilig ist, verwässert und behindert den größeren Diskurs innerhalb dessen sie sich bewegt. Das sieht man gerade bei Reizthemen ja auch andauernd. Wenn ich jedes Maß aus den Augen verliere, wenn ich keinen Schwellenwert mehr ansetze, ab dem Kritik erfolgt, dann überfrachte ich den Diskurs mit mikroskopischen Fragmenten, die zeitraubend sind und den Blick auf wichtigere Aspekte und das große Ganze behindern. Und "berechtigt" meint nicht, diese Kritik sei verboten oder habe per se keinerlei Grundlage. Aber wenn sie Relevanz völlig aus den Augen lässt, dann schießt sie sich selbst in den Fuß. Denn jede Kritik die gehört wird, kostet Zeit und Energie. Zeit und Energie, die dann bei der Auseinandersetzung mit wichtigeren Aspekten fehlen. Kritik, deren Gegenstand letztlich unwichtig ist, ist falsch. Nicht inhaltlich falsch vielleicht, aber es ist falsch sie zu äußern, wenn sie nicht reiner Selbstzweck sein soll.
Da muss ich dann aber mal einhaken und fragen wo da genau das Problem ist? Wir zwingen ja niemanden diese Kritik zu lesen, noch plakatieren wir sie überall hin oder machen sie zur Pflichtlektüre. Wenn du dann mit dem Argument ankommst sie nimmt Aufmerksamkeit von den wichtigen Themen weg, dann muss ich dem entgegnen jeder Leser hat sich selbst freiwillig dafür entschieden diese Kritik zu lesen. Was willst du dann machen? Es ihnen verbieten? Einen riesiges Banner drüber stülpen nicht relevant genug? Sie direkt zu relevanterer Kritik umleiten? Wenn ich Doms Artikel ach quatsch nur die Überschrift sehe weiß ich was kommen wird und wenn das mich nicht interessiert oder ich glaube das meine Aufmerksamkeit woanders besser aufgehoben ist, dann klicke ich den Artikel nicht an, dann muss ich keine Zeit und Energie darauf verschwenden. Und mir ist diese Kritik wichtig, ja vielleicht nicht besonders relevant, aber das macht sie nicht weniger wichtig/ äußernswert.
Andre Peschke hat geschrieben:
9. Okt 2019, 14:45
Wenn das ganze eine Art Webseiten-Navigation wäre, dann hätten wir uns allein mit der Themensetzung schon in die 6. Ebene geklickt.

Mangelnde Bildung - Weltweit
->In Deutschland
--> Zum Thema Geschichte
---> Zum Thema Geschichte: Kolonialismus
----> Einflussfaktor Medien
----> Einflussfaktor Medien: Computerspiele
----->Einflussfaktor Medien: Computerspiele - Anno 1800

Da würde ich mich fragen: Warum auf dieser Ebene ansetzen? Wäre ein Beitrag nicht viel wirkungsvoller, der wenigstens auf der Ebene "Computerspiele" allgemein ansetzt? Vermutung: Wird schwierig, weil da gibt's praktisch nix. Wo sonst trägt das Medium sonst noch zur Desinformation zum Thema Kolonialismus groß bei? "Civilization" / "Colonization" würden auf der Liste noch landen und dann wird es vermutlich schon eng mit relevanten Beispielen.
Ja und auch da mag sein, dass wir auf Ebene 6 angreifen, aber was ist an dieser Taktik verwerflich. Wenn Ebene 1-5 schwer anzugehen sind, aus verschiedensten Gründen, dann fangen wir halt auf Ebene 6 an und werden dadurch vielleicht einen Einfluss auf Ebene 1-5 haben. Klar wäre ein Beitrag auf Ebene 5 wirkungsvoller, aber da zeigt sich wieder deine andere Ansicht auf Kritik, weil du Kritik nicht als Selbstzweck ohne direktes Ziel ansehen kannst. Sie muss ja was verändern also doch bitte mindestens Ebene 5 sonst verläuft sie ja im Sand. Und allein der Fakt, dass es so wenige Spiele in der Erä gibt ist ein weiterer guter Punkt für die Kritik. Wenn Anno eine Darstellung in einem See von Tausenden wäre, wäre die Reaktion auch geringer, aber sie ja eher eine in einem Pool von unter 10 und damit wird die Kritik eher relevanter.
Andre Peschke hat geschrieben:
9. Okt 2019, 14:45
Selbst wenn man glaubt, dass Computerspiele hier einen relevanten Einfluss ausüben können und Anno & Co. auch so gemacht sind, dass dieser Effekt eintritt: Sofern man nicht von einer Wirkung des einzelnen Computerspiels ausgeht (was wir ja alle nicht tun, meinem Verständnis nach): Wie viele Titel konnte ein Spieler in den letzten 10 Jahren denn maximal konsumieren, damit sich durch die Masse eine Wirkung entfaltet?

Zugegeben, mir fehlt der Überblick, aber meine Vermutung wäre: Eine sinnvolle Kritik kann minimal erst ab der Ebene des Gesamtmedialen Kontexts ansetzen, falls quer über Buch/Film/Games immer wieder gleiche Klischeebilder dieses Zeitalters abgebildet würden. Denn auch Filme in dieser Zeitperiode fallen mir nicht viele ein und akut gar keiner, bei dem man sagen könnte: "Da hätte aber Sklaverei abgebildet sein müssen, an der Stelle".

Und die etwas schwächere Vermutung wäre: Es handelt sich um ein Bildungsproblem (wenn es denn eines ist) und nicht um ein Medienproblem.
Und hier wird es besonders deutlich, dass du aus dem Denken nicht ausbrechen kannst, dass Kritik doch Folgen haben muss. Ja wenn wir das Problem aus der Welt schaffen wollen muss all das passieren, was du beschreibst, aber die Aufgabe ist langwierig und schwer umzusetzen.Und das aller wichtigste ist ja immer, dass du ja immer ein "glauben, denken,.." nutzt.Wissen tust du nicht ob Videospiele einen geringen Einfluss haben. Ja Videospiele mögen da einen minimalen Einfluss haben und sogar total irrelevant sein, aber sollte der Einfluss doch nicht so klein sein, ist doch trotzdem gut da vorsorglich mal eine Gegendarstellung zu machen sollte es nicht vielleicht doch relevanter sein als gedacht. Damit werden wir das Problem nicht aus der welt schaffen, aber es ist doch ein kleiner Beitrag zur Sache auf dem man aufbauen( :ugly: ) kann.

Phazonis
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Phazonis »

DexterKane hat geschrieben:
10. Okt 2019, 15:11
Da ihr ja 2070 anführt, zitiere ich mal mich selbst aus dem Thread im Mai:

"Und gerade 2070 ist ein schönes Beispiel dafür, warum man das nicht mehr macht.
Wo die „packende“ Geschichte um Thor Strindtberg mir nahelegt, dass Umweltverschmutzung ja ganz, ganz doll doof ist.
Wo die bösen Kapitalisten Schnaps und Burger als Grundbedürfnisse haben während die guten Ökos Tee trinken und Bio-Sushi essen.
NEIN, wie hätte ich bloß ahnen sollen, dass Umweltverschmutzung schlecht ist, hätte mich diese Seifenoper auf Captain Planet Niveau nicht darauf aufmerksam gemacht.
Gott sei Dank werden hier die unbequemen Themen aufgegriffen! Wer Sarkasmus findet darf ihn behalten.

Wenn der „unbequeme“ Umgang mit dem Thema auf diesem Level erfolgt, dann danke, aber nein danke!
Ob der Warenkreislaufsimulator Anno Kunst sein will, wage ich gelinde gesagt auch zu bezweifeln…"

Ernsthaft, mein Unmut über die Kritik an 1800 kann zu 80% direkt darauf zurück geführt werden, wie scheiße ich 2070 fand...
Da machst du aber ein falsches Dilemma auf. Klar wäre eine bessere Darstellung wünschenswert und alle die das fordern wünschen sich keine Darstellung,um in deine Worten zu bleiben, auf Captain Planet Niveau, sondern natürlich eine Bessere, aber aufgrund von einer schlechten Darstellung gleich das ganze Unterfangen abzusagen und schlecht zu reden ist ja nicht die Lösung. Und ehrlich gesagt gib mir lieber 10 Captain Planet Moralkeulen als weitere 100 problematische heile Welten.

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DexterKane
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von DexterKane »

Phazonis hat geschrieben:
10. Okt 2019, 15:28
DexterKane hat geschrieben:
10. Okt 2019, 15:11
Da ihr ja 2070 anführt, zitiere ich mal mich selbst aus dem Thread im Mai:

"Und gerade 2070 ist ein schönes Beispiel dafür, warum man das nicht mehr macht.
Wo die „packende“ Geschichte um Thor Strindtberg mir nahelegt, dass Umweltverschmutzung ja ganz, ganz doll doof ist.
Wo die bösen Kapitalisten Schnaps und Burger als Grundbedürfnisse haben während die guten Ökos Tee trinken und Bio-Sushi essen.
NEIN, wie hätte ich bloß ahnen sollen, dass Umweltverschmutzung schlecht ist, hätte mich diese Seifenoper auf Captain Planet Niveau nicht darauf aufmerksam gemacht.
Gott sei Dank werden hier die unbequemen Themen aufgegriffen! Wer Sarkasmus findet darf ihn behalten.

Wenn der „unbequeme“ Umgang mit dem Thema auf diesem Level erfolgt, dann danke, aber nein danke!
Ob der Warenkreislaufsimulator Anno Kunst sein will, wage ich gelinde gesagt auch zu bezweifeln…"

Ernsthaft, mein Unmut über die Kritik an 1800 kann zu 80% direkt darauf zurück geführt werden, wie scheiße ich 2070 fand...
Da machst du aber ein falsches Dilemma auf. Klar wäre eine bessere Darstellung wünschenswert und alle die das fordern wünschen sich keine Darstellung,um in deine Worten zu bleiben, auf Captain Planet Niveau, sondern natürlich eine Bessere, aber aufgrund von einer schlechten Darstellung gleich das ganze Unterfangen abzusagen und schlecht zu reden ist ja nicht die Lösung. Und ehrlich gesagt gib mir lieber 10 Captain Planet Moralkeulen als weitere 100 problematische heile Welten.
Nichts für ungut, da sind wir dann wohl einfach unterschiedlicher Meinung.
Da sich das hier jetzt auch schon 10 Seiten im Kreis dreht, verabschiede ich mich, hier kommen wir wohl einfach nicht auf einen gemeinsamen Nenner.
Relax, it's North-Korea. The nation state equivalent of the short-bus. - Sterling Archer

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Lurtz
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Lurtz »

DexterKane hat geschrieben:
10. Okt 2019, 15:11
Da ihr ja 2070 anführt, zitiere ich mal mich selbst aus dem Thread im Mai:

"Und gerade 2070 ist ein schönes Beispiel dafür, warum man das nicht mehr macht.
Wo die „packende“ Geschichte um Thor Strindtberg mir nahelegt, dass Umweltverschmutzung ja ganz, ganz doll doof ist.
Wo die bösen Kapitalisten Schnaps und Burger als Grundbedürfnisse haben während die guten Ökos Tee trinken und Bio-Sushi essen.
NEIN, wie hätte ich bloß ahnen sollen, dass Umweltverschmutzung schlecht ist, hätte mich diese Seifenoper auf Captain Planet Niveau nicht darauf aufmerksam gemacht.
Gott sei Dank werden hier die unbequemen Themen aufgegriffen! Wer Sarkasmus findet darf ihn behalten.

Wenn der „unbequeme“ Umgang mit dem Thema auf diesem Level erfolgt, dann danke, aber nein danke!
Ob der Warenkreislaufsimulator Anno Kunst sein will, wage ich gelinde gesagt auch zu bezweifeln…"

Ernsthaft, mein Unmut über die Kritik an 1800 kann zu 80% direkt darauf zurück geführt werden, wie scheiße ich 2070 fand...
Der Umgang mit Orient vs Okzident oder Metropolen vs Kolonien in den anderen Annos ist jetzt aber auch nicht gerade hohe Schreibkunst. Von daher verstehe ich den Vergleich nicht.

Peninsula
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Peninsula »

Ich würde einfach mal The Curious Expedition als Gegenbeispiel zu Anno in den Raum werfen. Ist natürlich ein völlig anderes Spiel, aber ich finde, dass TCE imo die Gratwanderung ziemlich gut gelingt, die Schattenseiten des Kolonialismus miteinzubeziehen. Und zwar in ein Spiel, dass weder ein pädagogisch daherkommendes Serious Game noch von der Atmosphäre her besonders düster ist.
(Ich selbst kenne das Spiel vor allem aus dem Early Access, habe diese Diskussion zum Anlass genommen, mir das fertige Spiel bald mal genauer anzusehen)
An Axel (und gerne auch andere Eskapisten hier): Hast du das gespielt und wird dir da der eskapistische Spaß verdorben?

Stuttgarter
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Stuttgarter »

Giovanni hat geschrieben:
10. Okt 2019, 15:05
Stuttgarter hat geschrieben:
10. Okt 2019, 14:50
Ich weiß nicht, was Du so liest - aber im Feuilleton meiner Tageszeitung werden selbstverständlich Hera Lind (oder zumindest Verfilmungen nach ihr) und Helene Fischer-Konzerte thematisiert.
Selbstverständlich - Nur geschieht das dann zumeist mit ironischem Unterton und ohne geschichtspädagogischen Furor (Stichwort Nonchalance und Genrebewusstsein). Ansonsten sorge ich mich um die Journalisten deiner Zeitung.
Also zunächst eimmal sind es ganz normale Kritiken, die versuchen, dem besprochenen Werk gerecht zu werden. Das kann ins Ironische abgleiten - das kann es bei nem schlechten "Hamlet" aber genauso. In meiner Tageszeitung hat sich mittlerweile durchaus durchgesetzt, dass es nicht nur Hochkultur gibt. Der Leiter des Filmressorts weiß einen "Rogue One" sehr wohl zu schätzen (und einen "Solo" zu vermaledeien) und der Feuilleton-Chef selbst ist bekennender ABBA-, ESC- und Harry Potter-Fan. Und schreibt gleichzeitig auch glorreich-spritzige Essays über die aktuelle Theaterszene. Vielleicht bisschen weniger schwarzweiß-denken? Die Zeiten, in denen das Feuilleton tatsächlich nur Elfenbeinturm war, sind gottseidank vorbei.

Giovanni
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Giovanni »

Stuttgarter hat geschrieben:
10. Okt 2019, 17:25
Giovanni hat geschrieben:
10. Okt 2019, 15:05
Stuttgarter hat geschrieben:
10. Okt 2019, 14:50
Ich weiß nicht, was Du so liest - aber im Feuilleton meiner Tageszeitung werden selbstverständlich Hera Lind (oder zumindest Verfilmungen nach ihr) und Helene Fischer-Konzerte thematisiert.
Selbstverständlich - Nur geschieht das dann zumeist mit ironischem Unterton und ohne geschichtspädagogischen Furor (Stichwort Nonchalance und Genrebewusstsein). Ansonsten sorge ich mich um die Journalisten deiner Zeitung.
Also zunächst eimmal sind es ganz normale Kritiken, die versuchen, dem besprochenen Werk gerecht zu werden. Das kann ins Ironische abgleiten - das kann es bei nem schlechten "Hamlet" aber genauso. In meiner Tageszeitung hat sich mittlerweile durchaus durchgesetzt, dass es nicht nur Hochkultur gibt. Der Leiter des Filmressorts weiß einen "Rogue One" sehr wohl zu schätzen (und einen "Solo" zu vermaledeien) und der Feuilleton-Chef selbst ist bekennender ABBA-, ESC- und Harry Potter-Fan. Und schreibt gleichzeitig auch glorreich-spritzige Essays über die aktuelle Theaterszene. Vielleicht bisschen weniger schwarzweiß-denken? Die Zeiten, in denen das Feuilleton tatsächlich nur Elfenbeinturm war, sind gottseidank vorbei.
Du weichst aus. Dein Feuilletonchef würde in seiner Theaterrezension nie die kollektive Verblödung der Theatergänger heraufbeschwören - und wäre das Stück noch so dumm. Oder gleich die ganz großen Geschütze auffahren, Solo zum Symbol des wiederaufflammenden Militarismus umdeuten und im Anschluß der geschichtswissenschaftlichen Fakultät die Türen einrennen. Außerdem würde ich Abba und Solo nicht mit einem Groschenroman vergleichen. Und darum ging es hier - Kulturkritik differenziert angemessen je nach Genre, egal ob Brecht oder Bohlen. Und sie schießt nicht mit Kanonen auf Spatzen.

Stuttgarter
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Re: Runde 235: Eskapismus

Beitrag von Stuttgarter »

Giovanni hat geschrieben:
10. Okt 2019, 18:51
Du weichst aus. Dein Feuilletonchef würde in seiner Theaterrezension nie die kollektive Verblödung der Theatergänger heraufbeschwören - und wäre das Stück noch so dumm. Oder gleich die ganz großen Geschütze auffahren, Solo zum Symbol des wiederaufflammenden Militarismus umdeuten und im Anschluß der geschichtswissenschaftlichen Fakultät die Türen einrennen. Außerdem würde ich Abba und Solo nicht mit einem Groschenroman vergleichen. Und darum ging es hier - Kulturkritik differenziert angemessen je nach Genre, egal ob Brecht oder Bohlen. Und sie schießt nicht mit Kanonen auf Spatzen.
Was Du alles über "mein" Feuilleton weißt, was das tun würde und was nicht. :o Ich weiß dass alles nicht. Aber ich bin mir ziemlich sicher: Würde ein Bestseller-Roman oder ein Kinoblockbuster in historischem Kontext bestimmte negative Elemente einfach totschweigen, wäre das meiner Zeitung entweder mindestens einen Absatz in der eigentlichen Rezension oder gar einen eigenen Artikel wert. Wie eben den von Dom. Vergleichbares kam in der Vergangenheit nämlich schon vor. Das ist die berühmte "Meta-Ebene" - und im Feuilleton ganz normal.

Und das ist auch der Vergleichspunkt: Ein Machwerk, das ein Millionenpublikum anspricht. Völlig gleich, ob Groschenroman oder Houellebecq.

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