Runde #254: Through the Darkest of Times

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Soulaire
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Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Soulaire »

schön dass ihr nicht in den Chor mit einstimmt und dem Entwickler mal keinen Honig um den Mund geschmiert habt. höchstwahrscheinlich werden die Entwickler durch die positive Berichterstattung hier in Deutschland zu dem Urteil kommen, dass sie alles richtig gemacht haben, aber es einzig wegen dem Szenario nur so gut in Deutschland ankommt . Aber das halte ich für einen Trugschluss.
von einem the War of mine ist das noch Welten entfernt.

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Enlagom
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Enlagom »

Ja echt schade drum.
Ich kann tatsächlich alles was Dom und Andre dazu sagten so wiederholen und unterschreiben.
Nur wär mein Fazit wesentlich vernichtender.
Das ist ein wirklich schlechtes Machwerk.
Die Karte und die Musik, die sich die gesamte Kampagne nicht ändert, inklusive Swinging 30er Musik nach Kriegsausbruch.
Pappabziehcharaktere, die ausgewürfelt werden, und nichtssagender als ein Fußpilz sind.
Die eigene Spielerschaft für dümmlich verkaufen, inklusive falscher Zeitungartikel, die nie zu dem Zeitpunkt erschienen sind.
Und dazu eine wirklich belanglose Spielmechanik.
sch.....

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Enlagom
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Enlagom »

Im Übrigen, lt. 4-Player Test:
Ein kommender Patch soll aber eine "alternative Zeitlinie" ermöglichen, in der man auch den Kriegsausgang beinflussen kann.

Wenn das stimmt, wird das gepatcht, das eigentlich kein Kritikpunkt sein sollte..

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Leonard Zelig
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Leonard Zelig »

Schade um das verschenkte Potential. Vielleicht hätte das Ganze als klassisches Point'n Click-Adventure besser funktioniert.
"The whole problem with the world is that fools and fanatics are always so certain of themselves, but wiser people so full of doubts."

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Axel
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Axel »

Enlagom hat geschrieben:
16. Feb 2020, 19:45
Im Übrigen, lt. 4-Player Test:
Ein kommender Patch soll aber eine "alternative Zeitlinie" ermöglichen, in der man auch den Kriegsausgang beinflussen kann.
Damit zeigt man auch, dass mit diesem Spiel wohl um vieles ging: Nur nicht Erinnerungskultur und Aufklärung. Da bleiben noch Attentat 1942 und My Child Lebensborn als tolle, aufklärende Spiele einerseits - und wertvolle Beiträge zur Erinnerungskultur andererseits.



Ich finde ehrlich gesagt die Ausgangslage von Through Darkest Of Times ziemlich unrealistisch. Weil das ganze Spielprinzip der damaligen Zeit zuwiderläuft, wie das Andre und Dom sehr schön auseinandergenommen haben. Und dann das ganze noch verbunden mit moralinsauren Texten... Nein, einfach nein. Gerade die beiden oben genannten Spiele haben ja gezeigt, dass es solche moralischen Texte nicht braucht.

In My Child Lebensborn hat mich beispielsweise die sehr kindliche Sprache verbunden mit der damals grausamen Nachkriegszeit am meisten emotional gepackt und mitgenommen. Denn man agiert ja die ganze Zeit mit einem Kind und versucht es so gut und würdig es irgendwie geht durchzubringen.

Ein ähnliches Konzept hätte ich mir auch von Through Darkest of Times gewünscht:
Statt irgendeine Widerstandszelle schlüpft der Spieler in die Rolle einer sozialdemokratisch geprägten Familie. Eltern, zwei Kinder. Das Spiel steigt 1932 ein und man lernt die Personen kennen. Von Großeltern über jüdische Freunde bis hin zur ganzen Gemeinschaft eines kleinen Viertels. Es wäre eine narrative Lebenssimulation. Die ersten Jahre nach der Machtergreifung kann man zu einigen Wohlstand kommen, wenn man gut spielt. Das wird einem aber während der Kriegsjahre wieder genommen.

Was könnte man in so einem Setting nicht für eindringliche Momente schaffen:
- Der Augenblick wo Dich Deine Kinder fragen, wo ihre Freunde geblieben sind.
- Die Entfremdung Deiner Kinder durch HJ und BDM.
- Die gesellschaftlichen Zwänge und Anforderungen.
- Die ständige Propaganda.
- Verluste in den Kriegsjahren.
- Verwandte, welche sich der Naziideologie voll verschreiben.

Zum Beispiel könnte man Propagandaartikel damaliger Zeitungen lesen, fährt man mit der Maus drüber kommt aber eine multimediale Abhandlung wie es wirklich war. Man könnte Themen wie schwarze Pädagogik behandeln. Oder wie sich auf psychologischer Ebene eine ganze Gesellschaft innerhalb weniger Jahre wandelt und damit an die heutige Zeit anknüpfen.
Würde man die damalige Zeit aus der Sicht einer normalen Familie zeigen, eingebettet mit vielen Informationen, dann könnte man ein sehr schönes Spiel zu Aufklärung machen, welches eben auch an die heutige Zeit anknüpft.

Stattdessen verliert sich das Spiel in der heutigen Fantasie, dass man in einer Diktatur ja „nur“ Widerstand leisten muss (nein, der Widerstand muss VOR der Diktatur kommen - danach ist es zu spät). Und stellt das alles als so plump und einfach dar, dass es schon geschichtsrevisionistisch wird. Die allermeisten Opfer der Nazis wurden etwa nicht von der SS selbst „ermittelt“. Es gab damals sehr viel Denunzierung seitens Nachbarn usw. Das heißt, hätte man sich „still“ verhalten, hätte man sich gerade verdächtig gemacht. Du musstest aktiv mitmachen bei den ganzen Vereinen und dergleichen, ob Du wolltest oder nicht.
Ältere können sich vielleicht noch an die DDR erinnern, da war das sehr ähnlich. Wenn Du da als Jugendlicher nicht in die FDJ gegangen bist, hattest Du schonmal keinen Zugang zu einer höheren Bildung. Deine Familie wurde mindestens mal beobachtet und konnte auch sein, dass Du ins Zuchthaus kamst. Viele stellen sich das Leben in ner Diktatur so einfach vor. Und das man ja nur Widerstand leisten muss. Aber schon die DDR-Erfahrung von Freunden und deren Familie zeigen: Da konnte man schneller ins gesellschaftliche Abseits geraten als einem lieb war. Ich kann mir das garnicht ausmalen wie heftig das nochmal in der Nazidiktatur war.
„Kein Wunder also, dass wir uns den Debatten der Allgemeinheit anschließen und lieber darüber nachdenken, wer zu uns gehört und nicht, als gemeinsam über Lösungen zu streiten. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“
(Serdar Somuncu)

Smartie
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Smartie »

Enlagom hat geschrieben:
16. Feb 2020, 19:45
Im Übrigen, lt. 4-Player Test:
Ein kommender Patch soll aber eine "alternative Zeitlinie" ermöglichen, in der man auch den Kriegsausgang beinflussen kann.

Wenn das stimmt, wird das gepatcht, das eigentlich kein Kritikpunkt sein sollte..
Eine alternative Zeitlinie zu ermöglichen ist die dümmste Entschedung, die die Entwickler treffen konnten. Botschaft des Ganzen: Hätten die dummen Bürger nur eifrig genug illegale Zeitungen verteilt, der Zweite Weltkrieg und der Holocasut wären nie passiert... :doh:
Mich hat diese auch von Dom stammende Forderung schon beim Hören der Folge wütend gemacht, sie zeugt von absoluter Unkenntnis der Verhältnisse in einem totalitären Staat. Allein der Fakt, dass Kommunisten, Klerikale und Nationalkonservative fröhlich zusammenarbeiten, ist weitgehend ahistorisch.

Die einzige wirkliche WIderstandsgruppe, die wirklich massiven EInfluss auf den Kriegsverlauf hätte nehmen können, war die des 20. Juli - bei einem erfolgreichen Attentat wäre womöglich die bedingslose Kapitulation deutlich früher efolgt, was MIllionen Menschen das Leben gerettet hätte.Und die Gruppe des "20. Juli" bestand eben vor allem aus Eliten, also eine Zusammensetzung, die eben so gar nicht zu dem Hintergrund einer "kleinen" Gruppe in Berlin, passt.

Rince81
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Rince81 »

Smartie hat geschrieben:
16. Feb 2020, 21:17
Eine alternative Zeitlinie zu ermöglichen ist die dümmste Entschedung, die die Entwickler treffen konnten.
Och, da fällt mir so einiges ein... , ne warte - doch nicht... Das ist gerade bei dem Spiel und der Thematik wirklich eine derart saublöde Idee, dass einem da wirklich die Worte fehlen. Ihren historischem Anspruch und dem Versuch dem Thema gerecht zu werden können sich die Entwickler da wirklich in die Haare schmieren...
Die "Gesendet von meinem HTC11 Life mit Tapatalk"-Signatur

Decius
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Registriert: 2. Feb 2016, 07:58

Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Decius »

Soulaire hat geschrieben:
16. Feb 2020, 10:47
höchstwahrscheinlich werden die Entwickler durch die positive Berichterstattung hier in Deutschland zu dem Urteil kommen, dass sie alles richtig gemacht haben, aber es einzig wegen dem Szenario nur so gut in Deutschland ankommt .
Die besten Wertungen, außer der 9 von PC Games, kommen nicht aus Deutschland - PC Gamer 87, Game Spot 8, IGN Italy 8 zB. Gamestar mit 77 oder 4Players mit 65 oder Gamersglobal mit 7 sind da deutlich verhaltener.

PS: Dom, bitte, bitte, bitte hör nochmal nach wie man Elysium im Englischen ausspricht. Nämlich fast genauso wie im Deutschen, weil es in beiden Fällen ein Lehnwort ist. Disco Elaisium zu hören ist jedesmal wie Fingernägel auf einer Kreidetafel für mich. ;)

imanzuel
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von imanzuel »

Ich glaube mit Berichterstattung sind die Berichte von Spiegel, FAZ und Co. gemeint. So ziemlich jede Zeitung/Magazin hat hier in Deutschland darüber berichtet, und - erwartungsgemäß - nur positiv darüber berichtet.

Auf der anderen Seite, SteamSpy hat bis jetzt noch nicht mal das Spiel gelistet, (okay stimmt nicht, ist gelistet, wird durch die Suche nur nicht gefunden) und nimmt man Spielerzahlen von SteamDB und Reviews auf Steam her (als Messwert zur Berechnung, nicht als Qualitätsmerkmal), scheint das Spiel nicht allzu viele Kunden anzusprechen.
Notiz für mich
2020: 1. HL:A (10) 2. Ori 2 (9)3. GR (9) 4. WL3 (9) 5. Doom Eternal (8) 6. RE3R (8) 7. Hades (8) 8. Nioh 2 (8) 9. P5R (7) 10. SOR 4 (7) 11. TLoU 2 (7) 12. DBZ: Kakarot (6) 13. GoT (6) 14. FF VII Remake (5)

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Nyarly362
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Nyarly362 »

Ohje, ich hatte mir auch viel versprochen von dem Spiel und bin nach einer Stunde schon von dem Gameplay genervt. Nach den positiven Berichten der Nicht-Spiele Zeitungen hatte ich einfach mehr erwartet. Ich glaube, deren Fokus liegt halt einfach darauf, dass hier ein Spiel eine durchaus gute Prämisse hat... dass die dann leider spielerisch nicht so wird, wie erwartet liegt offenbar ausserhalb des Fokus nämlicher Berichte. Das ist zum einen nachvollziehbar, zum anderen macht es aber auch deutlich, dass gestandene Spieleredakteure eben auch heute noch ihren großen Wert haben und ich bin The Pod mal wieder sehr dankbar, dass wir hier eben auch die andere=spielerische Seite beleuchtet bekommen. Ich kann die aufgeführten Kritikpunkte komplett nachvollziehen und denke auch, dass eine kleinere und vorallem nachvollziehbar verbundenere Gruppe hier deutlich besser gewesen wäre. Eine meiner Figuren war oft entdeckt worden, also schicke ich sie in den Untergrund. Sie kommt wieder, ist schwanger (toller Zeitpunkt, Madame!) und will aufhören. Leider hatte sie aber gute Werte in XYZ. Also denk ich, einen machste noch, da brauch ich Dich... naja, schicke sie los, sie kommt wieder und in der nächsten Woche bekomme ich nur die Meldung - Kind verloren, ist weg. Und es hat mich nicht mal gejuckt.

Die Aussprache von Disco Elysium ist wirklich schräg ;-) Aber sonst lieb' ich den guten Dom doch sehr :-)

meieiro
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von meieiro »

Ich hab das Spiel nicht gespielt. Werde ich nach den ganzen tests und Berichten wohl auch nicht machen.
Aber 2 Punkte aus dem Cast sind mir negativ aufgefallen:
1. Der Punkte, dass man aus einer Liste von möglichen Kanditaten für den Widerstand den Besten auswählen kann. Das finde ich in dem Kontext schon etwas befremdlich. Wir sollen hier ein System bekämpfen, dass eine Herrenrasse propagiert und Menschen die dem nicht entsprechen aussortiert. Da wäre es meiner Ansicht viel wirkungsvoller wenn man keinen Einfluß auf die Zusammenstellung der Gruppe hat.

2. Die Augen der Nazis. Ich bin kein Freund davon, die Nazis als so entmenschlichte Monster darzustellen. Das waren die nicht, zumindest ein großer Teil davon nicht. Das waren meistens ganz normale Menschen

Ist jetzt natürlich nur auf Basis dieses Podcasts. Es kann sein, dass das dann im Spiel nicht so rüberkommt

lolaldanee
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von lolaldanee »

Hm, der Schiffer findet das Spiel super, vor allem auch das Gameplay, also jetzt will ich eigentlich ein Streitgespräch

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Soulaire
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Soulaire »

lolaldanee hat geschrieben:
21. Feb 2020, 14:40
Hm, der Schiffer findet das Spiel super, vor allem auch das Gameplay, also jetzt will ich eigentlich ein Streitgespräch
hat ja auch einen kruden Spielegeschmack :D
findet zum Beispiel auch Journey überbewertet....

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Andre Peschke
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Andre Peschke »

Soulaire hat geschrieben:
21. Feb 2020, 15:18
findet zum Beispiel auch Journey überbewertet....
Eben. Warum dem Mann noch weiter Gelegenheit geben, sich selbst zu diskreditieren. Ich mag den ja. Den muss man vor sich selbst beschützen.

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Sebastian Solidwork
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Sebastian Solidwork »

Andre und Dom, ich bin beeindruckt von eurer Analyse! (Auch wenn sie leider für da Spiel nicht so gut ausgefällt)
Das ist für mich die ganz große Kunst.
IHR seit das Feuilleton der Videospiele. Wenn dann solltet ihr in Zeitungen und Magazinen schreiben, die anderen Schreiber sollen bei Filmen und Büchern bleiben. ;-)

Ich konnte jeder eurer Erklärungen gut folgen und mir das Spiel vorstellen.
Ich habt haarklein die Möglichkeiten der Interaktivität und ihre möglichen Aussagen analysiert. Und euch nicht von der aufstülpten Geschichte blenden lassen.

Danke, dass ihr auch keine Zahl genannt habt :-)
„Schönheit ist auch immer ethisches Empfinden.“

Umweltschutz beginnt im Geldsystem.
Fix the system!

Der Sinn des Lebens ist, dass Menschen voller Sinn das niemals wissen müssen. - Gunter Dueck in Omnisophie

Don Mchawi
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Don Mchawi »

Smartie hat geschrieben:
16. Feb 2020, 21:17

Mich hat diese auch von Dom stammende Forderung schon beim Hören der Folge wütend gemacht, sie zeugt von absoluter Unkenntnis der Verhältnisse in einem totalitären Staat.
Wie schlussfolgerst du denn das daraus?
Dom sagte ja nicht, dass es unbedingt unrealistisch sei, wenn er 1942 Hitler erschießen könnte, sondern er störte sich daran, dass er nie das Gefühl hatte, dass die Widerstandsgruppe mehr möchte als nur Flugblätter zu verteilen und er entsprechend keine Entwicklung sieht und vielleicht sich auch selbst in seiner Wirkmacht als Spieler eingeschränkt fühlt.
Ich sehe das auch wie Andre, dass es tatsächlich eine Stärke ist, dass der Spieler eben nicht so einfach den Lauf der Geschichte ändern kann und entsprechend dem Spiel gut tut, dieses Fass nicht aufzumachen. Aber wo bedeutet denn diese verschiedene Priorisierung im Spieldesign und im Wunsch, selbst erfolgreich in der Spielweit sein zu können, dass Dom eine absolute Unkenntniss Verhältnisse totalitärer Staaten hat? Ob er die hat weiß ich nicht, aber sich in einem Spiel auf höherem Niveau als Widerstandskämpfer bis zu alternativen Geschichtsverläufen versuchen zu wollen, scheint mir recht dünn, da eine Unkenntnis abzuleiten.

Dilanor
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Dilanor »

Moin,
ich habs ja schon mal angekündigt, aber jetzt auch nach dem Post Mortem muss ichs einfach mal schreiben, weil mir eure Besprechung des Spiels sehr sauer aufgestoßen ist und ich das Spiel komplett anders erlebt habe. Ich habe eure Rezension so empfunden als würde ein Roboter einen Shakespear analysieren und dann die große Anzahl an Adjektiven kritisieren aber die häufige Verwendung von Relativsätzen loben. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass keiner von euch sich auf das Spiel einlassen wollte, sondern dass man eben mit den Mitteln des klassischen Spielejournalismus Mechnaniken anschaun und analysieren wollte. Unter diesem sehr technischen Aspekt ist es verständlich, dass das Spiel nicht funktioniert. Das Spiel lebt davon, dass es zum einen die Fantasie des Spielers anregt, sich selbst ein Bild von seiner Gruppe zu machen, sich in die Zeit zu versetzen. Dass man sich in diese Position hineindenkt, wie in einem guten Buch. Ich glaube, dass das tatsächlich Leuten, die eben nicht andauernd Spiele konsumieren und damit eher einen Blick auf Mechaniken werfen viel einfacher fällt. Es hat mich ein wenig an das erinnert, was ich glaube mal Christian Schmidt zu Civilization gesagt hat, nämlich dass sich bei ihm beim Spielen eine Geschichte im Kopf dazu entwickelt, die losgelöst ist von den einzelnen Mechaniken. Und genau das ist das was zumindest bei mir und vielen anderen auch, mit denen ich gesprochen habe, beim Spielen von TtDoT passiert. Läßt man sich darauf ein, dass man eine Widerstandszelle führt und nutzt nicht nur Spielmechaniken, dann geht einem das Spiel auch sehr schnell sehr nahe und man spürt genau diese Ausweglosigkeit, die sich aus dem Beobachten der großen Ereignisse der Zeit ergeben. Ich kann nachvollziehen, wo eure Kritik herkommt, aber sie ist mir bei weitem zu technokratisch und wird weder dem Spiel noch euren sonstigen Kritiken gerecht. Im Gegenteil habe ich auch das Gefühl, dass ihr euch beim Gespräch auch etwas hineingesteigert habt.
Ein weiterer Punkt, den ich vollkommen anders sehe, ist die Theorie von euch, dass alle darüber Bescheid wissen, was zum Ende der Weimarer Republik und während der Nazi-Herrschaft in Deutschland passiert ist. Wir sind ja etwa gleichalt und daher werdet ihr sicher auch vieles mehrfach in der Schule durchgenommen haben, aber wenn man sich mal ganz offen umschaut und umhört ist das keinesfalls Gemeinbildung. Auch wird es heute in den Schulen (auch sehr unterschiedlich nach Schulzweig) ganz anders und viel weniger behandelt. Ich bin mir sehr sicher, dass eure Aussage für unsere Altersgruppe und unseren Bildungsgrad zutrifft, aber das ist kein Spiegel der Gesellschaft. Erst letztens habe ich schockiert mit Jugendlichen gesprochen, die davon nichts wussten und dachten, dass Hitler gewaltsam durch einen Militärputsch an die Macht gekommen sei.
Mich hat das Spiel mehrfach beim Ausschalten z.B. zum Ende eines Aktes, zum Teil sehr aufgewühlt hinterlassen und emotional extrem mitgenommen. Das liegt allerdings nicht an den - wie ihr richtig sagt monoton werdenden Aufgaben - sondern weil ich mich auf das Spiel eingelassen habe und mit meinen Figuren gelitten habe.
Mein Fazit wäre daher gewesen, dass wenn man das Spiel rein mechanisch als klassisches Game mit Gameplayelementen bewertet, wie z.B. auch ein beliebiges Handyspiel, bei dem ich eine eine Farm aufbauen soll, dann ist die Kritik von euch gerechtfertigt und ich kann sie nachvollziehen. Lass ich mich aber auf das Spiel ein und will es "erleben", dann reisst es einen mit und hält einen auch noch Stunden nach dem Ausschalten im Kopf gefangen....
Musste mal raus, meine 5 Cents (und keine Abmahnung) ;-)
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Andre Peschke
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Andre Peschke »

Dilanor hat geschrieben:
27. Feb 2020, 11:50
Ich kann nachvollziehen, wo eure Kritik herkommt, aber sie ist mir bei weitem zu technokratisch und wird weder dem Spiel noch euren sonstigen Kritiken gerecht. Im Gegenteil habe ich auch das Gefühl, dass ihr euch beim Gespräch auch etwas hineingesteigert habt.
Ahaa! Na gut, En Garde, aber: Lass uns da Argumente austauschen, anstatt dass du unsere Kritik durch sowas wie "da habt ihr euch reingesteigerst" aushöhlst. ;) Ich komme dir im Gegenzug auch nicht damit, dass du wegen des Themas oder deinem Job das Spiel nicht mehr klar sehen kannst oder dergleichen. ;)

Das Spiel ist, meiner Meinung nach, als Spiel schlicht und ergreifend schlecht. Die Gründe dafür habe ich ja im Podcast dargelegt und ich habe auch von Jörg nicht erfahren können, was an zufallsbestimmter Wiederholung der ewig gleichen Spielhandlungen besonders interessant sein soll.

Das man sich in die Story ordentlich "reindenken" kann und dadurch auch viel mehr Freude empfindet, kann ich super akzeptieren. Bin nicht sicher, aber ich glaube, wir haben diese Konzession auch sogar im Podcast gemacht.
Dilanor hat geschrieben:
27. Feb 2020, 11:50
Ein weiterer Punkt, den ich vollkommen anders sehe, ist die Theorie von euch, dass alle darüber Bescheid wissen, was zum Ende der Weimarer Republik und während der Nazi-Herrschaft in Deutschland passiert ist.
Das ist so nicht ganz das, was ich gesagt habe. Was ich gesagt habe war bezogen auf die Zielsetzung des Spiels, etwas gegen den Rechtsruck in Deutschland zu unternehmen. In diesem Kontext habe ich gesagt: Wir alle wissen, was man wissen muss: Die Nazis waren der blanke Terror. Wer das nicht weiß und in Deutschland aufgewachsen ist, dem wird auch ein Spiel wie dieses nicht die Augen öffnen.

Dass das Spiel weniger bekannte historische Fragmente bereithält, habe ich selbst sogar erzählt (das mir nämlich die Köpenicker Blutwoche bislang kein Begriff war). Aber meine Haltung zum Nationalsozialismus / Auoritarismus / rechter Politik hat sich durch diesen Wissensgewinn keinen Millimeter verschoben. Alle Informationen, die zur Ausbildung einer antifaschistischen Gesinnung nötig sind, waren bereits vorhanden. Man muss schlicht und ergreifend sehr fehlgeleitet sein, wenn man eine Rückkehr des Nationalsozialismus als wünschenswert erachtet und dementsprechend wird das Spiel an der Stelle nichts ausrichten.

Hätte das Spiel, wie Jörg es im Gespräch ja als ein weiteres Ziel geschildert hat, beispielsweise verdeutlicht, wie schleichend das Abrutschen in die Dikatur ablaufen kann: Dann hätte ich hier ein anderes Urteil gefällt, denn dieses Bewusstsein zu vermitteln oder gar die Möglichkeit es interaktiv "nachzuerleben" - das wäre IMO neu, wertvoll und den Stärken des Mediums auch angemessen. Der Versuch ist nur nicht geglückt, IMO.
Dilanor hat geschrieben:
27. Feb 2020, 11:50
Mich hat das Spiel mehrfach beim Ausschalten z.B. zum Ende eines Aktes, zum Teil sehr aufgewühlt hinterlassen und emotional extrem mitgenommen. Das liegt allerdings nicht an den - wie ihr richtig sagt monoton werdenden Aufgaben - sondern weil ich mich auf das Spiel eingelassen habe und mit meinen Figuren gelitten habe.
Mein Fazit wäre daher gewesen, dass wenn man das Spiel rein mechanisch als klassisches Game mit Gameplayelementen bewertet, wie z.B. auch ein beliebiges Handyspiel, bei dem ich eine eine Farm aufbauen soll, dann ist die Kritik von euch gerechtfertigt und ich kann sie nachvollziehen. Lass ich mich aber auf das Spiel ein und will es "erleben", dann reisst es einen mit und hält einen auch noch Stunden nach dem Ausschalten im Kopf gefangen....
Musste mal raus, meine 5 Cents (und keine Abmahnung) ;-)
Ich sehe keinen Grund, warum das Spiel anders beurteilt werden sollte, als andere Spiele. Das Gameplay ist erstickend langweilig, meiner Meinung nach. Dass es dir gelungen ist an dem Spiel Spaß zu haben, ist davon ja unbenommen. Ich kenne auch Leute, die können total gut Einrad fahren. Deswegen würde ich das immer noch keinem als Transportmittel empfehlen.

Mein Spielerlebnis ist kategorisch anders gewesen und Dom ging es ähnlich. Am Ende stehen unsere und deine Spielerfahrungen gleichberechtigt nebeneinander. Bei der Beurteilung kann ich aber natürlich zum einen nur von meiner Erfahrung ausgehen. Zum anderen eben analysieren, warum die so ausgefallen ist und welche Defizite des Spiels aus meiner Sicht dazu beigetragen haben. Wie bei allen Spielen ist die Bandbreite an Erfahrungen und damit auch letztlich an Werturteilen recht groß und es war ja auch schon zur Zeit der Aufnahme klar, dass offenbar viele andere Rezensenten bereit sind über die spielerischen Schwächen hinwegzusehen. Aber allein das es quasi diesen Konsens gibt, dass die Spielmechanik echt nicht das gelbe vom Ei ist, lässt ja tief blicken. IMO waren wir gnädig mit dem Spiel. Das hat es auch verdient, weil es eben Gutes tun will und man es angesichts seiner Thematik mit einem gewissen Respekt behandeln muss.

Aber: Hätte es sich eine andere Thematik ausgesucht, dann wäre es IMO völlig untergegangen und durch die Bank negativ aufgenommen. Es zeichnet sich aus durch den Mut der Entwickler dieses Thema aufzugreifen. Im Gespräch mit Jörg kam IMO auch gut rüber, wie viel zusätzlichen Schmerz die sich dadurch ans Bein gebunden haben und wie sehr man ihnen dafür respekt zollen muss, dass sie das geschultert haben - unabhängig vom Ergebnis. Aber es wird dadurch auch ein wenig von Kritik isoliert. Das Bild wäre sonst IMO 100% ein anderes.

Andre

Dilanor
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Dilanor »

Sobald ich Luft hab antworte ich gern ;-) Wird aber später heute! Muss noch feiern ;-)
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Andre Peschke
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Re: Runde #254: Through the Darkest of Times

Beitrag von Andre Peschke »

Dilanor hat geschrieben:
27. Feb 2020, 13:47
Sobald ich Luft hab antworte ich gern ;-) Wird aber später heute! Muss noch feiern ;-)
Wie lange kann es dauern "Ja, du hast recht" zu schreiben?? ;)

Andre

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