Runde #268: Traumjob Spielebranche

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Manuel
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Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Manuel »

Zum Thema Crunch:

Es gibt da für die allermeisten Arbeitnehmer geltende Gesetze in Deutschland - das Arbeitszeitgesetz (https://www.gesetze-im-internet.de/arbzg/)

Da sind zum Einstieg die Paragraphen 1, 2,3 und 9 interessant. Die sind nicht lang, kann man gut lesen.

Ich habe den Teil noch nicht zu Ende gehört, aber es kam bei mir bisher nicht an, dass mehr als 8 Stunden (im Extremfall 10) pro Werktag für Arbeitnehmer per Gesetz verboten ist in Deutschland. Ich habe die Gesetze unten mal angefügt:

Arbeitszeitgesetz Paragraph 1 erklärt, warum das Gesetz da ist. Deckt sich ziemlich mit dem, was Wolfgang und Ralf sagen.

Arbeitszeitgesetz Paragraph 2 - Absatz 2 definiert, für wen es alles gilt:
„Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes sind Arbeiter und Angestellte sowie die zu ihrer Berufsbildung Beschäftigten.“

Arbeitszeitgesetz Paragraph 3 gibt dann die Zeitbegrenzung:
Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.“

Arbeitszeitgesetz Paragraph 9 ist dann die Sonn- und Feiertagsruhe.

Dementsprechend darf per Gesetz kein Publisher und kein Entwickler von den Arbeitnehmern verlangen 80 Stunden / Woche zu arbeiten - wie Wolfgang geschildert hatte.

Edit:
Ganz am Ende des Abschnitts hat es Wolfgang noch explizit ausgesprochen, dass es illegal in Deutschland ist, so lange zu arbeiten. Dann hier nur der Vollständigkeit halber.
Zuletzt geändert von Manuel am 24. Mai 2020, 15:59, insgesamt 1-mal geändert.

BlackSun84
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von BlackSun84 »

Es gibt halt Gesetze und interne Regelungen. Wenn gerade ein junges Team von sich aus 60,70 oder 80 Wochenstunden arbeitet, dann wird da kaum Einer ausscheren. Und wenn, dann gibt es Arbeitsverträge, die vielleicht irgendwann nicht mehr verlängert werden. Ich habe beruflich mit Menschen zu tun, die ihr Gehalt unbedingt benötigen und eine Menge Arbeit leisten, die gesetzlich so keine Grundlage hat. Theorie und Praxis halt.

Manuel
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Manuel »

Der Arbeitnehmer ist dem Arbeitgeber gegenüber so gut wie immer in einer schwächeren Position. Dessen ist sich der Gesetzgeber bewusst, und darum gibt es all die Regelungen zum Schutz der Arbeitnehmer (Arbeitsschutz, Arbeitszeit, Urlaub, Kündigungsschutz, Gleichbehandlungsgesetz ...)

Sein Recht durchzusetzen ist nie leicht oder angenehm. Ich bin dankbar, dass ich nicht gefragt werde 60 Wochenstunden zu arbeiten.
Jemanden, der in der Situation ist, hilft es vielleicht zu wissen, was das Gesetz genau sagt. Und nicht zuletzt hilft es ihm vielleicht hier von Leuten wie Wolfgang oder Ralf zu hören, die das durch haben, und deren Rat ist, zumindest da weg zu gehen.

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schneeland
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von schneeland »

Ich hab' die Folge noch nicht gehört, gehe aber davon aus, dass es in der Spielebranche wie in anderen kreativen Bereichen ist.
Wenn wir als Beispiel die akademische Welt nehmen: niemand zwingt Dich 60h/Woche zu arbeiten - Dein Vertrag geht über 40h also bist Du auch nur zu 40h verpflichtet. Aber a) alle wissen, dass nicht viel Geld im System ist und b) ist da noch der eigene Anspruch, die Arbeit gut zu machen und weiterzukommen. Im Endeffekt arbeiten dann halt trotzdem die meisten 6 Tage die Woche, auch wenn's nicht angeordnet ist.
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Dom Schott
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Dom Schott »

Spannende Folge – und weil es so gut dazu passt, erlaube ich mir hier, noch eine Perspektive zu ergänzen, die ganz wunderbar den Blick auf das Thema abrundet, nämlich die eines eigenverantwortlichen Indie-Entwicklers, der jahrelang (in diesem Fall stolze sieben Jahre) an einem Spiel mit höchsten Erwartungen arbeitet und am Ende von Verkaufszahlen, Rezensionen und insgesamt der Spielebranche enttäuscht ist: https://okcool.space/sieben-jahre-indie ... n-fischer/
Katzen sind super, Zitronenlimo auch und Archäologie ebenfalls.
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Soulaire
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Soulaire »

schneeland hat geschrieben:
24. Mai 2020, 17:28
Ich hab' die Folge noch nicht gehört, gehe aber davon aus, dass es in der Spielebranche wie in anderen kreativen Bereichen ist.
Wenn wir als Beispiel die akademische Welt nehmen: niemand zwingt Dich 60h/Woche zu arbeiten - Dein Vertrag geht über 40h also bist Du auch nur zu 40h verpflichtet. Aber a) alle wissen, dass nicht viel Geld im System ist und b) ist da noch der eigene Anspruch, die Arbeit gut zu machen und weiterzukommen. Im Endeffekt arbeiten dann halt trotzdem die meisten 6 Tage die Woche, auch wenn's nicht angeordnet ist.
Nur im "System" der Spiele-Branche sind Milliarden.

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schneeland
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von schneeland »

Soulaire hat geschrieben:
24. Mai 2020, 17:45
Nur im "System" der Spiele-Branche sind Milliarden.
Ja, global betrachtet ist das korrekt und speziell für AAA-Studios greift der Vergleich nicht mehr - da dürfte dann eher Angebot&Nachfrage das Problem sein. Ich hatte bei obigem Beitrag eher kleinere, deutsche Studios im Sinn.
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tsch
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von tsch »

Soulaire hat geschrieben:
24. Mai 2020, 17:45
schneeland hat geschrieben:
24. Mai 2020, 17:28
Ich hab' die Folge noch nicht gehört, gehe aber davon aus, dass es in der Spielebranche wie in anderen kreativen Bereichen ist.
Wenn wir als Beispiel die akademische Welt nehmen: niemand zwingt Dich 60h/Woche zu arbeiten - Dein Vertrag geht über 40h also bist Du auch nur zu 40h verpflichtet. Aber a) alle wissen, dass nicht viel Geld im System ist und b) ist da noch der eigene Anspruch, die Arbeit gut zu machen und weiterzukommen. Im Endeffekt arbeiten dann halt trotzdem die meisten 6 Tage die Woche, auch wenn's nicht angeordnet ist.
Nur im "System" der Spiele-Branche sind Milliarden.
Naja, Milliarden an Umsätzen und an Kosten - nicht unbedingt an Gewinnen. Also insgesamt natürlich schon, aber diese Milliarden sind sehr einseitig verteilt. Riot Games oder so machen natürlich krasse Gewinne.

Spieleentwicklung ist ein großes Risiko für Entwickler und Publisher, wo enorme Kosten einhergehen - nur die wenigsten Entwickler schaffen es überhaupt, diese Kosten auch wieder einzuspielen. Das ist ganz anders als in anderen Industrieren, wo man Sachen viel langfristiger und absehbarer planen kann. Bei einem Videospiel kann man hunderte Millionen reinstecken und es ist nich klar, ob am Ende überhaupt dabei etwas rumkommt.

Das ist schon ein großer Unterschied, wenn man einfach den "Ist ja auch eine Milliarden-Industrie"-Vergleich anstellen will. Soll aber nicht das Verhalten entschuldigen.

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Soulaire
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Soulaire »

schneeland hat geschrieben:
24. Mai 2020, 17:54
Soulaire hat geschrieben:
24. Mai 2020, 17:45
Nur im "System" der Spiele-Branche sind Milliarden.
Ja, global betrachtet ist das korrekt und speziell für AAA-Studios greift der Vergleich nicht mehr - da dürfte dann eher Angebot&Nachfrage das Problem sein. Ich hatte bei obigem Beitrag eher kleinere, deutsche Studios im Sinn.
selbst die können was vom großen Kuchen abbekommen. Aber da sind die Spiele das Problem. da herscht in meinen Augen ziemliche kreative Armut.
Generell enttäuscht mich die internationale Indie-Szene zunehmend, da sie leider die Strategien in Form von Markt-Analysen etc. von den großen Publishern übernehmen. Wenn dann noch Spiele wie Ori 2 in den Himmel gelobt werden und in Wirklichkeit dann doch nur wegen der Grafik und gemütlichen "Kitsch" so gut wegkommen,ist diese Entwicklung eine logische Folge.

Ralf und Wolfgang sprachen von einer Professionalität, die kleine Studios erlangen mütssen. Was damit natürlich gemeint ist, ist sich dem Markt anzupassen. Und das ist genau der falsche Weg. Bestenfalls kommt dann so ein Studio wie "Mimimi" dabei raus, die nur Spiele entwickeln die man mit schlechterer Grafik schon mal genauso hatte. Darauf kann ich persönlich verzichten. Die Professionalität ist nicht das Problem, sondern die belanglosen Spiele und die fehlende Fantasie der Branche..

.

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Soulaire
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Soulaire »

tsch hat geschrieben:
24. Mai 2020, 18:02
Soulaire hat geschrieben:
24. Mai 2020, 17:45
schneeland hat geschrieben:
24. Mai 2020, 17:28
Ich hab' die Folge noch nicht gehört, gehe aber davon aus, dass es in der Spielebranche wie in anderen kreativen Bereichen ist.
Wenn wir als Beispiel die akademische Welt nehmen: niemand zwingt Dich 60h/Woche zu arbeiten - Dein Vertrag geht über 40h also bist Du auch nur zu 40h verpflichtet. Aber a) alle wissen, dass nicht viel Geld im System ist und b) ist da noch der eigene Anspruch, die Arbeit gut zu machen und weiterzukommen. Im Endeffekt arbeiten dann halt trotzdem die meisten 6 Tage die Woche, auch wenn's nicht angeordnet ist.
Nur im "System" der Spiele-Branche sind Milliarden.
Naja, Milliarden an Umsätzen und an Kosten - nicht unbedingt an Gewinnen. Also insgesamt natürlich schon, aber diese Milliarden sind sehr einseitig verteilt. Riot Games oder so machen natürlich krasse Gewinne.

Spieleentwicklung ist ein großes Risiko für Entwickler und Publisher, wo enorme Kosten einhergehen - nur die wenigsten Entwickler schaffen es überhaupt, diese Kosten auch wieder einzuspielen. Das ist ganz anders als in anderen Industrieren, wo man Sachen viel langfristiger und absehbarer planen kann. Bei einem Videospiel kann man hunderte Millionen reinstecken und es ist nich klar, ob am Ende überhaupt dabei etwas rumkommt.

Das ist schon ein großer Unterschied, wenn man einfach den "Ist ja auch eine Milliarden-Industrie"-Vergleich anstellen will. Soll aber nicht das Verhalten entschuldigen.
auch der Gewinn ist im Milliarden-Bereich. der Gesamt-Umsatz beträgt mehrere hundert Milliarden.
es schadet einem Medium ungemein wenn es nur als Wirtschaftsgut angesehen wird. Der Film macht auch das zig Fache an Gewinn im Vergleich zu vor 50 Jahren. Ob damit die Filme auch besser geworden sind, bezweifle ich mal ganz stark. Ich würde sagen, dass diese Milliarden$ den Filmen und auch Spielen schaden und nicht helfen. Geld ist soweiso nicht die Lösung, siehe Crunch bei Rockstar etc.

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mart.n
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von mart.n »

Leider ist das eine Katastrophe, die ich so nur bestätigen kann.

Ich hab mal in einem Telekommunikations-Konzern gearbeitet, wo der Gaming Bereich komplett von München nach Hamburg umziehen mußte. Und fast alle sind mitgekommen. Einfach, weil Gaming halt ihr Traum war/ist. Werde da jetzt keine Namen nennen, aber mindestens einer hier auf dem Board wird wissen, wen ich meine (er ist ja mittlerweile nicht mehr da). Ich hab damals im Büro nebenan gearbeitet und mir nur gedacht, dass ich im umgekehrten Fall bestimmt nicht von heute auf Morgen nach München ziehen würde.

Weiter geht's... Guter Freund von mir, erst bei einer bekannten Firma in Düsseldorf, dann bei einem Browsergame Hersteller in Hamburg. Hat zeitweise die Hälfte vom dem verdient, was ich verdiene. Einfach ein Witz. Und ich verdiene schon nicht mal viel, aber sein Gehalt für sein Wissen und Können.. Ein Witz. Andere Kumpel, mit dem ich zwei Jahre in einer WG gewohnt hat ist erst zu Blizzard gegangen und dann zu einem Nintendo Hersteller. Letzterer ist pleite gegangen, ersterer hat spontan beschlossen, alle Jobs von Frankreich nach Irland zu verlagern, um Steuern zu sparen. Und dann noch ein Dritter Bekannter, der früher bei einer großen Spielezeitschrift war. Auch der ist nicht mehr in der Branche. Beschissene Bezahlung, Arbeit ohne Ende, Feierabend gibt's nichts.

Jede Branche, wo die Leute sich mit dem Job stark identifizieren, fängt irgendwann mit dem Ausbeuten an. Denn es gibt einen unendlichen Strom von neuen Mitarbeiter, die hochmotiviert die Stelle übernehmen werden. Deshalb arbeite ich in ner Bank. Da will keiner hin. Interessiert mich persönlich auch einen Furz, aber über die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung kann ich nicht meckern.

ClintSchiesstGut
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von ClintSchiesstGut »

Vielen Dank für diesen sehr informativen Podcast und die Einblicke.

Das Thema Beruf und Familie fande ich sehr interessant, da bestimmt etliche Beziehungen / Ehen - innerhalb dieser Branche - sehr leiden / gelitten haben.

Dankeschön für diesen Austausch.
:whistle:

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Leonard Zelig
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Leonard Zelig »

Spannender Podcast. Laut Jason Schreier ist Assassin's Creed Odyssey übrigens ohne Crunch entstanden. Kann man von außen zwar schwer überprüfen, aber ist für mich schon vorstellbar. Die Spiele von Rockstar Games und Naughty Dog zeichnen sich ja durch ihre Detailverliebtheit und Hang zur Perfektion aus, während die Spiele von Ubisoft oft als generisch bezeichnet werden. Und wie im Podcast beschrieben hat Rockstar ja auch kein Probleme damit wenn die Leute nur zwei Jahre bleiben, während Studios wie Ubisoft wahrscheinlich langfristiger planen. Bei Nintendo soll die Mitarbeiterfluktuation auch gering sein, einige Leute wie Eiji Aonuma sind ja schon seit den 80er-Jahren im Unternehmen.

Wie viele Absolventen mit Games-Schwerpunkt gibt es jedes Jahr an deutschen Hochschulen und wie viele Neueinstellungen gibt es? Kann mir schon vorstellen, dass es da eine hohe Diskrepanz gibt. Und gemeinsam ein Indie-Studio gründen ist auch nicht für Jeden das Richtige. Das Leben in Freelancer ist ebenfalls riskant. Zumindest die selbständigen Spieletester beklagen schon seit Jahren, dass sie immer weniger verdienen.
Soulaire hat geschrieben:
24. Mai 2020, 18:14
Generell enttäuscht mich die internationale Indie-Szene zunehmend, da sie leider die Strategien in Form von Markt-Analysen etc. von den großen Publishern übernehmen. Wenn dann noch Spiele wie Ori 2 in den Himmel gelobt werden und in Wirklichkeit dann doch nur wegen der Grafik und gemütlichen "Kitsch" so gut wegkommen,ist diese Entwicklung eine logische Folge.
Für mich hat Ori 2 nichts mit Indie zu tun. Da haben 50 Leute dran entwickelt. Thomas Mahler ist ein ehemaliger Angestellter von Blizzard und hat lauter Branchenveteranen eingestellt. Mit Microsoft hat man einen Publisher im Rücken, der finanziell auf Rosen gebettet ist. Der Metacritic-Score von 90 ist ein weiteres Indiz dafür, dass hier Profis am Werk waren, die ihr Handwerk verstehen.
Zuletzt geändert von Leonard Zelig am 24. Mai 2020, 19:42, insgesamt 1-mal geändert.
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BummsGeordy
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von BummsGeordy »

das war die beste Sonntagsfolge seit Ewigkeiten für mich - hat mir wirklich Freude gemacht dem zuzuhören. Coole Besetzung, spannendes Thema und insgesamt einfach ne Mischung aus informativ und unterhaltsam die es für mich genau getroffen hat.

Besonders interessant für mich, weil ich in einer gänzlich anderen Branche arbeite, aber genau die gleichen Probleme mit völlig überrissenen Arbeitszeiten habe, wie ihr sie für die Gamesbranche diskutiert habt. Auch bei uns ist das alles WEIT über allem was gesetzlich erlaubt ist (wir arbeiten im Durchschnitt 55-65h/Woche). ist vom Arbeitgeber auch offiziell so angeordnet - ist rechtlich nicht zu halten, aber aus diversen Gründen läuft es trotzdem immer so weiter...

Die psychischen Faktoren sind nicht zu unterschätzen "komm - wir sind ein Team und beißen uns durch" ist genau einer der Punkte, der so etwas zulässt... dann diese Salami-Technik "in 4 Wochen wird alles besser" 12 Monate später ist es schlimmer als zu Beginn usw...
deshalb: find ich ganz stark, dass ihr euch in eurem Umfeld so sehr für gute Arbeitsbedingungen einsetzt - ich würde mir wünschen, dass es diese Einsicht bei uns auch gäbe :)

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Soulaire
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Soulaire »

Leonard Zelig hat geschrieben:
24. Mai 2020, 19:32
Spannender Podcast. Laut Jason Schreier ist Assassin's Creed Odyssey übrigens ohne Crunch entstanden.
war ja auch ein Asset-Flip.
bei Ori 2 hast du Recht. war auch eher sinnbildlicht für kleinere Studios gemeint.

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Leonard Zelig
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Leonard Zelig »

Soulaire hat geschrieben:
24. Mai 2020, 19:55
Leonard Zelig hat geschrieben:
24. Mai 2020, 19:32
Spannender Podcast. Laut Jason Schreier ist Assassin's Creed Odyssey übrigens ohne Crunch entstanden.
war ja auch ein Asset-Flip.
Meines Wissens nach wurden Origins und Odyssey parallel entwickelt. Ubisoft schafft es einfach besser die Arbeit auf möglichst viele Studios auf der Welt zu verteilen, während bei Naughty Dog alles an einem Ort entsteht. Klappt natürlich nicht immer. Ich meine Ghost Recon: Wildlands ist fünf Jahre bei Ubisoft in Paris entstanden und dann mussten sie relativ zügig den Nachfolger Breakpoint entwickeln. Aber das ist dann schief gegangen. Möglicherweise weil sie davor alles selber gemacht haben und nun damit überfordert waren Teile der Arbeit an andere Studios abzugeben. Da würde mich mal ein Podcast mit einem Ubisoft-Mitarbeiter interessieren, der ein bisschen was zum Workflow bei ihren AAA-Projekten verrät.
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Trugschluss
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Trugschluss »

BummsGeordy hat geschrieben:
24. Mai 2020, 19:41
Besonders interessant für mich, weil ich in einer gänzlich anderen Branche arbeite, aber genau die gleichen Probleme mit völlig überrissenen Arbeitszeiten habe, wie ihr sie für die Gamesbranche diskutiert habt. Auch bei uns ist das alles WEIT über allem was gesetzlich erlaubt ist (wir arbeiten im Durchschnitt 55-65h/Woche). ist vom Arbeitgeber auch offiziell so angeordnet - ist rechtlich nicht zu halten, aber aus diversen Gründen läuft es trotzdem immer so weiter...
Warum man das freiwillig macht und sich nicht wehrt, und wenn es nur kontinuierliche (anonyme) Anzeige bei den Behörden ist, verstehe ich nicht. :(

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BummsGeordy
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von BummsGeordy »

Trugschluss hat geschrieben:
24. Mai 2020, 21:26
BummsGeordy hat geschrieben:
24. Mai 2020, 19:41
Besonders interessant für mich, weil ich in einer gänzlich anderen Branche arbeite, aber genau die gleichen Probleme mit völlig überrissenen Arbeitszeiten habe, wie ihr sie für die Gamesbranche diskutiert habt. Auch bei uns ist das alles WEIT über allem was gesetzlich erlaubt ist (wir arbeiten im Durchschnitt 55-65h/Woche). ist vom Arbeitgeber auch offiziell so angeordnet - ist rechtlich nicht zu halten, aber aus diversen Gründen läuft es trotzdem immer so weiter...
Warum man das freiwillig macht und sich nicht wehrt, und wenn es nur kontinuierliche (anonyme) Anzeige bei den Behörden ist, verstehe ich nicht. :(
von außen ist das auch schwer zu verstehen - aber das Ganze ist komplex - ich kann es aber gerne mal versuchen:

zunächst wird taktisch suggeriert, dass es nur eine Ausnahmesituation ist. Man hat kommende Woche ein Gespräch mit der Personalabteilung - da wird dass dann geklärt.. an dem Termin ist jemand da, der nichts zu entscheiden hat - also wird ein neuer Termin gemacht... am neuen Termin ist jemand krank.. also neuer Termin.. an diesem Termin müssen aber Dinge besprochen werden, die sich zwischenzeitlich aufgetan haben, die noch dringender sind... dann ist am nächsten möglichen Termin ein Feiertag.. dann Weihnachten... dann Urlaubszeit.. dann kommt Corona.. dann jemand neues aus der Personalabteilung der gewechselt hat, wo das Ganze nochmal von Vorne losgeht.

inzwischen untereinander Streit wie man vorgehen soll.. Fraktion 1: "warten wir noch den nächsten Termin ab".. Fraktion 2 "nee - wir schalten die Gewerbeaufsicht ein" Fraktion 3 "auf gar keinen Fall - dann bekommen wir noch mehr Ärger und können den Bonus XYZ den wir uns schwer erkämpft haben vergessen".
Dann kommen wirklich 2 neue Leute - dann sieht es perspektivisch so aus, dass es in 2-3 Monaten besser sein könnte -dann wieder Kündigungswelle.. dann wieder Termine.. und so geht Monat für Monat für Monat ins Land und am Ende hat man 1 Jahr lang 60 Wochenstunden - durchgehend.. und Urlaube verfallen, da man diese aufgrund der schlechten Besetzung nicht nehmen konnte usw usw...

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ragdel
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von ragdel »

Soulaire hat geschrieben:
24. Mai 2020, 19:55
Leonard Zelig hat geschrieben:
24. Mai 2020, 19:32
Spannender Podcast. Laut Jason Schreier ist Assassin's Creed Odyssey übrigens ohne Crunch entstanden.
war ja auch ein Asset-Flip.
bei Ori 2 hast du Recht. war auch eher sinnbildlicht für kleinere Studios gemeint.
Die Leistung von mehreren Hundert Leuten als Asset-Flip zu bezeichnen.. Manchmal fällt mir nichts mehr ein.
Hoffe echt, dass ich da nur den Witz nicht erkannt habe.

Zum Thema:
Es ist halt schade, dass die Gamesbranche da nicht raus kommt aus diesem dauernden Gefühl der Ausbeutung der Mitarbeiter*innen
Ich denke mal, dass sehr viele damit leben könnten wenn die Spiele teurer werden, solange dafür die Bedingungen für die Beschäftigten besser wären.

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Soulaire
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Re: Runde #268: Traumjob Spielebranche

Beitrag von Soulaire »

ragdel hat geschrieben:
24. Mai 2020, 21:47
Soulaire hat geschrieben:
24. Mai 2020, 19:55
Leonard Zelig hat geschrieben:
24. Mai 2020, 19:32
Spannender Podcast. Laut Jason Schreier ist Assassin's Creed Odyssey übrigens ohne Crunch entstanden.
war ja auch ein Asset-Flip.
bei Ori 2 hast du Recht. war auch eher sinnbildlicht für kleinere Studios gemeint.
Die Leistung von mehreren Hundert Leuten als Asset-Flip zu bezeichnen.. Manchmal fällt mir nichts mehr ein.
Hoffe echt, dass ich da nur den Witz nicht erkannt habe.

war halt 1zu1 Origins nur in einem anderen Setting. Man konnte sogar einzelne Assets wiedererkennen!
Und ich habe nichts gegen die Mitarbeiter gesagt, wenn nicht gecruncht wurde ist das gut. Nur dass dies nur möglich sein soll, wenn man schon existierende Spiele kopiert, sehe ich nicht ein.

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