Horror/Psychologie/COVID19

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Blaight
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Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von Blaight »

https://psyarxiv.com/4c7af/

Scrivner, C., Johnson, J. A., Kjeldgaard-Christiansen, J., & Clasen, M. (2020, June 30). Pandemic Practice: Horror Fans and Morbidly Curious Individuals Are More Psychologically Resilient During the COVID-19 Pandemic. https://doi.org/10.31234/osf.io/4c7af

Gerade für den Podcast von Dom und Nils erwähnenswert.

:)

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bluttrinker13
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von bluttrinker13 »

Naja, n bisschen dünn. Worüber sollte man da groß reden, es scheint ja rein korrelativ (= nicht experimentell, ergo nicht kausal) und auf Selbstberichtsebene (= Ratingitems, "Ich bin traurig" von 0 - 10), aber ohne bspw einen Mechanismus zu postulieren und zu testen (= e.g., welcher Verhaltensmechanismus der mich resilienter in pandemischen Krisen macht wird durch das Schauen von bspw "Outbreak" wie trainiert oder aktiviert?), preferably mit Verhaltensmaßen as well (= Tests, oder was anderes als Ratingitems). Zumal Horrorfan zu sein auch kaum Effekte aufzeigt (= Horrorfilmfan zu sein, Bezug zum Gänsehaut Podcast, sagt statistisch weder mehr Resilienz noch "preparedness" bezogen auf pandemische Krisen wie Corona vorher).

Großer Schwachpunkt für mich ist, dass sie zwar eine große und teststarke (= ich bekomme auch kleine Unterschiede sigifikant), aber dennoch convenience-sample (= ich nehme was ich leicht kriegen kann als Probanden, bspw Studierende, oder MTurker) genommen haben. Warum nicht Expertenstichproben, was Horrorfans und/oder prepper angeht (= also diejenigen, auf welche die Annahme, dass sie durch Horrorfilme evt was trainieren, auch wirklich zutreffen könnte)? Erstere hätte man sicherlich auch über Fanforen rekrutieren können. Dann noch ne entsprechende Kontrollgruppe aus Normies (lol, normale dudes halt) und dann kannste schöne intraclass und multi-level-Modelle rechnen (= Gruppen- bzw. Klassenabhängige Verfahren um Zusammenhänge, ala Regression oder Korrelation, zu berechnen). Aber vor allen Dingen, bessere und am besten auch wiederholte pandemic-related Messungen (= "Ich war mental vorbereitet für Krisen wie Covid-19", 1-7, reicht mir persönlich, vor allem als Einmal-Messung, nicht aus, um wirklich glaubhauft und valide so was wie preparedness zu operationalisieren).

Die hier sind den easy way gegangen (= wenig Aufwand, gute Publikationschancen), was ich nachvollziehen kann, publish or perish (= publiziere oder deine Stelle läuft aus), aber dennoch primär zwei Ziele verfolgt: das Morbidity Instrument des Erstautors weiter zu pushen (= Scrivner, C. (2020). The psychology of morbid curiosity. PsyArXiv. https://psyarxiv.com/xug34/), und auf den Covid 19 Hypetrain mit aufzuspringen.

Edit: Sry, ich seh sowas eher mit Reviewerbrille :D

Edit 2: edits for clarity. lol
Zuletzt geändert von bluttrinker13 am 3. Jul 2020, 23:00, insgesamt 3-mal geändert.

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Blaight
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von Blaight »

Haha wie gut! Ich habe voll gehofft, dass du was sagst. Ist bei uns im Team rumgegangen und ich habe es eher belustigt als schwer wissenschaftlich zur Kenntnis genommen.

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bluttrinker13
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von bluttrinker13 »

Lol!

Aber sry auch, das war ja schon fast reflexhaft klugscheisserisch von mir, mal wieder.

Bitte gerne immer und wieder so ne Sachen posten, ist interessant.

Zumindest deren Auswertungen und so sind auch iO, technisch alles ok, bei Überfliegen zumindest. Nur, etwas mutiger darf's schon sein. :D

BigBB
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von BigBB »

bluttrinker13 hat geschrieben:
3. Jul 2020, 10:52
Naja, n bisschen dünn. Worüber sollte man da groß reden, es scheint ja rein korrelativ und auf Selbstberichtsebene, aber ohne bspw einen Mechanismus zu postulieren und zu testen, preferably mit Verhaltensmaßen as well. Zumal Horrorfan zu sein auch kaum Effekte aufzeigt.
Auch, wenn ich mich jetzt als was auch immer oute: Ich habe nicht ein Wort verstanden. Was zur Hölle sagst du da?

Sorry, ich weiß, hat nix mit dem Thema zu tun, das musste nur raus.
Ich bin halt immer wieder fasziniert wie man in meiner Sprache reden kann, ohne das ich auch nur ein Wort davon verstehe.

:ugly:

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Wudan
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von Wudan »

BigBB hat geschrieben:
3. Jul 2020, 13:00
Auch, wenn ich mich jetzt als was auch immer oute: Ich habe nicht ein Wort verstanden. Was zur Hölle sagst du da?
DANKE :D

Mir gefällt der Thread jetzt schon.

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bluttrinker13
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von bluttrinker13 »

Ich neige zu Anglizismen, i know. :D

Ansonsten kenn ick ja den Hintergrund von unserm Blaight ein wenig, und das war eher adressatenorientiert und salopp hingerotztes Forschungssprech. ;)

Ich hatte nur kurz drübergelesen, und meine Meinung lässt sich als "technisch ok, inhaltlich nicht viel Fleisch dran" zusammenfassen.

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Andre Peschke
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von Andre Peschke »

bluttrinker13 hat geschrieben:
3. Jul 2020, 17:58
Ich neige zu Anglizismen, i know. :D

Ansonsten kenn ick ja den Hintergrund von unserm Blaight ein wenig, und das war eher adressatenorientiert und salopp hingerotztes Forschungssprech. ;)

Ich hatte nur kurz drübergelesen, und meine Meinung lässt sich als "technisch ok, inhaltlich nicht viel Fleisch dran" zusammenfassen.
Ich fand's super und hab fast alles verstanden. Yay!!! :D

Andre

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bluttrinker13
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von bluttrinker13 »

Lol, ich hatte mit einem kleinen Zwiegespräch mit Research-Blaight, was das Paper/Ms angeht, gerechnet, aber jetzt noch mal in Klammern ein paar edits im post eingefügt, welche hoffentlich meine schnodderigen Kritikpunkte etwas verständlicher machen.

Disclaimer: Ich reviewe ja immer noch mal regelmäßig Papersubmissions im Bereich Psychologie. Und ich habe schon drei abgelehnt in den letzten Monaten, die einfach einen sehr oberflächlichen Bezug zu Covid-19 bzw. Corona reingeklatscht haben, ohne Substanz zu liefern. Das ist aktuell einfach so und erwartbar. So ein Hypethema zieht einfach die Leute an, das Thema selbst ist hot und erhöht die Publikationschancen, und es entsteht, abseits von PNAS und Co, leider auch viel Mist.
Das Manuskript hier ist jetzt kein Mist. Aber sonderlich substanzvoll oder interessant ist es auch nicht, zu sehen mE am besten an der Discussion, die super weitschweifig und sexy geschrieben ist, ohne wirklich eng an den eigentlichen Daten und der Methode zu bleiben. Im low-impact Bereich würde ich es, mit revisions, durchlassen, im high-impact-Bereich rejecten.

My two cents, falls es jemanden interessiert. :D

(Ich bin Blaight dankbar für das Ms und die Diskussion. Macht mir Freude.)

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Andre Peschke
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von Andre Peschke »

bluttrinker13 hat geschrieben:
3. Jul 2020, 22:56
Disclaimer: Ich reviewe ja immer noch mal regelmäßig Papersubmissions im Bereich Psychologie. Und ich habe schon drei abgelehnt in den letzten Monaten, die einfach einen sehr oberflächlichen Bezug zu Covid-19 bzw. Corona reingeklatscht haben, ohne Substanz zu liefern. Das ist aktuell einfach so und erwartbar. So ein Hypethema zieht einfach die Leute an, das Thema selbst ist hot und erhöht die Publikationschancen, und es entsteht, abseits von PNAS und Co, leider auch viel Mist.
Wissenschafts-Clickbait! Researchbait? Science-Bait? Sci-Bai? :D

Wie gut haben die eigentlich die Selektion ausgeschlossen (wer solche Filme überhaupt schaut, war von vornherein mental robuster vs. die Filme haben ihn mental vorbereitet)?

Andre

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bluttrinker13
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von bluttrinker13 »

Andre Peschke hat geschrieben:
4. Jul 2020, 11:45
Wie gut haben die eigentlich die Selektion ausgeschlossen (wer solche Filme überhaupt schaut, war von vornherein mental robuster vs. die Filme haben ihn mental vorbereitet)?

Andre
Das ist ja der (oder einer der) Punkte an nem korrelativen Design mit Einmal-Messung und convenience-sample ohne Vor-Screening: gar nicht bzw. kannst du eigentlich nicht ausschließen sondern höchstens versuchen, durch Kontrollmessungen später statistisch zu kontrollieren. Müsste ich noch mal genau nachgucken, was sie dazu geschrieben haben, irgendwas sagen müssten sie jedenfalls. Aber eigentlich brauchst du ein Experiment, mit pretest/posttest und dem ganzen Bromborium um kausale Effekte und vor allen auch deren Richtungen glaubhaft machen zu können. Sie zeigen nur Zusammenhänge auf, und interpretieren die mE deutlich zu liberal.

@bait: es gibt lustigerweise im business sowas wie Reviewer-Bait, das ist wenn du ein paar wenige Lücken oder Ungenauigkeiten drin lässt, von denen du weißt, der Reviewer stürzt sich drauf, und du hast die Antwort dazu schon in der Schublade. Kontrovers, auf ner grünen Wiese eher unredlich, schon mal vor Ewigkeiten hier in einem anderen thread diskutiert, ist es dennoch weiterhin eine gängige Taktik um etwas Kontrolle über den Reviewprozess zu bekommen.

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Andre Peschke
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von Andre Peschke »

bluttrinker13 hat geschrieben:
4. Jul 2020, 13:02
@bait: es gibt lustigerweise im business sowas wie Reviewer-Bait, das ist wenn du ein paar wenige Lücken oder Ungenauigkeiten drin lässt, von denen du weißt, der Reviewer stürzt sich drauf, und du hast die Antwort dazu schon in der Schublade. Kontrovers, auf ner grünen Wiese eher unredlich, schon mal vor Ewigkeiten hier in einem anderen thread diskutiert, ist es dennoch weiterhin eine gängige Taktik um etwas Kontrolle über den Reviewprozess zu bekommen.
Ja, das hatten wir glaube ich schonmal woanders. Das ist aber ja auch eine Reaktion darauf, IIRC, das manche Reviewer ums verrecken Fehler finden wollen. Also gibt man ihnen Futter, bevor sie absurde Korrekturen verlangen.

Andre

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schneeland
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von schneeland »

"Hello, my friend! Pay a while, and listen!" (BlizzCon 2018)
"And now our RPG even has NPCs!" (Bethesda, E3 2019)
"..." (E3 2020, entfallen)

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bluttrinker13
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von bluttrinker13 »

Andre Peschke hat geschrieben:
4. Jul 2020, 13:55
Ja, das hatten wir glaube ich schonmal woanders. Das ist aber ja auch eine Reaktion darauf, IIRC, das manche Reviewer ums verrecken Fehler finden wollen. Also gibt man ihnen Futter, bevor sie absurde Korrekturen verlangen.

Andre
Genau. Ist ja auch nicht so, als ob der ganze Reviewprozess super-wohlwollend wäre ( :mrgreen: ). *hust, öchött*
Gerade im Kontext von Verteidigungen (Master / Dissertation) imo auch legitim, denn dort weiß man ja, man wird jetzt bis zu ner Stunde (Diss) auseinandergenommen, und da ein-zwei baits gezielt zu setzen, um gute Punkte in der Disputation zu haben, und wenigstens 5-10min Kontrolle, finde ich voll legitim.

Edit: Lol @ "Rev 2 must be stopped" ! :D
Kannt ich noch nicht.

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DickHorner
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von DickHorner »

bluttrinker13 hat geschrieben:
3. Jul 2020, 10:52
Naja, n bisschen dünn. Worüber sollte man da groß reden, es scheint ja rein korrelativ (= nicht experimentell, ergo nicht kausal) und auf Selbstberichtsebene (= Ratingitems, "Ich bin traurig" von 0 - 10), aber ohne bspw einen Mechanismus zu postulieren und zu testen (= e.g., welcher Verhaltensmechanismus der mich resilienter in pandemischen Krisen macht wird durch das Schauen von bspw "Outbreak" wie trainiert oder aktiviert?), preferably mit Verhaltensmaßen as well (= Tests, oder was anderes als Ratingitems). Zumal Horrorfan zu sein auch kaum Effekte aufzeigt (= Horrorfilmfan zu sein, Bezug zum Gänsehaut Podcast, sagt statistisch weder mehr Resilienz noch "preparedness" bezogen auf pandemische Krisen wie Corona vorher).

Großer Schwachpunkt für mich ist, dass sie zwar eine große und teststarke (= ich bekomme auch kleine Unterschiede sigifikant), aber dennoch convenience-sample (= ich nehme was ich leicht kriegen kann als Probanden, bspw Studierende, oder MTurker) genommen haben. Warum nicht Expertenstichproben, was Horrorfans und/oder prepper angeht (= also diejenigen, auf welche die Annahme, dass sie durch Horrorfilme evt was trainieren, auch wirklich zutreffen könnte)? Erstere hätte man sicherlich auch über Fanforen rekrutieren können. Dann noch ne entsprechende Kontrollgruppe aus Normies (lol, normale dudes halt) und dann kannste schöne intraclass und multi-level-Modelle rechnen (= Gruppen- bzw. Klassenabhängige Verfahren um Zusammenhänge, ala Regression oder Korrelation, zu berechnen). Aber vor allen Dingen, bessere und am besten auch wiederholte pandemic-related Messungen (= "Ich war mental vorbereitet für Krisen wie Covid-19", 1-7, reicht mir persönlich, vor allem als Einmal-Messung, nicht aus, um wirklich glaubhauft und valide so was wie preparedness zu operationalisieren).

Die hier sind den easy way gegangen (= wenig Aufwand, gute Publikationschancen), was ich nachvollziehen kann, publish or perish (= publiziere oder deine Stelle läuft aus), aber dennoch primär zwei Ziele verfolgt: das Morbidity Instrument des Erstautors weiter zu pushen (= Scrivner, C. (2020). The psychology of morbid curiosity. PsyArXiv. https://psyarxiv.com/xug34/), und auf den Covid 19 Hypetrain mit aufzuspringen.

Edit: Sry, ich seh sowas eher mit Reviewerbrille :D

Edit 2: edits for clarity. lol
lol! :D

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Blaight
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von Blaight »

Ich finde Wissenschaft immer noch so saucool! Wie gut ist das von dir BT?!? Ich feiere dich!

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bluttrinker13
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von bluttrinker13 »

Blaight hat geschrieben:
4. Jul 2020, 18:37
Ich finde Wissenschaft immer noch so saucool!
Ich entnehme dem mal, du bist auch noch weiterhin in dem business unterwegs?
Halt die Ohren steif, digger.
:D

PS: Ich auch.

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Andre Peschke
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Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von Andre Peschke »

bluttrinker13 hat geschrieben:
5. Jul 2020, 00:13
Blaight hat geschrieben:
4. Jul 2020, 18:37
Ich finde Wissenschaft immer noch so saucool!
Ich entnehme dem mal, du bist auch noch weiterhin in dem business unterwegs?
Halt die Ohren steif, digger.
:D

PS: Ich auch.
Mich faszinieren eure Dialoge und die Facebookgruppe hier im Thread etc. Ich hab erst bei der Killerspieldebatte in meiner Beschäftigung mit Christian Pfeiffer und seinem KFN das erste Mal mitbekommen, welche wirtschaftlichen Zwänge und strukturellen Verflechtungen in der Wissenschaft existieren. Das ganze System und seinen "Incentives" wie "Mach eine Studie, die viel Presse bekommt, dann bekommst du mit größerer Wahrscheinlichkeit mehr "Sponsoren" oder wirst an interessanten Stellen veröffentlicht etc" ist echt interessant. Kriegt man sonst gar nicht mit. Als Normalo denkt man, der Wissenschaftler sitzt im Labor und forscht altruistisch dem Wohle der Menschheit entgegen.

Andre

Rigolax
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Registriert: 20. Feb 2018, 15:53

Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von Rigolax »

Wobei der Bereich der Medienwirkungsforschung vielleicht auch besonders, uuuhm, schwierig ist. Das wurde hier ja auch schon in den Folgen zum Verstehen wissenschaftlicher Studien etwas diskutiert, also auch die methodischen Defizite von Laborstudien (Stichworte: Eiswürfel und Chili) oder wie Gewaltdarstellungen oder andere Mediendarstellungen oftmals schon nicht einmal begrifflich belastbar definiert werden (können), wie man das für eine wissenschaftliche Untersuchung halt eigentlich bräuchte. Dann die starken Einflüsse aus der Politik, die unbedingt handfeste Ergebnisse wollen und sowohl Druck aufbauen als auch Anreize schaffen, die Medien/Presse, die dann auf medienrelevante Studien mit vermeintlich klaren Ergebnissen sehr gerne anspringt und dann das (natürlich) als Fakt unkritisch verbreitet oder auch noch verzerrt, und vermutlich ein höherer Bias bei gerade bei solchen Themen von den Wissenschaftlern selbst. Siehe auch allgemein die Replikationskrise, die die Psychologie vielleicht am härtesten getroffen hat.

Ich halte die Medienwirkungsforschung, so wie sie viele Jahre produziert wurde, halt zum Großteil für solch einen Quatsch, dass es schon an Pseudowissenschaft grenzt. Natürlich gibt’s zwar bessere Studien und manche Wissenschaftler sind vielleicht auch etwas, uhm, redlicher als andere, aber ich denke, dieser Forschungsbereich hat sich (leider) massiv selbstdiskreditiert, gerade auch im Hinblick auf die Gewaltdebatte. Das färbt dann ggf. auch auf andere Wissenschaftsbereiche ab, die vielleicht handfestere Ergebnisse produzieren, die dann ebenso unter einem Pauschalverdacht stehen und deren Ergebnisse teilweise total unberechtigt abgelehnt werden. Man kennt das ja auch im Pressebereich, Stichwort „Gell-Mann Amnesia“, wenn man in irgendeinem Bereich Experte ist und da die Unzulänglichkeiten entdeckt und das dann auf die Presse generell überträgt.

Das halt nur speziell auch im Hinblick auf die Mediengewaltwirkungsforschung, weil das auch der einzige Forschungsbereich ist, mit dem ich mich etwas besser auskenne (und auch nicht wirklich gut). So Sachen wie" incentives" und Publikationsdruck sind natürlich nicht auf die Medienwirkungsforschung limitiert. Ich dachte mir das obige aber schon halt gestern, als ich den Thread sah und bevor ich die Kritik von bluttrinker13 las, also mehr oder weniger, dass die Ergebnisse mal wieder mit massiven Vorbehalten zu genießen sind.

Larnak
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Registriert: 6. Dez 2016, 01:44

Re: Horror/Psychologie/COVID19

Beitrag von Larnak »

bluttrinker13 hat geschrieben:
3. Jul 2020, 11:40
Aber sry auch, das war ja schon fast reflexhaft klugscheisserisch von mir, mal wieder.
Ich fand's super :)
Bin hier jetzt nicht so oft, aber du machst den Eindruck, als hättest du Ahnung von der Sache, also macht es mir als Fachfremden das Einordnen des Papers leichter :)
Das ganze System und seinen "Incentives" wie "Mach eine Studie, die viel Presse bekommt, dann bekommst du mit größerer Wahrscheinlichkeit mehr "Sponsoren" oder wirst an interessanten Stellen veröffentlicht etc" ist echt interessant.
War für mich einer der Gründe, warum ich das langfristig für mich nicht attraktiv fand ...

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