Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Alles, was nicht in ein anderes Forum gehört: Hier rein
Forumsregeln
Datenschutzerklärung: https://www.gamespodcast.de/datenschutzerklaerung/
Impressum: https://www.gamespodcast.de/impressum/

Forenregeln und zukünftige Weltverfassung
ART 1: Behandle andere Nutzer mit Respekt.
ART 2: Do NOT piss off the Podcasters

Lies bitte weitere Hinweise hier: viewtopic.php?f=4&t=2789
Benutzeravatar
Guthwulf
Beiträge: 1270
Registriert: 20. Dez 2016, 12:41
Wohnort: Berlin

Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Guthwulf »

Höre grad die aktuelle Folge, bin zugegeben erst eine halbe Stunde drin, aber die Diskussion ist für mich bisher "Thema verfehlt".

Was ihr da diskutiert hat noch wenig bis gar nix mit Firmenkultur zu tun.

Die "Werte", die ihr da nennt, sind leere bedeutungslose Phrasen. "Don't be evil", "Ehrlichkeit", "Transparenz"? Testet die mal: Dreht den Wert ins komplette Gegenteil um und überlegt, ob es eine Firma geben würde, die sich dieses Gegenteil als Leitmotto aufschreiben würde. Da ihr hier dann vermutlich zum Ergebnis kommt, dass natürlich jede Firma von sich behaupten wird, dass sie nicht bösartig sind und ehrlich sowie transparent handeln, dann habt ihr mit euren Werten genau gar nix definiert, erst recht keine individuelle Firmenkultur geschaffen. Es ist auch kein sinnvoller Wert, dass man sich als Auftraggstudio als "Dienstleister" sieht. Das ist nur die Nennung eines Faktes. Wenn ich als Auftragsstudio nicht als Dienstleister handele, gibts mich nicht lange. Firmenkultur nach außen hat übrigens einen Namen: Marketing.

Die Firmenkultur, über die es sich zu diskutieren lohnt, ist die gelebte Firmenkultur nach innen in den Teams, sowie von den Vorgesetzten gegenüber den Mitarbeitern. Und die ist sehr viel konkreter als "Ehrlichkeit".

Das kann z.B. sein, dass sich die Firmenleitung auf die Fahnen geschrieben hat, in jeder Firmenliegenschaft eine Kantine einzurichten, in der es gesundes Essen (statt Fastfood) gibt oder Pausen für Mittagssport anbietet. Das sind Policies für das Arbeitsumfeld (z.B. Bürogrößen. Arbeitszeiten etc.). Das sind Angebote wie Ruheräume, Eltern/Kindzimmer, Möglichkeit Haustiere mit zur Arbeit zu bringen. Das ist die gelebte Praxis, wie in der Firma mit Überstunden umgegangen wird, welche Angebote es für die Life/Work Balance gibt, wie die Kommunikation zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern läuft, wie mit Fehlern umgegangen wird, welche Möglichkeiten zur Flexibilisierung der Arbeitszeit (Homeoffice etc.) angeboten werden, wie das Konfliktmanagement läuft usw. usf.

Große Anwaltskanzleien belohnen z.B. gerne nach aufgeschriebenen Mandantenstunden und erwarten 60+ Stunden Wochen, ergo wird Mehrarbeit (inkl. Crunch) belohnt. Genauso gut könnte man aber Anreizsysteme für Qualität statt Quantität einrichten und ab bestimmten Grenzen von Überstunden Personalgespräche mit Mitarbeitern oder Vorgesetzten führen. So oder so ändern sich Firmenkulturen.

Ein sinnvoller Wert für die Firmenkultur wäre z.B.: "Wochenende ist Wochenende und keine Arbeitszeit!". Gelebt würde dieser Wert, wenn Vorgesetzte selber nicht am Wochenende arbeiten (und z.B. Mails schreiben) und außerdem darauf achten, dass auch Ihre Mitarbeiter nicht damit anfangen. Praktisches Beispiel: Ich hatte einen Vorgesetzten, der (wegen Familie) pünktlich Schluss machte und seine Mitarbeiter aktiv daran erinnerte bitte auch Feierabend zu machen sowie gleichzeitig immer offen für Priorisierungsentscheidungen war und diese auch nach oben transportiert bzw. verteidigt hat. Ergebnis war (oh Überraschung) eine sehr positive Firmenkultur.

Anderes positives Beispiel: Man hatte sich in der OE darauf geeinigt bei (manchmal unvermeidbaren) engen Fristen nicht einfach eine Mail zu schicken, sondern die Kollegen telefonisch vorzuwarnen und nach Möglichkeiten zu unterstützen. Wenn das gelebt wird und Fristen nicht willkürlich (es gibt einen Unterschied zwischen "dringlich" und "wichtig") alle auf "Eilt" gesetzt werden, dann führt auch das zu einer positiven Firmenkultur.

Wenn es mal Extremfälle gibt, wo die Mitarbeiter in den Crunch müssen (oder die Firma geht pleite) dann bedeutet gute Firmenkultur, dass Vorgesetzte das aktiv als Fehler kommunzieren ("das ist unsere Schuld, das hätte nicht passieren dürfen") und mit erkennbaren Maßnahmen kombinieren, um so etwas zukünftig zu vermeiden sowie für den notwendigen Crunch auch die notwendigen Erholungsphasen danach einrichten. Dafür muss es Prozesse geben und natürlich das gelebte und kommunizierte Bewußtsein, dass Crunch schlecht ist. Der "Wert" für die Firmenkultur wäre hier nicht "Bei uns gibts keinen Crunch" (das wird nicht immer funktionieren) sondern "Crunch ist nicht akzeptabel und wir alle achten darauf, dass wir rechtzeitig mit Maßnahmen gegen drohenden Crunch gegensteuern und auf uns gegenseitig achten."

Das sind alles konkrete Dinge, über die man schön diskutieren kann. Aber auf einer schwammigen, nichtssagenden "Don't be evil", "Ehrlichkeit" und "Transparenz" Werte Ebene ist das Thema hier im Moment erstmal verfehlt. Ich hoffe (und erwarte), dass das in der Folge noch besser wird. Grad da wir doch eigentlich ein paar erfahrene Producer dabei haben. Das ist eigentlich alles keine Raketenwissenschaft. Bisher liefert ihr leider nur Beiträge fürs Phrasenschwein.

Sorry... das musste grad mal raus... nicht böse gemeint... war nur überrascht, wie ihr das Thema angeht... nu geh ich weiterhören :)
guthwulf04 (Steam), dreosan (PSN), Guthwulf06 (Xbox), Guthwulf16 (Switch: SW-7403-8257-5609)

Benutzeravatar
Andre Peschke
Beiträge: 5299
Registriert: 9. Jan 2016, 16:16
Kontaktdaten:

Re: Runde #274 - Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Andre Peschke »

Guthwulf hat geschrieben:
5. Jul 2020, 02:41
Die "Werte", die ihr da nennt, sind leere bedeutungslose Phrasen. "Don't be evil", "Ehrlichkeit", "Transparenz"?
Das war ja auch mein Argument: Das sich Werte oft dadurch vermittelt werden sollen, indem blumige Phrasen ausgegeben werden, die dann an der Realität abprallen bzw. eh nie ernstgemeint waren.

Andre

Trugschluss
Beiträge: 214
Registriert: 5. Mär 2020, 13:29

Re: Runde #274 - Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Trugschluss »

Guthwulf hat geschrieben:
5. Jul 2020, 02:41
Es ist auch kein sinnvoller Wert, dass man sich als Auftraggstudio als "Dienstleister" sieht. Das ist nur die Nennung eines Faktes. Wenn ich als Auftragsstudio nicht als Dienstleister handele, gibts mich nicht lange.
In diesem einem Punkt möchte ich widersprechen, auch wenn ich mit deinem restlichen Post konform gehe.

Die Erkenntnis, dass man Dienstleister für den Kunden ist, einen Service darstellt, durchdrungen und verstanden und dann auch gelebt auf allen Ebenen, gibt einen unglaublichen starken Schub bei Kundenzufriedenheit und dann Auftragsvolumen, dass man dies nicht unterschätzen sollte.

Es wird viel zu oft im Unternehmenalltag vergessen, geht unter im täglichen Allerlei, sodass die Fokussierung und häufige Erinnerung auf "Wir sind ein Dienstleister, im Sinne des Kunden" als starkes Tool gilt.

Benutzeravatar
Guthwulf
Beiträge: 1270
Registriert: 20. Dez 2016, 12:41
Wohnort: Berlin

Re: Runde #274 - Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Guthwulf »

Trugschluss hat geschrieben:
5. Jul 2020, 10:59
In diesem einem Punkt möchte ich widersprechen, auch wenn ich mit deinem restlichen Post konform gehe. (...)
Ok... in dem Punkt mag ich einem Trugschluss aufgesessen sein :D :whistle: Sorry, konnte nicht widerstehen.... :dance: :clap:
Andre Peschke hat geschrieben:
5. Jul 2020, 10:29
Guthwulf hat geschrieben:
5. Jul 2020, 02:41
Die "Werte", die ihr da nennt, sind leere bedeutungslose Phrasen. "Don't be evil", "Ehrlichkeit", "Transparenz"?
Das war ja auch mein Argument: Das sich Werte oft dadurch vermittelt werden sollen, indem blumige Phrasen ausgegeben werden, die dann an der Realität abprallen bzw. eh nie ernstgemeint waren.
Ja, du warst zum Glück ein kleiner Gegenpol zu den Producern, von denen ich mir deutlich mehr und konkretere Beispiele anstatt weitestgehend leerer Plattitüden über Werte erwartet hätte. Aber ich war überrascht und enttäuscht, warum die Diskussion trotzdem so lange auf diesem unsinnigen Phrasenniveau vor sich hin tröpfelte. Habs aber auch noch nicht zu Ende gehört. Vielleicht wirds ja besser. War gestern nur erstmal erschüttert. Dabei ist das Thema Firmenkultur eigentlich sehr interessant und diskussionswert.
guthwulf04 (Steam), dreosan (PSN), Guthwulf06 (Xbox), Guthwulf16 (Switch: SW-7403-8257-5609)

Benutzeravatar
Andre Peschke
Beiträge: 5299
Registriert: 9. Jan 2016, 16:16
Kontaktdaten:

Re: Runde #274 - Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Andre Peschke »

Guthwulf hat geschrieben:
5. Jul 2020, 13:20
Ja, du warst zum Glück ein kleiner Gegenpol zu den Producern, von denen ich mir deutlich mehr und konkretere Beispiele anstatt weitestgehend leerer Plattitüden über Werte erwartet hätte. Aber ich war überrascht und enttäuscht, warum die Diskussion trotzdem so lange auf diesem unsinnigen Phrasenniveau vor sich hin tröpfelte. Habs aber auch noch nicht zu Ende gehört. Vielleicht wirds ja besser. War gestern nur erstmal erschüttert. Dabei ist das Thema Firmenkultur eigentlich sehr interessant und diskussionswert.
Ja, ich glaube der Oliver wollte unbedingt extreeeem differenziert sein. Vermutlich, weil es eben sehr auf den Einzelfall etc ankommt. Aber dadurch waren seine Aussagen mir auch oft zu unkonkret - sieht man auch an den Nachfragen. Ich fand es insgesamt trotzdem interessant - u.a. auch weil ja selbst Oliver, der sich konkret mit Teammanagement etc beruflich auseinandersetzt, eben mitunter für meine Begriffe das ganze zumindest nicht systemisch klar einordnen konnte.

Aber ich kann die Kritik verstehen. Für mein Gefühl kamen dann doch immer wieder interessante Punkte zum Vorschein. Vielleicht mehr auf der "das wird oft versucht, aber es erscheint dubios"-Ebene als auf der "so macht man das richtig"-Ebene. Da bin ich schon sehr hängengeblieben, weil ich diese Firmen-Mottos und salbungsvollen "Werte und Normen" sehr oft sehe und dann höre oder sofort selbst denke: "Das ist von der Realität aber weit entfernt". Daher fand ich das persönlich sehr interessant, das mal skeptisch zu hinterfragen. Aber als Gesprächsteilnehmer ist man zB manchmal ein wenig blind dafür, wie's dann am Ende wirklich bei euch ankommt.

Andre

ZiggyStardust
Beiträge: 321
Registriert: 14. Nov 2018, 12:53

Re: Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von ZiggyStardust »

Also mir erscheinen viele der proklamierten Werte einfach nur "virtue signaling" zu sein. Es ist toll wenn Amazon in den USA auf allen Social-Media-Kanälen ihre Solidarität mit #BlackLivesMatter verkündet, aber war es nicht auch Amazon, die ihre oft schwarzen Mitarbeiter gezwungen haben auf dem Höhepunkt der Pandemie ohne Schutz zu arbeiten? Und der Typ, der das öffentlich angeprangert hat, wurde einfach gefeuert. Sobald es an die Geldbörse geht ist es oft vorbei mit den hehren Werten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten...

Aber zurück nach Deutschland. Die Diskrepanz zwischen den Bewertungen bei Kununu und den Eigenbeschreibungen auf den Karriere-Webpages der Unternehmen ist oft recht amüsant. Bei Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit ist es meist genauso. Die Unternehmen loben sich selber in den höchsten Tönen auf ihren Websites, aber die Realität sieht meist ganz anders aus. Vielleicht glauben sie ja selber ihre Lügen. Hab mal auf einer Jobmesse für Uni-Absolventen einem der Verantwortlichen für Ethik bei Bayer zugehört. Das klang auch alles super, fast so als wäre Bayer eine vorbildliche NGO und kein milliardenschwerer Pharmakonzern. Und Monsanto, dessen Kauf damals noch nicht über der Bühne war, würde ja nur in Deutschland so negativ gesehen. In den USA sähe das ganz anders aus.

In der Spielebranche ist es ja nicht anders. Als es um die drohende Übernahme durch Vivendi ging hat sich Ubisoft selber als große Familie bezeichnet und so getan als wären sie das beste Unternehmen überhaupt und jetzt liest man solche Schlagzeilen:
https://www.gamasutra.com/view/news/365 ... ontrol.php

Benutzeravatar
Guthwulf
Beiträge: 1270
Registriert: 20. Dez 2016, 12:41
Wohnort: Berlin

Re: Runde #274 - Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Guthwulf »

ZiggyStardust hat geschrieben:
5. Jul 2020, 14:42
Es ist toll wenn Amazon in den USA auf allen Social-Media-Kanälen ihre Solidarität mit #BlackLivesMatter verkündet, aber (...) Die Unternehmen loben sich selber in den höchsten Tönen auf ihren Websites, aber die Realität sieht meist ganz anders aus. Vielleicht glauben sie ja selber ihre Lügen. (...) In der Spielebranche ist es ja nicht anders. Als es um die drohende Übernahme durch Vivendi ging hat sich Ubisoft selber als große Familie bezeichnet und so getan als wären sie das beste Unternehmen überhaupt und jetzt liest man solche Schlagzeilen (...)
Ja, all diese Außendarstellungen in Form von Plattitüden sind Marketing und haben zunächst erstmal nix mit Firmenkultur zu tun.
Andre Peschke hat geschrieben:
5. Jul 2020, 14:21
Aber als Gesprächsteilnehmer ist man zB manchmal ein wenig blind dafür, wie's dann am Ende wirklich bei euch ankommt.
Ist ja auch nicht schlimm. Wo gehobelt wird, da fallen Späne... *hüstel* Um mal selber was zum Phrasenschwein beizutragen. :whistle: Die Idee hinter dem Podcast war ja richtig und gut. Manchmal klappts dann halt in der Praxis nicht ganz so, wie erhofft. Man kann nicht immer Volltreffer landen.
Andre Peschke hat geschrieben:
5. Jul 2020, 14:21
weil ja selbst Oliver, der sich konkret mit Teammanagement etc beruflich auseinandersetzt, eben mitunter für meine Begriffe das ganze zumindest nicht systemisch klar einordnen konnte. (...) weil ich diese Firmen-Mottos und salbungsvollen "Werte und Normen" sehr oft sehe und dann höre oder sofort selbst denke: "Das ist von der Realität aber weit entfernt". Daher fand ich das persönlich sehr interessant, das mal skeptisch zu hinterfragen.
Volle Zustimmung. Grad deshalb sollte jemand, der sich mit dem Thema Firmenkultur und Teammanagement beruflich auseinandersetzt eigentlich besser wissen, worauf es ankommt, welche Fallstricke es gibt und wie man in der Praxis Firmenkultur gestalten bzw. z.B. als Producer sowas wie eine Teamkultur aufbauen kann. Ich beschäftige mich auch mit Teammanagement beruflich und ich war grad deswegen ziemlich enttäuscht, dass im Podcast grad zu Beginn vieles auf leere Plattitüden hinauslief. Wer vor allem auf Ebene salbungsvoller abstrakter "Werte und Normen" argumentiert, dem würde ich die Expertise in diesem Bereich eher absprechen wollen. Das ist vielleicht für nen Berufsanfänger grad noch so ok (der bei der großen Unternehmensberatung angefangen hat und bisher nur die Schablonenantworten aus der Schublade rezitieren kann), aber erfahrene Producer sollten das besser können. Oliver kenne ich nicht, aber Ralf hat mich diesmal schon negativ überrascht. Hätte ich mehr von ihm erwartet. Manchmal hat man aber auch vielleicht nur mal nen schlechten Tag. Insofern... shit happens.
Zuletzt geändert von Guthwulf am 5. Jul 2020, 15:13, insgesamt 1-mal geändert.
guthwulf04 (Steam), dreosan (PSN), Guthwulf06 (Xbox), Guthwulf16 (Switch: SW-7403-8257-5609)

Benutzeravatar
Andre Peschke
Beiträge: 5299
Registriert: 9. Jan 2016, 16:16
Kontaktdaten:

Re: Runde #274 - Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Andre Peschke »

Guthwulf hat geschrieben:
5. Jul 2020, 15:04
aber Ralf hat mich diesmal schon negativ überrascht. Hätte ich mehr von ihm erwartet. Manchmal hat man aber auch vielleicht nur mal nen schlechten Tag. Insofern... shit happens.
Nuja, Ralf hat ja selbst gesagt, dass ist normalerweise nicht sein Feld. Deswegen hatte er ja Oliver dazugeholt. Plus: er hat ja stellenweise sehr konkret geantwortet, dass gerade diese Phrasen seiner Erfahrung nach nie funktionieren (siehe seine "Arschlochfreie Firma"-Anekdote). Generell war Ralfs Tenor IMO genau deiner: Wer anfängt nur Sprüchlein zu formulieren, ist meist auf dem Holzweg. Und wie gesagt: Ich glaube, Oliver wollte vielleicht so sehr nicht dogmatisch oder neunmalklug erscheinen, weil er weiß, dass es dann heißt "ja Moment, das kommt ja drauf an", dass er ein bisschen zu beliebig wurde. Wobei das ja nicht für alle seine Antworten gilt.

Aber wie gesagt: Die Kritik ist verstanden und auch so angenommen.
ZiggyStardust hat geschrieben:
5. Jul 2020, 14:42
In der Spielebranche ist es ja nicht anders. Als es um die drohende Übernahme durch Vivendi ging hat sich Ubisoft selber als große Familie bezeichnet und so getan als wären sie das beste Unternehmen überhaupt und jetzt liest man solche Schlagzeilen:
https://www.gamasutra.com/view/news/365 ... ontrol.php
In die Richtung haben wir ja eine Weile diskutiert. Oliver hat da ja ins Feld geführt, dass die Unternehmen bzw. die Personen im Unternehmen die solche Losungen ausgeben oft tatsächlich ernsthaft daran glauben und auch glauben, dass sie selbst dahinterstehen. Aber dann blind sein können für strukturelle Deformationen oder sogar für einen Wertewandel in der Gesellschaft, der an diese Werte völlig neue Anforderungen stellt. Währenddessen mein Punkt eher war (mehr im Sinne der Argumentation von Gutwulf), dass solche salbungsvollen Werte dann a) durch die Realität des Marktes nicht eingehalten werden können (ein Beyer als Konzern kann vermutlich nur begrenzt einfach "anständig" sein) und b) außerdem in der Auslegung sehr schnell extrem ungenau werden (siehe die "Arschlochfreie Firma" und die völlig absurde Auslegung dort, die nun allerdings tatsächlich schon eher an dumme Ausrede grenzt... aber als Extrembeispiel durchgeht). Das fand ich per se schon interessant.

Stellenweise waren vielleicht auch meine Fragen ein bisschen zu harsch. In dem Sinne, das wenn ich sage "es passiert ja, dass Mitarbeiter X einfach als zu wichtig gilt und damit de facto unkündbar ist" und Oliver dann vielleicht erstmal gegensteuert, wenn ich direkt auf "Kündigung" zu sprechen komme. Ich vermute, in seiner Position muss man dann, wenn man sich öffentlich äußert, auch sicherstellen das es nicht so klingt, als würde man mit ihm den Typen anheuert, der sofort die Axt kreisen lässt. Das ist mir aber dann erst im Nachhinein aufgefallen. :D

Andre

Benutzeravatar
Guthwulf
Beiträge: 1270
Registriert: 20. Dez 2016, 12:41
Wohnort: Berlin

Re: Runde #274 - Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Guthwulf »

Bei der Gelegenheit einfach mal ein Dankeschön, dass man sich hier im Forum auch kritisch zu ner Folge äußern kann, ohne dass gleich abgeblockt wird! ist für euch natürlich nix neues... aber ich finde es wert, das doch hin und wieder mal explizit zu erwähnen.
Andre Peschke hat geschrieben:
5. Jul 2020, 15:11
"Arschlochfreie Firma"-Anekdote
Haha! Ja! Bei der Anekdote musste ich lauthals lachen. Dieses "Motto" ist auf so vielen Ebenen ein perfektes Beispiel dafür, wie man es auf gar keinen Fall machen sollte und was Leute, die keine Ahnung von dem Thema haben, leider dennoch oft darunter verstehen. Weitere Facette wäre z.B.: Wenn ich so ein absurdes Motto aufstelle, dann muss ich wissen, dass jeder Mitarbeiter sofort einen oder mehrere Kollegen im Kopf hat, mit dem Gedanken "ja aber der Huber von Gegenüber is nen Arschloch, der macht nie die Kaffeemaschine sauber". So ein Motto führt auf sooo viele Weisen zwangsläufig in die Katastrophe und zerstört jeden Ansatz für positive Firmen- oder Teamkultur statt sie aufzubauen...
guthwulf04 (Steam), dreosan (PSN), Guthwulf06 (Xbox), Guthwulf16 (Switch: SW-7403-8257-5609)

Benutzeravatar
Andre Peschke
Beiträge: 5299
Registriert: 9. Jan 2016, 16:16
Kontaktdaten:

Re: Runde #274 - Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Andre Peschke »

Guthwulf hat geschrieben:
5. Jul 2020, 15:26
Haha! Ja! Bei der Anekdote musste ich lauthals lachen. Dieses "Motto" ist auf so vielen Ebenen ein perfektes Beispiel dafür, wie man es auf gar keinen Fall machen sollte und was Leute, die keine Ahnung von dem Thema haben, leider dennoch oft darunter verstehen. Weitere Facette wäre z.B.: Wenn ich so ein absurdes Motto aufstelle, dann muss ich wissen, dass jeder Mitarbeiter sofort einen oder mehrere Kollegen im Kopf hat, mit dem Gedanken "ja aber der Huber von Gegenüber is nen Arschloch, der macht nie die Kaffeemaschine sauber". So ein Motto führt auf sooo viele Weisen zwangsläufig in die Katastrophe und zerstört jeden Ansatz für positive Firmen- oder Teamkultur statt sie aufzubauen...
Ja. Es setzt ja sogar gleich einen Tonfall, bei dem mancher Mitarbeiter sagen würde: "Also, wer sich so ausdrückt an dieser prominenten Stelle, der..." :D

Lustige Anekdote, die mir gerade dabei einfällt: Als wir mit Krawall auf der Gamescom waren, haben wir mal Feuerzeuge als Werbegeschenke produziert und ich sollte entscheiden, was wir da drauf drucken. Ich habe dann beschlossen, dass wir die Werte als Magazin dort in Schlagworten draufdrucken. Das waren (IIRC): Gemeinschaft. Respekt. Freiheit. (Freiheit meinte eigentlich Unabhängigkeit, aber Freiheit klang cooler und weil wir im Magazin so nen flappsigen Tonfall hatten, erschien es in der Hinsicht auch ein guter Ausdruck. Die Freigeister halt!!). Ergebnis: Lauter lachende Leute, die gefragt haben, ob sie eins von den Kommunisten-Feuerzeugen haben können. :D

Andre

Larnak
Beiträge: 47
Registriert: 6. Dez 2016, 01:44

Re: Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Larnak »

Ich finde die Kritik an den "Phrasen" zu pauschal. Natürlich retten die allein nicht die Welt, und nein, eine Firma wird sich nicht auf die Fahne schreiben, böse sein zu wollen (naja, zumindest nicht viele). Aber es ist trotzdem hilfreich und nützlich, sich über diese Ziele und Ideale Gedanken zu machen, und sich bewusst zu werden "das ist, was wir sein wollen, wie wir miteinander leben und umgehen wollen". Klar kann das auch ohne funktionieren, das sagen Ralf und Oliver ja auch im Podcast. Aber gerade bei großen Unternehmen, bei denen die oberen Mananger keinen Einfluss mehr in jedes Sub-Team haben, wird das irgendwann immer nützlicher. Nicht nur sind die "Phrasen" dann Erinnerungen für die CEOs selbst, sondern auch kommunizierbare Leitlinie an Mitarbeiter jeder Art, also beispielsweise auch untere Management-Ebenen, denen man damit sagt: Hier, das ist der Stil, mit dem wir unsere Teams geführt haben wollen. Damit es dabei eben nicht dazu kommt, dass sich irgendwo Subkulturen von Druck und Missbrauch entwickeln, müssen diese Dinge explizit kommuniziert sein.

Die Kürze der Botschaften und deren offener Charakter liegt dann im zweiten Nutzen begründet: Sie sind auch für die Mitarbeiter eine jederzeit verfügbare Kontrollinstanz, mit der sie Arbeitsanweisungen oder auch persönlichen Umgang abgleichcen können. Wenn mein Chef mich in jedem Gespräch beleidigt, mir aber die Firma glaubhaft(!) versichert, dass "Respekt" eine wichtige Säule im Unternehmen ist, kann mich das ermutigen, das an enstprechende Stellen zu berichten, und mir das Vertrauen geben, das ich ernst genommen werde. Und ja, auch hier wieder stehen diese "Phrasen" natürlich nicht allein, und es kommt immer auf deren Kontext und Anwendung im Unternehmen an, und wie eben diese oberflächlichen Phrasen tatsächlich in gelebte Kultur übersetzt werden. Es wird aber auch sehr schnell offensichtlich, wenn eine Firma ihre "Phrasen" tatsächlich nur als "Phrasen" hat, und sie nicht anwendet, und der CEO sie nicht vorlebt. Klar kann man das als Firma auch tun, dann ist es aber einfach nur Geldverschwendung, die entsprechenden Workshops abgehalten zu haben (Vielleicht ist das der Grund, warum viele Firmen so etwas auch nicht haben :P ). Der Fall, bei denen diese Vorgaben und die gelebte Kultur nicht zusammenpassen, wurde ja auch besprochen. Aber nur weil es das gibt, heißt das umgekehrt nicht, dass solche Unternehmenswerte grundsätzlich keinen Nutzen haben können, wenn ein Unternehmen es tatsächlich versteht, sie anzuwenden.

Dinge wie "Wochenende ist Wochenende und keine Arbeitszeit!" sind für mich keine Werte, sondern Anwendungen von Werten, beispielsweise von gegenseitigem Respekt, durch den übermäßiger Crunch sich als ein Akt von Ausbeutung verbietet.

Mein Eindruck vom Gespräch war interessanterweise genau umgekehrt: Ich fand eher Andres Nachfragen hin und wieder störend, weil ich Olivers und Ralfs Einschätzungen weitgehend zustimme, und auch oft nicht gewusst hätte, wie man das jetzt Andre-tauglich konkretisieren soll, ohne unzulässig zu pauschalisieren (Auch wenn ich mich sicherlich zu einem "In der Regel kann ich bei Mitarbeitern vorher abschätzen, ob sie Macht ausnutzen würden oder nicht" hätte hinreißen lassen).

@ZiggyStardust:
Ich finde es gefährlich, diese Vorfälle auf das Gesamtunternehmen zu übertragen. Damit will ich sie nicht verharmlosen, sie sind schlimm, und es mag auch sein, dass es im Unternehmen teilweise Strukturen gibt, die es schwer machten, darauf sinnvoll zu reagieren. Aber das heißt nicht, dass die Kultur im gesamten Unternehmen vergiftet ist, dort eine Kultur von Missbrauch und Kontrolle herrscht und alles andere nur gespielt ist. Tatsächlich finde ich sogar, dass das ein gutes Beispiel ist für einen Fall, in dem die kritisierten Phrasen hätten helfen können, um die allgemein gefühlte Kultur auch auf problematische Einzelfälle anwenden, und Betroffenen Rückendeckung geben zu können.
Zuletzt geändert von Larnak am 5. Jul 2020, 18:14, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Guthwulf
Beiträge: 1270
Registriert: 20. Dez 2016, 12:41
Wohnort: Berlin

Re: Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Guthwulf »

Haha... ich hab das Gefühl, dass Andre's Frustration über diese Wibbel-Die-Wobbel-Wolkendiskussion im Laufe des Podcasts konstant gestiegen ist. Das hatte in sich auch gewissen Unterhaltungswert und die Diskussion wurde dadurch lebhafter.

Ansonsten blieb es leider überwiegend bei Allgemeinplätzen.

Man ist ja nur Teil eines "Systems" und von "Strukturen". Es liegt am "Umfeld". Man kämpft sowieso als kleines Studio ums Überleben, da bleibt oft keine Zeit für so einen "Luxus". Jeder ist anders und man kann eh nicht vorraussehen, wie sich Leute mit "Macht" verhalten werden. Und am Ende müssen es die Vorgesetzten richten, die gefälligst moralisch einwandfrei handeln müssen, allerdings gleichzeitig oft Persönlichkeitsmerkmale von Psychopathen haben.

Leeeeute... Wie kann es sein, dass erfahrene Producer keine klareren Antworten haben? Ihr seid dafür verantwortlich, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ein Projekt ein Erfolg wird und das Projektteam gut funktioniert. Das ist eurer Job! Man ist einem "System", einer "Struktur" und selbst einer "Firmenleitung" nicht hilflos ausgeliefert, sondern gestaltet selbst mit. Das gleiche gilt für "Führungskultur" und "Firmenkultur". Die fallen nicht vom Himmel, sondern auch die gestaltet man selber mit und entwickelt sie weiter. Was ist das denn bitte für eine Haltung, zu sagen, dass wenn es nicht schon alles super ist, man eh nix machen kann? Was bitte macht ihr als Producer denn dann noch? Es gibt so viele Instrumentarien und Prozesse inkl. Best Practices, die helfen, mit diesen Problemen umzugehen und Verbesserungen zu erzielen. Natürlich klappt das nicht immer zu 100% und alles hat Vor- sowie Nachteile, aber genau deswegen muss man darüber konkret diskutieren und diese Dinge aktiv angehen, statt die Hände in die Luft zu werfen und von vornherein aufzugeben.

Einige wenige sehr simple und offensichtliche Beispiele: Wenn ich jemanden auf eine leitende Position befördere, muss ich durch entsprechende Prozesse dafür sorgen, dass er auch die gewünschten Führungsqualitäten mit sich bringt (oder entwickeln kann). Dafür gibts Fortbildungen und Seminare. Ich muss es Mitarbeitern gleichzeitig möglich machen, ohne Angst for Repressalien, auf Probleme in der Firma hinzuweisen (z.B. einen unabhängigen Konfliktmanager einstellen, an den sich Mitarbeiter anonym melden können). Man kann bei Problemen in Teams oder Firmen für ein paar Tage externe Meditatoren dazu holen. So wie es Mitarbeiterfeedback gibt, muss es Vorgesetztenfeedback geben. Für all das kann man ohne großen Aufwand und Ressourcen Prozesse (und Werte) einführen bzw. eine positive Firmenkultur gestalten. Und es gibt noch sooo viel mehr.

Stattdessen dreht ihr euch auf der Ebene abstrakter Plattitüten hilflos im Kreis. Zumindest bis jetzt (1:20:00). Kann grad nicht zu Ende hören... Vielleicht ergänze ich mein Feedback später nochmal.
guthwulf04 (Steam), dreosan (PSN), Guthwulf06 (Xbox), Guthwulf16 (Switch: SW-7403-8257-5609)

Maniac11
Beiträge: 9
Registriert: 14. Jan 2018, 11:29

Re: Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Maniac11 »

Hallo,

ich muss sagen die Folge fand ich sehr schwach. Das Thema an sich ist spannend und in Zeiten von Tönnies und Co. mehr denn je wichtig.

Vielleicht hätte man es konkreter machen müssen. Entweder einen Insider als Gast der auch mal was konkretes aus dem Nähkästchen erzählt oder zumindest eine konkrete Firma anführen.

So hat mir das wenig gegeben und die ganze Sache mit der Naughty Dog Anekdote (Jeder darf mitreden) war mir so typisch deutsch. Da wurde immer nur das negative gesehen... und fast höhnisch drüber gelästert. Wobei man ja mal sagen muss das ist ein Studio was Welthits produziert und die deutsche Industrie darbt ja nach wie vor am Boden.

Don Mchawi
Beiträge: 387
Registriert: 8. Nov 2017, 08:44

Re: Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Don Mchawi »

Ich kann eure Kritikpunkte nachvollziehen, habe da aber gar nicht so sehr beim Hören drüber nachgedacht. Vielleicht ist das Thema einfach zu groß für eine Folge und es wäre gewinnbringender gewesen, sich einzelne Aspekte herauszunehmen und zu vertiefen? Dadurch hätte man auch konkreter werden können.
Denn an den Stellen, an denen ihr die anekdotischen Beispiele eingebunden habt, fand ich die Folge richtig gut und auch mit spannenden Perspektiven. Die arschlochfreie Firma wurde hier ja schon genannt, sehr gut fand ich auch die Diskussion um den Naughty-Dog-Vortrag. Da hat mir die Folge wirklich gut gefallen.

Benutzeravatar
falkoloeffler
Beiträge: 42
Registriert: 10. Jun 2018, 19:58

Re: Runde #274 - Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von falkoloeffler »

Andre Peschke hat geschrieben:
5. Jul 2020, 15:29
Kommunisten-Feuerzeugen
Crowdfunding ist ja auch so eine Art "volkseigener Betrieb". :D

Benutzeravatar
Andre Peschke
Beiträge: 5299
Registriert: 9. Jan 2016, 16:16
Kontaktdaten:

Re: Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Andre Peschke »

Don Mchawi hat geschrieben:
6. Jul 2020, 08:53
Vielleicht ist das Thema einfach zu groß für eine Folge und es wäre gewinnbringender gewesen, sich einzelne Aspekte herauszunehmen und zu vertiefen? Dadurch hätte man auch konkreter werden können.
Ja, das haben wir am Ende ja auch schon festgehalten. Ich dachte ja, mit der Konzentration auf die Idee einer Firmenkultur und den Maßnahmen, mit denen man sie herbeiführen oder kontrollieren will, hätten wir schon einen ganz guten Rahmen. Vielleicht hätte ich eher am Anfang mehr Überblick geben müssen und bin zu schnell in die Diskussion über die Sinnsprüchlein rein. Hmpf. Die fand ich halt interessant. :D

Andre

Don Mchawi
Beiträge: 387
Registriert: 8. Nov 2017, 08:44

Re: Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Don Mchawi »

Andre Peschke hat geschrieben:
6. Jul 2020, 09:37

Ja, das haben wir am Ende ja auch schon festgehalten. Ich dachte ja, mit der Konzentration auf die Idee einer Firmenkultur und den Maßnahmen, mit denen man sie herbeiführen oder kontrollieren will, hätten wir schon einen ganz guten Rahmen. Vielleicht hätte ich eher am Anfang mehr Überblick geben müssen und bin zu schnell in die Diskussion über die Sinnsprüchlein rein. Hmpf. Die fand ich halt interessant. :D

Andre
Wie gesagt, ich fand die Folge nicht schlecht und stellenweise sogar richtig gut. Du kannst es ja auch positiv sehen, das Thema gibt noch genug für eine zweite Runde her. :mrgreen:

Benutzeravatar
Andre Peschke
Beiträge: 5299
Registriert: 9. Jan 2016, 16:16
Kontaktdaten:

Re: Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Andre Peschke »

Don Mchawi hat geschrieben:
6. Jul 2020, 09:57
Wie gesagt, ich fand die Folge nicht schlecht und stellenweise sogar richtig gut. Du kannst es ja auch positiv sehen, das Thema gibt noch genug für eine zweite Runde her. :mrgreen:
Ich fand sie ja auch gut, sonst hätte ich sie ja nicht veröffentlicht. :D Aber die Kritik kann ich nachvollziehen und ich teile da gerne meine Gedanken, woran es liegen könnte, weil ich aus der Diskussion darüber ja wiederum dann für zukünftige Folgen meine Lehren ziehen kann.

Andre

Guybrush
Beiträge: 10
Registriert: 12. Apr 2019, 14:47

Re: Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von Guybrush »

Muss mich dem allgemeinen Tenor leider anschließen. Hatte mich bei Erscheinen der Folge in der Timeline quasi auf einen zweiten Teil der hervorragenden "Traumjob Spielebranche"-Folge gefreut und war am Ende mit einem gewissen Gefühl der Leere zurückgelassen. Bei dem Thema wäre so viel mehr drin gewesen.

Ich weiß nicht, wie ihr euch intern vorher abgestimmt habt, aber ich hatte den Eindruck, ein etwas längeres Vorgespräch hätte vllt nicht geschadet. Finde nicht, dass Olli den Fragen jetzt kategorisch ausweicht oder diese umschifft, sondern dass das ein Kommunikationsproblem ist, das auftritt, sobald unterschiedliches Vokabular und unterschiedliche Spezialisierung über das selbe Thema sprechen. Da redet man dann eben sprichwörtlich aneinander vorbei.

Ich sehe die üblichen Company-Speak Werte nicht ausschließlich als belanglose Wandtattoos. Im Personalwesen wird durchaus Wert darauf gelegt, das Werteverständnis einer Organisation akkurat nach außen zu portraitieren, um eine spätere Unzufriedenheit der Beschäftigten zu vermeiden. Diese gewinnen sonst den Eindruck, man habe ihnen "was Falsches verkauft" oder sie sogar "betrogen". Dabei gilt eigentlich grundsätzlich der Gedanke: Je größer die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdbild, desto größer das Konfliktpotential. Bis dahin eigentlich recht simpel.

Für mich ist das große ABER allerdings ein Spruch, den ich inzwischen schon des Öfteren aus verschiedensten Branchen gehört habe: "People join companies, but leave managers!" Führung ist ein extrem schwieriges Feld. Und auch auf die Gefahr hin, dass mich dafür einige schelten werden (z.B. Ralf und Olli :D), muss ich ganz deutlich sagen, dass ich der festen Überzeugung bin, dass wirklich gute Führung nicht erlernbar ist. Dafür braucht man viel Empathie, Selbstbewusstsein und eine gewisse natürliche Autorität. Da kann man die Leute noch so oft auf iwelche Seminare in den Schwarzwald schicken. Ich will nicht sagen, dass das gar nichts bringt, aber dadurch werden schlechte Chefs niemals zu guten Chefs, höchstens zu ertragbaren. Problem: Es gibt in der Wirtschaft einfach viel mehr Führungspositionen als Menschen mit Führungspersönlichkeit.

Ich kenne einen Fall in einem Unternehmen, in dem es (mutmaßlich) vor kurzer Zeit zu wiederholten sexuellen Übergriffen eines (wohlgemerkt) freiberuflich eingekauften Kollegen kam. Trotzdem traut sich niemand, das Gespräch zu suchen, weil man Angst hat, er könne sonst (ich zitiere:) "sauer werden und dann ist die restliche Produktion im Arsch."
Und genau das sind die Fälle wo man fragen muss: Wie kann das sein, dass sich gefühlt jeder andere Mensch auf der Arbeit korrekt benehmen soll, während man dann bei solchen Kollegen die Freiheit lässt "so sauer zu werden, das dann die restliche Produktion im Arsch ist"?
Das kommt meiner Meinung nach durch wirtschaftlichen Druck von außen, der eine Verzögerung der Produktion (etwa durch Neubesetzung der Stelle) nicht zulässt und dadurch eine Kultur des Drucks und der Angst fördert. Dagegen gibt es IMO nur zwei patente Lösungen:

1. Eine Führungsetage mit natürlicher Führungsfähigkeit und der Bereitschaft, diesen wirtschaftlichen Druck im Sinne der eigenen Angestellten zu übernehmen und von der Mikroebene fern zu halten.
2. Eine konsequente Vergewerkschaftung auf Arbeitnehmerseite, die für Kündigungsschutz und rechtlichen Beistand sorgt und dadurch existenzielle Ängste bei den Betroffenen in Konfliktsituationen auffängt.

Beste Grüße

zackzackab
Beiträge: 419
Registriert: 1. Apr 2017, 14:17

Re: Runde #274: Über Firmenkultur und Hierarchien

Beitrag von zackzackab »

Guthwulf hat geschrieben:
5. Jul 2020, 02:41
Die Firmenkultur, über die es sich zu diskutieren lohnt, ist die gelebte Firmenkultur nach innen in den Teams, sowie von den Vorgesetzten gegenüber den Mitarbeitern. Und die ist sehr viel konkreter als "Ehrlichkeit".
Das sehe ich auch so. Wenn man Firmenkultur auf einem (aus meiner persönlichen Sicht) lohnenswerten Detailgrad diskutieren möchte, sollte man das auf die Folge zurückblickend vielleicht nicht in erster Instanz mit Produzenten tun, sondern mit denen, die die Firmenkultur im Firmenalltag leben sollen, aufgrund Ihrer Alltagserfahrung schildern können, was aus ihrer persönlichen Sicht funktioniert / hilfreich ist und was nicht. Vielleicht kann man die existierende Folge ja um eine Folge mit Stimmen von Mitarbeitern, die in der Hierarchie weiter unten stehen, ergänzen. Wenn ich mir die Wortbeiträge in der Folge anhöre, habe ich aus meiner Laiensphäre den (möglicherweise täuschenden) Eindruck, dass Produzenten...

1. funktionell bedingt auf einer hohen Abstraktionsebene unterwegs sind und
2. kurzfristig und während der kurzen Frist nicht länger am Stück im Unternehmen sind und
3. eher der Chefetage nahestehen und dadurch mitunter wenig davon mitbekommen, wie im Einzelnen miteinander gearbeitet wird

und vor dem Hintergrund dieser Punkte weniger Substantielles zum Thema gelebter Firmenkultur sagen können als beispielsweise ein Mitarbeiter auf unterer oder mittlerer Ebene.

Was Produzenten zu der Diskussion beitragen können ist natürlich ihre firmenübergreifende Erfahrung und ihr organisatorisches Verständnis, allerdings:

Meiner persönlichen Erfahrung nach braucht es ein paar Jahre, um eine ungefähre Idee davon zu bekommen, wie eine mittelgroße Firma zwischenmenschlich funktioniert, wie offen für Verbesserungsvorschläge die Menschen an den entscheidenden Stellen im Haus sind und wie groß die Bereitschaft dazu ist, sich mit "Input von unten" auseinanderzusetzen. Und selbst dann hat man nur eine Idee von der Firmenkultur aus der Perspektive, die man positionsbedingt im Haus einnimmt.

Ich fand es über weite Strecken ernüchternd, wie gering die Breitschaft der Gäste war, sich konkret darüber Gedanken zu machen, welche Mechanismen in Organisationen denkbar wären, um aus hierarchischen Strukturen resultierende Missbrauchsmöglichkeiten in Schach zu halten. Man kann über solche Themen auch auf einer gewissen Abstraktionshöhe und zugleich differenziert diskutieren; und um ehrlich zu sein hätte ich von Produzenten erwartet, dass sie dazu gerade wegen des organisatorischen Schwerpunkts ihres Aufgabenfeldes etwas von Gewicht beitragen können.

Vielleicht hätte es der Folge gut getan, wenn man anhand einzelner konkreter Missstände, die öffentlich geworden sind, darüber geredet hätte, wie sich ein Unternehmen organisatorisch besser dagegen wappnen kann.

Antworten