Großreinemachen bei Ubisoft

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ingonaut
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von ingonaut »

Wudan hat geschrieben:
20. Jul 2020, 21:23
Hmm ja da verstehst du mich tatsächlich ein bisschen falsch^^ Erstmal würde ich stark unterscheiden ob du persönlich deinen Unmut darüber ausdrücken willst in dem du die Spiele nicht mehr kaufst, oder ob ein journalistisches Medium sich entscheidet darüber nicht mehr zu berichten. Das sind schon 2 verschiedene Dinge.
Und ich sage nicht das man das halt akzeptieren muss, ich sage eher das ein Boykott über Berichterstattung bzw Spieletests m.E. der falsche Ansatz wäre. Man soll bitte sehr gerne über diese Themen berichten, sie aufdecken, womöglich anprangern, publik machen, ein Bewusstsein dafür schaffen. Aber über die Spiele nicht mehr reden? Hm. Ubisoft ist ein Unternehmen mit über 15000 Mitarbeitern in vielen Standorten rund um die Welt. Zu denken das dort auf jedem Flur Frauen belästigt und vergewaltigt werden würde der Sache sicher nicht gerecht werden. Und viele dieser Mitarbeiter stecken garantiert sehr viel Mühe und Herzblut in diese Spiele. Und was wäre wenn nun tatsächlich Ubisoft-Spiele großflächig in der Medienlandschaft nicht mehr besprochen werden und nicht mehr getestet werden und sich dadurch nicht mehr verkaufen? Dann würde das viele dieser Mitarbeiter wahrscheinlich arbeitslos machen. Wäre ihnen damit geholfen, wäre das in ihrem Sinne?
Gut, falsch verstehen war nicht meine Absicht.

Du hast natürlich recht, dass es ein Unterschied ist, ob ich mich persönlich entscheide oder ein journ. Medium. Nun stehe hinter so einem Medium (gerade in der Größe von The Pod) ja aber auch Menschen und Positionen bzw. haben Unternehmen Compliance-Richtlinien, die sie in ihrem Handeln bestenfalls einhalten.

Ich verstehe aber nicht, wie du als Person/Unternehmen/Journalist bei deiner Einstellung (so ich sie verstanden habe) Druck auf Unternehmen/deine Lieferanten usw. ausüben willst, wenn nicht durch dein handeln. Beispiel: Nehmen wir an, Thalia bleibt bei seiner Einstellung, dass es keinen Grund gibt, die Bücher von Avocadolf Hildmann aus dem Sortiment zu nehmen und viele Menschen entscheiden sich zu dort nicht mehr zu kaufen, dann bewirkt das im unternehmen sicherlich etwas. Wenn sie sich dann entscheiden, die Bücher nicht mehr zu verkaufen, dann mag das vllt. nicht aus intrinsischer Einsicht geschehen sein, aber es sind dennoch Konsequenzen entstanden. Anders Beispiel: Unternehmen weiugern sich bei FB Werbung zu machen aus Grund XYZ, das trifft Facebook da wo es weh tut, beim umsatz. Das führt zu einer Reaktion des Unternehmens. Die lautet ja aber nicht zwingend wir reduzieren Personal und machen den Laden kleiner, sondern das Verhalten wird überdacht.

und nun zurück zu Ubisoft. Natürlich hängen da viele Personen dran, die sich nichts zu schulden haben kommen lassen. Aber auch die würden eben Durck auf ihre Chefs ausüben, wenn durch ausbleibende Berichterstattung oder direkt ausbleibende Käufe, Druck auf das Unternehmen wächst - wirtschaftlich oder auch vom Ansehen her. Viele wollen ja nicht irgendwo arbeiten, wo die Kultur so toxisch ist oder das Unternehmen genertell auf der dunklen Seite der Macht steht. Und dann müssen/werden die Verantwortlichen Konsequenzen ziehen müssen. D.h. dass Verantwortliche, die bisher trotz der Vorwürfe (ob selbst betroffen oder durch Angestellte betroffen) nicht handeln z.B. gehen dürfen/müssen oder das Programme installiert werden, die ungewünschtes Verhalten entsprechend sanktionieren. Oder es werden Gremien eingerichtet, an die sich Betroffene anonym wenden können. Genau so kann dann eben Wandeln in einem Unternehmen stattfinden. Das muss nicht von innen heraus geschehen, da kommt der Stein des Anstoßes oft eher von außen.

Dementsprechend möchte ich deiner Folgerung, dass dann das Unternehmen sofort in unwiederbringlich schlechtes Fahrwasser rutscht und Angestellte entlassen muss und so Unschuldige "leiden" müssen, nicht nachkommen. (Dann müsstest du doch eigentlich auch Ghost Recon Breakpoint einfach kaufen, weil ein negatives Verkaufsergebniss genauso die Entwicklung anderer Spiele behindert und Teams dicht gemacht werden müssen, oder?)

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Stew_TM
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von Stew_TM »

Wudan hat geschrieben:
20. Jul 2020, 20:39
Stew_TM hat geschrieben:
20. Jul 2020, 20:04
Ist es die Pflicht eines guten Journalisten, neutral zu sein? Ja. Ist es eine Pflicht des Journalisten, sich so wenig wie möglich zu positionieren? Nein, meiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall. Es ist vielmehr die Pflicht des Journalisten, die Themen, über die er berichtet, auch entsprechend einzuordnen.
Ja moment, du wirfst gerade "einordnen" und "positionieren" in einen Topf, das sehe ich aber so absolut nicht. Eine Einordnung wäre mMn eine Einschätzung der Lage in einem weiter gefassten Kontext. Was bedeutet die News, was bedeutet es im Kontext der Branche, wie ist der Inhalt der Infos zu bewerten? Was bedeutet das für die Kunden? Solche Dinge. Eine Positionierung wäre "Ich find das Verhalten dieses Unternehmens Scheiße" (was durchaus auch akzeptabel wäre als persönliche Meinung gekennzeichnet), mit der eventuellen Konsequenz "und deswegen werde ich fortan nicht mehr über dieses Unternehmen berichten", und letzteres würde ich als sehr schwierig empfinden.
Eine Einordnung und eine Positionierung sind keine synonymen Begriffe, das sehe ich genauso und da habe ich mein Argument nicht gut genug ausformuliert, deswegen als Ergänzung:

Zweifelsohne ist nicht in jedem Kontext ist eine Positionierung nötig oder gewünscht. Wenn ich die Tagesschau ansehe, dann erwarte ich dort nicht unbedingt eine Positionierung der Journalisten. Bei den Tagesthemen sieht das aber schon wieder anders aus - da wird sich teilweise recht deutlich positioniert. Würde man deiner These folgen, dann wären diese Journalisten also nicht mehr "gut", so interpretiere ich die Aussage aus deinem Ausgangsposting zumindest. Das eindeutigste Beispiel dafür dürfte wohl die klar abgegrenzte Rubrik sein, in der einzelne Redakteure einen vorangegangenen Bericht rund eine Minute lang kommentieren. Auch in den einzelnen Beiträgen wird aber nicht nur eingeordnet, die Berichterstatter beziehen mitunter Stellung zu den Themen.

Ich finde das aus zwei Gründen sehr wertvoll. Zum Einen sehe ich in der persönlichen Perspektive eines Fachberichterstatter, der sich über einen längerem Zeitraum mit einem spezifischen Thema auseinander gesetzt hat, einen Mehrwert für die Erweiterung des eigenen Horizonts. Zum Anderen hilft mir die persönliche Positionierung eines Journalisten bei der Einordnung seiner Einordnung. :) Aus diesen Gründen sagen mir die Tagesthemen auch deutlich mehr zu als die nüchterne Tagesschau.
The Pod selbst ist da das naheliegendste Beispiel. Ich folge der Berichterstattung der Podcaster, weil ich um ihre persönliche Positionierung zu vielen Themen weiß und diese mit meiner eigenen abgleichen kann. Gerade das macht ihre Berichterstattung doch erst so interessant für mich. Deswegen kann ich z.B. ein "XY ist halt auch ein bisschen scheiße" von Andre für mich selbst einordnen - auch wenn ich dir zustimme, dass ich eine solche Äußerung im Rahmen der Tagesthemen als schwierig empfinden würde. ;)

Um wieder zurück zu Ubisoft zu kommen: Wir diskutieren hier über einen Fall, wo es bezüglich der Positionierung aus meiner Sicht keine zwei Meinungen geben kann. Ich möchte damit keinesfalls implizieren, dass du das anders siehst - aber ich stoße mich daran, diese Diskussion speziell an diesem Beispiel aufzumachen.
Keinerlei Ubisoft-Spiele mehr zu besprechen, halte ich allerdings ebenfalls nicht für die richtige Konsequenz aus dieser Positionierung, da bin ich bei dir. Ich habe aber vollstes Vertrauen in die Podcaster, dass sie damit adäquat umgehen.
Zuletzt geändert von Stew_TM am 20. Jul 2020, 22:56, insgesamt 5-mal geändert.

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Andre Peschke
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von Andre Peschke »

ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 21:52
Aber auch die würden eben Durck auf ihre Chefs ausüben, wenn durch ausbleibende Berichterstattung oder direkt ausbleibende Käufe, Druck auf das Unternehmen wächst - wirtschaftlich oder auch vom Ansehen her. Viele wollen ja nicht irgendwo arbeiten, wo die Kultur so toxisch ist oder das Unternehmen genertell auf der dunklen Seite der Macht steht.
Mal aus Interesse den Gedanken durchgespielt. Nehmen wir an, jemand boykottiert jetzt Ubisoft deswegen um Druck auszuüben. Zum einen: Was will man bezwecken? Ubisoft ist ja bereits tätig geworden, hat Leute entlassen etc. Was wäre also die Forderung darüber hinaus, deren Erfüllung man mit diesem Druck erreichen will? Und zum anderen: Wie würde man deren Einhaltung überprüfen?

Wenn ich mich hinstelle und sage: "Ich berichte nicht mehr über Ubisoft, bis die das in Ordnung gebracht haben" - wie ermittle ich, dass es nun "in Ordnung" ist? Keine neuen Anschuldigungen? Gab's in den Jahren vorher ja auch nicht. Die Abwesenheit von Beweisen ist kein Beweis von Abwesenheit und so. Müssen die Opfer sagen: "Ja, grünes Licht - passt wieder alles"? Das kann aber theoretisch nie passieren, ich kann ja nicht über die verfügen.

Ich denke, es ist sinnvoller die Presse berichtet über sowas und schaut dann nach einiger Zeit nochmal hin und fragt: "Hat sich wirklich was geändert?".

IMO ist es auch sinnvoll aus Pressesicht darüber zu informieren, wie schwierig und tief verwurzelt die Problematik ist. In dem Sonntagscast neulich zur Firmenkultur habe ich da auch schon einen ersten Versuch unternommen, auch wenn der Podcast das Problem leider nicht so gut zu fassen bekommen hat. Aber ich hatte da Ubisoft & Co. schon im Hinterkopf. Auch dass das kein Ubisoft-Problem ist, sondern vermutlich ein "Machtpositionen"-Problem. Ein gewisser Teil von Menschen wird Machtpositionen immer zum eigenen Vorteil ausnutzen. Das wird nicht immer in sexueller Belästigung enden - die Liste der möglichen Vorteilsnahmen ist ja lang. Aber solange es Machtstrukturen gibt, wird es solche Auswüchse geben (und wie wir im Podcast ebenfalls schon erwähnt haben: Hierarchien werden sich immer ausbilden). Die interessante Frage ist nun, wie man ein Unternehmen gestalten kann, um dem gegenzuwirken - insbesondere präventiv. Erst wenn man darauf eine Antwort weiß kann man dann ja auch sagen: Ja, was Ubisoft macht ist gut/ausreichend etc. Wenn die jetzt zB nur Leute rauswerfen und eine Abteilung abschaffen, wandert evtl. die Macht nur an andere Pole und es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis jemand diese Positionen bekleidet, der sie in ähnlicher Form ausnutzt.

Es wird interessant sein zu sehen, wie transparent Ubisoft seine internen Veränderungen dann auch preisgibt.

Andre

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Jon Zen
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von Jon Zen »

Andre Peschke hat geschrieben:
20. Jul 2020, 22:54
Die interessante Frage ist nun, wie man ein Unternehmen gestalten kann, um dem gegenzuwirken - insbesondere präventiv
Das finde ich auch die wichtige Frage.

Zum Shaming von betroffenen Unternehmen, wie z.B. Ubisoft:
Es könnte auch den gegenteiligen Effekt erzielt werden. Wenn dieses Shaming zu stark ist, sind die Folgen des Shamings schlimmer, als der Aufwand, es unter den Teppich zu kehren. Damit wäre dann niemanden geholfen.
Besonders wenn Unternehmen, die nach dem Bekanntwerden diverser Probleme (wie jetzt Ubisoft) Veränderungen umsetzen und trotzdem boykottiert würden, wäre dies ein Mahnmal für Unternehmen mit ähnlichen internen Problemen.

Ein zweiter Aspekt, ist dass ein Journalist (theoretisch) die Macht hat, das Leben der vermeintlich falsch Handelnden zu zerstören. Diese "Macht" sollte er nur sehr bedacht und mit Beweisen (z.B. einem gerichtlichem Urteil) nutzen. Eine vorschnelle, besonders "meinungsstarke" Diskussion an konkreten Fällen kann die betroffenen Personen vernichten - und sei die Wahrscheinlichkeit ihrer Unschuld noch so gering.
Zuletzt geändert von Jon Zen am 20. Jul 2020, 23:47, insgesamt 1-mal geändert.
https://steamcommunity.com/id/Jon-Zen/ | Unsere Biervorräte schwinden dahin, Sire!

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ingonaut
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von ingonaut »

Andre Peschke hat geschrieben:
20. Jul 2020, 22:54
Wenn ich mich hinstelle und sage: "Ich berichte nicht mehr über Ubisoft, bis die das in Ordnung gebracht haben" - wie ermittle ich, dass es nun "in Ordnung" ist? Keine neuen Anschuldigungen? Gab's in den Jahren vorher ja auch nicht. Die Abwesenheit von Beweisen ist kein Beweis von Abwesenheit und so. Müssen die Opfer sagen: "Ja, grünes Licht - passt wieder alles"? Das kann aber theoretisch nie passieren, ich kann ja nicht über die verfügen.

Ich denke, es ist sinnvoller die Presse berichtet über sowas und schaut dann nach einiger Zeit nochmal hin und fragt: "Hat sich wirklich was geändert?".
Da stimme ich dir teilweise zu. Zunächst denke ich, dass die Unternehmenskommunikation den Job des Informierens da bereitwillig übernehmen wird. Da würde es sicherlich Pressemeldungen geben, wenn entsprechend Gremien eingeführt würden, Leitsätze für die Unternehmenskultur aufgestellt oder geändert würden usw. usf. Aber im Vorfeld garantieren kann die Veröffentlichung solcher Meldungen nicht, korrekt. Ich hätte - auf The Pod bezogen - auch nicht den Anspruch, dass ihr aus erster Hand recherchieren müsstet, ob diese auch wirklich nachhaltig eingeführt wurden - nur um das noch einmal klar zu stellen. Es gibt ja (auch außerhalb der Spieleredaktionen) zuverlässige Quellen.

Ich hoffe, dass die Rücktritte bei Ubisoft weitreichende Veränderungen der Unternehemenskultur mit sich bringen. Ich finde nur - und da stimme ich Jim Sterling absolut zu - es gibt hier ein Ungleichgewicht in der Berichterstattung. Ich persönlich - und ja, das ist meine Meinung, ich behalte sie auch gern - kann die Ankündigungen eines Ubisoft Forward kaum "genießen", mit dem Wissen, unter welchen Bedingungen dort in Teilen gearbeitet wurd (Ich persönlich reagiere hier sensibler als bei Crunch-Themen). Mir fehlt dabei, dass die Redaktionen die Berichterstattung über die Produkte des Publishers in den entsprechenden Kontext setzen.

Versteh(t) mich nicht falsch, ich habe keinerlei Anspruch an The Pod, dass ihr nicht mehr/anders über Ubisoft-Spiele berichtet, ich hatte mich nur interessiert, wie ihr die Vorfälle aufnehmt und sie sich in eurer Arbeit widerspiegeln. Das habe ich aber dank der Postings hier verstanden. Ich nicht in Gänze eurer Meinung, aber das muss ich ja auch nicht. Ich höre euch trotzdem gern weiter.

ZiggyStardust
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von ZiggyStardust »

ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 20:31
Was ich den (ausländischen) Medien entnehme ist, dass das keine bloßen Vorwürfe mehr sind, sondern dass da einige erwiesene Anschuldigungen bei sind und es auch bereits Rücktritte gab.Nun kann ja jeder für sich einschätzen, was er damit macht. Ich bspw. werde erst einmal keine Ubisoft-Spiele mehr kaufen und ich werde mir auch keine Artikel/Videos usw. darüber anschauen.
Aber bestraft man damit nicht auch die zahlreichen Ubisoft-Mitarbeiter, die sich nichts zu schulden haben kommen lassen? Deren Boni vielleicht von den Verkaufszahlen abhängig sind.
ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 17:13
Insgesamt bin ich einmal mehr sprachlos, dass die dt. Spielepresse hier keinerlei Position bezieht, Titelstories bringt o.ä. Ich kann es zwar aufgrund der Abhängigkeit nachvollziehen, finde diesen Umstand aber zutiefst bedauernswert. Ich glaube, der gute Jochen hat es mal ziemlich deutlich gesagt, dass er kein Teil der "Gaming-Industrie" ist bzw. sein will, sondern als Journalist von außen draufschaut. Und André, du hattest im Gespräch mit Jason Schreier darauf hingewiesen, dass der deutsche Gaming-Journalismus quasi nur durch Leser und bedauerlicher Weise durch Anzeigen aus der Gaming-Industrie finanziert wird.
Der deutsche Games-Journalismus will seine Leser unterhalten, nicht informieren. Dieses Thema bietet kein Unterhaltungspotential und passt nicht ins Geschäftsmodell der Verlage.

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Wudan
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von Wudan »

ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 21:52
Ich verstehe aber nicht, wie du als Person/Unternehmen/Journalist bei deiner Einstellung (so ich sie verstanden habe) Druck auf Unternehmen/deine Lieferanten usw. ausüben willst, wenn nicht durch dein handeln.
Als Medium? Natürlich durch Berichterstattunng und Dinge transparent machen, das Thema in die Öffentlichkeit bringen. Ob die Öffentlichkeit das Produkt dann noch kaufen will ist ja dann jedem selbst überlassen.
Dementsprechend möchte ich deiner Folgerung, dass dann das Unternehmen sofort in unwiederbringlich schlechtes Fahrwasser rutscht und Angestellte entlassen muss und so Unschuldige "leiden" müssen, nicht nachkommen. (Dann müsstest du doch eigentlich auch Ghost Recon Breakpoint einfach kaufen, weil ein negatives Verkaufsergebniss genauso die Entwicklung anderer Spiele behindert und Teams dicht gemacht werden müssen, oder?)
Das war eigentlich nicht genau meine Folgerung, nur eine Möglichkeit. An dieser Stelle muss man aber vielleicht einen Schritt zurück machen. Machen wir uns klar dass es eh ein sehr hypothetisches Szenario ist. Es wird nicht passieren dass die Presse flächendeckend aufhört Ubisoft Spiele zu testen. Aber nur um den Gedanken mal in eine andere Richtung weiterzuspinnen: Dann bliebe Ubisoft kaum etwas anderes übrig als sich gänzlich auf Influencer-Marketing über Youtube und Twitch zu verlagern. Nur noch Trailer, nur noch Streamer, gerne mit bezahlten Reviews. Wäre das für Ubi nicht vielleicht sogar noch besser? Wär doch prima, man kann sich die Leute die berichten selber aussuchen, bezahlen, Youtube und Twitch Influencer sind sehr viel offener was Zuwendungen angeht, die Berichterstattung wäre fast ausschliesslich positiv. Neutrale Medien die das Spiel unbeeinflusst bewerten würden wegfallen, nur noch Fanboys werden das Spiel reviewen (zumindest im Vorfeld vor VÖ.). Das ist jetzt in eine andere Richtung gedacht, erscheint mir aber auch nicht besser. (jaja ich weiß, über Unabhängigkeit und Kritikgehalt der Mainstrem Spielepresse lässt sich auch lange diskutieren. Its just for the sake of the argument)
Zuletzt geändert von Wudan am 21. Jul 2020, 01:08, insgesamt 1-mal geändert.

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Alienloeffel
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von Alienloeffel »

ZiggyStardust hat geschrieben:
21. Jul 2020, 00:08
ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 20:31
Was ich den (ausländischen) Medien entnehme ist, dass das keine bloßen Vorwürfe mehr sind, sondern dass da einige erwiesene Anschuldigungen bei sind und es auch bereits Rücktritte gab.Nun kann ja jeder für sich einschätzen, was er damit macht. Ich bspw. werde erst einmal keine Ubisoft-Spiele mehr kaufen und ich werde mir auch keine Artikel/Videos usw. darüber anschauen.
Aber bestraft man damit nicht auch die zahlreichen Ubisoft-Mitarbeiter, die sich nichts zu schulden haben kommen lassen? Deren Boni vielleicht von den Verkaufszahlen abhängig sind.

...
Würde man bei der Ansicht nicht eher die normalen Leute als Schild benutzen anstatt darauf zu verweisen, dass auch der etwaige backlash eben die Schuld der Täter und des etwaigen ignorierens/mismanagements der Firma ist? Die werden ja indirekt auch zu geschädigten durch die Firma.
Es sind selten alle an solchen Sachen beteiligt. Das kann man aber doch nicht als Argument nehmen um die Firma, die da in ihren Pflichten als Arbeitgeber versagt hat, in Schutz zu nehmen.

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ingonaut
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von ingonaut »

Wudan hat geschrieben:
21. Jul 2020, 00:44
Es wird nicht passieren dass die Presse flächendeckend aufhört Ubisoft Spiele zu testen. Aber nur um den Gedanken mal in eine andere Richtung weiterzuspinnen: Dann bliebe Ubisoft kaum etwas anderes übrig als sich gänzlich auf Influencer-Marketing über Youtube und Twitch zu verlagern. Nur noch Trailer, nur noch Streamer, gerne mit bezahlten Reviews. Wäre das für Ubi nicht vielleicht sogar noch besser? Wär doch prima, man kann sich die Leute die berichten selber aussuchen, bezahlen, Youtube und Twitch Influencer sind sehr viel offener was Zuwendungen angeht, die Berichterstattung wäre fast ausschliesslich positiv. Neutrale Medien die das Spiel unbeeinflusst bewerten würden wegfallen, nur noch Fanboys werden das Spiel reviewen (zumindest im Vorfeld vor VÖ.). Das ist jetzt in eine andere Richtung gedacht, erscheint mir aber auch nicht besser. (jaja ich weiß, über Unabhängigkeit und Kritikgehalt der Mainstrem Spielepresse lässt sich auch lange diskutieren. Its just for the sake of the argument)
Nun, es sagt ja niemand, dass die Konsequenz sein muss, nicht mehr über Ubisoft-Spiele zu berichten (Oh Gott, hab ich das vorher so gesagt? Das war nicht so exklusiv gemeint, sondern als EINE Möglichkeit, ggf. hab ich mich da im Extrem verrannt). Das ist ein Szenario. Genauso wäre es möglich am Anfang, am Ende, an beiden Enden über die Vorfälle zu berichten. Dann hätte man den Test/Preview in einen Kontext gesetzt. Oder man verzichtet auf eine Wertung, oder man macht nur sehr kurze Tests. Nochmal: Ich habe nicht gefordert, nicht mehr über die Spiele zu berichten, ich wollte wissen (und André hat ja schon geantwortet), ob The Pod Konsequenzen ziehen möchte. Ich habe aber schon geschrieben, dass eine Konsequenz für mich ist, Ubisoft-Spielen erst einmal fern zu bleiben.

Was die Influencer angeht: Ja, das kann genau so passieren. Nur ist es dann umso mehr die Aufgabe der Medien sich davon zu distanzieren und anders zu handeln. Aber die (sehr aufgeregte, gehypte Berichterstattung) bspw. über Valhalla/Legion bei der GS im Rahmen der Forward ist leider nicht viel anders als das, was ich von den Influencern erwarte. Und klaro, gibt es viele, die nur die Influencer konsumieren und sich über das "Mies machen" der Presse beschweren, aber sagt ja keiner, dass der richtige Weg (imho) der einfache ist. - Und das es einen Markt für kritische Spielepresse gibt, zeigt the Pod, Insert Moin, in Abstrichen (weil Retro) auch Stay Forever und auch die Spieleveteranen usw...

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ingonaut
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von ingonaut »

ZiggyStardust hat geschrieben:
21. Jul 2020, 00:08
Aber bestraft man damit nicht auch die zahlreichen Ubisoft-Mitarbeiter, die sich nichts zu schulden haben kommen lassen? Deren Boni vielleicht von den Verkaufszahlen abhängig sind.

Der deutsche Games-Journalismus will seine Leser unterhalten, nicht informieren. Dieses Thema bietet kein Unterhaltungspotential und passt nicht ins Geschäftsmodell der Verlage.
Bestrafen: hatten wir oben schon einmal angesprochen. Sehe ich anders, der Konsument/Berichterstattung hat Einfluss auf Unternehmen und deren Handlungen/Kultur. Alles was den Umsatz beschädigt führt mindestens zu Nachdenklichkeit. Sind ja nicht alle Unternehmen wie Horst Seehofer. ;-)

Games-Journalismus: Das ist mir zu breit gefasst und trifft aus meiner Sicht insb. auf PCGames und GS zu (andere Medien habe ich nicht im Blick), aber The Pod, Insert Moin... sind da schon anders und nicht nur auf Unterhaltung aus. Ich halte den Weg von GS und PCGames für eklatant falsch. Aber dazu gibt es ja schon einen anderen Thread. (aber alter Schwede... wie sich die GS derzeit ganz langsam selbst abschafft...)

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Textsortenlinguistik
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von Textsortenlinguistik »

ingonaut hat geschrieben:
21. Jul 2020, 08:04
ZiggyStardust hat geschrieben:
21. Jul 2020, 00:08
Aber bestraft man damit nicht auch die zahlreichen Ubisoft-Mitarbeiter, die sich nichts zu schulden haben kommen lassen? Deren Boni vielleicht von den Verkaufszahlen abhängig sind.

Der deutsche Games-Journalismus will seine Leser unterhalten, nicht informieren. Dieses Thema bietet kein Unterhaltungspotential und passt nicht ins Geschäftsmodell der Verlage.
Bestrafen: hatten wir oben schon einmal angesprochen. Sehe ich anders, der Konsument/Berichterstattung hat Einfluss auf Unternehmen und deren Handlungen/Kultur. Alles was den Umsatz beschädigt führt mindestens zu Nachdenklichkeit. Sind ja nicht alle Unternehmen wie Horst Seehofer. ;-)
Hat jemals irgendeine Form von "Boykottiert Steam/Epic/Blizzard/Activision/Origin" zu irgendwas geführt?

Auch bei Debatten um den Klimaschutz steht meiner subjektiven Ersteinschätzung nach das Ausmaß der individuellen Selbstgeißelung in keinem Verhältnis zum minimalsten Effekt auf das Gesamtproblem, selbst bei Beteiligung einer beachtlichen Menge an von Werten gesteuerten Individuen.
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HerrReineke
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Re: Großreinemachen bei Ubisoft

Beitrag von HerrReineke »

Ich hab die Threads mal zusammengefügt, da die Diskussion von dem (intendierten) Weltherrschaftsbereich schon eher wieder weggeht und scheinbar auch beantwortet wurde.
Quis leget haec?

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ingonaut
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von ingonaut »

Textsortenlinguistik hat geschrieben:
21. Jul 2020, 08:30
Hat jemals irgendeine Form von "Boykottiert Steam/Epic/Blizzard/Activision/Origin" zu irgendwas geführt?

Auch bei Debatten um den Klimaschutz steht meiner subjektiven Ersteinschätzung nach das Ausmaß der individuellen Selbstgeißelung in keinem Verhältnis zum minimalsten Effekt auf das Gesamtproblem, selbst bei Beteiligung einer beachtlichen Menge an von Werten gesteuerten Individuen.
Ja klar. Natürlich haben Boykott oder auch medialer Druck bei Unternehmen schon zu Änderungen geführt. Die politischen Entscheidungen in einigen Ländern zu Loot Boxen kommen nicht aus der Politik selber raus, da haben sich Lobbygruppen stark gemacht. Dass EA die Lootboxen aus Battlefront 2 abgeändert hat, war eine Reaktion auf den Backlash aus der Community. Dass Ubisoft nach GR-Breakpoint erstmal kurz die Handbremse gezogen hat, hatte etwas mit den schlechten Verkaufszahlen zu tun. Natürlich hat der Käufer eine gewisse Macht und natürlich entfaltet die sich erst, wenn eine signifikanten Menge am gleichen Strang zieht. Aber das passiert. Und: es gibt immer die Wenigen, die anfangen müssen und andere "hinter sich" versammeln müssen.

Nochmal: Ich fordere keinen Boykott. Es ist natürlich ein Weg, aber nur auf einer Skala die keine Grautöne kennt.

Zum Thema Klimaschutz: Das ginge mir jetzt zu sehr Off-Topic und anhand deines kurzen Anreißers sehe ich, dass wir da doch SEHR weit auseinander wären und die Diskussion eher in einem anderen Teil des Forums geführt werden müsste.

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Andre Peschke
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von Andre Peschke »

ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 23:46
Da stimme ich dir teilweise zu. Zunächst denke ich, dass die Unternehmenskommunikation den Job des Informierens da bereitwillig übernehmen wird.
Man wird sehen. Wenn genug Zeit verstrichen ist, dass man gerechtfertigt davon ausgehen kann, dass Veränderungen beschlossen und umgesetzt wurden, werde ich bei Ubisoft auf jeden Fall nachfragen. Was aber IMO passieren kann ist, dass die PR sich denkt: "Lieber nicht dieses Thema wieder starten" und es dann keine näheren Aussagen dazu gibt. Auch deswegen, weil das Thema so heikel ist. Interviews zB wird die PR in solchen Fällen fast immer unterbinden oder ganz stark kontrollieren, weil selbst geschulte Mitarbeiter sehr leicht einen missverständlichen Nebensatz sagen können. Man bringt irgendwann eine Pressemeldung und wenn dann Anfragen reinkommen, wird darauf verwiesen. Du kannst rechtbehalten - aber ich wäre nicht 100% sicher, dass man sich da öffnet (auch wenn das eigentlich der korrekte Weg wäre und selbst dann, wenn tatsächlich Änderungen vorgenommen wurden).
ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 23:46
Da würde es sicherlich Pressemeldungen geben, wenn entsprechend Gremien eingeführt würden, Leitsätze für die Unternehmenskultur aufgestellt oder geändert würden usw. usf.
Ja, irgendeine gesteuerte Verlautbarung, auf die dann auch immer wieder bei Anfragen verwiesen wird, wäre auch meine Erwartung (s.o.). Das kann man auch journalistisch aufgreifen. Aber mir ging es ja darum zu sagen: Wenn ich Forderungen aufstellen würde, müsste ich ja deren Erfüllung irgendwie kontrollieren. Und da gibt es IMO keinen guten Weg. Auch deswegen glaube ich, dass das nicht sinnvoll ist. Das wäre IMO Schaumschlägerei, wenn ich sowas mache.
ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 23:46
Ich hoffe, dass die Rücktritte bei Ubisoft weitreichende Veränderungen der Unternehemenskultur mit sich bringen.
Ich auch. Ich bin auch sehr gespannt, was sie tatsächlich verändern. Wenn Oliver Staude-Müller im Podcast über Firmenkultur recht hatte und der Fisch immer vom Kopfe her stinkt, müsste man ja eigentlich auch fragen: Was ist mit Yves Guillemot? Die Frage wird aber schonmal nicht gestellt, wie mir scheint.

ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 23:46
Mir fehlt dabei, dass die Redaktionen die Berichterstattung über die Produkte des Publishers in den entsprechenden Kontext setzen.
Klar, man darf das nicht einfach ignorieren. Man sollte nur auch den großen Redaktionen ein wenig Zeit geben besonnen über das Thema zu berichten. Wenn dann trotzdem nix kommt, obwohl man gerade dort die Ressourcen hätte jemanden länger dafür abzustellen, kann man berechtigte Kritik üben.

Andre

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kami
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Registriert: 8. Feb 2018, 21:28

Re: Großreinemachen bei Ubisoft

Beitrag von kami »

Ja klar. Natürlich haben Boykott oder auch medialer Druck bei Unternehmen schon zu Änderungen geführt. Die politischen Entscheidungen in einigen Ländern zu Loot Boxen kommen nicht aus der Politik selber raus, da haben sich Lobbygruppen stark gemacht. Dass EA die Lootboxen aus Battlefront 2 abgeändert hat, war eine Reaktion auf den Backlash aus der Community. Dass Ubisoft nach GR-Breakpoint erstmal kurz die Handbremse gezogen hat, hatte etwas mit den schlechten Verkaufszahlen zu tun. Natürlich hat der Käufer eine gewisse Macht und natürlich entfaltet die sich erst, wenn eine signifikanten Menge am gleichen Strang zieht. Aber das passiert. Und: es gibt immer die Wenigen, die anfangen müssen und andere "hinter sich" versammeln müssen.
Bei Lootboxen und vergleichbaren Sachen waren halt die Spiele selbst betroffen, weswegen sich da deutlich mehr Spieler empörten und Druck ausübten. Gleiches kann man nicht erwarten, wenn es um die Entwicklung von Spielen geht. Den meisten Leuten ist es egal, wie die Wurst entsteht, insofern ist es natürlich auch verständlich und nicht per se kritikwürdig, wenn über die Wurst deutlich mehr geschrieben wird als über ihre Entstehung. Ein Spiel wird ja nicht schlechter, bloß weil Mitarbeiter bei der Entwicklung schikaniert wurden. Außerdem, wo fängt man an mit dem Protest, wo hört man auf? Denn wie wir alle wissen: There's no ethical consumption under capitalism.

Mutantenjupp
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Re: Großreinemachen bei Ubisoft

Beitrag von Mutantenjupp »

kami hat geschrieben:
21. Jul 2020, 10:02
Bei Lootboxen und vergleichbaren Sachen waren halt die Spiele selbst betroffen, weswegen sich da deutlich mehr Spieler empörten und Druck ausübten. Gleiches kann man nicht erwarten, wenn es um die Entwicklung von Spielen geht. Den meisten Leuten ist es egal, wie die Wurst entsteht, insofern ist es natürlich auch verständlich und nicht per se kritikwürdig, wenn über die Wurst deutlich mehr geschrieben wird als über ihre Entstehung. Ein Spiel wird ja nicht schlechter, bloß weil Mitarbeiter bei der Entwicklung schikaniert wurden. Außerdem, wo fängt man an mit dem Protest, wo hört man auf? Denn wie wir alle wissen: There's no ethical consumption under capitalism.
Treffend beschrieben.
Bei Medienprodukten, die man nicht "verspeist" muss man sich zudem noch fragen, wie sieht das mit bereits konsumierten/getesteten Sachen aus? Muss man unter die alten Tests von Ubisoft-Spielen ein Update mit einem Hinweis hinzufügen?

Wie sieht das mit Sachen aus, die man früher (als Tester und Konsument) so akzeptiert hat aber heute anders sieht? Muss man die alten Tests evtl. komplett offline nehmen, weil man heute diese Meinung nicht mehr vertreten kann? Z.B. die sexistische Darstellung von Frauen (da wurde z.B. bei der Gamestar drüber diskutiert, als es um das Gothic 1 Remake ging, dass man das in der heutigen Form nicht mehr machen könne aber den alten Test kann man immer noch aufrufen und da steht darüber genau gar nichts).

Trugschluss
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von Trugschluss »

ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 21:52
Ich verstehe aber nicht, wie du als Person/Unternehmen/Journalist bei deiner Einstellung (so ich sie verstanden habe) Druck auf Unternehmen/deine Lieferanten usw. ausüben willst, wenn nicht durch dein handeln.
Würde mich doch etwas enttäuscht zurücklassen, wenn sich The Pod da jetzt als Instrument und Druckmittel in solchen Dingen missbrauchen lassen würde. Meiner Ansicht nach würde dies nicht zu einem unabhängigen journalistischen Angebot passen, hätte nur einen minimalen Druckeffekt und wäre im besten Fall nichts weiter als die verbrauchte Phrase "Virtue Signaling".

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Alienloeffel
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von Alienloeffel »

Trugschluss hat geschrieben:
21. Jul 2020, 11:18
ingonaut hat geschrieben:
20. Jul 2020, 21:52
Ich verstehe aber nicht, wie du als Person/Unternehmen/Journalist bei deiner Einstellung (so ich sie verstanden habe) Druck auf Unternehmen/deine Lieferanten usw. ausüben willst, wenn nicht durch dein handeln.
Würde mich doch etwas enttäuscht zurücklassen, wenn sich The Pod da jetzt als Instrument und Druckmittel in solchen Dingen missbrauchen lassen würde. Meiner Ansicht nach würde dies nicht zu einem unabhängigen journalistischen Angebot passen, hätte nur einen minimalen Druckeffekt und wäre im besten Fall nichts weiter als die verbrauchte Phrase "Virtue Signaling".

Wenn man das als Ausdruck seiner eigenen Haltung macht wäre das doch auch ein Ausdruck von unabhänigem agieren? Wo würde man sich da missbrauchen lassen?
Bei sowas geht es ja weniger um den tatsächlichen Druckeffekt, das macht es aber ja nicht unnütz.

Trugschluss
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Re: Missbrauchsfälle bei UbiSoft - The Jimquisition

Beitrag von Trugschluss »

Alienloeffel hat geschrieben:
21. Jul 2020, 11:36
Wenn man das als Ausdruck seiner eigenen Haltung macht wäre das doch auch ein Ausdruck von unabhänigem agieren? Wo würde man sich da missbrauchen lassen?
Jetzt, mit dieser Diskussion und auch Andres bisheriger Antwort, empfinde ich es nicht mehr als unabhängig. Jetzt würde man sich von der "Aktivistenseite" (mir fällt gerade kein besseres Wort ein) vor den Karren spannen lassen, wenn hier Druck auf The Pod für einen solchen Ubisoft-Boykott aufgebaut werden sollte.

Oder es muss jetzt ein Monster-Argument kommen, weshalb es doch richtig wäre. Ich kenne keins, lass mich aber gerne überraschen.
Alienloeffel hat geschrieben:
21. Jul 2020, 11:36
Bei sowas geht es ja weniger um den tatsächlichen Druckeffekt, das macht es aber ja nicht unnütz.
Das habe ich ja schon geschrieben, das wäre das typische Virtue Signaling. Man geht mit seiner Haltung posieren ohne jeglichen Effekt außer eventuell ein paar Schulterklopfern. Empfinde ich etwas unnötig und wenig zielführend.

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Ines
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Re: Großreinemachen bei Ubisoft

Beitrag von Ines »

Meine Erfahrung mit (großen) Organisationen ist, dass es so gut wie immer und überall sexualisierte Gewalt gibt. Wenn nicht, ist das eher Zufall. Deshalb würde ich den vergleichsweise offenen Umgang, den es bei Ubisoft jetzt zu geben scheint, eher belohnen und nicht die, die hinter verschlossenen Türen sagen, dass sie nochmal Glück gehabt haben.
"Se faire objet, se faire passive, c'est tout autre chose q'être un objet passif" (S. de Beauvoir)

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