Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

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Pinoccio134
Beiträge: 29
Registriert: 1. Apr 2020, 00:22

Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Pinoccio134 »

Hallo Wolfgang,

man kann sich nur in Ehrfurcht verneigen. Die Kolumne ist wahnsinnig gut und trifft es auf den Punkt.
Ich wollte eigentlich nebenbei Sport machen, aber ich saß wie erstarrt da und hing an jedem Wort.

Man fragt sich ernsthaft, wie sich eine solche Struktur so lange halten kann in einem Unternehmen, dass die ganze Spielerschaft kennt und auf es blickt. Unbegreiflich... Man würde sich natürlich andere Themen wünschen, über die man sprechen kann, aber das ist wohl die Welt in der wir zur Zeit leben. :(
Ich hoffe inständig dass Ubisoft ein Einzelfall ist, aber bin nicht mehr naiv genug daran heutzutage zu glauben und befürchte ebenfalls, dass es nur der Anfang ist.

Wäre es möglich die Berichte und Artikel, die deine Quellen bilden nochmal zu verlinken, um es sich in Ruhe durchzulesen?

Beste Grüße
Jan

PS: War es beabsichtigt, dass es schon Montag Nachmittag im Free-for-all-Feed erscheint? ;)

BlackSun84
Beiträge: 359
Registriert: 10. Feb 2016, 17:42

Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von BlackSun84 »

Ich würde sagen, dass solche Strukturen in verdammt vielen Unternehmen existieren, egal, ob klein oder groß. Das wird man nicht verhindern können, außer, man stellt den Großteil aller Männer an die Wand *Schulter zuck*. Interessant ist da noch eher, wie viele Frauen dies durch aktives Wegschauen noch unterstützen.

meieiro
Beiträge: 364
Registriert: 12. Jan 2018, 07:48
Wohnort: Niederbayern

Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von meieiro »

BlackSun84 hat geschrieben:
28. Jul 2020, 09:28
Ich würde sagen, dass solche Strukturen in verdammt vielen Unternehmen existieren, egal, ob klein oder groß. Das wird man nicht verhindern können, außer, man stellt den Großteil aller Männer an die Wand *Schulter zuck*. Interessant ist da noch eher, wie viele Frauen dies durch aktives Wegschauen noch unterstützen.
Aber das sind wir dann ja wieder beim von Wolfgang angesprochenen "boys will be boys". Wenn es in vielen Unternehmen so läuft, dann muss man überlegen, wie man das ändern kann.

Und bei den Frauen(und auch Männer) die Wegschauen, stellt sich dann die Frage: Schauen die weg, weil es ihnen egal ist, oder schauen die weg, weil sie Angst haben, dass sie ihren Job verlieren/die Beförderung nicht bekommen, wenn sie was sagen.
Wenn man die Personalchefin nimmt, dann hat die da schon mehr gemacht, als Wegschauen. Die hat ja die fraglichen Männer geschützt, weil sie zu wichtige Positionen sind.

lolaldanee
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von lolaldanee »

Habe den Podcast noch nicht gehört, aber irgendwas sagt mir, Wolfgang wird etwas von authoritärem Gamedesign erzählen, und Division wird mindestens einemal als Negativbeispiel erwähnt werden :P

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Gonas
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Gonas »

lolaldanee hat geschrieben:
28. Jul 2020, 11:23
Division wird mindestens einemal als Negativbeispiel erwähnt werden :P
Zumindest mit letzterem hast du recht, allerdings hat er damit auch Recht. Bei allem was ich über das Setting gesehen habe erscheint mir das ziemlich fürchterlich und fragwürdig.

Cades
Beiträge: 1
Registriert: 5. Apr 2018, 12:12

Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Cades »

meieiro hat geschrieben:
28. Jul 2020, 10:22
Wenn man die Personalchefin nimmt, dann hat die da schon mehr gemacht, als Wegschauen. Die hat ja die fraglichen Männer geschützt, weil sie zu wichtige Positionen sind.
Ich denke es gibt eine Vielzahl von Gründen warum Frauen, anderen Frauen gegenüber, unsolidarisch sind.
Auch Frauen sind schließlich in einer Sexistischen Gesellschaft aufgewachsen und haben diese Muster verinnerlicht.

Wolfgang Walk
Beiträge: 328
Registriert: 8. Aug 2016, 20:11

Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Wolfgang Walk »

"Wäre es möglich die Berichte und Artikel, die deine Quellen bilden nochmal zu verlinken, um es sich in Ruhe durchzulesen?"

Die stehen unter der Textfassung unten drunter.

Bzgl. autoritärem Game Design und The Division: Nein, das Game Design ist nicht autoritär. Nicht mal das. Es ist durch eine ethische Scheißegalhaltung geprägt, und wenn man darüber bei Ubisoft redet, kommt man an The Division logischerweise nicht vorbei.

Wolfgang Walk
Beiträge: 328
Registriert: 8. Aug 2016, 20:11

Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Wolfgang Walk »

BlackSun84 hat geschrieben:
28. Jul 2020, 09:28
Ich würde sagen, dass solche Strukturen in verdammt vielen Unternehmen existieren, egal, ob klein oder groß. Das wird man nicht verhindern können, außer, man stellt den Großteil aller Männer an die Wand *Schulter zuck*. Interessant ist da noch eher, wie viele Frauen dies durch aktives Wegschauen noch unterstützen.
Doch, man kann es verhindern. Das muss man allerdings wollen. Und dann die notwendigen Strukturen einziehen. Die Kolumne geht darauf ja ein.

lovecraftFTW
Beiträge: 34
Registriert: 26. Jun 2017, 20:23

Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von lovecraftFTW »

vielleicht die mutigste Kolumne von Wolfgang. Ubisoft-Spiele werden schließlich von sehr vielen Leuten gespielt und das dann direkt am Game Design festzumachen, stößt vielen bestimmt übel auf. Meiner Meinung ist das aber genau richtig. Bei der Ubi-Formel wird einem eine "Freiheit" vorgegaukelt, bei der man im Grunde aber "unfrei" ist. Man kann alles machen aber gleichzeitig nichts. Die Spiele versuchen etwas all umspannendes zu erschaffen, was man nicht kritisieren kann, da es ja nur eine Plattform für den Spieler darstellt, auf der er sich dann austoben kann. Der Designer gibt, wie Wolfgang schon gesagt hat, seine Verantwortung als Game Designer ab. Das trifft auch auf das Setting und die Grafik zu. Alle diese Spiele haben eine realistische Grafik, wenn man etwas eigenes kreieren würde, gäbe es ja einen Grund für Kritik. Auch wählt man bei Ubi stets ein realistisches oder historisches Setting, genau aus dem selben Grund. Nur ist das "Realistische" nur auf der Oberfläche und hat mit der eigentlichen Realität wenig bis gar nichts zu tun.

bei einem Punkt würde ich dann aber doch widersprechen wollen. Wolfgang sagt, dass alles den kreativen Köpfen untergeordnet wurde und diese gegebene Freiheit die Ursache ist. Diese kreative Positionen waren aber was das "Game Design" betrifft komplett unfrei. Sie mussten sich der "Ubi-Formel" und der Firmenphilosophie in Sachen "Poltik" etc.beugen. Es wird nicht alles der Freiheit untergeordnet, sondern dem Kapital. Und dies kann man langfristig am besten mit einer Formel erreichen, der man alles unterordnet. Auch der Arbeitskultur und den Arbeitsbedingungen.
Etwas "Unfreieres" gibt es doch nicht?!.

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SebastianStange
Administrator
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von SebastianStange »

Pinoccio134 hat geschrieben:
27. Jul 2020, 23:55
[...]

Wäre es möglich die Berichte und Artikel, die deine Quellen bilden nochmal zu verlinken, um es sich in Ruhe durchzulesen?

Beste Grüße
Jan

PS: War es beabsichtigt, dass es schon Montag Nachmittag im Free-for-all-Feed erscheint? ;)
Quellen sind im Beitrag verlinkt! => https://www.gamespodcast.de/2020/07/28/designphilosophie-arbeitsplatzkultur-scheissegalhaltung/ da ganz unten!

Und was? Im Gratis-Feed?! Huch... das sollte aber nicht passiert sein sollen. Moooooment ...

*edit* Ah, da hat eine Schnittstelle zwischen Auphonic und Soundcloud Mist gebaut. Ich schiebe es auf die API! Ha! Außerdem ist das nun behoben. Alle, die die Folge noch gratis bekommen haben: Glückwunsch zum Bonus-Schnupperinhalt!

Wolfgang Walk
Beiträge: 328
Registriert: 8. Aug 2016, 20:11

Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Wolfgang Walk »

lovecraftFTW hat geschrieben:
28. Jul 2020, 15:13
bei einem Punkt würde ich dann aber doch widersprechen wollen. Wolfgang sagt, dass alles den kreativen Köpfen untergeordnet wurde und diese gegebene Freiheit die Ursache ist. Diese kreative Positionen waren aber was das "Game Design" betrifft komplett unfrei. Sie mussten sich der "Ubi-Formel" und der Firmenphilosophie in Sachen "Poltik" etc.beugen. Es wird nicht alles der Freiheit untergeordnet, sondern dem Kapital. Und dies kann man langfristig am besten mit einer Formel erreichen, der man alles unterordnet. Auch der Arbeitskultur und den Arbeitsbedingungen.
Etwas "Unfreieres" gibt es doch nicht?!.
Da hättest Du vollkommen recht, wenn nicht meinen Informationen nach diese Ubisoft-Formel von demselben Kreativchef erschaffen wurde, unter dessen Schutzmantel sich dann das Kreativdepartment zum Raubtierkäfig entwickelte. Der Mann war seit 1988 im Unternehmen und hat Anfang des Jahrtausends diese Formel erschaffen, wie man den begleitenden Links entnehmen kann. Sprich: die kreativen Köpfe der einzelnen Entwicklungsstudios mussten sich dieser Formel unterwerfen. Aber die toxische Kultur ging entscheidend von denen aus, die dann im HQ in Paris über die Designs der Studios entschieden.

Immer natürlich unter der Voraussetzung, dass die Quellen sauber sind.

lovecraftFTW
Beiträge: 34
Registriert: 26. Jun 2017, 20:23

Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von lovecraftFTW »

Wolfgang Walk hat geschrieben:
28. Jul 2020, 15:37
lovecraftFTW hat geschrieben:
28. Jul 2020, 15:13
bei einem Punkt würde ich dann aber doch widersprechen wollen. Wolfgang sagt, dass alles den kreativen Köpfen untergeordnet wurde und diese gegebene Freiheit die Ursache ist. Diese kreative Positionen waren aber was das "Game Design" betrifft komplett unfrei. Sie mussten sich der "Ubi-Formel" und der Firmenphilosophie in Sachen "Poltik" etc.beugen. Es wird nicht alles der Freiheit untergeordnet, sondern dem Kapital. Und dies kann man langfristig am besten mit einer Formel erreichen, der man alles unterordnet. Auch der Arbeitskultur und den Arbeitsbedingungen.
Etwas "Unfreieres" gibt es doch nicht?!.
Da hättest Du vollkommen recht, wenn nicht meinen Informationen nach diese Ubisoft-Formel von demselben Kreativchef erschaffen wurde, unter dessen Schutzmantel sich dann das Kreativdepartment zum Raubtierkäfig entwickelte. Der Mann war seit 1988 im Unternehmen und hat Anfang des Jahrtausends diese Formel erschaffen, wie man den begleitenden Links entnehmen kann. Sprich: die kreativen Köpfe der einzelnen Entwicklungsstudios mussten sich dieser Formel unterwerfen. Aber die toxische Kultur ging entscheidend von denen aus, die dann im HQ in Paris über die Designs der Studios entschieden.

Immer natürlich unter der Voraussetzung, dass die Quellen sauber sind.
ich verstehe was du meinst. tue mich aber generell schwer so etwas dann unter dem Begriff der "Kreativität" einzuordnen. Eine Formel wird ja eigentlich fast immer aus einem wirtschaftlichen Interesse/Zwang entwickelt und nicht aus einem kreativen Gedanken heraus.

rammmses
Beiträge: 166
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von rammmses »

Tolle Kolumne, immer wieder beeindruckend, wie Wolfgang die Querverweise bis hin zu den ganz großen gesellschaftlichen Themen gelingt. Was Ubisoft angeht, man darf immer nicht vergessen, wie diese Branche entstanden ist, hauptsächlich aus jungen Männer heraus, und sich erst vergleichsweise spät professionalisiert hat. Dass die mal in einem Stripclub "geschäftlich" gehen, das kann passieren und ist ja nun nichts Neues. Alteingesessene Strukturen und Personen, ich vermute in vielen Großkonzernen sieht es ähnlich aus. Was mich vor allem stört und in der Kolumne gar nicht behandelt wurde, ist das Thema "Internetpranger", bei der auch ganze Karrieren beendet werden, weil irgendjemand irgendwas gehört oder behauptet hat. Immerhin wurden hier im Sinne der Unschuldsvermutung keine Namen genannt, aber grundsätzlich muss man doch in Dialog mit den Leuten treten und nicht möglicherweise sehr gute Mitarbeiter entlassen, weil sie nicht mehr politisch zum propagierten Weltbild der Firma passen, und dann noch basierend auf Unterstellungen. Dieses "Aussortieren" finde ich sehr bedenklich.

Was den Punkt angeht, dass man das ja in den Spielen sieht, naja, da ist Wolfgang sehr selektiv. Klar, auf The Division kann man gut draufhauen, obgleich es im nicht von Ubisoft erdachten Tom-Clancy-Universum spielt und die Gegner durchweg klar als (völlig überzeichnete) Terroristen zeigt, die Zivilisten töten und foltern. Und die pseudo-militäre Division, zu der man zählt, kommt ja nun nicht gut weg, im Laufe der Story stellt sich das sogar als sehr blöde Idee heraus, da es immer mehr abtrünnige Agenten gibt, die ihre Vollmachten ausnutzen. Also so einfach ist das alles gar nicht. Und bei den sehr auf modernem "diversen" Weltbild basierenden Spielen der Assassins Creed Reihe sieht man doch sogar das Gegenteil eines reaktionären Weltbildes.

Pinoccio134
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Pinoccio134 »

Vielen Dank für den Hinweis zu den Quellen...

(Ich vergesse immer, dass es die Kolumne auch in Textform gibt. Macht ja auch Sinn sie da zu vermuten. :D )

Wolfgang Walk
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Wolfgang Walk »

lovecraftFTW hat geschrieben:
28. Jul 2020, 15:49
Wolfgang Walk hat geschrieben:
28. Jul 2020, 15:37
lovecraftFTW hat geschrieben:
28. Jul 2020, 15:13
bei einem Punkt würde ich dann aber doch widersprechen wollen. Wolfgang sagt, dass alles den kreativen Köpfen untergeordnet wurde und diese gegebene Freiheit die Ursache ist. Diese kreative Positionen waren aber was das "Game Design" betrifft komplett unfrei. Sie mussten sich der "Ubi-Formel" und der Firmenphilosophie in Sachen "Poltik" etc.beugen. Es wird nicht alles der Freiheit untergeordnet, sondern dem Kapital. Und dies kann man langfristig am besten mit einer Formel erreichen, der man alles unterordnet. Auch der Arbeitskultur und den Arbeitsbedingungen.
Etwas "Unfreieres" gibt es doch nicht?!.
Da hättest Du vollkommen recht, wenn nicht meinen Informationen nach diese Ubisoft-Formel von demselben Kreativchef erschaffen wurde, unter dessen Schutzmantel sich dann das Kreativdepartment zum Raubtierkäfig entwickelte. Der Mann war seit 1988 im Unternehmen und hat Anfang des Jahrtausends diese Formel erschaffen, wie man den begleitenden Links entnehmen kann. Sprich: die kreativen Köpfe der einzelnen Entwicklungsstudios mussten sich dieser Formel unterwerfen. Aber die toxische Kultur ging entscheidend von denen aus, die dann im HQ in Paris über die Designs der Studios entschieden.

Immer natürlich unter der Voraussetzung, dass die Quellen sauber sind.
ich verstehe was du meinst. tue mich aber generell schwer so etwas dann unter dem Begriff der "Kreativität" einzuordnen. Eine Formel wird ja eigentlich fast immer aus einem wirtschaftlichen Interesse/Zwang entwickelt und nicht aus einem kreativen Gedanken heraus.
Ich glaube nicht, dass sich kreative Freiheit und wirtschaftlicher Erfolg ausschließen. Die Beatles haben eigentlich gemacht, was sie wollten. Manche Leute haben halt massentaugliche kreative Ideen.

lovecraftFTW
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von lovecraftFTW »

Wolfgang Walk hat geschrieben:
28. Jul 2020, 16:05
lovecraftFTW hat geschrieben:
28. Jul 2020, 15:49
Wolfgang Walk hat geschrieben:
28. Jul 2020, 15:37


Da hättest Du vollkommen recht, wenn nicht meinen Informationen nach diese Ubisoft-Formel von demselben Kreativchef erschaffen wurde, unter dessen Schutzmantel sich dann das Kreativdepartment zum Raubtierkäfig entwickelte. Der Mann war seit 1988 im Unternehmen und hat Anfang des Jahrtausends diese Formel erschaffen, wie man den begleitenden Links entnehmen kann. Sprich: die kreativen Köpfe der einzelnen Entwicklungsstudios mussten sich dieser Formel unterwerfen. Aber die toxische Kultur ging entscheidend von denen aus, die dann im HQ in Paris über die Designs der Studios entschieden.

Immer natürlich unter der Voraussetzung, dass die Quellen sauber sind.
ich verstehe was du meinst. tue mich aber generell schwer so etwas dann unter dem Begriff der "Kreativität" einzuordnen. Eine Formel wird ja eigentlich fast immer aus einem wirtschaftlichen Interesse/Zwang entwickelt und nicht aus einem kreativen Gedanken heraus.
Ich glaube nicht, dass sich kreative Freiheit und wirtschaftlicher Erfolg ausschließen. Die Beatles haben eigentlich gemacht, was sie wollten. Manche Leute haben halt massentaugliche kreative Ideen.
ich glaube nicht, dass die Beatles sich zusammengesetzt haben und eine "Formel" entwickelt haben. für mich ist die Ubi-Formel der kleinste gemeinsame Nenner. klar, das kann man als kreativ bezeichnen. Dann sind es aber RTL oder die Bild-Zeitung auch.
Zuletzt geändert von lovecraftFTW am 28. Jul 2020, 16:17, insgesamt 1-mal geändert.

Wolfgang Walk
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Wolfgang Walk »

lovecraftFTW hat geschrieben:
28. Jul 2020, 16:14
ich glaube nicht, dass die Beatles sich zusammengesetzt haben und eine "Formel" entwickelt haben.
Okay. Den gebe ich Dir. Aber das zeigt noch nicht, dass das Entwickeln einer Formel nicht auch eine kreative Leistung sein kann. :-)

Pinoccio134
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Pinoccio134 »

lovecraftFTW hat geschrieben:
28. Jul 2020, 16:14

ich glaube nicht, dass die Beatles sich zusammengesetzt haben und eine "Formel" entwickelt haben.
Genauso wenig wird es bei Ubi gewesen sein...

Man musiziert / entwickelt und mehr oder weniger unbewusst formt sich mit der Zeit ein Stil bzw. Schema. Nach diesem richten sich die Beatles / Ubisoft dann mehr oder weniger, in Zukunft weil es sich als erfolgreich und gewinnbringend gezeigt hat.

lovecraftFTW
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von lovecraftFTW »

Pinoccio134 hat geschrieben:
28. Jul 2020, 16:24
lovecraftFTW hat geschrieben:
28. Jul 2020, 16:14

ich glaube nicht, dass die Beatles sich zusammengesetzt haben und eine "Formel" entwickelt haben.
Genauso wenig wird es bei Ubi gewesen sein...

Man musiziert / entwickelt und mehr oder weniger unbewusst formt sich mit der Zeit ein Stil bzw. Schema. Nach diesem richten sich die Beatles / Ubisoft dann mehr oder weniger, in Zukunft weil es sich als erfolgreich und gewinnbringend gezeigt hat.
ich denke doch. oder zumindest ist das der "natürlichste" Weg wenn man alles dem Kapital unterordnet. Etwas ähnliches, sieht man ja auch beim Film mit Marvel Filmen etc. Es ist nicht nur die Franchise-Denke, sondern betrifft die Form des Werkes. Wenn man den Konsumenten an ein Muster gewöhnt, wird dieser höchstwahrscheinlich wiederkehren. Und gerade weil heutzutage alles Data-driven ist (wie lange spielt der Spieler, wie verhält er sich etc), ist das alles ausrechenbar und man kann diese Formel weiter optimieren.
Ich wundere mich immer wieder, wenn gesagt wird, es wurde schon immer alles dem Kapital untergeordnet. früher gab es zwar auch Reibungen zwischen den "Kreativen" und den Geldgebern, aber wenigstens gab es diese noch. Der kreative Lead von einem Ubisoft-Spiel hat die Firmen-Philosophie hingegen doch schon längst internalisiert und weiß ganz genau wo seine Grenzen liegen. Ein Medium dient auch nicht dem Selbstzweck Menschen zu ernähren, ganz im Gegenteil. Selbst jemand wie Walt Disney, den man sicherlich kritisch sehen kann, hat mal gesagt, dass die Filme nicht dafür da sind um Geld einzuspielen. Sondern das eingespielte Geld dafür da ist weitere Filme zu produzieren.
Ich persönlich glaube, dass das Medium "Video Game" keine rosige Zukunft hat, wenn alles nur noch auf Formeln basiert.

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Ironic Maiden
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Re: Wortreich: Designphilosophie, Arbeitsplatzkultur & Scheißegalhaltung

Beitrag von Ironic Maiden »

Vielen Dank für diese Kolumne, ich fand es sehr angenehm, so deutliche Worte zu diesem Thema zu hören. Ich gestehe, dass ich mit vielen Ubisoftspielen, z.B. auch FarCry 5, sehr viel Spaß hatte - auch, wenn ich aus den in der Kolumne genannten Gründen keine Sektenzombies mit dem Mähdrescher überfahren habe, das war jenseits meiner Geschmacksgrenze - aber ich finde die Argumentation durchaus überzeugend.
Ich finde es wirklich schockierend, wieviel Freiheit, sich zutiefst unprofessionell zu verhalten, hier einigen Menschen zugebilligt wurde. Ein Grund dafür mag das Klischee sein, dass besonders kreative Menschen halt kompliziert sind und teilweise Narrenfreiheit genießen. Man denke z.B. an Stanley Kubrik und Klaus Kinski und ihre berühmten Ausraster, und ich könnte mir vorstellen, dass viele von diesen Typen ihr Arschlochverhalten als Unangepasstheit rationalisieren. Dass diese dann aber die formelhaftesten Spiele produzieren zeigt, wieviel Heuchelei dabei ist.

Und angesichts einiger Kommentare hier: Es ist nicht nur die Aufgabe von Frauen, solche Vorgänge aufzudecken und sich schützend vor die Opfer zu stellen. Es ist die Aufgabe von allen, die keine Arschlöcher sein wollen. Und je mehr Macht und Einfluss man in einem Unternehmen hat, umso mehr Verantwortung hat man auch, sowas zu unterbinden.

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