Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

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Smartie
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Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Smartie »

Interessante Folge, Dimitry darf gerne wiederkommen!
Fand das Thema auch deshalb sehr spannend, weil zumindest einige der genannten Aspekte auch bei Rezensionen im Bereich der
Geschichtswissenschaft eine Rolle spielen:
Folgende Punkte fallen mir spontan ein:
• Zeit, um Rezension zu schreiben: Wirkt sich massiv auf Qualität aus, insbesondere bei umfangreicheren Werken
• Umfang der Rezension: Wie umfangreich darf die Rezension ausfallen, v.a. bei online-Rezensionen wichtig!
• Expertise des Rezensenten über Thema
• Subjektive Meinung über das rezensierte Werk

Neben diesen Faktoren spielen noch andere Faktoren eine Rolle, die selbstverständlich immer abgestritten werden würden:
• Pers. Verbindung des Autors zum Rezensent:
- Gerade im angloamerikanischen Raum ist es üblich, dass man Freunde um Rezensionen bittet bzw. um 1-Liner wie "superb work", die dann auf Cover / Rückseite gedrückt werden (bzw. Freunde fragen Freunde, ob sie eine Rezension übernehmen würden;)
- Rezensionen werden leider auch genutzt, um Rivalen im Wissenschaftsbereich abzuwerten, Wertungen lösen sich dann oftmals gänzlich von der Qualität des rezensierten Werkes
• Netzwerk des Rezensenten / des rezensierten Autors:
Wenn der Rezensent ein negatives Urteil über eine Diss./Habil. etc. fällt, die ein einflussreicher Professor betreut hat, muss er gegebenenfalls mit "Backlash" rechnen, was bei der geringen Anzahl von zu vergebenden Projektstellen durchaus ernstere Folgen haben kann
• Kritiker genießen ihre Macht: Ein Blick auf MRR und andere reicht, um zu wissen, dass sich prominente Kritiker ihres Einflusses sehr wohl bewusst sind und Autoren das gerne spüren lassen

Ich gebe das auch deshalb so ausführlich wider, weil dem Spielejournalismus oftmals fehlende "Objektivität" vorgeworfen wird. Weitet man aber den Blick auf "Kritik" im Allgemeinen wird schnell klar, dass es eine "vollsändige Objektivität" nie geben kann- deshalb finde ich es auch viel besser verschiedene Perspektiven zu einem Spiel zu bündeln. Im Fall der Gamestar ist deshalb der "Fazitteil" so wichtig; es wäre überlegenswert, ob nicht jeder Autor eine eigene Wertung abgeben sollte (ich brauche die Zahl nicht, aber viele Leser würden es schätzen).
Damit kann man Situationen wie die beim "Dragon Age 3"-test verhindern:
https://www.gamestar.de/artikel/dragon- ... fazit.html

Andres Fazit fällt deutlich kritischer aus als das der beiden anderen Prüfer und trotzdem wird am Ende eine "85" draufgeklebt.
Würde mich sehr interesssieren, Andre, wie du den Test damals erlebt hast;)

Noch ein Wunsch zum Schluss:
Als passionierter Strategiefan (@Gamestar: Was denn das für eine Top100;)Company of Heroes unter ferner liefen?) nervt es mich tierisch, wenn der MP bei RTS-Spielen nicht getestet wird. Ok, es gab schon lange keine Triple A-Titel mehr, bei denen man das hätte machen können, aber auch bei CoH2 oder DoW3 gab es KEINE eigenen MP-Tests, obwohl gerade das für die Coreamer das "A und O" darstellt. Wenn das 99te "Call of Duty" eine eigene Wertung für Singleplayer und Multiplayer bekommt, sollte das bei den seltenen RTS-Perlen auch gemacht werden!
Für AoE4 und CoH3 wisst ihr also, was zu tun ist :D

Maniac11
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Maniac11 »

Wow, Dom Schott! Er hat ja mal sowas von diese Folge gestealt, respekt.

Grandiose Ergänzung zum Team (wollte ich schon lange mal sagen. Seine Sicht auf Spiele und Themen rund um Videospiele ist stets sehr inspirierend für mich) Diese Folge ist sein (bisheriges) Magnum Opus. Kann alles unterschreiben was er sagt.

Eine dieser Folgen wo ich traurig war, dass nicht noch nen halbes Stündchen drangehangen wurde.

Echt coole Folge und Sonderlob an Dom!

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Andre Peschke
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Re: Runde282- Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Andre Peschke »

Smartie hat geschrieben:
30. Aug 2020, 10:42
Im Fall der Gamestar ist deshalb der "Fazitteil" so wichtig; es wäre überlegenswert, ob nicht jeder Autor eine eigene Wertung abgeben sollte (ich brauche die Zahl nicht, aber viele Leser würden es schätzen).
Haha, hatten wir sogar mal auf der Fragenliste, aber da müssten wir dann jemand aus der Chefredaktion einladen. Das ist für jemanden wie Dimi hier bei uns evtl. schwierig zu diskutieren.
Smartie hat geschrieben:
30. Aug 2020, 10:42
Damit kann man Situationen wie die beim "Dragon Age 3"-test verhindern:
https://www.gamestar.de/artikel/dragon- ... fazit.html

Andres Fazit fällt deutlich kritischer aus als das der beiden anderen Prüfer und trotzdem wird am Ende eine "85" draufgeklebt.
Würde mich sehr interesssieren, Andre, wie du den Test damals erlebt hast;)
Besser als den von Fallout 4. :D

Hab da ansonsten gar keine so große Erinnerung mehr dran. Ich finde es grundsätzlich erstmal gut, dass damals die abweichenden Meinungen wenigstens so festgehalten wurden. Das wäre in früheren Gamestar-Jahren glaube ich nicht passiert. Bei FO4 weiß ich, war ich hart dagegen so hoch zu werten. Bei DA:I kann es sein, dass das eher im "Naja, nicht meine Meinung, aber geht schon" - Lager war. Ich glauuuubeee vor allem auch, weil ich DA:I damals nur so 3/4 durchgespielt hatte. Irgendwas war da.. Bei DA:I war ich auch noch nicht Chefred, IIRC und damit weniger in der Verantwortung. Plus: FO4 wurde glaube ich auch unter dem neuen Wertungssystem beurteilt... Dann gab es da noch eine recht hohe DA2 Wertung als "Altlast",glaube ich... Das haben wir dann vor dem DA:I Test sogar extra noch abgewertet, damit das alles am Ende im damaligen System nicht zu völliger Verwirrung führt. Kurz: Hätte ich so nicht auf einer grünen Wiese gegeben, konnte Micha aber verstehen (glaub der war da im Lead) und da wurde sich viel Mühe gegeben im Rahmen des damaligen Systems bestmöglich eine Wertung zu finden.

Solche Probleme hatten wir ja an vielen Stellen des Podcasts aber schon diskutiert. Wollte diesmal eher auf die eher verdeckten Probleme hinaus. Das es ein Problem ist, wenn man Wertungen von vor 5 Jahren immer noch als gültig miteinbeziehen muss, ist ja bekannt und macht ja auch fast kein Magazin mehr so.
Maniac11 hat geschrieben:
30. Aug 2020, 11:28
Echt coole Folge und Sonderlob an Dom!
Ja, Dom war on fire! :)

Andre

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Soulaire
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Soulaire »

Eine Kritik muss nicht dafür sorgen, dass das "Richtige" beim Leser ankommt. Viele wollen sowieso das aus einer Kritik rausnehmen, was ihnen gerade in den Kram passt (egal ob negativ oder positiv). Es sollte selbstverständlich ein gutes Handwerk vorhanden sein, mit verständlichen Formulierungen etc.
Aber letztendlich sollte sich ein Kritiker nur vor sich selbst rechtfertigen und die Reaktionen des Publikums müssen ihm egal sein.
Gerade die heutige Spielepresse versucht aber sich in jede Richtung 3mal abzusichern, dass man bei jeder Kritik an der Kritik ein passendes Argument parat hat. Man sieht es vor allem an ständigen Relativierungen, wodurch eine klare Wertung nicht erkennbar ist.
Aber das Label (z.B Gamestar) scheint generell über dem des einzelnen Kritikers zu stehen. Würde das meiste sowieso als Produkttest bezeichnen und nicht als Kritik. Vielleicht einzelne Videos auf Youtube als tatsächliche Spiel-Kritik, das sind dann aber die Ausnahmen.
Zuletzt geändert von Soulaire am 30. Aug 2020, 12:00, insgesamt 1-mal geändert.

imanzuel
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von imanzuel »

Ich musste zumindest bei dem Part schmunzeln, wo angesprochen wurde das man sich ja eher zurückhält bei der Beurteilung, also sich selbst kleiner macht und sich nicht als Profi herausstellt. Gerade bei der GameStar sehe ich das völlig anders. "Shooter-Experte" hier, "Indie-Experte" (was auch immer das ist) da - da werden mit Superlativen nicht gerade gespart.

Bei Dimis DS:R-Test habe ich da so eine Aussage zwar nicht gefunden, allerdings bin ich mir relativ sicher das er sich durchaus als Dark-Souls... "erfahren" sieht, laut DS3 Text den ersten Teil mehrfach durchgespielt und er hat auch PvP-Erfahrung. Bei den Voraussetzungen MUSS man die Punkte, die kritisiert wurden, feststellen. Wenn jemand den Test geschrieben hat, der noch nie zuvor Dark Souls gespielt, okay dann kann man das übersehen, kein Problem. Aber die Fehler bei dem Remaster waren halt so auffällig. Wenn dann im Test noch solche Aussagen kommen: "Das Remaster restauriert Dark Souls, es behebt viele Fehler und Probleme des Originals..." dann muss man mit der verdienten Kritik halt leben können.

Und zu dem Punkt, für wen die Tests denn geschrieben wird, bzw. wenn man sich eher kurz fassen muss: Dann sollten sich die Texte halt nicht wie die Backcover der Spieleverpackungen lesen. Auch der DS Remastered Text ist da ein gutes Beispiel, bis auf ein paar wenige Kritikpunkte (die immer irgendwo mal kurz vorkommen, irgendwo muss man sich halt auch rechtfertigen warum das Spiel keine 100/100 bekommt) könnte das so 1 zu 1 auf der Rückseite des Spiels stehen. Auflistungen von "Features" wie 4k, 60 FPS, etc., ich weiß nicht, diese Informationen erhält man halt auch auf der Webseite des Spiels, dafür braucht man echt keinen Test.

Zur Wertungssystem wurde eigentlich schon viel gesagt. Solange die Skala nicht komplett ausgenutzt wird, ist die halt sinnlos. Ich bin da vielleicht bisschen komisch, aber wenn ich bei Metacritic eine Wertung von unter 75 sehe, dann ist das für mich automatisch ein Zeichen, dass das Spiel vermutlich nicht gut ist, tendenziell schon eher schlecht. Und da sind noch 74 Punkte darunter möglich, bzw. anders gesagt, gerade mal 1/4 der Skala sagt aus das ein Spiel gut ist. Finde ich immer faszinierend. Und gerade von allen Seiten, bei denen regelmäßig die Tests lese (also auch englischsprachige, Gamespot, IGN, etc.) ist GameStar die Seite, bei der sich mir eingebrannt hat: Spiel weniger als 80 Punkte = Schrott. Zahlenbewertungen gehören einfach im Videospielbereich abgeschafft, oder die sollten sich deutlich mehr an Filmen orientieren...
Notiz für mich
2020: 1. HL:A (10) 2. Ori 2 (9)3. GR (9) 4. WL3 (9) 5. Doom Eternal (8) 6. RE3R (8) 7. Hades (8) 8. Nioh 2 (8) 9. P5R (7) 10. SOR 4 (7) 11. TLoU 2 (7) 12. DBZ: Kakarot (6) 13. GoT (6) 14. FF VII Remake (5)

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Soulaire
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Soulaire »

was mir etwas missfallen hat, sind wie ihr die Leser von entsprechenden Tests freundlich formuliert als etwas limitiert abgetan habt. Es ist eben nicht so, dass die User bspw. der Gamestar nur wissen wollen ob das Preisleistungsverhältnis stimmt. Seltsamerweise bekommen diese Art von Tests der Gamestar eine Menge Kritik, was ja belegt dass keinesfalls jeder ein Fan davon ist.
Wenn man die Sache mit der Kritik ernst meinen würde, würde man einen Spiegel-Leser auch nicht anders behandeln als einen auf einer Spieleseite.

einige Aussagen waren aber wirklich nur noch absurd und grenzten schon an einer Karikatur, wie die ernst gemeinte Aussage vom Gamestar-Redakteur über die Anzahl der Wörter um bei Youtube auf mindestens 10min Länge zu kommen (WTF :ugly: )

oder das erklärte Ziel von Dom möglichst viele Spieler für ein Spiel zu begeistern,offenbar mit einer ganz persönlichen Note, die mehr mit Dom als mit dem eigentlichen Spiel an sich zu tun hat.
anscheinend weiß er nicht, dass er sich so zum Compagnon der Marketing-Abteilung macht. :x

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Soulaire
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Soulaire »

die Kritik am Dark Souls Remastered beschränkte sich keinesfall auf das PvP.
hier ist eine optische Gegenüberstellung: https://www.youtube.com/watch?v=n2eos3V7jTI
fast jeder Kommentar unter dem Video sagt dass das Original besser aussieht.

die Gamestar hingegen:
"stimmungsvoll düsteres Artdesign"
"verbesserte Texturen und Effekte"

Smartie
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Smartie »

Soulaire hat geschrieben:
30. Aug 2020, 12:49
oder das erklärte Ziel von Dom möglichst viele Spieler für ein Spiel zu begeistern,offenbar mit einer ganz persönlichen Note, die mehr mit Dom als mit dem eigentlichen Spiel an sich zu tun hat.
anscheinend weiß er nicht, dass er sich so zum Compagnon der Marketing-Abteilung macht. :x
Nichts für Ungut, aber was ist daran kritikwürdig subjektiv seine Meinung zu äußern und zu schreiben bzw. zu sagen: "Mir hast das Spiel xy sehr viel Spaß gemacht, ich kann es allen Leuten, die auf Aufbaustrategie stehen, daher sehr empfehlen."?

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Soulaire
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Soulaire »

Smartie hat geschrieben:
30. Aug 2020, 12:57
Soulaire hat geschrieben:
30. Aug 2020, 12:49
oder das erklärte Ziel von Dom möglichst viele Spieler für ein Spiel zu begeistern,offenbar mit einer ganz persönlichen Note, die mehr mit Dom als mit dem eigentlichen Spiel an sich zu tun hat.
anscheinend weiß er nicht, dass er sich so zum Compagnon der Marketing-Abteilung macht. :x
Nichts für Ungut, aber was ist daran kritikwürdig subjektiv seine Meinung zu äußern und zu schreiben bzw. zu sagen: "Mir hast das Spiel xy sehr viel Spaß gemacht, ich kann es allen Leuten, die auf Aufbaustrategie stehen, daher sehr empfehlen."?
das hat aber nichts mit einer "Kritik" zu tun. Eine Kritik behandelt nur das Spiel in seiner Gesamtheit und pickt sich nicht einzelne Aspekte raus um den User zum Kauf zu bewegen. Das ist das 1x1 des Marketings.

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Dom Schott
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Dom Schott »

Soulaire hat geschrieben:
30. Aug 2020, 12:59
Smartie hat geschrieben:
30. Aug 2020, 12:57
Soulaire hat geschrieben:
30. Aug 2020, 12:49
oder das erklärte Ziel von Dom möglichst viele Spieler für ein Spiel zu begeistern,offenbar mit einer ganz persönlichen Note, die mehr mit Dom als mit dem eigentlichen Spiel an sich zu tun hat.
anscheinend weiß er nicht, dass er sich so zum Compagnon der Marketing-Abteilung macht. :x
Nichts für Ungut, aber was ist daran kritikwürdig subjektiv seine Meinung zu äußern und zu schreiben bzw. zu sagen: "Mir hast das Spiel xy sehr viel Spaß gemacht, ich kann es allen Leuten, die auf Aufbaustrategie stehen, daher sehr empfehlen."?
das hat aber nichts mit einer "Kritik" zu tun. Eine Kritik behandelt nur das Spiel in seiner Gesamtheit und pickt sich nicht einzelne Aspekte raus um den User zum Kauf zu bewegen. Das ist das 1x1 des Marketings.
Ich bitte dich, das ist nicht mein "erklärtes Ziel". Ich sprach davon, dass ich meine Faszination/Abneigung am Spiel gerne als roten Faden für meine Kritik nutze, die dadurch ihren Mehrwert für LeserInnen erhält, indem ich -nachvollziehbar- Lob und Kritik aufdrösele, wie ich sie wahrnehme. Das hat nichts mit Marketing, sondern nur mit einer anderen Perspektive zu tun, die im englischsprachigen Raum längst etabliert ist.
Katzen sind super, Zitronenlimo auch und Archäologie ebenfalls.
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Soulaire
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Soulaire »

Dom Schott hat geschrieben:
30. Aug 2020, 13:02
Soulaire hat geschrieben:
30. Aug 2020, 12:59
Smartie hat geschrieben:
30. Aug 2020, 12:57


Nichts für Ungut, aber was ist daran kritikwürdig subjektiv seine Meinung zu äußern und zu schreiben bzw. zu sagen: "Mir hast das Spiel xy sehr viel Spaß gemacht, ich kann es allen Leuten, die auf Aufbaustrategie stehen, daher sehr empfehlen."?
das hat aber nichts mit einer "Kritik" zu tun. Eine Kritik behandelt nur das Spiel in seiner Gesamtheit und pickt sich nicht einzelne Aspekte raus um den User zum Kauf zu bewegen. Das ist das 1x1 des Marketings.
Ich bitte dich, das ist nicht mein "erklärtes Ziel". Ich sprach davon, dass ich meine Faszination/Abneigung am Spiel gerne als roten Faden für meine Kritik nutze, die dadurch ihren Mehrwert für LeserInnen erhält, indem ich -nachvollziehbar- Lob und Kritik aufdrösele, wie ich sie wahrnehme. Das hat nichts mit Marketing, sondern nur mit einer anderen Perspektive zu tun, die im englischsprachigen Raum längst etabliert ist.
klang anders. als würdest du nur die positiven Sachen herausheben wollen.
aber ich habe zugegebenermaßen deine Tests nicht gelesen, kann daher nur das Gesagte bewerten...

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Dom Schott
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Dom Schott »

Maniac11 hat geschrieben:
30. Aug 2020, 11:28
Wow, Dom Schott! Er hat ja mal sowas von diese Folge gestealt, respekt.

Grandiose Ergänzung zum Team (wollte ich schon lange mal sagen. Seine Sicht auf Spiele und Themen rund um Videospiele ist stets sehr inspirierend für mich) Diese Folge ist sein (bisheriges) Magnum Opus. Kann alles unterschreiben was er sagt.

Eine dieser Folgen wo ich traurig war, dass nicht noch nen halbes Stündchen drangehangen wurde.

Echt coole Folge und Sonderlob an Dom!
Vielen Dank für das Lob, mir hat die Diskussion auch dank der Teilnehmer wirklich außerordentlich Spaß gemacht :D
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Smartie
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Smartie »

Soulaire hat geschrieben:
30. Aug 2020, 12:59
das hat aber nichts mit einer "Kritik" zu tun. Eine Kritik behandelt nur das Spiel in seiner Gesamtheit und pickt sich nicht einzelne Aspekte raus um den User zum Kauf zu bewegen. Das ist das 1x1 des Marketings.
Und wer legt nun fest, was als "Gesamtheit eines Spiels" zu verstehen ist? Genau das macht doch den Reiz von Journalismus aus - unterschiedliche Autoren haben unterschiedliche Perspektiven zu einem Spiel und diese schlagen sich dementsprechend in der Kritik dazu nieder.
Ich kann hier keinerlei UNterschied zu einer literarischen bzw. wissenschaftlichen Rezension erkennen: Bei einer Romanbesprechung würde Rezensent a stärker auf die Figurenkonstellation legen und Autor b wiederum stärker auf die Erzähltechnik. Und wenn man umfangreiche Gesamtdarstellungen besprechen will, die zB einen Konflikt wie den 1. WK behandeln, dann ist die "Besprechung des Werkes in der Gesamtheit" gar nicht möglich oder die Rezension würde den Umfang eines Romans annehmen. Viel mehr geht es darum pointiert Stärken und Schwächen aufzuzeigen: "Während die Operationen auf dem westlichen und östlichen Kriegsschauplatz sehr anschaulich dargelegt werden, spielt der Krieg in den Kolonien praktisch keine Rolle. Das Buch weist damit leider eine starke eurozentrische Perspektive auf, die dem Charakter des Krieges als globaler Konflikt nicht gerecht wird."

Crenshaw
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Crenshaw »

sehr schöne Folge, leider zu kurz, Dimi könnt ihr gerne öfters einladen

@Dom
Archiv deutscher Bieretiketten, ist sogar fast um die Ecke bei Dir
https://www.museen-brandenburg.de/musee ... etiketten/
bzw. http://www.speer-fuchs.de

imanzuel
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von imanzuel »

Smartie hat geschrieben:
30. Aug 2020, 13:10
Und wer legt nun fest, was als "Gesamtheit eines Spiels" zu verstehen ist? Genau das macht doch den Reiz von Journalismus aus - unterschiedliche Autoren haben unterschiedliche Perspektiven zu einem Spiel und diese schlagen sich dementsprechend in der Kritik dazu nieder.
Die Aussage würde ich zu 100% unterschreiben, das ist auch sinnvoll. Wie Dom im Podcast sagt, er würde bei Anno wegen der Thematik ordentlich Punkte abziehen. Sowas ist durchaus zu verstehen. Wenn aber so eine Aussage kommt (ich hoffe ich kriege die noch gut zusammen) "Days Gone ist ein gutes Spiel, weil mir die Sparziergänge durch den Wald Spaß machen" dann ist das für mich eine komische Kritik. Wenn das eine Meinung wäre, also z.B. "Meinung: Warum mir die Spaziergänge in Days Gone so gut gefallen haben", dann geht das zu 100% klar. Absolut. Aber als Kritik? Ich weiß ja nicht.

Ich glaube im Podcast wurde auch NMS angesprochen, den Feierabend-Podcast habe ich mir auch zuletzt angehört. Und Dom hat irgendwie so gemeint (jetzt nicht steinigen wenn ich das nicht mehr genau im Kopf habe :D ), er findet das Spiel gut (ich definiere daraus er würde dem Spiel eine gute Bewertung geben), weil er damit Weltraumtourismus machen kann, auf den Planeten herumlaufen, usw. Mal abgesehen davon, das ich persönlich(!) den Punkt nicht nachvollziehen kann, alle Planeten die ich da so gesehen habe fand ich eher fad und langweilig (okay, paar Milliarden Planeten, hatte ich halt Pech :ugly: ), aber wenn das eine Kritik sein soll, was ist mit dem Rest? Ich kann nicht ein Punkt heraussuchen, daran erklären warum das Spiel gut sei, alle andere Aspekte aber ignorieren. Wenn ich so eine Kritik schreiben würde, ja sorry, da könnte ich jeden Müll eine positive Bewertung geben. Selbst E.T. oder auch zuletzt Breakpoint kann man anhand solche einzelne Kritieren eine gute Bewertung geben. Und für mich persönlich wäre so eine Review halt absolut nutzlos.

Mal ein Beispiel von mir: Ich hab mehrere hundert Stunden The Crew 1 und 2 gespielt. Weil für mich das Spiel als Amerika-Herumfahren-Simulator voll funktioniert hat. Hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, und die Zeit die ich darin investiert habe bereue ich auch nicht. Nur anhand dessen könnte ich problemlos eine gute Review schreiben. Aber trotz allem ist das für mich kein gutes Spiel. Auf gar keinen Fall, ich würde sogar eher sagen es ist ein verdammt schlechtes Spiel. Ich würde halt nie auf die Idee kommen einzig allein wegen diesem Punkt dem Spiel eine positive Wertung geben.
Notiz für mich
2020: 1. HL:A (10) 2. Ori 2 (9)3. GR (9) 4. WL3 (9) 5. Doom Eternal (8) 6. RE3R (8) 7. Hades (8) 8. Nioh 2 (8) 9. P5R (7) 10. SOR 4 (7) 11. TLoU 2 (7) 12. DBZ: Kakarot (6) 13. GoT (6) 14. FF VII Remake (5)

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Soulaire
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Soulaire »

Smartie hat geschrieben:
30. Aug 2020, 13:10
Soulaire hat geschrieben:
30. Aug 2020, 12:59
das hat aber nichts mit einer "Kritik" zu tun. Eine Kritik behandelt nur das Spiel in seiner Gesamtheit und pickt sich nicht einzelne Aspekte raus um den User zum Kauf zu bewegen. Das ist das 1x1 des Marketings.
Und wer legt nun fest, was als "Gesamtheit eines Spiels" zu verstehen ist? Genau das macht doch den Reiz von Journalismus aus - unterschiedliche Autoren haben unterschiedliche Perspektiven zu einem Spiel und diese schlagen sich dementsprechend in der Kritik dazu nieder.
Ich kann hier keinerlei UNterschied zu einer literarischen bzw. wissenschaftlichen Rezension erkennen: Bei einer Romanbesprechung würde Rezensent a stärker auf die Figurenkonstellation legen und Autor b wiederum stärker auf die Erzähltechnik. Und wenn man umfangreiche Gesamtdarstellungen besprechen will, die zB einen Konflikt wie den 1. WK behandeln, dann ist die "Besprechung des Werkes in der Gesamtheit" gar nicht möglich oder die Rezension würde den Umfang eines Romans annehmen. Viel mehr geht es darum pointiert Stärken und Schwächen aufzuzeigen: "Während die Operationen auf dem westlichen und östlichen Kriegsschauplatz sehr anschaulich dargelegt werden, spielt der Krieg in den Kolonien praktisch keine Rolle. Das Buch weist damit leider eine starke eurozentrische Perspektive auf, die dem Charakter des Krieges als globaler Konflikt nicht gerecht wird."
dem kann ich nur zustimmen. mir geht es prinzipiell nur um Kritiken, die hauptsächlich auf die Reaktion der Leser schielen und den Erfolg daran messen, wie viele Leute man begeistern konnte. eine Spieelkritik, die schlecht ankommt muss nicht unbedingt schlecht sein. Ganz im Gegenteil, sie kann auch einen Nerv treffen und eine interessante Perspektive bieten.
Aber scheinbar scheint die Ansicht sehr verbreitet zu sein, dass für eine gute Kritik am Ende jeder zufrieden sein muss, dem ich widersprechen würde.

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DexterKane
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von DexterKane »

Soulaire hat geschrieben:
30. Aug 2020, 13:38
Aber scheinbar scheint die Ansicht sehr verbreitet zu sein, dass für eine gute Kritik am Ende jeder zufrieden sein muss, dem ich widersprechen würde.
Seh ich nicht so, ich kann andersrum aber sehr gut nachvollziehen, dass man mit diesem Ansatz nichts anfangen kann.

Bei dieser Überspitzung kommt für mich überdurchschnittlich oft belangloses Gesülze raus.
Exemplarisch sei hier die Rezension der Zeit zu Dark Knight Rises genannt.
Danach wusste ich jede Menge über die politischen Ansichten des Autors und nichts über den Film.

https://www.zeit.de/2012/31/Film-Dark-Knight-Rises (leider inzwischen hinter Bezahlschranke)

Und sorry, wenn ich mich über einen Film, ein Spiel, was auch immer informieren will, verschwende ich mit sowas meine Zeit.
Das muss nicht jeder so sehen, aber ich bin explizit hier, weil ich mir von The Pod eine Berichterstattung erwarte, die deutlich kritischer ist, als die große Menge da draußen. Wenn ich bloggermäßige Stimmungsbilder als Nachrichten getarnt lesen will, kann ich das kostenlos bei Kotaku und co. :ugly:

Nicht falsch verstehen, ich schätze Dom und seine Ansichten, gerade weil ich mit ihm meistens nicht übereinstimme, da sieht man wie andere Leute das Medium wahrnehmen, die nicht wie ich alte Grantler sind. Ich erwarte dann aber auch einen entsprechenden Gegenpol, der ebenfalls berücksichtigt gehört.
Relax, it's North-Korea. The nation state equivalent of the short-bus. - Sterling Archer

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Blaight
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von Blaight »

Dom Schott hat geschrieben:
30. Aug 2020, 13:10
Maniac11 hat geschrieben:
30. Aug 2020, 11:28
Wow, Dom Schott! Er hat ja mal sowas von diese Folge gestealt, respekt.

Grandiose Ergänzung zum Team (wollte ich schon lange mal sagen. Seine Sicht auf Spiele und Themen rund um Videospiele ist stets sehr inspirierend für mich) Diese Folge ist sein (bisheriges) Magnum Opus. Kann alles unterschreiben was er sagt.

Eine dieser Folgen wo ich traurig war, dass nicht noch nen halbes Stündchen drangehangen wurde.

Echt coole Folge und Sonderlob an Dom!
Vielen Dank für das Lob, mir hat die Diskussion auch dank der Teilnehmer wirklich außerordentlich Spaß gemacht :D
Kann mich dem nur anschließen und werde mir nun außerhalb von The Pod Deine Inhalte anschauen. Hast Du irgendwie eine übersicht wo Du wann was veröffentlichst?

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echtschlecht165
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von echtschlecht165 »

ich kann mich dem Lob für die Folge und insbesondere an Dom nur anschliessen. Sein Wertungsrant war schon groose Klasse
Ich verstehe zwar immer noch nicht, warum er unbedingt in Anno "Rosamunde Pilcher" 1800 seine Leute versklaven will. :ugly:
Aber man muss ja nicht alles verstehen und nicht überall einer Meinung sein.
AUf jedenfall ist Dom mit seinen Denkansätzen eine Riesenbereicherung für den Podcast.
In Stein gemeißelt

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echtschlecht165
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Re: Runde #282: Fallstricke des Spielejournalismus

Beitrag von echtschlecht165 »

Blaight hat geschrieben:
31. Aug 2020, 08:15
Dom Schott hat geschrieben:
30. Aug 2020, 13:10
Maniac11 hat geschrieben:
30. Aug 2020, 11:28
Wow, Dom Schott! Er hat ja mal sowas von diese Folge gestealt, respekt.

Grandiose Ergänzung zum Team (wollte ich schon lange mal sagen. Seine Sicht auf Spiele und Themen rund um Videospiele ist stets sehr inspirierend für mich) Diese Folge ist sein (bisheriges) Magnum Opus. Kann alles unterschreiben was er sagt.

Eine dieser Folgen wo ich traurig war, dass nicht noch nen halbes Stündchen drangehangen wurde.

Echt coole Folge und Sonderlob an Dom!
Vielen Dank für das Lob, mir hat die Diskussion auch dank der Teilnehmer wirklich außerordentlich Spaß gemacht :D
Kann mich dem nur anschließen und werde mir nun außerhalb von The Pod Deine Inhalte anschauen. Hast Du irgendwie eine übersicht wo Du wann was veröffentlichst?
ich kenne seinen Twitchkanal.
Kartoffelkopf. Das sind echt schöne LPs. Ähnlich wie bei The Pod ist auch Doms Spielansatz nicht unbedingt der naheliegendste.
In Stein gemeißelt

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