Runde #293: Watchdogs Legion: Revolution auf Knopfdruck. Oder Autorennen.

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Fährmann
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Runde #293: Watchdogs Legion: Revolution auf Knopfdruck. Oder Autorennen.

Beitrag von Fährmann »

Vielen Dank für den sehr unterhaltsamen Podcast!

Ich habe weniger eine Meinung zum Spiel als dazu, dass ich die längeren Passagen über die Gesellschaftsdarstellung inklusiver politischer Implikationen im Podcast sehr spannend fand.

Ich würde mich freuen, so etwas häufiger zu hören. Bei Watchdogs Legion hat sich dieses Thema ja regelrecht aufgezwängt, weil es eine Dystopie darstellen will. Aber auch andere Spiele vertreten ja durch ihre Gesellschaftsdarstellungen politische Positionen, auf die man eingehen kann, selbst wenn sie nicht im Vordergrund der Spielerfahrung stehen.
Zum Beispiel bei einem modernen Assassins Creed, in dem Konflikte in der Regel durch Gewalt und Mord gelöst werden, was sehr an dieses rechte Narrativ "best thing against a bad guy with a gun is a good guy with a gun" erinnert.
Oder bei einem From Software Spiel wie Sekiro, wo der Killing Spree der Hauptfigur in der Regel durch Machthaber ausgelöst wird, die in der Vergangenheit egoistische oder inkompetente Entscheidungen getroffen haben.

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Felidae
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Felidae »

"ES IST NUR EIN SPIEL!!!!" (Random User) ;) :mrgreen:

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Gonas
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Gonas »

Das Feedback in den anderen Threads war ja schon eher ernüchternd, da habe ich mir aber noch weniger Sorgen gemacht. Der zweite Teil wurde schließlich auch ziemlich kritisiert, hat mir aber extrem gut gefallen und hat eine ganz neue Spielerfahrung geboten.

Ich wollte eigentlich mehr davon, aber in der Besprechung klang das so als wäre alles was ich an WatchDogs toll fand zurückgeschraubt worden. Irgendwo gegenüber entspannt im Auto zu sitzen aber gleichzeitig nur mit Kameras oder dem Bot das Gebäude zu infiltrieren war für mich eine super Powerfantasy. Auch gab es dabei so viele Spielereien. Es ist schwer das Gebiet mit meinem Bot zu betreten, kein Problem, ich nehme einen Kran in der Nähe und setze meinen Bot von oben ab. Das Gebiet ist stark bewacht? Ich fernsteuere ein Auto und lasse es auf der anderen Seite des Gebietes Chaos verursachen. Jetzt sind die zwar in Alarmbereitschaft, aber schauen in die falsche Richtung.

Lauter so Spielereien haben für mich das Spiel besonders gemacht. Gehofft habe ich deshalb ursprünglich auf ein WatchDogs ohne Kämpfe und mit einem weiteren Ausbau der Hacking-Möglichkeiten. Bekommen habe ich jetzt wohl eher das Gegenteil, schade.

Ich hoffe die Reihe entwickelt sich in der Zukunft noch in diese Richtung. Legion werde ich wohl irgendwann im Sale für max 15€ oder so mitnehmen und mal schauen ob ich trotzdem meinen Spaß damit haben kann.

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Dom Schott
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Dom Schott »

Felidae hat geschrieben:
17. Nov 2020, 11:41
"ES IST NUR EIN SPIEL!!!!" (Random User) ;) :mrgreen:
:evil:
Katzen sind super, Zitronenlimo auch und Archäologie ebenfalls.
https://twitter.com/R3nDom

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Golmo
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Golmo »

Normalerweise steigert sich eine Reihe ja immer von Fortsetzung zu Fortsetzung. Mehr von allem!

Aber kann mir jemand erklären warum man in Watch Dogs 3 im Gegensatz zu Teil 1 und ich glaube auch Teil 2 nicht mal mehr Ampeln hacken kann?! Geschweige den einen kompletten Shutdown der Stadt verursachen kann?

Das Spiel ist in nahezu allen Bereichen ein gewaltiger Rückschritt und einfach ultra enttäuschend.

Ebenfalls total Banane: Als Completionist und Sammler ist man eigentlich auf Charaktere die eine Drohne rufen angewiesen. Es gibt soviel Sammelkram in der Luft das man da ohne Drohne nicht weiter kommt.

Inkognito
Beiträge: 222
Registriert: 1. Aug 2020, 14:03

Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Inkognito »

Der Cast war sehr unterhaltsam. :D
2 Stunden heftigster Verriss.

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Teddybär
Beiträge: 11
Registriert: 17. Nov 2020, 15:08

Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Teddybär »

Wie immer auf Reviews gewartet (auf ehrliche) und nicht gekauft. Bares Geld gespart. Das Leben kann so schön sein (außer für Dom und Andre, aber da muss man Opfer bringen). :D #TeamSebastian

imanzuel
Beiträge: 1637
Registriert: 8. Feb 2017, 22:58

Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von imanzuel »

Gut, am Ende habt ihr das Spiel eh nicht empfohlen, von daher ist die Kritik eigentlich egal. Aber ich fand die Aussage "man muss aufpassen das man sich das Spiel nicht selbst kaputt macht" irgendwie irritierend. Warum ist dass das Problem der Spieler/Spielerinnen? Ubisoft gibt einem da Tools, damit soll man die Aufgaben erledigen. Ich nehme die Tools, und (wie im angesprochenen Fall mit Frachtdrohne, Unsichtbarkeit und bei mir speziell ein Albion-Anzug) damit wurde das Spiel lächerlich einfach. Hier ist aber nicht ich - der Spieler - schuld, wenn man sich damit das Spiel kaput macht, sondern die Entwickler. Die haben schließlich zu sorgen das es balanced ist, nicht ich :P

Wie Dom aber auf 45+ Stunden Spielzeit kommt verstehe ich nicht :ugly: Habe für Kampagne und geschätzt 1/3 der Nebenmissionen 17 Stunden gebraucht, für alle Nebenmissionen (außer die grüne Punke einsammeln) 22 und am Ende bin ich noch 3 Stunden spazieren gegangen. 25 Stunden, laut Ubisoft Connect 100% Spielfortschritt, mehr gibt das imo nicht her (zum Glück^^)
Notiz für mich
2021: 1. -

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Andre Peschke
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Andre Peschke »

imanzuel hat geschrieben:
17. Nov 2020, 16:20
Warum ist dass das Problem der Spieler/Spielerinnen? Ubisoft gibt einem da Tools, damit soll man die Aufgaben erledigen. Ich nehme die Tools, und (wie im angesprochenen Fall mit Frachtdrohne, Unsichtbarkeit und bei mir speziell ein Albion-Anzug) damit wurde das Spiel lächerlich einfach.
Ist es nicht, ich bin da grundsätzlich deiner Meinung und habe das in der Vergangenheit im Podcast auch schon oft so oder so ähnlich selbst gesagt. Das war in erster Linie ein Hinweis. Gerade bei Spielen mit einem gewissen Sandbox-Charakter ist es aber auch durchaus fair das Spiel nicht nach Maßgabe einer reinen Min-Max-Strategie zu beurteilen, bei der man jedes System exploited und sich dann wundert, dass es zu einfach wird.

Bei Watchdogs 3 sind aber viele Systeme auch bei ganz normaler Nutzung overpowered und das ist dann schlampig designed.

Andre

real Troll
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von real Troll »

Ich habe die Folge abgebrochen, weil ihr mir viel zu ausdauernd auf dem Umstand herumgeritten seid, einem AAA-Spiel mangele es an der angriffslustigen Verprellungslust. Ihr stellt ja eine durchaus richtige Beobachtung an. Watch Dogs ist mutlos und natürlich wäre es interessant, Spiele mit enormen Produktionskosten zu besichtigen, die einfach auf das Einspielergebnis pfeifen und mit all den Möglichkeiten eines kolossalen Etats in unseren leicht reizbaren Zeiten ungeniert anecken.

Aber dass sich eine Großproduktion ihrem anvisierten Publikum gegenüber im Zweifel eher affirmativ als konfrontativ verhält, ist weder eine originelle noch erhellende Beobachtung. Ihr seid doch vom Fach, habt jahrelange Expertise und kennt den Markt. Der Flasche O-Saft vorzuwerfen, ihr Inhalt schmecke tatsächlich nach dem deklarierten Obst, wird auch dann nicht tiefsinniger, wenn man die Vortragszeit der Kritik auf über eine halbe Stunde streckt. Ironischerweise liefert ihr so in Teilen selbst, was ihr am Spiel beklagt.

Haltet ihr die Produktion von AAA-Spielen nunmehr für unstatthaft? Und ist angesichts der feixenden Vorfreude, mit der vielerorten darauf hingewiesen wird, dass Jochen auf Twitter bereits die Messer gegen das neue Assassin's Creed wetze, mit einem bloßen "Reskin der Kritik" kommenden Sonntag zu rechnen?

Dee'N'bee
Beiträge: 301
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Dee'N'bee »

Ich hoffe doch nicht dass kommenden Sonntag schon der Cast zu Valhalla kommt. Wäre wieder kein gutes Zeichen, dann hätten sie es nämlich wieder schnell durchgeboxt. Und dann könnte ich gut verstehen wenn sie wieder zu viel des Guten hatten und nicht wirklich angetan sind von Valhalla.

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Andre Peschke
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Andre Peschke »

real Troll hat geschrieben:
17. Nov 2020, 19:51
Ich habe die Folge abgebrochen, weil ihr mir viel zu ausdauernd auf dem Umstand herumgeritten seid, einem AAA-Spiel mangele es an der angriffslustigen Verprellungslust. Ihr stellt ja eine durchaus richtige Beobachtung an. Watch Dogs ist mutlos und natürlich wäre es interessant, Spiele mit enormen Produktionskosten zu besichtigen, die einfach auf das Einspielergebnis pfeifen und mit all den Möglichkeiten eines kolossalen Etats in unseren leicht reizbaren Zeiten ungeniert anecken.
Wer redet von Verprellungslust? Wenn Watchdogs meint, es müsse eine Flüchtlingskrise thematisieren, dann finden wir es schwach, wenn diese Darstellung im virtuellen Elendstourismus endet. Dabei hat von uns keiner gefordert, Watchdogs müsse dabei jetzt in seiner Darstellung total polarisierend sein. Im Gegenteil: Watchdogs 3 hat sich von ganz allein entschlossen, ein heißes Eisen anzufassen - und dann ganz schnell wieder fallen lassen. Das ist der Punkt: Erzähl halt eine gute Geschichte damit oder denk dein Szenario wirklich zuende oder sei mutig dabei. Aber die reine Instrumentalisierung aktueller Brennpunkte, um sie dann ganz schnell wieder beiseite zu legen, ist einfach nur lasch. Und das hat nichts mit AAA zu tun.

Bei dir liest sich das so, als wäre es weldfremd zu erwarten, dass sich AAA eben dann einfach Themen suchen möge, an denen es nicht qua seiner Natur scheitern muss. Oder das es für meine Kritik irgendeine Relevanz haben müsste, das es vielleicht ökonomisch nachvollziehbare Gründe gibt, warum Ubisoft gerne im Windschatten aktueller Reizthemen fährt, aber diese dann maximal anämisch umsetzt. Das ist nicht der Fall. Ubisofts fiskalische Beweggründe hinter diesem Mittelmaß machen Watchdogs 3 nämlich kein Deut unterhaltsamer. Ich würde nichtmal der Prämisse beipflichten, das AAA so sein MUSS. Dafür gibt es ja auch Gegenbeispiele. Man kann solche Themen sensibel und geschickt angehen. Oder mutig. Oder eben auch einfach GAR NICHT.

Andre

Asgon
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Registriert: 13. Mai 2020, 16:55

Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Asgon »

real Troll hat geschrieben:
17. Nov 2020, 19:51
Die Frage ist doch eher, warum "wagt" sich dann Ubisoft an "heiße" Themen, wenn sie es sowieso nur schlampig, ohne Mut und ohne Anecken zu wollen, umsetzen. Dann schau ich mir Hongkong oder auch Belarus an und da muss ich dann auch Dom/Andre recht geben, dass diese "Dikatur" und der Kampf dagegen in Watchdogs 3 einfach nur hingeschludert ist.

Ich persönliche sehe halt für Ubisoft keinen Weg in eine blühende Zukunft. Ein GTA / Red Dead / Horizon und wie sie nicht alle heißen, bekommen sie mangels Zeit/Budget nicht hin. Was bleibt dann übrig? Mittelmäßiges Gameplay in einer mittelmäßigen Open World, mit mittelmäßigen Quests in einer mittelmäßigen Story eingebunden. D.h. sie haben einfach keinen Unique Selling Point (mit fiel grad kein dt. Equivalent dazu ein) mehr. Langfristig sind sie mit solchen Spielen eine Übernahmekandidat (meine Meinung). Das zeigt ja schon insbesondere das Schlagwort Ubisoft-Formel, will man damit in die Zukunft gehen? Mit solch einem eher negativ besetzten Begriff? Quasi nach dem Motto, ja es kommen 3 Ubisoft Spiele im Jahr, ist eh alles dasselbe...

Ich persönlich würde mich Freuen wenn Ubisoft unter den wenigen größeren Publishern die Kulturfahne mal hisst und sich als Politisch hinstellt, wir haben mit Eletronic Arts und Activision schon genug weichgespülten für den Durschnittsamerikaner leicht konsumierbaren Kram, da kann sich gerne Ubisoft die Schuhe des Arthouse Gamestudios anziehen um die Spiellandschaft zu erweitern. Wer wenn nicht ein europäischer Publisher sollte hier voran gehen? Sony mal mit ihren "Leuchturmprojekten" außen vorgelassen, die damit nur ihr diverses Spieleportfolio bzw. Image unterfüttern

Ich persönlich hätte einfach mehr solche Streitbaren Spiele wie ein Death Stranding, Last of Us anstatt das 40ste Assasins Creed/Watch Dogs die (hart gesagt) nur ein Reskin ihrer Vorgänger sind. Ich hätte auch gerne mal ein Full Metal Jacket als Spiel anstatt eines Battlefields. Werden ich sowas in absehbarer Zeit bekommen. Leider nicht.

Reinhard
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Reinhard »

Auch wenn ich der Kritik vollumfänglich zustimme würde ich Ubisoft noch eine Karenzzeit bis zu den nächsten Spielen eingestehen. Der große 'Crash' inklusive internen Umstrukturierungen geschah diesen Sommer, ich bin mir sehr sicher dass eine Kehrtwendung bei den jetzt veröffentlichten Spielen nicht mehr möglich war.
Wenn die Ausführungen dass nur wenige Menschen mit riesigem Einfluss über alle Spiele entschieden haben stimmen, dann kann ich mir sehr gut erklären wie die Spiele wie wir sie jetzt haben entstanden sind. Natürlich ist es fraglich ob und inwiefern eine Änderung eintreten wird, die Möglichkeit möchte ich ihnen aber nicht absprechen wollen. Die nächsten Spiele werden es zeigen, gegen Null würde ich es nicht beziffern.

real Troll
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Registriert: 25. Dez 2019, 20:16

Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von real Troll »

Andre Peschke hat geschrieben:
17. Nov 2020, 20:16
Watchdogs 3 hat sich von ganz allein entschlossen, ein heißes Eisen anzufassen - und dann ganz schnell wieder fallen lassen. Das ist der Punkt: Erzähl halt eine gute Geschichte damit oder denk dein Szenario wirklich zuende oder sei mutig dabei. Aber die reine Instrumentalisierung aktueller Brennpunkte, um sie dann ganz schnell wieder beiseite zu legen, ist einfach nur lasch. Und das hat nichts mit AAA zu tun.
Die Wiederholung deines Standpunktes war gar nicht nötig, denn - um auch mal ein Kompliment einfließen zu lassen und nicht nur einen kompletten Beitrag lang zu nörgeln - du drückst dich mündlich ausgesprochen präzise aus und hältst dabei eine lebendige Sprache aufrecht, weil du konzise bleibst.
Mir ist dein Standpunkt einfach zu rigoros. Wer den ersten Schritt geht, habe gefälligst auch den ganzen Weg zu laufen? Nö. Nur weil ein launiger Arcade-Racer in seinen Oberflächen sichtbare Anleihen beim echten Autoverkehr nimmt, muss ich dennoch keine grimmige Simulation erwarten. Genauso wenig muss ein Ritter-und-Burgen-Spiel eine akkurate Versinnbildlichung des gegenwärtig möglichen geschichtswissenschaftlichen Wissens über soziale Hierarchien und mentale Katalysatoren der Gewaltbereitschaft zu Zeiten des Hochmittelalters sein.

Dieses "Muss" entspringt nicht dem Gegenstand, sondern wird ihm von deiner Kritik anbehauptet, wenn du derart entschlossen auf deiner Dichotomie des "Ganz oder gar nicht!" beharrst. Ich werbe hier für ein Denken in gestaffelten Intensitätsgraden, die ich für einen völlig legitimen Ansatz halte. Die Spannbreite von seicht bis tief darf ausgeschöpft werden. Und dass ich gerade AAA-Spiele schon aufgrund ihrer Entstehungszusammenhänge im Regelfall als Vertreter der inhaltlichen seichten Spielart vermute, hatte ich ja bereits ausgeführt.


@ Asgon
Deine Wünsche über wesentlich widerborstigere Spiele finde ich völlig verständlich. Ich kritisiere nur, dass man sie dem falschen Produzenten anträgt und dann die eigenen Erwartungshaltungen zu unreflektiert als alleinigen Wirklichkeitszugang betrachtet, der die Absichten des Entwicklers sowie die Interessen seines anvisierten Publikums in nur sehr reduzierter Weise aufnimmt. Das hat für mich immer einen unangenehmen Beiton: Wer nicht so will wie ich, verdiene nichts.

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Pikachu
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Pikachu »

real Troll hat geschrieben:
18. Nov 2020, 10:16
Ich kritisiere nur, dass man sie dem falschen Produzenten anträgt und dann die eigenen Erwartungshaltungen zu unreflektiert als alleinigen Wirklichkeitszugang betrachtet, der die Absichten des Entwicklers sowie die Interessen seines anvisierten Publikums in nur sehr reduzierter Weise aufnimmt. Das hat für mich immer einen unangenehmen Beiton: Wer nicht so will wie ich, verdiene nichts.
Sehr schön auf den Punkt gebracht :) Verstehe auch nicht warum gerade immer von Ubisoft erwartet wird keine 'Ubisoft-Spiele' mehr zu machen. Ich mag zum Beispiel Spiele nach der Ubisoft-Formel und bin froh 1-2 mal im Jahr ein solches spielen zu können.
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Andre Peschke
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Andre Peschke »

real Troll hat geschrieben:
18. Nov 2020, 10:16
Dieses "Muss" entspringt nicht dem Gegenstand, sondern wird ihm von deiner Kritik anbehauptet, wenn du derart entschlossen auf deiner Dichotomie des "Ganz oder gar nicht!" beharrst.
Aber das meine Kritik natürlich gewissermaßen willkürlich gesetzte Standards errichtet, ist doch klar. Weil es keine objektiv richtigen Bemessungskriterien gibt. Ich kann nur erklären, warum ich das für schlecht halte. Wenn du nun feststellst, dass meine Beurteilung "das ist schlecht" nicht allgemeingültig oder notwendig richtig ist: klar. Aber daraus haben wir ja noch nie einen Hehl gemacht und das ist jeder Kritik zueigen. Mein Anspruch an Spiele und meine Setzung, was ein gutes Spiel ausmacht, ist selbstverständlich die Grundlage meiner Kritik.

Und die Wiederholung schien durchaus nötig, weil deine Kritik für mich einige unnötige Zuspitzungen enthält. Das wir eine "angriffslustigen Verprellungslust" gefordert hätten, ist IMO reine Polemik. Genauso ist es wieder eine Zuspitzung zu sagen, die Kritik würde auf ein "ganz oder gar nicht" hinauslaufen. Denn die Kritik hat ja zwei Perspektiven, die sich nicht einfach auf eine Monospur runtermixen lassen. Die eine ist die Instrumentalisierung von aktuellen Hot-Button-Topics. Da haben wir eine moralische Perspektive besprochen. Da ist ja klar, dass das mit der Spielqualität nur mittelbar zu tun hat.

Die andere ist die Frage, ob die Geschichte trotz der Aversion diese Themen mit einer gewissen Ernsthaftigkeit umzusetzen denn gut ist. Da dürfte es - da stimme ich zu - auch seicht sein, das bedeutet nicht automatisch schlecht. Aber wenn es seicht ist, braucht es ja andere Kriterien anhand dessen die Qualität der Erzählung zu beurteilen wäre und da leistet das Spiel ebenfalls nix. Keine interessanten Wendungen, keine interessanten Figuren, keine gute Inszenierung, keine guten Dialoge, keine guten Sprecher, kein guter dramaturgischer Bogen.

Andre

manura133
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von manura133 »

Gonas hat geschrieben:
17. Nov 2020, 11:56
Irgendwo gegenüber entspannt im Auto zu sitzen aber gleichzeitig nur mit Kameras oder dem Bot das Gebäude zu infiltrieren war für mich eine super Powerfantasy. Auch gab es dabei so viele Spielereien. Es ist schwer das Gebiet mit meinem Bot zu betreten, kein Problem, ich nehme einen Kran in der Nähe und setze meinen Bot von oben ab. Das Gebiet ist stark bewacht? Ich fernsteuere ein Auto und lasse es auf der anderen Seite des Gebietes Chaos verursachen. Jetzt sind die zwar in Alarmbereitschaft, aber schauen in die falsche Richtung.
Um ehrlich zu sein, habe ich Legion in etwa genau so wahrgenommen.
Und ich war anfangs alles andere als begeistert. Bin aber dran geblieben und irgendwie hat der Sandboxspielplatz für mich funktioniert.
Alles andere kann und sollte man eventuell sogar ignorieren.
Also vielleicht schlägst du auch schon im ersten Sale für 30-40 € zu. Kann man finde ich machen, wenn einem die vielseitigen Lösungsmöglichkeiten (inkl. Powerfantasy) einer Szenerie gefallen.

real Troll
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von real Troll »

Andre Peschke hat geschrieben:
18. Nov 2020, 14:31
Natürlich wendest du deinen Maßstab an, welchen auch sonst? Ich möchte gar keine Diskussion, ob es eine per se göttergeküsste Perspektive gebe, die alle anderen überrage. Alles, was ich versuchen kann, ist dich mit meinen lieblichen Argumenten zu bezirzen. Wenn sie dir polemisch erscheinen, bedaure ich das wirklich.
Mein Punkt war der: Ich fand eure wieder und wieder vorgebrachte Bezichtigung, das AAA-Spiel sei nicht mutig und sanguinisch genug, leider zu reizlos, um über die Dauer der aufgewendeten Zeitspanne zu tragen. Ich greife gar nicht eure Beobachtung an. Klar, beim Massenverköstiger schmeckt es volkstümlicher als beim Spezialisten. Aber wen soll das überraschen? Bestimmt nicht das Publikum, das du dir hier aufgebaut hast.
Manchmal ist eine Lagerfeuerrunde, in der man sich an Geschichten über gemeinsame Urteile wärmt, ja ganz ersprießlich. Nur würde mir ein Fünfminutensegment vollends reichen, wenn die wesentliche Erkenntnis in der matten Risikolust des Massenbespaßers liegt.
Die naheliegenden Urteile finde ich überall. Zu euch komme ich in anderer Absicht.

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Puschkin
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Re: Runde #293: Watchdogs Legion

Beitrag von Puschkin »

Ich fand die Besprechung sehr interessant und wollte euch drei dafür nochmal loben.
Ich habe da noch eine etwas randständige Frage zu dem Spiel, dass ja mit Verschwörungsmythen in seiner Geschichte spielt:

Greift es eigentlich die Sache mit der "City of London" und dem umliegenden Metropol-London auf? Die sind ja zwei verwaltungseinheiten und die City of London hat ja an ihrer mehr oder weniger vorneuzeitlichen Verwaltungsstruktur festgehalten, was dazu führt, dass z.B. Unternehmen ein Stimmrecht haben.
Siehe auch das CGP Grey Video auf Englisch(deutsche imUntertitel)
https://youtu.be/LrObZ_HZZUc

Also wird das Thema aufgeriffen?
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