Alternative Videospielgeschichte

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RogueMike
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Alternative Videospielgeschichte

Beitrag von RogueMike »

Ein Thema, das ich schon immer irgendwie spannend fand und dennoch stark unterrepräsentiert scheint, ist Alternative Geschichte, schließlich sind "viele" bedeutende geschichtliche Entwicklungen mehr oder weniger zufällig entstanden bzw. hätten auch in (deutlich) andere Richtungen gehen können, gerade im Hinblick auf knappe Entscheidungen, "Geistesblitze" (bis hin zu ursprünglich nicht sehr wirkmächtigen Menschen) oder auch unglückliche Unfälle.

Wie sieht es diesbezüglich im Bereich der Videospiele aus? Ich würde gerne anstelle einer Fokussierung auf einzelne Ereignisse eher das gesamte System und seine Trends in den Vordergrund rücken. Die Frage, die ich dabei stelle, ist: Ausgehend von vergleichbaren politischen Rahmenbedingungen und ähnlicher technologischer Entwirklung (zumindest was Rechenleistung und ähnliches betrifft, nicht zwingend die daraus resultierenden Gaming-Produkte/Hardware), welche Entwicklungen kann man als überraschend bezeichnen? Was war unwahrscheinlich, was war eher (realistischen) Erwartungen ensprechend? Ich möchte in diesem Sinne folgende Thesen/Vermutungen aufstellen und bin gespannt auf eine Diskussion hierzu und darüber hinausgehend würde ich mich über weitere Thesen/Einschätzungen freuen:

1. (Man verzeihe mir meinen Username ;)) Roguelikes/lights sind erst verblüffend spät populär geworden. Spiele mit solch einer Spielstruktur hätte es schon bereits deutlich früher (in größerer Anzahl) geben können, um von ausgetreten Pfaden abzuweichen und bestimmte Spiele spannender und abwechslungsreicher zu machen. Zumal die zugrunde liegenden Algorithmen lediglich viel geistige Arbeit verlangen und den benötigten Speicherplatz, der lange Zeit rar war, eher noch entlasten wegen der möglichen Wiederverwendung grafischer Elemente nach Baukastenprinzip.

2. Die Popularität von Virtual Reality: Ich halte sowohl den frühen Mini-Boom in der ersten Hälfte der 90er ("echt früh!") sowie den aktuellen geringen Marktanteil bei bereits recht beeindruckenden Spielerlebnissen für ziemlich überraschend. Würde man die Spielegeschichte seit 1980 100 mal wiederholen, wäre Virtual Reality im Jahr 2021 vielleicht in 80 bis 90 Fällen populär als es jetzt de facto ist.

3. Sega war lange Zeit erstaunlich populär. In der Nachbetrachtung gilt es als Konsens, dass Nintendo deutlich mehr Klassiker herausgebracht hat, die heute noch einigermaßen spielenswert sind. Dennoch war der Marktanteil von Sega lange Zeit in der gleichen Größenordnung wie der von Nintendo. Ich vermute, dass die Marketinggenies von Sega ("Blast processing") einen großen Beitrag hierzu geleistet haben.

4. Tennisspiele sind erstaunlich konstant in ihrer Qualität geblieben, ausgehend von den frühen 90ern bis hin zu heute. Spiele wie "Jimmy Connors Tennis" oder "Super Tennis" zählten damals zu den besten Sportspielen, die Entwicklung zuletzt war aber ziemlich enttäuschend, Sportspiel-Sub-Genres wie Fußball oder Basketball sind da viel weiter. (Und Eishockey war früh recht ausgereift - ist aber auch leichter umzusetzen wegen weniger Spielern als bei Fußball und simplerer, 2D-freundlicherer Physik -> Puck meist am Boden, Magnus-Effekt nicht relevant)

5. Im Gegensatz zu Tennis: Es hat erstaunlich lange gedauert, bis es einigermaßen solide Fußballspiele gab. Ich habe es damals schon seltsam gefunden, dass man bei International Superstar Soccer (SNES oder auch die N64-Spiele, sie galten als die besten Fußballspiele, mit 90er-Wertungen, und vor ISS sah es noch düsterer aus) nicht weit herauszoomen konnte; man hätte vermutlich bereits früher das Gameplay mehr verfeinern können, auch schon in 2D. Die relativ hohe Bedeutung von Managerspielen in den 90ern finde ich hingegend wenig überraschend.

6. Echtzeit-Strategie-Spiele haben einen erstaunlich hohen Peak um die Jahrtausendwende gehabt, mit Warcraft 3 und StarCraft. Wer hätte gedacht, dass diese Spiele 20 Jahre später immer noch Quasi-Referenzen sind? Nicht ganz so überraschend finde ich den Zeitverlauf der Popularität dieses Genres. Typischerweise durchläuft ein Medium eine Phase ansteigender Komplexität der Produkte mit anschließender Zunahme der Zugänglichkeit. Beispiel Rockmusik: Beatles machen erst vergleichsweise einfache Musik, werden dann experimenteller, andere Bands entwickeln kurze Zeit später Progressive Rock, der in den 70ern seine Hochphase erlebt; seitdem nimmt die Komplexität im Allgemeinen wieder ab. Echtzeit-Strategie ist ein sehr anspruchsvolles Spielegenre und konnte entsprechend nur dann einen hohen Marktanteil haben als vorwiegend echte "Nerds" Videospiele konsumierten.

7. Flipperspiele waren erstaunlich lange schwach. Vor Timeshock (1997) gab es, trotz enormer Popularität in Arcade-Hallen und Freizeitparks, nichts wirklich überzeugendes, und selbst danach gab es nochmal eine längere Durtstrecke, Pinball FX2/3 (entstanden aus der Zen-Reihe) hat dann aber alles geändert, mittlerweile ist das Genre erstaunlich ausgereift.

Was ich mich insbesondere frage: Ist die aktuelle Situation mit einem Quasi-Monopol im PC-Bereich (Steam) ein wahrscheinliches Szenario gewesen?

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LegendaryAndre
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Re: Alternative Videospielgeschichte

Beitrag von LegendaryAndre »

RogueMike hat geschrieben:
7. Mär 2021, 03:50
3. Sega war lange Zeit erstaunlich populär. In der Nachbetrachtung gilt es als Konsens, dass Nintendo deutlich mehr Klassiker herausgebracht hat, die heute noch einigermaßen spielenswert sind. Dennoch war der Marktanteil von Sega lange Zeit in der gleichen Größenordnung wie der von Nintendo. Ich vermute, dass die Marketinggenies von Sega ("Blast processing") einen großen Beitrag hierzu geleistet haben.
Ein spannendes Thema! Punkt 3 hat mich besonders angesprochen. Meine Meinung dazu:

Zur Zeit des SNES hatten sowohl Nintendo als auch Sega großartige Spiele und beide Unternehmen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Dennoch war Nintendo ein Qualitätshersteller, während Sega auf wenige gute Titel fokussiert blieb, die dann meist doch nicht ganz die Klasse diverser Nintendo-Klassiker erreicht hat. Trotzdem habe ich auch das Mega Drive geliebt, aber in der Schulzeit war "Big N" für die meisten der große Player. Geändert hat sich das mit der Playstation, die dann doch überraschend auf den Markt gekommen ist.
Hier hätte alles auch ganz anders kommen können, nämlich dann wenn Sony einfach nur das CD-Laufwerk für Nintendo gebaut hätte und es nicht zu Differenzen zwischen den Herstellern gekommen wäre. Es hätte hier unterschiedliche Möglichkeiten gegeben. Geplant war das ursprünglich ja als Erweiterung für das Super NES, während es Sony erlaubt worden wäre eine eigene Play Station als Multimedia-CD-Rom-Gerät mit einem Anschluss für SNES-Module zu entwickeln.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nintendo_PlayStation

Eine Nintendo Playstation hätte vermutlich den Markt verändert. Gut möglich dass bestimmte Titel die für Sony's Playstation erschienen sind, dann unter Nintendo's Flagge entstanden wären (oder auch nicht). Final Fantasy 7 beispielsweise war ja ursprünglich für das "Ultra 64" (Nintendo 64) geplant, wurde dann aber unter anderem aufgrund des limitierten Speicherplatzes der Module doch für die Playstation herausgebracht. Je nachdem welchen Stellenwert Sony bei der Entwicklung eingenommen hätte, ist es nicht auszuschließen, dass Nintendo hier auch eine mächtige Monopolstellung hätte erlangen können.
An der Stelle wird es schwierig abzuschätzen, welchen Stellenwert dann Sega zukünftig eingenommen hätte.

Ich frage mich ob nicht eine andere Sache unter diesen veränderten Umständen anders ausgegangen wäre, nämlich die Entwicklung von Sega's Dreamcast. Nachdem damals die zweite Playstation nach langer Wartezeit endlich erschienen ist, gab es kaum Spiele für das recht teure Gerät und auf den ersten Blick erschien sie im Vergleich mit der Dreamcast-Konsole leistungsschwächer. Doch ich weiß noch, dass fast jeder bereit war so lange auf das Gerät zu warten, weil Sony einen großen Vertrauensvorschuss hatte. Ein entscheidender Grund das Gerät unabhängig von einem wirklich guten Spiel zu kaufen war damals auch das DVD-Laufwerk. DVD-Player waren da noch recht teuer. Sega hatte gute Spiele, doch viele wollten das was es zu Playstation-Zeiten gab mit besserer Grafik spielen und waren bereit zu warten. Außerdem war das Gerät optisch ansprechender und "erwachsener". Ich denke Sega hat sich da noch zu sehr am alten Schema orientiert und die Zeichen der Zeit übersehen. Was Internet anbelangt war Sega seiner Zeit weit voraus, hat aber auch die falsche Werbung geschaltet, die kaum jemand verstanden hat.

Doch wenn es Sony in der Form nie gegeben hätte und Nintendo es verpasst hätte jene coolen Spiele zu liefern, die zur Zeit der ersten Playstation veröffentlicht wurden, dann kann ich mir vorstellen dass Sega vermutlich eine Chance gehabt hätte. Vielleicht hätte sogar Sega das aufgegriffen. Shenmue beispielsweise war ja bereits ein sehr "erwachsenes" Spiel. Doch ich denke an der Stelle bringt es nichts weiter zu spekulieren, da alles sehr vage ist. An dem Punkt jedoch an dem es zum Bruch zwischen Nintendo und Sony gekommen ist, hätte sich der Markt aber auch ganz anders entwickeln können!

Giovanni
Beiträge: 49
Registriert: 7. Feb 2017, 09:12

Re: Alternative Videospielgeschichte

Beitrag von Giovanni »

RogueMike hat geschrieben:
7. Mär 2021, 03:50
4. Tennisspiele sind erstaunlich konstant in ihrer Qualität geblieben, ausgehend von den frühen 90ern bis hin zu heute. Spiele wie "Jimmy Connors Tennis" oder "Super Tennis" zählten damals zu den besten Sportspielen, die Entwicklung zuletzt war aber ziemlich enttäuschend, Sportspiel-Sub-Genres wie Fußball oder Basketball sind da viel weiter. (Und Eishockey war früh recht ausgereift - ist aber auch leichter umzusetzen wegen weniger Spielern als bei Fußball und simplerer, 2D-freundlicherer Physik -> Puck meist am Boden, Magnus-Effekt nicht relevant)
Das ärgert mich auch. Seit Top Spin 4 sind jetzt 10 Jahre vergangen und seitdem ist kein vernünftiges Tennisspiel mehr herausgekommen! Die PS4/XBOX One-Generation ist wahrscheinlich die erste Konsolengeneration ohne anständiges Tennisspiel. Die PS3 hatte noch drei große Tennisreihen, auf der PS4 gibt es nix. Ich bin inzwischen zu Final Match Tennis zurückgekehrt, was ich insgesamt immer noch für das beste Tennisspiel aller Zeiten halte.
Wahrscheinlich ist Tennis einfach insgesamt kein besonders populärer Sport mehr und die Hochzeit mit Becker, Graf und Stich (bzw. Borg, McEnroe, Evert, Connors, Navratilova, Lendl, Agassi) ist mittlerweile auch 30-40 Jahre her und selbst bei denen, die damit aufgewachsen sind, ist inzwischen die nostalgische Begeisterung verblaßt. Früher liefen alle wichtigen Tennisturniere auf ARD und ZDF, Tennis war allgegenwärtig und jeder hat das geguckt. Heutzutage muß man schon Sportfan sein um überhaupt noch mit Tennis konfrontiert zu werden. Daher ist der Markt für AAA-Tennisspiele langsam aber sicher weggeschrumpft und keiner von den großen Herstellern möchte noch das Risiko eingehen ein hochwertiges Tennisspiel herauszugeben.
RogueMike hat geschrieben:
7. Mär 2021, 03:50
5. Im Gegensatz zu Tennis: Es hat erstaunlich lange gedauert, bis es einigermaßen solide Fußballspiele gab. Ich habe es damals schon seltsam gefunden, dass man bei International Superstar Soccer (SNES oder auch die N64-Spiele, sie galten als die besten Fußballspiele, mit 90er-Wertungen, und vor ISS sah es noch düsterer aus) nicht weit herauszoomen konnte; man hätte vermutlich bereits früher das Gameplay mehr verfeinern können, auch schon in 2D. Die relativ hohe Bedeutung von Managerspielen in den 90ern finde ich hingegend wenig überraschend.
Da muss ich als Sensible Soccer-Fanatiker aber deutlich widersprechen und schon deine Grundprämisse verwerfen! Sensible Soccer mitsamt aller Nachfolger bis SWOS 96/97 sind nicht nur solide sondern natürlich weiterhin und unumstritten die besten Fußballspiele aller Zeiten und heute immer noch genauso zeitlos gut und flüssig spielbar wie vor 29 Jahren. Im Gegensatz zu Kick Off, was wesentlich mehr Übung erfordert, lassen sich auch schnell schöne Paßstaffetten auf den Rasen zaubern und durch die Top-Down-Perspektive ist die Übersichtlichkeit ohnehin unübertroffen.
Die Amiga-Varianten sind die besten, aber auch die Mega Drive-Version ist immer noch super für eine schnelle Runde zwischendurch (und der Ball klebt hier in der leichtesten Schwierigkeitseinstellung an den Füßen, was es noch einsteigerfreundlicher macht). Ich spiele das immer noch mit Freunden ab und zu.
Wo du aber Recht hast ist, dass man erst einmal heillos überfordert ist, wenn man sich an ein modernes FIFA oder PES gewöhnt hat und jetzt zu International Superstar Soccer (Deluxe) auf SNES oder Mega Drive zurückkehrt. Das artet dann meist in eine wüste Bolzerei aus, weil man nur einen kleinen Ausschnitt des Spielfeldes sieht und einem sofort ein gegnerischer Spieler auf den Füßen steht. Man erwartet PES/FIFA-Steuerung wird aber vom steifen und ruckartigen Spielaufbau überrascht. Ein schön gemächlicher Spielaufbau, bei dem man auch mal das Tempo aus dem Spiel nimmt, war früher fast unmöglich.
RogueMike hat geschrieben:
7. Mär 2021, 03:50
7. Flipperspiele waren erstaunlich lange schwach. Vor Timeshock (1997) gab es, trotz enormer Popularität in Arcade-Hallen und Freizeitparks, nichts wirklich überzeugendes, und selbst danach gab es nochmal eine längere Durtstrecke, Pinball FX2/3 (entstanden aus der Zen-Reihe) hat dann aber alles geändert, mittlerweile ist das Genre erstaunlich ausgereift.
Ist das tatsächlich so? Ich bin überhaupt kein Flipperpurist, daher war ich bis heute der Meinung, dass die Amiga-Flipper von DICE (Pinball Fantasies, Dreams und Illusions) super Spiele waren und für die damaligen Verhältnisse gute Nachbildungen (im Rahmen des technisch möglichen) einer Flippermaschine waren. Zumindest haben wir das 1992 so empfunden. Und ich weiß auch nicht, ob man die Ballphysik auf einem Amiga mit all seinen Begrenzungen besser hätte umsetzen können.

Inkognito
Beiträge: 372
Registriert: 1. Aug 2020, 14:03

Re: Alternative Videospielgeschichte

Beitrag von Inkognito »

Hochinteressanter Eingangspost.

Bezüglich RTS:
Habe seit letztem Jahr alles im Genre querbeet gespielt.
Auch aus heutiger Sicht sind die damaligen Peaktitel immer noch die Referenz. Würde AoE2 und C&C Tiberian Sun (als SP, beide aus 1999)) ganz oben sehen. Mir unbegreiflich, wie seitdem da kein RTS mehr rankommen konnte.

RogueMike
Beiträge: 131
Registriert: 24. Apr 2018, 07:23

Re: Alternative Videospielgeschichte

Beitrag von RogueMike »

Giovanni hat geschrieben:
8. Mär 2021, 10:44
Ich bin überhaupt kein Flipperpurist, daher war ich bis heute der Meinung, dass die Amiga-Flipper von DICE (Pinball Fantasies, Dreams und Illusions) super Spiele waren und für die damaligen Verhältnisse gute Nachbildungen (im Rahmen des technisch möglichen) einer Flippermaschine waren. Zumindest haben wir das 1992 so empfunden. Und ich weiß auch nicht, ob man die Ballphysik auf einem Amiga mit all seinen Begrenzungen besser hätte umsetzen können.
Was nun genau damals technisch möglich war, da bin ich kein Experte, aber ich denke dennoch, dass in Anbetracht des damaligen Flipper-Hypes der Output Anfang bis Mitte der 90er recht schwach war; der Unterschied zu Timeshock und erst Recht Pinball FX2/3 ist schon extrem, sowohl in Sachen Ballphysik als auch Tischdesign (da gab es ja auch damals schon gute Vorbilder). Hierzu eine kurze Anekdote: Ich erinnere mich, dass in meiner ersten Uni-Zeit ein Professor für Theoretische Physik (Schwerpunkt Theoretische Mechanik) davon erzählte, in seiner Jugendzeit viele Berechnungen für die Bewegungsabläufe (->Kugel) in Flippertischen gemacht zu haben. Hätte so jemand mit einem der Entwickler kooperiert, wäre wohl was Besseres herausgekommen.

Aber nicht falsch verstehen: Pinball Fantasies/Dreams/Illusions waren gute Flipper"simulationen" für die damalige Zeit, nur hätte es eben mehr sein können. Warum sind manche Leute trotzdem total drauf abgefahren? Oder: Warum bin ich damals als Kind auf die GameBoy-Flippertische (die tatsächlich in Anbetracht des Systems eratunlich gut waren) "Revenge of the Gator" und "Kirby's Pinball Land" so sehr abgefahren? Ich denke, dass Flipperspiele für ein spezielles Klientiel einfach grundsätzlich eine enorme Faszination ausüben, weil es so ziemlich die actionreichsten und interessantesten HighScore-Spiele der damaligen Zeit waren (eigentlich bis heute).

Bemerkenswert finde ich noch, wie komplex und fantastisch gut die Intro-Tracks für Pinball Dreams (https://www.youtube.com/watch?v=LMM9jWRH_vY&t=20s) und Pinball Fantasies (https://www.youtube.com/watch?v=wTLhWXv2I4A) sind.
Giovanni hat geschrieben:
8. Mär 2021, 10:44
Sensible Soccer mitsamt aller Nachfolger bis SWOS 96/97 sind nicht nur solide sondern natürlich weiterhin und unumstritten die besten Fußballspiele aller Zeiten und heute immer noch genauso zeitlos gut und flüssig spielbar wie vor 29 Jahren.
Puh, das ist nun wirklich eine gewagte These! Auch ich mochte dieses Spiel (SWOS 96/97 auf dem Amiga) damals sehr, finde aber den Unterschied zu eFootball PES 2021 SEASON UPDATE (läuft aber eigenständig) wirklich gewaltig. Hast du dieses Spiel mal ausprobiert? Zudem, vielleicht litt ich damals unter einer Geschmacksverirrung, aber ich hatte die frühen ISS-Titel mehr gespielt als SWOS 96/97.
Giovanni hat geschrieben:
8. Mär 2021, 10:44
Wahrscheinlich ist Tennis einfach insgesamt kein besonders populärer Sport mehr und die Hochzeit mit Becker, Graf und Stich (bzw. Borg, McEnroe, Evert, Connors, Navratilova, Lendl, Agassi) ist mittlerweile auch 30-40 Jahre her und selbst bei denen, die damit aufgewachsen sind, ist inzwischen die nostalgische Begeisterung verblaßt. Früher liefen alle wichtigen Tennisturniere auf ARD und ZDF, Tennis war allgegenwärtig und jeder hat das geguckt. Heutzutage muß man schon Sportfan sein um überhaupt noch mit Tennis konfrontiert zu werden. Daher ist der Markt für AAA-Tennisspiele langsam aber sicher weggeschrumpft und keiner von den großen Herstellern möchte noch das Risiko eingehen ein hochwertiges Tennisspiel herauszugeben.
Hmm, ich bin mir bei dieser Beurteilung nicht sicher, immerhin haben wie zuletzt die gleichzeitige Koexistenz von Federer, Nadal und Djokovic (die zweifellos besten Tennisspieler aller Zeiten, zudem gab es Serena Williams statt Steffi Graf bei den Damen - wobei: Steffi Graf ist schon irgendwie unangefochten spitze, allein schon der Cameo-Auftritt bei "Otto der Außerfriesische"* :D) auf der Höhe ihres Schaffens erlebt. Ich glaube, es gibt keine wirklich gute Erklärung für diese Tennis-Durststrecke, manchmal passieren einfach seltsame Dinge auf "zufällige" Weise.

* Hier das passende Video:
https://www.youtube.com/watch?v=dARJHhCdC6g

Giovanni
Beiträge: 49
Registriert: 7. Feb 2017, 09:12

Re: Alternative Videospielgeschichte

Beitrag von Giovanni »

RogueMike hat geschrieben:
8. Mär 2021, 19:03
Auch ich mochte dieses Spiel (SWOS 96/97 auf dem Amiga) damals sehr, finde aber den Unterschied zu eFootball PES 2021 SEASON UPDATE (läuft aber eigenständig) wirklich gewaltig. Hast du dieses Spiel mal ausprobiert?
Ich hatte mir vorgenommen PES 2021 nicht zu kaufen, weil ich mir bei PES ohnehin immer 1980er-Bundesligakader zusammenbaue und keinen Bock hatte für ein schnödes Kaderupdate nochmal von vorn anzufangen und mich von Neuem mit dem Editor rumzuplagen. Da ich es aber im Gamepass habe, habe ich es mir dann aber doch geholt. Allerdings habe ich es nur ein paar Stunden gespielt, da ich mit meiner PES 2020-Meisterliga immer noch nicht fertig bin. Daher kann ich mir keine wirkliche Meinung erlauben. Hast du denn irgendwelche Gameplay-Unterschiede zu PES 2020 festgestellt oder ist das tatsächlich nur ein Kaderupdate auf dem Stand des letzten großen Gameplayupdates von PES 2020?
Ich will ja auch gar nicht leugnen, dass ich desillusioniert bin. Früher hat mich ein PES ein ganzes Jahr lang unterhalten und ich habe 10-15 Saisons in der Master League verbracht. Es gibt aber so viele Dinge die mich bei PES inzwischen nerven. Die gesamte Meisterliga müßte mal überholt werden. Oder die fehlenden KI-Fouls zum Beispiel. Und die fehlerhaft, unabhängig vom wirklichen Spielstil der echten Mannschaft, skalierende KI. Wenn ich gegen Sheffield Wednesday spiele, sollen die auch auf den höheren Schwierigkeitsgraden immer noch so glaubwürdig scheiße spielen wie Sheffield Wednesday in Wirklichkeit spielt, eben nur auf höherem Niveau. Glaubwürdiger KI-Kackfußball auf hohem Niveau mit 11 Mann im eigenen Strafraum und hohen Bällen. Das wär mal super. Und nicht auf einmal Tiki-Taka und Ballstafetten. Dann spiele ich tatsächlich lieber gleich SWOS, da fällt mir das nicht so auf.
Wenn man die 18 (?) anderen PES nicht kennt und PES 2021 das erste PES ist, das man spielt, ist es sicherlich das beste Fußballspiel. Keine Frage.
RogueMike hat geschrieben:
8. Mär 2021, 19:03
Ich glaube, es gibt keine wirklich gute Erklärung für diese Tennis-Durststrecke, manchmal passieren einfach seltsame Dinge auf "zufällige" Weise.
Bei mir sind das nur Mutmaßungen und vor allem eine deutsche Perspektive. Ich kann mich an stetig fallende und seit 1994 halbierte Mitgliederzahlen beim Deutschen Tennisbund oder die international proportional fallenden Fernsehzuschaueranteile erinnern. Eine oft gehörte US-amerikanische Perspektive ist, dass der Tennis-Boom schon in den 70ern und Anfang der 80er stattfand und es seitdem stetig bergab ging. Ob und inwiefern sich das auch auf die Videospiele abgefärbt hat, weiß ich nicht und habe auch keine Daten um das zu untermauern.
Um die wirklichen Beweggründe zu erfahren, müsste man mal die Marketingabteilungen von Take 2, Sega und EA fragen, warum seit 2011 kein neues Top Spin, Virtua Tennis oder Grand Slam Tennis mehr erschienen ist.

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lipt00n
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Re: Alternative Videospielgeschichte

Beitrag von lipt00n »

Ich denke, beim Tennis ist es auf Popularität zurückzuführen. Und natürlich auch auf die Grundlagen, aus denen man heute wirtschaftliche Entscheidungen in der Branche trifft.
Ich habe noch nie von jemandem gehört, der am Wochenende keine Zeit hat, weil er sich ein Tennismatch reinziehen will, wohingegen das bei Fussball natürlich keine Seltenheit ist. Sogar Handball ist in meiner Wahrnehmung populärer.

In meinem gesamten erweiterten Bekanntenkreis gibt es exakt eine Person, die überhaupt Interesse am Profi-Tennis hat.

Ich liefere aber gleich noch den Gegenbeweis: Mich selbst interessiert Tennis eigentlich auch nicht die Bohne, ich spiele Tennisspiele aber sehr, sehr gerne. Vor allem wegen der "easy to learn, hard to master" Spielmechanik und dem befriedigenden Gefühl, sich mit guten Timings in einen Flow zu spielen :D
Bild
Mal wieder unterwegs: dorfkartoffel.com

lolaldanee
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Re: Alternative Videospielgeschichte

Beitrag von lolaldanee »

Nicht zu vergessen: Tennis ist ein Sport, der sich am PC in allen Varianten super umsetzen lässt (Pong(!), Bewungssteuerung, Hardcore Simulation ala TopSpin)
Das gilt nicht für alle Sportarten

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Rossy
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Re: Alternative Videospielgeschichte

Beitrag von Rossy »

Inkognito hat geschrieben:
8. Mär 2021, 13:24
Hochinteressanter Eingangspost.

Bezüglich RTS:
Habe seit letztem Jahr alles im Genre querbeet gespielt.
Auch aus heutiger Sicht sind die damaligen Peaktitel immer noch die Referenz. Würde AoE2 und C&C Tiberian Sun (als SP, beide aus 1999)) ganz oben sehen. Mir unbegreiflich, wie seitdem da kein RTS mehr rankommen konnte.
Aus MP Sicht sieht das ähnlich aus, an ein AoE2 kann man nur schwer rankommen, es wird ja in der Definitive Edition ja auch heute recht viel gespielt.

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