[Spoiler!] Fallout 4 - Das Ende

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Vinter
Beiträge: 3276
Registriert: 25. Jan 2016, 02:50

[Spoiler!] Fallout 4 - Das Ende

Beitrag von Vinter »

Servus Leute!
Ich bin erstaunt, dass es hier noch gar keinen Fallout 4 Thread gibt, trotz expliziter Folge dafür. Deswegen mach ich das jetzt.

Zunächst noch mal als deutliche Warnung: Ich werde hier extrem spoilern. Wer das Spiel noch nicht beendet hat, sollte hier nicht weiter lesen.
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Ich hab gestern Abend Fallout 4 beendet und musste aus Wut erst mal die (bewusst übersprungene) Fallout 4 Podcast Folge hören.
Zunächst ganz deutlich gesagt: Ich mochte Prämisse und Story. Beides sind für mich extrem wichtige Faktoren, wenn es darum geht, ob mir ein Spiel gefällt oder nicht
und im Gegensatz zum allgemeinen Tenor bzgl. Bethesda-Storylines (Das gehört ja mittlerweile zum guten Ton...) fand ich die Story nicht nur brauchbar, sondern interessant.
Die persönliche Ebene mit der Entführung von Shaun (trotz all der Probleme, die sich da an der Schnittstelle Story/Gameplay in einer offenen Welt ergeben) fand ich motivierend, die Bedrohung durch das Institut im Hintergrund und der rote Faden, der diese beiden Elemente der Handlung zusammengehalten hat war interessant. Ebenso natürlich der Schatten des Instituts selber, die Angst der Bewohner vor dem Institut, die Synth. Nick Valentine ist natürlich die coolste Sau unter der Sonne, die ganze Verkettung mit Kellog, dem leuchtenden Meer, der Jagd auf den Runner, selbst das Detail mit dem Klassik-Radio als Trägersignal für den Institut-Transporter ist echt ne klasse Idee weil man es die ganze Zeit vor der Nase hat. Alles bestens.

Und dann kommst du ins Institut. Auftritt Shaun. Dass der Typ mittlerweile ein alter Mann ist, war zu dem Zeitpunkt relativ vorhersehbar. Aber wie diese Storyline dann in einem derartigen Anti-Klimax kulminiert ist ein regelrechter Schlag in das Gesicht. Ich vermute mal, es gibt im wesentlichen drei mögliche Verläufe für die Hauptquest, je einen für Institut, Brotherhood und Railroad. Ich beziehe mich hier auf den Institut-Verlauf.

Anstatt jetzt also ein Feuerwerk aufzufahren fängt das Spiel an, dich x mal hintereinander auf irgendwelche blödsinnigen Botenjungenquests zu schicken. Und natürlich hast du als Spieler die ganze Zeit den Eindruck, dass in diesem Laden irgendwas nicht stimmt. Aber du spielst natürlich erst mal mit, denn es ist ja dein Sohn und die dicke Enthüllung der finsteren Pläne wird sicher noch kommen. Aber da kommt GAR NICHTS. Es wird nicht mal erklärt, was genau das Institut vor hat mit den Synths. Nur irgendwelche Allgemeinplätze von "Rettung der Menschheit" werden vom Stapel gelassen, die natürlich gleich dadurch unterwandert werden, dass diese Typen nicht wirklich sowas wie Anstand besitzen und einfach mal Leute entführen oder töten und gerne mal unverhohlene Drohungen gegen die Menschen im Commonwealth aussprechen. Und die einzige Begründung, die das Spiel dafür liefert ist "Muss jetzt aber sein!". Und als Spieler bist du dem ganzen völlig hilflos ausgeliefert, weil du NICHTS daran ändern kannst. Klar, du kannst zwischendurch zur Brotherhood, aber das willst du nicht. Du wartest ja noch auf die Enthüllung, auf einen Grund, deinen Sohn zu hintergehen, für den du diesen ganzen Scheiß überhaupt erst hinter dir hast. Auf den Zeitpunkt, an dem du die Notbremse ziehen kannst, aus dem Laden aussteigst, zurück zur Brotherhood oder Railroad schleichen kannst und sagen "Hey Jungs, ich hab mich geirrt, das Institut sind Drecksäcke, lasst uns die Bude abreißen". Aber der Punkt kommt nie.

Der Gipfel der Dummheit ist dann in der vorletzten Mission erreicht, wo mich Shaun losschickt, die Railroad platt zu walzen. Und es entspinnt sich sinngemäß folgender Dialog:

"Vater, geh los und hau die Railroad rum" - "Shaun, das ist nicht dein Ernst, wir müssen eine andere Lösung finden." - "Doch, es muss sein, das sind Fanatiker, töte sie" - "Nein, das werde ich nicht, da gibt es keinen Grund zu." - "Doch."

Und hier endet das Gespräch und ich hab ne neue Quest im Questbuch mit dem einzigen Ziel und der einzigen Option, die Railroad auszulöschen. Entweder das, oder ich spiele die Hauptquest nicht weiter. Und das übrigens, obwohl ich zu dem Zeitpunkt nominell Direktor des Instituts bin. Und zu dem Zeitpunkt hab ich mir ernsthaft überlegt, ob ich das Dingen wirklich weiter spielen oder lieber den Controller vor die Wand pfeffern soll. Wie kann man seine Spieler so vor den Kopf stoßen? Wofür überhaupt dieser fadenscheinige Versuch, mir über das Dialogsystem vorzugaukeln, ich hätte eine Wahl, wenn ich sie in Wirklichkeit gar nicht habe? Hat von den Designern mal jemals einer Fallout 1 oder 2 gespielt? Wie viele absurd viele Lösungsmöglichkeiten es da teilweise für eine Quest gibt: Wo man sich irgend eine Krude Lösung für das Problem überlegt, eigentlich erwartet, dass das nicht vorgesehen ist, nur um dann festzustellen, dass da tatsächlich jemand auch diese völlig obskure Lösung in das Spiel eingebaut hat, einzig, weil sie SINN ergibt. Und in Fallout 4 kann ich nicht mal mehr aus diesem Zug aussteigen, auch wenn er grade vor die Wand fährt. Stattdessen muss ich hilflos mit ansehen, wie meine Figur achselzuckend Dinge tut, die ich sie gar nicht tuen lassen will. Muss Menschen töten, die mir nichts getan haben. Kann das Institut nicht zu einem friedlichen Teil des Commonwealth machen, sondern muss alle meine Verbündeten und Freunde auf Zuruf niedermetzeln.

Und wofür das Ganze? Am Ende gibts nicht mal eine Erklärung, irgendwas mit Substanz. Ich weiß nicht was das Institut will. Ich weiß nicht, ob die Synth die Menschen ersetzen. Ich weiß nur, dass die letzte Mission mich natürlich obligatorisch losgeschickt hat, nun auch die Brotherhood auszurotten und dann kommt eine völlig generische 60-sekündige Endsequenz die nicht mal darauf eingeht, welchen Pfad ich gewählt habe oder wie ich mich im Commonwealth verhalten habe. Eine Endsequenz, die rein gar nichts mit dem Spiel zu tun hat. Und vorallem: Wer ist denn jetzt eigentlich der Gegenspieler in diesem Spiel? Das Institut wohl nicht, denn das ist ja darauf angelegt, eine gleichberechtigte Fraktion zu sein neben den anderen. Die Leute sind nett, man kann mit denen schön quasseln und das Spiel scheint sowieso davon auszugehen, dass ich willfähiger und überzeugter Unterstützer des Instituts bin. Stattdessen werden mal eben die Brotherhood und die Railroad als Ersatzbösewichter eingewechselt, bei denen es zwar eine Begründung herbeigezogen wird ("Die finden uns doof!") aber nichts, was in irgend einer Form für den Spieler motivierend wäre oder gar ausreichend, nachdem die Brotherhood zuvor (wahrscheinlich) ewige Zeiten lang Verbündete waren.

Im ernst, ich nörgel relativ selten an Enden herum, vielleicht ist das Gewöhnungssache, aber so ein desaströses Ende (und damit mein ich Rückblickend das letzte viertel der Storyline) hab ich wirklich selten erlebt. Was für eine unfassbare Enttäuschung. Sind die anderen Storylines sinnvoller? Gibt es da Möglichkeiten der Einflussnahme und interessante Wahlmöglichkeiten, oder sitzt man da genau so in der Geisterbahn fest, während man vom Spiel an den "Attraktionen" vorbeigeführt wird?

Ich könnte mich jetzt auch weiter über gewisse Gameplay-Sachen ärgern, aber das ist hier schon ziemlich lang geworden, deswegen belass ich es für's erste dabei. Ich musste irgendwo meinen Frust ablassen, wo ginge das besser als am digitalen Stammtisch?

Viele Grüße und danke fürs lesen.

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Andre Peschke
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Re: [Spoiler!] Fallout 4 - Das Ende

Beitrag von Andre Peschke »

Was ich bei der Begegnung mit Shaun so schade finde ist, dass die Beziehung zwischen Vater und Sohn so gar nicht weiter erforscht wird. Ihr Rollen haben sich zu einem gewissen Grad umgekehrt (Shaun ist jetzt der ältere und versteht die dem Vater fremde Welt), es steht die Frage im Raum, wie viel Shaun für den Vater empfinden kann, den er nie gekannt hat, während er für uns nur ein paar Wochen (?) weg gewesen ist etc. Statt diese Konstellation zu erforschen (wenn es Shaun nie zu retten galt und er uns nicht liebt, welchen Sinn hatten allmunsere Taten?), maxht ihn das Spiel, wie von dir erwähnt, zu einem weiteren Questgiver. Ich habe auch das Gefühl, die emotionale Basis wäre auch interessanter gewesen, wäre Shaun nicht als Säugling entführt worden. So hätten Vater und Sohn ein wenig gemeinsame Vergangenheit.

Andre

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Malvitus
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Re: [Spoiler!] Fallout 4 - Das Ende

Beitrag von Malvitus »

Ich fand die Story komplett daneben, bescheuert, langweilig und dumm. Ich kann verschmerzen, dass die gespielte Dringlichkeit der Hauptquest nach etwa 3 Minuten an der Oberfläche sich komplett mit allem beißt was man vorgesetzt bekommt. Ich kann verstehen das man grad nichts besseres zur Hand hatte als die bereits tausendmal durchgekaute "Wann ist eine Maschiene ein Mensch"- Geschichte, die sich wiederrum komplett mit der Low-Tech Umgebung beißt. Aber diese Fraktionsscheiße hat dem ganzen den Rest gegeben. Ich kann gleichzeitig in allen drei Fraktionen abhängen, die offensichtlich verfeindet sind. Kein Problem. Ich spaziere einfach mit meiner Brotherhood of Steel Power Armor rein und wir sind beste Freunde. Ja ne is klar. Und dann soll ich noch irgendwas ernst nehmen?

Dem ganzen den Rest gegeben hat dann eine Geschichte, die sich genau so zugetragen hat. Nachdem der unglaublich langweilige Institut abschnitt vorbei war (Mama/Papa ich bin dein Vater oder so), war ich auf der ersten instituts Mission bei den Piraten wo man den Courser dabei hat. Mitten in der Quest kommt die Brotherhood of Stell mit einem Vertibird an , landet vor unseren Füßen. Dann fangen sich Courser und Brotherhood of Steel wild an zu beschießen. Da er unsterblich aber in der Unterzahl ist zergt er sich seinen Weg laaaaangsam durch die Soldaten. Zu keinem einzigen Zeitpunkt kommt der Brotherhood mal die Frage in den Kopf "Sag ma, was macht unser Parteimitglied eigentlich da?". Ab da war die Immersion komplett für die Tonne und ich konnte das ganze Theater null ernst nehmen.

Ich habe dann, weil ich nicht mehr wirklich Lust hatte und lieber witcher 3 anfangen wollte stumpf die Brotherhood missionen durchgezogen ( Die hatten immerhin einen Ballon). Den Roboter gebaut. Im Institut alle abgeballert. Dann lag da irgendwie Shaun aus mir unerfindlichen Gründen da. Glaube er war am Sterben. Hatt irgendwas gelabert von wegen ich sei alles schuld. Noch während er am Reden war bin ich zwei schritte zurück gegangen um aus dem Dialog zu kommen und hab ihm die Rübe weggeballert. Chapeau dass das ging. Das hat mich dann noch positiv überrascht.

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Vinter
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Re: [Spoiler!] Fallout 4 - Das Ende

Beitrag von Vinter »

Andre Peschke hat geschrieben:Was ich bei der Begegnung mit Shaun so schade finde ist, dass die Beziehung zwischen Vater und Sohn so gar nicht weiter erforscht wird.
Richtig. Das Spiel nickt die große Enthüllung (obwohl man sich das natürlich denken kann) mal eben weg und nach 10 Minuten Gespräch ists wieder Business as Usual und du verkommst zum Handlanger, der von seinem ihm unbekannten Sohn als Auftragsmörder eingesetzt wird. Bis zu dem Zeitpunkt fand ich Story und Prämisse tatsächlich interessant, aber ab da ging es so radikal bergab, dass es eine Schande ist - läuft das in den anderen Strängen (Railroad, Brotherhood) genau so schlecht? Mir gruselt es ja schon davor, an welchen Stellen dir das Spiel die Möglichkeit gibt, das Institut zu verraten: Da steht überhaupt keine Charaktermotivation hinter. Diese ganze Vater-Sohn-Geschichte ist in dem Moment unter den Tisch gefallen, wo man das Institut betritt. Das ist alles sowas von amateurhaft...
Zu keinem einzigen Zeitpunkt kommt der Brotherhood mal die Frage in den Kopf "Sag ma, was macht unser Parteimitglied eigentlich da?".
Sowas ist auch mir aufgefallen. In meinem allgemeinen Frust über die Entwicklung der Story spielten solche Anschlussfehler dann aber nur noch eine untergeordnete Rolle. Das ist selbstverständlich grob idiotisch, aber ich hatte keine Lust, mich darüber auch noch aufzuregen bzw. die Immersion war für mich zu dem Zeitpunkt schon so versaut, dass das nur noch ein weitere Tropfen auf dem heißen Stein war.

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Andre Peschke
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Re: [Spoiler!] Fallout 4 - Das Ende

Beitrag von Andre Peschke »

Vinter hat geschrieben:läuft das in den anderen Strängen (Railroad, Brotherhood) genau so schlecht? Mir gruselt es ja schon davor, an welchen Stellen dir das Spiel die Möglichkeit gibt, das Institut zu verraten: Da steht überhaupt keine Charaktermotivation hinter. Diese ganze Vater-Sohn-Geschichte ist in dem Moment unter den Tisch gefallen, wo man das Institut betritt. Das ist alles sowas von amateurhaft...
AFAIK ist der Handlungsverlauf dort jedenfalls nicht so, dass er die Problematik auffangen würde. Ich habe allerdings auch die Institus-Storyline gespielt, weil die mir im Rahmen der Handlung immer noch die konsequentest Fortführung erschien und ich sehen wollte, wie die Autoren hier den Handlungsverlauf weiterentwickeln. Das die Antwort "praktisch gar nicht" lauten würde, war da ja noch nicht sicher. ^^ Soweit ich weiß, läuft ja immer alles auf den Tod von Sean hinaus. Ich vermute also, dass sie da einfach immer die Handlungsstränge an diesem Punkt zusammenführen und dann nur noch die interne Perspektive der jeweiligen Partei darauf anwenden.

Andre

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Vinter
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Re: [Spoiler!] Fallout 4 - Das Ende

Beitrag von Vinter »

Andre Peschke hat geschrieben: Ich habe allerdings auch die Institus-Storyline gespielt, weil die mir im Rahmen der Handlung immer noch die konsequentest Fortführung erschien
Jup, das ist es. Das Spiel bietet dir keinen Punkt an, an dem du aus Charaktersicht "sinnvoll" aus der Institutsquest aussteigen kannst. Zumindest mir ging es bis zu dem Zeitpunkt so, dass ich außer wilden Gerüchten und einigen Synth-Gegnern nichts wirklich handfestes gegen das Insitut in der Hand hatte. Evtl. ergibt sich das ja anders, wenn man komplett Brotherhood/Raidroad spielt und die jeweilige Questreihe auch konsequent bis zum Ende verfolgt? Das war bei mir leider nicht möglich, weil ich ich durch die Hauptquest davon ausgeschlossen hatte.

Kann mir denn mal jemand erklären, was "genau" das Institut vor hat? Das ist mir nämlich bis zum Ende des Spiels nicht klar geworden. Die Railroad hat ja zumindest eine ethisch-moralische Ideologie und auch die Brotherhood hat ja eine Selbstwahrnehmung als Schutzmacht und legitimer Herrscher über das Ödland. Aber das Institut bleibt auch in der Institutsquest lediglich völlig gesichtslos - stattdessen fehlt dem Spiel plötzlich wie schon gesagt der Gegenspieler.

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Max
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Re: [Spoiler!] Fallout 4 - Das Ende

Beitrag von Max »

Ich habe Fallout 4 gestern Abend auch beendet. Ich sollte fast endlich einfügen, weil sich so ein bisschen die typische Bethesda-Problematik, die sich bei mir immer einstellt, erneut aufgetan hat. Und zwar spiele ich die Hauptstory zunächst bewusst langsam, um möglichst viel Erkundung und Nebenaufgaben zu machen, weil ich genau weiß, dass ich dafür keine Motivation mehr habe, wenn ich die Hauptstory durchgespielt habe. Und irgendwann erreicht das Spiel dann den toten Punkt, an dem die Luft langsam raus ist, und man hat plötzlich aber noch zehn Stunden Hauptquests vor sich. Frustrierend, aber auch eher mein Problem. Das würde ich dem Spiel nicht ankreiden wollen.

Die Geschichte selbst fand ich anfangs durchaus nicht uninteressant. Das Institut als mysteriöses Element hat mir gut gefallen. Wie es aber oft mit Mysterien ist: Sobald sie aufgedeckt werden, verlieren sie ihren Reiz. So war es auch mit dem Institut. Sobald ich es betreten hatte, fand ich es sturzlangweilig. Immerhin hatte ich den Mini-Twist mit Shaun als alten Mann nicht vorhergesehen, das war ein recht cooler Moment. Ansonsten war die Ausgangslage ja nur eine etwas modifizierte Version von Fallout 3, man sucht halt hier den Sohn und nicht den Vater. Wie im Podcast schon angemerkt, funktioniert das allerdings deutlich schlechter als bei Fallout 3. Generell hasse ich es, wenn Spiele innerhalb einer Reihe immer mit demselben Wasser kochen. Das ging mir auch schon bei der Assassin’s-Creed-Reihe mit dem ständig wiederkehrenden Element der Rache auf den Geist.
Das Problem der Geschichte ist meiner Ansicht nach, dass sie zunächst den Eindruck erweckt, sie würde tatsächlich eine persönliche Emotionalität aufbauen, und dies dann aber im Spiel überhaupt nicht ausführt. Die Figur Shaun wird mir, sobald ich sie treffe, nicht im Geringsten vorgestellt. Die Entwickler scheinen hier zu glauben, dass sie mit dem einfachen Hinweis „Das ist dein Sohn“ schon eine Bindung aufbauen können. So einfach geht das aber nicht. Shaun ist mir, solange ich ihn nicht kennengelernt habe, völlig egal. Und da das nie ausführlich passiert, war er mir auch noch egal, als ich ihn samt des Instituts in die Luft gejagt habe.

Als Gutmensch, der nicht aus seiner Haut kann, habe ich mich dann für die Railroad entschieden. Ich hatte schon immer eine Schwäche für die Unterdrückten. Diese Storyline ist insofern interessant, als dass sie es dem Spieler erlaubt, trotzdem den Großteil der Instituts-Geschichte zu absolvieren, da man Undercover dort arbeitet.
Kritische Anmerkung zu der Unterdrückungsgeschichte: Man kann mit den Synths keine Beziehung eingehen. Daran merkt man, dass dieses ganze Spielelement mal wieder nur auf den sexuellen Aspekt reduziert ist. Ansonsten werden mir die Synths als empfindsame, dem Menschen gleichwertige Wesen vorgestellt, warum sollen diese also nicht lieben können? Das beißt sich meiner Meinung nach mit der sonstigen Moral, die das Spiel hier aufmachen will. Wie viel Zeit ich damit verbracht habe, Nick zufriedenzustellen, nur um dann in einer Wiki zu lesen, dass man mit den Synths nicht flirten kann.

Vom Spielgefühl her ist Fallout 4 meiner Ansicht nach ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung. Ich mochte Fallout 3 sehr gerne, aber dessen Steuerung empfand ich als fürchterlich. Das Shooter-Gameplay ist deutlich verbessert, alleine die schnellere Bewegung steigert den Komfort enorm.
Eine der besten Neuerungen ist meiner Meinung nach die Vertonung des Spielers. Ich weiß, dass das für die meisten vermutlich nur eine Nebensächlichkeit ist, aber ich fand es schon immer fürchterlich, wenn man eine stumme Person spielt. Das ist mir auch schon beim Sprung von Bioshock zu Bioshock Infinite aufgefallen, wie viel besser es mir gefällt, wenn die Spielfigur eine Stimme hat und sie diese auch benutzt. Auch wenn es bei Bioshock auf inhaltlicher Ebene im Kontext der Geschichte und des Twists durchaus Sinn macht, dass die Spielfigur dort nicht redet.
Generell empfand ich aber auch die Inszenierung der Dialoge in Fallout 4 als deutlich natürlicher als in Fallout 3. Das ist also für mich auch ein Pluspunkt, auch wenn ihre Technik dafür noch nicht so ausgelegt ist, wie zum Beispiel bei Bioware. Das merkt André im Podcast auch an, glaube ich.

Die Grafik des Spiels war meiner Meinung nach übrigens bei weitem nicht so schlecht, wie viele sagen. Ja, von den Texturen und der Detaildichte ist es weit von einem Witcher 3 entfernt, dafür fand ich die Beleuchtung und die Wettereffekte geradezu phänomenal. Wenn morgens der Nebel über der Spielwelt hing, großartig.

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Tezel
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Registriert: 2. Mär 2016, 01:12

Re: [Spoiler!] Fallout 4 - Das Ende

Beitrag von Tezel »

Und ich dachte schon, irgendwas wichtiges vergessen zu haben. Habe mich nach gut 70h wirklich gefragt, warum zum Henker die Synths überhaupt erschaffen wurden?
Das Ende war zudem sehr enttäuschend, wenn man alle gesehen hat - was auch einfach zu erreichen ist. Egal, ob man mit den Minuteman, der Brotherhood oder der Railroad das Ende bestreitet, jedes Mal ist es die selbe Mission. Man merkt, dass irgendwann die Leute bei Bethesda die Aufgabe hatten mehrere Ende zu erstellen und um Zeit/Geld zu sparen, bekommen die Nebenfraktionen einfach das Gleiche. Dies gilt auch für die Endsequenz :roll: Dahingehend war ich schon etwas enttäuscht, was aber auch für das restliche Spiel gilt. Es gab einige schöne Momente und selbst die Hauptstory war bis zu einem gewissen Punkt interessant (das soll für Bethesda mal was heißen) aber die Umgebung war langweilig und die Quests zum größten Teil zum heulen repetitiv. Mal schauen was die DLC bringen werden.

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