Auf ein Altbier: Und dann war da die Sache mit den Hakenkreuz …

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Marius
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Auf ein Altbier: Und dann war da die Sache mit den Hakenkreuz …

Beitrag von Marius »

Das war eine sehr schöne Folge, erstaunlich offen und ehrlich.

Mir hat die PC Powerplay anfangs sehr gut gefallen. Ich fand das damals neu eingeführte, starre und vermeintlich objektive Wertungssystem der Gamestar so schrecklich und das bewusst subjektive der PC Powerplay hat da genau meinem Wunsch entsprochen. Auch die vielen bekannten Redakteure waren ein Kaufgrund. Was mich aber vergrault hat, war, dass mir im Laufe der Zeit die Ausrichtung der Zeitschrift immer weniger gefallen hat. In den Artikeln hat sie zu sehr auf kleine Infokästen gesetzt. Ein Artikel, der durch drei oder vier Infokästen zersetzt ist, liest sich dann meiner Meinung nach nicht mehr sehr angenehm. Offenbar meinte man, die Leser hätten nicht mehr die Aufmerksamkeit, einen zusammenhängenden Artikel zu lesen. Es wurde meiner Erinnerung nach damals auch so in etwas kommuniziert, dass dies die Marktforschung ergeben hätte. Ich bin ja überzeugt, dass die Konsumenten oft nicht die besten Ratgeber sein. Auch bei der PC Powerplay hat sich das ja nicht rentiert.

Schade, dass generell die Spielezeitschriften (meiner Meinung nach) nur noch unzureichend ihrer Rolle als "Kuratoren" nachkommen, im Dschungel der Informationen des Internets, durch den man nur unter enormem Zeitaufwand Herr werden kann, einmal im Monat das Relevante auszuwählen, so dass man mit Kauf des Heftes sicher gehen kann, umfassend über alles Relevante informiert zu werden. Dass z.B. in der aktuellen Gamestar der Test von Day of the Tentacle nicht abgedruckt ist, obwohl dieser bereits (von Martin Deppe) geschrieben wurde und auf der Internetseite steht, ist für mich nicht verständlich. Auch wenn mir die Reports von Heinrich Lenhardt und Martin Deppe in dieser Ausgabe sehr gut gefallen: Dass ein Test wie der von Day of the Tentacle, obwohl schon geschrieben, nicht ins Heft kommt, macht für mich das Heft als Kaufberatung wertlos, weil das heißt, dass eben doch nicht über jedes relevante Spiel im Heft berichtet wird und ich folglich doch wieder im Internet schauen muss, ob ich nichts verpasse. Das Heft erfüllt damit nicht mehr die Rolle als "Kurator". Stattdessen habe ich den Eindruck, die derzeitigen Spielemagazine, zumal die Gamestar, können sich nicht entscheiden, ob sie entweder ein reines Reportagemagazin mit Hintergrundberichten sein wollen und dafür auf den Anspruch verzichten, eine verlässliche Kaufberatung zu sein, die einen hinreichenden Überblick über den Markt bietet, wofür sie aber konsequenterweise auf die dann überflüssigen Tests und Vorschauen verzichten sollten ("stehen ja kostenlos und viel früher im Internet"), die nur Seiten für Berichte kosten; oder ob sie doch noch ein Kaufberatungsmagazin sein wollen, dann müssten sie aber alle relevanten Spiele testen und nicht nur eine Auswahl. Momentan befinden sich Spielemagazine meinem Eindruck nach in dieser Identitätskrise, sie sind weder Fisch noch Fleisch und können keinen der beiden Ansprüche (Kaufberatung und Informations-Kurator einerseits, Reportagemagazin andererseits) zufriedenstellend erfüllen.

Ich habe auch zunehmend den Eindruck, dass die Spielemagazine nur mehr eine Zweitverwertung der Internetseite sind, und man sich immer mehr Gedanken über die Monetarisierung des Internetauftritts und immer weniger über die Ausrichtung des gedruckten Magazins macht.

Wer mir jetzt vorwirft, ich schreibe immer wieder das Gleiche über Spielemagazine, hat natürlich vollkommen recht. Mir bedaure die momentane Entwicklung, mir liegt das Thema am Herzen, und deshalb schreibe ich immer das gleiche in leicht variierten Worten.

Rince81
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Rince81 »

Marius hat geschrieben:Dass z.B. in der aktuellen Gamestar der Test von Day of the Tentacle nicht abgedruckt ist, obwohl dieser bereits (von Martin Deppe) geschrieben wurde und auf der Internetseite steht, ist für mich nicht verständlich. Auch wenn mir die Reports von Heinrich Lenhardt und Martin Deppe in dieser Ausgabe sehr gut gefallen: Dass ein Test wie der von Day of the Tentacle, obwohl schon geschrieben, nicht ins Heft kommt, macht für mich das Heft als Kaufberatung wertlos, weil das heißt, dass eben doch nicht über jedes relevante Spiel im Heft berichtet wird und ich folglich doch wieder im Internet schauen muss, ob ich nichts verpasse.
Was sollen sie tun? Die Testversionen des Spiels kommen vielleicht eine Woche eine oder zwei Wochen vor Release an, werden getestet und geschrieben und Online gestellt. Das Heft kommt jetzt einmal im Monat, wer weiß, wann da Redaktionsschluss ist und so kommt der Test vielleicht 3-4 Wochen (wenn nicht noch später) nach Release des Spiels ins Heft. Da ist er schon eine olle Kamelle und interessiert niemanden mehr - steht ja schließlich schon seit Wochen Online. Die Zeiten, wo die entsprechenden Embargos für Online und Print unterschiedlich waren oder Print die Reviewexemplare schon eher bekommt sind vorbei...
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Nimlod
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Nimlod »

Axel hat geschrieben: Naja, wenn Du das so kritisiert, musst Du aber auch ein gängiges Konzept vorlegen, wie es denn besser werden könnte. (...)
Man kann und muss auch etwas kritisieren, ohne dass man eine bessere Idee hat. Hilfreich ist es für eine gesunde Diskussion natürlich, wenn derjenige, der kritisiert, weiß, dass sich eine Lösung nicht eben aus dem Ärmel zaubern lässt. Aber ein bessere Konzept zu haben, ist dabei keine Notwenigkeit.

Marius
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Marius »

Axel hat geschrieben:
Marius hat geschrieben: Schade, dass generell die Spielezeitschriften (meiner Meinung nach) nur noch unzureichend ihrer Rolle als "Kuratoren" nachkommen
Naja, wenn Du das so kritisiert, musst Du aber auch ein gängiges Konzept vorlegen, wie es denn besser werden könnte.
Da bin ich ganz grundsätzlich anderer Meinung. Ich darf etwas kritisieren, ohne gleich "ein gängiges Konzept" vorzulegen, "wie es denn besser werden könnte". Letzteres ist Aufgabe der Heftmacher. Ich als Konsument sage, was mich stört.
Axel hat geschrieben:Früher konnte man vieles abbilden, weil lange nicht so viele Spiele veröffentlicht wurden wie heute. Allein der PC-Spiel-Markt ist so dermaßen in unterschiedlichste Genres, Subgenres und Szenen zerfaßert, dass es selbst bei einer wöchentlichen PC-Zeitschrift unmöglich wäre nahezu alles wichtige abzubilden. Allein mit dem Indiebereich kann man ganze Bücher füllen.
Ich erwarte nicht, dass man jedes erscheinende Spiel bespricht, das hat man früher nicht gemacht und das muss man auch heute nicht. Aber wenn eine Spielezeitschrift auf ihrer Internetseite einen Test hat, dann erwarte ich als Heftleser, der immerhin mindesten 5 Euro zahlt, dass dieser Test auch im Heft kommt. Das ist das Mindeste.

Ich habe übrigens keineswegs den Eindruck, dass heutzutage mehr relevante, also halbwegs spielbare Spiele erscheinen als Ende der 90er und Anfang der Nullerjahre, als ich regelmäßig Gamestar gelesen habe und im Heft viel mehr Spiele getestet wurden (mit einer meinem Eindruck nach etwa gleich großen Redaktion). Da muss man sich nur mal die damaligen Ausgaben anschauen. Gerade momentan gibt es eine ziemliche Spieleflaute. Mir ist gerade aufgefallen, dass auch z.B. Superhot von der Gamestar auf der Internetseite getestet wurde, aber nicht im Heft, obwohl das eine ziemlich gute Wertung bekommen hat und ein absolut interessantes Spiel ist. Das ist ein Spiel, das muss einfach im Heft sein, da gibt es keine Rechtfertigung die zwei Seiten für den Test nicht zu bringen.
Axel hat geschrieben:Und dann darfst Du folgendes nicht vergessen: Eine Zeitschrift ist enorm von den Werbekunden abhängig. Wenn da nun Publisher XY dort Geld ausgibt um Werbung zu schalten, verlangt er natürlich, dass sein Spiel möglichst positiv im Heft besprochen wird. Dazu hast du auch nur begrenzt Platz im Heft, im Gegensatz zum Internet.
Ich bezweifle, dass irgendein seriöser Publisher verlangt, dass sein Spiel "möglichst positiv im Heft besprochen wird", und es ist im Wesen eines Spielmagazins, dass sie von solchen auch nur impliziten "Verlangen" vollkommen unabhängig sind. Aber ich verstehe den Punkt ohnehin nicht. Weshalb steht weniger Platz zur Verfügung, wenn Publisher einen positiven Test wünschen???

Dazu, dass nur begrenzt Platz im Heft ist: Ich weiß, dass man, damit das Heft mehr Seiten hat, gleich 16 Seiten mehr haben müsste. Ich weiß nicht, wieviel das kostet, nehme aber stark an, dass 16 Seiten mehr zu drucken nicht das Problem ist. Die Gamestar hatte ja auch lange 148 Seiten, bevor sie auf 130 reduziert wurde. Früher hatten die Hefte 200 Seiten und mehr. Und da waren noch viel mehr Werbeseiten dabei, also kann man heute auf weniger Seiten mehr redaktionelle Inhalte unterbringen. Jochen selbst spricht hier für mich etwas ominös von einem "Kostenfaktor" wegen der 16 Seiten. Jochen sagte damals, man könne über ein Erhöhung des Umfangs "mittelfristig auch nachdenken". Ich vermute, dass der Hauptkostenfaktor das Füllen der Seiten ist. Zur Not bringt man da halt ein paar große Screenshots (hat glaube ich die PC Powerplay gemacht), oder wie in der aktuellen Gamestar übersetzte Texte von Jeux Video. Oder in Gottes Namen eine von den Filmbesprechungen auf der Internetseite. Das sind billig zu produzierende bzw. schon vorhandene Inhalte. Alternativ könnte man Prioritäten setzen, aber eben sinnvoll, und sich fragen, ob z.B. eine ganzseitige Fotomontage mit Donald Trump in Witcher-Montur (wie im aktuellen Heft) sein muss, oder ob wirklich so relevant ist, was die Redakteure zuletzt gedacht und gehört.

Es ist also meiner Meinung nach keineswegs so, dass der derzeitige, von mir kritisierte Zustand, alternativlos wäre.
Axel hat geschrieben:Um dann mal zum DOTT-Beispiel zu kommen. Das ist nur eine Wiederveröffentlichung mit nem schlechten Weichzeichner und sonst nichts weiter. Es ist kein neues Spiel.
Und Day of the Tentacle dürfte für sehr viele Leser praktisch ein neues Spiel sein, weil sie das "Original" nie gespielt oder noch nicht einmal davon gehört haben Das ist immerhin über 23 Jahre her! Außerdem ist es auch für Leser, die Day of the Tentacle schon kennen, relevant, was der Remaster taugt.
Axel hat geschrieben:Und wenn man bei so einem Heft vor die Wahl gestellt wird: neues Spiel oder irgendeine Wiederveröffentlichung, dann macht man natürlich das neue Spiel. Irgendwo muss man ja auch Prioritäten setzen.
Gerade das kritisiere ich ja: Dass man sich überhaupt "vor die Wahl stellt" und (auch meines Erachtens oft auch noch falsche) Prioritäten setzt und sogar Artikel weglässt, die schon geschrieben wurden. Weshalb sollte man den weglassen?

BlackSun84
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von BlackSun84 »

Die PCPP war echt genial, leider war ihr Ende so plötzlich. Aber Martin ist als Gast immer gut, schade, dass man sonst so wenig von ihm hört, aber wenigstens gibt es Lesestoff. Das hier angesprochene Problem, dass es Inhalte oftmals u.a. bei Gamestar erst auf der Homepage und danach im Heft gibt, ist aber wohl einfach der Langsamkeit des Heftes geschuldet. Mich stört das wenig, ich kann ein paar Tage aufs Heft warten. Und ja, für mich ist DotT ein neues Spiel, ich hab erst mit MI3 im Genre angefangen - gut, und MI1, das der GS 01/98 beilag.

Jochen

Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Jochen »

Testversionen kommen in der Regel übrigens nicht ein bis zwei Wochen vor Release, sondern oft eher ein bis zwei Tage. Das Heft hingegen muss etwa zwei Wochen vor EVT an die Druckerei. Dass das bei Erscheinen hoffnungslos veraltet ist, daran kann man bloß insofern was ändern, dass man keine aktualitätsgebundenen Inhalte mehr druckt.

Marius
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Marius »

Jochen hat geschrieben:Testversionen kommen in der Regel übrigens nicht ein bis zwei Wochen vor Release, sondern oft eher ein bis zwei Tage. Das Heft hingegen muss etwa zwei Wochen vor EVT an die Druckerei. Dass das bei Erscheinen hoffnungslos veraltet ist, daran kann man bloß insofern was ändern, dass man keine aktualitätsgebundenen Inhalte mehr druckt.
Mich persönlich stört die fehlende Aktualität ja gar nicht mal. Aber von meinen persönlichen Befindlichkeiten abgesehen ist das wahrscheinlich der Hauptgrund, weshalb es mit allen Spielezeitschriften bergab geht.

Da muss man sich doch fragen: Welchen Platz hat das Heft in der heutigen Medienlandschaft noch, wenn die Kaufberatung für die allermeisten Leser keine Rolle mehr spielen sollte (ich wäre daran ja immer noch interessiert, aber wohl Teil einer schrumpfenden Minderheit)? Natürlich stellt man sich in den Redaktionen diese Fragen und richtet das Heft neu aus. Ich finde nur, dass man dabei zu ängstlich und inkonsequent ist. Eigentlich wäre die Konsequenz nämlich, auf Nachrichten und Kaufberatung zu verzichten und vollends auf eben nicht aktualitätsgebundene Inhalte zu setzen. Diese Inhalte gefallen mir bei der Gamestar und auch PC Games auch teilweise, wenngleich nicht ausnahmslos, gut. Aber sie trauen sich nicht, diesen Schritt ganz zu machen und setzen sich damit meiner Meinung nach zwischen alle Stühle, sind weder das eine noch das andere. Mir ist natürlich klar, dass ich aus meiner Warte leicht reden habe. Ich weiß nicht, ob ich als Verantwortlicher den Mut hätte, komplett auf (ausführliche) Spieletests und Vorschauen zu verzichten. Ich würde wohl befürchten, bei so einem Experiment doch mehr Stammleser zu verlieren als neue Leser dazuzugewinnen.

Aber wenn ich frei, ohne wirtschaftliche und betriebliche Zwänge, ein Spielemagazin gestalten könnte, würde ich am liebsten tatsächlich konsequent auf Reportagen, Essays und Kommentare setzen, und ältere und neuere Spiele, Spielmechaniken, Spielehandlungen etc. "feuilletonistischer" beleuchten. Spiele könnte man in Kurztests, in ein paar Sätzen testen, so wie z.B. der Economist als wöchentliche Zeitschrift einen kurzen Nachrichtenüberblick hat - zwar nicht aktuell, aber übersichtlich. Wer Näheres Wissen will, kann sich im Internet weiter informieren, aber man hat dann im Heft einen zentralen Ausgangspunkt und eine Übersicht. In diesem Sinne fände ich einen Kurztest auf z.B. einer Viertelseite immer noch besser als das praktisch komplette Übergehen.

@ Axel: Genau das meine ich, sehr gute Gedanken. Wenn man sich für diese Ausrichtung entscheidet, dann aber auch richtig. Allerdings sehe ich natürlich auch die Gefahr, dass man dabei zu nischig wird wie Edge oder GEE (oder gar die WASD, die sicherlich kein 1-zu-1-Vorbild für die "großen" Spielezeitschriften ist). Meinem persönlichen Eindruck sind bzw. waren Edge und GEE zu abgehoben; gerade die englische Edge setzt mir persönlich zu sehr auf Metaberichterstattung über Spieleentwicklung. Das finde ich als Spieler in geringem Maße auch nicht per se uninteressant, aber tendenziell wäre mir ein essayistisches "In die Tiefe gehen", wie es im Ansatz z.B. Rockpapershotgun recht erfolgreich macht, lieber als ein "nach oben auf die Metaebene gehen" lieber. Dafür braucht man aber auch sehr gute Redakteure. Und die Themenauswahl ist selbstverständlich immer ein Balanceakt.

Jochen

Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Jochen »

Oh, da bin ich ja ganz bei euch. Das Problem liegt weniger im Entwurf moderner Print-Konzepte als vielmehr in der Umsetzung innerhalb von Strukturen, die modernen Entwürfen ähnlich aufgeschlossen begegnen wie das SED-Politbüro.

Marius
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Marius »

Übrigens könnte ich mir vorstellen, dass die Leserschaft eines solchen "Hintergrundmagazins" weniger preissensibel wäre als es früher die Leserschaft der "Kaufberatungsspielemagazine" war. Man könnte also womöglich den Preis erheblich erhöhen. Jedenfalls gehen Retro Gamer und WASD davon aus, dass ihre potentielle Leserschaft bereit ist, einen hohen Preis zu bezahlen.

Ich wiederhole mich (aber es macht mir Spaß): Die Zeitschriften müssen sich m.E. entscheiden, ob sie eine Alternative oder ein Ergänzung zum Internet sein wollen. Ersteres richtet sich an Leser, die keine Lust haben, sich im Internet über Spiele zu informieren, letzteres richtet sich an Leser, die sich schon im Internet über Spiele informieren. Ersteres dürfte billiger zu produzieren sein, weil man nur Inhalte der Internetseite leicht anpassen und zweitverwerten müsste, bei letzterem hingegen müsste man viele eigene Inhalte erstellen, hätte dafür aber vielleicht (?) die größere Zielgruppe und könnte als "Premium-Special-Interest-Zeitschrift" einen bedeutend höheren Preis verlangen. Momentan sind Spielemagazine beides so halb und damit nichts so richtig.

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Andre Peschke
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Andre Peschke »

Axel hat geschrieben: Dazu könnte man tiefgreifende Artikel über Gameplaymechaniken bringen, Artikel über die psychologischen Aspekte von Spielen, usw. Ich weiß nicht ob jemand noch die Sendungen Reload und Pixelmacher kennt: Die haben diese Verbindungen von Spielen und anderen Themen teilweise echt gut hinbekommen. Als Print würde das definitiv auch funktionieren und man muss diesen Weg eigentlich auch gehen. Print ist etwas, das man sich in Ruhe durchliest. Da ist der Platz für tiefere Themen viel eher als im tagesaktuellen Homepagebetrieb, wo die Leute nur kurz kommen u, sich zu informieren. Für Print nimmt man sich Zeit. Also sollte man auch die Inhalte darauf ausrichten.
Die Macher von Pixelmacher (höhö) und Reload kenne ich. Keine Sau hat ihre Sendungen geschaut. Artikel die sehr stark in die akademische Richtung gehen oder detailliert in Hintergründe gehen werden genauso in aller Regel ignoriert. Für Medien, die auf Reichweite angewiesen sind, ist das bestenfalls ein Nebenschauplatz.

Andre

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Andre Peschke
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Andre Peschke »

Axel hat geschrieben:
Andre Peschke hat geschrieben:Keine Sau hat ihre Sendungen geschaut.
Wie denn auch? Die Sendungen wurden doch geradezu versteckt auf EinsPlus bzw. ZDFkultur.
Selbst nach den Maßstäben von ZDF Kultur waren die Quoten nicht gut. Es gibt ja einen Grund, warum die Formate eingestellt wurden. Klar, sie waren auch auf dem Kanal IMO deplatziert. Aber glaub mir einfach: Solche Inhalte interessieren nur eine sehr, sehr kleine Gruppe. Kann man sich auch logisch erschließen: Hardcore-Gamer sind schon eine kleine Gruppe. Diejenigen, die sich dann auch noch dafür interessieren, wie ihre Spiele funktionieren und gemacht werden: noch kleiner. Dann noch die Spielmechanik eines bestimmten Genres und du hast die Splittergruppe, einer Teilgruppe einer Minderheit der gesamten Spielerschaft - und das in Zeiten, in denen breitenwirksame Themen schon kaum noch geeignet sind, große Redaktionen zu tragen.

Solche Inhalte können Teil einer guten Mischung sein. Aber nicht Hauptbestandteil, IMO.

Andre
PS: Dabei beziehe ich mich auf Vorschläge wie "Spiele mit einem Historiker einordnen" und "Spielmechaniken im Detail erklären". Einen guten Spieljournalismus der sich an die Core-Gamer richtet, die sich mit dem Medium an sich befassen wollen: Ja, IMO gibt es dafür eien Markt (keinen, für etwas in der Größe einer GameStar, aber einen Markt).

calleg
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von calleg »

Ich höre Spielepodcats seit 2009, aber das war die wohl beste Folge ever. Dank an Martin für seine Offenheit und dank an euch fürs gute Interview! Lustigerweise hatte ich selber vor ein paar Wochen so eine kleine "Begebenheit" mit Jörg Langer. Im Zuge des XCOM 2 Tests auf GG hat er sich in den Comments (wie ja öfters mal) über die Spieler aufgeregt, die das Rundenlimit nicht gut fanden. Das ganze aber in einer solch herablassenden und absoluten Art, dass ich ihm in den Comments geschrieben habe, dass "er grade mal gar nicht geht". Neben einer Woche "Bann" auf GamersGlobal hat er mir noch eine persönliche Nachricht geschickt in der er sich ausgekotzt hat und mir mit "Kündigung" meines Abostatus gedroht hat. Das war so lustig und total schräg (kann ich gerne mal hier reinkopieren bei Bedarf). Ich war immerhin 4 Jahre Abonnent und hab es dann zum nächsten Zeitpunkt jetzt auslaufen lassen. Er sehr seltsamer Mensch der Herr Langer

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Andre Peschke
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Andre Peschke »

calleg hat geschrieben:(kann ich gerne mal hier reinkopieren bei Bedarf)
Ich denke, jetzt musst du! :D

Andre

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Andre Peschke
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Andre Peschke »

Axel hat geschrieben:Verantwortet der Langer nicht auch die deutsche Ausgabe der Retro Gamer? Vielleicht ist die deswegen so scheisse und uncharmant. Er wird sicherlich noch dieselbe Arbeitsweise an den Tag legen, wie im Podcast geschildert, oder?
Bitte nicht in spekulatives Jörg-Langer-Bashing abdriften. Denk dran, Martin sagte auch, Jörg sei ein sehr guter Blattmacher. Insofern wäre von einer eher guten Retro Gamer auszugehen.

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Dober
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Dober »

Ich denke die GameStar war nicht ohne Grund lange Zeit die beste Spielezeitschrift auf dem Markt. Ich habe sie damals zur glorreichen Print-Zeit auch regelmäßig gelesen und empfand sie als deutlich besser als die Konkurrenz. Jörg hatte sich aber auch zu GameStar-Zeiten zu einigen Fehlwertungen hinreißen lassen, was ich einfach mal seinem Fantum und Hype unterstelle - bei Titeln wie Ultima IX (92%^^). Nichtsdestotrotz war die alte GameStar super.

Von der Person Jörg Langer an sich habe ich wie die meisten wohl auch nur über GamersGlobal und über die Spieleveteranen mehr erfahren und er wurde mir dann einfach durch seine Art unsympathisch.

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Andre Peschke
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Andre Peschke »

Dober hat geschrieben:Von der Person Jörg Langer an sich habe ich wie die meisten wohl auch nur über GamersGlobal und über die Spieleveteranen mehr erfahren und er wurde mir dann einfach durch seine Art unsympathisch.
Auch da will ich mal eine Lanze brechen: Wie man so im öffentlichen Raum wahrgenommen wird, ist manchmal echt bizarr verzerrend. Mich haben die Leute zu Anfang bei der GameStar teilweise aus tiefster Seele gehasst. Ich verweise da "gerne" auf meine berüchtigte Diskussion zu "Beyond: Two Souls" mit Nino, in der ich auch tatsächlich eine sehr unglückliche Figur abgebe: https://www.youtube.com/watch?v=fXy0pglNnig

Da haben auch alle gedacht, ich bin die arrogante Sau vor dem Herrn, auch wenn das (Innenperspektive ;)) nicht weiter von der Realität entfernt sein könnte. Oder denkt daran, wie viele Leute gerade in den Anfangszeiten des Podcasts wütend über Jochens angebliche Arroganz hergezogen sind. Die Leute wollen klare Meinungen und Menschen mit Rückgrat, aber wenn es nicht ihrer eigenen Meinung entspricht, dann bitte in Watte gepackt und mit Blumen überreicht.

Ich würde daher grundsätzlich davor warnen, ein Urteil anhand von Podcasts, Videos etc zu fällen. Auch wenn mir klar ist, dass das unvermeidbar ist.

Andre

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Andre Peschke
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Andre Peschke »

Hintendran nochmal ein paar Gedanken zu diesem Thread:

Mir ist klar, dass es ein Bedürfnis gibt, Martins Anekdoten zu diskutieren. Andererseits finde ich es unschön, wenn hier jetzt hinter seinem Rücken eine riesige Diskussion über Jörg Langer vom Zaun bricht. Wenn Calleg einen Wortechsel mit ihm hatte, den er hier postet und über den sich jeder seine eigene Meinung bilden kann - ok. Wenn Dober erzählt, wie sich sein Eindruck über die Zeit gewandelt hat, muss das Jörg vermutlich genauso ertragen, wie jeder andere Journalist auch. Kurz: Ich denke, bisher ist es im Rahmen, aber bitte haltet beim Posten immer die Fairness im Auge.

Gerne können wir hier auch mal generell darüber diskutieren, in welchem Rahmen solch eine Diskussion statthaft ist.

Ich werde ihm auf jeden Fall jetzt mal einen Link zum Thread und zum Podcast schicken. Vielleicht mag er ja auch mal als Gast kommen.

Andre

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Klagsam
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Klagsam »

Andre Peschke hat geschrieben: Mir ist klar, dass es ein Bedürfnis gibt, Martins Anekdoten zu diskutieren. Andererseits finde ich es unschön, wenn hier jetzt hinter seinem Rücken eine riesige Diskussion über Jörg Langer vom Zaun bricht. Wenn Calleg einen Wortechsel mit ihm hatte, den er hier postet und über den sich jeder seine eigene Meinung bilden kann - ok. Wenn Dober erzählt, wie sich sein Eindruck über die Zeit gewandelt hat, muss das Jörg vermutlich genauso ertragen, wie jeder andere Journalist auch. Kurz: Ich denke, bisher ist es im Rahmen, aber bitte haltet beim Posten immer die Fairness im Auge.
<3 Das ist der Grund warum ich das Forum und den Podcast hier so toll finde.

Ich persönlich hatte in der Zeit von ca. 1995-2005 eine Computerspielezeitschriftpause. Daher kannte ich die Gamestar im Prinzip nicht. Jörg Langer habe ich dann erst über Gamersglobal wahrgenommen und wie ich in einem anderen Thread ja schon habe durchblicken lassen mag ich die Seite. Insbesondere das Konzept und Ausführung der Stunde der Kritiker ist einfach gut. Klar, Jörg Langer gerät in den Kommentaren immer mal wieder mit den Usern aneinander, aber dazu muss man vielleicht auch mal die andere Seite sehen, nämlich dass die User auf GG sich auch nicht immer besonders wertschätzend und gewählt ausdrücken.

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derFuchsi
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von derFuchsi »

calleg hat geschrieben: ...
Im Zuge des XCOM 2 Tests auf GG hat er sich in den Comments (wie ja öfters mal) über die Spieler aufgeregt, die das Rundenlimit nicht gut fanden. Das ganze aber in einer solch herablassenden und absoluten Art, dass ich ihm in den Comments geschrieben habe, dass "er grade mal gar nicht geht". Neben einer Woche "Bann" auf GamersGlobal hat er mir noch eine persönliche Nachricht geschickt in der er sich ausgekotzt hat und mir mit "Kündigung" meines Abostatus gedroht hat. Das war so lustig und total schräg (kann ich gerne mal hier reinkopieren bei Bedarf). Ich war immerhin 4 Jahre Abonnent und hab es dann zum nächsten Zeitpunkt jetzt auslaufen lassen. Er sehr seltsamer Mensch der Herr Langer
Bestätigt eigentlich nur was Martin sagte, der Mann kann nicht gut mit anderen Menschen. Es gibt nun mal solche Kollegen oder gar Vorgesetzte, und vermutlich kennt jeder von uns einen solchen, die sind in ihrem Fachgebiet spitze aber können nicht gut mit Menschen und sind daher total unbeliebt bei ihren Kollegen / Untergebenen.
Andre Peschke hat geschrieben: Bitte nicht in spekulatives Jörg-Langer-Bashing abdriften. Denk dran, Martin sagte auch, Jörg sei ein sehr guter Blattmacher. Insofern wäre von einer eher guten Retro Gamer auszugehen.

Andre
Ich befasse mich jetzt nicht mit GG und weiß daher nicht wie die Organisation da ist aber idealerweise gehört Menschen wie Jörg jemand als Ergänzung an die Seite der dann solche Dinge wie Kommunikation übernimmt. Aber womöglich ist dafür sein Ego zu groß, keine Ahnung.

Aber in dem Zusammenhang finde ich die Lebensläufe der Redakteure immer recht interessant. Man bekommt ja nie so recht mit was los ist, plötzlich fehlt jemand. Hier bekommt man auch mal ein paar Hintergrundinfos.
Z.B. Chefredaktion Gamestar. Jochens Äußerungen in der Vergangenheit entnahm ich dass er sich wohl mit dem Verlag über die Ausrichtung der Gamestar nicht einig war und daher gegangen ist. Jörg wurde wohl gegangen weil er seine Kollegen vergrault hat habe ich hier verstanden ;). Vom Rest würden mich auch zumindest Stichpunkte interessieren (z.B. Gunnar Lott, Michael Trier...).
Die Entstehungsgeschichte der Gamestar bzw Niedergang der PC Player war auch sehr interessant zu hören.

Ich habe den Anfang der Gamestar nicht mitbekommen weil ich PC Player bis zum abrupten Ende gelesen habe. Damals hatte ich den Eindruck dass die Zeitschrift noch ganz gut lief und nur dicht gemacht wurde weil der Mutterkonzern dicht gemacht hat aber wer befasst sich als Leser mit Zahlen wie Auflage und Abonnenten.
Zuletzt geändert von derFuchsi am 3. Mai 2016, 13:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Rince81
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Re: Auf ein Altbier #3

Beitrag von Rince81 »

Andre Peschke hat geschrieben: Gerne können wir hier auch mal generell darüber diskutieren, in welchem Rahmen solch eine Diskussion statthaft ist.
Gute Frage. Beim anhören der Folge war meine erste Reaktion schon ein: wow, das geht jetzt aber an oder über eine Grenze. Dann habe ich nochmal drüber nachgedacht, am Ende geht es ja um Anekdoten und warum soll das bei einem amerikanischen Entwickler ok sein und bei einem deutschen Journalisten nicht? Von daher doch wieder ok. Und Jörg polarisiert eben, er hat wie wenige die deutsche Spielejournalismuslandschaft geprägt, ich habe die Gamestar damals seit Ausgabe 1 gelesen und ich mag Gamersglobal vom Konzept her und er ist kompetent, gerade für japanische Titel und Strategiespiele. Jörgs Auftreten ist aber nun mal manchmal sagen wir vorsichtig etwas speziell. Sei es, dass er als Chef über jedes hingehaltene Stöckchen in den Kommentarzeilen seiner Seite springt und auch nicht in der Lage ist mit einem Thema (Alien Isolation) einfach mal abzuschließen und er es selbst mehr als einmal wieder hochgeholt hat. Dazu kommt, dass er schon mehr als einmal in einem öffentlichen Podcast oder Videobeitrag Mitarbeiter derart abgecancelt hat oder ihnen über den Mund fährt, dass ich mir schon mehrfach gedacht habe, dass er das Gespräch eigentlich hätte alleine beenden können. Ich hätte ihn vermutlich stehen lassen. Klar, ist sein Privileg als Boss und manchmal vielleicht auch notwendig - aber mit Sicherheit nicht in einem Gespräch, das aufgezeichnet und veröffentlicht wird. Die Kombination aus Spielejournalist und verantwortlichem Unternehmer in Personalunion beschert ihm mit seiner, im Endeffekt einfach nur schonungslos ehrlichen, Art vermutlich mehr Probleme als gut ist.
Ich denke die Diskussion wie sie hier gerade über den Podcast stattfindet ist ok, die "Diskussion" wie sie anscheinend lange bei Gamestar im Forum stattfand ging gar nicht und wurde viel zu lange laufen lassen.
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