Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

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Lurtz
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Re: André verlässt Gamstar

Beitrag von Lurtz » 26. Mai 2016, 11:45

Ich war zu Beginn seiner Gamestarzeit auch kein großer Andre-Fan, fand ihn irgendwie arrogant - das basierte aber fast ausschließlich auf oberflächlichen Eindrücken, weniger seinen Meinungen. Mit der Zeit habe ich ihn sehr zu schätzen gelernt.

Beim Podcast bin ich mit der berüchtigten Witcher-Folge eingestiegen, weil der in meinem Stammforum kontrovers diskutiert wurde, und es ging mir mit Jochen ebenso - weil die Folge nicht meinungsstark, sondern schlicht zur überwiegenden Mehrheit Bullshit war ;) Aber mittlerweile weiß ich auch Jochen ganz gut einzuordnen.

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Nachtfischer
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Re: André verlässt Gamstar

Beitrag von Nachtfischer » 26. Mai 2016, 21:07

Lurtz hat geschrieben:weil die Folge nicht meinungsstark, sondern schlicht zur überwiegenden Mehrheit Bullshit war ;)
Oha, da gibt es aber Diskussionsbedarf. Gerade die Folge hat den Podcast doch in höchsten Qualitätsregionen etabliert! :D

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Lurtz
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Re: André verlässt Gamstar

Beitrag von Lurtz » 27. Mai 2016, 09:38

Nachtfischer hat geschrieben:
Lurtz hat geschrieben:weil die Folge nicht meinungsstark, sondern schlicht zur überwiegenden Mehrheit Bullshit war ;)
Oha, da gibt es aber Diskussionsbedarf. Gerade die Folge hat den Podcast doch in höchsten Qualitätsregionen etabliert! :D
Ne, das war mir zu viel Stammtisch ;) So Pauschalaussagen wie es würde in keinem einzigen Teilgebiet besser als Skyrim sein, sind selbst objektiv schon falsifizierbar. Oder sich beklagen, dass der Werwolf nur nachts da ist, nachdem man behauptet hat der Tag-/Nachtwechsel hätte keinerlei spielerische Relevanz.

Aber ich will den Thread nicht sprengen, das wurde sicher schon alles mal gesagt. Die kommenden Folgen waren dann glücklicherweise besser, vor allem die Industrieeinblicke sind immer wieder sehr interessant, so offen wird da sonst nicht drüber gesprochen.

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Max
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Re: André verlässt Gamstar

Beitrag von Max » 27. Mai 2016, 10:22

Dadurch, dass es das Forum zu dem Zeitpunkt noch nicht gab, wurde die Witcher-Folge hier meines Erachtens (bisher) eigentlich sogar ein bisschen zu wenig diskutiert - vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass sie anscheinend sehr polarisiert.

Für mich ist sie ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite hat man sich tatsächlich stellenweise ein bisschen sehr im Rant verloren, andererseits hat sich dafür die Spielepresse und auch die Community meiner Meinung nach ein bisschen zu sehr im Lob verloren. Gerade Jochen spricht in der Folge durchaus einige valide Kritikpunkte an, die ich sonst nirgends gehört habe und die bei mir dazu geführt haben, dass ich über das Spiel nach dem Podcast nun ein bisschen differenzierter nachdenke, auch wenn ich es weiterhin für hervorragend halte.

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Besser spät, als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Andre Peschke » 27. Mai 2016, 14:39

Nachdem immer mal wieder Diskussionen dazu aufploppen, mache ich mal einen Thread auf und schiebe die jüngsten Diskussionsansätze hier rein.

Wer's nachholen will: Die Witcher 3 Folge (Runde #11)

Kern der Diskussion bisher:

- Ist diese Folge der Gipfel unserer Arroganz?
- Gab es darin zu viele Pauschalurteile?
- Wurden zu viele positive Aspekte unter den Teppich gekehrt?

Die Aussage der Podcaster dazu bisher:

- In der Arroganz-Bonusfolge haben wir erklärt, dass es in der Witcher-Folge in erster Linie um eine Abgrenzung zur übrigen Kritik ging. Wir wollten erklären, warum wir das Spiel - das wir sehr gut finden - nicht für ein 90%-Meisterwerk halten. Entsprechend herrscht die Diskussion der negativen Aspekte vor.
- Jochen sieht das Spiel ingesamt ein wenig kritischer, als ich.

Gentlemen, take it from here. :)

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Lurtz
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Lurtz » 27. Mai 2016, 15:17

Danke für den Thread, dann gehe ich doch nochmal ausführlicher darauf ein :D
Andre Peschke hat geschrieben:- Ist diese Folge der Gipfel unserer Arroganz?
Der Meinung wäre ich vielleicht nach der ersten Folge gewesen, nach einem Jahr Auf-ein-Bier-Genuss aber nicht mehr. Ich würde auch nicht pauschal sagen, dass ihr arrogant seid, eure und besonders Jochens Art der Meinungsäußerung lässt das aber manchmal leicht unterstellen - man muss euch erst öfter gehört haben um das richtig einschätzen zu können.

Ich finde ihr seid (leider? :lol:) mittlerweile auch fast zu zahm geworden. Ich war jedenfalls richtig überrascht wie viele positive Dinge über Rise of the Tomb Raider (was eine absolut hirnrissige, mit Sammelwahn vollgestopfte Welt hat) oder Assassin's Creed Syndicate gesagt habt. Wobei gerade bei letzterem die Kritik auch richtig fundiert und gut artikuliert war. So eine Folge hätte ich mir zu The Witcher 3 gewünscht... Denn perfekt ist es bei weitem nicht, auch wenn für die überwältigende Mehrheit der Kritiker und Spieler das Positive das Negative mehr als überstrahlt. Aber da hätte man fundierter kritisieren müssen und nicht Dinge wie die angeblich sinnlosen Tag-/Nachtwechsel aufzubauschen oder sich mit einem Rant an einer von drölfzig Quests aufzuhängen.
- Gab es darin zu viele Pauschalurteile?
Von dir, Andre, nicht, du hast ja auch immer wieder versucht etwas zu relativieren. Von Jochen schon.
Ich verstehe schon den ganzen Ansatz nicht, ständig Skyrim als Vergleich heranzuziehen. Skyrim ist Sandbox mit loser Story. Witcher 3 ist absolut Story- und questbasiert mit mehr oder weniger optionaler großer Welt (offen ist sie ja auch nicht wirklich).
- Wurden zu viele positive Aspekte unter den Teppich gekehrt?
Nicht unbedingt, an sich ist euer Ansatz, ein von der Presse begeistert aufgenommenes Spiel außer einer anderen Richtung zu betrachten, ja gar nicht verkehrt. Bei Fallout 4 bin ich da bspw. auch voll bei euch.
Bei The Witcher 3 geht der Ansatz aber nicht auf, man kann nach der Folge keinesfalls den Eindruck haben, dass The Witcher 3 ein sehr gutes Spiel sei.
Die Aussage der Podcaster dazu bisher:

- In der Arroganz-Bonusfolge haben wir erklärt, dass es in der Witcher-Folge in erster Linie um eine Abgrenzung zur übrigen Kritik ging. Wir wollten erklären, warum wir das Spiel - das wir sehr gut finden - nicht für ein 90%-Meisterwerk halten. Entsprechend herrscht die Diskussion der negativen Aspekte vor.
- Jochen sieht das Spiel ingesamt ein wenig kritischer, als ich.

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Dostoyesque
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Dostoyesque » 27. Mai 2016, 15:38

Ist jetzt auch nicht gerade meine Lieblingsfolge, weil so einseitig. War eine der wenigen Folgen, die ich nicht zu Ende gehört habe, als abzusehen war, dass da kein schönes Wort mehr fällt zum Spiel, nachdem sich die Protagonisten so schön eingelebt haben in ihrem Zorn ;)
Aber ja, hat keinen nachhaltigen Effekt bzgl. meiner Meinung zu den beiden gehabt. Manchmal finde ich es etwas bedauernswert, dass TW3 bei Jochen v.a. als Negativbeispiel hergenommen wird für Argumente in darauffolgenden Pods, weil es das Spiel mMn nicht verdient, zu einem Negativbeispiel der Industrie reduziert zu werden. Steckt schon echt viel Herzblut da drin, imho. Man hat ggf. mehr abgebissen, als man kauen kann, aber im Gegensatz zu Ubi ist der storytelling Kern deutlich stärker. Ist kein zynisches, durchdekliniertes Spiel. Aber ja, so leidenschaftlich bin ich bzgl TW3 nicht, dass ich da auf dir Barrikaden geh. CD Project hat es nämlich in all den Arbeitsstunden nicht geschafft, ein für die Serie unabdingbar "tightes" und responsives Kampfsystem zu etablieren. Jedes Spiel spielt sich diesbezüglich etwas anders und keins fühlt sich wirklich gut an. Immer ist irgendwo ein bisschen input lag dabei, die Animation setzt zu spät ein oder geht schlicht zu lang. *Das* wär für mich serienübergreifend der größte Makel an der Witcher franchise. Deswegen für mich auch keine 90, weil man in einem Spiel mit dermaßen viel Kampf sich besser ums das Kämpfen kümmern sollte, aber schon ein verdammt beeindruckendes Spiel in vielerlei Hinsicht.
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Vinter
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Vinter » 27. Mai 2016, 16:00

Ich spiele Witcher 3 gern, ich habe es aber nicht wirklich genießen können. Es war ständig eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, die mir einflüsterte: "Es ist nicht so geil, wie du dir wünschen würdest.

Das fängt bei so Dingen an wie den Gesprächen, die keine Tiefe besitzen. Man hakt ein oder zwei weiße Themen ab für "Mehr Infos die ich eh in zwei Stunden vergessen habe" und um dann auf das gelbe Thema zu klicken für "Weiter mit der Story". Überhaupt kein Vergleich zu einem Plsnescape, wo man auch mal 15 Minuten ein Gespräch führte und es TROTZDEM interessant war.

Dann die ach so gelobten Entscheidungen: Das Spiel simuliert ja nur äußerst fadenscheinig, als könntest du dich entscheiden. Es gibt sogar Quests, in denen du dich explizit gegen einen Lösungsweg entscheiden kannst, nur damit Geralt sich daraufhin ohne Eingriffsmöglichkeit durch die NPCs belabern lässt, es trotzdem zu tun. Der Pferdediebstahl fällt mir da z.B. ein.

Dann sind die Quests teilweise echt flach. Man kann ein Attentat auf König Radowid ausführen. Das ganze reduziert sich dann auf 15 Minuten gradliniges Gekloppe. Das fand ich schon sehr ironisch, bedenkt man, dass Witcher 2 noch eine ganzes Spiel um exakt die selbe Prämisse gestrickt hat. Und im wesentlichen ändert das auch überhaupt nichts. Ja, es wird im Abspann mal kurz erwähnt. Aber das ist lediglich ein billiges Alibi, das Spiel selbst interessiert sich überhaupt nicht dafür.

Das Kampfsystem war - wie bei jedem Witcher zuvor - ein Krampf. Nicht mehr ganz so schlimm wie Witcher 2, aber trotzdem eigentlich eine Zumutung. Kein Tiefgang, keine echte Kontrolle, katastrophales Balancing. Stattdessen Spam. Die Gegner haben insbesondere ab Level 30 deutlich zu viel HP, das Magie-/Heilsystem nötigt einen zum Schildzauber-Spam und macht damit das Zaubern jedes anderen Spruches zur Zeit- und HP-Verschwendung. Umso schlimmer, dass manche Gegner das erfordern und man ständig mit leerer Zauberleiste dasteht und zwischen zwei Sprüchen hin und her wechseln muss. Ganz schlimm waren die Bosse: Viel zu lang, viel zu wenig Abwechslung, viel zu repetitiv.

Vom Loot fang ich gar nicht erst an: Das hätten sie auch komplett weglassen können. Selten so viele so uninteressante Items gesehen. Das fängt bei Schwertern und Rüstungen an und treibt es mit dem Handwerkssystem völlig auf die Spitze. Sie hätten dem Zeug auch fortschreitende Nummern statt Bezeichnungen zuweisen können, es wäre nicht weniger interessant geworden.

Das schlimmste - im Sinne von "verschenktes Potential" - ist aber die Welt. Witcher 3 hat sicherlich die bis dato optisch beeindruckenste Welt in der Videospielgeschichte. Ich bin mit Plötze tage- und wochenlang im gemütlichsten Tempo über Feldwege geschritten, einfach, weil sie so fantastisch aussah. Teilweise dachte ich mir 'Ey, das kennste doch, da war ich doch letztes Wochende mit dem Hund spazieren."

Aber sie machen nichts drauß. Die Welt ist so leer und (spielerisch) uninteressant. Es gibt nichts zu entdecken. Es gibt keine wirklich denkwürdigen Szenerien, die herausstechen. Es gibt - außer ein paar storyrelevanten und echt langweiligen - keine Dungeons. Höchstens mal ne zehn Meter Höhle. In der dann - siehe Loot - eh nichts ist. Ich reiten über verwunschene Trampelpfade, treffe zufällig auf eine schrullige kleine Hütte - und lasse sie links liegen, weil das Spiel mir beigebracht hat, das es dort eh nichts gibt. Ich kann in Novigrad immer noch keine Straße von der anderen unterscheiden, weil das Spiel mich nie dazu gebracht hat, die Stadt zu erkunden. Es mangelt komplett an Interaktivität. Alles nur Kulisse. Angucken, nicht anfassen. Und Monsternester zerstören langweilt schon, bevor man es das erste mal gemacht hat. Genau wie - siehe Loot - versteckte und bewachte Schätze. Oder Banditenlager. Es ist alles vollkommen irrelevant.

Trotzdem mag ich das Spiel, ich würde es nur noch mehr mögen, wenn ich nicht alle paar Minuten daran denken müsste, wie viel mehr dieses Spiel sein könnte und wie viel ungenutztes Potential in der vorhandenen Basis steckt.

Jochen

Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Jochen » 27. Mai 2016, 16:26

Meine beiden Cent:

Würde ich/würden wir die Folge heute nochmal so machen? Wahrscheinlich nicht. Im Nachhinein erscheint sie mir auch zu viel Rant und zu sehr Stimmtisch - auch wenn man das sicher anders empfinden kann, manche mögen die Episode ja. Zu den mitunter kontroversen Urteilen und Thesen stehe ich übrigens immer noch; bloß argumentieren hätte man sie besser können. In gewisser Weise ist die Witcher-Folge aber ohnehin ein Experiment, so wie eigentlich alle frühen Folgen. Ein bisschen so eben, als würde eine Band ihre ersten Probeaufnahmen online stellen, um eine Analogie zu bemühen. Den Stil hört man schon raus, aber es sitzen noch nicht alle Griffe und Noten.

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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Textsortenlinguistik » 27. Mai 2016, 17:43

Vinter hat geschrieben:Ich spiele Witcher 3 gern, ich habe es aber nicht wirklich genießen können. Es war ständig eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, die mir einflüsterte: "Es ist nicht so geil, wie du dir wünschen würdest.
Das fängt bei so Dingen an wie den Gesprächen, die keine Tiefe besitzen. Man hakt ein oder zwei weiße Themen ab für "Mehr Infos die ich eh in zwei Stunden vergessen habe" und um dann auf das gelbe Thema zu klicken für "Weiter mit der Story". Überhaupt kein Vergleich zu einem Plsnescape, wo man auch mal 15 Minuten ein Gespräch führte und es TROTZDEM interessant war.
Da muss aber auch mal angeführt werden, dass The Witcher durch die Kenntnis der Bücher so phänomenal viel besser wird, dass ich das Lesen dieser fast schon als Voraussetzung zum Spielen ansehen würde.

André & Jochen haben in der Folge zwar richtig angemerkt,dass das selbstverständlich in der Bewertung des Spiels keine Rolle spielen darf bzw. die Entwickler nicht damit planen dürfen, aber ich kenne keine Adaption (sei es Spiel oder Film), die so sehr durch Buchkenntnis gewinnt wie The Witcher. Das beschränkt sich nicht nur auf Dialoge, sondern auch Charaktere, politische & gesellschaftliche Strukturen, Orte in der Welt und somit den gesamten Lore.

In der Retrospektive fällt mir es mir schwer zu glauben, dass man ohne dieses Hintergrundwissen auch nur ansatzweise soviel Spaß mit diesem Spiel haben kann wie mit ihm.
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Klagsam
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Klagsam » 27. Mai 2016, 17:59

Jochen hat geschrieben: Den Stil hört man schon raus, aber es sitzen noch nicht alle Griffe und Noten.
Und ich hoffe sehr, dass die auch in Zukunft nicht alle sitzen werden. Gerade DAS macht doch einen Teil des Spasses aus, den zumindest ich mit eurem Podcast habe.

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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Denny Röder » 27. Mai 2016, 18:39

Lurtz hat geschrieben:Bei The Witcher 3 geht der Ansatz aber nicht auf, man kann nach der Folge keinesfalls den Eindruck haben, dass The Witcher 3 ein sehr gutes Spiel sei
Würde ich so, nicht unterschreiben wollen.
Gerade in dieser Folge, ergänzen sich die beiden auf eine ganz besondere Art und Weise.
Jochen zb. , bezieht sich auf den Tag / Nacht Wechsel, im Zusammenhang mit der Werwolfs quest.
Andre wirkt dieser Aussage von Jochen, wenige Augenblicke später entgegen.
Die Witcher 3 Folge, gehört zu meinen Favoriten.
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Kingslayer
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Kingslayer » 27. Mai 2016, 18:47

Textsortenlinguistik hat geschrieben:In der Retrospektive fällt mir es mir schwer zu glauben, dass man ohne dieses Hintergrundwissen auch nur ansatzweise soviel Spaß mit diesem Spiel haben kann wie mit ihm.
Nur hat man (also zumindest ich) beim Beschaffen diese Hintergrundwissens viel weniger Spaß als mit dem Spiel ohne Selbiges. Ich habe den ersten Band angefangen, weil so viele Leute behauptet hatten, wie toll und komplex die Bücher und das ganze Universum doch sind, nur um dann mit einer hanebüchenen Fantasy-Story konfrontiert zu werden, die sprachlich auf dem Niveau eines 13-Jährigen war (Sorry ihr 13-Jährige da draußen ;) ) , kaum Tiefgang und so unglaublich platte und dumme Charaktere besaß, dass ich mich durch dieses "Werk" regelrecht durchgequält habe. Und das sage ich als jemand der keinen so großen Anspruch an Fantasy-Literatur stellt, also beispielsweise die Dunkelelfen Romane von R.A. Salvatore sehr gerne mag.
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Enlagom
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Enlagom » 27. Mai 2016, 19:09

Ich unterschreibe auch, daß das Spiel viel gewinnt wenn man mit der Welt, den Charakteren und den Büchern was anfangen kann und diese kennt.
Der Anfang in Kaer Morhen z.B. war für mich total emotional, ich hab mich irrsinnig gefreut die kleine Siri beim trainieren zu sehen, und die Dialoge, die hier beinahe ident von einer Kurzgeschichte übernommen worden sind, zu erleben.
Was ich vor allem sehr stark in der Diskussion vermisst habe ist der Vergleich zu den beiden Vorgängerspielen. Meine Vermutung ist hier, daß weder Andre noch Jochen viel mit den beiden Vorgängern anfangen konnten (oder sich noch daran erinnern können).
TW3 ist meiner Meinung nach deutlich schlechter als der die beiden ersten Teile wenn es um das Geschichten erzählen, die Dialoge und die Charakterzeichnung geht.
Nur ein kleines Beispiel: Radovid wird im 3. Teil als der irre König Redaniens gezeichnet, der ohne Sinn und Verstand und ohne jegliche erklärte Motivation Zauberer verfolgt und an am Scheiterhaufen verbrennt. Er ist der typische Fall von "Ich bin böse, weil." Dieser Radovid wird in Witcher 2 noch ganz anders dargestellt. Dort wird erklärt wie er von einer Zauberin (Phillipa Eilhart) erzogen wird, wie diese an seinem Hof intrigiert und jeden gegen jeden zu ihrem eigenen Vorteil ausspielt. Diese bestraft er dann - aber das mit Hintergrund. Dieser Hintergrund hat im 3. Teil bei so vielen Geschichten gefehlt. Was wahnsinnig schade ist.
Im Endeffekt, genau wie vielleicht der Podcast noch eher ein Versuch war, kommt mir TW3 bei vielen der so hochgelobten Geschichte auch so vor, als wäre es nur ein Versuch.
Vor allem der Versuch so viele Quests in einer so rießigen Welt wie nur möglich unterzubringen.
Es gibt natürlich auch Ausnahmen, mit ganz ausgezeichnet geschriebenen Quests. Allerdings, dann im Podcast nur eine banale Nebenquest (die mit dem Werwolf) als Beispiel anzuführen war dann nichts. Oder sich an einer ebenso (für mich) Kleinigkeit wie dem leider sinnfreien Tag/Nachtwechsel aufzuhängen.

PS. Persönlich mag ich TW3 immer noch sehr gerne, ich verehre es nur nicht so sehr wie die zwei Vorgänger, und es hätte so viel mehr sein können...

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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Nimlod » 27. Mai 2016, 19:18

Mir hat ja die Folge damals nicht besonders gut gefallen und habe das leider stellenweise ebenso "rantig" zum Ausdruck gebracht. Aber wie in einem anderen Thread hier schon einige geschrieben haben, geht's auch mir so, dass die Folge heute anders rüberkommt, weil man die beiden einfach ein wenig besser kennengelernt hat und man so die Aussagen besser einordnen kann. D.h. zwar nicht, dass ich jetzt mit Jochen in allen Punkten übereinstimmen würde oder dass ich die Folge jetzt auf einmal für eine der besten halte, meine Reaktion darauf wäre jetzt aber eine andere, würde die Folge diese Woche rauskommen.

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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Enlagom » 27. Mai 2016, 19:24

Axel hat geschrieben:
Textsortenlinguistik hat geschrieben: Da muss aber auch mal angeführt werden, dass The Witcher durch die Kenntnis der Bücher so phänomenal viel besser wird, dass ich das Lesen dieser fast schon als Voraussetzung zum Spielen ansehen würde.
Dann ist der Erzählstil des Spiels einfach schlecht, wenn man vorher erst Bücher lesen muss, eh man kapiert worum es im Spiel geht. Das macht das Spiel nicht besser, im Gegenteil. Weil es zeigt, dass das Spiel keine packende Geschichte erzählen kann.
Ich sehe das Problem nicht darin, daß man Bücher gelesen haben muß um das Spiel zu verstehen. Eher im Gegenteil: Die Geschichte(n) wurden so reduziert, daß sie jeder verstehen kann, ohne Vorwissen. Gute Geschichten könnte das Spiel mit dem vorhandenen Material sehr wohl erzählen, allerdings nur mit dem entsprechenden Fokus diese nicht zu reduzieren (und möglicherweise nur mit besseren Autoren)

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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Enlagom » 27. Mai 2016, 19:30

Kingslayer hat geschrieben:
Textsortenlinguistik hat geschrieben:In der Retrospektive fällt mir es mir schwer zu glauben, dass man ohne dieses Hintergrundwissen auch nur ansatzweise soviel Spaß mit diesem Spiel haben kann wie mit ihm.
Nur hat man (also zumindest ich) beim Beschaffen diese Hintergrundwissens viel weniger Spaß als mit dem Spiel ohne Selbiges. Ich habe den ersten Band angefangen, weil so viele Leute behauptet hatten, wie toll und komplex die Bücher und das ganze Universum doch sind, nur um dann mit einer hanebüchenen Fantasy-Story konfrontiert zu werden, die sprachlich auf dem Niveau eines 13-Jährigen war (Sorry ihr 13-Jährige da draußen ;) ) , kaum Tiefgang und so unglaublich platte und dumme Charaktere besaß, dass ich mich durch dieses "Werk" regelrecht durchgequält habe. Und das sage ich als jemand der keinen so großen Anspruch an Fantasy-Literatur stellt, also beispielsweise die Dunkelelfen Romane von R.A. Salvatore sehr gerne mag.
Welchen Band hast du gelesen (ich vermute Narrentum, wenn auf Deutsch). Ich kenne von den Romanen nur die ersten zwei, und ja die waren nicht sonderlich gut, aber so schlecht habe ich sie auch nicht Erinnerung. Deutlich besser sind die Kurzgeschichten: Etwas endet, etwas beginnt; Das Schwert der Vorsehung; Der letzte Wunsch (diese haben auch mehr Bezug zum Spiel - der letzte Wunsch war auch eine Quest in TW3)

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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Denny Röder » 27. Mai 2016, 19:34

Nimlod hat geschrieben:Mir hat ja die Folge damals nicht besonders gut gefallen und habe das leider stellenweise ebenso "rantig" zum Ausdruck gebracht. Aber wie in einem anderen Thread hier schon einige geschrieben haben, geht's auch mir so, dass die Folge heute anders rüberkommt, weil man die beiden einfach ein wenig besser kennengelernt hat und man so die Aussagen besser einordnen kann. D.h. zwar nicht, dass ich jetzt mit Jochen in allen Punkten übereinstimmen würde oder dass ich die Folge jetzt auf einmal für eine der besten halte, meine Reaktion darauf wäre jetzt aber eine andere, würde die Folge diese Woche rauskommen.
Zitat vom Andre

Wir sind schon wirklich sehr authentisch im Podcast, aber wir haben am Anfang noch ein paar Spielregeln missachtet, was uns für einen Teil der Hörer disqualifiziert hat - unnötigerweise. Wir können auf Hörer verzichten, die nur ihre eigene Meinung bestätigt haben wollen. Aber Leute unnötig vor den Kopf stoßen, wollen wir nicht. Nur absichtlich vor den Kopf stoßen.

Das wir da nach wie vor an der Grenze des Zumutbaren für manche operieren, belegen immer mal wieder auftauchende Kommentare. :D

Andre

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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Textsortenlinguistik » 27. Mai 2016, 19:51

Axel hat geschrieben:
Textsortenlinguistik hat geschrieben: Da muss aber auch mal angeführt werden, dass The Witcher durch die Kenntnis der Bücher so phänomenal viel besser wird, dass ich das Lesen dieser fast schon als Voraussetzung zum Spielen ansehen würde.
Dann ist der Erzählstil des Spiels einfach schlecht, wenn man vorher erst Bücher lesen muss, eh man kapiert worum es im Spiel geht. Das macht das Spiel nicht besser, im Gegenteil. Weil es zeigt, dass das Spiel keine packende Geschichte erzählen kann.
Es ist ja nicht so, dass du die Geschichte(n)/Charaktere nicht kapierst, allerdings verstehst du sie ohne Hintergrundwissen eben nur auf der oberflächlichsten Ebene. Das ist bei Adaptionen ja nichts ungewöhnliches, siehe unzählige Verfilmungen von Büchern. Und selbst ohne dieses Hintergrundwissen scheint TW3 für viele ja ein großartiges Spiel zu sein. Nur ist die Adaption in diesem Fall eben so detailverliebt und vorlagengetreu, dass das Spiel für Kenner und Fans (!) der Bücher mMn nochmal auf ein ganz anderes Level gehievt wird.
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Lurtz » 27. Mai 2016, 20:47

Axel hat geschrieben:Dann ist der Erzählstil des Spiels einfach schlecht, wenn man vorher erst Bücher lesen muss, eh man kapiert worum es im Spiel geht. Das macht das Spiel nicht besser, im Gegenteil. Weil es zeigt, dass das Spiel keine packende Geschichte erzählen kann.
Man muss es ja nicht, das Spiel macht schon einen guten Job, Neueinsteiger abzuholen. Zeigt ja auch die gelungene Zielgruppenerweiterung mit über 10 Millionen Verkäufen. Und einem Spiel mit Quests wie die um den blutigen Baron vorzuwerfen, keine packende Geschichte erzählen zu können, finde ich regelrecht grotesk.
Kingslayer hat geschrieben:Nur hat man (also zumindest ich) beim Beschaffen diese Hintergrundwissens viel weniger Spaß als mit dem Spiel ohne Selbiges. Ich habe den ersten Band angefangen, weil so viele Leute behauptet hatten, wie toll und komplex die Bücher und das ganze Universum doch sind, nur um dann mit einer hanebüchenen Fantasy-Story konfrontiert zu werden, die sprachlich auf dem Niveau eines 13-Jährigen war (Sorry ihr 13-Jährige da draußen ;) ) , kaum Tiefgang und so unglaublich platte und dumme Charaktere besaß, dass ich mich durch dieses "Werk" regelrecht durchgequält habe. Und das sage ich als jemand der keinen so großen Anspruch an Fantasy-Literatur stellt, also beispielsweise die Dunkelelfen Romane von R.A. Salvatore sehr gerne mag.
Charaktere wie die Zauberinnen oder Regis sollen unglaublich platt sein? Da lag das Buch wohl einfach weit von deinem Geschmack entfernt. Das spannende ist ja, dass die Bücher typische Fantasytropes durchaus gekonnt umkehren und mit den Erwartungen des Lesers spielen. Dazu die für mich als Mitteleuropäer sehr reizvolle slawische Mythologie.
Ich verstehe, wenn der recht abgehackte Erzählstil von Sapkowski nicht gefällt, aber platt und dumm finde ich sehr übertrieben.
Enlagom hat geschrieben:Ich unterschreibe auch, daß das Spiel viel gewinnt wenn man mit der Welt, den Charakteren und den Büchern was anfangen kann und diese kennt.
Der Anfang in Kaer Morhen z.B. war für mich total emotional, ich hab mich irrsinnig gefreut die kleine Siri beim trainieren zu sehen, und die Dialoge, die hier beinahe ident von einer Kurzgeschichte übernommen worden sind, zu erleben.
Was ich vor allem sehr stark in der Diskussion vermisst habe ist der Vergleich zu den beiden Vorgängerspielen. Meine Vermutung ist hier, daß weder Andre noch Jochen viel mit den beiden Vorgängern anfangen konnten (oder sich noch daran erinnern können).
TW3 ist meiner Meinung nach deutlich schlechter als der die beiden ersten Teile wenn es um das Geschichten erzählen, die Dialoge und die Charakterzeichnung geht.
Nur ein kleines Beispiel: Radovid wird im 3. Teil als der irre König Redaniens gezeichnet, der ohne Sinn und Verstand und ohne jegliche erklärte Motivation Zauberer verfolgt und an am Scheiterhaufen verbrennt. Er ist der typische Fall von "Ich bin böse, weil." Dieser Radovid wird in Witcher 2 noch ganz anders dargestellt. Dort wird erklärt wie er von einer Zauberin (Phillipa Eilhart) erzogen wird, wie diese an seinem Hof intrigiert und jeden gegen jeden zu ihrem eigenen Vorteil ausspielt. Diese bestraft er dann - aber das mit Hintergrund. Dieser Hintergrund hat im 3. Teil bei so vielen Geschichten gefehlt. Was wahnsinnig schade ist.
Im Endeffekt, genau wie vielleicht der Podcast noch eher ein Versuch war, kommt mir TW3 bei vielen der so hochgelobten Geschichte auch so vor, als wäre es nur ein Versuch.
Vor allem der Versuch so viele Quests in einer so rießigen Welt wie nur möglich unterzubringen.
Es gibt natürlich auch Ausnahmen, mit ganz ausgezeichnet geschriebenen Quests. Allerdings, dann im Podcast nur eine banale Nebenquest (die mit dem Werwolf) als Beispiel anzuführen war dann nichts. Oder sich an einer ebenso (für mich) Kleinigkeit wie dem leider sinnfreien Tag/Nachtwechsel aufzuhängen.

PS. Persönlich mag ich TW3 immer noch sehr gerne, ich verehre es nur nicht so sehr wie die zwei Vorgänger, und es hätte so viel mehr sein können...
Sicher wollte man teilweise zu viel. Die Geschichte um Radovid finde ich auch schwach, leider reagiert auch die Spielwelt kein bisschen darauf. Dennoch hat man auch schon vieles herausgeschrieben, bspw. eine komplette Questlinie um Iorveth, weil sie den Standards nicht genügt hat.

Mir sind dennoch viele tolle Geschichten in Erinnerung geblieben - und Hearts of Stone setzt da noch einen drauf, so ein tiefgehendes, emotionales und cleveres Storytelling habe ich schon länger nicht mehr in einem Spiel erlebt.

Teil 1 war in seiner deutlich kleineren Geschichte natürlich deutlich stringenter und auch noch deutlich weniger glattgebügelt - das war schon klasse. Vor allem das viel gescholtene vierte Kapitel fand ich toll, warum hat jemand hier in sehr schöne Worte gefasst.
Teil 2 ist wahnsinnig ambitioniert, fällt IMO letztlich aber etwas ab.

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