Runde #011: Jochen glaubt nicht an Hexer (aka "Ich finde Ihren Mangel an Glauben beklagenswert) (Witcher 3) (Part 2)

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Vinter
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Vinter »

Heart of Stone fand ich in der Tat auch in Ordnung. Habe die Mainquest ohne Ablenkung durch Nebenquests gespielt und es fühlte sich schön stringend und kompakt an bzgl der Handlung. Schön fand ich auch, dass das Addon keine Geschichte von Geralt, sondern die von Everec erzählt. Das erinnerte vom Aufbau sogar an Hemingway. Hat mir gut gefallen, sowohl die Geschichte an sich, als auch die Erzählweise. Everec wandelt sich vom prototypischen Vollarsch zum tragischen Schicksal. Und der Spiegelmann-Song war super!

Allerdings waren die Quests spielerisch auch wieder viel zu lang. Allein für die blöde Hochzeit hab ich sicher drei Abende Anlauf gebracht, weil es einfach - nicht - enden - wollte. Auch die anderen Quests hätte man locker auf die Hälfte zusammenstreichen können - aber nein, das Anwesen der Everecs muss man ernsthaft zwei mal durchsuchen - argh.

Und die Bosskämpfe waren ne Katastrophe. Nachdem ich das Hauptspiel auf Deathmarch beendet habe, habe ich nach vier oder fünf versuchen an der Kröte den Schwierigkeitsgrad auf ganz unten gestellt, weil klar wurde, dass der Kampf extrapoliert 45 Minuten dauern wird - und da wurde es mir echt zu dumm. Selbst auf ganz leicht hatte die Kröte noch so viel HP, dass es für den höchsten angemessen war. Der Kampf dauerte dann immer noch 5 Minuten - allerdings war jetzt natürlich der Schaden der Kröte komplett kastriert....

Und deswegen ist Witcher 3 einfach nicht das Spiel des Jahres. Jedesmal wenn ich nur kurz drüber reden will, ertappe ich mich 15 Minuten später dabei, das ich immer noch am ranten bin. Es gibt einfach so viele offensichtliche Mängel, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass am Ende trotzdem ein gutes Spiel bei raus gekommen ist. Guckt euch das an, ich schreibe "HoS fand ich auch in Ordnung", nur um mich dann drei Absätze drüber zu beklagen.

Und um die Schizophrenie komplett zu machen: Blood&Wine ist bereits gekauft und ich warte drauf.

Witcher 3 ist echt ein furchtbar schlechtes tolles Spiel.
Zuletzt geändert von Vinter am 27. Mai 2016, 22:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Lurtz
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Lurtz »

Vinter hat geschrieben:Und die Bosskämpfe waren ne Katastrophe. Nachdem ich das Hauptspiel auf Deathmarch beendet habe, habe ich nach vier oder fünf versuchen an der Kröte den Schwierigkeitsgrad auf ganz unten gestellt, weil klar wurde, dass der Kampf extrapoliert 45 Minuten dauern wird - und da wurde es mir echt zu dumm.
Wobei ich da wieder nicht nachvollziehen kann, wieso das Skillsystem angeblich so schlecht sein soll, das Spiel gleichzeitig aber so anspruchslos sein soll. Irgendwas mit Feuer verwenden und die Kröte ist schnell tot... Aber soweit scheinen viele gar nicht zu denken, weil man ja schon tausend Mal gehört hat, dass das Kampf- und Skillsystem Mist ist.
Das erinnert mich an Bioshock Infinite, da meinten auch viele, dass man die Tonics ja gar nicht brauchen würde und es deshalb langweilig wäre. Komischerweise haben ich den "Geisterboss" in Infinite beim zweiten Durchgang auf hard mit den richtigen Tonics wesentlich schneller und einfacher besiegt als im ersten Durchgang auf normal ;)

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Vinter
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Vinter »

Im Detail kann ich dir das nicht mehr sagen, ich würde mich stark wundern, wenn ich das nicht ausprobiert hätte. Ich war allerdings auch nicht auf Magie geskillt.

Allerdings halte ich das auch für schlechtes Design, wenn man 4/5 des Spiels ohne Tonics/Magie locker schafft und man dann plötzlich für einen einzelnen Kampf vor eine Wand rennt, wenn man es nicht nutzt. Lady Comstock hat mich auch wahnsinnig genervt :mrgreen:
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TNousy
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von TNousy »

Ich habe die gesamte Geralt Saga gelesen. Begonnen habe ich das ganze als der erste Witcher Teil in Entwicklung war. Zuerst habe ich die Kurzgeschichten Das Schwert der Vorsehung und Der letzte Wunsch. Diese Kurzgeschichten finde ich gut geschrieben, die Handlungen sind schön provokant und regen zum Nachdenken an. Ein Beispiel ist die Geschichte "das kleinere Übel" http://hexer.wikia.com/wiki/Das_kleiner ... eschichte) wobei es um eine moralische Entscheidung
SpoilerShow
von Geralt geht, ein Massaker an der Stadtbevölkerung zu verhindern, von dem nur er ahnt dass dies passieren wird. Dadurch trifft er eine extrem unpopuläre Entscheidung aus der Sicht der Stadtbevölkerung. Der Name, der Geralt aus diesem Ereignis davon trägt sollte allen Spielern bekannt vorkommen und beschreibt den Ausgang perfekt: Der Schlächter von Blaviken. Er hat sich dafür entschieden die Bevölkerung zu schützen auch wenn er im Nachgang als Monster dasteht.

Die Kurzgeschichten verpackt in zwei Bände sind kurz und super auf den Punkt gebracht für Leser die in 1-2 Stunden eine abgeschlossene Geschichte erfahren möchten. Für diese Bücher würde ich eine vollkommene Empfehlung aussprechen!

Durch diese Bücher bekam ich natürlich Lust auf mehr. Deshalb habe ich im Laufe der Zeit die 5 Bücher zur Geralt Saga gelesen, welche hauptsächlich die Reise von Geralt und Ciri beschreiben. Die Stärken dieser Bücher sind der sehr abwechslungsreiche und spannende Erzählstil. Die Geschichte wird oft aus der Sicht von "belanglosen" Personen erzählt, die die Wege der Protagonisten kreuzen. Ebenfalls ist die Charakterzeichnung absolut grossartig. Die Hanse um Geralt mit Rittersporn, Milva, Regis, Cahir und Angoulême ist fantastisch. Oder wie ich Yarpen Zigrin und Zoltan Chivay liebe. Als Geralt das erste mal auf Zoltan trifft, der mit seiner Gruppe auf dem Waldboden sitzt, Gwint spielt und derbe Sprüche klopft. Es gibt sehr viele dieser Nebencharaktere, die man entweder hasst oder liebt. Mit einigen gibt es mehrere Wiedersehen sodass man wirklich vertraut mit ihnen wird.
In guten Abständen kommt es dann immer wieder zu spannenden Kämpfen, sei es eine grosse Schlacht oder ein Zweikampf mit Kopfgeldjäger/Mutanten die wirklich gelungen umschrieben werden.
Die ersten Romane sind dadurch sehr gelungen, da man all die Personen kennen lernt und auch die Haupthandlung als Geralt und Ciri zuammen Reisen ist super.

Das grosse Manko des Handlungsstranges beginnt mit der Trennung von Geralt und Ciri. Genau wie im im Game verfolgt nun Geralt Ciri die gesamte Zeit und ist immer ein Schritt zu spät (oder viiiiieeel mehr). Die einzelnen Geschehnisse sind immer noch sehr gut (die Rattenbande, Geralt in Toussant und allgemein seine Abenteuer mit den Gefährten). Durch diese ewig währende Verfolgungsjagd werden Abschnitte im Buch zur Musse. Aus diesem Grund würde ich die Saga nicht für jedermann empfehlen, der nicht auch ein bisschen Durchhaltewille beim lesen zeigen kann. Das Ende finde ich durchaus sehr gelungen, deshalb lohnte sich definitiv die Saga zu ende zu lesen. Noch einmal; die Stärke liegt bei den Charakteren und bei den einzelnen Abenteuern, welche diese durchleben.

Nun zum Spiel The Witcher 3
Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Wenn man mit Ciri und Yenefer nicht vertraut ist, wird wohl die Haupthandlung nicht die gewünschte Motivation hervorrufen, da man eigentlich einer komplett "gesichtslosen" und unbekannten Person hinterher jagt.
Wenn man aber Ciri durch die 5 Bücher begleitet hat, miterlebt wie sie aufgewachsen ist und ihre Fähigkeiten besser kennt ist die Story wirklich gut. Ich habe die kleine Göre ins Herz geschlossen. Auch all die Nebencharaktere, die Geralt trifft, haben mir immer wieder grosse Freude bereitet und ich habe mich während dem Spielen echt ertappt wie ich mit einem riesen Smile vor dem Rechner sass, gerührt vom Wiedersehen. Auch ist die Optik der Personen druch CD project red echt gelungen, sodass ich nie enttäuscht wurde.

Natürlich kann man dies nun an einem Spiel als grossen Kritikpunkt ankreiden. Die Story hätte besser gemacht werden müssen für Leute, die die Bücher nicht gelesen haben. Das bezweifle ich nicht. Aber ich finde es unangemessen diesen "Fan-Service" (ihr nennt das so, ich finde das eine unpassende Bezeichnung) als negativ Punkt auszuschlachten. Warum sollte man ein solches Universum mit einer komplexen Hintergrundgeschichte und vielen bereits etablierten Charakteren nicht verwenden dürfen? Ich finde es gut, dass die CDPR nicht mit Tabula Rasa angefangen hat sondern auf den Büchern aufbaut. Weiter wäre es unmöglich die Vorgeschichte angemessen im Game zu erzählen, sodass alle auf dem gleichen Stand sind.
Es steht jedem frei sich in ein Universum zu vertiefen oder einfach nur die Populärsten Werke dessen zu konsumieren. Bekanntestes Beispiel ist hier Herr der Ringe von Tolkien. Natürlich kann man einfach nur die Filme schauen (okay die Triologie ist auch eigenständig wirklich gut (die Hobbit Filme sind scheisse)). Aber wenn man sich komplett in das Universum hinein gibt und die Bücher liest, dazu noch das Silmarillion "studiert" wird halt jeder Charakter intensiver und die Landschaften/Städte/Weltkarte etc vertrauter. Jedes Wiedersehen verleiht so Freude, wenn es gut umgesetzt ist.

Ich kann also von mir behaupten, dass ich mit dem Vorwissen der Bücher mit dem Spiel eine grossartige Spielerfahrung geliefert bekommen habe. The Witcher 3 ist definitiv das beste was ich je gezockt habe. Der Service von CDPR mit den beiden DLC ist der wahnsinn, also auch hier nichts zu bemängeln. Danke Andrzej für das Fantasy Universum und danke CDPR.

Tut mir leid, der Beitrag wurde leider Zwei-Bier-Lang. Und ich hoffe man kann ihn lesen, ich bin nicht der Wortgewandteste, habe es besser mit Zahlen :D
Würde gerne einfach so gut schreiben können wie einige hier im Forum und diskutieren wie Andre und Jochen, ohne sich vorbereiten zu müssen. Grossen Respekt!

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derFuchsi
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von derFuchsi »

TNousy hat geschrieben:Ich habe die gesamte Geralt Saga gelesen.
Kannst du einem potentiellen Neu-Leser eine Reihenfolge der (deutschen) Bände nennen, was man in welcher Reihenfolge lesen sollte inklusive Kurzgeschichten?
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Lurtz
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Lurtz »

derFuchsi hat geschrieben:Kannst du einem potentiellen Neu-Leser eine Reihenfolge der (deutschen) Bände nennen, was man in welcher Reihenfolge lesen sollte inklusive Kurzgeschichten?
Diese Reihenfolge ist empfehlenswert:
http://www.seenadel-blog.de/tipps/the-w ... ihenfolge/

Wobei ich Zeit des Sturms erst später lesen würde. Es spielt zwar noch vor den Kurzgeschichten, macht aber dennoch eher gegen Schluss Sinn.

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TNousy
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von TNousy »

Diese Reihenfolge ist empfehlenswert:
http://www.seenadel-blog.de/tipps/the-w ... ihenfolge/
Also die Saga muss man zwingend in dieser Reihenfolge lesen. Die Erzählung knüpft immer am vorherigen Band an.

Mit den Kurzgeschichten würde ich, wie bereits empfohlen, beginnen, da die meisten zeitlich vor der Saga statt finden und man einen Überblick auf die Charaktere, das Hexertum und Geralt bekommt, sowie Andrzejs Schreibstil. Obwohl die meisten müssten jetzt Geralt bereits gut kennen :D . Ich habe dazumal für mich totales Neuland betreten.

Zeit des Sturms ist wie Lurtz gesagt hat eine eigenständige Erzählung die Zeitlich vor der Saga spielt. Habe ich aber auch erst danach gelesen weil es auch erst danach erschienen ist.

Um immer den Überblick zu behalten und gegebenenfalls Unklarheiten aus dem Weg zu schaffen fand ich das Hexer-Wiki sehr gut. Enthält aber erhebliche Spoiler! Also eine Charakterbeschreibung nicht bis zum Ende durchlesen falls man mal was nachschlagen will.
http://hexer.wikia.com/wiki/Geralt-Saga

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Philsen
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Philsen »

Habe bereits die Kurzgeschichtenbände gelesen und bin nun bei Zeit der Verachtung aus der Geralt Saga angekommen. Mir sagt der Erzählstil zwar nicht immer zu (insbesondere diese langen, langen, langen Sätze) allerdings ist er keinesfalls auf dem Niveau eines 13-jährigen wie oben behauptet. Mal Tribute von Panem gelesen? Das ist ein wirklich einfacher Erzählstil. Bei den Witcher Romanen hingegen muss ich immer wieder Sachen nachschlagen wie bspw. "Hermelintoque".

Wie tnousy es beschreibt erging es mir übrigens beim durchspielen von W3, zu Ciri und Yennefer hatte ich kaum Bezug. Allerdings ändert sich das gerade beim lesen der Bücher.

Zur W3 Folge: Wie schon ein paar mal erwähnt, fand auch ich die Folge "zu Stammtischig". Skyrim ist meines Erachtens in fast allen Belangen das schlechtere Spiel und ich finde es völlig ungeeignet als Vergleich, weshalb ich nach ca 75% des Casts damals erbost abgebrochen habe.

Ich kann allerdings auch nicht leugnen dass W3 bei mir voll eingeschlagen hat und ich das Spiel für das beste der letzten Jahre halte, da es in seiner Gesamtheit absolut rund und fantastisch ist.

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Vinter
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Vinter »

TNousy hat geschrieben: Natürlich kann man dies nun an einem Spiel als grossen Kritikpunkt ankreiden. Die Story hätte besser gemacht werden müssen für Leute, die die Bücher nicht gelesen haben. Das bezweifle ich nicht. Aber ich finde es unangemessen diesen "Fan-Service" (ihr nennt das so, ich finde das eine unpassende Bezeichnung) als negativ Punkt auszuschlachten. Warum sollte man ein solches Universum mit einer komplexen Hintergrundgeschichte und vielen bereits etablierten Charakteren nicht verwenden dürfen?
Natürlich darf man es verwenden. Aber man muss es so etablieren, dass auch nicht-Kenner ihren Spaß daran haben. Andersherum wird nämlich ein Schuh drauß: Wie gut kann ein Spiel sein, dass nur für Leute richtig interessant ist, die vorher schon Fan sind? Sind es nicht gerade diese Fans, die aufgrund ihres fan-seins vor groben Mängeln des eigentlichen Spiels ihre Augen verschließen? Oder anders: Eine etablierte Serie kann keine Ausrede dafür sein, es im eigenständigen Spiel nicht trotzdem vernünftig zu erzählen.

Ich empfinde sicherlich auch eine Menge Dinge als "gut", die objektiv gesehen bei der Mehrzahl der Menschen nicht so sonderlich gut angekommen sind - eben, weil ich Fan bin. Alien 3 fällt mir da z.B. ein. Oder deine Vielzahl an eher durchschnittlichen Videospielen zum Alien-Universum.
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derFuchsi
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von derFuchsi »

Lurtz hat geschrieben:
derFuchsi hat geschrieben:Kannst du einem potentiellen Neu-Leser eine Reihenfolge der (deutschen) Bände nennen, was man in welcher Reihenfolge lesen sollte inklusive Kurzgeschichten?
Diese Reihenfolge ist empfehlenswert:
http://www.seenadel-blog.de/tipps/the-w ... ihenfolge/

Wobei ich Zeit des Sturms erst später lesen würde. Es spielt zwar noch vor den Kurzgeschichten, macht aber dennoch eher gegen Schluss Sinn.
Das wiederum macht für mich als Außenstehender keinen Sinn aber wenn du das sagst :).

Aber hui das ist eine schöne Investition. Also nicht nur zeitmäßig, selbst als Ebook. Aber für 10 Euro im Monat für Kindle Unlimited muss man schon 2 Bücher im Monat lesen um die Kohle wieder raus zu haben, lohnt irgendwie auch nicht.
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qwrtzp
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von qwrtzp »

Philsen hat geschrieben:Bei den Witcher Romanen hingegen muss ich immer wieder Sachen nachschlagen wie bspw. "Hermelintoque".
Das liegt aber vielleicht an der Übersetzung. Die Bezeichnung "toque" für einen Hut ohne Krempe ist im deutschen Sprachgebrauch weniger üblich als im Englischen und wer weiß, was für ein Wort da im Polnischen gewählt wurde.

Da ich jetzt auch Witcher 3 angefangen habe, zu spielen, und keinen anderen Teil der Serie kenne, kann ich vielleicht dazu meinen Senf abgeben, wie gut die Geschichte für Einsteiger vermittelt wird. Und meine Erfahrung ist da ziemlich schlecht. Es fängt sofort damit an, dass ich vollgelabert werde über super wichtige Charaktere oder Ereignisse, die ich nicht kenne und mich zu dem Zeitpunkt auch nicht interessieren. Exposition, exposition, exposition... Ich habe sehr schnell angefangen, die Hauptquest-Dialoge zu überspringen und mich damit zufrieden zu geben, mich an der Landschaft und den Nebenquests zu erfreuen. Man muss aber sagen, dass man erstaunlich viel aus dem Unterhaltungen mitnimmt wenn man nur die ersten paar Worte hört. Ist auch eine Leistung der Dialog-Autoren.

Ich denke man hat da schlechteste aus beiden Welten für alte und neue Spieler gewählt. Man will mir da den Gesamtabriss irgendwelcher Beziehungen aus alten Teilen schnell vermitteln, aber ich habe aufgrund fehlender Beziehung zu den Charakteren, keinerlei Interesse an dem, was mir da erzählt wird, und möchte eigentlich nur endlich spielen und meine eigenen Erfahrungen machen. Am schlimmsten war es, als ich zur kaiserlichen Audienz gebeten werde und mir Fragen gestellt werden, die wohl das Importieren der Speicherstände aus alten Teilen umgehen sollen. So nach dem Motto "wie war das noch damals, hast du da a) oder b) getan?", wo ich dann einfach zufällig gewählt habe und mir das natürlich jede Immersion nimmt.

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass ich Herr der Ringe 1 und 2 gesehen haben muss, um Herr der Ringe 3 zu verstehen, aber ich hatte als Außenstehender nicht den Eindruck, dass es sich bei den Witcher-Spielen um rein narrative Spiele handelt, die primär eine übergreifende Geschichte erzählen, welche aufgrund ihres Umfangs auf mehrere Teile angelegt ist. Es sind in meiner Wahrnehmung vornehmlich Spiele, die mit der Grafik, der Welt, Gegner und Sidequests überzeugen wollen. So wie das eben ist bei AAA-Titeln, die alle paar Jahre rauskommen und more of the same mit besserer Technik liefern.

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Lurtz
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Lurtz »

qwrtzp hat geschrieben:Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass ich Herr der Ringe 1 und 2 gesehen haben muss, um Herr der Ringe 3 zu verstehen, aber ich hatte als Außenstehender nicht den Eindruck, dass es sich bei den Witcher-Spielen um rein narrative Spiele handelt, die primär eine übergreifende Geschichte erzählen, welche aufgrund ihres Umfangs auf mehrere Teile angelegt ist. Es sind in meiner Wahrnehmung vornehmlich Spiele, die mit der Grafik, der Welt, Gegner und Sidequests überzeugen wollen. So wie das eben ist bei AAA-Titeln, die alle paar Jahre rauskommen und more of the same mit besserer Technik liefern.
Da bist du einem Irrtum aufgesessen. Herzstück von den Witcherspielen sind ganz klar die Story und die Quests.
More of the same ist keines der Witcherspiele, dafür legen sie zu unterschiedliche Schwerpunkte.

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Textsortenlinguistik
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Textsortenlinguistik »

qwrtzp hat geschrieben:
Philsen hat geschrieben:Bei den Witcher Romanen hingegen muss ich immer wieder Sachen nachschlagen wie bspw. "Hermelintoque".
Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass ich Herr der Ringe 1 und 2 gesehen haben muss, um Herr der Ringe 3 zu verstehen, aber ich hatte als Außenstehender nicht den Eindruck, dass es sich bei den Witcher-Spielen um rein narrative Spiele handelt, die primär eine übergreifende Geschichte erzählen, welche aufgrund ihres Umfangs auf mehrere Teile angelegt ist. Es sind in meiner Wahrnehmung vornehmlich Spiele, die mit der Grafik, der Welt, Gegner und Sidequests überzeugen wollen. So wie das eben ist bei AAA-Titeln, die alle paar Jahre rauskommen und more of the same mit besserer Technik liefern.
Der Vergleich mit Herr der Ringe hinkt zwar ein bisschen, aber im Grunde stimmt es. Ohne die ersten beiden Witcher-Teile wirst du einige Dinge nicht verstehen. Weniger bezogen auf die Hauptquest, sondern auf die Welt und die Charaktere. Unabhängig davon liegst du mit deiner Annahme komplett daneben, was du beschreibst ist The Elder Scrolls.

Finde ich persönlich auch ganz gut, darüber dass Fortsetzungen einer Reihe sonst oft für alles jeden gestreamlined werden, regt man sich ja nicht zu Unrecht auf.
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Vinter
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Vinter »

Ich habe nun die ersten - beim Blick auf die Uhr kann ich das eigentlich nicht glauben, weil es sich deutlich kürzer anfühlte - 2 1/2 Stunden von Blood & Wine gespielt.

Und bislang bin ich echt begeistert. Bin nun erstmalig an einer Stelle, in der die Dramaturgie das Tempo etwas zurück nimmt und bei der sich eine Unterbrechung "richtig" anfühlt - direkt hinter mir liegt der erste größere Höhepunkt der Handlung und das Spiel drängt nun nicht mehr zur Eile. Die Handlung verquickt zwar "nur" relativ bekannte Versatzstücke aus diversen düsteren Genres und ist vielleicht nicht gerade unkonventionell, meinen Nerv trifft sie aber. Und sie ist bislang temporeich und stringend erzählt, ohne dass das Spiel sich mit zuviel willkürlichem Gameplay (aka Kämpfe gegen gesichtsloses Viehzeugs) aufhält. In letzter Zeit bekomme ich immer mehr den Eindruck, dass Nebenquests dem Spielerlebnis eher schaden als nützen - insbesondere dann, wenn der Entwickler ansonsten wert auf die Haupthandlung legt.

Auch die Welt ist auf den ersten Blick fantastisch. Vorlage ist entsprechend der Namen von Region, Städten und Figuren wohl (Süd-)Frankreich. In Ermangelung an Frankreich-Erfahrung meinerseits kann ich aber nur feststellen: Das sieht aus wie die Toskana, in der ich letztes Jahr im Urlaub war - ich schätze aber mal, dass das mediterrane Frankreich auch zu erkennen ist.

Was mir ebenfalls positiv auffällt: Man bestreitet in diesem ersten Abschnitt der Handlung mehrere große Kämpfe. Diese empfand ich als wesentlich besser gebalanced als noch in Heart of Stone. Ich hatte den Schwierigkeitsgrad wieder auf Deathmarch zurück gestellt, trotzdem langweilten die Kämpfe nicht mit absurd hohen HP und repetitiven, viel zu langen Kämpfen - allerdings fühlten sich die Standardgegner, denen man begegnet trotzdem weiterhin deutlich zu ausdauernd an. Ich möchte doch nicht gegen einen Mob aus 5 oder 6 Gegnern kämpfen, bei denen jeder einzelne 20 Schwertstreiche einsteckt....

Insgesamt ein sehr positives Zwischenfazit zum jetztigen Zeitpunkt. So gut hat sich Witcher 3 seit dem Höhepunkt der roten Baron Quest nicht angefühlt. Ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht und war sogar in der Lage, während des Spielens meine allgemeine Kritik (siehe erste Seite) zu vergessen, dir mir bisweilen die Motivation nahm, das Spiel überhaupt noch anzuschmeißen.
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Textsortenlinguistik
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Textsortenlinguistik »

Achtung

Möglicher Blood and Wine-Spoiler

Wo wir gerade bei der Diskussion um die Bücher waren. In Blood and Wine nimmt ein Charakter aus den Büchern anscheinend eine zentrale Rolle ein, den man ohne das Hintergrundwissen aus selbigen kaum verstehen kann bzw. zu schätzen weiß.

Ohne Buchkenntnis ist dieser Charakter doch einfach irgendein NPC, während ich als Leser der Bücher eine wirklich große emotionale Verbindung zu ihm habe und allein aus diesem Grund diese Erweiterung wirklich ganz anders (und damit meine ich besser) erleben werde als andere. Ich fange an mich in meiner Argumentation zu wiederholen, aber vielleicht bringt es folgender Satz auf den Punkt: Buchkenner können 10% auf die Spielwertung draufpacken.
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Enlagom
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Enlagom »

Textsortenlinguistik hat geschrieben:Achtung

Möglicher Blood and Wine-Spoiler

Wo wir gerade bei der Diskussion um die Bücher waren. In Blood and Wine nimmt ein Charakter aus den Büchern anscheinend eine zentrale Rolle ein, den man ohne das Hintergrundwissen aus selbigen kaum verstehen kann bzw. zu schätzen weiß.

Ohne Buchkenntnis ist dieser Charakter doch einfach irgendein NPC, während ich als Leser der Bücher eine wirklich große emotionale Verbindung zu ihm habe und allein aus diesem Grund diese Erweiterung wirklich ganz anders (und damit meine ich besser) erleben werde als andere. Ich fange an mich in meiner Argumentation zu wiederholen, aber vielleicht bringt es folgender Satz auf den Punkt: Buchkenner können 10% auf die Spielwertung draufpacken.
Stimmt, hab mich sehr gefreut diesen zu sehen.. Zeigt aber auch wieder wie falsch der Fokus da gesetzt wird. Die Hintergrundgeschichte zu diesem Charakter zu erzählen, und sei es nur in Textform, wäre unbedingt notwendig gewesen. So gibts ein paar Zeilen von Rittersporn über ihn und das wars..

Übrigens, Zwischenfazit von mir, die Steuerung ist ja immer noch gleich bescheiden, genau so das Balancing.. Aber meine Güte, sieht es schön aus! Und ich mag die Geschichte und die deutsche Synchro ist wieder ganz großartig gelungen.

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Vinter
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Vinter »

Ich hab die Hauptquest von Blood & Wine nun hinter mir, und ich muss meinen Witcher 3 Rant von oben etwas spezifizieren. Vielleicht bin ich ja auch der letzte Mensch auf dem Planeten, dem diese Erkenntnis gekommen ist, aber: Witcher 3 ist nur so lange gut, wie man die Hauptquest verfolgt.

Ich fand die Hauptquest von Blood&Wine wirklich hervorragend. Sie erzählt eine spannende Geschichte, man trifft interessante Charaktere, sie führt einen an interessante und liebevoll gestaltete Orte. Selbst Stringenz, das Pacing und roter Faden sind für ein Videospiel aussergewöhnlich gut - dass man so etwas auch falsch machen kann zeigt meiner Meinung nach die Hauptquest von GTA 5, die z.T. sehr gestreckt und zerfasert ist. Aber nicht nur ist die Hauptquest von Blood&Wine überraschend lang, sie ist auch niemals langweilig. In diesen Momenten könnte ich nicht genug vom Spiel bekommen.

Um mehrere Größenordnungen schlechter wird Witcher 3 sprunghaft immer dann, wenn man eine Nebenquest erledigt. Denn dann driften Inszenierung, Charaktere und Gestaltung ins beliebige ab und das Spiel fängt an - und jetzt wirds schmerzhaft für die Witcher 3 Fans - sich auf sein Gameplay zu verlassen. Und eigentlich ist dass eine Bankrotterklärung, denn Gameplay kann Witcher 3 nicht. Plötzlich muss ich überproportional viele Monster schlachten (etwas, auf dass die Hauptquest von B&W erfreulicherweise verzichtet - stattdessen hat man relativ wenige, aber bedeutende Kämpfe, die dann auch - wegen ihrer relativen Seltenheit - auch nicht nerven). Plötzlich muss ich irgendwelche öden Höhlen durchsuchen. Plötzlich steht man im x-beliebigen Wald mit einer generischen Hau-das-Monster-Quest und langweilt sich zu Tode. Und plötzlich merkt man, wie schlecht das eigentliche Spiel ist. Wie katastrophal das Kampfsystem. Wie unbalanciert das Magiesystem. Wie beliebig der Loot. Wie sehr die Erkundungsanreize fehlen. Wie wenig Interaktion mit der Welt besteht. Wie egal das ganze Charaktersystem ist. Wie egal auch die Alchemie ist. Wie egal eigentlich alles ist, was damit zu tun hat, Tasten auf dem Controller zu drücken - und wohlgemerkt: Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad.

Ernsthaft: Ich kann an einem Abend 4 oder 5 Stunden am Stück Hauptquest spielen und hab dann das Spiel nur beendet, weil es langsam echt spät wurde. Aber sobald ich versuchte, eine Nebenquest zu erledigen war ich derart gelangweilt, dass ich nach 20 Minuten den Controller weggelegt habe. Teilweise haben die (wenigen) Nebenquests, die ich erledigt habe, mich vom Niveau her an ein MMO erinnert: Begleite einen x-beliebigen NPC, den du vorher und nachher nie wieder siehtst an drei Orte und verteidige ihn, damit er Fotos schießen kann - ächz. Was soll denn das?

Die logische Konsequenz daraus ist natürlich, einfach keine Nebenquests zu spielen. Aber einerseits bleibt dann immer das Gefühl, etwas zu verpassen, andererseits ist es auch schlicht und ergreifend tragisch, dass nicht mehr von den guten Teilen des Spiels vorhanden ist - und dass das Spiel in solchen Momenten offenbart, wie wenig Substanz eigentlich vorhanden ist.

Abschließend fällt es mir schwer zu beurteilen, was überwiegt: Die tollen Stunden, die Witcher 3 mir mit seinen 3 Hauptquests beschert hat, oder aber die Tragik zu erahnen, wie gut das Spiel sein könnte, würde Gameplay und Nebenerzählung das Niveau der Haupthandlung halten können. Einerseits würde ich gerne sofort wieder von vorne anfangen, andererseits habe ich keine Lust, mich noch mal ein Jahr durch diese ganzen Banalitäten zu kloppen und mich ständig darüber zu ärgern, warum mich diese fantastische Kulisse nicht dazu reizt, sie zu erkunden.
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Silencer
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Silencer »

Vinter hat geschrieben:Um mehrere Größenordnungen schlechter wird Witcher 3 sprunghaft immer dann, wenn man eine Nebenquest erledigt. Denn dann driften Inszenierung, Charaktere und Gestaltung ins beliebige ab und das Spiel fängt an - und jetzt wirds schmerzhaft für die Witcher 3 Fans - sich auf sein Gameplay zu verlassen. Und eigentlich ist dass eine Bankrotterklärung, denn Gameplay kann Witcher 3 nicht. Plötzlich muss ich überproportional viele Monster schlachten (etwas, auf dass die Hauptquest von B&W erfreulicherweise verzichtet - stattdessen hat man relativ wenige, aber bedeutende Kämpfe, die dann auch - wegen ihrer relativen Seltenheit - auch nicht nerven). Plötzlich muss ich irgendwelche öden Höhlen durchsuchen. Plötzlich steht man im x-beliebigen Wald mit einer generischen Hau-das-Monster-Quest und langweilt sich zu Tode. Und plötzlich merkt man, wie schlecht das eigentliche Spiel ist. Wie katastrophal das Kampfsystem. Wie unbalanciert das Magiesystem. Wie beliebig der Loot. Wie sehr die Erkundungsanreize fehlen. Wie wenig Interaktion mit der Welt besteht. Wie egal das ganze Charaktersystem ist. Wie egal auch die Alchemie ist. Wie egal eigentlich alles ist, was damit zu tun hat, Tasten auf dem Controller zu drücken - und wohlgemerkt: Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad.
Das sehe ich ähnlich. Das Balancing ist eigentlich völlig kaputt oder existiert garnicht. Ich glaube das Witcher 3 insbesondere durch Geschichte (wobei ich da das Hauptspiel, insbesondere die letzte Szene + Ende auch nicht gerade als Glanzleistung sehe), deren Inszenierung und Grafik gegenüber den diesbezüglich gefühlt schlechteren "Konkurrenten" (DAI/Fallout 4) dermaßen gut punkten konnte. Das Grundproblem, die wenigen Gameplayelemente, die vorhanden sind, können nur immer wieder leicht variiert werden, aber das allein trägt dann selten die jeweilige Quest, zumal die meisten Nebenquests eher einfach gestrickt sind. Der höchste Schwierigkeitsgrad offenbart nur diese Schwächen im Gameplay umso mehr, da die Kämpfe ja auch nicht plötzlich besser werden können/anspruchsvoller ablaufen.

Ich denke, das liegt u.a. auch am derzeitigen Open World Trend/Konzept. Man erschafft eine zugegeben optisch ansprechende, möglichst große Welt, die man halbwegs frei erkunden kann und darf, schafft es aber bisher nicht, diese auf einem gleichbleibend hohen Niveau zu füllen. Da man aber dem Eindruck von Größe, grundsätzlich auch eine entsprechende Füllung verpassen möchte, muss man dafür zwangsläufig auf generische Aufgaben und Beschäftigungen zurückgreifen. Witcher 3 scheitert am Open World Konzept genauso, wie alle bisherigen Versuche. Allerdings durch die bereits genannten positiven Aspekte, wird das durchaus überlagert, so dass es nicht sofort negativ auffällt.
Abschließend fällt es mir schwer zu beurteilen, was überwiegt: Die tollen Stunden, die Witcher 3 mir mit seinen 3 Hauptquests beschert hat, oder aber die Tragik zu erahnen, wie gut das Spiel sein könnte, würde Gameplay und Nebenerzählung das Niveau der Haupthandlung halten können. Einerseits würde ich gerne sofort wieder von vorne anfangen, andererseits habe ich keine Lust, mich noch mal ein Jahr durch diese ganzen Banalitäten zu kloppen und mich ständig darüber zu ärgern, warum mich diese fantastische Kulisse nicht dazu reizt, sie zu erkunden.
Dafür hätte diese Kulisse wohl um einiges kleiner ausfallen müssen, um diese dann besser füllen/mehr Augenmerk darauf und das eigentliche Gameplay legen zu können. Es fehlen komplexere Quests, die über das Standardschema hinausgehen, die mehr Interaktion untereinander und mit der Welt bieten. Witcher 3 ist weit davon entfernt das "Beste RPG aller Zeiten" zu sein, aber da die Relation in den derzeitigen Wertungssystemen eh nicht vorhanden ist, kommt dann fast schon zwangsläufig fast überall eine 90er Wertung raus. Man kennt es ja auch garnicht anders und den meisten Spielern scheint es ja vom eigenen Anspruch her, auch genauso zu gefallen. Da überwiegt dann die Inszenierung offenbar alle evtl. negativen Punkte. Und dazu kommt dann oft noch der Eindruck der noch schwächeren Konkurrenz (etwaige Vergleiche werden ja so oder so gezogen).

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Vinter
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Vinter »

Silencer hat geschrieben: Das Grundproblem, die wenigen Gameplayelemente, die vorhanden sind, können nur immer wieder leicht variiert werden, aber das allein trägt dann selten die jeweilige Quest, zumal die meisten Nebenquests eher einfach gestrickt sind. Der höchste Schwierigkeitsgrad offenbart nur diese Schwächen im Gameplay umso mehr, da die Kämpfe ja auch nicht plötzlich besser werden können/anspruchsvoller ablaufen.
Dem ersten Teil würde ich noch nicht mal so zustimmen, denn das Problem des ständigen Wiederholens der selben Gameplaymechaniken ist ja mediumsinhärent. Aber: Andere Spiele schaffen es, trotz diesem gut zu sein. Als Gegenbeispiel schmeiß ich da einfach mal wieder Souls ins Rennen, dass die Story vollkommen minimiert und sich komplett auf Gameplay und Erforschung verlässt. Witchers Gameplay ist einfach kaputt und macht nicht aus sich heraus Spaß, sondern lediglich im Kontext von Handlung und Inszinierung - oder noch bitterer: Witchers Gameplay fällt nur im Kontext der Handlung nicht so negativ auf, weil es den Spieler dort nicht dazu nötigt, viel tatsächliches Gameplay am Stück zu betreiben.

Das heißt entweder hätte man sich zumindest die Mühe machen sollen, die Nebenquests auf einem ähnlichen Niveau wie die Hauptquest zu gestalten, oder aber - bevorzugt - endlich mal jemanden einstellen sollen, der sich mit Gameplay auskennt. Denn das ist nun wirklich bei jedem der bisherigen Witcher das Problem gewesen.

Beim zweiten Teil gebe ich dir dafür recht: Der höhere Schwierigkeitsgrad entblößt, dadurch dass nicht alles sofort umfällt, wie krampfig das ganze Kampfsystem eigentlich ist und wie wenig das Spiel gebalanced wurde. Und ich habs schon mal an anderer Stelle erwähnt: Ironisch, dass die Entwickler vor dem Release sagten, Schwierigkeitsgrad wäre nicht einfach nur mehr Gegnerschaden und -lebenspunkte - denn genau so ist der Schwierigkeitsgrad in Witcher 3 letzten Endes definiert.
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Silencer
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Re: Besser spät als nie: Die Witcher 3 Folge

Beitrag von Silencer »

Vinter hat geschrieben:Dem ersten Teil würde ich noch nicht mal so zustimmen, denn das Problem des ständigen Wiederholens der selben Gameplaymechaniken ist ja mediumsinhärent. Aber: Andere Spiele schaffen es, trotz diesem gut zu sein. Als Gegenbeispiel schmeiß ich da einfach mal wieder Souls ins Rennen, dass die Story vollkommen minimiert und sich komplett auf Gameplay und Erforschung verlässt. Witchers Gameplay ist einfach kaputt und macht nicht aus sich heraus Spaß, sondern lediglich im Kontext von Handlung und Inszinierung - oder noch bitterer: Witchers Gameplay fällt nur im Kontext der Handlung nicht so negativ auf, weil es den Spieler dort nicht dazu nötigt, viel tatsächliches Gameplay am Stück zu betreiben.
Klar werden Gameplaymechaniken immer wiederholt, nur das ist nicht der Punkt. Ich meine eher dieses ständige "an die Hand nehmen" des Spielers und die sehr rudimentäre Umsetzung zum Beispiel der Hexersinne. Die Variation beschränkt sich immer auf diese einfachen Abläufe. Es geht mir um die Umsetzung und Interaktion und die ist und bleibt imo einfach gehalten oder ist kaum vorhanden.

Die Quests sind auch nicht so designt, dass man da irgendwie größer darüber nachdenken müsste/könnte, da ja alles primär auf die entsprechenden Anzeigen ausgerichtet ist (selbst wenn man diese abschalten kann) und selbst bei den oft gepriesenen Choices and Consequences läufts ja im Prinzip maximal auf eine entweder oder Entscheidung hinaus. Das gabs schon vor über 10 Jahren in CRPGs und zum Teil waren da schon die Quests komplexer angelegt. Klar ist mir in soweit nur, dass die Vollvertonung hier auch eher zu Abstrichen führt, denn je komplexer, umso mehr Optionen müssten ja bei ähnlicher Inszenierung zusätzlich vertont werden, dass sprengt dann natürlich neben anderen Dingen den Open World Rahmen.
Beim zweiten Teil gebe ich dir dafür recht: Der höhere Schwierigkeitsgrad entblößt, dadurch dass nicht alles sofort umfällt, wie krampfig das ganze Kampfsystem eigentlich ist und wie wenig das Spiel gebalanced wurde. Und ich habs schon mal an anderer Stelle erwähnt: Ironisch, dass die Entwickler vor dem Release sagten, Schwierigkeitsgrad wäre nicht einfach nur mehr Gegnerschaden und -lebenspunkte - denn genau so ist der Schwierigkeitsgrad in Witcher 3 letzten Endes definiert.
Das Balancing kann ja garnicht funktionieren, wenn man quasi als ein Beispiel Unverwundbarkeit als Standardskill einbaut, dass kann nie funktionieren. Das lässt insbesondere gerade die Kämpfe gegen diverse größere Monster oft lächerlich wirken, da die idR nicht einmal durch Quen hindurchkommen. Mit den neuen Möglichkeiten hat man es ja nun noch mehr übertrieben, als ob Geralt nicht schon stark genug gewesen wäre. Im Prinzip erfüllt der höchste Schwierigkeitsgrad nicht einmal ansatzweise das, was man davon erwarten würde, aber da die Spielmechanik + Steuerung das eigentliche Problem darstellen, kann der Schwierigkeitsgrad daran natürlich auch nichts wesentliches ändern.

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