Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

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Otis
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Otis »

imanzuel hat geschrieben: 24. Jul 2021, 13:01Meine Meinung ist halt, da steckt das Wort "Spiel" drin. Das heißt für mich, ich, als Spieler, muss da aktiv was machen.
Aber Du hättest doch die selbe Meinung bzw. den selben Geschmack, wenn wir die Dinger eben nicht Spiele, sondern, was weiß ich, digitale Erlebnis-Programme nennen würden oder von mir aus Tante Juttas Nachmittags-Event.

Ich finde Du widersprichst Dir auf der Schiene auch bisschen selber, weil Du nur einen Aspekt dessen, was der Begriff Spiel beinhaltet, für Dich herauspickst. Wenn Du z.B. sagst, weil da nicht genug "Spiel" drin steckt, sei Disco Elysium für Dich ein schlechtes Spiel, ist das einseitig, denn Spiel bedeutet eben auch ein Regelwerk und diesem entsprechende Spielverläufe und Ergebnisse. Nun sind aber gerade solch ein komplexes Regelwerk und das Auswählen von Aktionen mit darauf folgenden Reaktionen und Resultaten entsprechend der Spielregeln fundamentaler Bestandteil des Spielerlebnisses Disco Elysium und eben nicht bloß irgendwelche Sachen anklicken, wie Du es nennst. Also wo ist das ein schlechtes Spiel im Sinne von erfüllt nicht die Definition des Begriffes?

(Mal davon abgesehen, dass ich auch nicht einsehe, warum auf die Maustaste drücken, wenn der Zeiger über der Dialogzeile ist, die ich auswählen möchte, jetzt weniger interaktiv sein soll als auf die Maustaste drücken, wenn der Zeiger über dem Monster ist, das ich abballern möchte.)

Dann können wir den Begriff Spiel noch weiter unter die Lupe nehmen, was ist denn ein „Spiel”? Wir landen beim Theater, wo es plötzlich nur noch um die Story und ihre Präsentation geht, schon ist ein Detroit:Become Human näher am Begriff Spiel als alles andere. Und schauen wir uns die Urform des Spielens an, was die Kleinkinder so treiben, dann haben wir den Tante-Emma-Laden, Puppenstube, Räuber-&-Gendarm, Action-Figuren, Sandkuchen backen … all sowas, und da ist immer der Grundgedanke: so tun als ob, alles mit narrativem Grundgerüst und Szenen, die man durch- und nachspielt. Selbst Tierkinder, die spielen, spielen nach, was sie als ausgewachsene Tiere bewerkstelligen müssen. D.h. ein wesentlicher Aspekt dessen, was Spielen bedeutet, beinhaltet die Wiedergabe von Fiktion, "wir tun jetzt mal so als ob".

Von daher weiß ich gar nicht, ob man den Begriff "Spiel" wirklich so einfach auf Gameplay in Deinem Sinne reduzieren kann, ohne viel von der eigentlichen Bedeutung zu verlieren.

Wie gesagt, was man selber für Spiele mag und nicht mag, ist eine Sache und da hat jeder seine Gründe ich finde nur nicht, dass da eine Festlegung, was angeblich mit dem Wort Spiel gemeint zu sein hat, als Argumentation groß taugt, und schon gar nicht empfinde ich den Grad oder die Art der Interaktion als geeignet, ein Spiel als gut oder schlecht zu bewerten. Höchstens als vorab für einen interessant oder uninteressant.

(Und Entschuldigung, dass ich darauf so herum reite, aber ich fand den Gedanken "Spiel = Gameplay, steckt doch schon im Namen" sehr interessant.)
Voigt
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Voigt »

Für mich zwar Gameplay first, und eine gute kann für mich kein lahmes Spiel ausgleichen, aber ich nehme interessante Geschichte gerne mit.

In Strategiespielen spiele ich ja auch primär Kampagne. Wobei ich Warcraft3 Story eher lahm fand im Vergleich zu AoE2, 3 und Mythologie Kampagnen so beispielsweise.
Auch die Frostpunk Story war nice, und Endlosmodus ohne Story spiele ich da auch nich.

In vielen Open World Spielen interessiert mich die Main Story nur so periphär, mich interessieren eher die kleinen Geschichten der designten Welten.

Für Last of Us 1 war die Story zwar ganz nett, reichte aber nich über das eher lahme Gameplay zu retten, daher das abgebrochen.

Insgesamt mag ich eher Weltenlore, also eine narrativ erzählte Geschichte um einen spezifischen Charakter im Spiel.
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Edelknödel
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Edelknödel »

Videospiele für die Story spielen ist ein bisschen so wie Pornos für die Story schauen :D Die Story ist meistens ziemlicher Mist und soll nur einen Rahmen / ein Setting liefern und man könnte viel mehr Spaß haben, wenn man sich auf das konzentriert, was das Medium gut kann ;) Wenn man wirklich so viel Wert auf Story legt, ist man vermutlich bei Filmen, Serien und insbesondere Büchern sehr viel besser aufgehoben.

Außerdem habe ich den Eindruck, dass viele, die auch immer darauf pochen das Videospiele Kunst sind usw, das vor allem tun, weil sie sich ein bisschen dafür schämen, dass sie Videospiele spielen. Würde aber das Medium mehr Anerkennung bekommen, könnten sie das besser vor sich selbst rechtfertigen. Den Spaß aus Gameplay zu ziehen ist gegenüber Nicht-Gamern viel schwerer zu vermitteln, als wenn man Wert auf "Story, Emotionen, künstlerische Darstellung" legt.

Na wenn das mal keine steile These ist :D
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TheDarkShadow
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von TheDarkShadow »

Interessantes Thema.

Erstmal vorweg, wenn man mich einteilen will Story > Gameplay.

Aber, wenn das Gameplay komplett mir gegen den Strich geht, dann nutzt mir auch eine vermeintlich gute Story nichts (was der Grund war, warum ich Mass Effect immer schwierig fand und ab Teil 2 für mich unspielbar war).

Dennoch, gute Gameplay trägt für mich kaum ein Spiel, denn ein Spiel spiele ich der Immersion wegen, was vor allem daran liegt dass ich primär Rollenspiele spiele (grundgütiger so oft Spiel(en) in einem Satz...).

Bsp, Planescape: Torment, bis Heute das wohl best geschriebene Rollenspiel, mit großartiger und immersiver Story und unglaublichen Worldbuilding. Das Gameplay war aber eher solala, dennoch gut genug, dass es die Story nicht gestört hat. Gleiches gilt im übrigen auch für Vampires the Masquerade: Bloodlines und viele weitere Vertreter des Genres.

Man muss aber auch dazu sagen, es gibt Genres da ist die Story wohl nur beiwerk, nur interessieren mich diese eher selten, was dazu führt dass ich mich da mal zurück halte.

Nur meine zwei Cent dazu, welche aber vermutlich niemanden hier interessieren ^^°
Crenshaw
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Crenshaw »

hm, bin auch mehr der Gameplaytyp, die Story hat meistens den Nachteil, das ich zu viel vergesse zwischen den Spielsession, habe einfach zu wenig Zeit um mal am Stück längere Zeiten zu spielen, da habe ich meist die Hälfte der Story schon wieder vergessen wenn ich wieder zum spielen komme, zumal ich auch weniger RPGs oder ähnliches Spiele (Zeit usw.), bei Shootern und ähnliches oder auch Clicker/Idlespieln steht die Story eher selten im Vordergrund.

bei einziger wo mir die Story (zumindest soweit ich es gespielt habe) etwas im Kopf blieb war Outriders, das lag aber auch daran, das ich mich über das Spiel unnötig viel aufgeregt habe
SirTilington
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von SirTilington »

Ich finde der Gegensatz von "Gameplay vs Story" lässt Dinge außen vor.

Ich spiele momentan die Mass Effect Triologie, und fand das Gameplay in den ersten Teilen mäßig, die Story war im ersten Teil noch ganz okay und ist danach für mich uninteressant geworden, aber die Trilogie schafft es mir einfach das Gefühl zu geben einen vollständige Welt zu erforschen.
So ginge es mir auch schon z.B. in Disco Elysium, was mir aufgrund der Nebencharaktere und Schauplätze imponiert hat, wo ich die Story aber auch eher egal fand, und das Gameplay quasi nicht existiert.
Auf der anderen Seite würde ich mich über historische Ungenauigkeiten in einem ansonsten historischen Spiel ärgern, weil es mich hier total aus der Welt reißt.
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bluttrinker13
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von bluttrinker13 »

Starkes Gameplay kann ein Spiel ja auch retten vor schlechtem Storydesign.

Bei mir ist Divinity Original Sin 2 so ein Beispiel. Ja, es ist besser hinsichtlich Story und Writing von kleinen Episoden oder von einigen Charakteren, als der erste Teil. Aber wir spielen es gerade im Coop, und während Fort Joy noch echt überschaubar war und man der Handlung ganz gut folgen konnte, sowie einige echt coole Begegnungen hatte (Kniles the Flenser), ist mittlerweile auf der richtig großen Karte in Akt 3 alles wayne. WIr haben längst die Checkung verloren, warum wir dies machen, was jener Begriff bedeutet, oder warum wir dorthin müssen. Was es rausreißt, ist halt die coole Welt und die immernoch echt guten Kämpfe.

Ich hoffe bei BG 3 kriegen sie es mal hin, dass Gewicht auf die andere Seite zu verlagern. Weniger ist manchmal doch mehr.
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Smutje187
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Smutje187 »

Ich kann das künstliche Dilemma „Story vs. Gameplay“ auch nur bedingt verstehen - die Zeiten, in denen Games technisch so limitiert waren, dass kaum Platz für eine immersive Story blieb und daher alles auf Verpackung/Handbuch/Textboxen ausgelagert wurde, gehen ja zum Glück immer mehr zurück, so dass wenn Entwickler eine Geschichte erzählen wollen sie mittlerweile auch ganz gut können :)

Für mich hat eine Geschichte einen ähnlichen Wert wie Artwork und Musik: Sie schaffen etwas, was über das eigentliche Spielen hinaus geht (hier hatte Dom mal eine sehr gute und wichtige Folge über Musik in Games): Ohne Geschichte ist ein Spiel eine Folge von Mechaniken, über die man sich wie über ein Fußballspiel unterhalten kann („Damals, als meine Natural 20 den Ork gespalten hat“) - mit einer guten Story bleibt das Spiel viel länger und umfassender präsent (was für Diskussionen es um Game of Thrones-Folgen gab, Leute die nachts aufgeblieben sind, um die Folgen garantiert als erste zu sehen, damit man die Geschichte frisch mitbekommt). Wie hochgelobt zum Beispiel Vaas' Performance in Far Cry 3 ist, der aus Gameplay-Sicht etwa so irrelevant wie der Rest der Non-Storymissionen ist. :ugly:

Weiterhin gilt aber leider auch: Zu viele Geschichten sind sich leider zu ähnlich, was ja nicht zuletzt „Dank“ der Heldenreise in westlicher Erzähltradition schon zu oft durchexerziert wurde und die Motive viel zu häufig viel zu ähnlich sind (Griechische Dramen und Shakespeare und so) - auch wenn daran der Konsument mit schuld ist, denn würden sich „ungewöhnliche“ Erzählstile besser verkaufen, gäbe es mehr ungewöhnliche Spiele, aber so kommt das nächste Far Cry oder Horizon halt wieder mit einer Rachegeschichte oder das nächste Call of Duty mit Nazis um die Ecke…
Kreon
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Kreon »

Sebastian Solidwork hat geschrieben: 24. Jul 2021, 00:47 Für ein Artikel dazu: https://ludokultur.de/2019/06/03/games- ... kunstform/
Ich bin mit den Designer befreundet und teile seine Meinung. An ersten Link im Artikel war ich mitbeteiligt.

TL;DR Zwischensequenzen und lange Texte sind kein Spiel, keine Interaktion, sondern andere Medien
Vielen Dank für den sehr interessanten Link. Da gibt es noch einiges zu entdecken für mich.
Auch aus den vielen Antworten konnte ich gute Einblicke in die zwei Lager bekommen.
Otis hat geschrieben: 24. Jul 2021, 12:30 Ich meine, selbst die meisten Brettspiele bemühen sich um eine Art narrativen Rahmen. Wir spielen Schach mit Königin und Bauern und nicht mit Figuren A bis F. Als Siedler von Catan wetteifern wir um Ressourcen Holz, Wolle, Erz usw. anstatt Runde um Runde Punkte der Kategorien Braun, Weiß und Schwarz zu erwürfeln. Zu sagen, die Erzählung sei nicht wichtig, weil es sich ja um ein Spiel handelt, finde ich überdenkenswert.
Hier finde ich die Diskussion bei Brettspielrezensionen auch immer lustig, wenn es heißt, Spielmechanik A passt nicht zum Mittelaltersetting. In einem Fantasyszenarion hätte diese besser integriert werden können, usw.
Für mich ist es schön Getreide in die Siedler von Catan zu sammeln, aber ich spiele auch sehr gern abstrakte Brettspiele, wo es am Ende dann wirklich nur um Farben und/oder Zahlen geht. Das funktioniert genauso gut. Einige Freunde kommen sogar nur mit solchen abstrakten Spielen klar, da sie es sonst zu aufgesetzt und als erzwungen ansehen hier mit Getreide / Holz zu handeln, wenn es auch anders ginge.

Und ich habe auch gemerkt, dass man im Alter einfach nicht mehr so viel Zeit hat und die Abstände zw. den Sessions immer länger werden. Das macht es auch nicht gerade einfacher einer komplexen / guten Story zu folgen.

Vielfach werden ja glaubhafte Konversationen zw. NPCs gelobt, wenn Charakter A in einer spaßigen Unterhaltung Charakter B erzählt, was er gestern bei XY erlebt hat. Für mich bedeutet das einfach nur, dass ich da jetzt 1 min zuhören muss/darf, als Belohnung aber "nur" mit einer Geschichte unterhalte werde. Es bringt mich kein bisschen im Spiel weiter und ist absolut nicht interaktiv. Ich kann verstehen, dass dies die Immersion für einige Spielertypen verstärkt, aber für mich ist es nichts.

Zu Beginn eines Spiels versuche ich auch immer alles von der Spielwelt aufzusaugen (alles was es an Lore im Spiel gibt), merke dann aber jedes Mal wieder mit der Zeit, dass es nur meinen Spielfluss hemmt. Außerdem würde es bedeuten einen Großteil der geringen mir zum spielen zur Verfügung stehenden Zeit (vielleicht 2, max. 3 kurze Sessions von 2-3h in der Woche) nur mit Lesen zu verbringen. Somit ist der Fokus aufs Gameplay natürlich schon von "Natur aus" etwas vorgegeben.

Insofern habt ihr mir schon ein bisschen die Augen geöffnet. Und ich glaube, so alleine bin ich jetzt am Ende gar nicht als "Gameplay first" Befürworter.
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Heretic
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Heretic »

Smutje187 hat geschrieben: 25. Jul 2021, 00:15 Weiterhin gilt aber leider auch: Zu viele Geschichten sind sich leider zu ähnlich, was ja nicht zuletzt „Dank“ der Heldenreise in westlicher Erzähltradition schon zu oft durchexerziert wurde und die Motive viel zu häufig viel zu ähnlich sind (Griechische Dramen und Shakespeare und so) - auch wenn daran der Konsument mit schuld ist, denn würden sich „ungewöhnliche“ Erzählstile besser verkaufen, gäbe es mehr ungewöhnliche Spiele, aber so kommt das nächste Far Cry oder Horizon halt wieder mit einer Rachegeschichte oder das nächste Call of Duty mit Nazis um die Ecke…
Ich würde sogar behaupten, dass das Gameplay einer guten Geschichte mit ordentlichem Spannungsbogen oftmals im Weg steht. Wenn mal wieder eine Wagenladung Gegner aus dem Weg geräumt werden muss, geht bei der Story nichts voran. Deswegen wirken viele AAA-Spiele wie ein ohnehin schon recht inhaltsleerer Actionfilm, der auf zwanzig oder noch mehr Stunden aufgebläht wurde. Eine schlecht oder nur mit generischen Aufgaben gefüllte Open World setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Weniger wäre da mehr.

Lustigerweise könnte ich als Storyliebhaber bei dieser Art Spiel komplett auf eine übergreifende Rahmenhandlung verzichten. Die ist eh meist Schrott. Eine Aneinanderreihung von vielen originellen, gut geschriebenen Kurzgeschichten, gerne auch aufeinander aufbauend, wäre mir da viel lieber. Würde auch den Wiedereinstieg nach einer längeren Pause erleichtern. Deswegen fand ich damals "Gothic 3" mit seiner simplen "Finde Xardas"-Rahmenhandlung irgendwie sympathisch. Die hätte man nämlich genausogut weglassen können. :D
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Sebastian Solidwork
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Sebastian Solidwork »

Kreon hat geschrieben: 25. Jul 2021, 09:42 Vielen Dank für den sehr interessanten Link. Da gibt es noch einiges zu entdecken für mich.
Auch aus den vielen Antworten konnte ich gute Einblicke in die zwei Lager bekommen.
Ich meine, dass es mindestens 3 Lager sind, weil man Gameplay in zwei Grundrichtungen aufteilen kann (und darunter nochmal weitere :D).
Ich mag gerne auch Story in Spielen, aber nur wenn sie mit dem Gameplay erzählt wird wie bei WhatRemainsOfEdithFinch oder Stories Untold (falls du sie noch nicht gespielt hast, empfehle ich dir beide.)
Das auch andere diese zwei Grundrichtungen sehen, sehe ich in verschiedenen Kommentaren bestätigt, auch wenn diese oft genug den Begriff (Video-)Spiel dafür ablehnen. Aber letzteres ist dann wirklich nur noch Semantik.

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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Sebastian Solidwork »

Heretic hat geschrieben: 25. Jul 2021, 10:07
Smutje187 hat geschrieben: 25. Jul 2021, 00:15 Weiterhin gilt aber leider auch: Zu viele Geschichten sind sich leider zu ähnlich, was ja nicht zuletzt „Dank“ der Heldenreise in westlicher Erzähltradition schon zu oft durchexerziert wurde und die Motive viel zu häufig viel zu ähnlich sind (Griechische Dramen und Shakespeare und so) - auch wenn daran der Konsument mit schuld ist, denn würden sich „ungewöhnliche“ Erzählstile besser verkaufen, gäbe es mehr ungewöhnliche Spiele, aber so kommt das nächste Far Cry oder Horizon halt wieder mit einer Rachegeschichte oder das nächste Call of Duty mit Nazis um die Ecke…
Ich würde sogar behaupten, dass das Gameplay einer guten Geschichte mit ordentlichem Spannungsbogen oftmals im Weg steht. Wenn mal wieder eine Wagenladung Gegner aus dem Weg geräumt werden muss, geht bei der Story nichts voran. Deswegen wirken viele AAA-Spiele wie ein ohnehin schon recht inhaltsleerer Actionfilm, der auf zwanzig oder noch mehr Stunden aufgebläht wurde. Eine schlecht oder nur mit generischen Aufgaben gefüllte Open World setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Weniger wäre da mehr.
:clap: Dem kann ich nur zustimmen.
Mag ja sein, das Leuten die Story gefällt und auch das Gameplay. Aber dann immer getrennt voneinander, wie als wären es zwei getrennte Produkte.
Gibt hier ja auch mehrere Kommentare die aussagen, dass für sie das Gameplay der langweiligere Teil ist.

Ich denke die bessere OpenWorlds sind diejenigen ohne explizite, vorgegeben Story. z.B. Survivalgames wie Rust oder Valheim. DAS ist OpenWorld.
Es muss auch gar nicht um Survival gehen, Hauptsache ohne vorgegebene Story.
Ist Journey nicht auch eine gewisse From von OpenWorld? :think:
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Smutje187 »

Heretic hat geschrieben: 25. Jul 2021, 10:07 Lustigerweise könnte ich als Storyliebhaber bei dieser Art Spiel komplett auf eine übergreifende Rahmenhandlung verzichten. Die ist eh meist Schrott. Eine Aneinanderreihung von vielen originellen, gut geschriebenen Kurzgeschichten, gerne auch aufeinander aufbauend, wäre mir da viel lieber.
Das wäre tatsächlich mal ein erfrischender Ansatz für Open World: Statt einer omnipräsenten Bedrohung in Form des
Big Bad Guy der in 23 Tagen die Welt vernichtet eher der Breath of the Wild-Ansatz mit einer „lebendigen“, „entschleunigten“ Welt, in der jeder seinem Tagewerk nachgeht und in der Hunderte NPC mit kleinen und großen Geschichten warten, die sich nicht dauernd um Mord und Totschlag drehen.
Lustigerweise fand ich Ghost of Tsushima da ziemlich nah dran, wenn auch am Ende viele NPC wieder augenrollend dämlich waren. Vielleicht liegt das am Drang der Entwickler, dem Spieler immer ein „großes“ Fernziel präsentieren zu müssen? Macht am Ende zu viel Open World vielleicht Angst? :thinking:
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XfrogX
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von XfrogX »

Wenn ich mich entscheiden muss wähle ich auch lieber gameplay.
Aber habe deswegen nichts gegen eine gute Story. Nur fällt mir dann extrem auf das ich wenn möglich das gameplay so leicht wie möglich mache, damit das keine Längen oder Frust erzeugt.
Andersherum ist es aber so das wenn ich tolles gameplay habe ich am liebsten jedes Gerede, jede cutscene die länger als 5 Sekunden dauert … einfach überspringen will.
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Taro
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Taro »

Allgemein lege ich mehr wert auf gutes Gameplay, aber es gibt halt Ausnahmen wie z.B. TloU2 oder Life is Strange.

Ich sehe den Punkt nicht ein Spiel wie TLoU2 zu spielen wenn man einfach nur durchläuft, keins der Dokumente liest und die Story nicht richtig verfolgt, das ist für mich als wenn man eine Safari mitmacht, aber sich die Augen verbinden lässt, einfach sinnlos.
Da verwundert es auch nicht, dass viele einfach nur durch's Spiel rennen und danach über's Gameplay mosern, self-fulfilling prophecy halt.

Wobei ich damit nicht sagen will, dass das Gameplay von TLoU2 schlecht ist.

Und ein Spiel wie LiS, kann man ja schon gar nicht wegen dem Gameplay allein spielen, weil das Spiel aus nur ca. 10% Gameplay und 90% Story besteht.
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Terranigma »

Heretic hat geschrieben: 25. Jul 2021, 10:07Lustigerweise könnte ich als Storyliebhaber bei dieser Art Spiel komplett auf eine übergreifende Rahmenhandlung verzichten.
Das ist für mich auch so'n persönlicher TriggerPoint. In einer offenen Spielwelt, die zu ruhigen und gemächlichen Exploration einlädt, erscheint's mir derart widersinnig eine lineare Geschichte einzubauen, welche Bedrohung und Dringlichkeit vermittelt. So als wäre es nicht möglich eine Erzählung ohne übergeordnete Bedrohung zu strukturieren. Ich nehme an, dass einigen Autoren die entsprechende Phantasie oder auch Kenntnis fehlt, Handlungen abseits einer solchen Struktur aufzubauen. In dem Fall sollten sie in die letzte Folge zu Nachgeforscht reinhören! :ugly:

Dabei ist Exploration selbst doch ein Motor, hinter den man eine Erzählung aufhängen könnte. Warum bin ich so oft Retter, Beschützer, Bewahrer, Verteidiger, u.Ä. aber fast nie Erkunder oder Erforscher? Diese Rolle würde perfekt auf die Blaupause vieler Open World-Titel passen, eben dass ich - was ich als Spieler ja tatsächlich tue! - nicht in die Haut eines von der Prophezeiung vorbestimmten Retter schlüpfe, sondern Anführer einer Expedition in ein unbekanntes Eiland bin.

Mir ist eine übergreifende Rahmenhandlung durchaus wichtig, weil dies mich als Spieler in der Welt verortet und angibt, in welcher Rolle ich dort unterwegs bin. No Man's Sky erzählt keine stringente Handlung, aber hat eine Rahmung: "Erreiche das Zentrum des Universums." Das ist eine tolle Rahmung, weil's das ist, was ich als Spieler von mir auch sowieso tun würde. Aber mir scheint die Rolle in sehr vielen Fällen im krassen Widerspruch zu dem zu tun, was ich als Spieler in diesen Welten tue und tun will. Ich will erkunden, entdecken, usw. und genau dies tut man in den Spielen auch. Aber stattdessen werde ich als Vater auf der Suche nach seinem Kind (Fallout 4) oder als Vater auf Rachefeld (AC: Origins) inszeniert. Stimmiger wäre es, wäre ich Erkunder, Forscher, Archäologe oder Gestrandeter - weil sich aus diesen Rollen heraus ergibt, warum ich tue, was ich als Spieler in diesen Welten tun will.
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Smutje187 »

Terranigma hat geschrieben: 25. Jul 2021, 14:38Stimmiger wäre es, wäre ich Erkunder, Forscher, Archäologe oder Gestrandeter - weil sich aus diesen Rollen heraus ergibt, warum ich tue, was ich als Spieler in diesen Welten tun will.
Volle Zustimmung, deshalb fand ich Far Cry Primal zum Beispiel auch so toll - aber ich sehe auch den Punkt mit den komplexeren Erzählstrukturen fraglich, wenn ich an 97% der Mainstream-Spiele denke: „Wie erklären wir, dass ein Spieler eine Welt erkundet da er sie noch nicht kennt? Er ist dort fremd!“, oder „Amnesie!“, und wenn ich jetzt noch daran denke, der (weiße Westeuropäer) würde in einem Far Cry 2-ähnlichen Szenario mit Tropenhelm und Karte ausgerüstet auf den Spuren solch illustrer Gestalten wie H. M. Stanley wandeln „Mr Livingston, I presume?“, der Shitstorm wäre gewaltig :D
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Voigt »

Terranigma hat geschrieben: 25. Jul 2021, 14:38 Aber stattdessen werde ich als Vater auf der Suche nach seinem Kind (Fallout 4)
Halt stopp, ich wurde in Fallout 4 als Mutter zu der Suche nach meinem Kind geschickt!
Ist für mich persönlich immer kurz verwirrend wenn ich lese dass man als Vater sein Sohn gesucht hat, weil bei mir war es immer die Story der Mutter, halt allgemein eines Elternteils.
Irritiert mich immer etwas wenn Vater als so Standardpick dargestellt wird. Auch wenn er das in der Statistik wahrscheinlich sogar war. ^^
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Felidae
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Felidae »

Voigt hat geschrieben: 25. Jul 2021, 17:44
Terranigma hat geschrieben: 25. Jul 2021, 14:38 Aber stattdessen werde ich als Vater auf der Suche nach seinem Kind (Fallout 4)
Halt stopp, ich wurde in Fallout 4 als Mutter zu der Suche nach meinem Kind geschickt!
Ist für mich persönlich immer kurz verwirrend wenn ich lese dass man als Vatee sein Sohm gesucht hat, weil bei mirnwar es immer die Story der Mutter, halt allgemein eines Elternteils.
Irritiert mich immer etwas wenn Vater als so Standardpick dargestellt wird. Auch wenn er das in der Statistik wahrscheinlich sogar war. ^^
Danke. Stört mich auch immer, wenn automatisch immer von "männlich" ausgegangen wird. :)
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Terranigma
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Re: Warum ist mir Story in Spielen (fast) nicht wichtig? Und bin ich damit der einzige, dem es so geht?

Beitrag von Terranigma »

Felidae hat geschrieben: 25. Jul 2021, 20:30Danke. Stört mich auch immer, wenn automatisch immer von "männlich" ausgegangen wird. :)
Disclaimer: Ich habe Fallout 4 so etwa 40 Minuten gespielt, weil's mich danach nicht mehr interessierte. Ich bekam das Intro mit, da war ich'n Vater und ich hatte gar nicht mehr auf'n Schirm, dass man auch ein anderes Geschlecht wählen konnte. Gedächtnis, und so. :D
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