Themenvorschlag: Virtuelle Währung

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Flo
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Themenvorschlag: Virtuelle Währung

Beitrag von Flo »

Frage:

Was genau sind virtuelle Währungen, wie funktionieren sie und welche potentielle Auswirkungen könnten sie in die Welt bringen?

Hintergrund

In einem anderen Threat* hier ging es darum, dass wenn man für ein Solospiel ingame Währung für Echtgeld kaufen kann, ob dann cheaten nicht illegal sein könnte. Einer der letzten Themenschwerpunkte die darin behandelt wurden, war meine Hypothese, dass, da ingame Währung sich ihrer Natur nach weder sinnvoll als Ware, noch als Dienstleistung definieren lässt, sie unter eine andere Kategorie fallen müsste. Ich schlug vor, sie als virtuelle Währung zu definieren, da sie ja behandelt werden möchte wie eine virtuelle Währung.

Jedoch müssen echte virtuelle Währungen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um als solche akzeptiert zu werden. Zum Beispiel muss ihre Menge beschränkt sein, so dass die Instanz, welche die Währung etabliert hat, den Betrag auch verliert, den sie verkauft. Ich persönlich finde es suspekt, wenn ein Publisher seine Ingame Währung wie eine Währung verstanden sehen will, sich jedoch nicht berufen fühlt die Vorraussetzungen einer virtuellen Währung zu erfüllen. Insbesondere, wenn man bedenkt, wie unwahrscheinlich einträglich dieser Habitus für die gesamte Spieleindustrie aktuell ist.


Sekondärthemen

(potentielle Themen, welche sich erst behandeln lassen, wenn man ein gewisses Wissen bzgl. virtuellen Währung besitzt.)
  • Einfluss von Mining auf den Hardware Markt
  • Spiel monetarisieren indem man die Geräte der Spielerinnen zum Mining nutzt (irgendwann mal)
  • Folgen, sollte ein Gesetzgeber tatsächlich verlangen, dass ingame Währung den Richtlinien für virtuelle Währungen unterliegen müssen

Peripherthemen

(Es ist viel zu lang geworden und hat nichts direkt mit Spielen zu tun. Aber zum löschen ist mir der Aufwand nun auch zu schade. Ich stecke es mal vornehm in einen Spoiler.)
SpoilerShow
Mir ist bewusst, dass ihr euch auf Spiele konzentriert und vermutlich eine klare Grenze zieht, bis wohin ihr thematisch noch Zeit investiert. Im folgenden noch ein paar Überlegungen, die ich gerne noch nennen möchte, obgleich mir bewusst ist, dass sie höchst wahrscheinlich nicht ansprechen werdet und vermutliche auch in der Entscheidung aussen vor lasst, in der Frage, ob ihr euch diesem Thema widmet.

Einer der prägendsten Diskurse und Konflikte der letzten hundert Jahren war die Frage, welches System wollen wir nutzen, um Geld zirkulieren zu lassen? Daraus lassen sich fundamentale gesellschaftliche Konvention von Besitz, Eigentum, Klassenbildung, staatlicher Kontrolle und haufenweise politischer Agenden ableiten. Ich habe mal gelesen, dass die grundlegenden Begriffe und Mechaniken der heutigen westlicher Volkswitschaftslehren, (selbst heute noch) aus den Arbeiten von Karl Marx und andere Ikonen des Sozialismus stammen.**

Wettbewerb ist eine tolle Sache. Wenn man die Bewertung der eigenen Bemühungen an einen Maßstab anlegt, welcher dynamisch an dem Erfolg einer anderen Partei geeicht wird, und die diese Partei den erfolg ihrer Bemühungen an einem Maßstab anlegt, welcher dynamisch an dem eigenen Erfolg geeicht wird, dann entsteht ein fantastisches System, in dem man automatisch gemeinschaftlich ganz neue Levels erreicht.

Dies funktioniert jedoch nur, bei gleichen Vorraussetzungen. Wenn eine Partei erheblich bessere Vorraussetzungen für den Erfolg ihrer Bemühungen hat als die andere, dann funktioniert das System nicht. Die Partei mit den schlechteren Vorraussetzungen kann im Wettbewerb nicht bestehen und die Partei mit den besseren Vorraussetzungen, bei ihr sinkt der Maßstab an dem sie ihre eigenen Bemühungen bewerten. Ein solches System hat eine negative Dynamik auf alle Beteiligten.

In unseren kapitalistischen Wirtschaftssystemen, wird die Chancengleichheit systematisch untergraben durch unternehmensgrößenbedigte Effizienzunterschiede und politische Einflussnahme. Das heißt, um wie erfolgreicher ein Unternehmen ist, um so bessere Vorraussetzungen bekommt es gegenüber den anderen Marktteilnehmer.

Und als Gamer wissen wir, dass ein Multiplayer Game, bei dem die überlegene Spielerin mit fortschreitenden Vorsprung stetig neue Vorteile erhält, ist kaputt. Ebenso wie ein skillbasiertes Spiel ohne Matchmaking kaputt ist.

Und nicht nur gegenüber den Marktteilnehmern werden wird Dominanz gewonnen, sondern inzwischen sogar gegenüber der Politik. In der Finanzkrise wurde offenbar, dass es Unternehmen gibt, die too-big-to-fail sind. Es war der überraschende Beweis dafür, dass man nicht mehr darauf vertrauen kann, dass Unternehmen in den Grenzen der Gesetze handeln müssen, sondern es möglich ist, dass die Regierungen in den Grenzen des Marktes handeln müssen. Eine potentiell gefährliche Entwicklung.

Durch Internet und soziale Vernetzung sind in den letzten Jahren Plattformen wie Kickstarter oder Patreon entstanden, welche marktunabhängiges Funding durch viele kleine Beträge von Privatpersonen möglich gemacht haben. Eine vergleichsweise überschaubare Menge an Innovator und Early Adopter können etablierte Finanzierungsmodelle obsolet machen und potentiell erheblichen Einfluss auf den Markt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass virtuelle Währung wie ein Brandbeschleuniger auf diese Entwicklung wirken könnte.

Es ist wohl nicht schwer eine crypto Währung zu etablieren. Interessant ist es aber auch, dass die wohl oft (oder meist?) für einen direkten Zweck ins Leben gerufen wird. Es gibt eine virtuelle Währung, welche sich auf den Handel mit Marihuana spezialisiert hat namens „PotCoin“ (http://www.potcoin.com/) auch eine für wissenschaftliche papers und eine, welche den Geldtransfair von einer Videostream Seite handhaben soll. (https://lbry.io/) Die Grundlegende Idee erachte ich für äußerst interessant. Durch eine gut integrierte virtuelle Währung, ließen sich winzigste Beträge durch unwahrscheinlich geringen Aufwand für Angebote ausgeben. Und wenn sich das ganze trägt, dann ließen sich möglicherweise YouTube ähnliche Plattformen, irgendwann ohne Werbung finanzieren. Oder gar noch Journalismus!

…dieser Text ist ein wenig exzessiv in seiner Länge geworden. Sorry. Ich belasse es damit auch. Solltet ihr das Thema mal in einer Episode erläutern, dann werde ich vielleicht einen entsprechenden Threat in dem no games Teil des Forums posten.


** Das heißt, Sozialismus und Kapitalismus existieren erst mal im selben System und das sind keine zwei monotheistische Religionen, die sich durch ihre arbiträren Elementen gegenseitig ausschließen. Ein fundamentalistischer Grabenkrieg ist also unangebracht.
* Threat zum Thema: Sollte man in neuen Singelplayerspielen cheaten dürfen? viewtopic.php?f=2&t=2816&start=100" onclick="window.open(this.href);return false;

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Flo
Beiträge: 186
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Wohnort: Leipzig

Re: Themenvorschlag: Virtuelle Währung

Beitrag von Flo »

PS:

Man kann auch virtuelle Währungen kaufen, warten bis der Wechselkurs gut ist und dann wieder verkaufen, ohne Gebühren oder ähnlichen. Es gibt den PotCoin, welcher für Marihuanahandel ins Leben gerufen wurde. Ich hatte ihn im Spoilerbereich erwähnt. Ja, das klingt sehr ulkig. Gerade habe ich mir zufällig seinen Kurs angeschaut. Der ist in den letzten 7 Tagen um 43,34 % gestiegen.

Quelle: https://coinmarketcap.com/all/views/all/" onclick="window.open(this.href);return false;

s.krix92
Beiträge: 2
Registriert: 6. Dez 2017, 21:27

Re: RE: Themenvorschlag: Virtuelle Währung

Beitrag von s.krix92 »

Flo hat geschrieben:Frage:

Was genau sind virtuelle Währungen, wie funktionieren sie und welche potentielle Auswirkungen könnten sie in die Welt bringen?

Hintergrund

In einem anderen Threat* hier ging es darum, dass wenn man für ein Solospiel ingame Währung für Echtgeld kaufen kann, ob dann cheaten nicht illegal sein könnte. Einer der letzten Themenschwerpunkte die darin behandelt wurden, war meine Hypothese, dass, da ingame Währung sich ihrer Natur nach weder sinnvoll als Ware, noch als Dienstleistung definieren lässt, sie unter eine andere Kategorie fallen müsste. Ich schlug vor, sie als virtuelle Währung zu definieren, da sie ja behandelt werden möchte wie eine virtuelle Währung.

Jedoch müssen echte virtuelle Währungen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um als solche akzeptiert zu werden. Zum Beispiel muss ihre Menge beschränkt sein, so dass die Instanz, welche die Währung etabliert hat, den Betrag auch verliert, den sie verkauft. Ich persönlich finde es suspekt, wenn ein Publisher seine Ingame Währung wie eine Währung verstanden sehen will, sich jedoch nicht berufen fühlt die Vorraussetzungen einer virtuellen Währung zu erfüllen. Insbesondere, wenn man bedenkt, wie unwahrscheinlich einträglich dieser Habitus für die gesamte Spieleindustrie aktuell ist.


Sekondärthemen

(potentielle Themen, welche sich erst behandeln lassen, wenn man ein gewisses Wissen bzgl. virtuellen Währung besitzt.)
  • Einfluss von Mining auf den Hardware Markt
  • Spiel monetarisieren indem man die Geräte der Spielerinnen zum Mining nutzt (irgendwann mal)
  • Folgen, sollte ein Gesetzgeber tatsächlich verlangen, dass ingame Währung den Richtlinien für virtuelle Währungen unterliegen müssen

Peripherthemen

(Es ist viel zu lang geworden und hat nichts direkt mit Spielen zu tun. Aber zum löschen ist mir der Aufwand nun auch zu schade. Ich stecke es mal vornehm in einen Spoiler.)
SpoilerShow
Mir ist bewusst, dass ihr euch auf Spiele konzentriert und vermutlich eine klare Grenze zieht, bis wohin ihr thematisch noch Zeit investiert. Im folgenden noch ein paar Überlegungen, die ich gerne noch nennen möchte, obgleich mir bewusst ist, dass sie höchst wahrscheinlich nicht ansprechen werdet und vermutliche auch in der Entscheidung aussen vor lasst, in der Frage, ob ihr euch diesem Thema widmet.

Einer der prägendsten Diskurse und Konflikte der letzten hundert Jahren war die Frage, welches System wollen wir nutzen, um Geld zirkulieren zu lassen? Daraus lassen sich fundamentale gesellschaftliche Konvention von Besitz, Eigentum, Klassenbildung, staatlicher Kontrolle und haufenweise politischer Agenden ableiten. Ich habe mal gelesen, dass die grundlegenden Begriffe und Mechaniken der heutigen westlicher Volkswitschaftslehren, (selbst heute noch) aus den Arbeiten von Karl Marx und andere Ikonen des Sozialismus stammen.**

Wettbewerb ist eine tolle Sache. Wenn man die Bewertung der eigenen Bemühungen an einen Maßstab anlegt, welcher dynamisch an dem Erfolg einer anderen Partei geeicht wird, und die diese Partei den erfolg ihrer Bemühungen an einem Maßstab anlegt, welcher dynamisch an dem eigenen Erfolg geeicht wird, dann entsteht ein fantastisches System, in dem man automatisch gemeinschaftlich ganz neue Levels erreicht.

Dies funktioniert jedoch nur, bei gleichen Vorraussetzungen. Wenn eine Partei erheblich bessere Vorraussetzungen für den Erfolg ihrer Bemühungen hat als die andere, dann funktioniert das System nicht. Die Partei mit den schlechteren Vorraussetzungen kann im Wettbewerb nicht bestehen und die Partei mit den besseren Vorraussetzungen, bei ihr sinkt der Maßstab an dem sie ihre eigenen Bemühungen bewerten. Ein solches System hat eine negative Dynamik auf alle Beteiligten.

In unseren kapitalistischen Wirtschaftssystemen, wird die Chancengleichheit systematisch untergraben durch unternehmensgrößenbedigte Effizienzunterschiede und politische Einflussnahme. Das heißt, um wie erfolgreicher ein Unternehmen ist, um so bessere Vorraussetzungen bekommt es gegenüber den anderen Marktteilnehmer.

Und als Gamer wissen wir, dass ein Multiplayer Game, bei dem die überlegene Spielerin mit fortschreitenden Vorsprung stetig neue Vorteile erhält, ist kaputt. Ebenso wie ein skillbasiertes Spiel ohne Matchmaking kaputt ist.

Und nicht nur gegenüber den Marktteilnehmern werden wird Dominanz gewonnen, sondern inzwischen sogar gegenüber der Politik. In der Finanzkrise wurde offenbar, dass es Unternehmen gibt, die too-big-to-fail sind. Es war der überraschende Beweis dafür, dass man nicht mehr darauf vertrauen kann, dass Unternehmen in den Grenzen der Gesetze handeln müssen, sondern es möglich ist, dass die Regierungen in den Grenzen des Marktes handeln müssen. Eine potentiell gefährliche Entwicklung.

Durch Internet und soziale Vernetzung sind in den letzten Jahren Plattformen wie Kickstarter oder Patreon entstanden, welche marktunabhängiges Funding durch viele kleine Beträge von Privatpersonen möglich gemacht haben. Eine vergleichsweise überschaubare Menge an Innovator und Early Adopter können etablierte Finanzierungsmodelle obsolet machen und potentiell erheblichen Einfluss auf den Markt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass virtuelle Währung wie ein Brandbeschleuniger auf diese Entwicklung wirken könnte.

Es ist wohl nicht schwer eine crypto Währung zu etablieren. Interessant ist es aber auch, dass die wohl oft (oder meist?) für einen direkten Zweck ins Leben gerufen wird. Es gibt eine virtuelle Währung, welche sich auf den Handel mit Marihuana spezialisiert hat namens „PotCoin“ (http://www.potcoin.com/) auch eine für wissenschaftliche papers und eine, welche den Geldtransfair von einer Videostream Seite handhaben soll. (https://lbry.io/) Die Grundlegende Idee erachte ich für äußerst interessant. Durch eine gut integrierte virtuelle Währung, ließen sich winzigste Beträge durch unwahrscheinlich geringen Aufwand für Angebote ausgeben. Und wenn sich das ganze trägt, dann ließen sich möglicherweise YouTube ähnliche Plattformen, irgendwann ohne Werbung finanzieren. Oder gar noch Journalismus!

…dieser Text ist ein wenig exzessiv in seiner Länge geworden. Sorry. Ich belasse es damit auch. Solltet ihr das Thema mal in einer Episode erläutern, dann werde ich vielleicht einen entsprechenden Threat in dem no games Teil des Forums posten.


** Das heißt, Sozialismus und Kapitalismus existieren erst mal im selben System und das sind keine zwei monotheistische Religionen, die sich durch ihre arbiträren Elementen gegenseitig ausschließen. Ein fundamentalistischer Grabenkrieg ist also unangebracht.
* Threat zum Thema: Sollte man in neuen Singelplayerspielen cheaten dürfen? viewtopic.php?f=2&t=2816&start=100" onclick="window.open(this.href);return false;
Fände ich ein super interessantes Thema. Sebastian hat ja auch schonmal eine Folge zu Kryptowährungen quasi angeboten.
Also von mit aus dürfte es auch gerne als "Hardware" Folge durch gehen und einfach mehr den ganzen technischen und evtl. auch wirtschaftlichen Hintergrund abdecken.
Den Bogen zu Games kann man dann ja immer noch schlagen. Aber für eine Folge wirds wahrscheinlich zu viel.

Gesendet von meinem VTR-L09 mit Tapatalk

Jormungandr
Beiträge: 28
Registriert: 11. Jul 2016, 09:23

Re: Themenvorschlag: Virtuelle Währung

Beitrag von Jormungandr »

Ich habe mich in einer (rechts-)wissenschaftlichen Aufsatzreihe mal mit dem Thema "Sind private geschöpfte Krypto-Currencies "Währungen" oder "Geld"" auseinander gesetzt, leider in proprietären Journals. Es geht ziemlich genau um die hier gestellte Frage.

Bei Interesse kann ich aber gerne für Lesestoff sorgen, wer weiß was man so alles im auf **.io finden kann...vielleicht sogar das :violin:

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