Themenvorschlag: Soundtracks

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PhelanKell
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Themenvorschlag: Soundtracks

Beitrag von PhelanKell »

Mojen,

aufgrund der aktuellen Folge gleich mal die Erinnerung / der Vorschlag.

Warum ist guter Spielesoundtrack so selten?

Ralf hat es ja kurz angesprochen - Budget etc.
Aber ist es wirklich so einfach?
Und warum kommt kein Projektmanager mal auf die Idee, dass guter Soundtrack so eine Tragkraft haben kann? Da muss es doch ein paar Audiophile geben?! Oder sind wir noch immer nur bei Optik Optik Optik?

Grüße
expect the unexpected

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Feamorn
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Re: Themenvorschlag: Soundtracks

Beitrag von Feamorn »

Fände ich auch ein interessantes Thema. Wobei mir als mögliche Antwort auch gleich wieder der Punkt einfällt, dass sich gute Musik schlecht vermarkten lässt. Da hat man ein paar Minuten Musik, da "reicht" es dann, wenn man ein (halbwegs) prägnantes Main-Theme in der Hand hat, der Rest der Musik verkauft keine Spiele. (Ähnliches Argument wie beim Thema 30/60FPS etc. pp.)
Da kann man aber auch noch über mehr sprechen. Also inwiefern möchte man überhaupt prägnante Musik haben? Und inwiefern lässt sich das in manche (prominente) Spielarten überhaupt sinnvoll integrieren? Ausserhalb von gescripteten Sequenzen hat man ja oft dynamische Soundtracks, die sich aktiv an das Geschehen anpassen, dazu muss man je nach Spiel auch vorsichtig sein, dass man mit dem Soundtrack Audio-Clues in der Spielwelt nicht überdeckt. Wie gesagt, halte ich auf jeden Fall für ein interessantes und breites Thema, gerade, wenn man das auch in den systemischen Bereich bringt.

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Terranigma
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Re: Themenvorschlag: Soundtracks

Beitrag von Terranigma »

Feamorn hat geschrieben:
23. Jul 2020, 14:19
Also inwiefern möchte man überhaupt prägnante Musik haben? Und inwiefern lässt sich das in manche (prominente) Spielarten überhaupt sinnvoll integrieren? Ausserhalb von gescripteten Sequenzen hat man ja oft dynamische Soundtracks, die sich aktiv an das Geschehen anpassen, dazu muss man je nach Spiel auch vorsichtig sein, dass man mit dem Soundtrack Audio-Clues in der Spielwelt nicht überdeckt. Wie gesagt, halte ich auf jeden Fall für ein interessantes und breites Thema, gerade, wenn man das auch in den systemischen Bereich bringt.
Ist wohl auch eine Frage der Perspektive, weil's wohl zwei sehr unterschiedliche Perspektiven gibt: es gab vor einiger Zeit ja mal eine Folge mit Kai Rosenkranz, der ähnlich argumentierte. Eben dass die Musik nicht die Show stehlen soll, sondern eher als Ambienet im Hintergrund ein Gefühl tragen soll. Ich glaube, das ist bei westlichen Produktionen auch ein Konsens. Wie du schreibst, sind eigentlich nur die Themes der Rede wert, z.B. das Battlefield-Theme das man nach 1s sofort erkennt. Der restliche Soundtrack von westllichen Videospielen ist hingegen relativ ... nun, ist halt da. Eben im Hintergrund.

Umgekehrt gibt's ja aber noch eine ganze Videospielmusik-Szene, die jenseits der Videospiele existiert. In Großstädten auf aller Welt werden seit Jahren die Soundtracks von allerlei japanischen Videospielen vor Publikum gespielt. Und diese Video Game Music-Konzerte sind offenbar sehr erfolgreich, immerhin werden es immer mehr. Stichwort wäre etwa sowas wie Symphonic Fantasies, das Musik aus Square Enix-Titeln - u.a. Final Fantasy, Secret of Mana, usw. - spielt. Sah ich vor allerlei Jahren auch. Oder Symphonic Legends mit Musik aus Nintendo-Titeln. Oder die Distant Worlds-Reihe mit Musik aus Final Fantasy. Das läuft schon sehr gut. Ob das nun zusätzliche Spiele verkauft weiß ich nicht. Aber wenn ich wiederum bei einem Titel als Komponisten so Namen wie Uematsu Nobue oder Yasunori Mitsuda lese, weckt das schon mein Interesse. Alleine deshalb würde ich mir'n Spiel nicht kaufen - aber womöglich den Soundtrack!

Für westliche Titel gibt's durchaus auch solche Konzerte, aber da wird quasi nur ein Stück pro Videospiel gespielt. Nämlich das Theme, weil die Videospiele ansonsten nichts hergeben. Bei japanischen Videospielen gibt's insofern eine ganz andere Perspektive auf die Rolle von Soundtracks, und da würden wohl auch einige Komponisten einem Kai Rosenkranz widersprechen und sagen: "Doch, die Musik darf aufdringlich und im Vordergrund stehen." Hier treffen wohl unterschiedliche Designphilosophien aufeinander, aber die westliche Setzung, dass Musik eher einer Ambient-Funktion besitzen und nicht allzu aufdringlich sein sollte, die kann man nicht verallgemeinern.

Fände da spannend mal zu erfahren, warum hier im Westen eigentlich diese Setzung existiert ... wahrscheinlich orientiert man sich sehr stark an Filmen, wo's ja ebenso diesen Standard gibt und veruscht dem nachzueifern. Oder so, keine Ahnung. :D

Kai Rosenkranz hat seinerzeit ja leider nur erklärt, dass er diese Setzung so sieht und teilt, aber nicht, warum es hier im Westen eigentlich diese ungeschriebene Regel überhaupt gibt. Ich meine, selbst im Filmbereich gibt's ja ein paar Beispiele, wo's in einem Film mehrere wiedererkennbare Lieder gibt - z.B. Star Wars, das musikalisch mehr als nur ein Theme zu bieten hat.
Wenn unser Geist leer ist, ist er für alles bereit. Im Anfänger-Geist liegen viele Möglichkeiten, in dem des Experten wenige.
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Feamorn
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Re: Themenvorschlag: Soundtracks

Beitrag von Feamorn »

Terranigma hat geschrieben:
23. Jul 2020, 17:22
Ist wohl auch eine Frage der Perspektive, weil's wohl zwei sehr unterschiedliche Perspektiven gibt: es gab vor einiger Zeit ja mal eine Folge mit Kai Rosenkranz, der ähnlich argumentierte. Eben dass die Musik nicht die Show stehlen soll, sondern eher als Ambienet im Hintergrund ein Gefühl tragen soll. Ich glaube, das ist bei westlichen Produktionen auch ein Konsens. Wie du schreibst, sind eigentlich nur die Themes der Rede wert, z.B. das Battlefield-Theme das man nach 1s sofort erkennt. Der restliche Soundtrack von westllichen Videospielen ist hingegen relativ ... nun, ist halt da. Eben im Hintergrund.
Ach, stimmt. Die Folge mit Kai hatte ich gar nicht mehr präsent.
Umgekehrt gibt's ja aber noch eine ganze Videospielmusik-Szene, die jenseits der Videospiele existiert. In Großstädten auf aller Welt werden seit Jahren die Soundtracks von allerlei japanischen Videospielen vor Publikum gespielt. Und diese Video Game Music-Konzerte sind offenbar sehr erfolgreich, immerhin werden es immer mehr. Stichwort wäre etwa sowas wie Symphonic Fantasies, das Musik aus Square Enix-Titeln - u.a. Final Fantasy, Secret of Mana, usw. - spielt. Sah ich vor allerlei Jahren auch. Oder Symphonic Legends mit Musik aus Nintendo-Titeln. Oder die Distant Worlds-Reihe mit Musik aus Final Fantasy. Das läuft schon sehr gut. Ob das nun zusätzliche Spiele verkauft weiß ich nicht. Aber wenn ich wiederum bei einem Titel als Komponisten so Namen wie Uematsu Nobue oder Yasunori Mitsuda lese, weckt das schon mein Interesse. Alleine deshalb würde ich mir'n Spiel nicht kaufen - aber womöglich den Soundtrack!

Für westliche Titel gibt's durchaus auch solche Konzerte, aber da wird quasi nur ein Stück pro Videospiel gespielt. Nämlich das Theme, weil die Videospiele ansonsten nichts hergeben. Bei japanischen Videospielen gibt's insofern eine ganz andere Perspektive auf die Rolle von Soundtracks, und da würden wohl auch einige Komponisten einem Kai Rosenkranz widersprechen und sagen: "Doch, die Musik darf aufdringlich und im Vordergrund stehen." Hier treffen wohl unterschiedliche Designphilosophien aufeinander, aber die westliche Setzung, dass Musik eher einer Ambient-Funktion besitzen und nicht allzu aufdringlich sein sollte, die kann man nicht verallgemeinern.
Ist das nicht tatsächlich auch eine große "Genre-Frage"? Bzw. bedingt da, zumindest teilweise, das Gameplay-Design eventuell auch die Musik? Was ich meine ist z.B., dass man in einem Thief (um mal ein Extrembeispiel für "wichtige" Soundeffekte zu nennen) schlecht hingehen kann, und viele prägnante Melodien spielen kann, weil der Spieler eben darauf angewiesen ist, dass er die Geräusche der Spielwelt ordentlich hören kann. Im Gegensatz dazu ist das bei einem Secret of Mana mehr oder minder egal. Kann man da eventuell einen Zusammenhang mit "typisch japanischen" und "typisch westlichen" Spielen finden?
Ich würde dir aber generell zustimmen, dass viele westliche Produktionen versuchen "filmisch" zu sein, was dann natürlich auch auf die verwendete Musik durchschlägt und da möglicherweise auch Probleme der (modernen?) Filmbranche erbt (siehe unten).
Desweiteren denke ich tatsächlich, dass insbesondere Spiele mit nur wenigen Script-Sequenzen da eine besondere Schwierigkeit darstellen, da die Musik ja eine gewisse Stimmung rüberbringen und/oder verstärken soll. Das heißt aber eben auch, dass das Spiel quasi an seinem Zustand erkennen muss, was für Musik jetzt fällig ist. Wenn z.B. eine Open-World-Kampfbegegnung gerade richtig schlecht läuft, darf das untermalende Kampf-Thema nicht zu positiv sein, da Du sonst dem Spieler unter Umständen eben die falsche Untermalung lieferst. Gleichzeitig muss die Musik unter Umständen sowohl in sehr kurzen Abschnitten als auch langen Abschnitten funktionieren, eben da sich das dynamisch und sehr schnell ändern kann. Das fällt in Spielen bei denen der Designer/Komponist weiß, ein Kampf dauert min. so und so lange, oder der Spieler braucht zum Durchqueren eines Gebiets mindestens so und so lang vermutlich leichter. (Wäre tatsächlich mal interessant sich anzuschauen, inwiefern bei modernen Spielen die memorable Musik mit dem Genre korreliert. :think: )
Fände da spannend mal zu erfahren, warum hier im Westen eigentlich diese Setzung existiert ... wahrscheinlich orientiert man sich sehr stark an Filmen, wo's ja ebenso diesen Standard gibt und veruscht dem nachzueifern. Oder so, keine Ahnung. :D

Kai Rosenkranz hat seinerzeit ja leider nur erklärt, dass er diese Setzung so sieht und teilt, aber nicht, warum es hier im Westen eigentlich diese ungeschriebene Regel überhaupt gibt. Ich meine, selbst im Filmbereich gibt's ja ein paar Beispiele, wo's in einem Film mehrere wiedererkennbare Lieder gibt - z.B. Star Wars, das musikalisch mehr als nur ein Theme zu bieten hat.
Zum Thema moderne Filmmusik (am Beispiel der Marvel Filme) gab es vor ein paar Jahren ein ziemlich interessantes Video vom YouTube-Kanal "Every Frame A Painting" (Video: https://www.youtube.com/watch?v=7vfqkvwW2fs). Da wird insbesondere auf die sogenannte "temp music" eingegangen, also vorläufige Scores für Filme, die die Regisseure sich aus vorhandenem Material zusammen suchen um dem Komponisten zu sagen, wie sie sich die musikalische Untermalung des Films vorstellen, das führt dann oft dazu, dass sich die Musik zusehends ähnelt und Eigenständigkeit verliert. Ich würde mich nicht wundern, wenn das teilweise auch auf die Musik in Spielen auswirkt, die den Filmen ja oft nacheifern.

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Terranigma
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Re: Themenvorschlag: Soundtracks

Beitrag von Terranigma »

Feamorn hat geschrieben:
23. Jul 2020, 23:14
Ist das nicht tatsächlich auch eine große "Genre-Frage"?
Kann gut sein, ich hatte nun beispielsweise Rollenspiele im Kopf. Und wenn ich meine hirninterne Playlist durchgehe, dann kann ich dir aus dem Stehgreif etliche Melodien aus älteren und modernen japanischen Rollenspielen summen, bei westlichen Rollenspielen fällt mir außer dem Theme aber nie was ein. Was nicht heißt, dass die Soundtracks schlecht seien. Ich mag das Gedudel von Jeremy Soule durchaus, aber Unterschiede zwischen Skyrim, Guildwars, Dungeon Siege, o.Ä. höre ich nicht raus. Das ist erkennbar Hintergrundmusik, dabei kann der Mann umgekehrt auch sehr memorable Stücke schreiben - aber außer den Themes, lässt man ihn da wohl nicht. Umgekehrt gibt's wiederum etwa ein "Ori - And the Blind Forest" - inklusive dem Nachfolger - die einen großartigen Soundtrack haben, der gerne auch mal die Show klaut.

Ich denke insofern schon, dass es auch unabhängig vom Genre im Westen einen erkennbaren Konsens gibt, dass Videospielmusik nur eine untergeordnete und dienende Funktion hat, aber selbst nicht im Vordergrund stehen sollte. Ausnahmen davon gibt's wie gesagt, und die kommen entsprechend auch teils echt gut an. In Japan scheint es mir diesen Konsens nicht zu geben, und da ist's okay, wenn man beim Durchqueren eines Areals oder Levels auch mal für 30 Minuten denselben wiedererkennbaren Loop hört oder bei jedem Kampf - etwa in Final Fantasy - derselbe Ohrwurm läuft. Mit dem Ergebnis, dass ich nur an Final Fantasy 8 denken muss und sofort eine Palette an Musikstücken inkl. Szene, in welcher sie liefen, im Kopf habe. Das habe ich bei westlichen Rollenspielen fast nie. Sie sind zu orchestral und diffus, um sie mitsummen zu können.


Kann gut sein, dass es damit zusammenhängt, dass westliche Spiele ggf. systemischer und dynamischer sind. Und man diesen Ansatz auch auf das Audiodesign überträgt. Aber ich bin da auch recht stumpf: wenn ich ein Lied mag, dann kann ich's auch gerne 500 Mal hören, ganz egal ob der Kampf für mich gerade gut oder schlecht läuft. Für mich ist dynamisches Soundesign nur anders, aber nicht besser. Im Ergebnis finde ich's womöglich sogar schlechter, weil es zu Soundtracks führt, die keinerlei bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich mag Ohrwürmer- und bin kein Ambientfan. Auch ein Grund, warum ich etwa die beiden "Ori"-Titel so abfeier, weil der Soundtrack mit wiederkennbaren Melodien arbeitet und fast gleichberechtigt neben dem visuellen Design steht.


So oder so: fände hier ne' Folge ebenfalls sehr interessant. Musik wird in diesen Breitengraden leider oftmals unter Wert verkauft, dabei zeigen die ganzen Konzertreihen ja, dass gute Videospielmusik halt doch mehr sein kann als nur Hintergrundrauschen. Ich will mehr Soundtracks von der Qualität eines "Ori." :D
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chîmera
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Re: Themenvorschlag: Soundtracks

Beitrag von chîmera »

Ich fasse mich etwas kürzer als meine Vorschreiber und möchte nur sagen, dass ich mir in einer Soundtrack-Folge auch Soundtracks, bzw. kurze Ausschnitte davon, wünschen würde. :-)

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