Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

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Flo
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Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

Beitrag von Flo »

Der Begriff 'Cyberpunk' wird popkulturell vollkommen bizarr dargestellt. Denn sowohl wird William Gibsons Neuromancer Trilogie als Ursprung genannt, als auch wird es als spezifische dreckige 80er Jahre Neon Dystopie charakterisiert. Diese zwei Punkte stehen allerdings im völligen Widerspruch zueinander.

William Gibson war Teil der literarischen Gruppe Mirrorshades, die kein Fan der aktuellen SciFi Literatur waren, da diese mit ihren moralwertenden böse-Marsianer-bedrohen-Menschheit lediglich die konservative red scare narrative des Kalten Krieges reproduzierten. Die Leute aus dem Mirrorshades Zirkel zogen sich berüchtigterweise Lederjacken und verspiegelte Sonnenbrillen an, gingen auf SciFi Conventions, hielten laute emotionale Diskussionen mit etabliert Autoren in denen auch mal Tische flogen, und belästigten Besucher. Es waren diese anderen Leute, die die Mirror Shades Typen als 'Cyberpunks' bezeichnet hatten. Ein Bezeichnung, die sie schließlich annahmen, weil es gut PR ist.

Dieses aggressive Auftreten war allerdings nicht Selbstzweckhaft, sondern physische manifestation eines ideologischen Streits. Sie forderten von SciFi die Erforschung des Unbekannten. Und sie setzten dies in der Praxis um, indem sie neue philosophische und medientheoretische Konzepte diskutierten und sie in narrative umformten. Zum Beispiel den Schriften vom Medientheoretiker Marshall McLuhan und dem Poststrukturalisten Jean Baudrillard. Ein essentielles Attribut von Cyberpunk ist sein Avantgardismus.

Die Welt aus z.B. der Neuromancer Trilogie basiert auf Konzepten des Trans- und Posthumanismus, um Soziologie, um Identität, und mehr, aber das ist nur das unsichtbare Grid in dem die Geschichten basieren. So präsent und ungreifbar wie Luft. Die Metallarme und die Verarmung der Bevölkerung und Informationsflut und gottähnliche K.I.s sind nicht der Cyberpunk, sondern Manifestationen, wenn man Cyberpunk in den 1980er anwendet.

Es ist bemerkenswert, wie präzise die Vorhersagen waren, aber das war sicherlich nicht die Intention. Im ersten Teil der Neuromancer Trilogie (1984) wird die Omnipräsenz des Internets beschrieben, der Protagonist googlet an einer Stelle nach einen Begriff, und die Beschreibung einer K.I. wie sie die Handlungen von Personen vorher sagt erinnert mich frappierend and Big Data und den vielbeschworenen 'Algorithmus'.


Aber das ist 40 Jahre her. Eine Geschichte, die 'Cyberpunk' sein möchte, und im Jahre 2020 veröffentlicht wird ... wie sollte die avantgardistisch sein, wenn sie lediglich 40 Jahre altes Worldbuilding reproduziert?
Zuletzt geändert von Flo am 20. Nov 2020, 14:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Flo
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Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

Beitrag von Flo »

Das Thema ist so riesig, da könnte man eine ganze Themenwoche machen.
  • Woher kommt Cyberpunk?
    (Mirror Shades)
  • Was steckt im Cyberpunk?
    (Trans- und Post-Humanismus)
  • Was hat sich aus dieser literarischen Bewegung heraus entwickelt?
    (Vielleicht wäre das eine super Japan Folge, denn dort hat sich der Cyberpunk viel stärker verfangen. Vermutlich kommt das aus der Kultur heraus, die von Shintō geprägt ist, anstatt vom Christentum. Für einen Christ wäre es undenkbar, wenn nicht sogar teuflisch, wenn eine Maschine eine Seele hätte. Hingegen im Shintō ist alles sowieso beseelt. Cyberpunk eröffnete eine Möglichkeit, dieser spirituellen Philosophie eine greifbare Form zu geben.)
  • Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk
    (Kann Cyberpunk 2077 überhaupt Cyberpunk sein? Ist Cyberpunk 2077 Cyberpunk? Wäre vielleicht eine gute Sonntagsfolge. Ich meine mich zu erinnern, dass Jochen ein recht emotionales Verhältnis zum Poststrukturalismus hegt, und noch keine Gelegenheit hatte, sich das von der Seele zu reden.)
Bonus:
    • Neuromancer (1984)
      (Vielleicht findet sich ja ein Buch Podcast, der ein Crossover machen würde?)


    Es gäbe da übrigens eine podcasterfahrene Expertin zu dem Thema namens Jiré Emine Gözen.

    Hier eine Podcast Episode von 'Sprawl Radio', in dem sie 2020 zu Gast war und entspannt über Neuromancer und Cyberpunk plaudert
    https://sprawlradiopodcast.podigee.io/s1e6-neue-episode

    Hier eine Podcast Episode von 'Stimmen der Kulturwissenschaften', in dem sie 2012, über das Thema Cyberpunk interviewt wird, zu dem sie ihre Dissertation geschrieben hat.
    https://stimmen.univie.ac.at/podcast/sdk29
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von bluttrinker13 »

    Flo hat geschrieben: 20. Nov 2020, 13:52 Aber das ist 40 Jahre her. Eine Geschichte, die 'Cyberpunk' sein möchte, und im Jahre 2020 veröffentlicht wird ... wie sollte die avantgardistisch sein, wenn sie lediglich 40 Jahre altes Worldbuilding reproduziert?
    Ich würde vermuten, weil der Begriff oder das "Genre-Feeling" wie andere auch vom mächtigen Emotionskomplex der Nostalgie geentert wurden. Alles was Retro-anteile enthält, verkauft sich bei den aktuell kaufstarken Generationen gut. Sei das nun Retrofuturismus, Steampunk, Dieselpunk, 80er Punk, 80er Abenteuer/Horror/Gruselscheiss etc...

    Man könnte behaupten, marktwirtschaftlich muss immer die Andockung an eine starke Emotion erfolgen, um langfristig Erfolg zu haben. Dass das literarische Genre bzw. die Vision die du hier so schön beschreibst nie damit auch nur was zu tun haben wollte, ist das tragische daran.

    Btw, ich kriege selbst immer Wutanfälle, wenn sich Leute erdreisten, Jules Verne als "Steampunk"-Original oder so zu beschreiben... WTF! DACHLATTE!!"!11elfdrölf :ugly:
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    Guthwulf
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Guthwulf »

    Flo hat geschrieben: 20. Nov 2020, 13:52Der Begriff 'Cyberpunk' wird popkulturell vollkommen bizarr dargestellt. Denn sowohl wird William Gibsons Neuromancer Trilogie als Ursprung genannt, als auch wird es als spezifische dreckige 80er Jahre Neon Dystopie charakterisiert. Diese zwei Punkte stehen allerdings im völligen Widerspruch zueinander. (...)
    Deine streitbaren sowie missionarischen Ausführungen in allen Ehren, aber ich finde darin keinen Vorschlag für eine Folge für unsere Podcaster?

    Worum sollte es in der von dir vorgeschlagenen Folge doch gleich gehen?

    Ich bin verwirrt...

    EDIT:

    Deinen zweiten Post übersehen... Du möchstest also eine globale Abhandlung / Themenwoche zu Cyberpunk als kulturelle Bewegung, philosophische Strömung und als Genre an sich. Ist dafür nen Spielepodcast wirklich die richtige Plattform und warum mit Cyberpunk 2077 im "vs"?
    Flo hat geschrieben: 20. Nov 2020, 13:55Eine Geschichte, die 'Cyberpunk' sein möchte, und im Jahre 2020 veröffentlicht wird ... wie sollte die avantgardistisch sein, wenn sie lediglich 40 Jahre altes Worldbuilding reproduziert? (...) Kann Cyberpunk 2077 überhaupt Cyberpunk sein? Ist Cyberpunk 2077 Cyberpunk?
    JA... "Cyberpunk 2077" IST rein faktisch ein Videospieladaption des Pen&Paper Rollenspiels "Cyberpunk" und möchte auch genau das sein. Mir wäre nicht bekannt, das es was anderes sein will. "Cyberpunk 2077" IST also ganz objektiv und ohne Diskussionsspielraum "Cyberpunk" (das Rollenspiel), völlig egal was du persönlich unter Cyberpunk als Genre, Philosophie oder Kultur verstehen möchtest. Die bessere Frage wäre damit also: Setzt "Cyberpunk 2077" das Universum aus dem Rollenspiel "Cyberpunk" gut / schlecht um?
    Zuletzt geändert von Guthwulf am 20. Nov 2020, 14:54, insgesamt 1-mal geändert.
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Flo »

    Guthwulf hat geschrieben: 20. Nov 2020, 14:18 Deine streitbaren Ausführungen in allen Ehren, aber ich finde darin keinen Vorschlag für eine Folge für unsere Podcaster?

    Worum sollte es in der von dir vorgeschlagenen Folge doch gleich gehen? "Cyberpunk 2077" basiert auf dem Pen&Paper Rollenspielsystem "Cyberpunk". Es übernimmt schlicht den Titel seiner Vorlage. So einfach ist das. Größere Genrediskussionen über Cyberpunk sind da gar nicht notwendig. Die kann man natürlich trotzdem anstellen, aber warum bzw. mit welchem Ziel und warum mit "Cyberpunk 2077"?

    Ich bin verwirrt...
    Als das Pen&Paper Rollenspiel 'Cyberpunk 2077' neu raus kam, da wäre in einem Pen&Paper Magazin die Frage naheliegend, ob in 'Cyberpunk 2077' denn Cyberpunk drinnen steckt. Schließlich vermarkten sie das ja unter dieser Bezeichnung. Und wenn 'Cyberpunk 2077 the videogame' nun, wie du sagst, als deckungsgleich zu 'Cyberpunk 2077 the Pen&Paper game' zu betrachten ist, dann wäre diese Frage ja genauso relevant.

    Ob diese Frage für die Pod Crew auch interessant ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Mein subjektiver Antrieb diesen Vorschlag zu machen ist im Grunde das was Bluttrinker so schön schreibt "Ich kriege selbst immer Wutanfälle, wenn sich Leute erdreisten, Jules Verne als "Steampunk"-Original oder so zu beschreiben... WTF! DACHLATTE!!"!11elfdrölf :ugly:" Mir graut es vor einer timeline, in der sich die ganze gamerwelt über Cyberpunk unterhält, am Ende sogar darüber philosophiert, weil sie gehört haben, dass Cyberpunk deep sein soll oder so, aber sich in Wirklichkeit nur über eine Themenpark Attraktion unterhalten.

    Ich fand es schon schrecklich, als Elon Musk auf der Cybertruck Präsentation erklärte, dass er die Straßen mit zivilen Panzern fluten möchte, und das Publikum und die Medien ihn dafür geradezu preisen. Juhu, freut euch auf eine Welt in der deine lokale Fascho Gruppe endlich an schweres Militär Gear kommt. Keinerlei Reflexion seitens Medien, die ich gefunden hatte. Lediglich Zelebrierung von Gewalt. Wie die Leute die Robocop für den Helden der Geschichte halten, in Starship Trooper "Team-Menschheit" sind, und denken, dass Tyler Durden ein schlauer Philosoph ist.
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Flo »

    Guthwulf hat geschrieben: 20. Nov 2020, 14:18 Du möchstest also eine globale Abhandlung / Themenwoche zu Cyberpunk als kulturelle Bewegung, philosophische Strömung und als Genre an sich. Ist dafür nen Spielepodcast wirklich die richtige Plattform und warum mit Cyberpunk 2077 im "vs"?
    Es wird tausende ausführliche Test zu Cyberpunk 2077 geben. Ich wünsche mir keinen weiteren Spiele Test. Was ich aber superspannend fände, und ich mir wünsche wäre, wie denn Cyberpunk 2077 zu beurteilen ist, als Cyberpunk Werk. Um das Spiel im Kontext zu Cyberpunk beurteilen zu können, muss man aber vorher darlegen, was Cyberpunk überhaupt ist. Da dies zum einen den Rahmen einer einzelnen Podcastepisode sprengen würde, und zum allgemein vielleicht interessant ist, kam ich beim Schreiben spontan auf die Idee, das auf mehrere Episoden zu verteilen.

    Es lässt sich ja schön mit der Japan Serie verbinden, und auch könnte sich Jochen bar seines Studiums wohl ganz gut mit der Thematik auseinander setzen.

    Fraglich ist aber selbstverständlich, ob das nicht zu weit weg vom Thema Computerspiele geht. Ich meine, ich hätte auch früher auch in Spielemagazine gerne einen Text über die einflussreichen Menschen und Machenschaften Florenz im Jahr 1500 gelesen, wenn das entsprechende Assassins Creed herausgekommen ist. Oder man kann auch die Episoden stärker auf Computerspiele anpassen. "Trans- und Posthumanismus in Spielen" wäre da zum Beispiel eine Variation.
    Guthwulf hat geschrieben: 20. Nov 2020, 14:18 JA... "Cyberpunk 2077" IST rein faktisch ein Videospieladaption des Pen&Paper Rollenspiels "Cyberpunk" und möchte auch genau das sein. Mir wäre nicht bekannt, das es was anderes sein will. "Cyberpunk 2077" IST also ganz objektiv und ohne Diskussionsspielraum "Cyberpunk" (das Rollenspiel), völlig egal was du persönlich unter Cyberpunk als Genre, Philosophie oder Kultur verstehen möchtest.
    An welcher Stelle habe ich geschrieben "Ist Cyberpunk 2077 Cyberpunk (das Rollenspiel)"? Ich meine, danke für deine Mühe, aber diese Frage habe ich nicht gestellt.
    Zuletzt geändert von Flo am 20. Nov 2020, 15:14, insgesamt 1-mal geändert.
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Heretic »

    Flo hat geschrieben: 20. Nov 2020, 14:53 Als das Pen&Paper Rollenspiel 'Cyberpunk 2077' neu raus kam, da wäre in einem Pen&Paper Magazin die Frage naheliegend, ob in 'Cyberpunk 2077' denn Cyberpunk drinnen steckt. Schließlich vermarkten sie das ja unter dieser Bezeichnung. Und wenn 'Cyberpunk 2077 the videogame' nun, wie du sagst, als deckungsgleich zu 'Cyberpunk 2077 the Pen&Paper game' zu betrachten ist, dann wäre diese Frage ja genauso relevant.
    "Cyberpunk 2077" basiert auf dem Pen & Paper-Rollenspiel "Cyberpunk 2020". "Wir sind jetzt im Jetzt" würde man in "Spaceballs" sagen. :D Dementsprechend wurde das Szenario in die Zukunft verlagert, aber eben nur 57 Jahre. Deshalb finde ich es absolut ok, dass es nicht allzu avantgardistisch aussieht und anscheinend nicht allzuweit von der Vorlage abweicht.
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    Beitrag von Sebastian Solidwork »

    Ich wäre daran interessiert, dass mal das Cyberpunk-Wollknäuel entwirt wird.
    Schon das mit dem Ursprung aus dieser Gruppe klingt interessant.

    Neuromancer habe ich auch auf den zweiten Anlauf durchgelesen. Ist schon ein paar Jahre her, könnte ich vielleicht mal wieder versuchen...
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    Guthwulf
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Guthwulf »

    Flo hat geschrieben: 20. Nov 2020, 14:53Als das Pen&Paper Rollenspiel 'Cyberpunk 2077' neu raus kam, da wäre in einem Pen&Paper Magazin die Frage naheliegend, ob in 'Cyberpunk 2077' denn Cyberpunk drinnen steckt. Schließlich vermarkten sie das ja unter dieser Bezeichnung. Und wenn 'Cyberpunk 2077 the videogame' nun, wie du sagst, als deckungsgleich zu 'Cyberpunk 2077 the Pen&Paper game' zu betrachten ist, dann wäre diese Frage ja genauso relevant.
    "Cyberpunk" das Pen&Paper Rollenspiel liefert (wie so oft) neben dem Regelwerk noch ein mehr oder weniger ausdefiniertes Universum, das sich über die Jahre hinweg durch diverse Editionen, Quellenbücher, Kurzgeschichten etc. natürlich weiterentwickelt hat. Das Original Netrunner Sammelkartenspiel von Richard Garfield basierte bspw. auch schon auf "Cyberpunk". "Cyberpunk 2077" ist jetzt halt eine weitere Adaption des existierenden konkreten "Cyberpunk" Universums. In "Cyberpunk 2077" wird damit notwendiger Weise sehr viel "Cyberpunk" (im Sinne der adaptierten Vorlage) stecken. Das kann man diskutieren und beurteilen, aber das ist ja nicht das, was du fragst.
    Flo hat geschrieben: 20. Nov 2020, 14:53Mein subjektiver Antrieb diesen Vorschlag (...) Mir graut es vor einer timeline, in der sich die ganze gamerwelt über Cyberpunk unterhält, am Ende sogar darüber philosophiert, weil sie gehört haben, dass Cyberpunk deep sein soll oder so, (...)
    Cyberpunk (als Genre) ist objektiv betrachtet grundsätzlich erstmal nur das, was du auch auf Wikipedia findest: "Cyberpunk is a subgenre of science fiction in a dystopian futuristic setting that tends to focus on a "combination of low-life and high tech" featuring advanced technological and scientific achievements, such as artificial intelligence and cybernetics, juxtaposed with a degree of breakdown or radical change in the social order. Much of cyberpunk is rooted in the New Wave science fiction movement of the 1960s and 1970s, when writers like Philip K. Dick, Roger Zelazny, John Brunner, J. G. Ballard, Philip José Farmer and Harlan Ellison examined the impact of drug culture, technology, and the sexual revolution while avoiding the utopian tendencies of earlier science fiction."

    "Cyberpunk" (das Rollenspiel) erfüllt diese Definition. "Cyberpunk 2077" wird es als Adaption von "Cyberpunk" also auch erfüllen.

    Ich finde, in dir dreht der Missionar ein wenig durch, der offenbar eine ganz konkrete eigene Vorstellung davon hat, was du persönlich als "richtiges" Cyberpunk (die Kultur) ansiehst und wie du persönlich verschiedene Aspekte von Cyberpunk (der Kultur) moralisch bewertest. Das klingt für mich aber nach ner pseudointelektuellen Diskussion aus dem Elfenbeinturm "von oben herab auf die dummen Massen da unten, denen man die Welt erklären muss". Nix gegen eine umfangreichere und tiefergehendere Auseinandersetzung mit Cyberpunk als Kultur und Philosophie. Diese aber anhand von "Cyberpunk 2077" in nem Videospielepodcast zu führen und dann auch noch so vorgefärbt, fänd ich bissel albern.
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Flo »

    Guthwulf hat geschrieben: 20. Nov 2020, 15:33 Cyberpunk (als Genre) ist objektiv betrachtet grundsätzlich erstmal nur das, was du auch auf Wikipedia findest: "[…]
    Objektiv? You Keep Using That Word, I Do Not Think It Means What You Think It Means. Ich habe besseres mit meiner Zeit zu tun, als mit Internet Leuten zu Diskutieren, die mir erklären was objektiv richtig ist.

    Davon abgesehen. Ich mag Cyberpunk sehr gerne. Die Qualitäten die mir daran gefallen, die mir ein Gribbeln in der Magengrube verursachen, die meinen Blick auf die Realität auch abseits des Spiels beeinflussen, sind imho einzigartig. Ich frage mich ob Cyberpunk 2077 mit solchen Qualitäten aufwarten kann, oder ob es nur die Asset-stärkste Umsetzung eines 40 Jahre alten Worldbuildings ist.
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Pikachu »

    Für mich ist Ghost in the Shell (Manga, Film und Anime) Cyberpunk (wie ich es mag) :) Eine GitS Mod für C2077 wäre ein Traum

    Flo hat geschrieben: 20. Nov 2020, 15:53 Objektiv? You Keep Using That Word, I Do Not Think It Means What You Think It Means. Ich habe besseres mit meiner Zeit zu tun, als mit Internet Leuten zu Diskutieren, die mir erklären was objektiv richtig ist.
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Sebastian Solidwork »

    Guthwulf, ich denke deinen Willen zur Differenzierung zu erkennen.

    Bei so einem Thema von "objektiv" zu sprechen sehe ich problematisch. Vor allem wenn es ein Überlegenheit bzw. bessere Qualität suggerieren soll (so kommt es mir vor).
    So eine Genre- wie auch eine Begriffs-Festlegung ist subjektiv, von Menschen gemacht. Sie könnte auch lauten "Genau so wie Neuromancer, Schwerpunkt auf Trans- und Posthumanismus"

    Ich glaube nicht, dass es das eine wahre Cyberpunk gibt. Ihr meint beide unterschiedliche Definitionen, wie ihr wohl schon erkannt habt.
    Keine von beiden ist besser oder schlechter, sie sind beide unterschiedlich. Beides ist Cyberpunk ;-)
    Das eine ist der "harte Kern", das andere popkulturell verbreitert. (Was beides nicht wertend gemeint ist)

    Das nach der Definition von Flo 2077 davon abweicht kann ich nachvollziehen und mich würden (als Podcast-Folge) auch hier weitere Details interessieren.
    Besser oder schlechter ist es deswegen für mich nicht.

    Edit: Oh Schade! Meine Befürchtung hat sich bestätigt. Flo war das "objektiv" zu viel.
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Flo »

    Pikachu hat geschrieben: 20. Nov 2020, 16:02
    Flo hat geschrieben: 20. Nov 2020, 15:53 Objektiv? You Keep Using That Word, I Do Not Think It Means What You Think It Means. Ich habe besseres mit meiner Zeit zu tun, als mit Internet Leuten zu Diskutieren, die mir erklären was objektiv richtig ist.
    Ganz starke Diskussionskultur übrigens :ugly:
    ...sorry ich kann gerade nicht folgen. Von welcher Diskussion sprechen wir hier? Der Diskussion ob Wikipedia Artikel objektive Wahrheit definieren, oder der Diskussion ob der Missionar in mir gerade durchdrehe, der in pseudointellektueller Manier den Massen von oben herab die Welt erklärt? Und habe ich mich deines Erachtens nach in einer dieser Diskussionen unangemessen geäußert? Ich bin dankbar für konstruktives Feedback hinsichtlich meiner Diskussionskultur.
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    Guthwulf
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Guthwulf »

    Flo hat geschrieben: 20. Nov 2020, 15:53
    Guthwulf hat geschrieben: 20. Nov 2020, 15:33 Cyberpunk (als Genre) ist objektiv betrachtet grundsätzlich erstmal nur das, was du auch auf Wikipedia findest: "[…]
    Objektiv? You Keep Using That Word, I Do Not Think It Means What You Think It Means. Ich habe besseres mit meiner Zeit zu tun, als mit Internet Leuten zu Diskutieren, die mir erklären was objektiv richtig ist.
    Und ich hab besseres mit meiner Zeit zu tun, als mit Leuten zu Diskutieren, die ihre persönlichen Ansichten als allgemeingültige Wahrheiten ansehen und die "dummen Massen" belehren wollen (so kommen deine Posts hier jedenfalls bei mir an). Ich habe eine existierende allgemeingültige und abstrakte Definition für "Cyberpunk" auf Wikipedia zitiert. Ist ja schön, dass du persönlich mit "Cyberpunk" sehr viel konkretere und andere Dinge verbindest (und die Wikipedia Definition für dich kein "echtes" Cyberpunk definiert), aber das macht deine persönliche Definition von Cyberpunk nicht "richtiger".
    Sebastian Solidwork hat geschrieben: 20. Nov 2020, 16:09Guthwulf, ich denke deinen Willen zur Differenzierung zu erkennen. Bei so einem Thema von "objektiv" zu sprechen halte ich aber für gewagt und problematisch. Vor allem wenn er ein Überlegenheit bzw. bessere Qualität suggerieren soll (so kommt es mir vor).
    Ja... objektiv war doofe Wortwahl. Mir gehts um die Differenzierung und die Auseinandersetzung mit bereits vorhandenen Definitionen. Wikipedia bietet hier eine sehr abstrakte Definition für Cyberpunk an. Die ist natürlich nicht besser oder schlechter als andere. Aber sie existiert eben bereits und ist zumindest soweit eine Konsensdefinition, dass sie auf Wikipedia Bestand hat. Ich reagiere tendentiell allergisch, wenn Leute vorhandene Definitionen ignorieren und ihre eigene subjektiven schwammigen Ansichten als einzig "wahre" Definition verwenden. Diesen Eindruck haben Flo's Posts gemacht. Da schreit der Wissenschaftler in mir nach Mord und Todschlag. Da mag ich ihm aber natürlich Unrecht tun.
    Zuletzt geändert von Guthwulf am 20. Nov 2020, 16:25, insgesamt 1-mal geändert.
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    Re: Cyberpunk 2077 vs. Cyberpunk 🦾🦾🦾

    Beitrag von Andre Peschke »

    Kinners, was geht denn hier mit dem Tonfall, bitte? Geschlossen.
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